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Full text of "Jahrbuch der praktischen Medizin. Kritischer Jahresbericht für die Fortbildung der praktischen Ärzte. .."

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Tafel  I. 


Die  Leukocyten  des  gesunden  menschlichen  Blutes. 

T.  Färbung:   Giamsa. 

#  •  •'  #  f  # 

Lympbocyten  '  '^  (Jbergangsformen. 

Übcrgafig^formen.  Polynukk-ärc  Nculraphilc  Eosmnphüe. 

2,   Färbung:    Tiiatid. 


2. 


Ly  m  ph  öcy  l  en  Ü  be  tga  ngsf ornicn . 


Neütpophile.  (J»iit  Faibstolfniedcrsthlüijen.)  Etjsjnofthlle* 

J.   Färbung*    May- Grün  wald. 

l.ymphocywn.  Übt-rgangs  formen.  Ncntfophüe*  EosinnphUe* 

4.  Flrbung:    Meiby U-nblaw. 

•  •  •  §  m  % 

Lymphocytcn,  Übergangs  form.  Neutropbile. 

5,    Fijrhnng:    Eosin   —   H  ämaioity  I  in. 

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Lympliocyleti.  ("'tH-'.uiL'sf.  innen, 

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Übergartgsformen.  Neuirophile.  Eosinophile, 

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JAHRBUCH 

DER 

PRAKTISCHEN  MEDIZIN. 

KRITISCHER  JAHRESBERICHT 
FÜR  DIE  FORTBILDUNG  DER  PRAKTISCHEN  ARZTE. 

UNTER  MITWIRKUNG  VON 

Prof.  Dr.  M.  Cloett»  in  Zürich,  Geh.  Medizioalrat  Prof.  Dr.  A.  Oramer  in  Göttiogen,  Prof. 
Dr.  A.  Denn  ig  in  Pforsheim,  Geh.  Medizinalrat  Prof.  Dr.  P.  Fürbrlngerin  Berlin,  Re- 
gitningsrat  Prof.  Dr.  J.  Glax  in  Abbazia,  Prof.  Dr.  E.  Grawitz  in  Cbarlottenbnrg,  Medizinal- 
rat  Prof.  Dr.  F.  Gnmpreoht  in  Weimar,  Prof.  Dr.  H.  Hochhaus  in  Köln,  Geh.  Medizinalrat 
Prof.  Dr.  A.  Hoffa  In  Berlin,  Prof.  Dr.  G.  Horstmann  in  Berlin,  Prof.  Dr.  F.  Hueppe  in 
Prag,  Prof.  Dr.  S.  Jadassohn  in  Bern,  Prof.  Dr.  A.  Jnrasz  in  Heidelberg,  Prof.  Dr.  J.  Klein 
in  Strasburg  I.  E. ,  Dr.  M.  Levy-Dorn  in  Berlin,  Prof.  Dr.  H.  Lorenz  in  Graz,  Prof.  Dr. 
H.  Nenmann  in  Berlin,  Prof.  Dr.  E.  Redlich  in  Wien,  Prof.  Dr.  H.  Bibbert  in  Bonn,  Prof . 
Dr.  Paul  Friedrich  Richter  in  Berlin,  Geh.  Sanit&tarat  Dr.  D.  Schwabaoh  in  Berlin, 
Dr.  H.  Stettiner  in  Berlin,  Prof.  Dr.  H.  Vi  er  or  dt  in  Tübingen,  Privatdozent  Dr.  P.Wagner 
in  Leipzig,  Prof.  Dr.  E.  Ziemke  in  Kiel. 

HERAUSGEGEBEN  VON 

Prof.  Dr.  J.  SCHWALBE 

IN  BERLIN. 
Mit  54  Abbildungen  und  2  farbigen  Tafeln. 

Jahrgang  1908.    : 


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STUTTGART. 
VERLAG  VON  FERDINAND   ENKE. 

1908, 


Das  Uebersetzungsrecht  für  alle  Sprachen  und  Länder 
vorbehalten. 


Druck  der  Union  Deutsche  YerlagsgesAllsohaft  in  Stuttgart. 


Vorwort. 


Der  Band,  mit  dem  unser  Jahrbuch  sein  viertes  De- 
zennium beginnt,  tritt  in  einem  neuen  Gewände  vor  seinen 
Leserkreis.  Ich  habe  auch  unserem  Jahresbericht  die  Vorteile, 
welche  erfahrungsgemäß  Illustrationen  für  das  Verständnis  des 
Textes  gewähren,  zuteil  werden  lassen,  und  dank  der  allezeit  be- 
reiten, einsichtsvollen  Mitwirkung  der  Herren  Berichterstatter  und 
dem  opferwilligen  Entgegenkommen  des  Verlags  ist  die  Neuerung 
in  diesem  Bande  bereits  durchgeführt  worden.  Wie  in  der 
Regel  zeigt  auch  unser  erster  Versuch  noch  nicht  unsere  Absicht 
in  ihrer  Vollendung:  es  wird  an  unserem  allseitigen  Bemühen 
nicht  fehlen,  die  Auswahl  der  Figuren  fortdauernd  zu  verbessern 
und  den  Text  soweit  wie  möglich  durch  Abbildungen  zu  er- 
gänzen. 

Die  illustrative  Ausstattung  hat  auch  eine  Aenderung  des 
Papiers  zur  Folge  gehabt,  da  nur  auf  stärker  satiniertem  Papier 
die  Figuren,  insbesondere  die  farbigen,  sich  gut  reproduzieren 
lassen. 

Ich  gebe  mich  der  Uo£fnung  hin,  daß  diese  Veränderung 
des  Jahrbuchs  von  den  Kollegen  als  eine  weitere  Verbesserung 
anerkannt  werden  und  dazu  beitragen  wird,  unserem  Werke  einen 
noch  größeren  Freundeskreis  in  der  Aerzteschaft  zu  sichern.  Die 
Arbeit  der  Referenten  und  Redaktion  und  die  Opfer  des  Verlags 
sollten  durch  einen  stärkeren  Absatz  des  Jahrbuchs  als  bisher 
gewürdigt  und  vergolten  werden. 

Auch  in  diesem  Jahre  bin  ich  von  Herrn  Dr.  Mamlock 
bei  der  Redaktion  des  Jahrbuchs  in  dankenswerter  Weise  unter- 
stützt worden. 

Berlin,  den  15.  Mai  1908. 

Julias  Schwalbe. 


Das  Uebersetzungsrecht  für  alle  Sprachen  und  Länder 
vorbehalten. 


Druck  der  Union  DeuUcbe  Verlagsgesellschaft  in  Stuttgart. 


Inhalt. 


Seite 


I.  Allgr^meine  Pathologie  und  pathologische  Anatomie  (ein- 
seUiefil.  Baltteriologie).  Von  Prof.  Dr.  Hugo  Ribbert, 
Direktor  des  pathologisch-anatomischen  Instituts   in  Bonn. 

(Mit  2  Abbildungen) 1—19 

Bakteriologie 1—8 

Allgemeine  Pathologie 8 — 13 

Spezielle  pathologische  Anatomie 14—16 

Literatur 16—19 

II.  Allgemeine  Therapie 20—156 

7.  Diätetik.    Von   Med.-Rat  Prof.  Dr.  F.  Gumprecht  in 

Weimar.    (Mit  2  Abbildungen) 20—31 

Allgemeines 20—30 

Literatur 30—31 

2.  Krankenpflege.  Von  Med.-Rat  Prof.  Dr.  F.  Gumprecht 

in  Weimar.    (Mit  3  Abbildungen) 32—43 

Allgemeines 82  —  37 

Einzelne  Instrumente  und  Verfahren     ....  37—41 

Literatur 42—43 

3.  Klimatother apiej  Pneumatotherapie^  Hydrotherapie,  Bal- 
neotherapie. Von  Reg.-Rat  Prof.  Dr.  J.  Glax  in 
Abbazia 44—61 

Klimatotherapie 44—47 

Pneumatotherapie 47—48 

Hydrotherapie 48—51 

Balneotherapie 51—55 

Literatur 55—61 

4.  Radiotherapie.     Von   Dr.   Max  Levy-Dorn,    leiten- 

dem Arzt  am  radiologischen  Institut  des  Rudolf  Virchow- 

Krankenhauses  in  Berlin.    (Mit  3  Abbildungen)      .    .  62—79 

Allgemeines 62 

Phototherapie 62—65 

Radiumtherapie 65—68 

Röntgentherapie 68—76 

Literatur 76—79 

5.  Pharmakotherapie.  Von  Prof.  Dr.  M.  Cloetta  in  Zürich  80—107 

Literatur 105—107 

6.  Orthopädie,  Kinesiotherapie.  Von  weiland  Geh.  Medizinal- 
rat Prof.  Dr.  A.  Hoffa,  Direktor  der  orthopädischen 
Universitätspoliklinik  in  Berlin,  und  Dr.  P  a  u  1  G 1  a  e  s  s- 

ner,  Assistent  der  Klinik.    (Mit  8  Abbildungen)     .    .  108—156 

Allgemeine  Orthopädie 108—124 

Spezielle  Orthopädie 124—144 

Literatur 144—156 


Inhalt  .VII 

Seite 
h)  Stoffwechselkrankheiten.   Von  Prof.  Dr.  Paul 

Friedrich  Richter  in  Berlin 360—872 

Diabetes  insipidus 360 

Diabetes  mellitus 360—364 

Fettsucht 364—366 

Gicht 366—369 

Verschiedenes 369—371 

Literatur 371—372 

Krankheiten  des  Blutes.  Von  Prof.  Dr.  E.  Qra- 
witz,  dirig.  Arzt  der  Inneren  Abteilung  des  Städti- 
schen   Krankenhauses    in   Charlottenburg- Westend. 

(Mit  Tafel  I) 373—381 

Literatur 380—381 

2.  Chirurgie  (einschließl.  der  Unfalls-  und  Kriegschirurgie). 
Von  Dr.  Paul  Wagner,  Privatdozent  an  der  Univer- 
sität in  Leipzig.    (Mit  5  Abbildungen) 382—418 

Allgemeine  Chirurgie 382—390 

Spezielle  Chirurgie 390—409 

Kopf  und  Hals 390—393 

Thorax 393—396 

Bauch 396—406 

Extremitäten 406—409 

Literatur 409—418 

3.  Geburtshilfe  und  Gynäkologie,  Von  Prof.  Dr.  J.  Klein, 
Lehrer  an  der  Hebammenschule  in  Straßburg  i.  E.  (Mit 

6  Abbildungen) 419—437 

Geburtshilfe 419-427 

Allgemeines 419—420 

Schwangerschaft 420—421 

Geburt 421—426 

Wochenbett 426-427 

Neugeborene 427 

Gynäkologie 427—432 

Allgemeine  Pathologie  und  Therapie     ....  427—429 

Aeußere  Geschlechtsorgane 429 

Gebärmutter 430—431 

Eierstock 431 

Adnexe 431 

Hamwege 431—432 

Literatur 482-437 

4.  Augenkrankheiten,    Von  Prof.  Dr.  C.  Horstmann  in 

Berlin 438—456 

Literatur 458—456 

5.  Ohrenkrankheiten,  Von  Geh.  San.-Rat  Dr.  D.  Schwab  ach 

in  Berlin.    (Mit  2  Abbildungen) 457—467 

Literatur 465—467 

6.  Krankheiten  der  Neue,  des  Nasenrachenraumes,  des 
Mundes f  des  Rachens,  des  Kehlkopfes  und  der  Luft- 
röhre,   Von  Prof.  Dr.  A.  Jurasz  in  Heidelberg.    (Mit 

2  Abbildungen) 468—484 


Vni  Inhalt 

Seite 

Allgemeines 468—471 

Nase  und  Nasenrachenraum 471—477 

Mund  und  Rachen 477—479 

Kehlkopf  und  Luftröhre 479—483 

Literatur ,  •    •    •  483—484 

7.  Haut'  und  venerische  Krankheiten,  Von  Prof.  Dr.  S.  J  ad as- 
sohn,  Direktor  der  Klinik  für  Haut-  und  venerische 
Krankheiten  in  Bern 485—511 

Hautkrankheiten 485—493 

Venerische  Krankheiten 493—503 

Gonorrhoe 493—496 

Syphilis 496—500 

Therapie 500—503 

Literatur 508—511 

8,  Kinderkrankheiten,    Von   Prof.  Dr.  H.   Neu  mann  in 

Berlin.    (Mit  3  Abbildungen  im  Text  und  Tafel  II)     .  512—526 

Literatur 525—526 

IV.  Aerztliche    SachTerstfindigentätigkeit.    Von  Prof.  Dr. 

E.  Ziemke  in  Kiel.    (Mit  3  Abbildungen) 527—567 

Literatur 562—567 

V.  Oeffentliches  Sanitätswesen.    Von  Ober-Sanitätsrat  Prof. 
Dr.  F.  Hueppe,   Direktor   des  Hygienischen   Instituts   in 

Prag 568—591 

Boden  und  Wasser 568—571 

Abwässer 571—572 

Luft  und  Klima 572—573 

Körperübungen 573—574 

Bäder 574 

Kleidung 574—575 

Ernährung 575—577 

Beleuchtung 577—578 

Heizung  und  Lüftung 578 — 579 

Ventilation 579 

Verkehr,  Straße,  Rauch  und  Staub 579—580 

Wohnung 580—582 

Infektionskrankheiten 582 — 586 

Desinfektion 586—587 

Literatur 587—591 

Sachregister 592—628 

Autorenregister 629—655 


Allgemeine  Pathologie  und  pathologische  Anatomie 

(einschließlich  Bakteriologie). 

Von  Prof.  Dr.  Hug:o  Ribber t,  Direktor  des  Patholo{»isch-anatomi^^cllen 

Instituts  in  Bonn. 

Mit  2  Abbildungen. 

Bakteriologie.  Nach  Untersuchungen  von  E.  o  n  z  a  n  i  .  haben 
gesunde  Lungen  die  Fähigkeit,  eingedrungene  Bakterien  ab- 
zutöten (s.  vor.  Jahrb.).  Durch  Kälte,  Temperaturwechsel,  Er- 
müdung, Staubinhalation  wird  diese  Fähigkeit  vermindert.  Die 
Aufnahme  von  Bakterien  durch  den  Darm  betrifft  eine 
Arbeit  von  Holle.  Prodigiosus,  Sarzine  und  Bacillus  fluorescens 
gehen  bei  Verfütterung  großer  Mengen  durch  Magen  und  Darm  in 
den  Körper  über  und  zwar  bei  Kaninchen  zunächst  nur  durch 
den  Magen ,  bei  Meerschweinchen  durch  Magen  und  Darm.  Auch 
Klecki  sah,  daß  verfütterte  Saprophjiien  bei  Hunden  nicht  nur  in 
den  Mesenterialdrüsen,  sondern  auch  in  zahlreichen  inneren  Organen 
nachzuweisen  waren.  Die  Einwanderung  in  das  Körperinnere  er- 
folgt auf  dem  Wege  der  Chylusgefäße.  Heß  untersuchte  Lymph- 
drüsen auf  ihren  Keimgehalt.  Zervikale  und  mediastinale 
wurden  immer  keimfrei  angetroffen.  In  den  Bronchialdrüsen  da- 
gegen fand  er  häufig  Streptokokken,  seltener  Staphylokokken,  femer 
Sarzine,  Kolibazillen,  in  den  Tonsillen  mehrere  Male  Streptokokken. 
Ueber  den  Eintritt  der  Bakterien  in  das  Blut  nach  dem 
Tode  machte  Dibbelt  Mitteilungen.  Er  geht  nicht  schnell  vor 
sich.  Das  Blut  kann  nach  36  Stunden  noch  keimfrei  sein.  Im 
Blute  vorhandene  Bakterien  müssen  demnach  schon  intra  vitam  in 
ihm  vorhanden  gewesen  sein.  Für  die  Frage,  ob  sie  die  Todes- 
ursache sind,  kommt  auch  ihre  Menge  in  Betracht.  Nur  wenn  viele 
vorhanden  sind,  sind  sie  ätiologisch  maßgebend. 

Jahrbuch  der  priiktisoh«Mi  Medizin.    IDO».  l 


Eindring* 

der  Baktei 

in  die 

Lungen 

—  durch  < 
Harm. 


Bakterie 

in  Lymp 

di'i\sen 


Postniorti 
Eindring 
in  das  ül 


Ribbert. 


Iimnnnität.  Die  Frage  nach  den  Verteidigungsmitteln  des  Körpers 

gegen  die  eingedrungenen  Bakterien  wird  mehr  und  mehr  dahin 
beantwortet,  daß  Zellen  und  Säfte  gemeinsam  beteiligt  sind.  Letztere 
wirken  durch  die  verschiedenen  in  ihnen  enthaltenen  Substanzen  so 
auf  die  Bakterien,  daß  diese  für  die  Zellen  angreifbar  und  dadurch 
ihrer  endgültigen  intrazellularen  Vernichtung  entgegengeführt  wer- 
Fhagozytose.  den.  Bächer  studierte  die  Beeinflussung  der  Phagozytose  durch 
normales  Serum,  das  aus  den  verschiedensten  Tierarten  genommen, 
auf  Milzbrand-,  Cholera-,  Kolibazillen,  Streptokokken  und  Staphylo- 
kokken so  wirkt,  daß  sie  von  Zellen  leichter  aufgenommen  werden. 
Die  Stoffe,  die  das  zur  Folge  haben  und  die  von  den  bakteriotropen 

Opsonine.  Körpern  verschieden  sind,  werden  den  Opsoninen  zugerechnet. 
Sie  verschwinden  aus  dem  Serum  bei  Aufbewahrung  und  bei  Er- 
hitzung. Neumann  machte  ähnliche  Versuche,  aber  auch  mit  Im- 
munserum und  Leukozytenextrakten.  Er  sah  ebenfalls  die  phago- 
zytosebefordemde  Wirkung,  einmal  bei  Immunserum.  Doch  ist  die 
opsonische  Wirkung  in  allen  Fällen  schwankend.  Die  Opsonine 
sind  mit  Ambozeptor  und  Komplement  nicht  identisch.  Derartigen 
experimentellen  Eesultaten  entsprechend  wurde  auch  über  günstige 
Erfolge  der  von  Wright  eingeführten  Behandlung,  die  durch  künst- 
liche Einführung  geringer  Mengen  der  für  die  jedesmalige  Krank- 
heit spezifischen  Mikroorganismen  die  Opsoninbildung  zu  befördern 
sucht,  mehrfach  berichtet,  so  u.  a.  von  Friedemann  und  Käm- 
merer. Weil  sah  bei  intraperitonealer  Einführung  von 
Heubazillen  in  die  Bauchhöhle  von  Meerschweinchen,  daß  Serum 
und  Zellen  gemeinsam  wirkten ,  beide  für  sich  allein  aber  nicht. 
Bei  vorheriger  Bindung  der  Komplemente  oder  bei  Lähmung  der 
Zellen  werden  die  Bakterien  in  ihrem  Wachstum  nicht  mehr  auf- 
gehalten. Jarotzky  fand  bei  Schweinerotlauf  die  Phagozytose 
sehr  wirksam,  wenn  er  mit  den  Bazillen  zugleich  auch  Immunserom 
einführte.  Ein  großer  Teil  der  Zellen  nahm  die  Bazillen  sehr  reich- 
lich auf.  Daß  die  Zellen  in  einzelnen  Fällen  aber  auch  für  sich 
allein  wirken  können,  zeigte  Wachsmuth.  Die  Leukozyten,  be- 
sonders die  lebenden ,  vermögen  die  hämolytischen  toxischen  Pro- 
dukte der  Sta})hylokokken  zu  neutralisieren,  aber  nach  Erwärmung 
auf  00"  nur  noch  schwach,  auf  80"  nicht  mehr.  Eine  ausgezeichnete 
Uebersicht  über  neue  Tatsachen  und  Theorien  in  der  Im- 
munitätsforschung gab  Sauerbeck.  Er  beschäftigte  sich  anßer- 

Aggressiiic.  dem  mit  Untersuchungen  über  die  Aggressine  Bails,  der  be- 
kanntlich der  Ansicht  ist,  daß  die  Bakterien  im  Körper  eigene  An- 
griffsstoffe, Aggressine,    bilden,   die  nicht  giftig  sind,   aber   die 


Allgemeine  Pathologie,  pathologische  Anatomie,  Bakteriologie.        3 

Fähigkeit  haben,  die  Phagozytose  zu  verhindern.  Sauerbeck  be- 
stätigte, daß  das  von  den  Bakterien  erzeugte  Exsudat  nach  deren 
Abtötung  im  stände  ist,  mit  einer  untertödlichen  Dose  der  Bakterien 
eine  tödliche  Krankheit  zu  erzeugen.  Aber  er  meint,  daß  die  Wir- 
kung nicht  nur  auf  Aggressinen  beruht,  sondern  auch  mit  Endo- 
toxinen  und  Toxinen  zu  erreichen  ist.  In  jener  Uebersicht  spricht 
er  sich  noch  zurückhaltender  aus.  Auch  Friese  kam  zu  dem 
Schluß,  daß  die  infektionsbefördemde  Kraft  sterilisierter  Exsudate 
auf  der  Gegenwart  abgestorbener  und  absterbender  Bakterien  be- 
ruht, nicht  auf  besonderen  Aggressinen.  Auch  Pane  und  Lotti 
sprachen  sich  gegen  die  Aggressine  aus  auf  Grund  von  Versuchen 
mit  Dysenteriebazillen.  Denn  auch  die  aus  diesen  gewonnenen  Ex- 
trakte erwiesen  sich  als  äulkrst  aggressiv.  Eine  eigenartige  Form 
der  Immunisierung  brachten  Deycke  und  Keschad  gegen  die 
Lepra  in  Anwendung.  Aus  jungen  Kulturen  gewonnene,  fett- immunisiemn 
ähnliche  Substanz,  das  „Yastin",  hatte  in  mäßigem  Grade  im-  gegen  Lepra, 
muniaierende  Wirkung  dadurch,  daß  der  Körper  sich  an  das  Fett 
gewöhnte  und  die  Fetthülle  der  Bazillen,  die,  wie  bei  den  Tuberkel- 
bazillen (nach  Metschnikoff),  deren  Widerstandskraft  bedingt, 
zur  Lösung  bringt.  In  diesem  Zusammenhange  sei  erwähnt,  daß 
nach  G  r  u  b  e  r  und  F  u  s  a  k  i  auch  die  Milzbrandbazillen  eine 
Hülle,  eine  Kapsel  zu  bilden  vermögen,  die  sie  gegen  die  Wir- 
kung des  aus  Leukozyten  und  Plättchen  frei  werdenden  Anthrako- 
zidin  schützt. 

Unter  den  einzelnen  Infektionskrankheiten  betreffen  wieder  die 
zahlreichsten  Mitteilungen  das  Gebiet  der  Tuberkulose.  Der  Tuberkulose: 
Streit  um  die  Verschiedenheit  oder  Identität  der  von  verschiedenen  Typus 
Tierspezies  stammenden  Bazillen  ist  noch  immer  nicht  entschieden,  humanns. 
Tatewossianz  trat  für  die  Verschiedenheit  der  Menschen-  und 
Rinderbazillen  ein.  Nur  im  Experiment  können  zuweilen  mensch- 
liche Bazillen  auf  Rinder  übertragen  werden,  aber  nur  bei  Anwen- 
dung großer  Mengen,  spontan  kommt  diese  Infektion  nicht  vor. 
Und  die  Uebertragung  von  Rindertuberkulose  auf  den  Menschen  sei 
noch  nicht  bewiesen.  Aehnlich  sprach  sich  Weber  aus.  Er  ver- 
mochte es  nicht,  den  Typus  humanns  dadurch,  daß  er  ihn  die  Ziege, 
das  Schwein  und  das  Rind  passieren  ließ,  so  umzuwandeln,  daß  er 
für  Tiere  infektionstüchtiger  wurde.  Moryia  betonte  wenigstens 
die  Schwierigkeit  einer  Umzüchtung.  Warmblüterbazillen  lassen 
sich  nur  äußerst  schwer  in  Kaltblüterbazillen  umwandeln,  doch  er- 
kennt er  an,  daß  es  vereinzelt  gelungen  sei  und  daß  die  Tuberkel- 


Ribbert. 


iberkulose: 

Typus 
»Tinas  und 
humtnus. 


Ringanpfä- 
iforten  dor 
ul»erkulose. 


bazillen  mancho  Varietäten  darbieten.  Sorgo  und  Sueß  konnten 
demgegenüber  menschliche  Bazillen  mehrere  Male  mit  Erfolg  auf 
Schlangen  übertragen.  Sie  züchteten  dann  aus  diesen  Tieren  Ba- 
zillen wieder,  die  sich  dem  Typus  der  Kaltblüterbazillen  annäher- 
ten, bezw.  damit  übereinstimmten.  Es  fänden  sich  demnach  keine 
durchgreifenden  Unterschiede.  In  diesem  Zusammenhange  verdient 
auch  Erwähnung,  daß  C.  Fränkel  die  menschlichen  Bazillen  auch 
bei  gewöhnlicher  Temperatur  züchten  konnte  und  daß  ihre  Virulenz 
dabei  erhalten  blieb.  Die  Uebertragbarkeit  des  Typus  bovinus  auf 
den  Menschen  ergab  sich  aus  folgenden  Mitteilungen.  Oehlecker 
untersuchte  5<)  chirurgische  Tuberkulosen.  Er  gewann  daraus 
5  Kulturen  mit  dem  Typus  bovinus.  4  davon  betrafen  Kinder  und 
zwar  3  Halsdrüsentuberkulose,  einer  eine  Knochentuberkulose.  Die 
Perlsuchtbazillen  sind  für  den  Menschen  nicht  virulenter  als  der 
Typus  humanus.  Weber  und  Taute  fanden  bei  Darmtuberkulose 
und  zwar  nur  bei  Kindern,  bei  denen  eine  Milchini'ektion  möglich 
gewesen  war,  in  einem  großen  Teil  der  Fälle  den  Typus  bovinus, 
auch  wenn  die  Eltern  frei  von  Tuberkulose  waren.  Beitzke 
stellte  unter  25  Fällen  von  Kindertuberkulose  2mal  den  Typus 
bovinus  fest.  Außerdem  fand  er  vielfach  unbestimmte  Formen  mit 
Annäherung  an  den  Typus  humanus  oder  bovinus.  Die  Morphologie 
und  Biologie  der  Bazillen  gibt  keinen  sicheren  Aufschluß  über  die 
Herkunft.  Man  müsse  mehr,  als  es  zur  Zeit  geschieht,  mit  der 
Mciglichkeit  einer  Infektion  mit  Rinderbazillen  rechnen.  L.  Rabino- 
witsch  gewann  aus  Afientuberkulosen  teils  und  zwar  meist,  mensch- 
liche •  Bazillen ,  mehrere  Male  den  Typus  bovinus,  einmal  beide 
komi)iniert,  einmal  Geflügelbazillen,  mehrere  Male  atypische  Formen. 
Der  Affe  ist  also  je  nach*  Gelegenheit  für  alle  Formen  empfänglich. 
Rabinowitsch  meint,  daß  dies  auch  für  den  Menschen  gilt,  daß 
die  verschiedenen  Bazillenarten  nur  Varietäten  auf  den  verschiedenen 
Tierspezies  sind.  Zu  dem  gleichen  Resultat  kamen  M.  Koch  und 
Rabin u witsch  bei  Untersuchung  der  Vogelbazillen.  Maus,  Ratte, 
Rind,  Schwein,  Pferd  und  Affe  konnten  erfolgreich  infiziert  werden. 
Bei  spontaner  Vo<;eltuberkulose  wurden  jnelirero  Male  menschliche 
Bazillen  gefunden.  Vogel-  und  Siiugerbazillen  sind  nicht  getrennte 
Arten.  Von  den  Invasionspfurten  der  Tuberkulose  war  im 
vergangenen  Jahre  viel  die  Rede.  Für  die  Frage  nach  der  plazentaren 
Infektion  ist  die  Mitteilun«^  Carls  von  Interesse,  der  2mal  eine 
Endometritis  caseosa  mit.  Uebergreifon  auf  div  Placenta  matema 
und  foetalis  beobachtete.  Die  F()ten  waren  aber  frei,  walu-schein- 
lich  wegen  Thrombose  der  fötalen  GefiilU;.    Schrumpf  sah  2  Fälle 


Allgemeine  Pathologie,  pathologische  Anatomie,  Bakteriologie.        5 

von  Tuberkulose  der  Decidua  vera  ohne  Erkrankung  der  Eingan 
Plazenta.  Auch  hier  waren  die  Töten  ohne  Tuberkulose.  Was  Pforten 
nun  die  extrauterine  Infektion  angeht,  so  ist  so  viel  allgemein  an- 
erkannt, daß  sie  sowohl  vom  Darm  wie  von  der  Lunge  aus  er- 
folgen kann,  und  nur  über  die  relative  Häufigkeit  dieser  beiden 
Wege  gehen  die  Meinungen  noch  weit  auseinander.  Ueber  die  Her- 
kunft der  Bazillen  ist  damit  noch  nichts  ausgesagt.  Denn  wenn 
z.  B.  Flügge  wieder  sehr  lebhaft  dafür  eintrat,  daß  die  Infektion 
durch  die  Tröpfchenverstäubung  der  Mundflüssigkeit  spre- 
chender Phthisiker  geschieht,  so  können  die  Bazillen  dabei  ebenso 
gut 'im  Bachen  niedergeschlagen  und  heruntergeschluckt,  wie  in  die 
Lungen  aspiriert  werden.  Für  die  Infektion  vom  Darm  aus 
traten  Weichselbaum  und  Bartel  lebhaft  ein.  Sie  sehen  in  ihr 
die  Hauptquelle  menschlicher  Tuberkulose.  Aber  die  Auffassung, 
daß  die  Lunge  die  wichtigste  Eingangspforte  sei,  hat  an 
Sicherheit  wesentlich  gewonnen.  Ribbert  setzte  auseinander,  daß 
die  häufigste  primäre  und  isolierte  Tuberkulose  die  der  Bronchial- 
drüsen sei,  demnächst  die  der  Lunge.  Diese  Lokalisation  könne 
aber  auf  keine  andere  Weise  zu  stände  kommen  als  durch  einge- 
atmete, in  der  Lunge  sitzen  bleibende  oder  zu  den  Bronchialdrüsen 
transportierte  Bazillen.  Bei  Eintritt  der  Bazillen  in  Rachen  oder 
Darm  müßten  die  zugehörigen  Drüsen  zuerst  erkranken,  sie  könnten 
nicht  übersprungen  werden.  Weleminsky  (vor.  Jahrb.)  hatte  ge- 
meint, die  Bronchialdrüsen  seien  ein  Mittelpunkt  des  Lymphgefäß- 
systems und  würden  schließlich  immer  auch  von  anderen  Eingangs- 
pforten her  infiziert.  Dagegen  wandte  sich  B  e  i  t  z  k  e ,  der  in  vielen 
Experimenten  diese  Stellung  der  Bronchialdrüsen  nicht  bestätigen 
konnte.  Auch  Hart  betonte,  daß  jene  Drüsen  einzig  aus  den 
Lungen  ihre  Lymphe  beziehen.  Die  Halsdrüsentuberkulose  schreitet 
für  gewöhnlich  nicht  auf  die  intrathorakalen  Drüsen  fort.  Auch 
Oehlecker  kam  zu  dem  gleichen  Schluß.  Die  Drüsen  erkranken 
nur  von  den  zugehörigen  Organen  aus»  auch  bei  intravenöser  In- 
fektion. Diese  Schlüsse  stimmen  durchaus  zu  den  Ergebnissen  von 
Inhalations-  und  Fütterungsversuchen.  Pfeiffer  und  Fried- Experim« 
berger  ließen  von  Tieren  zerstäubte  Bazillen  einatmen,  und  zwar  ^*^**®'*^* 
von  jedem  höchstens  3000  Bazillen.  Es  entstand  regelmäßig  eine 
Lungen-  und  eine  oft  ausgedehnte  Bronchialdrüsentuberkulose,  keine 
intestinale  Erkrankung.  8ie  ließen  ferner  von  Kontrolltieren  viele 
Millionen  von  Bazillen  herunterschlucken.  Aber  viele  von  diesen 
Tieren  blieben  ganz  gesund,  einige  wenige  bekamen  Mesenterial- 
drüsentuberkulose.     Findel   hatte   ähnliche   Resultate.     Schon   mit 


G 


Ribbert. 


Latenz  der 
Bazillen. 


Genese  der 

Lnngen- 
tnberkulose. 


62  Bazillen  wurde  bei  Inhalation  tödliche  Lungentuberkulose  er- 
zielt, dagegen  mit  einer  millionenfach  größeren  per  os  verabreichten 
Menge  keine  intestinale  Tuberkulose.  Von  Interesse  ist  es,  daß  die 
Bazillen  in  den  Lymphdrüsen  .einige  Zeit  latent  bleiben  können, 
ohne  Veränderungen  hervorzurufen.  Weber  und  Baginsky  stellten 
das  aufs  neue  (s.  vor.  Jahrb.)  fest,  meinen  aber,  daß  die  Latenz 
nicht  lange  dauere.  Auch  Rah ino witsch  konnte  ihr  Vorkommen 
bestätigen.  Sie  fand  femer,  daß  die  Bazillen  auch  in  völlig  ver- 
kalkten Lymphdrüsen  noch  lebend  und  infektionstüchtig  sind.  Ueber 
die  Genese  der  Lungentuberkulose  hat  sich  Orth  ausführlich 
verbreitet.  Sie  kann  nicht  selten  auch  hämatogen  entstehen,  durch 
Vermittlung  von  Intimatuberkeln  der  kleinen  Arterien.  Auch  bei 
hämatogener  Genese  ist  die  Lungenspitze  bevorzugt,  so  daß  deshalb, 
wie  auch  Eeferent  behauptet  hatte,  die  Tuberkel  in  ihr  stets  größer 
sind  als  in  den  unteren  Abschnitten  der  Lunge.  Durch  Schwanger- 
schaft wird,  wie  Hermann  und  Hart el  an  Meerschweinchen  zeigten, 
die  Ausbreitung  der  Lungentuberkulose  begünstigt.  Die  Tuberkel 
wachsen  und  verkäsen  schneller,  die  Bronchiektasien  entstehen 
rascher  und  werden  größer.  Tschistowitsch  prüfte  die  Wirkung 
der  durch  Extraktion  aus  Tuberkelbazillen  gewonnenen  wachsartigen 
Massen  im  Vergleich  zu  den  nach  dieser  Prozedur  verbleibenden 
Bazillen.  Erstere  erzeugten  aseptische  Abszesse  mit  Abkapselung, 
letztere  einen  granulierenden,  schnell  ausheilenden  Prozeß.  Der 
Fettgehalt  der  Bazillen  ist  nach  Auclair  nicht  die  Ursache  ihrer 
charakteristischen  Färbung.  Auch  die  entfetteten  Bazillen  färben 
sich  noch.  Es  muß  demnach  die  ganze  chemische  Zusammensetzung 
Schutzimpfung  der  Bazillen  verantwortlich  gemacht  werden.  —  Ueber  die  Schutz- 
impfung gegen  Tuberkulose  liegt  eine  Reihe  von  Arbeiten 
vor,  die  durchschnittlich  nicht  zu  einem  völlig  befriedigenden  Er- 
gebnis gelangten.  Baumgarten  und  Dibbelt  vermochten  mit 
dem  Serum  immunisierter  Rinder  einen  sicheren  Schutz  ^egen  die 
Infektion  nicht  zu  erzielen.  Dagegen  gelang  es  ihnen  mit  sub- 
kutaner Verimpfung  menschlicher  Bazillen.  Mehrere  Rinder  blieben 
nach  Impfung  mit  virulenten  Rinderbazillen  klinisch  und  anatomisch 
völlig  gesund.  Weber  und  Titze  erzielten  keine  befriedigenden 
Resultate  bei  Schutzimpfung  der  Rinder  mit  v.  Behrings  Bovo- 
vaccin.  Das  Verfahren  schützte  weder  gegen  die  künstliche  noch 
gegen  die  natürliche  Infektion,  am  wenigsten  bei  Einbringung  der 
Bazillen  in  den  Darmkanal.  Doch  sind  weitere  Versuche  notwendig. 
Nach  Eber  sprechen  weder  die  Ergebnisse  der  Tuberkulinprobe 
noch    der  Obduktionsbefund    dafür ,    daß    es   gelingen    wird ,    durch 


gegen 
Tuberkulose. 


Allgemeine  Pathologie,  pathologische  Anatomie,  Bakteriologie. 


Bovovaccinimpfung  die  Rindertuberkulose  zu  bekämpfen.  Die  ge- 
impften Tiere  sind  nur  vorübergehend  geschützt.  Hutyra  suchte 
Rinder  vermittels  des  Bovovaccin  und  durch  intravenöse  und  sub- 
kutane Impfung  mit  Menschenbazillen  zu  immunisieren.  Die  Tiere 
wurden  mehr  oder  weniger  immun,  aber  die  Immunität  verschwand 
spätestens  nach  17  Monaten.  Calmette  und  Guerin  infizierten 
Rinder  vom  Darm  aus  einmal  mit  geringen  Mengen  virulenter  Ba- 
zillen und  sahen  dann  unter  Aufhören  der  Tuberkulinreaktion  Im- 
munität eintreten.  Eine  wiederholte  Darminfektion  mit  größeren 
Mengen  hatte  aber  stets  schwere  Erkrankung  zur  Folge.  O  r  t  h  und 
Rabino witsch  haben  Meerschweinchen,  die  von  Friedmann 
is.  V.  Jahrb.)  mit  Schildkrötenbazillen  vorgeimpft  waren,  auf  ihre 
Immunität  geprüft.  Sie  konnten  sie  aber  nicht  feststellen.  Die  be- 
handelten Tiere  lebten  allerdings  länger  als  die  Kontrolltiere,  aber 
sie  gingen  doch  stets  an  ausgebreiteter  Tuberkulose  zu  Grunde.  — 
Eine  eigenartige  Tinmunisierungserscheinung  sah  Uffenheimer. 
Nach  Einführung  verschiedenartiger  organischer  Stoffe  in  den  Tier- 
körper, insbesondere  nach  Tuberkuloseinfektion  sah  er  eine  Größen- 
zunahme  aller  lymphatischen  Knötchen  der  Lunge.  Er  nannte  den 
Zustand  Knötchenlunge  und  meint,  daß  in  den  Herdchen  immuni- 
sierende Prozesse  abliefen. 

hl  bestimmten  Formen  gangräneszierender  Entzündungen      OanKriin. 
fand  Veszpremi  drei  Bakterienarten,  Spirochaete  gracilis,  Bacillus 
fusiformis  und  Cladothrix  putredogenes ,  die  voneinander  scharf  <:;e- 
trennt   und    gemeinsam    die   Erreger   der  Gangrän    sind.     Bei    der 
von   einer   An*;;ina    ausgehenden    Allgemeininfektion    be-       Angina, 
obachtete  Kretz   drei  Formen  des  Verlaufes,  einmal  eine  schnelle 
allgemeine  Bakteriämie,  zweitens  eine  starke  Ilalsdrüsenentzündung 
mit  geringen  Mengen  von  Bakterien  im  Blut,  drittens  eine  geringe 
Entzündung   bei  Fehlen   der  Bakterien   im   Kreislauf.     Die  ljynij)h- 
drüsen   des  Halses   wirken   teils  als  Filter,   teils   als   Orte   der   Im- 
munisierung.   Kitz  mann  fand,  daß  die  Infektion  mit  Tetanusbazillen      TotumiH. 
und    Streptokokken    bei    hciherer    Auiiontemperatur    liCgünstigt    ist 
und     daß    der    Tetanus    schneller     verläuft,     wenn    Streptokokken 
hinzutreten.      I.evy    teilte    eine    Methode    zur    Differentialdiagnose    i'n-mno-  uii< 
von   Streptokokken  und  Pneumokokken  mit.     in    Bouillon,    die  mit  ^'»'M'i^kwkke 
taurocholsaureni  Natron  versetzt  wunle,  werden  die  Pneumokokken 
gelöst,   so  daß  die  Flüssigkeit  klar  wird,    die  Streptokokken  nicht. 
Auf  T  y  p  h  u  s  b  a  z  i  1 1  e  n    wirkt  Galle   nach    Untersuchungen    von       Tyi-hu». 
Fern  et  entwicklungshemmend,  Kochen  hebt  diese  Bakterizidie  auf. 
Die  gekochte  Galle  ist  dann  ein  guter  Nährliuden.     Heck   veri^lich 


Ribbert. 


Typhus. 


iholera. 


Benterie. 


Pest. 


ikurrens. 


den  Verbleib  von  Typliusbazillen  im  Körper  immuner  und  nichtvor- 
behandelter  Tiere.  Aus  dem  immunen  Körper  verschwinden  sie  viel 
eher  wieder  als  aus  dem  nicht  immunisierten,  dort  z.  B.  aus  der 
Milz  nach  48  Stunden,  hier  nach  10—20  Tagen.  Ueber  die 
Gholerabazillen  machte  Kraus  die  Mitteilung,  daß  sie  eben£all8, 
was  man  bisher  nicht  annahm,  die  Bildung  von  Antikörpern  ver- 
anlassen, die  das  Gift  sowohl  im  Eeagensglas  wie  im  Organis- 
mus neutralisieren.  Kruse  besprach  das  Vorkommen  mehrerer 
Varietäten  von  Pseudoruhrbazillen.  Auch  für  sie  gibt 
es  Menschen,  die  sie  ohne  Erkrankung  beherbergen  (Bazillen- 
träger). Das  Serum  der  Ruhrkranken  agglutiniert  die  Bazillen, 
in  ihm  sind  bakterizide,  opsonische  und  antitoxische  Substanzen 
vorhanden.  Für  die  Verbreitung  der  Pest  ist  es  von  Interesse, 
daß  nach  Beobachtungen  von  Jordansky  und  Klodnitzky 
die  Wanzen,  die  Blut  pestinfizierter  Menschen  saugen,  eine  große 
Gefahr  darstellen,  da  in  ihnen  die  Bazillen  sehr  lange  lebend  bleiben. 
Ueber  die  Rekurrensspirillen  liegen  mehrere  Mitteilungen 
vor.  C.  Fraenkel  trat  für  die  Verschiedenheit  der  amerikanischen, 
der  afrikanischen  (Zeckenfieber)  und  der  russischen  (Obermeier- 
schen)  Spirochäte  ein,  wegen  des  Verhaltens  der  Spirillen  im  gegen- 
teiligen Serum,  und  weil  eine  wechselseiti^re  Immunisierung  nicht 
stattfindet.  Die  Uebertragung  der  russischen  Rekurrens  geschieht 
wohl  kaum  durch  Zecken,  vielleicht  aber  durch  Wanzen.  Schel- 
lack stellte  die  morphologischen  Unterschiede  der  einzelnen  Spirillen- 
arten  genauer  fest.  Uhlenhuth  und  Haendel  fanden  die  Spiro- 
chäten ebenfalls  verschieden.  Die  russische  und  die  amerikanische 
stehen  sich  zwar  nahe,  lassen  sich  aber  durch  die  Serumreaktion 
unterscheiden .  J  a  k  i  m  o  f  f  und  Schiller  konnten  auch  vom  Darm 
aus  eine  Trypanosomeninfektion  erzielen,  besonders  bei  Herabsetzung 
der  Peristaltik.  Nur  weiße  Mäuse  waren  für  die  Darminfektion  un- 
zugänglich, sehr  empfindlich  dagegen  weiße  und  graue  Ratten,  dann 
Hunde,  dann  Kaninchen  und  Meeracliweincben. 


Igemeine 
thologie : 
Inibolie. 


Dem  Gebiete  der  allgemeinen  Pathologie  gehört  zunächst  eine 
Arbeit  Ribberts  über  Embolie  an.  In  ihr  wird  vor  allem  das 
Verhältnis  der  Thromboso  der  Pulmonalarterie  und  der  Embolie 
besprochen  und  hervorgehoben,  dal)  letztere  nicht  yo  hauti^:  sei,  wie 
man  gern  annehme  und  dali  erstorti  eine  gröllere  Rolle  spiele.  So- 
dann wird  eingehend  erörtert,  diil)  es  «»ine  sogenannte  retrograde 
Embolie  nicht  gibt,  sondern  nur  einen  retrograden  Transport.  — 
Mit    der    Entzündung    beschäftigte    sich    Rosenber»xer.     Die 


Allgemeine  Pathologie,  pathologische  Anatomie,  Bakteriologie. 


Leukämie. 


Saugbehandlung  bei  Terpentinentzündong  bewirkt  gegenüber  Entzttndani 
nicht  behandelten  Entzündungen  stärkere  Hyperämie,  Transsudation 
und  Emigration  (in  den  Gefäßen  viel  mehr  Leukozyten),  femer  inten- 
sivere Bindegewebe-  und  Gefäßneubildung.  Jansen  untersuchte 
den  Einfluß  der  Finsenlichtbehandlung.  Es  entsteht  starke 
Schädigung  des  Epithels,  weniger  des  Bindegewebes,  starke  hämor- 
rhagische Entzündung,  Thrombosierung,  Oedem,  starke  Bindegewebs- 
wucherung.  Das  Licht  desinfiziert  also  nicht,  aber  es  bewirkt  leb- 
haftere Heilung.  —  Bei  Leukozytose  kommt  nach  Pollitzer 
auch  im  Blute  eine  Teilung  der  Zellen  vor,  so  daß  diese  also  nicht 
alle  nur  aus  dem  Knochenmark  stammen  müssen.  Für  die  scharfe 
Trennung  der  Leukozyten  und  Lymphozyten  ist  Schridde  aufs 
neue  eingetreten.  Er  betonte,  da(^  schon  die  Myeloblasten  und  die 
Lymphoblasten  sich  typisch  nach  Protoplasma  und  Kern  unter- 
scheiden. Im  gleichen  Sinne  besprachen  Fabian,  Naegeli  und 
Schakiloff  das  Verhalten  der  beiden  Leukämieformen.  Die 
myelogene  und  die  lymphatische  Leukämie  müssen  scharf  auseinander 
gehalten  werden,  dagegen  ist  eine  Einteilung  der  lymphatischen  in 
mehrere  Formen  unberechtigt.  Die  kleinzellige  und  die  den  Ge- 
schwülsten sich  annähernde,  großzellige  lymphatische  Leukämie  seien 
nur  Varietäten  und  durch  Uebergänge  verbunden.  Die  Geschwulst- 
theorie der  Leukämie  lehnen  die  Verfasser  ab.  -  -  Hübschmann 
fand  in  allen  Fällen  von  allgemeinem  Amyloid  auch  die  Herzwand 
beteiligt.  Die  Substanz  lag  interstitiell,  im  Endokard  in  Gestalt 
von  Schollen,  sie  fand  sich  auch  in  den  Klappen,  im  Epikard  und  an 
den  Gefäßen.  -  Die  Regeneration  der  Nerven  erörterte  Bethe. 
Er  trat  dafür  ein,  daß  die  Neubildung  der  Achsensylinder  im  peripheri- 
schen Abschnitt  eine  Leistung  der  Zellen  der  Schwannschen  Scheide 
ist.  Dagegen  kam  Poscharissky  zu  dem  Schluß,  daß  die  neuen 
Fibrillen  sich  auf  dem  Wege  der  Verlängerung  der  im  zentralen 
Stumpf  persistierenden  Fibrillen  bilden.  Die  Teilnahme  der  Zellen 
der  Schwannschen  Scheide  äußert  sich  darin,  daß  sie  die  Bahn  be- 
stimmen, in  der  die  Fibrillen  wachsen.  Fehlen  sie,  so  nimmt  die 
Regeneration  degenerativen  Charakter  an.  Auch  Perroncito 
läßt  die  zentralen  Fasern  unter  seitlichem  Aussprossen  sich  ver- 
längern. Die  neuen  jungen  Fasern  sind  im  peripherischen  Teil  schon 
nachweisbar,  ehe  die  Zellketten  der  Schwannschen  Scheide  sich  ge- 
bildet haben.  Die  neuen  Nervenelemente  entstehen  also  stets  in 
voller  Kontinuität,  die  Nervennaht  begünstigt  diese  Regeneration. 
Die  Wiederherstellung  der  Funktion  kann  auch  durch  kollaterale 
Seitenbahnen  vermittelt  werden.     Ueber  die  Regeneration  des  zen- 


Amyloid. 


Regenerati< 
der  Nervei 


10 


Ribbert. 


^generation 

des 
Gehirns. 


iletaplasio. 


/ererbanp;- 


BSchwUlste : 

Chondro- 
sarkou). 


^^hondrom. 


Sarkom, 
labdomyom. 


onphdrllseii- 
karzinose. 


ideiiom  der 
childdrüse. 


krome^alio. 


tralen  Nervensystems  berichtete  Borst  aufs  neue.  Die  Ganglien- 
zellen regenerieren  sich  nicht,  dagegen  verlängern  sich  die  Fibrillen. 
Hauptsächlich  aber  bleibt  es  bei  einer  Wucherung  der  Glia.  Für 
die  Frage  der  Metaplasie  ist  eine  Untersuchung  von  Maximow 
bemerkenswert.  Er  studierte  die  Knochenneubildung  in  der  Niere 
nach  Unterbindung  der  Gefäße.  Die  in  dem  neuen  Knochen  vor- 
handenen Knochenmarkelemente  entstehen  aus  indifferenten  Zell- 
formen des  Blutes.  Sie  erzeugen  Myelozyten  und  Erythrozyten  und 
zwar  zunächst  in  den  Gefäßen,  dann  auch  außen.  —  Die  Metaplasie 
des  Bronchialepithels  bei  Lungenentzündungen  schilderte  Ivy 
Mckenzie.  Sie  ist  sehr  häufig  und  besteht  in  der  fleckweise  auf- 
tretenden Umwandlung  des  Zylinderepithels  in  ein  vielschichtiges 
Plattenepithel.  Diese  Metaplasie  bildet  sich  mit  dem  Aufhören  der 
Entzündung  wieder  zurück,  kann  aber  auch  bestehen  bleiben  und 
vielleicht  fiir  die  Entstehung  von  Plattenepithelkrebsen  Bedeutung 
haben.  —  Ueber  die  Vererbung  in  Verwandtenehen  gab  Fe  er  ein- 
gehende Erörterungen,  die  es  bestätigten,  daß  diese  Ehen  keine  Ge- 
fahr bieten,  wenn  beide  Eheleute  keine  vererblichen  Faktoren  mit- 
bringen, daß  aber  sehr  leicht  familiäre  Anlagen,  auch  wenn  sie  nicht 
manifest  sind,  zusammenkommen  und  daß  deshalb  die  Befürchtung 
einer  Vererbung  nahe  liegt. 

Aus  der  umfangreichen  Geschwulstliteratur  sei  zunächst  die 
interessante  Kasuistik  besprochen.  Busse  beschrieb  ein  ungewöhnlich 
umfangreiches  Ohondromyxosarkom  der  rechten  Thoraxhälfte, 
das  sich  gegen  Knorpel  und  Knochen  gut  abgrenzte  und  in  die  Lunge 
hineinwuchs.  Da  es  sich  vorwiegend  an  Stelle  der  Pleura  ausbreitete, 
meint  Busse,  es  sei  aus  ihr  entstanden.  Dietrich  sah  bei  einem  jungen 
Mädchen  ein  transversales  Enchondrom  in  der  Mitte  der  Diaphyse 
der  Ulna  und  leitete  es  aus  Keimvorsprengung  ab.  Mönckeberg  be- 
schrieb ein  Sarkom  in  der  Vagina  eines  Kindes,  ein  Rhabdom^^om 
der  Blase  und  eines  des  Vas  deferens  und  nahm  mit  Wilms  an,  daß 
diese  Tumoren  sich  aus  einem  Meseni-hyrnkeim  der  hinteren  Körper- 
region entwickelten,  v.  Baumi^arten  untorsuchte  einen  bemerkens- 
werten Fall,  in  dem  klinisch  ein«  Lymphüsarkomatose  der  Hals-, 
Brust-  und  Bauchlymphdrüsen  angonDiumon  worden  war,  in  dem  es 
sich  aber  um  ungewöhnlich  auH^rdohnto  Metastasen  eines  noch  sehr 
kleinen  Prostatakarzinomes  handelte.  U  n  ^r  e  r  m  a  u  n  fand  bei 
fehlender  Hauptschilddrüso  am  Zunt^tint^niiule  einen  walnußgroßen 
Knoten  aus  Schilddrüseuf^e wel»e,  dw  sich  vikariierend  fiir 
das  fehlende  Organ  entwickelt  liuttt^  ('airnt^tto  spraih  sich  über 
die  Beziehung  der  Akromegalic  zur  Hypophvsis  aus.    Er  schloß. 


Allgemeine  Pathologie,  pathologische  Anatomie,  Bakteriologie.      H 


daß  es  eine  Akromegalie  ohne  Hyperplasie  der  Hypophysis  und  bei 
Tumoren  dieses  Organes  gibt,  die  arm  sind  an  funktionellen  Zellen. 
Es  gibt  ferner  Strumen  der  H3rpophysis  ohne  Akromegalie,  die  dem- 
nach nur  Begleiterscheinung,  nicht  die  Folge  von  Hypophysis- 
erkrankungen  sei.  Löwenstein  studierte  die  Adenome  der 
Hypophysis.  Sie  entstehen  aus  nicht  differenzierten  Hesten  em- 
bryonaler Zellen  und  sind  nach  dem  40.  Jahre  sehr  häufig.  Böh- 
mig sah  einen  polyzystischen  Tumor  des  Oberkiefers, 
der  aber  nicht  mit  geschichtetem  Plattenepithel  versehen  war,  wie 
die  von  den  Zahnkeimen  abzuleitenden  Tumoren,  sondern  mit  ein- 
schichtigem, hohem,  schleimsezemierenden  Epithel  und  demgemäß 
aus  einem  abgesprengten  Epithelkeim  der  Schleimhaut  herstammen 
mußte.  Ein  Rhabdomyoadenom  der  Lunge  beschrieb  Zipkin. 
Es  mußte  als  Teratom  aus  versprengtem  Keim  gedeutet  werden. 
Mönckeberg  behandelte  synzytiumhaltige  Hodentumoren. 
Gegenüber  der  Neigung,  solche  Neubildungen  alle  als  chorionekto- 
dermale  anzusehen,  schloß  er,  daß  die  Synzytien  zum  Teil  sicherlich 
endothelialer  Natur  seien,  wenn  sie  auch  zugleich  Teratomen  an- 
gehörten. Risel  fand  in  den  Metastasen  eines  Magenkarzinoms  chorion- 
epitheliomähnliche  Bildungen,  die  demnach  gelegentlich  zu  Ver- 
wechslungen führen  könnten.  Seyberth  teilte  neue  Fälle  von 
Blasentumoren  bei  Anilinarbeitern  mit.  Das  ätiologische 
Agens  ist  die  chronische  Reizung.  Es  entstehen  verschiedenartige 
Neubildungen:  Granulationstumoren,  Zottenpolypen  und  Karzinome. 
Ueber  die  Genese  des  Karzinoms  arbeitete  Ribbert.  Er  ver- 
trat aufs  neue  seine  Meinung,  daß  die  Karzinome  auf  Grund  sub- 
epithelialer, das  Epithelwachstum  auslösender  entzündlicher  Prozesse 
entstehen ,  und  zwar  meist  an  Stellen ,  die  durch  irgend  eine  Ent- 
wicklungsstörung ausgezeichnet  sind.  Das  Epithel  Wachstum  geht 
nach  Art  der  Drüsenbildung  vor  sich,  findet  aber  kein  normales 
Ende,  weil  das  Epithel  keine  funktionelle  Verbindung  mit  dem  ver- 
änderten Bindegewebe  eingehen  kann.  Andere  leiten  das  Karzinom 
aus  biologischen  Umwandlungen  der  Epithelzellen  ab,  so  Blumen- 
thal aus  einem  veränderten  Chemismus,  aus  einer  Abartung  der 
Krebszellen,  die  ein  heterolytisches  Ferment  enthalten.  Diese 
Abartung  soll  das  Primäre  bei  der  Krebsgenese  sein.  Hofbauer 
äußerte  ähnliche  Anschauungen.  Die  Krebszellen  können  alle  an- 
deren Gewebe  ausgedehnt  zerstören,  und  zwar  besonders  weil  ein 
im  normalen  Bindegewebe  vorhandenes,  dem  Epithelwachstum  ent- 
gegenwirkendes Antiferment  fehle.  Therapeutisch  müsse  demgemäß 
ein    Antiferment   in    Anwendung    kommen,    wie    es    sich    z.   B.    im 


Adenom  d< 
Hypophysi 


Tumor  de 
Oberkiefer 


Teratom  d 
Lunge. 

Synzytien 
Hodentumoi 


Synzytien 
Karzinom 
metastasei 

Blasen- 
tumoren 


Genese  d< 
Karzinomi 


u 


nibbert* 


i  Tmaortrn 


empie  de-i  Schweiüesenim  fiiide*  Schon  vorher  hatten  v.  Leyden  und  B  er  gell 
^reiuoma,  ^iß  Ansicht  ausgesprocheo,  dalÜ  das  Wachstum  der  Geschwülste  auf 
dem  Mangel  einer  f  er  tue  nt  hydrolytischen  Kraft  beruhe, 
dafi  diese  aber  %.  B,  in  dem  Extrakte  tierißcber  Leber  vorhanden 
sei.  Denn  diese  Extrakte  zerstörten  Xarzinome  und  Sarkome  bei 
direkter  Injektion  sehr  Bchnell.  Darauf  könne  vielleicht  eine  Therapi« 
aufgebaut  \Ferden.  Berge  11  und  Sticker  wandten  diese  Gesichts- 
punkte auf  die  von  letzterem  studierten  ynd  zwar  die  experinjenteU 
erzeugten  Hnndesarkome  an  und  konnten  diese  durch  Tnjektionen 
von  Leherferm enteil  zur  Verflüssigung  und  wmxx  Schwunde  bringen» 
S ticker  sieht  allerdings  in  den  Xrebszelleu  nicht  abgeartete  Epi- 
tbelieni  sondern  »war  arteigene, 
aber  körperfremde  Elemente,  *^'  ^* 

die  irgendwie  und  irgendwann  ein- 
mal von  einem  Körper  der  gleichen 
Spezies  auf  einen  anderen  über- 
taugen  wurden*  S  ti  c  k  er  vermochte 

i^pleitAi  lüii  auch  ssmn  ersten  Maie  ein  Bpindel- 
'/ellenaarkomlFig,  1)  vom  Ober- 
arm eines  Hundes,  eine  bisher 
nur  wenig  beobachtete  Geschwulst, 
erfolgreieh  zu  transplantieren.  Der- 
artige Transplantationsversijcl^e 
wurden  auch  im  vergangenen  Jahre 
von  vielen  Seiten  fortgesetzt.  Haa- 
land  beschäftigte  sich  mit  der 
natürlichen  Ge  schwule  tres  i- 
stenz  von  Mäusen^  die  aus  ver- 
schiedenen Gegenden  und  Ställen 
stammten,  im  Gegensatz  zu  an- 
deren, die  sehr  empfänglieh  waren. 
Es  Ueli  sich  nicht  entscheiden, 
worauf  diese  Unterschiede  be- 
ruhen. Bemerkenswert  war,  dal'» 
sich     trächtige     Tiere      weniger 

empfänglich  erwiesen.  G  a  y  I  o  r  d  und  C  l  o  w  e  s  sahen  in  23  % 
der  Uebertragungsversuche  spontane  Heilung  eintreten.  Je 
kleiner  der  Tumor,  umso  eher  kam  sie  zu  stände-  Diese  Be- 
sultate  forderten  zur  Serumtherapie  auf,  die  im  übrigen  keine 
weileran  Ergehnisse  aufzuweisen  hatte.  Künstliche  I  m- 
munisierung    wurde    in    Uebereinstimmung    mit    Ehrlich    von 


^  Tttmor 
Mta- 


HL'brift  niOT,  Nr  a«) 


Allgemeine  Piithologie.  pathologische  Anatomie,  Bakteriologie.      13 


Bridr^  beobachtet  bei  den  Tieren,  bei  denen  die  transplantierten 
Tumorstückchen  nicht  angingen.  Aber  diese  Immunisierung  war 
nicht  spezifisch,  sie  kam  auch  zu  stände  durch  Injektion  nor- 
maler Organe,  besonders  der  Milz,  nur  nicht  ganz  so  sicher,  wie 
bei  Anwendung  des  Tumorgewebes.  Schöne  konnte  eine  Im- 
munität ebenfalls  erzielen  durch  Anwendung  embryonaler  Ge- 
webe. Interessante  neue  Mitteilungen  über  Aenderungen  im 
Bau    der    verpflanzten    Tumoren    brachte    einmal  Apolant. 


Fig. 


'-f.^^   '.' 


'^ 


:^ 


i 


(Aus 


Cairinoinu  sarcoinatodes. 
Kliiiich-Apolaiit.  Bfil.  klin.  WoclH'iisrhr.  1!m»7,  Nr.  ii.. 


Mäusetumoren  von  der  Struktur  des  Karzinomes  nahmen  in  im- 
munen Tieren  den  ]3au  eines  Adenoms  an.  Lew  in  sah  in  analogen 
Versuchen  mehrere  Male  neben  dem  ursprünglichen  Tumorgewebe 
verhornende  Plattenepithelkrebse  auftreten  und  ferner  in  späteren 
Generationen  S]»indel-  und  Kundzt'Uensarkome.  Ehrlich  undA])0- 
lant  beobachteten  ferner  innerhalb  desselben  Mäusetumors  tcib) 
karzinomat(>se,  tciLs  sarkomatöse  Strukturen  (Fig.  2).  Sie  beschrieben 
außerdem  ein  in  der  Mamma  entstandenes  e])ithelfreies,  einmal  trans- 
plantables  Spindelzellensarkoui. 


14 


Ribbert. 


Spezielle 

pathologische 

Anatomie : 

Yerdauungs- 

organe : 

Ulcus 
rotundum. 


Soonnykose. 


Appendizitis. 


SchleiiD- 
anstritt  ans 
dem  Wurm- 
fortsatz. 


Fremdkörper- 
knötchen. 


Zirrhose. 


Spezielle  pathologische  Anatomie.  VerdanungBorgane.  Für  die 
Bildung  der  runden  Magengeschwüre  sind  Versuche  Fütter ers 
von  großem  Interesse.  Er  vermochte  durch  Exzision  von  Schleim- 
hautstücken aus  der  vorderen  Wand  des  Pylorusabschnittes  des 
Kaninchen magens  und  durch  gleichzeitige  zu  Anämie  führende  Blut- 
entziehung Magengeschwüre  zu  erzeugen,  die  mit  den  menschlichen 
in  allen  wesentlichen  Punkten  übereinstimmten.  In  ihrem  Rand  be- 
obachtete er  Wucherungen  der  Schleimdrüsen,  die  bis  zur  ausge- 
sprochenen Karzinomähnlichkeit  f ortschritten.  M  a  r  e  s  c  h  berichtete 
über  einen  seltenen  Fall  von  Soormykose  des  Magens  bei  einem 
58jährigen  Manne  mit  Oesophaguskarzinom.  Die  Magenschleimhaut 
war  mit  mehreren  schorfähnlichen,  gelblichen  bis  schwarzbraunen 
Belägen  und  mit  grauweißen,  zarten  Auflagerungen  versehen.  Ueberall 
fand  sich  der  Soorpilz,  dessen  Fäden  tief  in  die  Magenwand  vor- 
gedrungen waren.  Ueber  die  Genese  der  Wurmfortsatzent- 
zündung  äußerte  sich  Tedesco  im  Sinne  von  Kretz.  Bei  In- 
jektion von  Staphylokokken  in  die  Tonsillen  von  Kaninchen  fand  er 
die  Kokken  2mal  in  den  Gefäßen  der  Appendix  wieder,  wo  sie  Ent- 
zündung der  Follikel  erzeugt  hatten.  Demgegenüber  betonte 
Wätzold,  daß  die  Appendizitis  nicht  von  dem  Blut  aus  erregt 
werde,  sondern  von  der  Schleimhaut  aus.  Das  Epithel  wird  nekro- 
tisch, es  entstehen  deshalb  Defekte  und  entzündliche  Infiltrationen 
bis  zur  Serosa,  ferner  auch  intramurale  miliare  Abszesse.  Heilung 
ist  häufig.  Residuen  finden  sich  in  Gestalt  zelliger  Infiltrationen 
subserös  und  in  den  Interstitien  der  Muskulatur.  Oberndörfer 
hat  mitgeteilt,  daß  im  Wurmfortsatz  angesammelter  Schleim 
durch  Lücken  der  Wand  in  Verwachsungsmassen  austreten  kann. 
Hueter  beobachtete  einen  so  reichlichen  Austritt  in  die  freie  Bauch- 
höhle, daß  der  vielfach  zystenartig  abgekapselte  Schleim  ein  Pseudo- 
myxoma  nach  Platzen  von  Ovarienzysten  vortäuschte.  Tomita  sah 
den  Schleim  in  die  Lymphbahnen  des  Mesenteriolums  übertreten. 
Cry^rgyai  fand  im  Peritoneum  knötchenförmig  abgekapselt 
allerlei  Planzenteile  (Schalenstücke,  Fasern),  die  aus  einer 
Darmperforation  herrührten.  Eine  solche  Perforation  mul^  also  nicht 
allgemeine  Peritonitis  zur  Folge  haben.  d'Amato  brachte  in  den 
Darm  von  Tieren  Produkte  der  Fleischfäulnis,  Buttersäure  und  Al- 
kohol. Es  entstanden  in  keinem  Falle  eine  Zirrhose,  sondern 
stets  nur  leichte  interstitielle  Veränderungen,  besonders  aber  de- 
generative Prozesse.  Baumgarten  vermochte  ebenfalls  auf  keine 
Weise  vom  Darm  aus  bei  Tieren  durch  Alkohol  Zirrhose  hervor- 
zurufen.    Er  meint  deshalb,  dali  der  Alkohol  in  der  Aetiologie  der 


Allgemeine  Pathologie,  pathologische  Anatomie,  Bakteriologie.      15 

Zirrhose  lediglich  ein  begünstigendes  Moment  darstelle,  indem  er  Zirrhose. 
den  Darm  lähme  und  so  toxische  Produkte  zur  Resorption  gelangen 
lielie.  lieber  die  Histologie  der  alkoholischen  hypertrophischen 
Zirrhose  arbeitete  Melchior.  Ausgeprägt  ist  der  ausgedehnte  Unter- 
gang des  alten  Lebergewebes  und  die  regeneratorische  Neubildung, 
die  teils  von  den  Gallengängen,  teils  von  restierenden  Leberzellen 
ausgeht.  Stoerk  konnte  an  120  Lebern  tuberkulös  infizierter  Meer- 
schweinchen die  allmähliche  Entwicklung  von  Veränderungen  ver- 
folgen, die  zu  einem  der  menschlichen  Zirrhose  durchaus  ähnlichen 
Bilde  führten.  Die  Prozesse  beginnen  im  periportalen  Bindegewebe. 
Die  Aetiologie  könne  auch  fiir  die  menschliche  Zirrhose  in  Betracht 
kommen.  Den  bei  Cholezystitis  gelegentlich  auftretenden  leichten 
Ikterus  glaubt  Eppinger  nicht  aus  Gallenstauung  in  der  Leber,  Ikterus. 
sondern  aus  Eesorption  der  Galle  in  die  Blutgefäße  der  Gallenblasen- 
wand ableiten  zu  sollen.  Bei  der  oberflächlichen  Zerstörung  der 
Schleimhaut  stoßen  die  Gefäße  direkt  an  die  Galle  im  Lumen. 
Thoinot  und  Delamare  untersuchten  das  Pankreas  bei  Dia-  Pankreas  bei 
betes.  Viermal  waren  die  Inseln  verändert,  2mal  intakt,  Imal  Diabetes. 
scheinbar  unverändert,  aber  doch  mit  feineren  Strukturveränderungen 
versehen.  Die  Beziehungen  zwischen  Inseln  und  Diabetes  sind  also 
immer  noch  nicht  geklärt. 


Hissches 
BUndel. 


Zirknlationsorgane.  Im  vergangenen  Jahre  hat  Tawara  das  zirkuiations- 
Hissche  Bündel  genauer  verfolgt  und  beschrieben,  daß  es  sich  in  organe. 
Fasern  auflöst,  die  in  die  Papillarmuskeln  und  Trabekel  des  linken 
Herzens  übergehen  und  in  ihm  das  Reizleitungssystem  vom  Vorhof 
zu  den  Ventrikeln  gesehen.  Faber  widersprach  der  netzförmigen 
Auflösung  dieses  Bündels,  es  verschwinde  vielmehr  nach  einem  Ver- 
lauf von  40  mm  in  der  Ventrikelwand.  Aber  seine  Zerstörung  durch 
Gnmmata  und  Schwielen  bewirke  das  Adams-Stokessche  Phänomen. 
Den  Sitz  des  Reizleitungszentrums  verlegte  Wenckebach 
in  die  Wand  der  Vena  cava  superior,  W.  Koch  in  die  der  Vena 
coronaria  sinistra.  Stamer  sah  in  der  Fragmentation  des 
Herzmuskels  nicht  das  Resultat  einer  Fäulnis  (s.  vor.  Jahrb.),  son- 
dern einer  letzten  Kontraktion  absterbender  Fasern.  Sie  erfolgt 
sowohl  quer  durch  die  Zellen  wie  in  den  Kittleisten.  Kaiserlin^ 
zog  die  Resultate  der  bekannten  Adrenalin  versuche  (Jahrb.  190G) 
in  Zweifel  und  fragte,  ob  die  Verändenmgen  der  Aorta  nicht  zum 
Teil  schon  vor  Beginn  der  Versuche  bestanden  hätten.  B.  Fischer 
trat  ihm  entgegen  und  betonte,  daß  normale  Tiere  niemals  die  typi- 
schen Befunde  aufwiesen.     Falk   bezog   ebenfalls    die  Aortenano- 


Fragmeii- 
tatioii. 


Adronaliii- 
Aortitis. 


16 


Ribbert. 


malien  aui  die  Adrenalinwirkong.    £r  konnte  ihr  Entstehen  dadurch 

verhindern,  dali  er  auf  verschiedene  Weise  die  Verbrennungsprozesse 

im  Körper  erhöhte  und  so,  wie  er  annahm,  die  toxische  Komponente 

Keriitis  nach  des   Adrenalins    unschädlich   machte.     Wiesel   sah   nach    Infek- 

iDfektionü-    tionskrankheiten  Veränderungen  in  der  Wand  der  Koro- 
craukueiten.  ,  .     >n,         ,  tt  i       ««-     i    i  -.     * 

nararterien  m  (testalt  von  Untergang  der  Muskulatur  und  ela- 
stischen Elemente  in  Media  und  Intima.  Diese  Prozesse  können 
heilen  oder  in  Arteriosklerose  übergehen.  Klotz  fand  bei  syphili- 
tischen Neugeborenen  in  dem  Anfang  der  Aorta  Anomalien,  die  ganz 
denen  der  Syphilis  des  Erwachsenen  entsprachen:  fettige  Degenera- 
tion, perivaskuläre  Proliferation  und  Infiltration  u.  dergl.  Dickson 
unterschied  zwei  Formen  von  Periarteriitis  nodosa,  eine  reine 
Periarteriitis,  die  knötchenförmige  auftritt  und  auf  Syphilis  be- 
ruht, und  eine  Polyarteriitis  nodosa  acuta,  die  von  aulien  auf  die 
Media  übergreift,  zerstörend  und  heftig  entzündungserregend  wirkt. 
Aneurysmen  und  deren  Thrombose  kommt  hinzu.  Für  diese  akute 
Periarteriitis  sind  wahrscheinlich  unbekannte  Infektionen  verant- 
wortlich. Ueber  die  Bedeutimg  der  Lymphdrüsen  sprach  sich 
Ribbert  aus.  Entgegen  anderen  Meinungen  sind  sie  als  Filter  an- 
zusehen, die  freilich  nicht  allen  Anforderungen  genügen,  aber  den 
Körper  mindestens  einige  Zeit  gegen  ein  Eindringen  der  Bakterien 
schützen.     Aulierdem   i'ällt   ihnen  eine  immunisierende  Tätigkeit  zu. 


AurtitiH 
Hypliilitica. 


*eriart<;riitis. 


BedeutuuK 

iU'V  Lymph- 

drUrteii 


l«*Mliii'atiuiis- 
oi'Kuiio : 

Aiilliruk(»M4> 


Hronclii- 
(•Ivta.sf'ii 


Kespiratlousor/^ane.  Tober  die  im  vorigen  Jahrbuch  erwähnte 
Frag<{  nach  der  (xenese  der  Lungenanthrakose  arbeiteten  Heller 
und  Wolken  stein.  Die  Kohle  gelangt  nur  auf  dem  Atmungswege 
in  die  Lungen,  niemals  vom  Darm  aus,  aus  dem  sie  auch  nicht  in 
(He  Meaenterialdrüsen  übertritt.  Ueber  interessante  Fälle  von  kon- 
genitaler Bronchiektase  berichtete  Sandoz.  Es  handelte  sich  um 
zwei  17-  IHjährige  Schwestern,  die  kurz  nacheinander  unter  den 
gleichen  Erscheinungen  starben.  Es  fanden  sich  multi])le  bronchi- 
ektatische  Höhlen  in  beiden  Lungen.  Aetiologisch  kam  Syphilis  in 
Betraclit. 


Literatur. 


AIm'1.     l>akt«'riol(>^iM'lii'>     'riist'hrnbiicli.      ^Vü^zbul■J^^      11.     Aufl.     — 
a' .Ainato.     Vinli.    Anli.    H.l.    CIAXXVII.  Apolant.    Münch.    med. 

Wocheiisclir.  Nr.  11^.         Amhiii    ii.   I'ari>..  An-hivt's  tU' med.  exper.  Nr.  2. 
Hiich.M".  /(•it'^clir.  f.  llvir.  It.l.  lAI.       nmlrl.  \Vi»'n.  kliii.  Wochenschr. 
Nr.  :\H.  —  Haiiia^^artrii .    lt«Tl.  klii»    \V(U'lii'nst.-lir.   Nr.   12.    Arbeit  aus  d. 
))atli.    Inst.    '/II    TüliiiiLri'ii     \U\.    W  l!auiM<;:i  rtiMi    ii.    Nibbelt   ib.  — 


Allgemeine  Pathologie,  pathologische  Anatomie,  Bakteriologie.       17 

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Jahrbach  der  praktischen  Medizin,    iook.  2 


mb%«rt 


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Nr*  39.  -  Pollitzer,  Zeitächr.  f.  Heilk,  Bd,  XXVIIL  —  Poacharissky, 
Zieglera  Beitr,  Bd.  XLL  —  v.  Prowazek,   Taschenbuch   der  mikraskopi- 
sehen  Technik   der   Protistenuntersuchung,     Lei p sei g.  —  Rab inowi tsch, 
Virch,  Arch.  Bd.  CXC;  Berl.  klin.  Wocbenschr.  Nr.  2.  -  Ribbert,  Fest- 
ßchrift  für  Kindfleisch.    Med.  Klinik  Nr,  51;  Beiträge  zur  Entstehung  der 
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Arch.  L  Hyg.    Bd.  LXL  —  Konzani.   ib.  Bd,  LXIII.  —  Rosenberger, 
Zieglers  Beitr.  Bd.  XLL  —  Sandoz,   Zieglers  Beitr.  Bd.  XLL  —  Sauer- 
beck, Zeitßchr.    L  Hyg*   Bd.  L;    Lnbarschs  Jahresbericht   Bd.   XI.  — 
Schmaua-Herxheimer,    Grundriß   der   pathologischen    Anatomie.    ^ 
Schmorl.  Die  pathologisch-hjBto logischen  ün te rauch unganieth öden.  4.  Aufl. 
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Die     Entwicklungageachichte     des     Sjieiaeröhrenepithels.      Wiesbaden,     — 
8 c h r n m p f ,  Zieglens  Beitr.  Bd. XLIL  —  Seybertb,  Manch,  med,  Woclien- 
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Xentralbl.  f.  BakterioL  Bd.  XLIIL  —  Stamer,  Zieglers  Beitr,  Bd.  XLH.  - 
Slicker,    Münch.   med.   Wocbenschr.    Nr.   3S;    Media.   Klinik    Nr,  37.    — 
S 1 5  r  e  k ,  Wien,  klin,  Wocbenschr,  Nr.  28.  —  T  a t  e  w o  s  s  i  a  n  z ,  Arb,  au** 
d.  pathol.  Inst,  zu  Tübingen.    Bd.  VT.  —  Tedesco,  ib.  —  Thoinot  u. 
Belamare,   Arch.  de  med,  expcr,  2.  —  Tomitn,   ZentralbL  f,  pathol. 
Anat.  Nr.  21.  —  Tschistowitsch,  Zieglers   Beitr.   Bd.  XLH.  —  Uffen- 


Allgemeine  Pathologie,  pathologische  Anatomie,  Bakteriologie.     19 

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II. 
Allgemeine  Therapie. 

I.  Diätetik. 

Von  Med.-Rat  Prof.  Dr.  F.  Gomprecht  in  Weimar. 
Mit  2  Abhildunpen. 

onnenbftder.  Allgemeines.    Die  Sonnenbäder  wirken  durch  ihre  Wärme 

und  durch  die  Lichtstrahlen ;  sie  erschlaffen  den  Organismus  deshalb 
weniger  als  sonstige  Wärmeanwendungen,  tonisieren  das  Nerven- 
system, erhöhen  den  StofiPwechsel  und  bewirken  eine  Zunahme  der 
roten  Blutkörperchen.  Neben  ihrer  diätetischen  Wirkung  lassen  sie 
sich  auch  therapeutisch  verwenden,  namentlich  bei  anämischen  und 
Schwächezuständen,  in  der  Rekonvaleszenz  und  bei  Neurasthenie.  Auch 
auf  die  Haut  üben  sie  eine  wohltätige  Wirkung,  indem  sie  Akne- 
bildung  beseitigen.  Ihre  Technik  verlangt,  daß  der  Kopf  stets  be- 
schattet wird  und  der  Körper  bis  zu  einer  Stunde  den  Sonnen- 
strahlen ausgesetzt  bleibt,  wobei  der  Kranke  allerdings  alle  5  Minuten 
eine  Viertelwendung  des  Körpers  vollführt.  Nach  der  Bestrahlimg 
bleibt  er  noch  oft  eine  halbe  Stunde  bedeckt  an  Ort  und  Stelle 
liegen.  Der  Wasserverlust  beträgt  nach  solcher  Prozedur  bis  zu 
1  '/-i  kg.  Als  Filter  dienen  bei  empfindlichen  Kranken  vorgehaltene 
weiße,  blaue,  rote  Stoffe.  Nach  dem  Sonnenbade  folgt  eine  laue 
Abwaschung,  bei  kräftigen  Personen  auch  ein  Freibad  im  See  von 
Luftbad.  10  Minuten  langer  Dauer  (Lenk ei).  —  Die  Geschichte  des  Luftbades 
(Marcuse,  Martin)  bietet  manche  interessante  Momente;  hervor- 
gegangen ist  die  Luftbadebewegung  aus  einer  Reaktion  gegen  die 
übertriebene  Kaltwasserbehandlung  des  18.  Jahrhunderts;  gleich- 
zeitig ging  man  gegen  die  damaligen  engen  Kleider  von  Männern 
und  Frauen  vor.  Ferner  wirkten  die  großen  Entdeckungen  auf 
dem  Gebiete  der  Gaschemie  in  der  zweiten  Hälfte  des  18.  Jahr- 
hunderts mit  und  die  naturphilosophische  JÜchtung;  das  tief  aus- 
geschnittene Empirekleid  der  Frauen  ist  aber  mehr  als  Modeprodukt 


Diätetik.  21 

denn  als  Luftschwärmerei  aufzufassen,  wie  aus  der  gleichzeitig  herr- 
schenden, sehr  engen  Kleidung  des  Mannes  hervorgeht.  Die  Er- 
fahrungen von  Liebe  in  der  Heilanstalt  von  Elgershausen  zeigen, 
daß  auch  die  Tuberkulösen  das  Luftbad  (ohne  Sonnenbad)  sehr  gut 
vertragen ;  im  Winter  lassen  sich  sogar  Schneeballschlachten  im  Luft- 
bad (unbekleidet)  ausfechten.  Anämische,  frierende  Frauen  und  Mäd- 
chen leben  dabei  geradezu  wieder  auf.  Die  aktive  Blutfülle  der  Haut 
hält  im  Luftbade  länger  an  als  im  Wasserbade.  Der  Wind  wirkt 
wie  eine  Dusche;  Körperbewegung  ist  nicht  unbedingt  nötig;  ein 
Assistent  L.s  lag  den  ganzen  Nachmittag  lesend  im  Luftbade;  wer 
das  Luftbad  kennen  und  schätzen  gelernt  hat,  verwirft  dicke  Klei- 
dung, wie  sie  das  Wollregime  mit  sich  bringt,  vollständig.  —  Die 
Untersuchungen  an  Schwimmern  (Kienböck,  Selig,  Beck)  Schwimi 
haben  erwiesen,  daß  forciertes  Schwimmen,  genau  wie  wir  das  von 
der  Athletik  und  vom  Radeln  wissen,  der  Gesundheit  erheblich 
schaden  kann;  namentlich  Herzerweiterung  (in  der  größeren  Hälfte 
der  Fälle)  und  Albuminurie  wird  oft  beobachtet.  —  Luftwirkung 
und  Gymnastik  verbinden  sich  beim  Zweiradfahren,  das  in  zwein 
Beerwald  einen  begeisterten  Fürsprecher  findet;  wenn  man  nicht 
mehr  als  10 — 12  km  pro  Stunde  fährt,  keine  feste,  einengende  Klei- 
dung trägt,  so  ist  das  Hadfahren^  selbst  für  Herzkranke,  ein  aus- 
gezeichnetes Mittel  zur  Gesundheitspflege.  Nach  ähnlichen  Gesichts- 
punkten sind  auch  die  Seereisen  zu  beurteilen  (Pauli);  nament-  seereid 
lieh  die  Nordlandfahrten  der  Hamburg-Amerika-Linie  bieten  dazu 
relativ  billige  Gelegenheit;  die  Seereise  soll  ihren  Weg  möglichst 
auf  hoher  See  suchen,  mindestens  einige  Wochen  dauern  und  auf  mög- 
lichst großen  SchiflPen  erfolgen ;  der  „Meteor^*  der  Hamburg- Amerika- 
Linie,  mit  4CXX)  t,  genügt  schon,  noch  besser  sind  die  anderen  Schiffe 
dieser  Linie  mit  8000—12000  t;  diese  Schiffe  bieten  den  Passa- 
gieren unentgeltlich  warme  Wannenbäder,  die  vermöge  des  Salz- 
gehalts der  Nordsee  von  2,8  "'o  den  bekanntesten  Kurbädem  (Soden, 
Kissingen)  überlegen  sind.  In  Ermangelung  von  Seereisen  bietet 
aber  auch  der  Seestrand  ausgezeichnete  hygienische  Faktoren  strau 
(Szegö),  namentlich  für  Kinder;  das  Sanatorium  zu  Abbazia  läßt 
die  Kinder  zur  Bekämpfung  der  Akklimatisationserscheinungen 
(Kopfschmerzen,  Schlaflosigkeit,  Darmreizungen)  eine  Luftliegekur 
durchführen,  zuerst  im  Zimmer,  später  in  Liegehallen,  dann  im 
Wind ;  zugleich  wird  lauwarmes  Seewasser,  zur  Hälfte  mit  gewöhn- 
lichem Quellwasser  verdünnt,  eine  halbe  Stunde  vor  jeder  Mahlzeit 
getrunken. 

Bei  den  Genußmitteln  fesselt  der  Kaffee  zunächst  unsere 


22 


Guinprtjcht. 


ilttel;  Aufmerksamkeit.  DeotgcUland  fiilirt  jährlich  etwa  für  150  Million  an 
Mark  KafiTee  ein ;  nach  L  o  e  b  a  zusammeofaBBeDdem  Referat  ist  diese 
Äiiigabe  ziemlich  unüütaj  niemand  bedürfe  2 — 3maliger  Ketase  am 
Tage ;  der  Geniili  von  Kaffee  am  frühen  Morgen ,  wo  der  Körper 
sowieso  ausgeruht  sei,  erscheine  unsinnig.  Gramer  hat  in  Ver- 
dauungsgemischeu  gefunden  ^  daß  Kafi'ee,  Tee  und  Nikotin  die  Ei- 
weiß Verdauung  herabsetzen ;  dabei  ist  es  gleichgiiltig,  ob  der  Kaffee 
Koffeinf  die  Zigarre  Nikotin  enthält  oder  nicht.  Gramer  hält  des- 
halb diese  drei  Gifte  fiir  die  schädlichsten  Kulturgifte  und  stellt  den 
Alkohol  erst  in  zweite  Linie.  Dali  der  KoÜeiugehalt  auch  ffir  die 
Magens  aftse  kr  et  ion ,  die  durch  den  Kafice  angeblich  im  ganzen  ge- 
steigert wirdf  gleichgültig  ist^  bestätigt  Fincussohn.  Indessen 
mui^  man,  wieHarnack  mit  Recht  betont,  die  übertriebenen  Schil- 
derungen von  der  Schädlichkeit  des  KafPees  doch  als  noch  recht 
problematisch  ansehen;  man  hat  seine  SchädHchkeit  dem  Alkohol 
gegenüber  früher  zu  wenig  betont,  betont  sie  aber  jetzt  zu  sehr; 
unter  den  Mohammedanern  gilt  Kaffee  als  ein  gesundes  upd  er- 
laubtes Getränk,  und  in  der  Kulturgeschichte  schwankt  die  Ansicht 
otfn,  über  den  Kaffee  erheblich«  Aehnlich  mag  es  mit  dem  Nikotin 
liegen,  dessen  Schädlichkeiten  augenblicklich  im  Vordergrund  des 
Interesses  stehen.  Wertvoll  bleiben  dabei  immerhin  solche  Ver- 
suche, wie  sie  G  r  a  I^  m  a  n  n  soeben  veröffentlicht  hat,  wonach  Nikotin 
den  Blutdruck  in  beträchtlichem  Grade  erhöht^  giftig  auf  Herz  und 
Gefälie  wirkt  und  somit  vor  allen  Dingen  als  ursächliches  Moment 
für  die  Arteriosklerose   betrachtet  werden  müsse.  —  Sehr  schöne 

ftik(kiioL  Tafeln  über  die  Schädlichkeit  des  Alkoholmiiibrauchs  haben 
Grub  er  und  Kraepelin  herausgegeben ,  sie  eignen  sich  ausge- 
zeichnet zu  öffentlichen  Vorträgen,  wie  sie  fast  jeder  Arzt  gelegent- 
lich zu  halten  m  der  Notwendigkeit  ist;  der  geringe  Nährwert  des 
Alkohols»  sein  Einfluß  auf  die  Verbrechen  und  Unglücksfälle,  seine 
verderbliche  Rolle  im  Budget  der  Arbeiterfamilien ,  seine  Wirkung 
auf  die  Gedäcbtnisleistungen  der  Geistesarbeiter  hnden  sich  hier  in 
höchst  interessanten  Kurven  dargestellt.  --  Die  Mineralsalze 
erfreuen  sich  in  der  Diätetik  einer  zunehmenden  Beachtung;  sie 
sind  nicht  Nährstoffe,  sondern  wahrscheinlich  Schutzstoffe,  die  die 
Tätigkeit  des   Protoplasmas   regeln.    Der  Mensch  nimmt  zwar   im 

Unhent;!,  altgemeinen  zu  viel  Kochsalz  zu  sich,  doch  schadet  dem  Gesunden 
dies  nicht  (Magnus-Le^ry);  entzieht  man  ihm  durch  Chlorhunger 
die  im  normalen  Körper  weilenden  überschüssigen  10 — 2U  g  Kooh- 
sahs,  so  verliert  er  zugleich  1—1 'ü  kg  Wasser,  sonst  nichts.  Gaiij& 
anders    bei    Nierenkranken;    hier    wird    durch    Kochealzaiufnhr    die 


i 


4 
i 


Diätetik.  23 

Neigung  zur  Wassersucht  entschieden  gesteigert  und  durch  die 
Kochsalzentziehung  entschieden  vermindert;  die  Phosphate  haben, 
da  sie  den  Organismus  auch  auf  dem  Intestinalwege  verlassen 
können,  durchaus  nicht  eine  so  erhebliche  Wirkung  auf  den  Wasser- 
bestand wie  das  Kochsalz,  das  nur  durch  die  Nieren  ausgeschieden 
wird.  Die  Technik  der  salzfreien  Ernährung  muß  vor  allen  Dingen 
die  natürlichen  Nahrungsmittel  bevorzugen,  bei  den  zubereiteten 
Nahrungsmitteln  aber  sorgfältig  die  Tagesmenge  auf  2 — 4  g  NaCl 
regeln.  Bei  anderweitigen  mit  Wassersucht  verbundenen  Krankheiten, 
namentlich  Pfortaderstauungen,  spielt  die  Kochsalzentziehung  keine  so 
erhebliche  Rolle,  indes  muß  das  Salz  bei  kardialer  Wassersucht  auch 
beschränkt  werden  (Minkowski).  —  Daß  Limonade  ein  schmack- 
haftes Getränk  ist,  weiß  jeder  Laie ;  neu  ist  aber,  daß  in  einer  Zitronen-  Limoua 
limonade,  namentlich,  wenn  sie  am  Lichte  aufbewahrt  wird,  sämt- 
liche pathogene  Bakterien  in  kurzer  Zeit  vernichtet  werden  (Riegel). 

Eine  neue  Methode  der  graphischen  Darstellung  Xfthrw« 
für  den  Nährwert  der  Nahrungsmittel  wird  von 
Eis  her  empfohlen  (Fig.  3  u.  4  auf  S.  24).  Er  rechnet:  In 
10()  Kalorien  (also  nicht  etwa  Gewichtsteilen)  eines  Nahrungsmittels 
werden  so  und  so  viele  Kalorien  durch  Fett,  durch  Eiweiß  und  durch 
Kohlehydrate  repräsentiert;  in  dem  Schema  (Fig.  1)  bedeuten  die 
senkrechten  Linien  die  Kalorienzahlen  aus  Eiweiß,  die  wagrechten 
Linien  die  Kalorien  aus  Fett;  nach  diesen  beiden  Werten  wird 
jedes  Nahrungsmittel  (immer  auf  100  Kalorien  bezogen)  in  das 
Schema  eingetragen  und  nimmt  dann  einen  völlig  determinierten 
Punkt  ein;  die  Kohlehydratkalorien  lassen  sich  dann,  wie  eine  ein- 
fache Ueberlegung  ergibt,  durch  den  wagerechten  Abstand  dieses 
Punktes  von  der  Basis  F — P  des  rechtwinkligen  Dreiecks  aus- 
drücken. Für  größere  Gruppen  von  gleichartigen  Nahrungsmitteln 
ergeben  sich  dann  größere  Bezirke  in  dem  bezeichneten  Dreieck 
(Fig.  2).  —  Daß  die  wohlhabenden  Klassen  der  Menschen,  welche  üebei 
bei  ihrer  geringen  körperlichen  Arbeitsleistung  vielleicht  2500  Ka-  «"»**>*'^ 
lorien  bedürfen,  meist  zu  viel  essen  (bis  4000  Kalorien),  gilt  wohl 
nicht  nur  für  den  polnischen  Mittelstand,  woesBiernacki  zahlen- 
mälUg  verfolgt  hat,  sondern  überall;  dabei  werden  eher  zu  wenig 
Kohlehydrate,  auffälligerweise  meist  auch  zu  wenig  Eiweiße  (um 
100  g  pro  Tag)  aufgenommen;  allerdings  macht  das  animalische 
Eiweiß  8(3 — 90 "o  des  Gesamteiweißes  aus;  am  höchsten  sind  die 
Fettwerte  gesteigert:  gegen  46  g  der  Norm  fanden  sich  in  der 
Hälfte  der  Fälle  über  120  g,  in  vielen  anderen  bis  160  g;  dieser 
große  Fettüberschuß  ist  wohl  eine  Eigenart  der  polnischen  Küche.  — 


Gumprecht. 


Welchen  Nutzen  und  Schaden  uns  die  von  kritiklosen  Laien  so  oft 
greurische  gepriesene  vegetarische  Diät   bringt,   das  läßt   sich  jetzt   auf 


Diät. 


m  w         so         SQ        m 

I)i(^  senkrecliton  Linien  l»o(lt'utfn  den  Kiweilij^rhali ,  die  waj^rerhten  den  Fettgehalt 

in  Prozenten  des  kalorischen  CiesanUwertes     Die  an  die  ein/einen  Xahrunjjcsmittel 

angefügten  Zahlen  bedeuten  (hisjenige  (lewicht,  welolies  lOO  Kalorien  cnthült. 

(Naeh:  Fisher.  Journ.  of  the  Americ.  med.  Association,  -»o.  April  imot  ^ 


Grundlage  der   vielfachen  neueren  Untersuchungen   khir   übersehen 
(Stae heiin).     Sie  regt  die  Peristaltik  des  Darmes  an   und   beein- 


Diätetik.  25 

flußt  daher  viele  nervöse  Magen-  und  Dannstörungen  günstig;  die  Vegetanschi 
unverdaulichen  Schlacken  sind  aber  viel  größer  als  bei  anderer  ^**' 
Nahrung,  die  Pulsfrequenz  steigt  gelegentlich  etwas  nach  reichlicher 
vegetarischer  Mahlzeit,  dagegen  reagiert  der  Puls  auf  körperliche 
Arbeit  nicht  anders  als  sonst.  Pflanzenkost  wirkt  weniger  diuretisch 
als  Fleischkost,  namentlich  Eind-,  Fischfleisch  und  Eier ;  die  Pflanzen- 
kost beansprucht  die  Nieren  weniger  und  ist  deshalb  für  Nieren- 
kranke geeignet;  für  Entfettungskuren  empfiehlt  sie  sich,  weil  der 
Hunger  dabei  weniger  gespürt  wird,  auch  bildet  sie  ein  wertvolles 
Hilfsmittel  für  Alkoholentziehungskuren.  Vereinzelte  paneg3nristische 
Empfehlungen  des  vegetarischen  Regimes  ändern  an  diesen  erwähn- 
ten Eesaltaten  wenig;  Ghauvel  hat  während  5  Jahre  lang  durch- 
geführter reiner  vegetarischer  Diät  an  sich  selbst  StoflFwechselunter- 
suchungen  gemacht  und  namentlich  das  Abnehmen  der  Purinkörper 
festgestellt;  er  meint,  dal^  auch  seine  Migräne  verschwunden,  sein 
Schlafbedürfnis  von  8  auf  6  Stunden  eingeschränkt,  die  körperliche 
und  geistige  Leistungsfähigkeit  dagegen  sehr  gehoben  sei.  —  Die 
Wirkung  der  Vegetabilien  auf  die  Peristaltik  tritt  nun  nach 
Kohnstamm  auch  bei  der  sogen,  leichten  Pflanzenkost,  die 
also  wenig  Schlacke  bildet,  mit  Sicherheit  ein,  woraus  sich  dann 
der  Schluß  ergibt,  daß  die  Obstipation  der  Nervösen  wesentlich  eine 
Folge  des  Fleisches  ist ;  das  von  ihm  empfohlene  Diätregime  besteht 
aus:  7  Uhr  Haferschleimsuppe,  9  Uhr  ^u  Liter  Kakao  mit  Brot 
und  Butter,  auch  Honig  oder  Marmelade,  11  Uhr  ^U  Liter  Milch  mit 
Obst  oder  Ei  oder  Butterbrot,  1  Uhr  Bouillon,  Salat  und  Kartoffeln, 
Gemüse  mit  Ei,  Kompott,  Pudding,  dazu  '4  Liter  Milch  und  50  g 
Butter,  4  Uhr  wie  zum  Frühstück,  7\i  Uhr  Nachtessen  wie  Mittags. 
—  Um  auch  eine  Schädlichkeit  oder  Unvollkommenheit  der  vege- 
tarischen Nahrung  zu  erwähnen,  so  zeigten  Versuche  am  Hunde, 
daß  sie  eine  viel  geringere  und  kürzer  dauernde  Saft- 
abscbeidungim  Magen  hervorrief  als  tierische  Nahrung  (S  c  h  1 0 1^ ) .  — 
Bekannt  ist,  daß  während  der  Verdauungszeit  nach  einer 
größeren  Mahlzeit  bei  nervösen  Personen  öfters  Beschwerden  Verdauungs 
(Herzklopfen,  Atemnot,  beängstigende  Träume)  entstehen;  Kehrer  ^»e«^hwer.ieii 
rät  deshalb,  die  Abendmahlzeiten  frühzeitig  einzunehmen,  etwa  nach 
Art  des  englischen  Dinners  zwischen  (>  und  7  Uhr  Abends,  imd 
Abends  auch  nicht  stark  gewürzte  oder  in  Fett  gebratene  Speisen 
zu  wählen;  er  erklärt  die  Beschwerden  durch  die  rasche  Resorp- 
tion des  aus  dem  Pförtner  austretenden  Chymus  im  Dünndarm.  Am 
meisten  müssen  derartige  Hegeln  in  Badeorten  befolgt  werden,  denn 
der  Erfolg  des  Bades  hängt  zum  großen  Teil   von  der  gleichzeitig 


Gumpreebt* 


Itiät  ii] 


Mlkh. 


I 
I 


angewandtem  Diät  ab  (Hirsch);  man  ioU  alte  Vorurteile  bezüg- 
lieh  Bpezißgcher  Diätkuren  in  Badeorten  aber  fallen  lassen ,  z,  B. 
das  Verbot  saurer  Speisen  beim  Gebrauche  von  Eisenquellen  iind 
alkalischen  Wässern,  das  Verbot  von  Kartoffeln  in  Kreuznach  (das 
Jod  sollte  angeblich  an  die  Stärke  gebunden  werden) ,  das  Verbot 
von  Tee  in  Eisenbädem  (der  Tanningehalt  aoU  das  Eisen  fällen), 
das  Verbot  von  rohem  Obst  bei  Eiaenwässern ;  letzteres  ist  nur  so 
weit  gerechtfertigt,  als  überhaupt  nach  größerer  Wasseraufnahme 
der  Genuß  von  rohem  Obst  auf  eine  halbe  Stunde  vermieden  werden 
sollte.  — ■  Unverkennbar  ist  das  Bestreben  der  neueren  Zeit,  die  M  i  1  c  b- 
gewinnung  und  den  Milch  vertrieb  gesnndheitsgemäßer  zu 
gestalten,  als  er  bisher  leider  war.  Bei  der  Gewinnung  ist  ^war 
peinlichste  Sauberkeit  zu  beobachten,  indes  soll  das  Abbürsten  der 
Euter  mit  Seii'e  unterbleiben,  da  sonst  leicht  Ekzeme  entstehen,  da* 
gegen  ist,  wenigstens  für  Säuglings mi Ich ,  ausschließliche  Trock^i* 
fütterung  anzuwenden  (Auerbach);  eine  Anzahl  kleinerer  Berliner 
Milchhändier  haben  in  Berlin  eine  hygienische  Stadtmol kerei 
gegründet,  welche  allen  hygienischen  Anforderungen  in  Be^ug  auf 
Stall 6) nr ichtun g,  tierärztliche  Aufsicht,  Kontrolle  der  Milch  auf 
Tuberkelbazillen  (alle  '6  Monate  MeerschweinchaDimpfuug),  sofortige 
Kühlung  der  Milch  u.  B.  w.  genügt  und  dabei  die  Kindermilch  zum 
Preise  von  nur  30  Ffg.  abgibt.  —  Selbst  die  beste  Milch  wird  aber^ 
in  größerer  Menge  und  längere  Zeit  hindurch  gereicht,  nur  schwer 
vertragen  j  den  Tuberkulösen  gibt  man  daher  jetzt  nur  noch  täglich 
1^1  Vs  Liter  (A.  Möller);  warme  Milch  verursacht  oft  Obstipation 
und  ist  besser  durch  abgekühlte  zu  ersetzen;  Kaikwasser,  Kognak, 
Salz  oder  Kirschwaaser  verändern  den  Geschmack  vorteilhaft.  — 
Sehr  merkwürdig  vom  volkswirtschaftlichen  Oesichtspunkte  ist  die  ^ 
Verwendung  des  Mahles  der  Baumwollen samen  als  mensch-  f 
liebes  Kahrungsmittsl  (Volney);  der  enorme  Verbrauch  der  Welt 
an  Baumwollensamen  —  ii5  Millionen  Zentner,  von  denen  die  Ver- 
einigten Staaten  50  Millionen  liefern  —  hat  für  die  durch  Pres- 
sung gewonnenen  Baumwollöle  schon  längst  eine  gewerbliche  Ver- 
wendung als  lohnend  erscheinen  lassen.  Der  Samen  enthält  aber 
40^0  Eiweiß,  und  diese  kamen  bisher  nur  als  Viehftitter  zur  Aus- 
mitzung ;  durch  völlige  Entölunj?  wird  dies  Eiweiß,  dem  noch  2ucker j 
Stärke  und  Sabe  beigemengt  sind,  geachmacksfreij  namentlich,  wenn 
noch  gewisse  färbende  Bestandteile  ausgezogen  sind;  das  so  ge* 
reinigte  Mehl  enthält  <10"'r,  Eiweiß  und  lälit  sich  zu.  Kuchen  und 
anderem  Backwerke  verwenden.  —  Von  dem  Leim  wissen  wir 
schon  längst,  daß  er  unter  Utuständen  ein  gutes  Kahrungsmittel  ist; 


Diätetik. 


27 


indes  läßt  sich  Eiweiß  doch  nur  innerhalb  gewisser  Grenzen  bei  der  Leim. 
Ernährung  durch  Leim  ersetzen;  beim  Hunde  z.  B.  kann  dieser 
Ersatz  nur  bis  zu  ^/r,  des  Eiweißstickstoifes  gehen ;  steigert  man  ihn 
höher,  so  tritt  Stickstoff  Verlust  ein  (Rona  und  Müller).  —  Aber 
selbst  in  diesem  Maße  bilden  die  Gelatinegelees  (Sternberg)  eine 
willkommene  Ergänzung  der  Krankenküche ;  sie  umhüllen  die  kalten 
Fleischentrees  und  die  Fischspeisen  —  die  letzteren  namentlich  mit 
einem  Zusatz  von  Wein,  Zitrone  oder  Gewürz  schmackhaft  ge- 
macht —  sie  eignen  sich  als  Marmelade  zum  Bestreichen  von  Brot, 
sie  erfrischen  und  stillen  den  Durst;  namentlich  für  die  letzteren 
Eigenschaften  ist  ihre  fest- weiche  Konsistenz  wichtig,  und  es  ist 
gut,  die  Gelatine  wenig  zu  salzen,  da  sie  dann  weniger  fest  gerinnt. 
Die  völlig  flüssigen  Gelatinen,  z.  B.  Glutonlimonaden ,  schmecken 
viel  mehr  als  die  halbfesten  nach  Leim.  —  Es  ist  jeder  Hausfrau 
bekannt,  daß  das  Fleisch  durch  Abhängen  weicher  wird;  Leh-  Fleisch. 
mann  hat  nach  dem  Grunde  dafür  geforscht  und  zahlenmäßige  An- 
gaben für  die  Zähigkeit  des  Fleisches  zu  finden  versucht ;  in  erster 
Linie  kommt  der  größere  Bindegewebsgehalt  des  zähen  Fleisches 
in  Betracht,  doch  spielt  wahrscheinlich  auch  eine  Art  Autolyse  mit. 
Das  Abhängen  läßt  das  Fleisch  um  20—40  ^/o  seiner  Zähigkeit  ver- 
lieren, Gefrierenlassen  erweicht  namentlich  das  zähere  Fleisch  um 
ebensoviel,  während  das  zarte  Filet  weniger  dadurch  beeinflußt 
wird.  Die  Wirkung  des  Kochens  ist  nicht  ganz  zu  erklären; 
eigentlich  müßte  das  Fleisch  durch  Gerinnung  des  Muskeleiweißes 
zäher  werden,  es  wird  aber  weicher,  wahrscheinlich  vermöge  Be- 
einflussung des  Bindegewebes.  -  -  So  wichtig  die  Konserven  für  Konservei 
die  Volksernährung  sind,  so  bergen  sie  doch  auch  Gefahren  (Schot- 
telius),  namentlich  sind  die  eiweißreichen  Fleisch-  und  Leguminose- 
konserven  zum  Verderben  sehr  geneigt,  trotzdem  die  ursprüngliche 
Erhitzung  auf  112—120"  sie  zunächst  sicher  keimfrei  macht;  aber 
durch  einen  unbemerkbaren  kapillaren  Spalt  können  Füulniserreger 
in  die  Blechbüchse  hineinkommen.  Die  Zersetzung  verrät  sich  durch 
Geruch  und  Aussehen  der  Konserve,  auch  eine  Vorwölbung  des 
Deckels  oder  Bodens  der  Büchse  muß  den  Inhalt  als  ungenießbar 
erscheinen  lassen ;  zweckmäßi«^  wäre  das  Alter  der  Konserven  durch 
einen  Stempel,  welcher  mit  Rücksicht  auf  die  Wiinsche  der  Fabri- 
kanten nur  innen  und  nur  dem  eingeweihten  Auge  sichtbar  an- 
gebracht werden  müßte,  zu  kennzeichnen.  Die  Schotteliusschen 
Angaben  haben  in  vielen  deutschen  Bundesstaaten  zu  einer  öffent- 
lichen Warnung  vor  dem  Genuß  vergifteter  Konserven  Anlaß  ge- 
geben, und  dieses  Vorgehen  hat  wieder  eine  Gegenaktion  der  Fabri- 


28 


y  mnp  recht  . 


trmittel : 


kanten,  die  ilire  ZuverläsBigkeit  angezweifelt  glaubten,  herbeigeftibrt. 

|ocliknr«!p  —  Die  Bewegung  für  diätetische  Kochkurse  macht,  wie  schon 
in  den  letzten  Jahren ,  jetzt  weitere  Fortschritte.  Das  Lette- 
Haus  sowohl  wie  das  Pestalozzi- Froh el- Haus  in  Berlin  haben  diese 
Kochkuree  in  ihren  Arbeiteplan  aufgenommen  ;  Dora  Martin  achil- 
dert  den  letzteren  Kurs,  der  aus  1*2  Lektionen  besteht;  es  werden 
in  den  ersten  Stunden  die  Veränderungen  der  tierischen  und  pflanz 
hohen  Nahrungsmittel  infolge  der  Zubereitungsarten  geschildert  und 
dann  die  Rolle  der  verschiedenen  Nahrungsmittel  für  die  Ernähning 
dargestellt.  Auf  Besprechung  der  Backaiten  wird  verziehtet.  Die 
Kochkurse  sind  für  Aerzte  bestimmt  und  werden  von  einer  Frau  ge- 
leitet. Die  Kochkurse  im  Lette- Verein  schildert  Frl  Hannemann: 
hier  wird  den  Schülerinnen  des  Haushaltungsaeminars  die  Kranken- 
und  Kinderernährung  durch  einen  Arzt  dargestellt»  welcher  Mfind 
in  Hand  geht  mit  den  praktischen  ITebungen,  die  die  Vorsteherin 
des  Seminars  leitet.  Tn  jeder  Stunde  wird  eine  bestimmte  Speiseo- 
gruppe  besprochen  und  anch  praktisch  hergesteÜfc. 

Künstliche  Nährmittel.  Das  Wort  „künstlich'*  bei  den 
Nährmitteln  wird  von  Bornstein  zwar  verworfen,  hat  sich  aber 
eingebürgert.  Er  hat  spezieU  die  Nutroae  vielfach  verwendet  und 
erreicht  durch  Ueberernährung,  verbunden  mit  Arbeit,  eine  bessere 
Eiweilhuast  als  ohne  Arbeit.  Neben  der  Nutrose  empfiehlt  er  auch 
Plasmon  und  Sanatogen,  außerdem  die  Grundsubstanz  der 
Kaseinpräparate ,  den  Quark,  das  billige  Eoborat  und  das  noch 
billigere  Aleuronat,  sowie  auch  die  aus  PflanzeneiweiB  bestehen- 
den Glidine;  Fleisch  soll  wenig  genossen  werden,  denn  wir  be- 
zahlen mehr  als   ^U  bei  Fleisch  für  den  Geschmack  und  weniger  als 

[KÄkuü  '/i  filr  den  wirklichen  Nährwert.  lieber  den  Kakao  waren  durch 
eine  frühere  Arbeit  von  Neuniann  anscheinend  irrige  Vorstellungen 
\*erbreitet  worden  insofern,  als  bei  Einführung  großer  Mengen  die 
Stickstoffausnutznng  der  Nahrung  wesentlich  sank.  Tn  neuen  Ver- 
suchen von  Ger  lach  wurden  nur  25  g  Kakao,  das  Maximum, 
welches  selbst  ein  begeisterter  Kakaotrinker  täglich  konsumieren 
kann»  eingefithrt,  und  da  ergab  sich,  dal^  der  Nahrungsstickstoff 
ebenso  wie  das  Fett  sehr  gut  ausgenutzt  wurden.  Dies  Resultat 
wird  von  Pincu^sohn  bestätigt;  indessen  darf  man  nach  diesen 
letzteren  Untersuchungen  den  Nährwert  des  Kakaos  nicht  hoch  an- 
schlagen; da  eine  Tasse  Kakao  nur  6^7  g  Kakaopulver  enthält^  so 
sind  2h  g  Kakaopulver  das  höchste  Mali  des  Tagesverbrauchs,  und  diese 
Menge  macht  für  die  gesamte  Ernährung  fast  nichts  aus;  aulierdeiu 
kostet  das  Pfund  Fett  in  Gestalt  von  Kakao  doppelt  so  viel  wie  in 


^ 


I 


i 


Diätetik. 


29 


Gestalt  von  Butter,  und  letztere  dürfte  doch,  schon  dem  Geschmack 
nach,  vorzuziehen  sein.  Das  im  Kakao  enthaltene  Theobromin  (ca. 
1 "  o)  ist  in  der  üblichen  Kakaodosis  völlig  wirkungslos.  —  Ein  ganz 
neues,  der  dicken  Milch  nahestehendes  Nahrungsmittfl  ist  durch  die 
Yoghurtmilch  gegeben  (Strzyzowski,  Reinhardt).  Diese  Art 
der  dicken  Milch  ist  ein  Nationalgericht  der  Bulgaren  und  auf  der 
ganzen  Balkanhalbinsel  sehr  verbreitet.  Ein  eigenartiger  Bacillus, 
der  Mayabacillus,  ist  darin  in  großen  Mengen  enthalten;  dieser  zu- 
sammen mit  anderen  Bazillenarten  bewirkt  bei  45  "  in  12—14  Stunden 
Gerinnung  der  Milch,  und  so  entsteht  Yoghurt.  Man  kann  sie  allein 
genießen  oder  dem  Kakao,  Kaifee,  Tee,  der  Fleischbrühe  zusetzen, 
auch  mit  Zucker  als  Dessert  auftischen;  sie  enthält  im  Gegensatz 
zum  Kefir  keinen  Alkohol.  Da  diese  Milch  wie  ein  Antisepticum 
die  Darmflora  vermindert,  so  hat  man  die  weitgehendsten  diätetischen 
Hoffnungen  daran  geknüpft,  in  deren  Dienst  sich  übrigens  auch  der 
bekannte  Pariser  Forscher  Metschnikoff  gestellt  hat;  Strzy- 
zowski, der  die  Yoghurt  in  Bulgarien  selber  vielfach  genossen 
hat,  zerstört  aber  diese  Illusionen  etwas,  die  ja  auch  in  dem  Balkan 
selber  nach  seiner  Erfahrung  in  keiner  Weise  praktisch  verwirk- 
licht sind.  —  Ein  weiteres  neues  Nährpräparat  ist  das  Visvit 
(Rosenthal),  (der  Name  stammt  aus  der  lateinischen  Uebersetzung 
von  Lebenskraft);  es  enthält  80  "o  Stickstoff,  15  ",o  Kohlehydrate, 
im  übrigen  Fett  und  Salze.  In  einigen  Versuchen  ergab  sich  Zu- 
nahme des  Körpergewichts,  Vermehrung  der  roten  Blutkörperchen 
und  Steigerung  des  Hämoglobingehalts.  —  Von  eisenhaltigen  neuen 
Nährmitteln  ist  zunächst  Soxhlets  Eisennährzucker  und 
Eisennährzuckerkakao  (Klautsch)  zu  erwähnen.  Das  erste 
Präparat  besteht  aus  Nährzucker  ohne  Kochsalz,  mit  ein  wenig 
Eisen,  das  letztere  aus  6  Teilen  salzfreien  Nährzuckers,  1  Teil  Kakao- 
pulver und  10*'o  Ferrum  oxydatum  saccharatum.  Beide  Präparate 
sind  zur  Ernährungsaufbesserung  anämischer  Kinder  bestimmt,  für 
welche  bekanntlich  Milch  zu  wenig  Eisen  enthält;  namentlich  das 
letztere  Präparat  dient  für  größere  Kinder  und  wird  mit  Wasser 
oder  Milch  wie  gewöhnlicher  Kakao  gekocht.  Beide  sollen  sehr  gut 
vertragen  werden.  Ein  weiteres  eisenhaltiges  Kräftigungsmittel  ist 
mit  dem  Namen  Isn  (Schütte)  bezeichnet  und  stellt  hauptsäch- 
lich ein  Eisenpräparat  zur  Blutbildung  dar.  —  Somagen,  von 
A.  Wolff,  Sudbracker  Nährmittelwerke  in  Bielefeld,  hergestellt, 
enthält  nicht  nur  Fleischsalze  und  Fleischbasen,  sondern  auch  die 
leicht  löslichen  Proteinstoffe  des  Fleisches;  es  ist  geschmack-  und 
geruchlos,  eignet  sich  für  Magenverstimmungen,  Seekrankheit,  Kater; 


Yoghurt- 
Milch, 


Visvit, 


Eisennähr 
Zucker, 


Isn, 
Somagen, 


tiiiihe  unter  Kinznfügnng  gleicher  Mengen  von  Kohlehydraten  kommt  ea 
aittel:  ^]g  Karo p an  von  derselben  Firma  in  den  Handel j  billig  ist  es 
nAtogen.  nicht,  2*X>  g  des  letzteren  Präparats  kosten  4M.  —  Vom  8ana- 
togen  ist  zvi  berichten,  daß  es  die  Magensekretion  trotz  seines 
hohen  Ei weißgehaltea  von  Bh^U  nicht  steigert  (Rodari),  im  Gegen- 
satz zu  anderer  Kiweißnahrung,  namentlich  Fleisch,  und  sich  des- 
halb namentlich  für  Emährungskuren  bei  erhöhten  Saaregraden  des 
Magens  und  hei  Magengeschwür  eignen  aolL 

Literatar. 


Auerbach,  Milch.  Arch.  t  Kinderheilk  Bd.  XL,  H.  4— 6.  —  Beer- 
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Kochkurae*  Zeitschr,  f.  phys.  n.  diät  Ther.  Bd.  Xt,  H.  2.  —  E.  Harnack, 
Kaffee.  Deutsche  med.  Wochenachn  Nr.  1,  —  M.  Hirsch,  Diät  in  Bade- 
orten* Zeitschr.  f.  phjsikal,  u.  di&t.  Ther.  Bd.  XL  H.  2.  —  Leubuscher, 
Schularzttätigkeit  und  Schulgesuudheitapflege*  Leipzig.  —  B.  Lei  e  k» 
Krankenpfiege  (,Aua  Natur  und  Geißteswelt*).  Leipzig,  —  Kehr  er,  Ver- 
dan angäbe schwerden.  Mtinck  med.  Wochenscbr.  Nr.  6.  —  K  i  e  n  b  5  c  k, 
Beligi  Beck.  Untersuchungen  an  Schwimmern.  Münch.  med.  Wochen- 
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Presse  Nr.  4.  —  Kohnstamm.  Vegetarische  Diät.  Zeitschr.  f.  phjsikaL 
u.  diSit.  Ther,  Bd.  XI.  ^Jean  Lahor  u.  Lucien  Graux,  I/Alifueniation 
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Fleisches.  Arch.  f.  Hyg,  Bd.  LXIIL  H.  2.  —  Lenk  ei,  Sonnenbilder.  Zeit- 
gchrift  f.  physik.  u.  diät.  Ther.  Bd,  XL  H.  1.  —  Hauü  Leo  (Bonn).  Die  Salz- 
ftäuretherapie  auf  theoretiicher  und  praktis eher  Grundlage.  Berlin.  —  Liebe» 
Luft  und  Sonnenbad.  Zeitschr.  f.  physikal.  u.  diät»  Ther.  Bd,  XL  H,  4.  — 
Loeh,  Kafi'ee.  Zeitechr.  f.  physikal.  u,  diiU.  Ther,  Bd.  X,  H,  10.  —  Magnus- 
Levy,  Kochsalz,  Then  d.  Gegenwart,  April.  —  Marcuse,  Luftbad. 
Zeit«chr.  f.  phjsikah  u.  diät  Ther.  Bd.XI.  H.  L  —  Martin,  Luftbad.    Zeit- 


Diätetik.  31 

Schrift  f.  physikal.  u.  diät.  Ther.  Bd.  XI,  H.  5.  —  Do ra  Martin,  Diätetische 
Kochkurse.  Zeitschr.  f.  physikal.  u.  diät.  Ther.  Bd.  X,  H.  10.  -  Elie 
Metschnikoff  (Paris),  Einige  Bemerkungen  über  Sauermilch.  Deutsch 
von  Dr.  L.  Schliep  (Bremen).  Paris.  —  Minkowski,  Salz.  Ther.  d. Gegenwart, 
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Bd.  XI,  H.  9.  —  Pin  c  US  söhn,  Koffein.  Zeitschr.  f.  physikal.  diät.  u.  Ther. 
Bd.  XI,  H.  5.  —  Derselbe,  Kakao.  Zeitschr.  f.  klin.  Med.  H.  5  u.  6; 
Zentralbl.  f.  inn.  Med.  Nr.  7.  —  Reinhardt,  Yoghurtmilch,  Zeitschr.  f. 
Krankenpflege,  Okt.  —  Riegel,  Limonade.  Arch.  f.  Hyg.  H.  3.  —  Rodari, 
Sanatogen.  Therap.  Monatsh.,  Juli.  —  P.  Rodari  (Zürich),  Die  wichtigsten 
Grundsätze  der  Krankenernährung.  München.  —  Rona  u.  Müller,  Leim. 
Zeitschr.  f.  physiol.  Chemie  Bd.  L,  H.  4.  —  Rosenthal,  Visvit.  BerL  klin. 
Wochenschr.  1906,  Nr.  48.  —  Schloß,  Vegetarische  Diät.  Kongreß  f. 
innere  Med.,  Wiesbaden.  —  Schottelius,  Giftige  Konserven.  Blätter  f. 
Volksgesundheitspflege  Nr.  1.  —  R.  Staehelin,  Vegetarische  Diät.  Zeit- 
schrift f.  Biologie  H.  2.  —  Wilhelm  Sternberg,  Gelatinegel^e.  Zeitschr.  f. 
physikal.  u.  diät.  Ther.  Bd.  XI,  H.  8.  —  Wilhelm  Sternberg  (Berlin), 
Kochkunst  und  ärztliche  Kunst.  Der  Geschmack  in  der  Wissenschaft  und 
Kunst.  Stuttgart.  —  Strzyzowski,  Yoghurt.  Therap.  Monatsh.,  Okt.  — 
Szegö,  Seestrandleben.  Arch.  f.  Kinderheilk.  Bd.  XL,  H.  4 — 6.  —  Volney, 
Baumwollsamenmehl.  Zeitschr.  f.  physikal.  u.  diät.  Ther.  Bd.  XI,  H.  6.  — 
A.  Wolff,  Somagen.    Zeitschr.  f.  Krankenpflege,  Sept. 


2.  Krankenpflege. 


Von  Med. -Rat  Prof*  Dr,  F*  Oumprecht  in  Weimar. 
Mit  ^  Abbililun^eu 

Allgememes.  Das  wichtigste  Ereignis  auf  dem  Gebiete 
der  Krankenpflege  ist  wohl  die  WOQ  erfolgte  Einführung  der 
keupüege- staatlichen  Prüfung:  von  Krankenpflegepersonen,  wie 
sie  übereinstimmend  mit  einem  Bundesrats beschlusse  von  ziemlich 
allen  deutschen  Staaten  gleichzeitig  vorgenommen  ist.  Der  haupt* 
sächliche  Urheber  dieser  Prüfungsvorschriften ,  der  Referent  im 
preußischen  Kultusministerium,  Dietrich,  berichtet  darüber  unter 
Angabe  interessanter  historischer  Daten,  Die  ersten  Christen* 
gemeinden  bestanden  aus  den  ärmsten  Bevolkerungsklassen  und 
ließen  so  das  Kranken  pflege  wesen  als  Pflicht  jedes  einzelnen  hervor- 
wachsen.  Als  die  Gemeinden  wueheeD ,  stellte  man  Diakonen  im 
besonderen  Amte  an.  Im  Mittelalter  spalteten  sich  die  Laien- 
genosseuschaften  in  ritterliche  und  bürgerliche ,  unter  welch  letz- 
teren namentlich  die  Hoapitaliter  und  Hospitaliter innen  sich  kräftig 
entwickelten  und  den  Verfall  der  Ritterorden  überlebten.  Doch  auch 
sie  vertielen  dem  Streben  nach  politischer  Macht  und  Besitstum^  ao 
daß  in  der  Reibrmationszeit  die  Krauken  pflege  fast  ganz  darnieder- 
lag, abgesehen  von  der  noch  immer  blühenden  katholischen  Pflege. 
Die  Begründung  des  modernen  Krankenpflege wesens  erfolgte  durch 
die  Errichtung  des  Rauhen  Hauses  zu  Hamburg  18^&3f  des  ersten 
Diakonissen- Mutterhauses  in  Kaiserswerth  1836  und  des  Zentral- 
ausschuases  für  Innere  Mission  1849.  Im  Anschlufi  ^n  die  deutschen 
Kriege  von  1HH4--1871  entstanden  die  Schwestern  Stationen  des 
Vaterländiacheu  Frauen  Vereins»  sowie  die  Krankenpöegeanstalten  und 
8chwesteruschaften  vom  roten  Kreuz.  Viele  Gemeinden  und  Kreise 
bildeten  außerdem  selbständig  ihre  Pflegekräfte  aus.  Ein  obligatori- 
scher Befähigungsnachweis  für  Krankenpflegeperaonen  wäre  der  Ge- 
werbeordnung,  welche  die  Ausübung  der  Heilkunde  freigegeben 
hatte,  zuwidergelaufen  und  hätte  die  gelegentliche  Liehestätigkeit, 
die  gerade  auf  diesem  Gebiet  sehr  verbreitet  und  auch  wünschens- 
wert ist,  völlig  lahmgelegt.     So  entstanden  die  Vorschriften  für  die 


Krankenpflege.  33 

fakultative  Prüfung,  wie  sie  jetzt  in  Geltung  sind.  Es  ist  ein 
Vorbereitungsdienst  von  einem  Jahr  verlangt,  der  übrigens  von 
manchen  Organisationen  schon  in  doppelter  Ausdehnung  früher  ver- 
langt wurde,  und  eine  3  Tage  lange  Prüfung  vorgesehen,  bei  welcher 
der  Schwerpunkt  in  der  praktischen  Seite  liegt.  Die  Orden  und 
Diakonissen-Mutterhäuser  haben  jedoch,  ebenso  wie  die  32  Schwe- 
sternschaften des  Verbandes  vom  roten  Kreuz,  noch  Bedenken,  die 
Prüfung  in  ihre  Organisation  einzufügen,  da  die  Ausbildungszeit 
hier  länger  ist.  Da  aber  die  Militärverwaltungen  und  auch  viele 
öifentliche  Krankenhäuser  nur  staatlich  geprüfte  Krankenpflege- 
personen anstellen,  so  werden  wohl  bald  alle  Organisationen,  die 
es  mit  dem  Wohl  ihrer  Mitglieder  ernst  meinen,  diese  der  Prüfung 
unterwerfen.  Der  evangelische  Diakonieverein  hat  sie  sofort  Diakoni« 
angenommen.  —  Ueber  diesen  Diakonieverein  macht  der  Vereins-  verein, 
direkter  Zell  er  in  Zehlendorf  interessante  Angaben.  Der  Verein 
sucht  dem  chronisch  gewordenen  Schwesternmangel  durch  größere 
Freiheit  seiner  Mitglieder  abzuhelfen.  An  die  Stelle  des  Mutter- 
hauses ist  <las  Seminar  gesetzt,  und  die  Ausbildung  geht  nicht  im 
Mutterhause,  sondern  in  einem  selbständigen  Krankenhause  vor  sich. 
Die  Teilnehmerinnen  des  Seminars  sind  in  keiner  Weise  für  die  Zu- 
kunft gebunden,  und  namentlich  dadurch  glaubt  der  Verein  die 
große  Zahl  seiner  Mitglieder  erlangt  zu  haben,  trotzdem  die  Vor- 
bildung einer  höheren  Töchterschule  verlangt  wird.  Die  Ausbildung 
dauert  nach  Absolvierung  einer  Probezeit  von  6  Wochen  bis  zu  1  Jahr 
und  geschieht  kostenlos.  Nach  dem  ersten  Jahr  k^nen  die  Schwe- 
stern ganz  austreten  oder  als  Eeserveschwestern  jedes  Jahr  eine 
Uebung  von  6  Wochen  machen  oder  endlich  als  aktive  Schwestern 
weiterdienen.  Die  Stationen,  die  vom  Diakonieverein  übernommen 
sind,  werden  in  Bezirke  eingeteilt,  die  von  einer  Bezirksoberin  ge- 
leitet werden.  An  der  Spitze  des  Vereins  stehen  zwei  Geistliche, 
eine  Schwester  und  ein  Verwaltungsrat  von  elf  Mitgliedern.  Der 
Verein  versichert  jede  Schwester  bei  einer  privaten  Gesellschaft  auf 
400 — 600  Mk.  Rente  und  bezahlt  an  kranke  oder  arbeitslose  Schwe- 
stern jährlich  aus  baren  Mitteln  etwas  dazu.  Er  umfaßt  jetzt  etwa 
1057  aktive  Schwestern,  die  auf  140  Stationen  arbeiten.  —  Ein  Er- 
laß des  preuiUschen  Kultusministers  vom  22.  November  1906  ordnet  i'reußisci 
an,   daß   bei  größeren  Krankenanstalten  die  Leitung  in  die    '^'»ß*^*®"' 

.  crlaö  bei 

Hand  eines  Arztes  gelegt  werden   solle.     Jene  Krankenanstalten,  Krankenh« 
welche  es  jedem  Arzte  erlauben,  seine  Kranken  dort  zu  behandeln,       leitung 
wiesen  tatsächliche  Mißstände  auf  (durchweg?   Referent);  der  Erlaß 
betrifft  alle  Krankenanstalten  über  50  Betten.  —  Aber  bleiben  wir 

Jahrbuch  der  praktischon  Mediziii.    \w^  J^ 


bei  den  Kran  keE  pflege  rinnen.  Da  ist  als  nenea  Ereignis  die 
Grimdung  des  Weltpflegerinnenbundei  (Agn  e  s  KarU)  zu 
erwähnen.  Alle  5  Jahre  wird  eine  Versammlung  abgehalten,  die 
letste  fand  1904  in  Paris  statt  und  wurde  von  200  Pflegerinnen, 
die  14000  Verein smitglieder  vertraten^  besucht  Er  verfolgt  wesent- 
lich wirtschaftliche  Zwecke  und  umfaht  zur  Zelt  Deutschland, 
Amerika,  Grohbritaünien,  Dänemark  und  FinnJand.  In  der  Tat 
scheinen  derartige  soziale  Organisationen  notwendig.  Die  Oberin 
Dock  aus  Amerika  berichtet ^  dal^  in  Oesterreich  und  Deutsch- 
land manche  Schwesternorganisationen  Ihren  Mitgliedern  bis  zu 
56  Stunden  ununterbrochener  Dienötzteit  zumuteten,  andere  jede 
Lehrschwester  anfangs  einmal  in  der  Woche  eine  Nachtwache  ohne 
Ruhezeit,  vielfach  aber  eine  halbe  Nftchtwacbe  ohne  Huhezeit  durch- 
machen ließen.  —  Gegenüber  den  wirtschaftlichen  Forderungen  be- 
tont Berg  die  ethischen  Anforderungen  der  Krankenpflege.  Gute 
Schulbildung  nnd  gute  Erziehung ,  die  aber  auch  bei  guter  Volks- 
schulbildung zu  erwarten  steht,  wenngleich  die  gebildeten  Stände 
zu  bevorzugen  aeieUf  eine  feste  Gesundheit  des  Körpers ^  des  Geistes 
nnd  Gemütes,  peinliche  Reinlichkeit,  ein  hohes  Verantwortlich- 
keitsgefuhl  für  ihre  Taten  und  für  ihren  persönlichen  Umgang  mit 
den  Kranken,  eine  leichte  Hand,  eine  instinktive  Beobachtungsgabe, 
Geistesgegenwart  im  raschen  Handehi  und  Selbstbeherrschung  in  der 
Ueberwindung  von  Ekel  und  A erger,  humane  Gesinnung  gegenüber 
jedem  Kranken,  das  seien  die  hauptsächlichenj  ethischen  Eigenschaften 
jpiiege  der  Krankenpflegeriiinen.  —  Für  die  Krankenpflege  auf  dem 
Land  ist  von  diesen  Eigenschaften  am  ersten  die  höhere  Bildung 
entbehrlich  (Hans gen)*  Ländliche  Krankenpflegerinnen  werden  am 
besten  auch  vom  Land©  genommen-  In  dem  Kreise  des  Verfassers, 
welcher  selber  Kreisarzt  ist,  sind  zehn  ländliche  Pflegerinnen  an* 
gestellt  mit  dem  Gehalt  von  300—50(3  Mk.,  während  eine  gebildete 
Diakonissin  70lJ— 800  Mk.  jährlich  erfordern  würde.  In  allen  Ort- 
schaften ^  wo  die  Pflegerinnen  wohnen,  sind  Hüfstationen  zur  Ver- 
leihung von  Krankenpflegegegenständen  eingerichtet.  Die  Ans- 
bUdungskosten  der  Krankenpflegerinnen  bestreitet  der  Männerverein 
vom  roten  Kreuz,  wogegen  eratere  sich  für  den  Kriegsfall  zum 
Dienst  verpflichten.  Die  Beaoldung  der  Pflegerinnen  trügt  der 
Vaterländteche  Prauenverein,  der  jedoch  die  Gemeinden  und  Arbeiter- 
Versicherungen  mit  heranzieht.  —  Eine  neue  Walderholungsstätte 
ist  in  Schönhok  bei  Berlin  eingerichtet  und  hat  die  eigenartige  Auf- 
gabe, die  Mütter  zusammen  mit  ihren  Kindern ,  namentlich  Säug- 
lingen,   aufzunehmen,     Nnr  auf  diese  Weise   ist  es  möglich,   den 


lem 


Krankenpflege.  35 

Säuglingen  der  Großstadt  die  Vorteile  der  Walderholung  angedeihen 
zu  lassen.  Bei  der  ehrenamtlichen  Tätigkeit  der  Oberschwester  und 
des  leitenden  Arztes  (Luise  Schwartze  und  Dr.  Rohardt)  werden 
die  Betriebskosten  gedeckt,  falls  für  jede  Mutter  1  Mk.  pro  Tag  ge- 
zahlt wird.  —  Wenn  wir  von  den  einfachen  Walderholungsstätten 
zu  den  komplizierten  neuen  Krankenhausbauten  vorschreiten,  so  Krankenhi 
sind  die  Vorträge  bemerkenswert,  welche  auf  der  diesjährigen  Ver-  bauten 
Sammlung  des  Vereins  für  öifentliche  Gesundheitspflege  in  Bremen 
vonLenhartz  und  Ruppel  gehalten  worden  sind.  Nur  in  kleinen 
Anstalten  bis  zu  etwa  200  Betten  darf  man  Kranken-  und  Verwal- 
tungsräume in  einem  Gebäude  vereinigen.  In  größeren  Kranken- 
häusern muß  ein  eigener  Verwaltungsbau  eingerichtet  werden.  Die 
Korridorbauten,  Pavillonbauten  und  die  Kombinationen  beider 
haben  sämtlich  ihre  Vorzüge  und  Nachteile.  Für  Privatkranken- 
häuser mit  einer  größeren  Anzahl  von  Einzelzimmern  sind  Korridor- 
bauten notwendig.  Die  Pavillonbauten,  die  übrigens  nicht  mehr 
als  80  Betten  aufnehmen  und  nicht  mehr  wie  zwei  Geschoße  führen 
sollen,  eignen  sich  für  große,  allgemeine  Krankensäle.  Man  legt 
ihren  Fußboden  tief,  damit  die  Kranken  leicht  in  den  Garten  hinaus- 
kommen können.  Kombinationen  beider  Systeme  in  der  Form  eines 
Hufeisens  oder  eines  H  eignen  sich  für  kleine  und  mittlere  Kranken- 
anstalten bis  zu  200  Betten  und  sind  im  Betrieb  bequemer  wie  die 
Pavillonbauten.  In  den  Kollektivsälen  stellt  man  mit  Rücksicht  auf 
die  Behaglichkeit  der  Kranken  möglichst  nicht  mehr  als  12  Betten 
auf.  Holzumrahmungen  für  Tür  und  Fenster  sind  zu  vermeiden. 
Als  bester  Fußboden  gilt  ein  solcher  von  Platten  aus  natürlichem 
Stein  oder  gebranntem  Ton,  dessen  Fugen  mit  Mörtel  gedichtet  sind. 
Oft  müssen  aber  Linoleumbelege  dazu  kommen.  Für  den  Kochbetrieb 
kommt  nur  Dampf  in  Frage,  für  Bratzwecke  nur  Gas;  mit  den 
Kesselanlagen  sind  diejenigen  für  Licht-  und  Kraftzwecke  und  fiär 
Eisbereitung  zu  verbinden.  Alle  berechtigten  Anforderungen  lassen 
sich  durch  eine  Summe  von  5—6000  Mk.  pro  Bett  befriedigen. 

Wie  man  mit  den  einfachsten  Mitteln  eine  improvisierte  Asepsic 
Asepsis  schafft,  lehrt  uns  Große.  Ein  gewöhnlicher  Kochtopf, 
in  den  man  ein  Glas  voll  Wasser  schüttet,  dient  als  Dampf  bereiter, 
ein  kleiner  Topf,  der  nur  die  Instrumente  beherbergt,  wird  hinein- 
gesetzt, das  Ganze  zugedeckt.  10  Minuten  Einwirkung  genügen  fiir 
alle  Metall-  und  ähnlichen  Instrumente.  Der  feuchte  Beschlag  dunstet 
nach  Beendigung  der  Sterilisation  fast  momentan  ab.  Scharfe  Messer 
werden  aber  stumpf  und  müssen  daher  in  verschlossenen  Glasröhren 
vor   der   direkten    Dampfeinwirkung   bewahrt   bleiben.      Chemische 


36 


GuBipreoht. 


^o^ter, 


Besm&zientien  sind  meist  unwirksam.  Hände  werden  riurch  2^;ttm^ 
nutig68  Abreiben  mit  Brennspiritus  fast  völlig  keimfrei  gemacht*  — 
Ueber  die  letzterö  Frage,  die  Händedesinfektion,  eind  freilich  die 
Akten  noch  nicht  allgemein  geschlossen.  Luftbläschen  und  Fett- 
schichten bilden  die  hauptsilchlicben  Schwierigkeiten  (Heusner).  Bei 
Bsnziu.  Benutzung  von  Jod-Benzin  lätU  sich  eine  sehr  wirksame  Bas- 
Infektion  erreichen  ( H  e  u  s  n  e  r ,  G  r  a  li  m  an  n),  welche  der  F  ü  r  b  r i  n  ger- 
ecben  Methode  mit  Älkobol  und  der  En gelschen  Methode  mit 
Sublaminalköhol  noch  überlegen  istj  die  Feuergefäbrlichkeit  des  Ben- 
zins erfordert  aber  für  die  Händedesinfektion  besser  ein  Ersatz- 
präparat, daa  Oj  1 "  r»  ige  J  o  d  -  B  e  n  z  i  n  o  f  e  r  m ,  das  im  übrigen  dasselbe 
leistet.  —  Ganz  anders  ist  der  Weg,  den  Klapp  und  Dönitz  zur 
Händedesinfektion  beschreiten,  der  in  der  Bierseben  Klinik  erfunden 
worden  ist,  Sie  desinfi  Eieren  die  Hände  nicht  oder  kaum,  sorgen 
nur  dafür,  die  Bakterien  der  Haut  festznketten ;  zu  diesem  Zweck 
hüllen  sie  die  Haut  mit  einem  feinen  klebenden  Ueherzug  ein.  Das 
dazu  verwendete  Präparat  heißt  Ghirosoter^  eine  Lösung  von 
Wachs  in  Tetrachlorkohlenstoff.  Es  wird  mit  Hilfe  eines  Hoppel- 
ballons aus  einer  Flasche  in  Spray  form  auf  die  sorgfältig  getrock- 
neten Hätide  2mal  kurze  Zeit  aufgeblasen ;  man  kann  dann  von  der 
Hantoher0äche  kaum  mehr  Bakterien  gewinnen;  bei  täglichem  Ope- 
rieren bleibt  die  Haut  dauernd  gewachst  und  wird  nur  nach  in- 
fektiösen Operationen  von  ihrem  Ueberzug  durch  Aetherabwischung 
befreit.  Ein  ähnliches  Präparat,  das  aus  einer  K autsch uklösung 
beste htj  wird  in  die  Hohlhand  gegossen  und  über  die  Hände  durch 
waschende  Bewegungen  verteilt;  die  Haut  muß  aber  durch  Bürsten 
mit  einer  Lösung  von  1  Teil  Jod  in  ICKX)  Tetrachlorkohlenstoff  vor- 
bereitet sein  (Wieder hake).  Das  Präparat  ist  erhältlich  bei  Degen 
und  Kuth  in  Düren.  --  Bei  den  Desinfektionsverfahren  muß  auch  der 
Wohnungsdesinfektion  mit  Au  tau  gedacht  werden,  das  von  den 
Farbwerken  in  Elberfeld  hergestellt  wird.  Es  ist  dies  eine  Formal- 
dehyddesinfektion ,  bei  welcher  aber  chemiBche  Wärme  durch  zuge* 
gossenes  Wasser  entwickelt  wird  und  deshalb  der  ganze  komplizierte 
Gasentwicklongsapparat  und  die  feuergefährliche  Spiritusflamme  weg- 
fällt. Auch  ist  die  Entwicklung  der  Dämpfe  so  rasch,  dsü  das  lästige 
Abdichten  der  Türen  und  Fenster  unnötig  wird ;  nach  den  bisherigen 
Eri^brungen  (Tomarkin  und  Heller)  scheint  das  neue  Verfahren 
ebenso  wirksam  wie  das  ältere,  aber  wesentlich  wenij^er  unbequem 
zu  sein. 

Die  Krfippelfürsorge   erfreut  sich  in  Deutschland   einer 
zunehmenden    Beachtung,      Im    Dezember    19CMi    wurde    die    erste 


lautt. 


Krankenpflege.  37 

Berliner  Krüppelheilanstalt  eröffnet.  Wir  erfahren  bei  dieser  Ge-  Krüppel 
legenheit  (Biesalski),  daß  es  30  Krüppelheime  mit  1500  Betten  fü"<>'8< 
in  Deutschland  gibt,  daß  aber  63000  einer  Anstaltsbehandlung 
bedürftige  Krüppelkinder  vorhanden  sind;  eine  genaue  Zählung, 
auf  300000  Zählkarten  fußend,  wird  von  dem  Berliner  Verein 
vorbereitet.  In  93°/o  der  Fälle  macht  die  Anstalt  den  Krüppel 
wirtschaftlich  selbständig.  —  Das  Samariterhaus  in  Heidelberg,  das 
50  krebskranke  Menschen  aufzunehmen  im  stände  ist  und  durch  die 
Bemühungen  des  Heidelberger  Chirurgen  Czerny  gegründet  wurde, 
sei  hier  nur  flüchtig  gestreift;  es  ist  seit  25.  September  1906  in  Be- 
trieb. Der  Pensionspreis  in  den  drei  Klassen  beträgt  täglich  8,50, 
r),50,  2,50  Mk.  —  Dauernde  Fortschritte  macht  auch  das  Volks- 
badewesen.  Die  meisten  neueren  Schulen  werden  mit  einem 
Brausebade  versehen,  die  Städte  wetteifern  in  dem  Bestreben,  um- 
fangreiche, zum  Teil  kostbare  Volksbäder  einzurichten,  und  ein- 
sichtige Fabrikleitungen  errichten  Brausebäder  für  ihre  Arbeiter; 
nur  auf  dem  Lande  liegt  das  Badewesen  noch  im  argen.  Im  Groß- 
herzogtum Weimar  ist,  wie  Gumprecht  mitteilt,  das  erste  Volks- 
bad in  dem  kleinen  Dorfe  Oberpörlitz  bei  Ilmenau  gegründet  worden. 
Es  besteht  aus  einem  Raum  mit  sechs  Brausen  und  einer  Wanne; 
die  einzelnen  Stände  sind  durch  Segeltuchleinwand  voneinander  ge- 
trennt. Der  Preis  für  das  Brausebad  beträgt  10  Pf  Für  die  Be- 
völkerung des  kleinen  Dorfes  genügen  Sonnabend  Nachmittag  und 
Sonntag  Vormittag  als  Badetage.  Die  Einrichtung,  die  in  einen  vor- 
handenen Keller  eingebaut  ist,  kostet  1200  Mk.  —  Eine  besondere 
Form  der  Bäder  sind  die  Sara ^onschen  Ozetbäder;  das  Bad  be-  Sarasonst 
steht  aus  300  g  Natriumhyperborat,  entsprechend  etwa  30  Liter  O^etbäd« 
Sauerstoff  und  etwas  Manganborat.  Die  beiden  werden  nacheinander 
dem  Bade  zugesetzt,  wobei  das  letztere  als  Katalysator  wirkt.  Die 
Sauerstoffentwicklung  beginnt  nach  1—3  Minuten;  der  Sauerstoff  be- 
deckt die  Haut  des  Badenden  mit  äußerst  feinen  Perlen ;  nähere  Unter- 
suchungen (Franze  und  Pöhlmann,  Laqueur)  ergaben,  daß  der 
Blutdruck,  abweichend  vom  Kohlensäurebad,  unbeeinflußt  bleibt  und 
daß  die  Hautrötung  ebenfalls  viel  weniger  ausgesprochen  als  beim 
Kohlensäurebad  ist.  Dagegen  wird  das  lästige  Einatmen  der  Kohlen- 
säure vermieden  und  durch  den  prickelnden  Hautreiz  eine  beruhigende 
Wirkung  ausgeübt. 

Einzelne  Instrumente  und  Verfahren.  Kochsalzinfusionen 
werden  mit  Recht  von  der  neueren  Therapie  in  immer  steigendem 
Maße  verwandt  und  wirken  in  vielen  Erschöpfungszuständen  direkt 


L 


arlatj. 


lebensrettend.  Ihre  therapeutische  Stellung  wird  auch  nicht  durch 
mögliche  Schädlichkeiten^  die  von  ihnen  vielleicht  ausgehen,  er- 
schüttert werden.  Köfile  hat  niehrere  Fälle  geBeben,  die  nach  Koch- 
salain fug  ionen  rasch  zu  Grunde  gingen;  die  Sektion  ergab  dann  ein 
makroskopiicli  erkennbares,  gleichförmig  trübes  Aussehen  der  Herz- 
muskulatur; das  gesamte  Herz  war  schlecht  zusammengezogen,  eher 
etwas  erweitert,  mürb  und  ieucht.  Ob  subkutane  oder  intravenöse 
Infusion,  macht  dabei  nichts  aus.  ^  Die  Indikationen  des  Ader- 
lasses in  der  ärztlichen  Praxis  werden  von  Mendel  ziemlich  weit 
gezogen  und  bestehen  in  Gasvergiftungen,  Urämie,  Eklampsie,  Gicht, 
Bleichsucht,  ortlichen  und  allgemeinen  Zirkulationsstö rangen.  Zur 
Anregung  der  Blutbild ung  werden  nur  60  —  80  g,  zur  Biutentgiftung 
bis  200  g  und  zur  Besserung  des  Kreislaufs  bis  400  g  entnommen ; 
für  die  Technik  wird  ein  einfaches  Anstechen  der  angestauten  Vene 
empfohlen ;  stockt  der  Blutstrom,  so  hilft  Oeffnen  und  Schließen  der 
Hand  oder  Abnehmen  nnd  Wiedoranlegen  der  Binde.  —  In  der 
Inhalationslehre  stehen  die  0 ptimisten  und  die  Nihilisten  der 
Therapie  immer  noch  unversöhnt  einander  gegenüber.  Sänger 
glaubt  nicht  an  die  Möglichkeit  der  Bceinilussang  der  tieferen  Luft- 
wege durch  Inhalation  und  verwirft  die  Benutzung  sowohl  der 
kleinen  Sprayapparate  wie  der  grotien  Ißhalatorieii  als  nutslos ;  beim 
Eindringen  der  noch  so  feinen  Tröpfchen  in  die  Atmungswege  be- 
schlügen sich  diese  Tröpfchen  mit  Kondensationsfeuchtigkeit,  genau 
wie  es  etwa  ein  kalter  Spiegel  in  warmer  Luft  tut^  und  vergrößerten 
sich  dadurch  so  weit,  daß  sie  in  den  gröberen  Bronchien  haften 
blieben.  Indessen  lässt  sich  durch  Röntgenuntersuchung  der  Lungen 
(Kästle)  nachweisen^  daß  bei  Verwendung  geeigneter  Apparate  tat- 
sächlich feinste  Tröpfchen  bis  in  die  Lungenbläschen  eindringen* 
Namentlich  wird  in  dieser  Hinsicht  der  „Idear*-Zerstüuber  emp- 
fohlen: überhitzter  Dampf  trifft  unter  einem  Luftdruck  von  zwei 
Atmosphären  die  medikamentöse  Lösung  in  einem  Zerstäuber ,  den 
er  wieder  durch  enge  Schlitze^  die  Lösung  fein  zerstäubend,  veriäilt. 
Der  Inhalationsapparat  von  Dietz  und  Flor  ist  ein  Sieglescher 
Apparat,  der  aber  zur  Erhöhung  der  Wirkung  mit  einer  Glasglocke 
bedeckt  ist  und  aus  der  oberen  Oeffnung  der  Glasglocke  das  z^- 
stäubte  Medikament  unter  Druck  heraustreten  läßt;  da  alle  gröberen 
Tropfen  in  der  Glasglocke  haften  bleiben,  so  ist  die  Lösung  anüer- 
ordentlich  fein  zerstäubt*  —  Yüv  Sauerstoflinhalationen  hat  Brat 
eine  Verbesserung  des  Apparats  geschaffen,  welcher  zugleich  erlaubt, 
knnetlicbe  Atmung  damit  einzuleiten  und  sich  deshalb  zu  allgemeiner 
Yarbreitting  bei  Rettungsgesellschaften,  Feuerwehren  u,  dergh  eignet 


Krankenpflege.  39 

(Maschinenfabrik  Westfalia,  A.-G. ,  Gekenkirchen).  —  Wir  kennen 
die  günstige  Wirkung  des  PrießnitzschenUmschlages,  weniger  prieUnitzs« 
aber  ihre  Gründe;  diese  sind  hauptsächlich  in  den  osmotischen  Ver-  ^^mschia 
änderungen  des  behandelten  Hautbezirks  zu  erblicken  (Schade). 
In  der  Mitte  des  Entzündungsherdes  ist  nämlich  die  Gewebsflüssig- 
keit sehr  dick  (—1,4**  Gefrierpunktsemiedrigung).  Das  Oedem  in 
nächster  Nähe  ist  auch  noch  stärker  als  normal  konzentriert.  Durch 
stärkeren  Blutzufluß,  wie  er  unter  dem  Prießnitzumschlage  statthat, 
wird  nun  die  Konzentration  der  Gewebsflüssigkeit  verdünnt  und  da- 
mit der  Schmerz  gehoben  und  die  Gewebsernährung  verbessert,  so- 
wie die  zentrifugale  Lymphbewegung  gefördert.  Technisch  zu  be- 
achten sind  namentlich  heiße  Umschläge,  kreisförmig  um  den  Ent- 
zündungsherd herumgelegt.  —  Daß  eine  nasse  Ganzeinpackung 
Unbequemlichkeiten  hat,  ist  zuzugeben;  Li  ss  au  er  bedeckt  deshalb 
nur  die  Oberseite  des  im  Bett  liegenden  Kranken  mit  einem  nassen 
Laken  aus  Leinen  und  legt  ein  Wolltuch  darüber.  —  Eine  eigen- 
artige Methode  der  Hyperämiebehandlung  ist  durch  die  neue  Hyperäw 
Paste  Antiphlogistine  (Lübbert)  gegeben.  Die  Paste  ist  nach 
einem  amerikanischen  Präparat  zusammengestellt  und  besteht  im 
wesentlichen  aus  einem  bei  sehr  hoher  Temperatur  getrockneten 
Metallsalz  mit  Glyzerin;  man  wärmt  die  aromatisch  riechende,  homo- 
gene Paste  etwas  vor  und  streicht  sie  möglichst  heiß  auf  die  Haut. 
Die  Paste  wirkt  zugleich  durch  Wasserentziehung,  da  sie  stark 
hygroskopisch  ist,  und  durch  Hitze.  Darüber  kommt  eine  Schicht 
Watte  und  eine  Binde.  Der  Kranke  hat  das  Gefühl  des  Prickeins 
an  dieser  Stelle.  Nach  1 — 2  Tagen  lockert  sich  die  Paste  von  selber 
infolge  von  Wasseraufnahme,  wodurch  sie  bröcklig  wird;  sie  kann 
auch  durch  Wasser  jeden  Augenblick  entfernt  werden ;  an  den  Haaren 
klebt  sie  nicht  fest.  —  Die  ausserordentlichen  Erfolge  der  Heiß-  Heißiaf 
luftbehandlung,  die  Chlumsky  aus  Krakau  berichtet,  sind 
sicher  richtig.  Schultergelenksentzündungen,  Knie-  und  Handentzün- 
dongen  werden  verschieden  rasch,  aber  gleichmäßig  günstig  be- 
cinflulH,  nur  muß  die  Kur  hinreichend  lange  dauern  (bis  zu 
120  Bädern);  als  Temperatur  genügen  70—130"  C.  ---  Eine  sehr 
zweckmäßige  Zusammenstellung  von  improvisierten  Geräten  Gerät 
für  die  Krankenpflege  gibt  Kuhn.  Aus  gewissen  Urelementen 
(Klammem,  Oesen,  Eollen,  Stangen)  lassen  sich  alle  möglichen  Ap- 
parate, Schienen.  Tragen,  Extensionsvorrichtungen ,  Galgen,  rasch 
improvisieren.  —  Die  vorzüglichen  Wirkungen  des  G16nardschen  Leibbin 
Gurtes  (Aufrecht)  beruht  hauptsächlich  auf  der  Verkleinerung  des 
Bauchraumes   von  unten  nach  oben;   da  nun  die  Wanderniere  eine 


4<»  Gumpreciit. 

i&i.^,  Vorstiife  und  Vorbedingimg  der  gesamten  Enteroptose  ist,  so  gibt 
ihr  Vorhandensein  schon  allein  die  Indikation,  den  Gurt  za  tragen. 
Der  Gort  eignet  sich  aber  äbeiiianpt  far  alle  Fälle  von  starkem 
Leib  oder  von  Schwäche  der  Banchwand  nach  Operationen.  —  Sine 
Stärkung  der  Baachmnskulator  erreicht  man  auch  durch  Massage 
des  Bauches  unter  Wasser:  der  im  wzrmeai  Bade  li^onde 
Patient  entspannt  die  Bauchmoskulatur  viel  besser  als  außerhalb  des 
BskdeSf  und  es  gelingt  deshalb  viel  leichter,  auch  schmerzhafte  Bauch- 
aifektionen  durch  Massage  gunstig  zu  beeinflussen  (Bender sky).  — 

1^^  Sehr  praktisch  sind  für  derartige  Zwecke  auch  elektrische  Mas- 
sagehandschuhe lArndti;  sie  bestehen  aus  Wildleder,  das  im 
Innern  eine  mehrfache  Schicht  feinen  Metallgewebes  trägt  und  als 
innerste,  isolierende  Schicht  gummiimprägnierte  Seide;  das  Metall- 
gewebe verteilt  den  Strom  gleichmäßig  über  den  ganzen  Handschuh. 

Fi  ff.  5. 


rnoH»; 


^Xach:  Stianß,  Deutsch*:  med.  Wochenschr.  1J*"7.  Xi.  *.» 


Im  Prinzip  (^anz  ähnlich  sind  die  Strümpfe  und  Handschuhe,  die 
Boruttau  zürn  Ersatz  des  elektrischen  Vierzellenbades  verwendet. 
£s  lassen  sich  mit  ihnen  höhere  Stromstärken  erreichen  als  mit  dem 
Vierjilattentisch.  —  Einige  ganz  praktische  Modifikationen  zur  intra- 

j.i*:.  venösen  Therapie  hat  Strauß  angegeben  (Fig.  5  -7).  Er  krümmt 
nämlich  die  Kanüle  horizontal  ab,  damit  sie  sicherer  in  die  Haut- 
veno  hineingelangen  kann:  femer  gibt  er  ihr  eine  horizontale  Fuß- 
platte, um  ein  ruhiges  Liegen  der  eingestochenen  Kanüle  zu  gewähr- 
leisten, und  endlich  sticht  er  die  Kanüle  isoliert  ein  und  setzt  erst 
nachträglich   vermöge   eines  Bajonettverschlusses  die  Spritze  an.  — 

«ion.  Eine  sehr  praktische  Art  der  Extension  mit  Hilfe  des  eigenen 
Körpergewichtes  bringt  Köhler,  indem  er  die  Drahtmatratze  für 
den  Patienten  vermittels  Kugellagern  auf  dem  Bettgestell  rollen  läßt. 
Je  nachdem  die  Matratze  schräger  oder  wagerechter  gestellt  ist,  ist 
der  Zug  grölier  oder  geringer;  unter  allen  Umständen  fallen  alle 
Gewichte    und    Gegengewichte  weg;    das    Gegengewicht   wird    er- 


Krankenpflege. 


41 


setzt  durch  einen  (gut  zu  polsternden)  Dom ,  der  in  der  Mitte 
der  Matratze  verschiebbar  angebracht  ist  und  als  Widerlager 
für  das  Becken  dient.  —  Von  sonstigen  Gegenständen  der 
Krankenpflege  haben  noch  die  Einnehmegläser  im  Berichtsjahre 
eine  Beachtung  gefunden,  mehr  wegen  ihrer  Fehler  als  wegen  ihrer 
Vorzüge;  meist  sind  sie  nämlich  sehr  ungenau;  empfehlenswert  sind 
dagegen  dieKonikusgläser,  Medizinflaschen  mit  eingeschliffenem, 
als  Maßgefaß  dienenden  hohlen  Glasstöpsel,  in  dessen  Innenfläche 
sich  die  Marken  für  Tee-,  Kinder-  und  Eßlöffel  befinden  (Preis 
30—50  Pf.).  An  Stelle  der  Tropfgläser  sind  graduierte  Saug- 
pipetten, wie  sie  für  den  Digalengebrauch  bereits  eingeführt  sind, 
zu  verwenden.  —  Mit  Recht   empfiehlt  Neuner  die  neuen  Ther- 


Fig.  6. 


Fig.  7. 


£^  T  Rohr  mit 


(Nach:  Strauß.  Deutsche  med.  Wochenschr.  1907,  Nr.  4.) 

mosflaschen,  doppelwandige  Glasgefäße,  die  durch  den  luftleeren 
Mantelraum  vor  Wärmeabgabe  und  Wärmezufuhr  gleichmäßig  ge- 
schützt sind  und  deshalb  sowohl  zur  Warmhaltung  wie  Kühlhaltnng 
von  Getränken  dienen  können;  bei  einem  Versuch  des  Referenten 
kühlte  sich  eingefüllter  Kaffee  von  80**  binnen  6  Stunden  nur  auf 
60  ^  ab.  —  Da  wir  jetzt  häufig  für  die  Serodiagnostik  dem  Kranken 
Blut  zu  entnehmen  haben,  so  ist  ein  kleines  Instrument  von  S c hot- 
te lius  willkommen,  welches  zur  Vornahme  des  Einstichs  am  Ohr- 
läppchen dient  und  Hämostix  genannt  wird;  es  besteht  aus  zwei 
Ringen,  von  denen  der  eine  auf  den  Daumen  gesetzt  wird  und  das 
Messerchen  trägt,  der  andere  als  Widerlager  den  Zeigefinger  um- 
kleidet; zwischen  beiden  wird  das  Ohrläppchen  gefaßt  und  ange- 
stochen. 


Einnel 

gläS( 


Thern 
flasch 


42 


Gumprecbt 


Literatur. 


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gart, —  Edlef&en,  Einnebmeglüser.     Deutscbe  med.  Woßbenscbr.  Nr,  SO, 

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—  Paul  M.  C,  FJadricb,  Die  leicliten  und  billigen  Motorwagen,  Mit 
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ImproviBierte  Aöepsis.  Berl,  klin,  WoL-henschr,  Nr,  28,  —  Guraprecbt 
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Deutaehe  Ausgabe,  übersetzt  und  b erausgegeben  von  Cb,  Jürgensen  (Eopen- 
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herausgegeben  von  Cb.  Jürgensen  (Kopenhagen),  Leipzig,  —  Hensgen,* 
Krankenpflege  auf  dem  Lande.  Zeit^chr.  f,  Krankenpflege  Nr,  1.  — Heus* 
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und  mittlere  Ausgabe,  Mönchen,  —Albert  Hoffa  (Berlin).  Technik  der 
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Ther.  Bd,  XI,  H,  5  u,  6,  —  Agne  s  Karll,  Weltpflegerinnenbund,  Zeitschr. 
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Nov.  -*  F,  Kuhn,  Gerät emikrorisalien.  Zeitechr*  f,  ärKtl,  Fortbildung 
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Nasse  Umschläge,  Xeitsehr,  f.  pbysikal  u,  diät,  Ther,  —  Lübbert, 
Äntipblogistine,   Tberap,  Momitsli,^  Nov.  —  Julian  M  a  r  c  u  s  e  {Mönchen),,  j 


Krankenpflege.  43 

Technik  und  Methodik  der  Hydro-  und  Thermotherapie.  (Physikalische 
Therapie  in  Einzeldarstellungen  H.  2.)  Stuttgart.  —  Mendel,  Aderlaß. 
Ther.  d.  Gegenwart,  Juli.  —  Neuner,  Thermosflaschen.  Zeitschr.  f.  Kranken- 
pflege, Juli.  —  L.  Pfeiffer  (Weimar),  Taschenbuch  der  Krankenpflege  für 
Krankepflegeschulen,  für  Aerzte  und  für  die  Familie.  Weimar.  —  A.  Pol- 
latschek  (Wien)  und  H.  Nädor  (Maramarossziget) ,  Die  therapeutischen 
Leistungen  des  Jahres  1906,  18.  Jahrg.  Wiesbaden.  —  Gottfried  Reimer, 
Naturheilmethode  eines  Arztes.  Dresden.  —  Rößle,  Kochsalzinfusion. 
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Krankenpflege,  Dez.  —  M.  Saenger,  Inhalation.  Ther.  Monatsh.,  März.  — 
Schade,  Prießnitzumschlag.  Münch.  med.  Wochenschr.  Nr.  18.  —  Jean 
Seh  äffe  r  (Breslau),  Der  Einfluß  unserer  therapeutischen  Maßnahmen  auf 
die  Entzündung.  Stuttgart.  —  Schill  (Dresden),  Dr.  G.  Becks  Thera- 
peutischer Almanach.  34.  Jahrg.  Leipzig.  —  Schnirer  (Wien),  Taschen- 
buch der  Therapie.  Würzburg.  —  Schottelius,  Hämostix,  Münch.  med. 
Wochenschr.  Nr.  11.  —  Luise  Schwartze  u.  Dr.  Rohardt,  Wald- 
erholungsstätte. Zeitschr.  f.  Krankenpflege  Nr.  6.  —  Seiter,  Autan- 
desinfektion.  Zeitschr.  f.  Med.-Beamte  1906,  Dez.  —  H.  Strauß,  Intravenöse 
Injektionen.  Deutsche  med.  Wochenschr.  Nr.  4.  —  Tomarkin  u.  Heller, 
Autandesinfektion.  Deutsche  med.  Wochenschr.  Nr.  6.  —  H.  Vierordt 
(Tübingen),  Kurzer  Abriß  der  Perkussion  und  Auskultation.  Tübingen.  — 
G.  V.  Voß  (Greifswald),  Der  Hypnotismus,  sein  Wesen,  seine  Handhabung 
und  Bedeutung  für  den  praktischen  Arzt.  Halle  a.  S.  —  Wederhake, 
Kautschuklösung  für  die  Hände.  Zentralbl.  f.  Chirurg.  Nr.  23.  —  A.  Wieler 
(Aachen),  Kaffee,  Tee,  Kakao  und  die  übrigen  narkotischen  Aufgußgetränke. 
Leipzig.  —  Kurt  Witthauer  (Halle  a.  S.),  Leitfaden  für  Krankenpflege 
im  Krankenhaus  und  in  der  Familie.  Halle  a.  S.  —  Zeller,  Diakonie- 
verein.    Zeitschr.  f.  Krankenpflege  Nr.  2. 


Neue 

KliitiatD- 
lerapjH  und 
Balneo- 
tlierapii?. 


Nach  längerer  Pausi*  ist  wieder  ein  gitVöerea,  umfassenderes  Werk  über 
Klimatotberapie  untl  Balneotherapie  erschienen.  Es  genügt,  die 
Namen  der  Verfasser:  Bir  Hermann  Weber  und  F.  Parkes  Weber 
zu  nennen  t  um  den  Eingeweihten  ^u  ilberzeugen,  ikß  dm  Buch  lesens- 
wert ist*  Ea  war  de^^halb  nuth  für  Paul  Mayer  eine  dankbare  Attfgabe, 
tlas  Werk  in  die  deutsche  Sprache  zu  ül  »ertragen  und  es  den  Bedürfnissen 
der  deatacheu  Aerzte  mehr  smzupassen.  Besonderg  möchte  ich  auf  die  vor- 
treffliche Bearbeitung  der  ^Balneotherapie*  hinweisen,  in  welcher  P.  Mayer 
die  für  die  Beui-teilung  der  Mineral wasaerwirkuns;  wichtigen  neueren  For- 
Hchuugen  auf  dem  iiebjete  der  phyeikaliBchen  Chemie  und  der  Radioaktivität 
der  Quellen  in  leichtfaßlicher  Form  bespricht.  Ein  J5 weites  Werk,  welches 
den  Titel:  „Vürleaungen  über  Balneologie*'  von  Kon rad  Clar  führt, 
enthält  eine  Sammlung  von  Vortragen  Über  Balneothenvpie ,  Klimatologie 
ujid  Klimatotherapie ,  welche  dieser  für  die  Wissenschaft  viel  zu  fi1lh  ver- 
storbene Baineologe  an  der  Wiener  Universität  geh  alten  nnd  welche  E,  Ep- 
stein in  dankenswerter  Weise  in  einem  Werke  zusamuiengefatH  hat, 

fl.  Pauli,  welcher  schon  im  verflossenen  Jahre  die  Mittel- 
meer  fahrten  der  Harn  bürg- Amerika-Liniö  zu  Kurzwecken  empfahl 
(ö,  dieses  Jahrbuch  IMl^  S.  33),  beschäftigt  sich  abermals  mit  diesem 
Thema  und  stellt  die  sommerlichen  Nordlandsfahrteu  dieser 
Linie  den  winterlichen  Mittel  meer  reisen  in  ihrer  therapeutischen  Ver- 
wendbarkeit ebenbürtig  an  die  Seite,  IMem  hält  diese  ,^Kurfahrten" 
nicht  mit  Unrecht  für  keine  wirklichen  Kurfahrten,  soodeni  nur  fiir 
einfache  Erholungsreisen  reicher  Leute.  Er  kommt  auf  das  schon 
so  oft  angeregte  Projekt  (s.  dieses  Jahrbuch  VMi,  S.  *J0)  der  Er- 
richtung schwimmender  Sanatorien  zurück  und  gibt  im  Vereine  mit 
dem  Schiff banoberingenieur  E.  Kagerbaner  auch  eine  Planskiz^ 


I 
I 


Kliinatotberapie,  Pneumatotherapie,  Hydrotherapie.  Balneotherapie.       45 


für  ein  derartiges  mit  allen  hygienischen  Einrichtungen  ausgestattetes 
Kurschiff.  Bisher  bestand  das  Haupthindernis  für  die  Einfuhrung 
schwimmender  Sanatorien  in  dem  Kostenpunkt.  Ob,  wie  Diem 
meint,  die  für  das  Kurschiff  vorgesehene,  langsame  Fahrt  und  der 
hierdurch  bedingte  geringe  Kohlen  verbrauch  genügen  werden,  um 
die  Preise  erträglich  zu  machen,  muß  ich  leider  bezweifeln,  da  auch 
die  Reisekosten  auf  dem  von  Michael  und  Maurer  (s.  dieses  Jahr- 
buch 1904,  S.  00)  projektierten  Segelschiff  mit  Auxiliarmaschine  viel 
zu  gering  veranschlagt  waren.  Als  Kreuzungsgebiet  für  das  Kur- 
schiff schlägt  Diem  die  Adria  vor,  und  zwar  für  Winter  und  Som- 
mer mit  dem  Ausgangspunkte  Abbazia.  Ich  kann  es  bei  dieser 
Gelegenheit  nicht  unterlassen,  abermals  darauf  hinzuweisen,  daß 
Abbazia  mit  seinem  außerordentlich  regen  Dampferverkehr  den 
Kranken  die  Möglichkeit  bietet,  während  des  ganzen  Tages  auf  der 
See  zu  sein,  die  Nächte  aber  in  geräumigen,  luftigen  Wohnungen 
zuzubringen  oder  an  Tagen  mit  ungünstiger  Witterung  überhaupt 
am  Lande  zu  bleiben.  Der  therapeutische  Wert  dieser  kleinen  täg- 
lichen Seereisen  scheint  mir  bisher  zu  wenig  gewürdigt  worden  zu 
sein.  Ueber  den  Einfluß  der  offenen  See  und  des  Schaukeins 
auf  einige  Psychosen  verdanken  wir  Wladytschko  eine  inter- 
essante Mitteilung.  Verfasser  begleitete  einen  Transport  von  geistes- 
kranken Offizieren  und  Soldaten  von  Port  Arthur  nach  Odessa 
(70  Tage  Ueberfahrt),  wobei  er  die  Beobachtung  machte,  daß  psy- 
chisch Erkrankte  zur  Seekrankheit  neigen,  unter  diesen  am  wenig- 
sten Maniakalische  und  Alkoholpsychosen.  EoUen  des  Schiffes  wird 
schlechter  vertragen  als  Stampfen.  Die  Seekrankheit  beeinflußt 
Geisteskranke  ungünstig,  Seefahrt  bei  ruhigem  Wetter  dagegen 
günstig.  Seefahrten  auf  offener  See,  welche  mit  Schaukeln  ver- 
bunden sind,  können  Geistesgesunde  geisteskrank  machen.  Außer 
den  genannten  sind  auf  dem  Gebiete  der  Thalassotherapie  noch 
einige  bemerkenswerte  Arbeiten  erschienen.  A.  Hennig,  welcher 
schon  im  Vorjahre  über  die  wissenschaftliche  und  praktische  Be- 
deutung der  Ostseebäder  geschrieben  und  hierbei  so  weit  gegangen 
ist,  den  therapeutischen  Wert  der  Ostseebäder  in  mancher  Beziehung 
über  jenen  der  Nordseebäder  zu  stellen,  hat  neuerdings  eine  Bro- 
schüre über  kalte  Seebäder  mit  besonderer  Berücksichti- 
gung der  Ost-  und  Nordseebäder  veröffentlicht.  Es  ist  gewiß 
dankenswert,  daß  Hennig  die  vielfach  unterschätzten  Vorzüge  der 
Ostseebäder  zur  Geltung  bringt,  nur  geht  er  zu  weit,  wenn  er  in 
dem  Umstände,  daß  in  der  Ostsee  bei  besonders  niederen  Tempera- 
turen gebadet  wird,  einen  Vorzug  des  Ostseebades  erblickt,  da  man 


Therapeut! 

scher  Wert 

täglicher 

kleiner  See 

fahrten. 


Kiutiuli  dei 

offenen  Se< 

und  des 

Schaukelnt 

auf  P8ychos< 


Kalte 
Seebäder. 


iH  d«r  Ost- 
id  Nonlse^. 


mft-,  Licht- 
bäder 


I 


Elima  und 
bilaB2  eigen 

WUBtcn- 
IhetÄpie 


Das  Klimn 
im4  die 

Teneritfka. 


ja  andeT'wärta  bei  ebenso  niederen  Temperaturen^  und  zwar  in  wmi 
salssreiclierem  Wasser  baden  kann.  Feilchenfeld  gibt  eine  Schü' 
derung  der  VII.  Studienreise  deutscher  Aerzte  an  die  Ost- 
see. Kobert  hat  gelegentlich  dieaer  Studienreise  einen  interessanten 
Vortrag  über  die  Frage,  ob  die  Kiiste  der  Ostsee  zur  Errieb tung  von 
Lud  genheil  Stätten  geeignet  sei,  geh  alten  und  sich  ebenso  wie  Groth- 
rnann  in  bejahendem  Sinne  auegesproeheu.  Jedenfalls  eignen  äif  h  aber 
die  Ostseebäder  für  Wint erkoren  weit  weniger  als  die  Nordse#- 
inselbäder,  an  welchen  die  Temperaturscb wankungen  viel  geringer 
sind,  wie  dies  neuerdings  aus  den  Arbeiten  von  Kicolas  und  Kok 
hervorgeht. 

Sehr  zahlreich  sind  in  neuester  Zeit  die  Arbeiten,  welche  sich 
mit  dem  therapeutischen  Wert  der  Luft-,  Licht-  und  Sonnen- 
bäder beschäftigen.  Besonders  hervorheben  möchte  ich  hier  die 
gelungenen  Versuche  vonE-ennie,  Grabley,  Anders  und  Northrnp, 
akute  Erkrank tmgen  der  Atmungsorgane  in  frischer  Luft  zu  bshan- 
deho,  wobei  nicht  vergessen  werden  darf,  d&W  Quincke  schon  in  den 
Achtzigeriahren  viele  akute  Krankheiten  im  Garten  seines  Hospitals 
erfolgreich  behandelte. 

Oppenheim  er  und  Scheimpflug  berichten  über  gUnstige  Er-* 
folge,  welche  sie  durch  Sonnenbäder  bei  Peritonitis  tuberculosa 
erzielt  haben ,  und  Widmer  will  sogar  die  Heilung  eines  Haut^ 
karzinoms  am  Handrücken  einer  81jährigen  Frau  nach  3^Jmonat- 
Ucher  Sonnenbestrahlung  beobachtet  haben.  fl 

G,  Heim   und  B.  Laquer  berichten   über  ihre   ärztlichen  Er- 
fahrungen,  welche  sie   gelegöntlich   eines   längeren  Aufenthaltes  in 
Äßgyptß»   gesammelt   haben.     Laquers  Angaben  über  das  Klima 
und  die  Heil  an  zeigen  Aegyptens  weichen   nicht  wesentüch  von 
jenen  ab,  welche  wir  durch    Engel  Bey  und  H.  Engel  (s,  dieses 
Jahrbuch  19Ü4,  S.  67  und  1905,  S.  40)  kennen  gelernt  haben,   da- 
gegen macht  G.  Heim  aufmerksam,  daB  das  äg37jtische  Ackerland 
der  Luft  einen  relativ  hohen  Peuchtigkeitsgrad  verleiht  und  daß  die 
gerfünnte  Wirkung  der  Lufttrockenheit  Aegyptens  eigentlich  nur  in  M 
der  Wüste  selbst  zutn  Ausdruck  kommt,  weshalb  er  die  Errichtung   ■ 
von  Krankenkolonien  in  der  Wüste  selbst  empfiehlt,  wozu  sich  sogen. 
Lufthütten    vorzüglich    eignen    würden.     F.  Peiper   laßt   seine   in 
Teneriffa  gesammelten  Erfahrungen  in  folgenden  Sätzen  zusammen;  _ 
Der  allgemeine  Charakter  des  EJiinas  von  Teneriffa  wird  durch  die  ■ 
ozeanische  Lage ,  den  Golfstrom  und  die  Nähe  -des  nordatlantischen 
Gebietes   hohen  Luft^Jruckes  mit  seiner  Tendenai  zu  trockener,  hei 
terer  Atmosphäre  bestimmt.     Indikationen:  Schwächezustände,  Ab 


Klimatotherapie,  Pneumatotherapie,  Hydrotherapie,  Balneotherapie.       47 


magerang,  erschwerte  Rekonvaleszenz,  Hemmung  des  Wachstums, 
schwächliche  Konstitution,  Neurasthenie,  Anämie  und  Chlorose, 
Rachitis  und  Skrofulöse,  initiale  Phthise,  Phthisisprophylaxe,  Bron- 
chitis, Heufieber,  Herzkrankheiten  (insofern  die  lange  Seereise  noch 
zulässig),  Nephritis,  rheumatische  Afifektionen.  Kontraindikatipnen : 
Offene  Tuberkulose  mit  destruktivem  Charakter,  Darmtuberkulose 
(wegen  des  mit  Durchfällen  verbundenen  kanarischen  Fiebers), 
Schwerkranke,  welche  eine  Seereise  nicht  vertragen. 

Dove  und  Kotz  (s.  dieses  Jahrbuch  1904,  S.  60)  haben  die 
Frage,  inwieweit  Südwestafrika  als  Kuraufenthalt  für  Tu- 
berkulöse geeignet  sei,  in  bejahendem  Sinne  beantwortet.  Auch 
Ph.  Kuhn  und  E.  Sobotta  schließen  sich  dieser  Ansicht  an,  äußern 
aber  große  Bedenken,  jetzt  schon  derartige  Kranke  nach  Südwest- 
afrika zu  senden.  Zuerst  müßte  die  Malaria  vollkommen  ausgerottet 
und  friedliche  Verhältnisse  hergestellt  werden.  Vorbereitende  Schritte 
Hand  in  Hand  mit  der  Heilstättenbewegung  in  Deutschland  sollten 
nach  Kuhns  Ansicht  jetzt  schon  unternommen  werden.  Sobotta 
empfiehlt  vorläufig  nur  die  Ansiedlung  von  Prophylaktikern. 

Eine  interessante  Beobachtung  über  den  Einfluß  des  Kohlen- 
säuregehaltes der  Luft  auf  die  Temperatur  des  normalen 
und  des  fiebernden  Organismus  verdanken  wir  Weßjolkin. 
Luft  mit  normalem  0-Gehalt  und  5 — 10^/oigem  CO^-Gehalt  erniedrigt 
die  Temperatur  normaler  Kaninchen  und  Hunde  um  ca.  0,9  °  C. ;  die 
Körperwärme  fiebernder  Tiere  sinkt  bei  5®/oigem  CO^-Gehalt  bis 
1,6  "C,  bei  10®|o  bis  zur  Normaltemperatur. 


Bas  Klima 

und  die 

Indikatione] 

Teneriffas. 


Ist  Südwest 

afrika  fttr 

Langenkran] 

geeignet  ? 


Einfloß  des 
COa-Gehalte 
der  Luft  an 
die  Körper- 
temperatur 


Pnenmatotherapie. 

Inhalationsversuche  an  Tieren  mit  zerstäubten  Lösungen  koU 
loidaler  Metalle  (speziell  des  Silbers),  welche  in  der  Absicht  vor- 
genommen wurden,  Teile  der  Atemwege  der  röntgenoskopischen 
Untersuchung  zugänglich  zu  machen,  hatten  sich  zu  diesem  Zwecke 
als  unbrauchbar  erwiesen.  Dieser  Umstand  veranlaßte  Kaestle, 
neuerdings  an  Kaninchen  und  Hunden  Inhalationsversuche  mit 
zerstäubten  Lösungen  vorzunehmen.  Als  Zerstäubungsapparate 
wurden  der  von  Seige  gelobte  kleine  Siegle  und  der  Waßmuth- 
Beifsche  „Ideal"  verwendet.  Die  Zerstäubung  erfolgte  in  einem 
ebensowohl  dicht  verschließbaren  als  vorzüglich  ventilierbaren  Raum 
von  75  cm  Tiefe,  1,20  m  Höhe  und  2,20  m  Länge.  Begonnen  wurde 
mit  einer  l"/oigen  KollargoUösung.  Nach  2maliger  Inhalation  von 
je  45  Minuten  Dauer   ergab    die  Obduktion   völliges  Freisein   der 


Inhalatious 

versuche  mi 

zerstäubte) 

Lösungen. 


fp|f::iticbe  mit 
Lös  nn  geil 


Tiioltei'B 
elieimuiittel 
gim  Aathmu 


I 

1 


Lunge  von  Silber.  Bei  tracheotoniierten  Tieren,  welche  durch  eineti 
Trichter  inhalierten,  drang  aUerdings  die  KoUargollösmig  bis  in  die 
grö Bereu  Bronchien  und  von  hier  ans  durch  Xondensation  in  tropf- 
bar flüssiger  Form  in  die  tiefer  gelegenen  Longenteile.  Diese  Ver- 
suche sind  aber  unter  Bedingungen  angestellt,  welche  nur  im  Tier- 
experiment  möglich  aind.  Tatsuciilich  gelangen  kolloidale  Lösungen, 
wenigstens  die  des  Silbers ,  nicht  annähernd  in  gleiche  Tiefe  wie 
wahre  Lösungen. '  Letztere  dringen  ^  nach  Xaestles  Versuchen  tn 
urteilen^  bis  in  die  Bronchiolen  und  Alveolen  der  Lunge  ein  is.  auch 
Stern  ml  er,  dieses  Jahrbuch  UJfJT^  S.  B6l,  doch  verlangen  sie  die 
Möglichkeit  protrahierter  Einwirkung,  und  diese  Möglichkeit  ist  ge- 
gegeben durch  Apparate ,  deren  Zerstaubungsleistung  eine  Beein- 
flnsBung  des  normalen  Atemtypus  --  einen  Ersatz  der  Kasenatmang 
durch  Mundatmung  —  uanötig  macht. 

Einhorn   hat    das   Tu  ek ersehe   GeheimmiiteL   gegen  Asthma   unter- 
sucht mid  darin  ]  %  Kokaint  2,0  ^/o  sulpetrlge  Säure*  30  ^'^  Gljzerin,  femer  ■ 
Wasser .  anorganische  Salze   uad  pflanaliche  Extraktivstoffe  gefunden.   Die  ^ 
Wirksamkeit    beniht  nach   Einhorns   Experimenten  auf  einer  Mischung 
von  Kokam«  und  Atropinnitrit.    Mit  eint'r  Inhalationsflüssigkeit  von  Kokain- 
(utrit  1,028%.   Atropinnitrit  0.581%,  Glysserin  32,16%:    Waeser  66.23",.« 
wurden  hei  jfewöbnlickem  Bronchialaathma  gute  Erfolge  erziell,   doch 
ein  guter  OeUers tauber  hier/ni  erforderlich. 


Hydrotherapie, 


i  ist  m 


VUkQsUUt 
Ittrch  Kaite- 

Urmezufuhr 
ihJ  Wurme- 
>^tauan^ 


Neb©n  einer  Reihe  von  Vorträgen  und  Arbeiten  von  W.  Winter 
nitz,  Briegefj  ytrasserj  Marcuse^  Barucb,  Munter^  Heihierj 
Laqueur  u.  a,  über  bestimmte  Kapitel  der  phyeikaliöcheti  Therapie 
im  allgemeinen  und  der  Hydriatik  im  besonderen ,  auf  welche  hier 
näher  einzugehen  der  Baum  fehlt,  sind  in  diesem  Jahre  einige  ex- 
perimentelle Forschungen  über  die  phjsiologiache  Wirkung  be- 
stimmter Was8erpro;K6duren  erschienen.  So  hat  D  et  ermann  die 
Beeinflussung  der  Viskosität  des  menschlichen  Blutes 
durch  Kälterei^e,  WärmeentsEiehung»  Wärmezufuhr  und 
Wärmestauung  untersucht  und  gefunden,  dat^  kurzdauernde  kalte 
Bäder  bei  nachfolgender  ^uter  Eeaktiou,  kalte  Handbäder  und  heiße 
Luftbäder  die  Viskosität  steigern  ^  das  heiße  Wasserbad  hingegen 
die  Viskosität  herabsetzt.  Einpackungen  verursachten  %vährend  der 
W&rmestauung  eine  Herabsetzung  der  Viskosität,  dagegen  riefen 
die  folgenden  abkühlenden  Prozeduren  eine  Steigerung  hervor. 
Schnütgen  hat,  von  der  bereits  exi^erim enteil  festgestellten  Tat* 
Sache  ausgehend ,   da(^  Einmrkung  von  Kälte   die  Zahl  der  Leuko- 


Klimatotherapie,  Pneumatotherapie,  Hydrotherapie,  Balneotherapie.       49 


zyten  vermehrt,  zu  erforschen  gesucht,  welcheArten  derLeuko- 
zyten  überhaupt  und  mit  wie  hoher  Prozentzahl  die  je- 
weiligen sich  bei  der  Vermehrung  infolge  der  Kälte- 
einwirkung beteiligen.  Die  Versuche  wurden  durchwegs  bei 
kranken  Personen  angestellt,  und  zwar  wurden  die  Prüfungen  un- 
mittelbar vor  einem  kalten  ( */4Stündiges  Bad  von  30"  C.  mit  darauf- 
folgender 3—4  Minuten  dauernder  kalter  Dusche)  oder  warmen 
(35"  C.)  Bade,  sofort  hinterher  und  eine  Stunde  später  vorgenommen. 
Eine  zweite  Art  der  Untersuchungen  bestand  darin,  daß  bei  ein  und 
derselben  erkrankten  Person  an  verschiedenen  Körperstellen  das 
Verhalten  der  Blutkörper  und  der  einzelnen  Arten  der  Leukoz3rten 
näher  bestimmt  wurde,  indem  nach  einem  Vollbade  von  33 "  C.  und 
V  4  stündiger  Dauer  ein  Arm  warm  und  der  andere  kalt  geduscht 
wurde.  Der  Umstand,  daß  Schnütgen  ausschließlich  an  Kranken 
experimentierte,  gestattet  wohl  kaum  allgemein  gültige  Schlußfolge- 
rungen über  das  Verhalten  der  Leukozyten  bei  Kälteeinwirkung  zu 
ziehen.  Immerhin  seien  aber  die  gewonnenen  Resultate,  welche  be- 
sonders bezüglich  der  an  leukämischen  Kranken  gemachten  Be- 
obachtungen von  Interesse  sind,  hier  in  extenso  mitgeteilt:  Nach 
einem  warmen  Bade  (tatsächlich  wurden  aber  nur  indifferent- 
warme Bäder  von  35 "  C.  verabreicht)  werden  die  roten  Blutkörper- 
chen meist  vermehrt,  die  weißen  vermindert.  Das  Verhältnis  der 
roten  und  der  weißen  Blutkörper  wächst  immer  im  Anschluß  an 
ein  warmes  Bad.  Mit  der  Zunahme  der  Zahl  der  neutrophilen 
Zellen  beobachtet  man  nach  Wärmeapplikation  vielfach  ein  Ab- 
nehmen der  Lymphozyten.  Die  Zahl  der  eosinophilen  Zellen  nimmt 
in  der  Mehrzahl  der  Fälle  nach  einem  warmen  Bade  ab.  Die  Zahl 
der  roten  Blutkörperchen  ist  nach  dem  kalten  Bade  (trotz  abso- 
luter Vermehrung)  relativ  geringer  als  nach  dem  warmen  Bade,  die 
der  weißen  verhält  sich  umgekehrt.  Die  Verhältniszahlen  der  roten 
zu  den  weißen  Blutkörpern  sind  nach  dem  kalten  Bade  kleiner  als 
nach  dem  warmen.  Prozentuell  ist  die  Zahl  der  neutrophilen  Zellen 
unter  den  Leukozyten  nach  dem  kalten  Bade  meist  geringer  als 
nach  dem  warmen  Bade,  die  der  Lymphozyten  meist  größer,  die 
der  eosinophilen  Zellen  meist  kleiner.  Nach  einem  kalten  Bade 
vermehrt  sich  oft  die  Zahl  der  roten  Blutkörper,  die  der  weißen 
vermehrt  sich  stets  ganz  beträchtlich.  Das  Verhältnis  der  roten  zu 
den  weißen  Blutkörpem  sinkt  in  der  Mehrzahl  der  Fälle  im  An- 
schluß an  ein  kaltes  Bad.  Die  neutrophilen  Zellen  vermindern  sich 
zumeist  nach  einem  kalten  Bade,  die  Lymphozyten  vermehren  sich. 

Vielfach  vermehrt  sich  die  Zahl  der  eosinophilen  Zellen  nach  Kälte- 
.Tahrbnch  der  praktischen  Medizin,    loos.  4 


reber  dai 
Verhalten  < 
Leukozyte 
des  Blute 
bei  Kälte 
cinwirkuni 


50 


Glax. 


1 


'der 

Blutes 
Kalie- 


|ir  Einfluß 

r  i\m  ßlut- 
rteiliiJig  jiu 


applikatiou.  Das  Verhalten  des  Blutes  aus  Venea  und  KapiÜare& 
mit  Besug  auf  dm  roten  uud  die  einzeln en  Formen  der  weißen 
Blutkörper  ist  ohne  Kalt eeiu Wirkung  nicht  wesentlich  verschieden. 
Sowohl  daa  Verhältnis  der  rotai  zu  den  weißen  Blutkörpern  wie 
das  der  neutrophilen  Zellen  ^  der  Lymphozyten,  eosinophilen  Zellen 
und  Msstzellen  des  Blutes  aus  Venen  und  Kapillaren  schwankt 
nach  Beeinflussung  durch  Kälte  im  Vergleich  zueinander  in  ge- 
nsgem  Grade.  Bei  Leukämie  beobachtet  man  nach  einem  kalten 
Bade  eine  Zunahme  der  roten  uud  auf  fälliger  weise  eine  Abnahme 
der  weißen  Blutkorper.  Das  Zahlen  Verhältnis  der  roten  zu  den 
weißen  Blutkörperchen  nimmt  zu.  l^ie  Prozentzahl  der  neutro- 
philen Zellen  ist  nach  einem  kalten  Bade  bei  Leukämie  und  Erythro- 
cjtosis  megalosplenica  vermindert,  die  der  Lymphozyten  vermehrt, 
also  auch  umgekehrt^  wie  mau  dies  sonst  nach  Kälteapplikation 
beobachtet.  Nach  einem  kalten  Bade  nimmt  die  Prozentzahl  der 
eosinophilen  Zellen  und  Maatzellen  bei  Leukämie  meist  ah.  Bei 
Erythrocytosis  megalosplenica  ist  nach  einem  kalten  Bade  die  Zahl 
der  roten  Blutkorper  vielfach  vermindert^  die  der  weißen  vermehrt. 
Die  Verhältniszahl  der  roten  zu  den  weißeu  Blutkörperchen  sinkt 
bei  Erytbrocytosis  megalosplemca  nach  Kälteeinwirkung.  Die  Pro- 
Eentzahl  der  eosinophilen  Zellen  bei  Erythrocytosis  megalosplenica 
sinkt  nach  Kälteeinwirkung,  die  der  Mastz eilen  steigt.  Von  beson- 
derem Interesse  ist  eine  Untersuchung  von  0,  Bruns  über  den 
Einflull  der  Sitzbäder  auf  die  Blutverteilung  im  mensch- 
lichen Körper,  weil  Bruns  auf  Grundlage  exakter  plethysmo- 
graphischer Untersuchungen  zu  Resultaten  gelangt  ist,  welche  g^gen 
die  Wintern itzsche  Lehre  sprechen,  daß  durch  den  Reiz  eines 
kalten  Sitzbades  das  Blut  aus  den  Ünterleibsorganen  in  andere 
Körperpartien  7  speziell  auch  in  die  oberen  Extremitäten  gedrängt 
wird^  bezw.  daß  unter  dem  Einfluß  eines  warmen  Sitzhades  Blut 
aus  der  Peripherie,  speziell  aus  den  oberen  Extremitäten^  nach  den 
ünterleibsorganen  abfließt.  Bruns  fand  im  Gegenteil,  in  Ueber- 
einstimmung  mit  O*  Müller ,  daß  das  Sitzbad  nicht  anders  wirkt 
als  andere  peripherische  thermische  Reize,  also  eine  Volum  Verminde- 
rung von  Arm  und  Bein  bei  Kältereizj  eine  Volumvermehrung  der 
Extremitäten  bei  Wärmereiz  erzeugt,  d.  h.  die  ganze  Peripherie 
reagiert  auf  thermische  Beize  im  gleichen  Sinne.  Es  müßte  sonach 
das  kalte  Sitzbad  durch  Verengerung  der  Blutgefäße  an  der  Peri- 
pherie eine  Vermehrung  der  Blutfülle  im  Innern  hervorrufen,  während 
umgekehrt  das  warme  Sitzbad  eine  Erweiterung  der  peripherischen 
Gefäße  und  eine  Verminderung  des  Blutgehaltes  des  Körperinnem 


I 


I 

I 
I 


Klimatotherapie,  Pneumatotherapie,  Hydrotherapie,  Balneotherapie.       51 

zur  Folge  hätte.    Bruns  bestreitet  auch  unter  Anführung  einschlä- 
giger Experimente    die  von  Winternitz   aufgestellte  These   der     Ueber 
kollateralen    Hyperämie    bezw.    Rückstauung.      Bruns  i^^c^sta 
plethysmographische  Untersuchungen  ergaben,    daß   ein  den  Unter-       ^^^^^ 
arm  und  die  Hand  treffender  Kältereiz  zu  einer  unmittelbar  auf  den 
Heiz  folgenden,  reflektorischen  Kontraktion  der  Gefäße   des  ganzen 
Arms  und  entsprechender  Volumverminderung  desselben  fuhrt.   Wie 
weit  nach  dem  Körperinnern  zu  die  durch  einen  peripherischen  Beiz 
verursachte  Erweiterung  oder  Verengerung  dieser    großen  Gefäße 
fortschreitet,  ist  nicht  genau  bekannt,  doch  kann  der  Begriff  „Bück- 
stauung^'  höchstens  insofern  aufrecht  erhalten  werden,   als  das  für 
die  Peripherie  bestimmte  Blut   in   den  Gefäßen   des  Körperinnern 
zurückgehalten  wird. 

Balneotherapie« 

Die  Prüfung   einzelner  Quellen   auf  ihre  Badioaktivität  ist  in 

steter  Zunahme   begriffen,  und  in   gleichem  Maße  mehren  sich  die 

Untersuchungen   über    die   Wirkung    natürlicher    oder   künst-    Die  Wii 

lieber  radiumemanationshaltiger  Wässer   bei   innerem  oder     >i*türU 

oder  kt 
äußerem  Gebrauche.    L a q u e u r  und  Löwenthal  bestätigen  neuer-  ucher  ra 

dings  die  schon  früher  von  letzterem  Forscher  (s.  dieses  Jahrbuch  emanati 
1JK)7  S.  38)  festgesteUte  Tatsache,  daß  die  Emanation  sowohl  durch  ^j["^ 
Trinken  als  durch  Einatmen  in  den  Kreislauf  gelangt  und  daß  auch 
im  Bade  die  Emanation  nicht  durch  die  Haut,  sondern  durch  die 
Atmung  aufgenommen  wird.  Laqueur  benutzte  zu  seinen  Ver- 
suchen künstliche  radiumemanationshaltige  Bäder,  welche  mittels 
der  nach  Beitz'  Angaben  von  den  Höchster  Farbwerken  herge- 
stellten Badiosal-  oder  Emanosaltabletten  bereitet  wurden.  Radiosai 
Eine  derartige  Tablette,  welche  in  Salzkristalle  eingeschlossene  E"^^"»<^ 
Emanation  enthält,  genügt  zur  Herstellung  des  Bades.  Das  Badiosal- 
bad  erwies  sich  wirksam  bei  chronisch  rheumatischen  und  gich- 
tischen Galenkerkrankungen ,  versagte  aber  bei  gonorrhoischer 
Arthritis.  Zunächst  tritt  eine  deutliche  Beaktion,  ein  Wiederauf- 
flackem  des  lokalen  Prozesses  ein,  und  gerade  hierin  soll  nach  La- 
queur die  heilsame  Wirkung  beruhen,  indem  diese  künstliche  An- 
regung des  Krankheitsprozesses  zu  einer  besseren  lokalen  Durch- 
blutung führt.  Auch  bei  dem  inneren  Gebrauche  emanationshaltigen 
Wassers  tritt  eine  Beaktion  auf,  und  deshalb  sollten  schwächliche 
Personen  zunächst  emanationshaltiges  Wasser  trinken  und  inhalieren, 
dann  erst  nach  Ablauf  der  Beaktion  baden.  Kohlensäurebäder  mit 
Zusatz  von  emanationshaltigem  Wasser   haben   nach  Löwenthal 


52 


Glax, 


hermnl- 


einen  gimstigen  Erfolg  bei  läckiaSf  chroaischen  Gaknkleiden  und 
chroniscliäir  Neuritis.  Kallmaan,  welchem  wir  wertvolle  Unter* 
Buchungen  über  die  bakteridda  Wirkung  der  Radiumemmaatioo  und 
speziell  dea  Gasteiner  Wassers  verdanken  (b>  dieses  Jahrbuch  1006 

weis  ci*är  8.  45  Und  1907  S.  39 )j  hat  sich  mit  der  Frage  beschäftigt,  ob  sich 
von  der  beim  Trinken  des  Gasteiner  Therraalwassers  auf- 
genommenen Badiumemanation  eine  Ausscheidung  im  Harn 

€«  beim  nachweisen  läÜi  und  wenn  ja^  in  welchem  Verhältnisse  die 
mit  dem  Trinken  dem  Körper  einverleibte  zu  der  im  Harn  aus- 
geschiedenen Emanation sm enge  steht.  Kai  Im  an ns  Versuche  Tiilir- 
ten  zu  dem  Resultate,  dall  sich  außerhalb  von  Trinkversuchen  ge- 
lassener Harn  in  Gr astein  stets  ©man ations frei  erwies.  Durch  Trinken 
des  emanationsh altigen  Ga^teiner  T hermal wassers  wird  der  Harn 
radioaktiv,  dabei  nimmt  die  Emanationsabscheidung  im  Harn  vom 
ersten  zum  letzten  Trinktage  ab.  Der  Maximalwert  der  Emana- 
tionsabgabe konnte  am  ersten  oder  zweiten  Trinktage  beobachtet 
werden.  Dieser  Höchstwert  der  Hamemanation  entspricht  nur 
emem  kleinen  Bruchteil  der  Emanationseinfuhr.  Franz e  und  Pohl- 
mann,  Schnütgen,  Lai^neur  und  W^internitz  im  Vereine  mit 
seinen  Schülern   Strasser,  Hellmer,  Wertheimer^  Wurmfeld 

läönsdie    und   v.  Barth   haben  sich   mit   dem  Studium  der  Sarasonschen 

sibider-  Oisetbäder  beschäftigt.  Die  Ozetbäder  bestehen  aus  einer  Lösung 
eines  sauerstoffabgeb enden  SaUes^  Natriumperborat »  einerseits  und 
eines  pnlverförmigen  Katalysators,  Manganborat,  andererseits.  Be- 
hufs Zubereitung  des  Bades  schtHtet  man  das  Ozetsalz  (30C)  g)  in 
das  auf  32  — 34*0.  erwärmte  Wasser  und  gibt  dann  das  Kataly- 
B&torpnlver  (15  g)  hinsUi  indem  man  es  möglichst  gleichmäßig  ftber 
die  ganze  Wasseroberfläche  verteilt.  Alsbald  beginnt  die  Sauerstoff- 
entwicklung in  Form  zahlloser  kleiner  Bläschen.  Alle  Forscher  be- 
stätigen, daii  diese  Bäder  einen  intensiven,  als  angenehmes  Prickeln 
empfundenen  Hautreiz  während  16 — 20  Minuten  hervorrufen  und 
die  Pulsfrequenz  herabsetzen.  Winternitz,  F ranze  und  Pöhl- 
mann  sowie  Bchnütgen  fanden  zumeist  auch  eine  Herabsetzung 
des  Blutdrucks,  während  Laqueur  den  Blutdruck  unbeeinflußt  oder 
doch  nur  wenig  erhöht  fand^  Diese  Eigenschaft  macht  die  Ozet- 
bäder besonders  wertvoll  für  viele  Fälle  von  Arteriosklerose,  wie 
überhaupt  ihre  allgemein  anerkannte  beruhigende)  puls  herabsetzende 
und  schlafmachende  Wirkung  bei  der  Behandlung  von  Tachy- 
kardien,  Aufregungssuständen ,  Tabes  und  nervöser  Schlaflosigkeit 
von  großem  Werte  ist.  Kontraindi^iert  erscheint  nach  Winter- 
nitz der  Gebrauch  der  Ozetbäder  nur  bei  allen  mit  sehr  niedrigem 


I 

I 

I 
I 


I 
I 

I 


Kliinatotherapie,  Pneumatothempie,  Hydrotherapie,  Balneotherapie.       53 

Blutdruck   einhergehenden   Prozessen.    Hervorzuheben   wäre   auch, 
daß  bei  den  Sauerstoffbädem  die  unangenehme  Wirkung  weg&Ut, 
welche  im  CO^-Bade  mitunter  durch  das  Einatmen  der  Kohlensäure 
verursacht  wird.    Tiedemann  und  Lund  haben  klinische  Beobach- 
tungen  über  den  Einfluß   von  Kohlensäurebädern  und  gym-    Einfluß  vo 
nastischen  Uebungen  auf  Herzkranke  mitgeteilt.     Sie  fanden    vmj^*'^**^ 
bei  leichteren  Fällen  von  Herzinsuffizienz  eine  Steigerung  des  Blut-  gymnastisd 
druckes    mit  Vermehrung   des    Sekundenvoluras   und    Nachlaß    des  Uebungen  i 
GefUßtonus  nach  dem  Bade.     Diese  während  der  Behandlung  ein- 
tretende Aenderung  des  Kreislaufes  führte  zu   einer  Besserung  des 
subjektiven  Befindens,  und  man  kann  von  der  Badekur  auch   eine 
anhaltendere   Verminderung   der   Beschwerden   erwarten.     Dagegen 
scheint  es  Tiedemann  und  Lund  fraglich,  ob  in  schwereren  Fällen 
ein  günstigeres  Eesultat,  vor  allem  ein  Dauererfolg  zu  erwarten  sei. 
Bauer  beschäftigt  sich  mit  der  interessanten  und  viel  umstrittenen 
Frage,    ob    übernormaler    Blutdruck    die    Anwendung    von    Kohiensau 

kohlensauren    Thermalsolbädern    verbietet?    Nach    Bauer    ^^^T^I** 

DfiKier  D6! 
ist    die  Ursache    der  Blutdrucksteigerung   im   CO 2- haltigen    Solbad  übemormal 

von  der  Temperatur  des  Wassers  abhängig.     Die  Steigerung  fallt     Bintdrudi 
umso  geringer  aus,  je  mehr  sich  die  Badetemperatur  dem  Indiffe- 
renzpunkte  nähert.     Ein    vorsichtiger   Gebrauch   dieser  Bäderform 
erscheint  bei  Herzkrankheiten  mit  übemormalem  Druck  und  Herz- 
insuffizienz mäßigen  Grades  ganz  besonders  indiziert.     Wenigstens 
konnte  B  a  u  e  r  in  75  "/o  der  Fälle  bei  übemormalem  Druck  neben  Hebung 
der  Herzkraft  eine  Herabsetzung  des  Blutdruckes  beobachten,  aber  auch 
bei  dem  kleineren  Teil  der  Fälle  (25  ^/o),  in  welchen  eine  Drucksteige- 
rung  während   der   Kur  beobachtet  wurde,    ging   diese    mit   einer 
Besserung  der  Herzfunktion  einher.    Schuster  kommt  auf  Grund-      Die  Nau- 
läge  12jähriger  Beobachtungen  in  Bad  Nauheim  zu  dem  Resultate,    **®^"*®JiKi: 
daß  die  Nauheimer  Kur  bei  allen  jenen  Zirkulationsstörungen   zirkuiatioi 
indiziert  ist,  die  als  Folge  eines  bestehenden  Herzschwächezustandes     Htömngei 
anzusehen  sind,  vorausgesetzt,  daß  noch  eine  gewisse  anregungs- 
fähige Reservekraft  des  Herzmuskels  vorhanden  ist.   G r ö d e  1 III 
fand    im    Gegensatze    zu    Fellner,    welcher   im    kohlensauren  Die 

Gasbade  stets   eine  Erhöhung   des  Blutdruckes  beobachtet  haben  i»^y»»oiogl8 
will,  daß  das  kohlensaure  Gasbad  den  Blutdruck  und  die  Respira-   uohiensaui 
tionsfrequenz   nicht  beeinflußt,  wohl   aber  den  Puls  wesentlich  be-      Oasbäder 
schleunigt.     Die    Kombination     von    Quecksilberkuren    mit 
Schwefelbädern   bei   der  Behandlung   der  Lues  wird  von  Des- 
moulieres  und  Chatin  als  besonders  günstig  hervorgehoben,  weil 
sie  der  Ansicht  sind,  daß  die  Schwefelwässer  den  lösenden  Einfluß 


älberkaren 
^d  Scbwofel- 


i  Chlorose 
lind  bei 
onischen 
Sierou- 
»tLkangeti. 

fiiuflu^l  der 
iUträlwassev 
^»nf  die 

(bkrfctiüii. 


Ver- 
Stuis  d«f 

lektorltiüh 

jseiitvfttion 
ftgefUhrtei 


des  Blutserums  auf  die  Queckgüberalbüminate  vermehren ,  wodurch 
die  in  den  Geweben  angehäuften  Hg- Mengen  in  erhöhte  Zirkulatiöti 
gesetzt  und  höher©  Quecksilber  dosen  vertragen  werden.  Ganz  im 
Gegenteil  behauptet  Engeln  daß  die  Gleichzeitigkeit  der  Hg-  und 
Schwefeltherapie  ein  Hindernis  für  den  antiluetiaehen  Effekt  sei, 
weil  die  starken  Schwefelquellen  geradezu  ein  Eiiminationsfaktor 
des  Quecksilbers  seien.  Auf  dieser  Wirkung  bernhe  geradesra  der 
Wert  der  Schwefelbäder  als  Mittel  zui'  Bekämpfung  und  Yerhütimg 
von  Queckflüberintoxikationen.  Man  solle  deshalb  die  Schwefelkur 
nicht  während,  sondern  nach  der  merkurielleii  Kui*  gebrauchen 
lassen.  Auch  Dardel  erkennt  an,  dati  die  Schwefelbäder  die  Eli- 
mination des  Quecksilbers  aus  dem  Körper  begünstigen,  andererseits 
teilt  er  aber  die  Ansicht  Desmouli^res^  und  Chatin s^  dali  die 
Schwefel  verbin  düngen,  namentlich  die  Sultide,  die  Bindung  des  Hg 
an  das  Eiweiß,  die  Bildung  eines  unlöslichen  Quecksilberalbuminates, 
verhindern  und  hierdurch  die  Wirkung  des  Hg  begünstigen.  Steins- 
berg achreibt  hochtemperierten  Moorbädern  in  der  Behandlung  der 
Chlorose  eine  eminente  Bedeutung  zu,  undLoebel  empfiehlt  das 
Moorbad  bei  den  verschiedenen  Formen  der  Schrumpfniere, 
Pewsner  untersuchte  bei  einem  Individuum  mit  Pankreasüstel  den 
Einfluß  der  Mineralwässer  auf  die  Fankreassekretion  und 
fand:  1.  daß  einfachea,  kaltes  Trinkwasser  die  Fankreassekretion 
mächtig  anregt  j  2,  daß  Wiesbadener  Kochbmnnen  und  Selters  die 
Pankreassekretion  gleichfalls  steigern  j  während  die  Wirkung  des 
Karlsbader  Wassers  zwischen  Kochbrunnen  und  einfachem  Trink- 
wasser die  Mitte  einnimmt;  3,  daß  Vichy,  Hunyady*Jc\noB ,  sowie 
Priedrichshaller  Bitterwasser  die  PankreasBekretioD  in  hohem  Grade 
herabsetzen.  Hinsiclitlich  des  Verdauungs Vermögens  von  Eiweiß  und 
Starke  nimmt  der  nach  Vichy  abgesonderte  Saft  die  erste  Stelle 
ein,  am  schwächsten  erweist  sich  der  nach  Trinkwasser  abgesonderte 
Saft.  0.  Schloß  bat  nach  Fawlows  Methode  einem  Hunde  einen 
,,kleineu  Magen"  angelegt  und  fand,  dati  die  Konasentration 
des  vom  Magenblindsack  abgesonderten  Sekretes  ganz 
nnabhängig  ist  von  der  Konzentration  der  in  den  Magen 
eingeführten  Lösungen.  Pflanz  hat  die  verschiedenen  Methoden 
lErwärmung,  Umrühren  u.  s.  w.)  der  Entgasung  kohlensäure- 
hal liger  Mineralwässer  geprüft  und  gefunden^  daß  hierbei  nur 
sehr  geringe  Mengen  freier  00^  entweichen,  dagegen  gelingt  es,  daa 
Wasser  in  einer  Minute  vollkommen  zu  entgasen,  wenn  man  dui-eh 
ein  Glasröhreben  Luft  io  daa  mit  Wasser  gefüllte  Glas  bläst.  Schon 
nach  5  Sekunden  des  Burchblasens  sinkt  der  CO^-Gehalt  des  Was* 


I 

I 
I 
I 


Klimatotherapie,  Pneumatotherapie,  Hydrotherapie,  Balneotherapie.       55 

sers  auf  60  ^/o,  während  8  Minuten  dauerndes  Erwärmen  des  Wassers    Entgasun 
den  CO.^-Gehalt  nur  um  9°/o,  Umrühren  nur  um  6  °/o  herabminderte,   kohiensäui 
Um  große  Wassermengen  zu  entgasen,  eignet  sich  wohl  der  von      Minerai- 
Clar  angegebene  Apparat  am  besten,  bei  welchem  durch  plötzliche       wässer. 
Abkühlung  heißen  Dampfes  in  einem  Kessel  ein  Vakuum    erzeugt 
wird,  welches  nicht  nur  die  freie,  sondern  auch  die  gebundene  C0,2 
an  sich  reißt  (Glax).     Schließlich  möchte  ich  mehr  oder  weniger 
als  Kuriosum  die  sich  mehrenden  Berichte  über  die  günstige  Wir- 
kung   von    Meerwasserinjektionen    anführen.     Sadoveanu    Meerwassi 
und  Marinescu  haben  bei  Typhus,  Tuberkulose  und  akutem  Ge-    i^J«^*^^»'^« 
lenkrheumatismus  nach  Meerwassereinspritzungen  von  100—300  ccm 
kurzdauernde  Temperatursteigerungen  mit  nachfolgenden  viel  niedri- 
geren Temperaturen  beobachtet.    Marie  will  mit  Pelletier  sogar 
bei  Epilepsie,  progressiver  Paralyse,   Dementia  senilis  und  praecox' 
durch  Meerwasserinjektionen  erhebliche  Besserungen  erzielt  haben. 
Weniger  wunderbar  klingen  die  Angaben  von  Variot  und  Quinton, 
welche  bei  Kinderekzem   alle  3  Tage  Injektionen  von  30  ccm  iso- 
tonischen  Meerwassers  machten  und  nach  vorausgehender  entzünd- 
licher Eeaktion  völlige  Heilung  beobachteten. 

Literatar. 

Klimatotherapie. 

A.  A 1  b  u ,  Inwieweit  läßt  sich  der  Aufenthalt  an  der  See  für  die  Behand- 
lung von  Verdauungs-  und  Stoffwechselkrankheiten  verwerten?  Med.  Klinik 
Nr.  44.  —  James  M.  Anders,  Die  Freiluftbehandlung  akuter  Krankheiten 
der  Atmungsorgane.  Journ.  of  Balneology  and  Climatology.  Mai.  —  Baer- 
wald,  Alpine  Heufieberstationen.  Deutsche  med.  Wochenschr.  Nr.  17.  —  « 
Bandelier,  Verbesserter,  sterilisierbarer  Liegesack  mit  Schulterklappen 
und  Pelerine  für  die  Winterliegekur.  Zeitschr.  f.  Tuberkulose  H.  5.  — 
J.  Benderski,  lieber  Bergabsteigen.  Zeitschr.  f.  pbysik.  u.  diätet.  Ther. 
Bd.  XI,  H.  8.  —  Blumenfeld,  Das  Klima  von  Wiesbaden.  .1.  F.  Berg- 
mann. —  K.  Diem  u.  K.  Kagerbauer.  Schwimmende  Sanatorien,  eine 
klimato-therapeutische  Studie  mit  zwei  Schiffsplänen.  Leipzig  u.  Wien.  — 
IL  Engel,  Klima  und  Gesundheit.  ,Der  Arzt  als  Erzieher*  H.  27.  München. 
—  W.  Ewart,  Marine  climates  in  the  treatment  of  tuberculosip.  Paris. 
Ballieres.  —  E.  Fack,  Reiseführer  für  die  Insel  Rügen,  9.  Aufl.  —  Feilchen- 
feld, VII.  ärztliche  Studienreise  an  die  Ostsee.  Allgem.  med.  Zentralztg. 
Nr.  41  u.  42.  —  Grabley,  Die  therapeutische  Bedeutung  der  Luftbäder 
bei  Behandlung  der  Neurasthenie,  Chlorose  und  Anämie.  Klin.-therapeut. 
Wochenschr.  Nr.  41.  —  Guthmann,  Phthiseotherapie  und  Ostseeklima. 
Med.  Woche  Nr.  34.  —  W.  Graff,  Sonnenstnihlen  als  Heil-  und  Vorbeu- 
gungsmittel  gegen  Tuberkulose.    Heidelberg.  —  G.  Heim,  Wüstentherapie. 


56 


lihw. 


2eitichi%  f.  pbyaik.  u.  aiatet.  Ther,  Bd.  XU  H.  "  —  A,  Hennig,  Kalte 
Seebäder  mit  besonderer  HerQckäic'btig'iiiig  der  Oät-  und  Nordaeebäder, 
Leipzig^.  —  O.  w  Ho?orka,  Die  Wirkung  der  Luft-  und  Sonnenbäder, 
Blatt  f.  klin.  Hjdrothen  H,  12*  —  Hürlimannr  Zur  Belmndlung  de$ 
Heuscbnupfenöp  KorreBp,-Ül.  L  Schweiz.  Aerzte  Nr.  15-  —  Jaköbji  Zur 
Frage  der  nieehauischen  Wirkungen  der  Luftdrm^ke ml edrigung  auf  den 
Organismus,  Deutsche  med.  Wochenschr*  Nr.  L  —  Th*  Janisen.  Inwieferii 
wird  das  Auftreten  von  Lungenblutungen  durch  Witterungaverhrütnisse  be- 
einflußt? Beifcr.  z.  Klin.  d.  Tuberkulose  Bd.  VIII.  H.  a  —  Koeniger, 
CTardone  Riviera  am  Gardasee  als  Winterkurort ,  5,  Aufl*  —  Kok,  Welche 
Falle  eignen  ^icb  für  eine  Winterkur  an  der  Nordsee?  Sitzungtber.  d. 
ärxtL  Verein,^  in  Hamburg,  12.  November,  - —  Kuhnr  Bie  Vermebrung  der 
roten  und  weißen  Blutkörperchen  und  des  Hämoglobins  durch  die  Lungen- 
^augmaske  und  ihre  Beziehung  zum  Höhenklima.  iMiinch.  nied>  Woctien* 
schrift  Nn  35*  —  Pbilalethes  Kuhn,  Ist  Südwesta-frika  zur  Aufimhrae 
Lungenkranker  geeignet?  ßerl.  klin.  WoebeuBcbr.  Nr.  6*  —  B.  La  quer» 
Benierkungen  über  das  Klima  und  die  Ileilanzeigea  Aegyptens,  XeiUebr. 
f.  pbysik.  u,  diütet.  Then  Bd.  XL  H.  8.  —  Lehmann,  Freiluftdauerblder. 
Pejchiatriflcb-neurologp  Wocbenschr,  Nr,  17.  —  W,  D.  Lenkei,  Die  Wirkung 
der  Luftbilder  auf  einige  Funktionen  de»  OrganiBmuH.    Ebenda  Bd*  X»  H.  12. 

—  Derselbe,  Die  thei^apeutische  Anwendung  der  Sonnenbäder.  Ebenda 
Bd.  XL  H.  L  —  Derselbe»  Die  therapeutisebe  Anwendung  und  die  Wir- 
kung des  Luftbades  auf  einige  Funktionen  des  Organismus.  Orvosi  hetilap 
Nr.  3.  —  G.  Liebe,  Luftr  und  [!5onnenbäder  in  HeiUtörtten  für  Lungen > 
kranke.  Zeitschr*  f.  physik.  u,  diütet.  Then  Bd.  XL  H.  4.  —  .L  Mareuse, 
Luft-  und  Sonnenbäder,  ihre  physiologische  Wirkung  und  therapenÜsehe 
Anwendung,  Physik,  Ther.  in  Einzeldarstellungen  H.H.  —  Derselbe ♦  Zur 
Geschichte  des  Luftbades,    Xeitschr.  f.  plij.sik.  u.  di^tet.  Ther.  Bd,  XL  H.  1. 

—  A.Martin,  Zur  Geschichte  der  Luft-»  Sonnen-  und  Lichtbäder.  Ebenda 
Bd.  XL  H.  5.  —  Paul  Mayer.  Klimatotbempie  und  Balneotherapie,  l/nter 
Zugrundelegung  des  gleicbnamigen  englischen  Werkes  von  Sir  Hermann 
Weber  und  F.  Parkes  Weber.  Berlin.  —  Nicolas.  Winterkuren  an  der 
Nordsee.    Vortrag  gebalten  im  ärztlichen  Verein  «u  Hamburg  Li.  November, 

—  Deraeibe,  üeber  die  Stellung  der  Nordseebader  in  der  beutigen  Balneo- 
logie. Med,  Woche  Nr.  H7.  —  A.  Nolda»  Klima  von  St.  Moritz.  3.  Auft 
Berlin.  —  North  rup.  Die  Freiluftbehandlung  akuter  Krankbeiten, 
75-  Jahreaversanimlung  der  British  Medical  Association,  27.  Juli,  —  K.  Op- 
penheimer,  üeber  die  Anwendung  von  Sonnenbädern  bei  PeritoniÜ« 
tuberculosa.  Zeifescbr,  f,  physik.  u.  dilltet.  Ther.  Bd.  X»  H.  10.  —  H,  Pauli, 
Ueber  therapeutiiäche  Seereisen  mit  besonderer  Berücksichtigung  der  Nord- 
landfahrten der  Hamburg-Amerika- Linie.  Ebenda  Bd.  XI,  H.  9,  —  F,  Peiper» 
Das  Klima  und  die  Indikationen  Teneriffas.  Mönch,  med.  Wochenschr, 
Nr,  17.  —  H.  Reicbenbach  u.  B.  Heymann,  Untersuchungen  über  die 
Wirkungen  klimatischer  Faktoren  auf  den  Menseben,  L  Mitteilung:  ße- 
siebungen  zwischen  Haut  und  Lufttemperatur.    IL  Mitteilung:  Beeinflussung 


Klimatotherapic,  Pneumatotherapie,  Hydrotherapie,  Balneotherapie.       57 

der  Körperwärme  durch  Arbeit  und  Beschränkung  der  Wärmeabgabe.  Zeit- 
schrift f.  Hyg.  u.  Infektionskrankh.  Bd.  LVII.  —  George  E.  Ren  nie, 
Clinical  Remarks  on  the  Open-Air-Treatement  of  Acute  Pneumonia.  Brit. 
med.  journ.  August.  —  MaxScheimpflug,  Heilung  von  Peritonitis  tuber- 
calosa  durch  Sonnenbestrahlung.  Wien.  klin.  Wochenschr.  Nr.  52.  — 
E.  Sobotta,  Sollen  wir  Lungenkranke  nach  Südwestafrika  schicken?  Berl. 
klin.  Wochenschr.  Nr.  15.  —  Szegö.  Stärkung  des  Kindes  am  Strande. 
Arch.  f.  Kinderheilk.  Bd.  XL,  H.  4—6.  —  Thompson,  Fresh  Air  Treat- 
ment  in  hospital  wards.  Medical  Record,  9.  Febr.  —  Tintemann,  Freiluft- 
dauerbäder. Psychiatrisch-neurol.  Wochenschr.  Nr.  20-  —  Ty  1er ,  Ueber  Klima- 
messungen mit  einer  Theorie  der  Gefühlsqualitäten.  Journ.  of  tropical 
Medic.  Bd.  X,  H.  8.  —  Walser,  Luft  und  Licht!  Luftbad  und  Sonnen- 
bad, 2.  Aufl.,  Leipzig.  —  H.  Weber  u.  F.  Parkes  Weber,  Climato- 
therapy  and  Balneotherapy.  The  Climats  and  Mineralwater  health  resorts 
ofEurope  and  North  Afrika.  London.  —  N.  W.  Wessjolkin,  Üeber  den 
Kinfluß  von  Luft  mit  5 — lO^oigem  Kohlensäuregehalt  auf  die  Temperatur 
des  normalen  und  fiebernden  Organismus.  Russkij  Wratsch  Nr.  14.  — 
C.  Widmer,  Heilung  eines  Karzinoms  durch  Sonnenlicht  nebst  einigen 
Heiträgen  zur  Lichttherapie.  Münch.  med.  Wochenschr.  Nr.  13.  —  Wiesner, 
Die  Wirkung  des  Sonnenlichts  auf  pathogene  Bakterien.  Arch.  f.  Hyg. 
Bd.  LXI.  —  J.  Wilhelm,  Das  Sonnen-  und  Luftbad,  2.  Aufl.  Wien.  — 
Wladytschko,  Ueber  den  Einfluß  der  offenen  See  und  des  Schaukeins 
auf  einige  Psychosen.  Dissertation,  Moskau. 

Pnenmatotherapie. 

A.  Einhorn,  Ueber  ein  Asthmainhalationsmittel.  Münch.  med. 
Wochenschr.  Nr.  27.  —  Kaestle,  Inhalationsversuche  mit  zerstäubten 
Lösungen.    Zeitschr.  f.  physik.  u.  diätet.  Ther.  Bd.  XI,  H.  5  u.  6. 

Hydrotherapie. 

S.  Baruch,  Die  Bäder  beb  andlung  des  typhösen  Fiebers  in  der  Privat- 
praxis. Blätter  f.  klin.  Hydrotherapie  Nr.  1.  —  Brieger,  Demonstration 
der  neuen  hydrotherapeutischen  Anstalt  der  kgl.  Universität.  Vorträge  vom 
28.  Balneologenkongreß.  Berl.  klin.  Wochenschr.  Nr.  15.  —  Derselbe, 
Hydrotherapie  und  innere  Medizin.  Wien.  med.  Presse  Nr.  40.  —  0.  Bruns, 
Ueber  die  Rückstauung  bei  Kältereizen.  Zeitschr.  f.  klin.  Med.  Bd.  LXIV, 
H.  3  u.  4.  —  Derselbe,  üeber  den  Einfluß  der  Sitzbäder  auf  die  Blut- 
verteilung im  menschlichen  Körper.  Ebenda.  —  V.  Chlumsky,  Ueber 
die  Erfolge  der  Heißluftbehandlung.  Wien.  klin.  Rundschau  Nr.  16.  — 
W.  Chrzelitzer,  Zur  Wärmebehandlung  bei  Prostatitis.  Monatsschr.  f. 
Hamkrankheiten  H.  6.  —  H.  Determann,  Umschläge,  Einwicklungen 
und  Einpackungen.  Deutsche  med.  Wochenschr.  Nr.  24.  —  Derselbe. 
Die  Beeinflussung  der  Viskosität  des  menschlichen  Blutes  durch  Kältereize, 


58 


Gl&x. 


WärmeentKiehung,  Wärmezufiilir  und  Wärmeatauung-  BerL  klin*  Wochen- 
sclirift  Nr,  22  u.  28.  —  C.  C.  Flacher,  Die  hydrotherapeutische  Behand- 
luig  dei  Asthma  bronchiftle,  Zeitschr.  f.  pliyaik.  u.  diHtet.  Ther.  Bd.  XL 
ß^  3_  _  Großp  Elastiache  The mioko pf kappe,  Therraostirnbinde.  Deutsche 
med.  Wochenschr  Nr.  3.  —  Gutli,  ^Undulator*",  Wien,  med,  Presse 
Nr.  10.  —  0.  Hasenfeld,  Die  Heißlui'tbehandlang  in  der  Gynäkologie. 
Wien,  klin,  Wochenschr.  Nr.  Ö.  —  A.  ¥.  Hecht,  Beobachtungen  über  die 
Wirkung  hydriatiseher  Prozeduren  bei  maaemkranken  Kindern.  BlEtter  f. 
klin.  Hydrotherapie  Nr.  7.  —  H  e  i  1  n  e  r ,  Die  Bedeutung  der  Wasserzufubr 
für  die  Fettzeräetzung  im  OrganismuB.  Verhandl.  d.  24,  Kongresses  f, 
innere  Med,  Wiesbaden.  —  M.  Herz,  Licht-Luftgtrombehandlung  und 
Hydrotherapie.  Zeitschn  f.  physik.  u.  diätet.  Tber,  Bd,  X,  H.  IL  — 
H.  Jorio,  üeber  eine  Modifikation  in  der  Anlage  und  Teehnik  des  ab- 
gekiihUen  Badea  nac-h  dem  System  Vinaj.  L'idrologia,  la  Climatologia  e 
la  Terapia  fieica  Nr.  10,  —  Küateri  Untersuchungen  über  ein  bei  An- 
wendung von  Dauerbüdern  beobachtetes  Ekzem,  Münuh.  med.  Wochen- 
schrift Nr.  32,  —  A,  Laqueur,  Neuere  Anschauungeu  über  die  Wirkungs- 
weise der  Hydrotherapie.  BerL  klin,  Wochenschr,  Nr.  34,  —  Beraelbe, 
Ueber  einige  neuere  physikalische  Metboden  zur  Behandlung  chronischer 
Lungenkrankheiten.  Berl.  klin.  Wochenschr.  Nr.  19.  —  Leduc,  Kälte- 
applikation  auf  die  Herzgegend.  Med.  Klinik  Nr.  10.  —  Marcus,  Ver- 
gleichende Untersuchungen  über  die  Wirkung  dee  Trinkens  von  destilliertem 
Wasser  bei  einem  Falle  von  chroniBCher  Nierenentzündung.  BerL  klin. 
Wochenachr.  Nr,  14.  —  i.  Mnrcuse»  Technik  und  Methodik  der  Hydro- 
und  Tkertnotherapie.  Physik.  Ther.  in  Einzeldarstellungen  H.  2.  — 
S,  Munter,  Die  Bedeutung  der  physikalischen  Heilmittel  für  die  Behiind- 
lans*  des  Diabetes  mellitus,  Vorträge  vom  28.  BalneologenkongreÖ,  BerL 
klin,  Wochenschr.  Nr.  17.  —  V.  Raymond  u.  Ducheane.  Die  Leber-  ■ 
dotiche.  üa?„  d.  Eaux  Nr.  2052.  —  J.  Sadger,  Die  Hydriatik  des  Krupp.  ■ 
.\rch,  f.  Kinderheilk.  Bd.  XLV,  H,  1—2.  —  H.  Schade,  Eur  Witkuog 
des  Prießnitzschcn  Umschlages  bei  der  Entiündung.  Müncb,  med.  Wochen- 
schrift Nr.  18,  —  Schnütgen,  Ueber  das  Verhalten  der  Leukozyten  des 
Blutes  hei  Kälteeinwirkung,  Zeitscbr.  f.  klin.  Med.  Bd.  LXIV.  H.  3  u.  4.  — 
A.  Selig,  Daä  Verhalten  der  Arterioaklerotiker  bei  Schwitzprozeduren. 
Blätter  f.  klin.  Hydrothej'.  Nr.  0.  —  H.  St  rasa  er  u.  H.  Blumenkranz,  , 
Die  Wirkung  indifferenter  und  schweißtreibender  Bäder  bei  Nephriti». 
Plhenda.  —  W,  Gilman  Thompson.  Local  thermotherapy.  Med.  Reco rd, 
LS.  ApriL  —  Ernst  Tobias  u,  Eduard  Kind  1er,  Die  physikaliiche 
Behandlung  der  Tabes  dorsaUs.  BerL  klin,  \Vochenschr.  Nr.  9  u.  10.  — 
W.  Wintern! fcz.  Ein  Beitrag  aur  phyÄikaliBeh-diätetiächen  Behandlung  der 
Arteriosklerose,  Zeitschr.  f.  physik.  u.  diätet,  Ther.  Bd,  XL  H.  9.  —  Der- 
selbe» Bemerkungen  zur  Hydrotherapie  als  kliniscbpr  Lehr  gegenständ, 
Vorträge  vom  28-  Balneologenkongreß.  BerL  klin.  Wochenschr.  Nr.  16. 
—  Zweig,  Die  Hydrotherapie  des  Klimakteriums,  Deutsche  med.  Wochen- 
schrift Nr.  IL 


I 
I 

I 


Klimatotherapie,  Pneumatotherapie,  Hydrotherapie,  Balneotherapie.       59 

Balneotherapie. 

Baumstark.  Bad  Homburg  und  seine  Indikationen  in  der  Kinder- 
praxis. Zeitschr.  f.  physik.  u.  diätet.  Ther.  Bd.  XI,  H.  4.  —  Bauer,  Bildet 
übemormaler  Blutdruck  eine  Kontraindikation  für  die  Anwendung  der 
kohlensäurehaltigen  Solthermen?  Vortrag  vom  28.  Balneologenkongreß. 
Berl.  klin.  Wochenschr.  Nr.  14.  —  P.  Berge  11  u.  L.  Laband,  Ueber 
experimentelle  Untersuchung  natürlicher  Mineralwässer.  Zeitschr.  f.  physik. 
u.  diätet.  Ther.  Bd.  X,  H.  12.  —  Edward  J.  Cave,  Die  Bäderbehandlung 
der  Neurasthenie.  Brit.  med.  Joum.,  20.  Juli.  —  Dardel,  Sulfur  wat^rs 
in  the  treatment  of  Syphilis.  Med.  Record,  20.  Juli.  —  Dengler,  Der 
85.  Schlesische  Bädertag.  —  Desmoulieres  u.  Chatin,  Untersuchungen 
über  die  Wirkung  der  Schwefelwässer  bei  der  Hg-Behandlung.  Academie 
des  Sciences,  27.  Mai.  —  E.  Ehler,  Ueber  die  Radioaktivität  der  Max- 
Quelle  in  Bad  Dürkheim  a.  d.  Haardt.  Verhandl.  des  naturhistorisch- 
medizinischen  Vereins  zu  Heidelberg,  N.  F.,  Bd.  IX.  H.  1.  —  E.  Ebstein, 
Sanatorien-  und  Bäderwesen.  Zeitschr.  f.  physik.  u.  diätet.  Ther.  Bd.  XI, 
H.  2.  —  H.  Engel,  Ist  die  bei  Lues  übliche  Kombination  von  Quecksilber- 
und Schwefeltherapie  in  absoluter  Gleichzeitigkeit  rationell?  Ebenda, 
Bd.  X,  H.  10.  —  Fr.  Fink,  Leitende  Grundsätze  für  den  Kurgebrauch 
Gallensteinkranker  in  Karlsbad.  Münch.  med.  ViTochenschr.  Nr.  35.  — 
Paul  C.  Franze  u.  L.  Pöhlmann,  Ueber  Sarasonsche  Ozetbäder.  Berl. 
klin.  Wochenschr.  Nr.  20.  —  G.  Galli,  Die  Thermen  von  Masino.  Deutsche 
med.  Wochenschr.  Nr.  19.  —  J.  Glax,  Zur  Entgasung  von  Mineralwässern. 
Balneologische  Zeitung  Nr.  8.  —  L.  Gottlieb,  Die  Wirkung  und  Anwen- 
dung der  Joachimsthaler  radioaktiven  Grubenwässer.  Illustriertes  Bade- 
blatt, 20.  Mai.  —  F.  M.  Grödel  III,  Versuche  mit  kohlensauren  Gasbädern. 
Vortrag  vom  28.  Balneologenkongreß.  Berl.  klin.  Wochenschr.  Nr.  16.  — 
Fr.  Hammer,  Die  Radioaktivität  der  Stebener  Stahlquellen.  Münch.  med. 
Wochenschr.  Nr.  8.  —  Arthur  Hauser,  Die  Radioaktivität  der  Teplitz- 
Schönauer  Urquelle.  Wien.  klin.  Wochenschr.  Nr.  2.  —  E.  Hintz, 
Chemische  Untersuchung  des  Hauptbrunnens  zu  Bad  Münster  a.  St.  und 
der  von  der  Saline  Münster  a.  St.  hergestellten  Kreuznacber  Mutterlauge. 
Balneologische  Zeitung  Nr.  11.  —  M.  Hirsch,  Die  Bedeutung  der  Diätetik 
in  der  Balneotherapie.  Zeitschr.  f.  physik.  u.  diätet.  Ther.  Bd.  XI.  H.  2.  — 
K.  Hügel.  Das  Sol-  und  Thermalbad  Münster  am  Stein.  Würzburg.  — 
A.  J.  Kalmann,  Trinkversuche  mit  dem  radioaktiven  Gasteiner  Thermal- 
wasser.  Zeitschr.  f.  physik.  u.  diätet.  Ther.  Bd.  XI,  H.  4.  —  H.  Kiscli. 
Zur  Balneotherapie  der  Lipomatosis.  Wien.  med.  Presse  Nr.  17.  —  R.  Kolb, 
Ueber  die  Ausnützung  der  Nahrung  während  des  Gebrauches  von  Marien- 
bader Kreuz-  und  Ferdinandsbrunnen.  Zeitschr.  f.  exper.  Path.  u.  Ther.  Bd.  IV, 
IL  2.  —  Laqueur,  Ueber  Sauerstoff bäder  (Sarasonsche  Ozetbäder).  Deutsche 
med.  Wochenschr.  Nr.  1.  —  Derselbe,  Ueber  künstliche  radiumemana- 
tionshaltige  Bäder.  Berl.  klin.  Wochenschr.  Nr.  23.  —  Derselbe  u. 
Löwenthal,   Ueber  die  Aufnahme  von  Rjuliumemanation   bei  Bade-  und 


m 


GIftx. 


Trinkkuren*  70.  Versamml.  Deutacber  Natu rfo lieber  u,  Aersite,  —  Artbur 
Loebel,  Die  Indikationen  der  MoorMdev  bei  Behandlung  der  cbroniseben 
Nierenkrankheiteil.  Vortrag-  vom  28.  Bai neo logen kongreß.  BerL  klin, 
WochöDBcbr,  Nr,  V>,  —  DerHelbe.  Wandlungen  in  der  Balneotherapie  der 
chroniscben  NephritiB,  Klimgch-therapeutificbe  WocbeuBchr.  Nr.  IIa  12. 
—  LöwenthaU  Üeber  die  Wirkung  der  Rad  iura  emanalion  auf  den 
Menschen.  Berl.  klin.  Wocbenacbr.  Nr.  Zb*  —  E.  Ludwig,  Th.  Panicer 
u.  Dr.  K.  Zdarek*  Ueher  die  Styriaqnelle  in  Robitsch-Sanerbrunn.  WieB. 
kiin.  Wochenschr.  Nr.  13.  —  Marie,  Daa  ifotoniscbe  Meerwaaser  in  der 
Tberapie  der  Psych usen.  Soeiett'  de  Therapeutique.  —  Alfred  Martin. 
Historisches  aus  dem  Biideweseti.  Vortrag  vom  28.  Balneologenkongreß. 
Berl  klin.  Wochenscbr*  Nr,  14,  —  MichelaK?.is.  Die  iBotonischen  Injek- 
tionen von  MeerwEflser.  Italienischer  Kongr.  f.  innere  Med.  —  h.  Nena- 
dovics,  Elektriacher  Moorgürtel*  Vortrag  vom  28.  Balneologi.*nkongrefl. 
Berl.  klin.  Wochengchr.  Nr.  15.  —  J.  Pin  tot»  Quelque>i  aper^us  aur  le 
mode  d'aetion  des  eaux  minerales  ind^tifrmineeh.  Joum.  de  Physiotherapie» 
15,  April*  —  Pewsner,  Zur  Frage  dcüi  Kinflusses  der  Mineralwässer  auf 
den  VerdauungstraktuB.  Wratschebnaja  üazetta  Nr.  30,  —  E.  Pflani, 
Zur  Entgasung  von  Mineralwässern,  Bidneolos^ische  Zeitung  Nr.  2.  — 
0.  Porges,  üeber  Nat-b-  und  Zwiscbenkureu.  Balneo logische  Zeitaehrift 
Nr.  $5,  —  0.  Rüpke*  Zur  .^ufklämng  über  Kurerfolge  dea  Bade«  Lipp- 
«pringe  im  Vergleich  zu  deoea  der  Lungen heilttätten.  Zeitschr.  f.  Tuber- 
kulose Bd.  lli  H,  1  u*  2*  —  Ereatü  Rousieff,  Chemisebe  Untersuchung 
der  Thermen  ^Momina  bania"  und  ^Parilkj*  bei  Hissar  in  Bulgarien, 
Wien,  klin,  Wocheußcbr,  Nr.  51.  —  M.  Sadoveanu  u.  Ch,  Marineacu* 
Beiträge  zur  therapeutischen  Rolle  des  Meerwassers,  Spitalul  Nr.  2.  — 
Otto  SchlosB,  Ijft  die  Konzentration  des  reflektorisch  abgeschiedenen 
Magen f und  uBsekret es  abhangig  von  der  Konzentration  in  den  Magen  ©in- 
gefübrter  Lösungen?  Berl,  klin,  Woehenscbr.  Nr.  2.  —  R,  Schminct^, 
Phydologtsrhe  Wirkungen  der  Elsterer  Moorbäder.  Zeitscbr.  f.  physik.  u, 
diilteL  Ther,  Bd.  XL  H.  3  u.  i.  —  Sebnütgen,  Ueber  8ara*önsche  OÄct- 1 
b&der,  Ther.  d.  Gegenw.  H,  4.  —  Scbuster«  ZwaiQäbrige  Eifahrungen  ' 
tlber  HerK-  und  Zirkulationtstörungen  im  Bad  Nauheim,  1894 — 1906.  Monatf- 
schrift  f.  orthop.  Cbir.  u.  pbjsik.  Heil-  u.  üntersuebungsmetboden  Nr.  4,  — 
Jos.  Siebelt*  Bemerkungen  zur  balneologiscben  Behandlung  der  gonor- 
rboiBchen  Späterkrankungen.  Vortrag  vom  *28:  Balneolo^'enkongreß  Üerl 
klin.  WoehenÄchr.  Nr.  Ib.  —  A.  Stark.  Ein  Verauch  zur  Erklärung  der 
meebanischen  Moorbade  Wirkung,  Wien.  —  Leopold  Öfeeinsberg,  üeber 
die  Behandlung  der  Bleicbttucht  mit  heißen  Moorbädern.  Vortrag  vom 
*28.  Balneolögenkongrefl.  Berl.  klin.  Wochenschr.  Nr.  Ifj,  —  H.  8tranß* 
Heber  die  molekulare  und  lonenkouÄentration ,  sowif  über  Radioakt irität 
der  Mineral  Wässer,  Müncb,  roed.  Wochensrhr.  Nr.  41.  —  Job.  v,  8zabokj, 
LeitfUbigkeitsbestiuimungen  iler  nieichenburger  Mineralwässer.  Wien.  klin. 
VVochenscbr,  Nr.  8.  —  Tiedemann  u.  Lund,  Klinische  Beobachtungen  über 
den  EinfluB  von  KohlenaUurebildern  und  gymnaftti sehen  Uebungi^n  auf  FTers- 


Klimatotherapie,  Pneumatotherapie,  Hydrotherapie,  Balneotherapie.      61 

kranke.  Deutsches  Arch.  f.  klin.  Med.  Bd.  XCI.  —  S.  Ungar,  Zur  An 
Wendung  von  Kohlensäurebädern.  Die  Heilkunde  H.  9.  —  Variot  u 
Quinton,  Behandlung  der  Ekzeme  mit  isotonischem  Meerwasser.  Acad 
de  Med.  de  Paris,  18.  Juni.  —  Weißmann,  Ueber  Trinkkuren  mit  Lam 
scheider  Stahlbrunnen.  Zentralbl.  f.  innere  Med.  Nr.  32.  —  Axel  Winckler, 
üeber  den  deformierenden  chronischen  Gelenkrheumatismus  und  die  Nenn 
dorfer  Kur.  Zeitschr.  f.  physik.  u.  diätet.  Ther.  Bd.  X,  H.  12.  —  W.  Winter 
nitz,  Ueber  Ozetbäder.  Blätter  f.  klin.  Hydrotherapie  Nr.  1.  —  Der 
selbe,  Ueber  die  balneologische  Behandlung  der  Ischias.  Allgemeine 
deutsche  Bäderzeitung  Nr.  38/39.  —  R.  Wybauw,  Traite  des  eaux  de 
Spaa  et  guide  de  TEtranger.  Notice  historique  par  A.  Body.  Spaa.  — 
W.  Zangemeister.  Ueber  die  Bedeutung  der  molekularen  Konzentration 
von  Flüssigkeiten  für  die  Resorption  derselben.  Zeitschr.  f.  klin.  Med. 
Bd.  LXIV,  H.  5  u.  6. 


^IgeDieines 


d€r  Rfidiu- 


Arbeiten. 


Ein  Schauspiel ,  dns  sich  bereite  unziiMige  Male  in  der  Geschichte  der 
ärztlichen  Kunst  wiederhoH  hat.   setzt  sich    seit  mehreren  Jahren    für   die 
Radiotherapie  in  Szene;  nämlich  der  Kampf*  dasjenige,  wog  dem  geschulten 
Arxte  gehührt»  Laienhllnden  zu  entreißen.    Die  deutsche  Eöntgengesellaehafl 
hat  auf  ihrem  3.  Kongreß  erklärt,  duö  die  verantwortliche  Anwendung  der 
Röntgenstrahlen    zu    diagnostischen    und   therapeutischen    Zwecken    durch  __ 
nicht  approbierte  Aerzte   einen  Akt   ungesetzlicher  Ausübung  der  Mediain  I 
dftratellt»     Diese  Erklärung  verdient   verallgemeinert   zu  werden.     Die  Be- 
hörden haben   sich  schon  vielfach  auf  denselben  Standpunkt  gestellt   und 
für  ihre  KraukeohUuser  selbständig  geleitete  In&titute  errichtet.    Eine  Be- 
gchreihung  des  gut  ausgestatteten  Röntgen-Finsen'Laboratoriums  des  Budolf  ^ 
Virchow-Krankenhause«  bringt  Levy-Dorn,  ■ 

Znaammenfaesende  Arbeiten  über  das  geiamte  Gebiet  der 
Radiotherapie  oder  wie  einige  sagen  Aktin otherapie  sind  meinea  Wissens 
nicht  erschienen*  Dagegen  hat  Müller  eine  Uehersicht  über  den  Stand 
der  Licht-  und  Röntgenbehandlung  an  der  Hand  von  600  Fälletu  aller- 
dinga  fafft  ausschlteßlich  Hautkranken  gegeben.  Lossen  lieferte  ein 
gründliches  Referat  über  die  biologischen  Wirkungen  der  Röntgen-  und 
Becquerelfltrahlen  (d.  b*  Radi  umstrahlen).  Die  bekannte  Monographie  von 
6.  C.  Schmidt  (Königsberg)  über  die  K  a  t  b  o  d  e  n  a  t  r  a  h  1  e  n  ist  in  2.  A^i, 
enchienen  (Verlag  Yieweg  &  Sohn,  Braun  schweig). 


tedii&inischo 
BarzlaiDpe. 


Phytotherapie. 

Iin  Vordergrimd  des  Interesges  steht  jetzt  die  medizinisc! 
Quarzlampe  in  der  von  Kromayer  angegebenen  Form.  Da- 
durch^ daß  man  dem  Kühlwasser  Methylenblau  durch  eine  einfache 
Vorrichtung  zufahrt,  laesen  sieb  die  nur  ganz  oberflächlich  wirken- 
den kuTÄwelligeE  StraMen  gut  aWieben,  waa  für  gföliere  Tiefen- 
wirkuDg  sehr  erwünscht  war*  Be*]uemer  arbeitet  man  aber  mit  den 
von  der  Fabrik  gelieferten  gefärbten  Quarzansätzen.     Die  versoble- j 


Radiotherapie.  63 

denen  Formen,  in  welchen  sie  hergestellt  werden,  ermöglichen  auch, 
die  Lampe  an  bisher  für  sie  schwer  zugänglichen  Stellen  zu  ge- 
brauchen.    Auch   die  Finsenlampe,  welche  immer  noch  wegen  Finseniämi 
ihrer  umständlichen  Handhabung  gern  gemieden  wird,   hat  einige 
Ergänzungen  erfahren.  Schüler  gibt  neue  Berg kristallansätze   Bergkrista 
für  die  Behandlung  der  Schleimhäute.     Durch  kegelförmige  Röhren      »i^s^tzo- 
gelang  es  ihm  z.  B.   die  Harnröhre  über  größere  Strecken  zu  be- 
strahlen, während  die  stabförmigen  Ansätze  nur  am  Ende  Licht  ab- 
geben.    Sandmann  konstruierte  ein  mechanisches  Kompres-   Mechanisol 
sorium,    das    in  verhältnismäßig    einfacher  "Weise   in   geeigneten  ^^*"P'^®*^*'^ 
Fällen  eine  Krankenschwester  entbehrbar  macht.  Während  för  die  Be- 
handlung oberflächlicher  Hautleiden  die  Frage  zu  Gunsten  der  Queck- 
silberlampe entschieden  ist,  ist  der  Streit  zwischen  den  Fürsprechern 
der  Quarzlampe  und  den  Anhängern  der  Finsenlampe  über  die  beste 
Lichtbehandlung  der  tief  sitzenden  Dermatosen,  wie  besonders  Lupus,  Tiefeuwirka 
noch  nicht  entschieden.     Die  in  meinem  Institut  von  Mulzer  aus- 
geführten Untersuchungen  haben  gezeigt,  daß  Finsenlicht  bei  zuneh- 
mender Dicke  der  Haut  (0,7 — 2,5  cm)  Zelloidinpapier  eher  schwärzt 
als    das   Quarzlicht.     Johansen   schließt  aus   seinen  Belichtungen 
von   Chlorsilberpapier,    daß    die    Quarzlampe  an   unsichtbaren,  die 
Finsenlampe  an  sichtbaren  Strahlen  reicher  ist.  Durch  Hautschichten 
von  0,6  cm    Dicke   wird    in    einer  Stunde   durch    Quecksilberlicht 
Bacillus  prodigiosus  getötet  (Mulzer).     Kromayer  und  ebenso 
Wichmann  u.  a.  sahen  hingegen  tiefergehende  biologische  Verän- 
derungen   beim   Gebrauch    des   Quecksilberlichts,    als   bei   Finsen- 
behandlung.  Germann,  Maas  u.a.  widersprachen  dem  ausdrücklich. 
Nichtsdestoweniger  unterliegt  es  keinem  Zweifel,  daß  auch  für 
die  Lupustherapie  das  Quecksilberlicht  eine  große  Rolle  spielt,       Lupos. 
weil  man  verhältnismäßig  größere  Flächen   aufs   günstigste   beein- 
flussen und  sicher  vorübergehend  heilen  kann  (Hey mann).    Auch 
Müller  u.  a.  bestätigen,   daß  mit  Hilfe   der  Quarzlampe  das  Heil- 
verfahren wesentlich  abgekürzt  wird.    Ganz  besonders  reagieren  die 
nlzerativen  und  die  flachen  Formen  des  Lupus  exfoliativus  vorzüg- 
lich.   Im  allgemeinen  können  die  Indikationen  für  die  Phototherapie 
nicht  so  weit  gezogen  werden,  wie  für  die  Röntgenstrahlen.    Doch 
hat  Zimmer  unrecht,   wenn  er  meint,    daß   die  Lichtstrahlen  im 
wesentlichen  wegen  ihrer  geringeren  Gefährlichkeit  gelegentlich  den 
Vorzug  verdienen.   Denn  trotz  aller  Aehnlichkeiten  dürfen  wir  nicht 
die  Wirkungen  verschiedener  Strahlen  gleich  setzen.     Sie  ergänzen 
sich  gegenseitig.   Ein  drastisches  Beispiel  lieferte  hierfür  Axmann,     xeleangi- 
der  durch  Experimente  mit  Radium  entstandene  Gefäß  erweite-     ektasien. 


64 


Levj-Doni. 


omhaut- 
rUbttngen 


Lupuft 


I 


II  e  rosai'(^iv, 

ftreivU 

Akne, 
runkulosiä, 
leera  fvarin, 

Vitiligo. 


PtgIMBIl», 


lukterixide 
Wirkung. 


Gewebe 


rangen  mit  Hilfe  der  TJvioUampe  beseitigen  konnte.  Müller 
brachte  RtintgenteleangiektaBien  mit  der  Quarzlampe  zum  Schwinden. 
Derselbe  Autor  beobachtete  gelegentlich  der  Uviolbehandlung  eines 
ukerativen  Geeichtalupus  mit  starker  chronischer  K  o  n  j  u  n  k  t  i  v  i  t  i  s 
Ectropion  und  Hornhauttrübungen  zugleich  mit  Heilung  des  Lupus 
eine  solche  der  Konjunktivitia  und  Aufhellung  der  Hornhaut.  Ver- 
suche bei  alten  chronischen  Konjunkti^itiden  erscheinen  daher  an« 
gebracht  Hertel  hat  bei  26  Kranken  mit  Ulcus  corneae 
serpens  nach  vorübergehender  Reizung  die  weiteren  FoTtacliritte 
des  Prozesses  unterdrückt.  Durch  Kombination  mit  DarchBölinei- 
dnng  wurden  8  perforierte  Geschwüre  günstig  beeinflnlit.  Aber 
IBmal  lieferten  die  Lichtstrahlen  keinen  Erfolg.  Leopold  berichtet, 
Ozäna  12mal  mit  Finsenlicht  geheÜt  zu  haben.  Von  den  Derma- 
tosen sei  hier  in  erster  Linie  nochmals  in  Bezug  auf  den  Liipue  _ 
vulgaris  erwähnt:  Die  Anwendung  des  Lichtes  führt  bei  den  ■ 
sklerosierenden  Formen^  auch  bei  den  durch  zu  starke  Äetzung  her- 
vorgerufenen, bei  Skrophuloderma ,  stark  ausgebreitete  Erkrankung 
der  Schleimhaut  oder  Lungen  nicht  zum  Ziel.  Die  verrukösen  For- 
men werden  besser  röntgenisiert.  Dort,  wo  ee  nicht  auf  kosmetisches 
Resultat  ankommt,  kann  man  schneller  wirkende  Heilmittel  anwenden. 
Lupus  erythematodes  reagiert  oft  gut  auf  energische  Beize  durch  Quarx- 
licht.  Flache  Nae  vi  vasculosi  werden  geheilt.  Die  kavernösen  Formen 
werden  zu  wenig  beeinflußt.  Vorzügliche  Wirkungen  sieht  man  hei 
Akne  rosacea  und  in  nicht  äu  alten  Fällen  von  Alopecia  areata. 
Bei  Folliculitis  barbae  muß  zugleich  epiliert  werden,  besser 
ist  hier  Röntgenbehandlung.  Dies  gilt  auch  für  Akne  und  Furun* 
kulosis.  Torpide  Ulcera  cruris  reinigen  sich  oft  auffallend  rasch, 
Aadi  bei  Ekzem T  Rsoriasis  sind  Erfolge  erzielt  worden  (Kromayerp 
Müller^  Heymann}.  —  Die  vitiliginöaen  Flecke  werden  durch 
die  Quarzlampe  so  beeinflußt,  daß  sich  die  pigmentlosen  StaUan 
mit  Pigment  bedecken ,  während  sich  die  Nachbarschaft  mehr  oder 
weniger  entfärbt.  Das  Pigment  wird  extrazeUulär  und  daher 
leicht  durch  die  Lymphgefäße  aufgesogen  (Buschke,  Mulzer(r 
Tätowierte  Haut  wird,  wie  leicht  verständHchj  von  Pigment  nicht 
befreit  (Meirowski- Hey  mann).  Grerm&nn  fand  wie  Biel  für 
das  Finsenliclit.  daß  die  bakterizide  Wirkung  der  Quarzlampe 
ohne  Vermittlung  von  Wasserstoffsuperoxyd  und  wahrscheinlich  olme  _ 
Oaon  im  Statu  nascendi  zu  stände  kommt,  also  eine  direkte  ist.         ■ 

Kur^e  Bestrahlungen  regen  die  Gewebe  an  (Kernteilung,  Pig^ 
mentbildung),  längere  Einwirkungen  schädigen  sie:  die  Gefäße  er- 
weitern sieh,  Leukozyten  treten  aus,   es  kommt  zu  Blutungen.   I>ie 


I 


Radiotherapie.  65 

Zellen  des  Bindegewebes  sind  vermehrt,  das  Kollagen  schwillt  an. 
Nach  der  Heilung  ist  die  Stachelzellschicht  verdickt,  das  Pigment 
vermehrt,  das  Kollagen  verdickt  und  vermehrt  (Meirowski). 

Hasselbach  und  Jacobius  empfehlen  starke  Kohlenbogen-  Kohieubogei 
lichtbäder  bei  Angina  pectoris.  lichtbäder. 

Ueber  das  Sonnenlicht  liegen  einige  ernste  Arbeiten  vor.  Sonnenlicht 
Wiesner  studierte  seine  Wirkung  auf  Bakterien.  Bei  höherer 
Luftfeuchtigkeit  werden  sie  langsamer  durch  Licht  abgetötet,  als 
bei  Trockenheit.  Alle  Teile  des  Spektrums  wirken  bakterizid, 
daher  am  meisten  das  unzerlegte  weiße  Licht.  Hohe  Außentempe- 
ratur, wie  Gegenwart  von  Sauerstoff  erhöhen  die  bakterizide  Kraft. 
In  den  Wohnungen  spielt  die  Lichtdesinfektion  eine  untergeordnete, 
in  der  freien  Natur  eine  bedeutende  Rolle.  Die  Wirkung  des  Sonnen- 
lichts wird  nach  Widmer  durch  einen  trichterförmigen  Reflektor 
wesentlich  ( 50mal !)  vermehrt.  •  Der  Autor  heilte  damit  chronische 
Halsdrüsenfisteln,  Ulcera  cruris,  Herpes  tonsurans,  Decubitus,  tuber- 
kulöse Fisteln  und  einmal  einen  ulzerierten  Krebs  der  Hand.  Bern- 
hard sah  das  Sonnenlicht  bei  einer  Reihe  chirurgischer  Krank- 
heiten gut  wirken :  Tuberkulose  der  Haut,  der  Gelenke  und  Knochen, 
Quetschwunden,  schlecht  heilende  Geschwüre. 

Lenke i  wendet   Sonnenbäder   in   allen   Fällen,   wo   sonst  Sonnenbade 
warme  Bäder  verordnet  werden,  mit  Erfolg  an. 

Derselbe  u.  a.  (Herz,  Schneider)  rühmen  die  Luftbäder     Luftbäder. 
resp.  künstliche  Licht-,  Luft-,  Strombäder  (Schneider,  Herz). 

Zum  Schluß  seien  die  Untersuchungen  von  Werner  und  Lichtenberg 
über  die  spontane  Strahlung  der  Gewebe  erwähnt.  Narkose  setzt  Photoaktivit 
dieselbe  herab.  Aehnlich,  wenn  auch  etwas  geringer,  wirken  Sauerstoff-  *^^^  Gewebe 
inhalationen.  Das  Gehirn  lebender  Tiere  zeigt  ebenfalls  Strahlung,  wie 
die  überlebenden  Organe.  Durch  Cholin  wird  die  Gewebsstrahlung  wesent- 
lich vermehrt.  Durch  Injektion  von  Cholin  wird  bekanntlich  die  Eadium- 
wirkung  imitiert.  Es  scheint  also,  als  ob  die  Gewebsphotoaktivität  eine 
Rolle  dabei  spielt. 

Radinmtherapie. 

Aschkinas  hat  das  berühmte  Werk  von  Rutherford,  Die  Radio-  Lehrbuch, 
aktivität  ins  Deutsche  überäetzt.  Es  sind  darin  die  biologischen  Eigen- 
schaften der  Radiumstrahlen  weniger  berücksichtigt.  Wer  sich  darüber 
allein  unterrichten  will,  lese  lieber  das  Uebersichtsreferat  von  Lossen  Uebersiohtei 
und  die  Habilitationsschrift  von  Werner,  welch  letztere  auch  viel  Neues, 
für  die  Therapie  Wichtiges  enthält.  Es  sei  hier  daher  einiges  Nähere  aus 
den  Angaben  Werners  mitgeteilt. 

Jahrbuch  der  praktischen  Medizm.    i908.  5 


ImpÜudllch- 
keit  der 

Haut. 


;ie]£tlvltat. 


i 


i 


Im] »ti  ml  Hell- 
Tieit  mit 

ler  Gewebe 
fter  Haut 


prcitiqma- 
mi 


Die  Latenz  Periode  nach  Applikntioti  des  Kadiums  ist  bei  inikro- 
skopiacheF  Betrachtung  erheblich  kleiner^  als  wenn  man  wartet,  bia  mit 
bloßem  Äuge  erkennbare  Zeichen  von  Reaktion  aaf treten.  Ganz  kurze  Be- 
atrahlungen  führen  überhaupt  nur  zu  den  mikroekopiBch  auffindbaren  Ver- 
änderungen. Es  handelt  iich  dabei  um  Ansammlung  von  Leukozjten  und 
kapillare  Hyperämie.  Unter  üen  Bestand  teilen  der  Haut  erwiesen  Äich 
am  empfindlichsten  gegen  Radi  um  strahlen  die  Haarbälge,  dann  da« 
Rete  Malpighii.  Später  folgen  Driiaenepithel  und  Gefilöendothel.  Am  längiten 
leieten  Bindegewebe  und  glatte  Muakelfftieni  Widerstand.  Je  hdher  die 
Dosis  Radiumfitrahlen ,  deato  weniger  tritt  der  Unterschied  im  Verhalten 
der  genannten  Gewebe  hervor.  Die  primäre  Gefaßläsion  spielt  erst  hm 
starken  Einwirkungen  eine  Rolle,  insofern  die  Ernährungastdningen  der 
Gewehe  (sekundär)  in  den  Vordergrund  treten*  Die  Elekti?it£lt  der 
Strahlen  äteht  im  umgekehrten  Verbal tnia  zu  ihrer  Intensität  und  iin 
geraden  zu  der  Größe  der  Behandlungspauien.  Diese  dürfen  aber  nicht 
länger  gewählt  werden,  als  etwa  der  halben  Latenzzeit  der  vorhergehenden 
Exposition  entspricht,  wenn  mau  unnötige  Verluste  am  Gesamteffekt  ver*  _ 
meiden  will*  Daher  sollten  auch  die  späteren  Bestrahl ungen  in  Bezug  m 
auf  Dauer,  reap.  Intensität  allmählich  gesteigei't  werden.  Die  Eadium- 
Präparate  sind  untereinander  verschieden  und  müssen  jedes  für  ^ich  aus- 
probiert werden. 

Das  Epithel  der  Schleimhäute  widersteht  dem  Radium  länger 
ali  das  der  Epidermis,  Im  allgemeinen  gilt  der  Satz:  diejenigen  ZelleDf 
welche  au  lebhaftem  Wachstum  und  raschen  Teil ungsproz essen  befähigt 
sind,  erscheinen  am  empfindlichsten.  Doch  kommen  Ausnahmen  vor  (Leber, 
Nieren  etc.).  Die  Endotbelien  leisten  meist  den  StrHhlen  länger  Widerstand 
al^  die  Epithelien.  Doch  ist  das  Endothel  der  Lymphräume  sehr  hinfällig, 
Wunden  reagieren  stärker  auf  Radium,  wenn  die  Zellen  Vermehrung  Im 
Gang  ist,  als  zu  Anfang-  Die  Granulationen  sind  wenig,  frische  Narben 
mehr  als  alte  empfindlich*     Radium narben  verhalten  sich  umgekehrt. 

Unter  den  Erkrankungen ,  gegen  welche  Radium  gebraucht  i 
wurde,  steheE  oberflächliche  Karzinome  und  Lupus  vulgaris 
obenan.  So  bat  Leser  ein  karzinomatoses  Ulcus  des  Mundbodens 
in  T— 9  Wochen  mit  Hilfe  des  Eadiums  in  eine  gleichmäßige, 
schmerzlose  N'arbe  verwandelt.  Das  Ulcus  war  vorher  innerhalb 
7  Monate  trotz  energischster  Exatirpationen  bereite  4mal  wiederge- 
kommen. Viele  Ulcera  rodentia  sind  während  der  ganzen  Beobach- 
tungszeit,  welche  sich  zum  Teil  über  3  Jahre  erstreckt,  geheilt  ge- 
bheben. Nur  selten  führte  Radium  nicht  zum  Ziel  Dagegen  bringt 
es  bei  tieferen  Tumore»  keinen  Nut^n;  auch  kleine,  unter  der 
Haut  sitzende  Knötchen  werden  durchaus  nicht  sicher  verjagt.  Hei- 
lung   der   Paget   diseaee    wird    nur    gelegentlich    gesehen    (AI 


I 


Radiotherapiet 


67 


garie  rauß  energiscli  bestrablt  werden,  Veröinzelte  Knoten  lassen 
sicJi  leichter  behandeln,  ala  konfimerende  und  lupöse  Geschwüre, 
Gleichzeitige  Röntgenisation  kann  besonders  bei  den  hypertrophischen 
Formen  Nutzen  briDgen.  Oft  ist  auch  Kombination  mit  anderen 
Mitteln  augebracht  (Werner,  UlImaDü,  Crescenzo).  Lupus 
erythematodes  kam  mit  gelegentlichem  Erfolg  zur  Bestrahlung, 
z.  B.  durch  Crescenzo.  Derselbe  Autor  rühmt  auch  das  Radium 
gegen  Leukoplakie  und  Sklerose  des  Mittelohres  mit  Ohren- 
sausen nnd  Schwerhörigkeit,  —  vielleicht  daß  hier  die  durch  Ra- 
dium veranlalUe  Hyperämie  segensreich  gewirkt  hat.  Allerdings 
erstreckt  sich  die  nachweisbare  Tiefenwirkung  des  Radinm  nur 
wenig  über  1  cm,  bei  schwachen  Anwendungen  nur  auf  V^  cm.  Ein- 
fache Ängiome  kommen  verhältnismäßig  leicht  zum  Scliwindeu, 
Kavemome  erst,  wenn  sie  arugleich  methodiech  komprimiert  werden. 
Unter  einem  Taler  große  Kaevi  lassen  ßicli  beseitigen,  müssen  aber 
energisch  bis  ^ur  Ulzeration  bestrahlt  werden,  damit  das  Pigment 
nicht  wiederkommt.  Ebenso  müssen  Keloide  in  Angriff  genommen 
werden  (Werner)*  Handelt  es  sich  um  Äffektionen  des  Gesichts, 
darf  man  allerdings  nicht  vergessen,  daß  bei  energischer  Bestrah- 
lung später  Teleangiektasien  auftreten  können.  Diese  konnten,  wie 
schon  berichtet,  zom  Teil  durch  Licht  beseitigt  werden.  Lassar 
gibt  an,  eine  Röntgenverbrennnng  mit  Radium  geheilt  zu  haben. 

Die  Emanation  wurde  in  umfangreicherer  Weise  als  früher 
in  künstlichen  Wäasern  teils  als  Trink- ,  teils  als  Badekur  an- 
gewandt (vgl.  auch  8,  51  ff.).  Das  sogen.  „Radlogenwasser** 
kann  leicht  von  der  Eadiogengesellschaft  in  Oharlottenburg,  das 
„R  a  d  i  o  s  a  1"  von  den  Höchster  Farbwerken  bezogen  werden. 
Die  Radiumbäder  wirken  auf  die  Oelenke  ähnlich,  wie  die  Moor- 
bäder. Bei  chronischem  Gelenkrheumatismus  kommt  es, 
bevor  sich  der  heilende  Einfluß  bemerkbar  macht,  zu  einer  vor- 
übergehenden Verschlimmerung,  Falls  die  Kur  wiederholt  wird, 
pflegen  die  unangenehmen  Vorreaktionen  nicht  so  heftig  aufzu- 
treten. Empfindliche  Kranke  sollten  erst  Badiogenwasser  trinken 
und  inhalieren^  was  schonender  wirkt,  und  nach  Ablauf  der  ersten 
Reaktion  baden  (Larj[ueur,  Laqueur  und  L  owenthal). 
Die  Untersuchung  der  natürlichen  Mineralwässer  auf  Ema- 
nation wnrde  fortgesetzt,  Koch  gibt  eine  Ueberaicht  über  die 
Mineral riuellen  Württembergs,  Keine  Quelle  besitzt  mehr  abi 
3,1  Radiumgehalt.  Ueber  die  Radioaktivität  der  Tepliz-Schönaner 
Urquelle  berichtet  U  aus  er,  über  die  der  ^te  bener  Btahlquellen 
Hammer. 


Lupaa 
TuLg&rJi 


Lupu» 
erythematodes. 


Leukopl&kl 
Sklerose  <J 
Mittel  Ohr« 


Angioma. 
Naevi 


verbrenmu 
Emnuatioi 


Rndiogi 
RadioBol. 


Gi^lenk- 
rbemiiAtiHtniis 


Mineral- 
vvftaser« 


68 


Levy-Dorn* 


nd  Fermente 


Leititbins, 


Für  das  Verständnis  der  therapeutischen  Leistung  des  Radiums  ist  die 
KeiintniB  Heiner  Wirkung  anf  die  kleinsten  Lebewesen  und  Fer- 
mente nicht  ohne  Belang.  Man  fand,  daß  Trypanoapinen  sehr  wenig 
(Freund)  oder  gar  nicht  (Löwenthal  u.  Rutowski)  beeinflußt  werden., 
während  die  Röi>fcgenstrahlen  deutliche  Veränderungen  hervorriefen.  Der 
Äu<«fall  dieser  Versuche  zeif^t  wiederum.  daB  die  Strahlenarten  noch  im- 
aufklS^rhare  Unterschiede  in  ihrem  Wirken  aufweisen* 

um  Fermente^  wie  Pankreatin,  Pepsin,  RLdnüsaiimen  zu  zersetzen,  ge* 
brauchte  Werner  größere  Dosen,  als  um  eine  Reaktion  im  Organismm 
hervorzurufen.  Dasselbe  gilt  für  Lezithin.  Dagegen  ist  Lezithin  »chon 
nach  einer  verhältnismäßig  kurzen  Belichtung  fßr  Zersetzung  durch  Oxy- 
rbiUsiftrung  dation  oder  Fermente  empfänglicher.  Dies©  Labilisierutig  des  Lezithins  bringt 
tmö  in  der  Tat  den  Einfluß  dea  Radiums  auf  die  Gewebe»  welche  mehr 
oder  weniger  große  Mengen  Lezithin  enthalten»  dem  \'erstilndiiis  näher* 

Bdntgentherapiet 

Die  Literatur  über  Behandlung  mit  Röntgenstrahlen  ist  das  letzte 
Jahr  ungemein  breit  und  reichhaltig  geworden.  Den  Praktikern  wurde 
durch  Kienböck  ein  trefTiiebee  Handbuch  geschenkt,  das  sie  über  die 
biologischen  Grundlagen,  Anwendungsmethoden  und  Indikationen  in  zu* 
verlässiger  Weise  unterrichtet.  Ein  kurzer  Anhang  fügt  das  Wichtigst*? 
über  das  Radium  bei.  Obwohl  Kienböck  für  die  Dotierung  i^einen  Quanti* 
meter  in  den  Vordergrund  schiebt,  fio  erwähnt  er  doch  vieles,  was  den 
Leser  über  die  anderen  Dosierungsmethoden  bei  ehr  L  üeber  den  heutigen 
Stand  der  Röntgentherapie,  bezw.  über  die  biologischen  Wirkungen  der 
X-Strahlen,  geben  noch  Gottschalk«  Müller,  Los«en  u,  a.  eine  kurze 
Üeberaicht 

öslerang.  Der  jetzige  Stand  der  I>oaierungsfrage  wird  in  großen  Zügen 

durch  Erklärungen  der  Inten situtskommisaion  des  letzten  Röntgen- 
kongreages  gekennzeichnet:  Bei  therapeutiachen  Verfahren  BoUte  stets 
der  Härtegrad  angegebei}  werden;  irgend  eine  der  gangbaren  MelV 
methoden  —  direkte  oder  indirekte  —  soll  angewandt  werden.  Eine 
bestimmte  Dosierungsmethode  läßt  sich  zur  Zeit  nicht  in  den  Vorder- 
grund stellen.  Wird  die  Schwärzung  einer  photo graphischen  Schicht 
als  Maß  für  die  Wirkung  der  Röntgenstrahlen  angewandt,  so  ver- 
gleiche man  sie  mit  derjenigen  des  Lichtes  (Hefner- Kerze). 
Als  wiBBensohaftliche  Einheit  der  Gesamtmenge  der  Röntgenstrahlen 
wird  diejenige  eineB  Strahlen kege  1b  von  Winkelstellung  1  ange- 
nommen ^  welche  auf  ein  im  luftleeren  Räume  aufgestelltes  Platiii- 
blech  fallen  und  von  diesem  absorbiert  die  Elektrii$itätsmenge  1 
in  einer  Sekunde  erzeugt.  —  Schwarz  hat  seinen  FäHnngs- 
radiomet er  modifiziert.    Es  beruht  nach  wie  vor  auf  dem  Prinzip, 


I 

I 
I 


Radiotherapie.  69 

die  durch  Bestrahlung  bewirkten  Fällungen  in  einer  bestimmten 
Ammoniumoxalat-Sublimatlösung  zu  messen  und  hieraus  auf  die  Größe 
der  Einwirkung  zu  schließen.  Früher  geschah  es  volumetrisch, 
indem  man  die  Niederschläge  sich  absetzen  ließ.  Jetzt  werden  die 
Schlüsse  aus  dem  Vergleich  der  in  der  Lösung  hervorgerufenen 
Trübung  mit  einer  Testflüssigkeit  gezogen.  Der  Verfasser  unter- 
scheidet drei  Stufen,  denen  er  ein  willkürliches  Einheitsmaß 
(„Kalmelogen")  zu  Grunde  legt;  vgl.  Diskussion  mit  Freund.  — 
Das  von  Köhler  eingeführte  Messungsprinzip,  welches  auf  der  Pro- 
portionalität zwischen  Kathoden-,  Röntgenstrahlenenergien  und 
Wärmeentwicklung  beruht,  hat  zu  einer  interessanten  Zwiesprache 
zwischen  ihm  und  Walter  Veranlassung  gegeben.  —  Bergoniö 
empfiehlt  im  Sekundärkreis  neben  dem  Milliamp^remeter  ein  gutes 
elektrostatisches  Voltmeter,  z.B.  das  von  Hart  mann  und  Braun 
in  Frankfurt  a.  M.  zur  Bestimmung  der  Härte  und  Menge  der 
Strahlen  zu  gebrauchen.  Es  sind  hier  noch  größere  praktische  Er- 
fahrungen erforderlich.  —  Das  Selen,  welches  bekanntlich  bei  Be- 
strahlung seinen  elektrischen  Widerstand  ändert,  scheint  für  Mes- 
sungen von  Röntgenlicht  nicht  brauchbar  zu  sein  (Wert he im- 
Salomonsohn,  Bauer). 

In  Bezug  auf  die  Wirkung  der  Röntgenbehandlung  bei  Kar-  xarzin 
zinomen  haben  die  letzten  Jahre  trotz  des  Anschwellens  der  Ka-  ^^^ 
suistik  nicht  viel  Neues  gebracht.  Wenn  auf  dem  Kongreß  zu  Paris 
unter  ostentativem  Beifall  erklärt  wurde,  daß  jede  operable  maligne 
Geschwulst  operiert  werden  muß,  so  dachte  man  dabei  wohl  mehr 
an  das  Publikum,  als  an  die  Aerzte,  welche  fast  alle  —  von  gewissen 
Ausnahmefällen  abgesehen  —  auf  demselben  Standpunkt  stehen ;  man 
hatte  wohl  vergessen,  daß  auch  nach  den  Operationen  Rezidive 
die  Regel  sind.  Für  Gesichtskankroide ,  wo  das  kosmetische  Er- 
gebnis eine  große  Rolle  spielt,  leisten  die  Strahlen  mehr,  als  das 
Messer.  Sonst  bilden  sie  bei  karzinomatösen  Ulzerationen  und  vielen 
Sarkomen  ein  so  wesentliches  Unterstützungsmittel,  daß  ich  es  für 
einen  Fehler  halte,  sie  dort  nicht  anzuwenden.  Sie  sind  auch  als 
Nachbehandlung  nach  der  Operation  zu  empfehlen.  Ob  man  nach 
dem  Vorschlage  Manne urys  so  weit  gehen  soll,  die  Operations-  Bestrah 
wunden  eine  Zeitlang  offen  zu  halten  und  durch  sie  hindurch  öfters  zu  *^"*"^^  ^^ 
bestrahlen,  scheint  mir  zweifelhaft,  wenn  auch  einzelne  Erfolge  be« 
stechend  aussehen.  So  hat  Gray  einen  größeren  Blasentumor  von 
seinem  „handgelenkdicken  Stiel"  reseziert,  dann  durch  die  Wunde 
bestrahlt  und  schon  gegen  1  Jahr  anhaltende  Heilung  erzielt.  — 
Sehr  ausgebreitete  Ulcera  rodentia   können  durch  Bestrahlung  ge- 


70 


Levy-Dom, 


tutnoreu. 


heilt  werden,  wenn  nur  die  Neigung  zum  Wachstum  io  die  Tiefe  fehlt. 
Man  muli  Williams  recht  geben,  daß  große  Dosen  angewandt 
werden  müssen,  etwa  bis  gegen  die  Bermatitisgrenze.  Bei  einem 
Uebermaß  allerdings  wird  durch  die  geringe  Tendenz  der  Böntgen- 
geschwüre  Siur  Heilung  der  Zustand  verschlechtert.  Williams 
berichtet  über  ein  Spind elzelleiifibrosarkom  der  ParotiSt  das  bereits 
b^ji  Jahre  gebeilt  ist^  und  über  einen  kardn omatosen  Skirrhus  in  der 
Achselhöhle  mit  ülzerationT  der  4^^  Jahre  ohne  Rezidiv  geblieben 
iöt  (vgL  noch  Scholtz^  Harris,  Baryon). 

Ganz  vortrefflich  aseigt  sich  die  Wirkung  der  Röntgenstrahlen 
in  die  Tiefe  bei  einzelnen  Mediastinaltumoren.  V.  E  lisch  er 
und  Engel  haben  die  bisher  fast  fehlenden  SektioDsergebnisse  er- 
gänzt. Ber  eine  Kranke  blieb  ca.  1  Jahr,  der  andere  mit  medul- 
lärem Sarkom  längere  Zeit  geheilt.  Ea  fand  eich  an  den  bestrahlten 
Stellen  im  wesenlichen  Narbengewebe  mit  Spuren  von  SarkomzellenT 
starke  Vaskolarieation ;  die  reagierenden  GeBchwulatzellen  zeigen 
Karyorrhesiß  j  Karyo&chisis ,  Schwellung ,  Verlust  der  Färbbarkeit, 
kömigeo  Zerfall  n.  s,  w.  Die  lokale  Heilung  hatte  also  im  wesent* 
liehen  Bestand;  der  Tod  trat  durch  Metastasen  ein  (vgl.  auch 
^ujihdrüsen-  B a r d a c h z  i) .  Der  Einfluß  der  Röntgenstrahlen  auf  Lymphdrüsen- 
kraukuTigcH.  er  krankungen  springt  deutlich  in  die  Augen.  Es  ist  aber 
schwer  auseinanderzuhalten  j  wie  viel  beim  Kleinerwerden  der 
Geschwülste  auf  Kosten  der  eigentlichen  Drüsensnbstanz  oder  der 
kranken  Substanz  kommt.  Clark e  stellte  ansdrücklich  an  mehr 
oder  weniger  zur  Rückbildung  gebrachten  Lymphadenomen  fest, 
dalS  die  spezifischen  Zellen  meist  verändert  wurden  (Endotheloid 
und  Riesenzellen),  Üeber  wesentliche  klinische  Besserungen  be- 
richten Hall-Edwards,  Bardacbzi.  Derselbe  Gesichts- 
punkt gilt  bei  der  Beurteilung  der  Erfolge  bei  Bubonen  (Lass- 
neu r)  ^  skrophulösen  Drusen  ( V  i  1  a  n  o  v  a  ,  B  o  g  g  s).  Abszesse 
müssen  zugleich  chirurgisch  behandelt,  mindestens  aspiriert  werden. 
Die  Zahl  der  Stimmen  mehrt  sich  mit  Recht,  die  als  Ziel  _ 
fiir  die  Therapie  der  Leukamiker  nicht  lediglich  die  Ver-  fl 
minderung  der  Leukozyten  ^  sondern  die  Hebung  des  Allgemein- 
befindens betrachtet  wissen  wollen.  Am  wichtigsten  ist  die  Be- 
Strahlung  der  Milz,  wodurch  bekanntlich  auch  Fernwirkungen  auf  die  ■ 
anderen  blutbildenden  Organe  erzielt  werden.  Bei  der  lymphatischen 
Form  müssen  die  Driiaenpakete  besonders  vorgenommen  werden* 
Das  Verhültnis  der  einzelnen  Leukozyten  arten  zueinander  wird  bei  ■ 
der  myelogenen  Leukämie  weit  eher  verbessert,  als  bei  den  lympha- 
tischen.   Nephritiden  werden  so  selten  beobachtet ,   daß  man  dar&ti 


I 


teakÄtüiL^ 


Radiotherapie.  71 

denken  muß,  daß  es  sich  um  Zufallsbefunde  handelt,  zumal  sich 
Nephritiden  unter  der  Behandlung  besserten.  Die  Symptome  der 
Leukämie  pflegen  in  nicht  zu  weit  vorgeschrittenen  und  nicht  zu 
akut  verlaufenden  Fällen  mehr  oder  weniger  zu  schwinden.  Im  Anfang 
der  Behandlung  verschlimmert  sich  bisweilen  vorübergehend  der  Zu- 
stand (Mattigkeit,  Uebelkeit,  Gewichtsverlust,  Abnahme  des  Hämo- 
globins). Die  Anämie  der  lymphatischen  Form  wird  im  Gegensatz 
zu  derjenigen  der  myelogenen  gewöhnlich  nicht  gebessert.  Die 
Besserung  kann  Jahre  anhalten  resp.  auf  Jahre  durch  wiederholte 
Bestrahlungen  erhalten  werden.  Sowohl  durch  Verabfolgung  einer 
vollen  Dosis  in  einer  Sitzung,  wie  durch  häufige  Anwendung  kleinerer 
Dosen,  wurden  Erfolge  erzielt.  Eine  auf  14  eigenen  Fälle  beruhende 
Studie  lieferten  v.  Decastello  und  Kienböck,  von  anderen  Autoren 
seien  genannt  Epstein  (4  Fälle),  Heßmann  (1  Fall),  Bardachzi 
(3  Fälle).  Von  Jaksch  empfiehlt  statt  der  üblichen  Strahlen- 
filter eine  0,02  mm  dicke  Silberplatte  zu  benutzen  (vgl.  auch 
Abschnitt  III,  1,  i  dieses  Jahrb.).  Einfache  Milztumoren  ohne  Miiztun 
ausgeprägte  leukämische  Erscheinungen  können  ebenfalls  auf 
Röntgenstrahlen  reagieren.  Während  der  Kur  nur  wenig  ver- 
änderte Milzen  können  noch  lange  Zeit  hinterher  sich  weiter  ver- 
kleinern (Mendl). 

Für  die  Böntgenbehandlung  des  Lupus  eignen  sich  be-  Lupui 
sonders  die  hypertrophischen  und  ulzerativen  Fälle.  Dort,  wo  die 
Kompressionslinsen  zu  schmerzhaft  sind,  sowie  bei  Affektion  der 
Schleimhäute,  einschließlich  Konjunktiva,  kommen  die  Röntgen- 
strahlen in  erster  Linie  mit  in  Betracht.  Oft  sind  daneben  noch 
andere  Mittel  anzuwenden.  Die  erste  Behandlung  sei  bei  aus- 
gebreiteten Leiden  milde.  Wenn  in  dem  sich  bildenden  Narben- 
gewebe, wie  sehr  häufig,  lupöse  Inseln  verbleiben,  so  empfiehlt  es 
sich,  diese  besonders  kräftig  anzugreifen,  eventuell  bis  zur  Ne- 
krose. Dasselbe  gilt  für  die  von  vornherein  umschriebenen  Herde. 
Ha  11  er  hat  durch  das  eben  geschilderte  Vorgehen  unter  15  Lupus- 
kranken 12  geheilt  (zum  Teil  schon  3  Jahre).  Minimale  Tuber- 
kulindosen  unterstützen  die  Wirkung  (Hall-Edwards).  Weiter- 
hin berichteten  über  Lupus  und  andere  Hautkrankheiten  Dennatc 
Rieder,  Müller,  Boggs,  Scholtz.  Die  oft  vorzüglichen 
Erfolge  betrafen  folgende  Erkrankungen:  Chronische  Ekzeme,  dar- 
unter die  rissigen,  mit  Verdickung  der  Haut  einhergehenden,  von 
Vola  imd  Planta,  Psoriasis  (dauernde  Heilung  noch  nicht  sicher  fest- 
gestellt), Trichophytie,  Folliculitis  barbae,  Favus,  Liehen  ruber, 
Herpes   tonsurans,    Skrofuloderma ,    Akne,    Warzen  (besonders  die 


72 


Levy-Dorn. 


^eloide. 


waicheo  und  andarerseitd  die  6enÜ6a)|  flache  Angiome  der  Kinder 
(Feuermale  bei  Erwachsenen  reagieren  schlecht)^  Pruritus.  Behaarte 
Male  könnan  vorteilhaft  durch  Eöntgenstrahleti  verändert  werden ^ 
während  die  gewöhnliche  Hypertrichosis  im  Frauengeaicht  in  der 
Regel  nicht  mit  X* Strahlen  behandelt  werden  sollte.  Nach  Sievers 
heilen  Keloide  nur,  wenn  es  zn  Röntgen  ulzera  gekommen  -  Die 
sehneLlflten  Erfolge  werden  erzielt,  wenn  man  exzidiert  und  hinterher 


Fig.  8. 


f>. 


(AttüS  Ha^ßisch,  Jlündi.  mecl.  Wöohenachr,  nw7,  Nr,  u] 


iillfitioii 


bQi'k  Illose 


kräflbig  röntgent  Kromayer  behandelte  Schweißhände  mit  Gluck, 
Jakob  beseitigte  Urticaria  facti tia.  Bogron  studierte  das  Ana* 
sehen  der  durch  Böntgenetrahlen  entfernten  Haare.  Im 
Gegensatz  zur  Alopecia  areata  fehlt  die  Trichorrhexis,  besenartiga 
Auffaserung  im  radikulären  Teile.  Aui  der  Form  der  ausgefallenen 
oder  herausgezogenen  Haare  kann  man  auf  die  Intensität  der  sua- 
geführten  Bestrahlung  aehli eilen. 

Knochentuberkulose,   insbesondere  Spina   ventosa,    koon 


nach  ScholtÄ  (Granulationsschrumpf aüg ?)   zur  Heilung   koMmeu, 
Neuralgien  wurden  z*  B*  durch  Haret^  Paberj  Kiod er  günstig 
beeinflußt.   Budinger,  BoggSj  Faber  u*  a.  reden 
der  Röntgenbehandlung  bei  Morbus  Baeedowil  und 
Struma  das  Wort.    Bei   Prostata hypertrophie 
verschwinden  häufiger  die  Beschwerden,   der  Tumor 
(Parenchym)  wird  Ideiner^  auch  die  Harnbeschwerden 
lassen  nach.    Der  Eesidualharn   stellt  sich  aber  gewohnlieh  wieder 
ein.    Bie  Behandlung  ist  für  die  Kranken  unbequem^   wenn  keine 


Strumit  und 
Morbus 

Proatatu« 


74 


LcTj-Dora. 


Sierilitlt, 


tJlpOttfüÄ 


Blut  ItDll 

lutbitdendti 


tmd 


Bjatem  von  Druck  entlastet  wird.  Sie  verfügen  über  1  Tall.  Vor 
Urnen  haben  H. a y m o n d  und  0ramegna  eine  äbnüiche  Beobachtujig 
gemacht. 

Der  EinfluiS  der  Röntgenatrahlen  auf  die  Gravidität  iind 
Ovarien  wurde  bisher  nur  an  Tieren  festgestellt  (v>  Hippel  tind 
Pagenstecher,  Feller  und  Neumann)*  Schon  geringe  Be- 
strahlungen veranlassen  vorübergehende  Degeneration  des  uiireifen 
und  innensekretorischen  Pareachyms.  Die  TragEeit  der  Tiere  wird 
verlängert  resp.  unterbrochen.  Je  nach  der  Dosis  wird  der  Fötus 
resorbiert,  tot  oder  lebensschwach  mit  Mißbiidungen,  wie  Kolobom 
der  Iris,  Star,  geboren.  Es  ist  mithin  an  die  Möglichkeit  zu  denkaHj 
mit  Hilfe  der  Röntgenstrahlen  einen  Abortus  einzuleiten  oder  Steri- 
Utät,  z*  B.  bei  Osteomalazie,  herbeizuführen.  Die  Försterlingechen 
Befunde  über  Wachs tumsstörungen  nach  kurz  dauernden  Be- 
strahlungen von  Säugetieren  konnten  leider  schon  durch  Beobach- 
tungen an  Menschen  ergänzt  werden.  Hahn  beobachtete  bei  Xnaben 
mit  Lupus  nach  energischem  Röntgenisieren  partielle  Atrophie  im 
Gesicht.  Schmidt,  Barden,  Hasebröck  führten  entsprechende 
Studien  an  niederen  Tieren  aus. 

Bergoni^  und  Tribondeau  bestätigen,  daß  durch  die 
Edntgen&trahlen  bei  richtiger  Dosierung  nur  die  Elemente  der 
Samenbildung  zerstört  werden.  Die  Region  der  Sertolinischen 
Zellen  bleibt  erhalten,  deren  innere  Sekretion  also  wohl  mit  der 
Libido  zusammenhängt. 

Deber  den  Einfiuß  der  Strahlen  auf  daß  Blut  und  die  blutbilden- 
den Organe  sei  mit  Eöckaicht  auf  das  Verstäüduis  der  Leukämie  und 
muer  Therapie  folgendcH  erwähnt:  Die  untersuch uugen  von  Schmid  und 
Gerönne  mit  ultraviolettem  Licht  ergeben,  daß  aich  entgegen  der  bia- 
herigen  Annahme  die  kleinen  Ljmjihoayten  langer  im  Blut  intakt  halten, 
als  die  polj^nukleären  Leukozyten.  Die  bekannte,  bei  therapeutiachen  Maß- 
nahmen erfolgende  Abnahme  der  Ljniphozjten  könne  alao  nur  auf  In- 
FuffiüieuK  ihrer  Mutterorgane  benihen.  Nacla  Ziegler  enta?teht  durch 
iäoherte  Beatnihlung  der  MiU  eine  rayeloide  Umwandlung  derselben*  Die 
myeloide  Leukämie  beruhe  auf  einem  dauernden  Sehaden  dieser  Art.  Mao 
solle  daher  die  durch  X-Strahlen  verkleinerte  Müz  dabei  exstirpieren.  Nach 
Gaaes  verhalten  äicb  die  Lymphozyten  bei  Terschiedenen  Leukozytosen 
nicht  immer  gleich  hinfällig  den  X-Strahlen  gegenüber.  Die  Zeit,  in  welcher 
die  transitoriache  Hyperleukozytoae  nach  Beatrahhmgen  auftritt^  hängt  von 
dem  Orad  der  Bestrahlung  ab  (P  u  t  e  r  s  k  y).  Die  Blutventnderungen  werden 
durch  Einwirkung  auf  die  Blutbildner  herbeigeführt  (PatriceUi).  Die 
Harnsäure  und  die  Purinbasen  nehmen  im  Urin  wie  im  Bht  nach 
Bestrahlungen  zu.    Ebenso  wirkt  diu  Serum  bestrahlter  Menaabeu  und  Tiere 


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Radiotherapie.  75 

(Lina  er  und  Sick,  Kontroverse  mit  Klie  neb  erger).  Auf  nephrekto- 
mierte  Tiere  wirken  die  Strahlen  nach  Schmidt  und  Gerönne  in  dem- 
selben Sinne,  aber  erheblich  stärker.  Dies  spricht  vielleicht  für  ein 
Köntgenleukotoxin,  das  durch  die  Nieren  abgeschieden  wird. 

Die  Berichte  über  Schäden  nach  Röntgenbestrahlungen  Röntgen 
sind  verhältnismäßig  zahlreich,  was  wohl  mit  ihrer  erheblichen  schaden. 
Zunahme  zusammenhängt.  Ueber  Ulcera,  die  schwer  oder  gar 
nicht  heilen,  erfahren  wir  von  Mendl,  Sayle,  Lang.  Ein  Ge- 
schwür besteht  schon  über  3  Jahr.  Wichtig  ist  die  Erfahrung  von 
Lang,  daß  T  hier  sehe  Transplantationen  in  den  ersten  Monaten 
nicht,  jedoch  später  halten  können.  Allgemeinerscheinungen  tox- 
ämischer  Natur,  wie  Fieber,  Erbrechen,  Diarrhöen,  Kollaps  wurden 
von  Hub  er  und  Engel  auf  die  Bestrahlung  zurückgeführt.  Es 
muß  meines  Erachtens  dahingestellt  bleiben,  ob  es  sich  hier  nicht 
doch  nur  um  Folgen  der  Krankheit  handelte.  Fricke  beobachtete 
eine  „Toxicodermie" ,  ein  psoriasiformes,  seborrhoisches  Ekzem  mit 
palmarer  und  plantarer  Hyperkeratose,  das  sich  unter  leicht  fieber- 
haften Erscheinungen  akut  entwickelte.  Schnelle  Heilung  unter  bläu- 
licher Verfärbung  von  Hand  und  Füßen.  Es  entstand,  als  die  lokale 
Reaktion  bereits  ihre  Höhe  erreicht  hatte.  Die  bekannte  Frühreak- 
tion führt  Beclere  auf  die  weiche  Sekundärstrahlung  von  der  Glas- 
wand der  Röntgenröhre  (resp.  den  Rand  der  Radiumkapsel)  zurück. 

Heile  meint,  daß  die  Röntgenstrahlen,  wie  eine  Reihe  anderer  Erkiämn 
Mittel  aus  den  Leukozyten  verdauende,  fibrinlösende  Fermente  er-  ^.^^^ 
zeugen,  dadurch  die  kranken  Stoffe  zerstören  und  zur  Resorption 
bringen.  Er  empfiehlt  daher  eine  Kombination  solcher  Mittel,  um 
die  Wirkung  zu  steigern.  So  hat  er  vorzügliche  Erfolge  bei  Kno- 
chentuberkulose gesehen,  indem  er  Stauung,  Tuberkulin  und  geringe 
Bestrahlung  zugleich  anwandte. 

Die  intratumorale  Bestrahlung  von  Strebel  wird  mit  intratumoi 
einem  Röntgenrohr  ausgeführt,  dessen  Antikathode  in  einem  schmalen  Bestrahiui 
Tubus  sich  befindet.    Dieser  soll  nach  Inzision  in  den  Tumor  ein- 
geführt werden,  was  Autor  hoffentlich  nicht  ausgeführt  hat. 

Mit  Hilfe   des   Bestrahlungskonzentrators  von  Werner  Bestrahiui 
kann  man  mehrere  Röhren  zugleich  aus  verschiedenen  Richtungen  konzentra 
auf  einen   Herd   konzentrieren,    um   die  Haut  schonen   und  mehr 
Strahlen  in  die  Tiefe  senden  zu  können. 

In  den  ungenügend  erprobten  Röntgenlichtbädern  (Ber-  Röntgenii< 
gonii)  wird  der  Kranke  über  seine  ganze  Körperoberfläche  mit  ^*^®''- 
Ausnahme  des  Kopfes  und  der  Genitalien  zu  gleicher  Zeit  bestrahlt. 

Zum    Schutz  des  Arztes    haben  Levy-Dorn    und    Schiele 


76 


LeYy-Dorfl, 


bnüs  des    Sohutzkäfiten    für  die    KöntgeDrohre   angegeben .     Haesetiau 
«nc  evs    ^^^  Davidsöhn  bringen  den  Patienten  samt  Röhre  in  einen  durch 
Schatzwaod  abgegrenzten    Raum  und  beobachten   durch  einen  ge- 
eignet anfgestellten  Bpiegel. 


LlterataFi 

Pboiotherapie. 

Axmftaa,  ßcieitiguiig  der  durch  Radium  bewirkten  GeflBei'weite^ 
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phyiik*  Ther.  —  Levy-Dorn,  Radiologisches  Institut  dea  Rudolf  Vi rchow- 
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Radiotherapie.  77 


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78 


Levy'Dom. 


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Blutzellen  nach  Mikrophotographie  mit  ultraviolettem  Licht*  Fortschritte 
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mierte  Tiere,     Münch.   med,  Wochenschr,   —   Scholtz*   Nene   Indikation 


I 


I 


Radiotherapie.  79 

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lösung ,  Fällungsradiometer.    Fortschritte  d.  Röntgenstrahlen  Bd.  XI,  H.  2. 

—  Sievers,  Keloide.  Mediz.  Ges.  zu  Leipzig,  15.  Jan.  —  Tatrasky, 
Einwirkung  aufs  Blut.    Zeitschr.  f.  med.  Elektrol.  u.  Röntgenkunde  H.  1.  2. 

—  Ulimann,  Lupus.  Wien,  dermat.  Ges.,  21.  Nov.  1906.  —  Vilanova. 
Skrofulöse  Drüsen.  Revisi  d.  medic.  y  cir.  Nr.  12.  —  Walther,  Strahlungs- 
regionen der  Röhren.  Fortschritte  d.  Röntgenstrahlen  Bd.  XI,  H.  5.  — 
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zinom imd  Sarkom.  Lancet,  p.  211  (26.  Jan.).  —  Ziegler,  Isolierte  Milz- 
bestrahlungen.   Zeitschr.  f.  med.  Elektrol.  u.  Röntgenol.  H.  3. 


yterEitur 


o&^AnoE?, 


Mit  HückBicht  auf  die  Bibliographie  ist  das  Erscheinen  einea  neu 
„Lehrbuchs  der  Arzneimittellehre'^  ^u  erwähnen,  dap,  von  R.  Hein^  heraus- 
gegeben  i  bei  Fischer  in  Jena  erschien  und  in  trefflicher  Weiie  anch  die 
praktiachen  Bedürfnisse  berücVaichttgt.  B'erner  iet  das  bekannte  v.  Tap* 
peiner  sehe  Lehrbuch  in  neuer,  6.  Auflage  erichicnen  und  ebenfalls  in 
6.  Auf  kge  dtis  Kompendium  der  Arznei  Verordnung  von  0.  Liebreich  umi 
A.  Langga^^rd  (Berlin),  beides  schon  gut  eingeführte  Werke.  Das  Werk 
von  Hermann  Hildebrand,  ^Neuere  Arzneimittel*  (Leipzig),  bezieht  sich 
namentlich  imf  die  Bedeutung  der  chemischen  Konsititution  für  die  Wirkung 
neuer  Medikamente.  Femer  sind  noch  erschienen:  Max  Kahane  und 
Frans  Pietschman,  Die  gebräuchlichen  Verordnungen  im  Wiener  All- 
gemeinen Krankenhaus  (Berlin)]  H,  v.  Hajek,  Die  Unverträglichkeit  der 
Arzneimittel  (Wien)  und  0.  v.  Lengerken,  Handbuch  neuerer  Arznei- 
mittel (Frankfurt)  I 

Fast  jedea  Jahr  ist  es  eise  G^rapp©  der  allgemeinen  Therapie^ 
die  ein  spesieUes  InteresBe  bsaiisprueht  ^  entweder  durch  die  Inten- 
sitÄt,  mit  der  man  sich  in  die  Detaüwirkung  bekannter  Mittel  ver* 
tief^  hat,  oder  dann  durch  Einführung  gänzlich  neuer  ^  oder  wenig- 
stens neuer  Formen  von  Medikamenten.  Wenn  die  Nachprüfungen 
dem  recht  geben ,  was  die  betreffenden  Autoren  uiitgeteilt  haben, 
80  stehen  wir  dieses  Jahr  einem  entschiedenen  Fortschritt  auf  dem 
Gebiet  der  Infektionsbehandlung  gegenüber.  R.  Emmerich  hatte 
die  Beobachtung  gemacht,  daß  Pyozyaneuskulturen  anfanglich 
nach  wenigen  Tagen  eine  dicke  Bakterienhant  an  ihrer  Oberfläche 
bilden»  diOj  wenn  sie  durch  Schütteln  zerrissen  an  den  Orutid  des 
Kolbens  gesunken  ist,  in  wenigen  Tagen  duich  eine  neue  ersetzt 
ist  Nach  3-4  Wochen  hört  dann  aber  diese  Neubildung  auf,  und 
auch  die  früheren  zu  Boden  gesunkenen  Membranen  verschwinde 
nach  und  nach.  Es  muß  sich  also  in  der  Kultur  ein  sehr  wirksames 
Enzym  gebildet  haben,  das  unlöslich  in  den  Bazillenleibern  enthalten 
gewesen  ist.  Diese  Fjosyanase  läßt  sich  keimfrei  durch  Filtration 
solcher  alter  geschüttelter  Kxxlturen  gewinnen,  und  sie  hat  eine  merk* 
würdig  polyvalente  Eigenschaft,  indem  sie  nicht  nur  den  Pyozyaneua 


J 


Pliarmak  ü  t  li  erapi  L\ 


81 


abtütet  und  auflöBti  sondern  aucJi  Diphtherie-^  Typhus-,  Fest-j  Milz*  Pyos^jaiu 
branderreger,  Staphylo-  und  Streptokokken.  Damit  würde  sich  also 
die  Pyozyanase  nicht  mehr  als  Bpezifisches,  aoodern  als  allgemeineres 
Ferment  charakt^^risieren,  das  hauptsächlich  Bakterien  mit  fettarmer 
Hülle  anzugreifen  vermag.  Mit  diesem  Präparat  wurden  ausgedehnte 
Versuche  zunächst  bei  Diphthene  gemacht.  Schon  in  vitro  findet  in 
Bouillonkulturen  eine  massenweise  Ahtötung  der  Bacillen  durch  die 
Pyozyanase  statt,  von  denen  nach  24  Stunden  nur  noch  die  Kerne 
übrig  bleiben.  Auffallend  ist  nun*  daß  dieses  Enzym  auch  das  Diph- 
theriegift zu  binden  im  stände  sein  soll;  es  ist  dies  ohne  Zuhilf e- 
nähme  des  Organismus  ein  völliges  Novum  in  der  Antitoxinlehre. 
Auch  die  lokalen  Eutz Lind ungs Vorgänge  bei  Diphtherietoxineinsprit- 
zung  werden  bei  gleichzeitiger  Anwendung  des  Enzyms  verhindert; 
dal^  auch  die  Membranen  bei  Patienten  unter  Icräftiger  Applikation 
rasch  verschwinden,  ist  wohl  bei  dem  eiweißlösenden  Ferment- 
Charakter  das  wenigst  Auffallende;  es  scheint  daher  auch  gleich- 
gültig, ob  die  Infektion  rein  diphtherisch  gewesen  oder  ob 
Streptokokken  mitgeholfen  haben.  Es  zeigte  sich  im  Vergleich  zur 
ßeromwirkung  ein  deutlicher  Unterschied,  indem  dort  die  Membranen 
meist  in  toto  abgestoßen  werden ,  während  hier  eine  langsam  fort- 
Äch  reiten  de  Verdauung  an  der  Peripherie  einsetzt  und  die  Mem- 
branen einschmilzt.  Die  praktische  Anwendung  gestaltet  sich  so, 
daß  in  den  Mund  des  Kindes  mit  dem  Emmerich  sehen  Zerstäuber 
1-3  ccm  Pyozyanase  auf  die  erkrankten  Stellen  gebracht  werden. 
Oiese  Operation  soll  nach  Schwere  des  Falles  ä-  Omal  am  Tage 
wiederholt  werden.  Auffallend  ist  bei  allen  den  mitgeteilten  Kranken- 
geschichten der  sehr  rasche  Temperaturabfall  und  die  baldige  Wieder- 
kehr des  Wohl beÜn den s ,  was  sich  ja  nur  durch  die  Toxinbindung 
erklären  lälU,  Man  muH  also  annehmen^  daß  die  Pyozyanase  rasch 
von  den  Backenech  leim  häuten  aus  resorbiert  werde,  ein  für  Eiweiß- 
korper  etwas  auffallendes  Verhalten^  leider  sind  über  die  Kesorp- 
tionsyerhältnisBe  keine  weiteren  Mitteilungen  gemacht.  Auffallend 
ist  ferner,  dali  auch  Kehlkopfdiphtherie,  wohin  doch  nur  wenig  Zer- 
sl&ubungsüüssigkeit  gelangen  kann,  so  rasch  gehemmt  werden  soll. 
Es  UeJi  sich  aber  mehrfach  die  unmittelbar  notwendige  Tracheotomi© 
auf  diese  Weise  umgehen.  Nebenerscheinungen  wurden  nicht  be- 
obachtet. Es  fragt  sich,  wie  die  Stellung  des  Enzyms  zum  Diph- 
therieserum sein  wird  ?  Die  Wirkungen  sind  jedenfalls  so  prinzipiell 
verachieden,  dat)  man  kaum  das  eme  für  das  andere  einsetzen  kann. 
Ea  ist  daher  wohl  auch  das  richtigöte,  was  auch  Emmerich  an- 
deutet^ daJI  man  mit  den  8eru  mein  spritzungen  fortfährt  und  daneben 
Jjibrbucb  der  pruktiicb^n  Medj^ia.    m*^  ^ 


82 


Cloetta, 


fOJEjinft^e  die  lokalen  Erichein un gen  mit  der  Fjo^yanase  zu  hebea  ver^nchti 
was  ja  sclmelW  zu  ge^cheließ  scheint ,  als  bei  Seram  aUeii],  Es 
wird  dadurch  die  lästige  SekundärinfektioD  mit  Btreptokokkeü 
wesentlich  verringert,  und  darin  dürfte,  das  Wesen  der  Pyo^yanase 
nach  allgemein« chemischen  Begri^en  beurteilt,  wohl  auch  der  Haupt- 
wert  der  Mittel  beruhen.  Das  Präparat  ist  erhältlich  vom  Labora- 
torium Lingner  in  Dresden.  Ueber  ein  Serum  von  noch  größerem 
Eütächmaiiöö  Wirkungsgebiet  berichtet  Deutschmann.  Durch  Vorbehandlung 
[Heiketum.  y^jj  Tieren  mit  Hefe  bekommt  ihr  Serum  stark  an ti toxische 
Wirkungen.  Therapeutisch  wurde  es  gegen  Staphylo-  und  Strepto- 
coecusiDfektionen  versucht ,  gegen  Angina ,  Masern ,  Scharlach, 
Typhus,  Furunkulose j  Ekzem  n*  s.  w.  Die  verabreichten  Dosen 
schwankten  nach  dem  Alter  des  Patienten  und  der  Schwere  des 
Falles  zwischen  0,5— 4  ccm.  Die  Injektion  wurde  2 — 4mal  wöchent- 
lich wiederholt.  Die  allgemeinen  Seramnebenwirkungen  treten  auch 
hier  naitunter  auf;  bei  starker  lokaler  Reaktion  gibt  man  die  doppelte 
Menge  ins  Hektnm.  Es  werden  Krankengeschichten  von  Pneu- 
monien mitgeteilt ;  dann  namentlich  schwere  Verletzungen  des  Auges 
mit  beginnender  Panophthalmie,  bei  welchen  unter  Anwendung  des  ■ 
Serums  die  drohende  Enukleation  umgangen  werden  konnte.  Deutsch* 
mann  macht  leider  gar  keine  genaueren  Angaben,  wie  er  sich  das 
Wesen  dieser  Wirkung  vorstellt.  Wenn  man  erwägt,  wie  schwierig 
es  ist,  nur  für  Streptokokken  polyvalente  Sera  zu  gewinnen, 
wie  schon  einzelne  Tierpassagen  eines  Stammes  Ihn  für  die  Ge- 
winnung eines  beim  Menschen  wirksamen  Serums  unbrauchbar 
machen,  so  erscheint  es  schwer  verständlich,  wie  durch  Einfiihrnng 
eines  einzelnen,  wenig  pathogenen  Mikroorganismus  ein  so  poly- 
valentes Serum  gewonnen  werden  könne.  Es  müßte  denn  sein,  dal? 
die  Opsoninlehre  auch  hier  erlösend  in  die  theoretische  Lücke  ein- 
springen würde.  Jedenfalls  darf  man  auf  weitere  Mitteilungen  über 
dieses  Serum  gespannt  sein.  Es  ist  vom  Laboratorium  Kuete* 
Enoch^  Hamburg,  zum  Preise  von  Mk,  2,20  pro  2  ccm  zu  beziehen. 
Ueber  einen  günstig  verlaufenen  Fall  von  schwerer  puerperaler 
Pyimie  berichtet  Bewersdorff.  Die  Temperatur  stieg  bis  40,3, 
zahlreiche  Schüttelfröste  ließen  eine  schwere,  wiederholte  Infektion 
annehmen.    Es  wnrdeti  an  zwei  Tagen  nacheinander  je  10  ccm  des 

«ptokükkeii-Menz ersehen  Antietreptokokkenserums  in  den  Oberacheakel 
injiEiertj  nach  der  ersten  Injektion  noch  ein  Schüttelfrost,  von  da  ab 
sofortiges  Sinken  von  Temperatur  und  Puls  und  Wiederherstellang 
in  10  Tagen  ^   Bei  der  Einheitlichkeit  des  Erregers  sollte  man  wi 
stens  erwarten,  daß  beim  Tetanus  die  Serumhehandlung 


I 


Pharmakotherapie. 


83 


Indikationen  gezeitigt  habe.  Der  Umstand,  daß  zwei  Autoren  das  Tetanus- 
Gegenteil  bei  demselben  Serum  beobachteten,  spricht  nun  allerdings  «erum. 
nicht  für  diese  Klärung.  Federschmidt  hat  bei  einem  10  Tage 
lang  schon  bestehenden  Tetanus  3  Tage  hintereinander  je  30  A.-E. 
des  Höchster  Serums  subkutan  eingespritzt  und  nach  der  dritten 
Injektion  eine  auffallende  Besserung  beobachtet,  die  dann  in  de- 
finitive Heilung  überging.  Umgekehrt  hatte  Urban  bei  3  Fällen 
gar  keinen  Erfolg  von  dem  Serum  gesehen;  im  Gegenteil  er  glaubt, 
daß  die  Injektion  von  20  ccm  Serum  sogar  den  rascheren  Tod  her- 
beigeführt habe,  indem  die  Krämpfe  danach  sich  steigerten.  Auch 
in  einem  Fall,  wo  prophylaktisch  20  ccm  eingespritzt  worden  waren, 
entwickelte  sich  ein  voller  Tetanus  14  Tage  später,  der  erst  in  Hei- 
lung ausging,  als  die  breit  eröffnete  Wunde  gründlich  mit  1^/oigem 
Argentum  nitricum  gespült  wurde.  Auch  Friedländer  sah  nach  An- 
wendung des  Höchster  Serums  in  Stärke  von  100  A.-E.  heftige 
Konvulsionen  und  Tod  eintreten.  Als  ein  wesentlich  harmloseres 
Mittel  wird  gegen  Streptokokken  bei  Erysipelas  von  A.  Rose  Erysipel- 
das  permanente  warme  Wasserbad  empfohlen,  wenn  die  Extremi-  ^«^»»»»^1^8 
täten  befallen  seien;  es  sollen  damit  viel  bessere  Resultate  erzielt 
werden  als  mit  Karbolumschlägen.  Unter  den  antiparasitären  Mitteln 
scheint  sich  das  Atoxyl  mehr  und  mehr  breit  zu  machen.  Neben  Atoxyi. 
den  Trypanosomen  soll  es  jetzt  auch  Malaria  und  Syphilis  beseitigen. 
Es  erscheint  daher  angezeigt,  darauf  hinzuweisen,  daß  das  Atoxyl 
keineswegs  ein  harmloses  Mittel  ist,  wenn  auch  mitunter  auffallend 
große  Dosen  vertragen  werden.  Waelsch  beobachtete  nach  24  In- 
jektionen von  im  ganzen  2,64  g  Atoxyl  Fieber  bis  38^,  Mattigkeit, 
Elratzen  im  Hals,  namentlich  aber  starken  Harndrang,  und  ebenso 
berichtet  Breuning  über  2  Fälle  von  Vergiftung,  bei  denen  eben- 
falls neben  Schwerhörigkeit  starke  Urinretention  im  Vordergrund 
stand.  Es  erscheint  somit  jedenfalls  das  Atoxyl  nicht  das  harm- 
lose Mittel  wie  Quecksilber  zu  sein.  Bei  diesem  letzteren  kommt  es 
eben  auch  sehr  auf  die  Darreichungsform  an.  Am  besten  erscheinen 
heute  die  Injektionen  von  Hydrargyrum  salicylicum,  nur  muß  Hydrargyrui 
das  Präparat  staubfein  hergestellt  werden  (Merck)  und  soll  am  «aücyiicum 
besten  mit  Glyzerin  zuerst  angerieben  und  dann  erst  Wasser  zugesetzt 
werden.  Untersuchungen  über  das  Verhalten  solcher  Injektionen 
liegen  von  L.  Freund  vor;  die  Resorption  ist  nach  3 — 4  Tagen 
schon  voll  im  Gange,  nach  10  Tagen  meist  beendet;  man  wird  daher 
in  praxi  gewöhnlich  0,1  g  alle  4  Tage  einspritzen  können,  um  eine 
gleichmäßige  Wirkung  ohne  Kumulationsgefahr  erzielen  zu  können. 
Daß  die  Beobachtungen  über  Herzmittel  immer  noch  im  Vorder- 


Cloetta^ 


[firzmiiteh   grund  des  InteresBes  stehen,  entspricht  ihrer  fundamentalen  Bedea- 
tüBg  in  der  gesamten  Therapie.   Immer  enger  zieht  sich  glücklicher* 
weiße  hier  der  Kreis  der  Indikatiooen  und  Kontraindikationen   und    _ 
die  Art  der  Anwendung  der    einzelnen    Mittel     Teich  mann    hat  fl 

Bigttlent  die  Wirkungen  des  D  i  g  a  1  e  n  a  an  75  fällen  genauer  verfolgt*  Das 
Optimuxn  der  Wirkung  erzielt  uiau  bei  täglich  3  1  ccm  innerlich ; 
die  subkutane  Injektion  ist  zu  verwerfen,  aufs  wärmste  zu  empfehlen 
die  Xottmannsche  intravenöse  Injektion.  Es  stellte  sich  bei 
dieser  Anwendungsform  als  Optimum  die  Dosis  von  4  ccm  heraus; 
eine  Einspritzung  kann,  wenn  nötig,  am  folgenden  Tag  wiederholt  ■ 
werden.  Das  Digalen  zeigte  seinen  Digitoxinchar akter  deutlich  in 
der  prompten  Gefälikontraktion ;  diese  bildet  die  Hauptgefahr  bei 
schwerer  Koronarsklerose  oder  Herzdegeneration  ^  weil  dann  dar 
Widerstand  zu  groü  wird  und  das  Herz  plötzlich  erlahmt ;  es  bilden 
daher  diese  Zustände  eine  Kontraindikation ,  oder  dann  müssen 
gleichzeitig  gefäßerweiternde  Mittel,  namentlich  Theo bro min präparate 
gegeben  werden.  Kottmann  hatte  in  seiner  ersten  Mitteilung  die 
Verabreichung  von  grolien  Dosen  Digalen  intravenös  bis  zu  15  ccm 
auf  einmal  empfohldn.  Ohne  daß  ein  Unglücksfall  vorgekommen  tst^ 
warnt  er  nun  doch  vor  solch  großen  Mengen,  da  nach  Injektion 
von  Ofi  mg  Strophantin  ein  plötzlicher  Herztod  beobachtet  wurde. 
Er  glaubt  auch^  dali  Dosen  von  2  ccm  vollauf  genügen,  am  eine 
deuthche  Wirkang  hervorzurufen;  er  betont  namentlich  den  diagno< 
atißohen  Wert  solcher  Einsprits'^ungen.  Man  kann  zum  voraus  nicht 
wissen,  ob  ein  Patient  gut  auf  Digitalis  reagieren  wird ;  um  keine 
Zeit  zu  verlieren,  spritzt  man  1  —2  ccm  Digalen  intravenös  ein  und  J 
wartet  den  Effekt  ab;  wenn  er  günstig  ist^  so  wird  die  eigent*  I 
liehe  Digitalistherapie  eingeleitet.  Auch  bei  sehr  schweren  Stö-  ' 
rnngen  genügt  die  Dosis  von  !2  ccm,  um  in  kurzer  Zeit  eine  erheb- 
liehe  Besserung  herbeizuführen.  Jedenfalls  wird  auf  diese  Weise 
alle  Gefahr  für  den  Patienten  vermieden;  es  scheint  mit  Kücksicht 
auf  die  früheren  großen  Dosen  und  die  jetzigen  viel  kleineren  dem 
Digalen  eine  große  therapeutische  Dosenbreite,  d.  h.  geringe  Gift- 
gefahr innezu wohnen.  Nigoul  betont,  daß  man  bei  der  Droge 
sehr  oft  gezwungen  sei,  den  therapeutischen  EflFekt  in  einer  begin* 
nenden  Vergiftung  zu  suchen;  diese  unangenehme  Situation  falld 
beim  Difi;alen  weg,  weil  der  Arzt  das  Medikament  und  seine  Wir- 
kung genau  dosieren  und  somit  auch  den  Patienten  in  seiner  Hand 
halten  könne.  Bei  protrahierter  Digalendar reichung  hat  Achert 
keine  Kumulation,  sondern  nur  gute  Wirkung  gesehen.  Eine  ein- 
gehende Besprechung  der  sämtlichen  Herzmittel  liegt  von  R,  Fr  ied 


Kampfai? 


Koffein, 


r§nder  vor.  Er  unterscheidet  zwei  Gruppen:  eineraeita  Digitalis- 
körper  —  andererseits  Kampfer,  Koffeio^  Alkohol.  Uaber  diese  letz* 
teren  Sabstauzen  sind  die  Akten  immer  noch  imvoUst&ndlg^ 
K  a  m  p  f e  r  übt  eine  erregende  Wirkung  auf  das  Zentralnerven- 
system aus^  erweitert  die  peripherischen  Gefäiiej  scheint  auch  auf  den 
Herzmuskel  giinstig  einzuwirken^  jedenfalls  aber  anders  als  Digitalie ; 
in  älmlicher  Weise  wirkt  anch  Koffein  erregend  und  ebenfalls 
gefälierweiternEi  (aus  diesem  Grunde  werden  die  besten  Resultate 
ernelt  bei  gleichzeitiger  Verabreichung  von  Koffein  +  Digitoxin, 
weil  dann  die  Gefaßkontraktion  an  den  Koronarien  nicht  zum  Aus- 
druck kommt).  Für  den  chronischen  Kampfergebratich  empfiehlt 
Friedländer  die  Kombination  mit  Eisen  und  Arsen  in 
Pillenform.  Auffallend  ist^  daß  Kampfer  gar  nichts  leistet  bei  der 
uigentücheu  Herzinsuffizienz;  dagegen  scheinen  die  Resultate  bei 
den  schwachen  Herzen  der  Tuberkulösen  gut  zu  aeiB,  Am  wenigsten 
hat  sich  bei  Alkohol  eine  deutliche  Herzwirknng  nachweisen  lassen. 
Die  Besültatfi  sind  wohl  meist  iadirekte  durch  Gehirnwirkuug  oder 
durch  Gefäß  er  Weiterung,  Es  ist  daher  Alkohol  eigentlich  nur  bei 
leichteren  Kollapszuständen  sicher  wirksam,  lieber  die  Wirkung 
der  Herzmittel  bei  Chloroformnarkose  liegt  eine  experi- 
mentelle Untersuchung  von  Kabatechnik  vor,  wobei  festgestellt 
wurde,  daß  die  Blutfirucksenknng  bei  Chloroformnarkose  in  der 
Hauptsache  Gef&ßwirkun^  sei  mid  daß  bei  diesen  Zuständen  Kampfer- 
tnjektionen  gansi  versagen.  Wenn  in  praxi  Besserungen  beobachtet 
werde  ^  so  sei  das  anf  die  Entfernung  des  Chloroforms ^  aber  nicht 
auf  die  Wirkung  der  Kampferinjektioii  zurückzuführen.  Bei  solchen 
Zirkulationelähmungeu  ließen  nur  Koffein  und  Digitalis  liu  Form 
von  Digaleninjektiouen)  einen  Erfolg  erkennen  ^  und  zwar  leistete 
auch  hier  die  Kombination  beider  Mittel  das  Beste.  lieber  intra- 
vendse  Strophanthininjektion  berichtet  Hedinger;  es  wurde  stFophÄixtiiin. 
meist  1  mg  auf  einmal  eingespritzt;  die  sonst  so  oft  beobachtete 
Fieberbewegung  wurde  bei  den  sterilen  Ampullen  vermißt,  ist  also 
wahrscheinlich  nicht  dem  Mittel  als  solchem  zuzuschreiben;  dagegen 
konnte  Schönbein  auch  bei  den  Ampullen  noch  Fieber  beobachten* 
Die  Wirkung  tritt  schnell  ein,  sie  entspricht  bei  allen  geeigneten 
Fällen  der  vollen  Digitalistherapie;  das  Mittel  hat  Kumulativ- 
wirkungen,  die  Injektionen  dürfen  daher  nur  in  größeren  Abstanden 
wiederholt  werden.  In  ausgedehntem  Maß  hat  auch  Starok  die 
intravenöse  Strophanthininjektion  angewendet.  Er  ist  dabei  sogar 
biß  auf  1,25  mg  pro  doai  gegangen  und  hat  fast  keine  Neben- 
emcheinungen  beobachtet.    Der  Effekt  trat  stets  sehr  rasch  ©in,  die 


Alkohol, 


bei 
Cülüiofori 


8Ü 


Cioetta. 


ophaotiiiii  PolsquaJitäten  näherten  gicb  rasch  dem  Normalen :  die  Atmung  wird 
ruhiger,  auch  scheint  eine  alJgemeino  Beruhigung  bei  den  Patienten 
eitjÄUtreten ,  so  daß  sie  wieder  Schlaf  finden.  Pränkel  und 
Schwartz  haben  ehenfalla  die  Injektionen  in  größerem  Umfang 
angewendet  Es  wird  das  Sekundenvoluinen  des  Herzens  wer- 
größert;  infolgedessen  erhalten  alle  Organe  mehr  Blut;  wiegen  der 
besseren  Herztätigkeit  geht  die  Pulsfrequenz  dauernd  herab  ;  es  finde! 
damit  auch  eine  Besserung  der  Herzernährung  statt,  und  ßo  kann 
der  Erfolg  einiger  Injektionen  sich  iiber  Monate  hinaus  fortsetseiL. 
Wie  bei  Digalen  scheint  auch  hier  schwerere  Arteriosklerose  ein 
Grund  der  Unwirksamkeit  zu  sein.  Ueher  eine  Vergiftung  mit 
Strophanthustinktur  berichtet  Neumann;  es  herrschten  zerebrale 
Erregungß-  und  Lahniungssymptome  vor;  der  Puls  sank  nie  unter 
70.  Es  waren  aus  Versehen  2  g  Tinktur  auf  einmal  genommeii 
worden* 

.pchlftfinitteh  Unter  den  Schlafmitteln  ist  eine  neue  Erscheinung  zu  verzeich- 

;*ßromural,  nen,  das  B r  omural  ^  Mo nobromisovalönanylharn Stoff.  3Sa  handelt 
sich  also  nm  ein  Halogenderivat  der  Fettreihe  i  die  Brouiwirkuiig 
selber  wird  dabei  gar  keine  Rolle  spielen,  dagegen  hat  sich  das 
übrige  Molekül  als  ein  recht  brauchbares  und  sehr  mildes  Hypnoti* 
kum  nach  den  Versuchen  von  Krieger  und  v.  d.  Velden  bfr 
wäbrL  Dosen  von  0,3— Oj6  g  riefen  nach  10—20  Minuten  einen  Zu- 
stand der  Schiäfrigkeit  herbei »  der  den  Eintritt  des  Schlafea  be- 
günstigt, ohne  jedoch  selber  eigentlich  narkotisch  zu  wirken;  ins- 
besondere fehlen  die  Rauscherschelnungen.  Die  Wirkung  ist  nach 
3^&  Stunden  abgeklungen  und  kann  dann  durch  eine  neue  Dosis, 
wenn  nötig,  wieder  erzielt  werden.  Nach-  und  Nebenwirkungen 
wurden  nicht  beobachtet*  Xach  R  u  n  c  k  eignet  sich  das  Hromural 
nur  für  leichtere  Fälle,  denn  eine  Verstärkung  der  Dosis  über  Oß  g 
hinaus  hat  doch  meist  keinen  Erfolg  bei  refraktären  Patienten,  Da- 
gegen hat  es  gerade  für  die  leichten  Agrypnien  den  großen  Vorzug, 
fast  gar  nicht  narkotisch ,  sondern  nur  sedativ  zu  wirken,  so  da£ 
auch  Kinder  0,3  g  olme  Bedenken  bei  Aufregungs zuständen  nehmen 
können,  ja  sogar  unruhige  Säuglinge  vertragen  0,1  g  und  erholen 
sich  dabei  meist  sehr  gut.  Auf  die  Gesamternahrung  wirkt  das 
Mittel  nicht  ungünstig  ein.  Nach  den  Tierversuchen  von  v.  d,  Eeck- 
hout  wird  das  Zirkulationssystem  fast  gar  nicht  beeinflußt  |  ip 
Gegensatz  zu  anderen  Körpern  der  Fettreihe,  dagegen  in  grölSeren 
Dosen  das  Atmungs Zentrum  deutlich  gelähmt  Praktisch  hat  dai 
keine  Bedeutung,  da  eben  von  diesem  Mittel  überhaupt  keine  groBen 
Dosen   gegeben   werden  sollen*     Schon  mehrfach  hat  Referent   be- 


Pharmakotherapie.  87 

tont,  daß  die  Kumulativwirkungen,  die  bei  dem  am  meisten  ge- 
brauchten Veronal  beobachtet  werden,  zum  Teil  auf  die  ganz  un-  Veron 
zweckmäßige  Darreichung  in  Tabletten  zu  beziehen  seien.  Das 
Mittel  muß  stets  in  Lösung  gegeben  werden,  ebenso  wie  Trional 
nur  gelöst  verabreicht  werden  sollte  (heißes  Wasser).  Cohn  macht 
neuerdings  auf  diesen  Umstand  aufmerksam,  angeregt  durch  einen 
Bericht  von  Topp  über  imgiinstige  Veronalwirkung  an  sich  selber. 
Will  man  des  bitteren  Geschmackes  wegen  das  Mittel  nicht  gelöst 
trinken  lassen,  so  soll  mit  dem  Pulver  warme  Flüssigkeit,  mindestens 
2  Dez.,  getrunken  werden,  damit  die  Lösung  im  Magen  rasch  sich 
vollzieht.  Man  kommt  dann  auch  mit  kleineren  Dosen  aus,  und  der 
Effekt  tritt  viel  rascher  ein.  Topp  hat  die  Richtigkeit  dieser  Be- 
merkungen in  einem  zweiten  Artikel  nach  Selbstversuchen  völlig  zu- 
gegeben, üeber  den  günstigen  Einfluß  von  2  g  Veronal  per  rectum 
auf  Schwangerschaftserbrechen  berichtet  Eowland.  Es  handelt 
sich  dabei  natürlich  nur  um  allgemeine  Beflexherabsetzung,  nicht 
etwa  um  eine  speziflsche  Wirkung. 

Je  länger  je  mehr  vertiefen  sich  auch  unsere  Kenntnisse  über 
die  äußerst  interessanten  Verhältnisse  bei  der  Lumbalanästhesie  0-  Lumb 
O.  Roith  wendet  sich  gegen  die  Ansicht,  daß  Injektion  von  Sto vain  ^^^»^^^ 
eine  Lähmung  von  Blase  und  Mastdarm  und  überhaupt  der  Einge- 
weide hervorrufe.  Das  ist  aus  anatomischen  Gründen  nicht  gut 
möglich,  denn  die  Eingeweide  haben  ein  autonomes  Nervensystem, 
das  natürlich  von  verschiedenen  Zentren  im  Hirn  und  Rückenmark 
abhängig  ist,  aber  auch  wieder  seine  extraduralen  Ganglienzellen  mit 
Autonomie  besitzt.  Wenn  daher  durch  Einspritzung  von  Sto  vain 
in  den  Lumbaisack  die  Leitung  zu  den  zentralen  Nervenzellen  auf- 
gehoben wird,  so  wird  damit  keineswegs  die  peripherische  Funktions- 
fahigkeit  auch  ausgeschaltet.  Wenn  letzteres  der  Fall  wäre,  so 
würde  doch  wohl  auch  die  Uterusmuskulatur  z.  B.  gelähmt,  und  da- 
mit wäre  das  Urteil  über  die  Methode  in  der  Geburtshilfe  deünitiv 
gesprochen.  Wenn  daher  Abgang  von  Kot  und  Urin  beobachtet 
werden,  so  ist  dies  wohl  eher  so  zu  erklären,  daß  die  autonomen 
Funktionen  der  Eingeweide  erhalten  geblieben,  daß  aber  die  damit 
in  Zusammenhang  stehenden  wirklichen  spinalen  Reflexe,  die  zur 
Linervation  der  quergestreiften  Muskulatur  führen,  gelähmt  wurden, 
80  daß  nun  z.  B.  die  Tätigkeit  der  Sphinkteren  wegfällt.  Weitere 
eingehende  Untersuchungen  liefern  Krönig  und  Gauß.    Man  be- 


*)  Vgl.  hierzu  die  einschlägigen  Stellen  in  den  Abschnitten  „Chirurgie" 
und  „Gynäkologie  und  Geburtshilfe".    D.  Red. 


kommt  bei  EückenmarkBanästheBien  sehr  wecbaelnde  Ausdehn 
der  Lähmung;  es  hat  sich  nun  gezeigt,  daß  im  Rückenmark  em 
6r©ier  See  von  Liquor  ist  dessen  oberer  Spiegel  im  oberen  Teil 'des 
Brustmarks  liegte  Weiter  nach  oben  flieJk  bei  Funktion  kein  Liquor 
mehr  ab,  so  daß  also  hier  Arachnoidea  und  Pia  sich  berühren;  es 
besteht  nun  aber  die  Möglichkeit  auch  diesen  Raum  noch  zu  füllen, 
bis  zum  Halsmark,  wenn  starke  Beckenbochlagerung  ausgefiibrt 
wird.  Normalerweise  steigt  bei  einer  Punktion  im  Lendenmark  bei 
sitzender  Stellung  die  Flüssigkeit  in  einer  koramtini zierenden  Mano-^ 
meterröhre  bis  auf  ca.  350  mm  nnd  nimmt  an  Höhe  ab  beim  Hin- 
legen. Wenn  daher  bei  Injektion  in  den  Lümbalsack  Beckenhoch- 
lagerung i'^orgeuommen  wird,  so  kann  die  Flüssigkeit  bis  hinan f  ins 
Halsmark  getrieben  werden.  Geschieht  dies  aber  nicht,  bleibt  die 
Patientin  in  halbliegender  Stellung,  so  wird  für  die  Ausdehnung  der 
Anästhesie  auaschheiilich  maßgebend  die  freie  Yerteilung  des  An- 
ästhetikuma  im  Liquor,  und  diese  ist  abhängig  von  der  spezifischen 
Schwere  der  injizierten  Lösung.  Es  wurden  daraufhin  Versuche  ge- 
macht mit  verschiedener  Losung,  deren  spezifisches  Gewicht  be- 
stimmt war;  dabei  ist  natürlich  maßgebend  das  Gewicht  bei  S8  ^  C. 
Das  käufliche  Stovain-Billon  ist  bei  dieser  Temperatur  leichter 
als  der  Liquor,  es  wird  die  Lösung  somit  nach  oben  steigen;  und 
es  breitet  sich  die  Anästhesie  so  weit  aus,  als  der  obere  Flüssig- 
keitsspiegel  reicht^  also  bis  Änm  oberen  Brustmark;  wird  dagegen 
die  Stovainlosung  mit  etwas  Kochsalz  beschwort,  so  sinkt  sie  böi 
der  Injektion  in  Höhe  des  dritten  Lendenwirbel  nach  unten,  und  es 
werden  daher  nur  anästhesiert  die  Gebiete  des  Bakralis  und  Lum- 
baUs  IV.  und  V.  Von  großem  Einfluß  ist  daher  natürlich  die  Lage- 
änderung; ist  die  Flüssigkeit  spezifisch  leichter,  so  wird  sie  auch 
bei  Beckenhoehlageruug  nicht  schnell  oder  nur  unvollkommen  nach 
oben  gehen,  dagegen  sinkt  die  spezifisch  schwerere  natürlich  sofort 
kopfwärts^  nnd  es  kommt  zur  Phrenikuslähmung*  Da  gerade  bei 
gynäkologischen  Operationen  die  Becken  hochlagerung  angezeigt  ist, 
80  sind  diese  Ver hältnisae  wohl  zu  berücksichtigen ;  die  Grenze  des 
Erlaubten  scheint  eine  Erhebung  des  Beckens  um  30 "  aber  die 
Horizontale  zu  sein,  da  dann  der  Liquor  noch  nicht  nach  dem  Hals- 
mark zu  abströmt.  Falls  man  Adrenalin  zusetzen  will,  so  soll  dies 
immer  erst  im  Moment  der  Injektion  geschehen,  da  in  Lösung  Stovaiii 
sich  damit  zersetzt*  Um  die  Gefahren  der  lokalen  Reizwirkung 
herabzusetzen,  soll  nicht  mehr  ds  0,08  Stovain  gebraucht  werden. 
Eine  eingebende  Uebersicht  gibt  Mohrmann;  er  verwendet  ausschließ- 
lich Novokain   unter  Zusatz  von  Adrenalin;   infolge  einer  schweren 


Pb  !t  rm  akotb  empie. 


8d 


Meningitis  nach  ÜsteomyelitiBoperatioii  warnt  der  Autor  vor  der 
Ruckenmarksanästhesie  bei  Eiterungen,  weil  wahrscheinlich  durch 
die  Injektion  ein  Locus  minoria  reBisteotiae  gebildet  werde  und  dann 
die  kreisenden  Streptokokken  sich  dort  ansiedeln.  Ferner  warnt  auch 
Mohrmann  vor  dem  Gebrauch  fertiger  Ampullen  mit  einer  Mi- 
sehung  YOQ  Nebennieren  Präparaten  und  Stovain  etc.,  well  hier  Zer* 
Setzung  leicht  eintrete.  Wenn  mau  gehofft  hatte  j  dali  Abduceus- 
läbmung  und  Meningismus  Dinge  seien,  die  nur  bei  Btovain  vor- 
kommen»  so  zeigte  auch  Novokain  dieselben  Nebenwirkungen.  Nun 
ist  ja  bekanntlieh  der  Abducens  ein  exponierter  und  auch  abnorm 
gegen  Gifte  eßipfindlicEer  Nerv ;  der  Umstand ,  dati  die  Lähmungen 
der  unteren  Extremitäten  etc.  rasch  vorbeigehen  und  diese  Erschei- 
nungen dagegen  erst  später  und  länger  dauernd  auftreten,  beweist 
das  zur  Genüge.  Nach  den  vorstehend  geschilderten  anatomischen 
Unter  Buchungen  erscheint  es  nun  sehr  plausibel,  dal)  die  spezi* 
Hach  leichteren  Novokaiulösungen  einfach  sich  nach  oben  konzen- 
trieren und  so  namentlich  hei  der  späteren  Bettlage  Gelegenheit 
haben,  bis  ins  Halsmark  hinauf zugelan gen,  wahrend  die  unteren  Par- 
tien vom  Gifte  befreit  werden.  Diese  Auffassung  wird  gestützt  durch 
die  Bemerkung  von  Mobrmann,  daß  nunmehr  die  Resultate  viel 
besser  seien,  seit  10 -(i^ige  Novokainlösung  in  Kochsalz  an  Stelle  der 
D"'<>igen  angewendet  werden,  weil  damit  das  spezifische  Gewicht  der 
Flüssigkeit  über  tlas  des  Liquor  steigt.  Es  ist  zu  erwarten,  dafi 
dann  auch  die Abducenslähmungen  wegfallen  werden.  Ach  beschreibt 
ebenfalls  Fälle  von  Augenmuskellähmung.  Da  der  Skopolamin- 
Morph  in -Dämmerschlaf  auch  in  der  Geburtshilfe  verwendet  wird , 
ißt  von  Interesse  zu  prüfen,  ob  dadurch  das  Kind  eventuell  geschädigt 
werden  könnte.  Es  gelang  Holzach ^  eine  physiologische  Prüfung 
aufzufinden,  indem  das  Froschauge  mit  der  fraglichen  Lösung  in 
Kontakt  gebracht  und  mit  einem  normalen  Auge  bei  gleicher  Be» 
licbtung  acif  die  Pupillenweite  verglichen  wird.  Es  zeigte  sich,  dalS 
die  Grenze  der  Empfindlichkeit  bei  ca.  Ü,(K'M^X)1  in  10  ccm  Flüssigkeit 
gegeben  ist.  An  dieser  Methode  gemessen,  erwies  sich  der  Urin 
der  Mutter,  die  intra  partum  die  Injektion  bekommen,  stets  alkaloid- 
haltig,  ebenso  das  Kolostrum,  und  auch  in  der  Milch  war  während 
der  ersten  2—*d  Tage  noch  Hyoszin  nachzuweisen.  Auch  durch  die 
Plazenta  geht  das  Gift,  indem  die  erste  und  zweite  Urinportion  der 
Kinder  Hyoszin  nachweisen  ließen.  Es  ist  ako  wohl  denkbar  ^  dal! 
auf  diese  Weise  ein  Einflute  auf  die  Ätmungstätigkeit  der  Kinder 
ausgeübt  werden  kann.  Die  Frage,  ob  Skopolamin-Morphin  bei  Ge- 
burten  suläasig  sei,  wird   damit  in  ein  neues  Stadium  gerückt  mit 


Morphä 


90 


Otoetfca. 


llorptiin 


ilOTOform 
|i1  A«t1jer, 


HinBicht  auf  das  kindliche  Leben.  Sebr  befriedigt  von  dieser  Medi- 
kation tBt  Gauß;  er  anerkennt  faat  keine  Nebenwirkungsn,  gibt  sogar 
noch  höbere  Dosen  als  Baß.  Im  Gegensatz  dazu  hält  Hocbeise]i 
an  seiner  ungtmstigen  Meinung  (conf.  1.  B erlebt)  fest;  er  glaubt  an 
schlechte  Beeinflussimg  der  Berztäiigkeit  sowie  die  Veradgernng  der 
Geburt  durch  schwächere  Wehen  und  Bauch  presse  sowie  häuBgere 
Atonien.  Er  ist  daher  der  ADsicht,  dali  es  sich  vorläufig  nur  am 
eine  kliniäcbe  Methode  handle,  die  nicht  allgemein  zulässig  sei  in  der 
Praxis.  Zu  einem  ungünstigen  Urteil  über  die  Kombination  bei  Ge- 
burten kommt  auch  Steffen  an  Hand  von  300  Beobauhtungen  auf 
der  Leopoldschen  Klinik;  Wehen  ußd  Geburtsschmerz  werden 
auoh  nicht  in  genügender  Weise  beseitigt;  dagegen  sind  unange- 
nehmere Nebenwirkungen  beobachtet,  bestehend  in  Herabsetzung  der 
Wehentätigkeit  f  Schwanken  der  kindlichen  Herztöne  und  Zyanose 
der  Kinder  nach  der  Geburt.  Auch  Verwirrungszu stände  der 
Mutter  wurden  mehrfach  beobachtet-  Es  erscheint  allerdings ^  als 
ob  Steffen  oftmals  zu  grolle  Dosen  angewendet  habe  (bis  u,0015! 
Skopolamin  und  0^02  Morphin ).  K  r  e  u  t  e  r  tritt  wiederum  fiir 
die  Kombination  Skopolamin -Morphin -Chloroform  ein  (siehe  Ka- 
pitel III,  2).  Mulzer  hat  in  Tierversuchen  nachgewiesen,  daJ3 
Narkosen  mit  Aether  oder  Chloroform  unter  SO  Minuten  ohne 
Schaden  ertragen  werden,  dal]  dann  aber  bei  längerer  Dauer  pro- 
portional dem  Verbrauch  sich  Schädigungen  an  den  Blutkörper* 
eben  in  den  Lungengefälien  ausbilden,  die  er  als  Fibrinauatritt  be- 
trachtet und  die  die  Vorstufe  für  die  in tra vitale  Thrombenbildung 
darstellen.  Diese  Erscheinungen  sind  natürlich  für  die  postopera- 
tiven Lungenaffektionen  von  großer  Bedeutung;  ihre  Ursache  ist 
wohl  nur  in  den  Blutgiften  Chloroform  und  Aether  zu  suchen^  von 
denen  das  erstere  ja  bekanntlich  sich  besonders  leicht  an  die  roten 
Blutkörperchen  bindet.  Eine  unangenehme  Nachwirkung  bei  Nar- 
kosen ist  das  Erbrechen.  Käst  hat  bei  seinen  Untersuchungen  an 
Tieren  festgestellt,  dal1  die  subkutane  Einspritzung  von  Kokain  dis 
Empfindlichkeit  der  Baucheingeweide  aufhebe.  Bekanntlich  haben 
Bier  und  Lennander  schon  festgestellt,  daB  die  Därme  ganz  ge- 
fühllos seien  und  daß  Schmerzen  nur  durch  Zerrungen  am  Mesen- 
terium öder  am  parietalen  Blatt  ausgelöst  werden  können.  Nun  sind 
ja  diese  Untersuchungen  zum  Teil  unter  Lokalanästhesie  des  Rücken- 
marks ausgeführt  worden,  und  es  würde  sich  nach  den  Ergebnissen 
von  Käst  eine  Erklärung  für  dieses  Verhalten  auf  Grund  des  re- 
sorbierten Anästhetikums  konstruieren  laasen.  H,  Freund  hat  daher 
in   größerem  Maße  versucht   festzustellen,   ob   vielleicht  diese  An- 


tieiie  aiicb  das  Auftreten  des  Erbrecliens  nach  Karkose  verhiii- 
dera  köime.  Es  wurde  Männern  je  0,025,  Frauen  0,02  Kokain  sub- 
kutan gegen  Ende  der  Operation  eingespritzt.  Es  hat  sicli  keinerlei 
unangenehme  Nebenwirkung  gezeigt  j  wohl  aber  bestand  beim  Auf- 
wachen  oft  eine  deutliche  Euphorie,  und  der  Puls  war  eher  besser 
als  Tor  der  Einspritzung.  Während  normalerweise  85  "/o  der  Ope- 
rierten erbrechen,  trat  dieses  bei  den  mit  Kokain  behandelten  nur 
in  9,5  %  der  Fälle  auf.  Die  Wirkung  dauert  nur  einige  Stunden ; 
das  sogeD.  Später  brechen  (12  Stunden)  kann  auf  diese  Weise  natür- 
lich nicht  verhindert  werden.  Voraussichtlich  werden  diese  Ergeb- 
nisse anderwärts  nachgeprüft;  aber  schon  die  Herabsetzung  der  Zahl 
würde  einen  erheblichen  Fortschritt  bedeuten.  Zu  demselben  Zweck 
wird  von  Paterson  die  Injektion  von  P i k r o t o x i n ,  1  ccm  einer 
0,2''/oigen  Lösung  subkutan  sofort  nach  Beendigung  der  Operation 
empfohlen;  bei  Kindern  wird  für  4  Jahre  z.  B.  ^1*  ccm  als  die 
passende  Dosis  bezeichnet. 

So  oft  man  gezwungen  ist,  bei  Wöchnerinnen  stärker  wirkende 
Mittel  anzuwenden,  muß  mau  sich  stets  die  Frage  nach  der  Möglich- 
keit einer  Vergiftung  des  Kindes  durch  die  Milch  vorlegen. 
Bucura  hat  sich  der  mühevollen  Arbeit  unterzogen,  40  der  gebräuch- 
lichsten Medikamente  auf  die  Fähigkeit  in  der  Milch  ausgeacbieden  zu 
werdeuj  zu  untersuchen.  Im  Vordergrund  steht  ja  das  Interesse  für  die 
Abfuhrmittel ;  es  konnten  dabei  Rhabarber,  Senna.  Cascara  sagrada, 
abführende  Sulfate  nicht  nachgewiesen  werden,  so  daß  also  eine 
direkte  Störung  des  Säuglings  durch  diese  Mittel  nicht  zu  erwarten 
ist.  Von  den  Fiebermitteln  ließ  sich  nur  Aspirin  nachweiseü,  da- 
gegen Phenaxetin,  Ghiuin  und  Pyramidon  nicht.  Sehr  auffallend 
ist  das  Verhalten  des  Quecksilbers:  Einreibungen  mit  grauer  Salbe 
und  Einspritzungen  von  Quecksilberoxyzyanat  sowie  Sublimat  er- 
gaben keinen  Uebergang,  dagegen  lieU  sich  regelmaflig  nach  Ver- 
ordnung von  0,3  Kalomel  innerhalb  2  Tagen  Hg  in  der  Milch  nach- 
weisen: es  würde  also  dieses  letztere  als  Antisjphilitikum  für  das 
Kind  eventuell  auch  Wert  haben,  dagegen  ist  es  ak  Abführmittel 
auszuschließen.  Die  Frage  des  Ueberganges  von  Opium  und  Hyoszin 
wurde  verneint,  doch  erscheint  die  angewandte  Methodik  nicht  scharf 
genug  (siehe  im  Gegensatz  hier  zu  bei  Skopola  min  Wirkungen),  Urotropin 
scheint  in  Spuren  überzugehen^  deutlich  Jod,  Brom  und  Arsen.  Von 
den  Narkotika  geht  Aether  in  Milch  über,  dagegen  konnte  Chloro- 
form nicht  nachgewiesen  werden. 

Die  schonungslose  Forschung  macht  auch  nicht  halt  vor 
unsei*em   lieben   Genußmittel ,    dem   Tabak.     Graßmann    weist 


Kokain 
iiijektlol 


Pik  rot  0« 


von 
Me^likiiiiteiät 
iti  tUf  miu 


Iffiitotiii  darauf  hin j  dali  der  Tabak  doch  kein  so  harmloses  Diog  sei,  daß 
der  langjährige  Genuß  meist  Störungen  hervorrufe.  Oh  diesß  dent^ 
lieh  zu  Tage  treten,  hangt  wohl  mehr  von  individuellen  Disposi- 
tionen ah;  sehr  häufig  werden  die  Krankheitssymptome  auch 
anders  gedeutet.  Das  erBcheint  namentlich  plauaibel,  seitdem  von 
Adler  und  Hensel  nachgewiesen  ist»  daß  ditrch  Injektion  von 
Nikotin  sklerotische  Veränderungen  entstehen.  Auch  Erb  hält 
eine  Reihe  vaaömotonscher  Störungen»  wie  z.  B,  das  intermittierende 
Hinken,  als  durch  Nikotinsklerose  bedingt.  Jedenfalls  ruft  Nikotin 
einen  Gefän Spasmus  hervor,  und  die  Wiederholung  dieser  "Wirkung 
kann  au  GefäÜ-  und  Herzveränderungen  Veranlassung  geben.  Külbs 
konnte  auch  Zustände  von  Draokgefuhl,  Angst  ^  Beklemmung  nach- 
weisen»  die  auf  Ängiospasmen  beruhen  tind  hei  Abstinen?^  und  Euhe 
rasch  zurückgeben.  Dieses  rasche  Schwinden  der  Symptome  spricht 
nach  Gr  aß  mann  gegen  anatomische  Veränderungen.  Immerhin 
wird  auch  auf  Hypertrophie  und  Dilatation  des  Herzens  hingewiesen* 
In  Betracht  zu  ziehen  ist  auch  die  Möglichkeit  von  Reflex  Vorgängen 
infolge  von  Verdauiingsstöningen ,  die  durch  Tabak  hervorgerufen 
worden  sind.  Einen  großen  Einflnli  gerade  in  dieser  Richtung  schiebt 
Gramer  den  verschiedenen  Genußmitteln  und  speziell  dem  Tabak 
zu,  unter  dessen  Einwirkung  die  Eiweißverdauung  erheblich  ver- 
schlechtert wird-  er  ist  deshalb  bei  H3'^pochlorhydrie  ganz  zu  ver- 
bieten. Auch  auf  den  Darm  hat  Tabak  häufig  eine  ungünstige  Ein- 
wirkung und  befördert  das  Autltreten  von  Hämorrhoiden ;  auch  spastische 
Atonie  kann  dadurch  erzeugt  werden  und  bei  chronischem  Darm- 
katarrh Durchfall  eintreten.  Gräm  er  schätzt  daher  die  Verdauunge- 
Störungen  ebenso  hoch  ein,  wie  die  am  Zirkulationsystem;  nebenbei 

Koffein  wird  auch  Koffein  in  Tee  und  Kaffee  fiir  derartige  Störungen 
verantwortlich  gemacht,  während  die  Schädigungen  bei  Alkohol  eher 
geringer  sind.  Die  Ersetzung  des  Alkohols  durch  die  beiden  anderen 
Genußmittel  muli  daher  als  ein  Eehlgriff  bezeichnet  werden,  das 
soziale  Elend  wurde  dadurch  nicht  gebessert.  Nach  den  Unter- 
such nngen  von  Lehmann  kommt  als  Geftiß-  und  Herzgift  wohl 
nur  das  Nikotin  im  Tabak  in  Betracht,  das  in  erheblicher  Menge 
sich  im 'Rauch  findet^  so  daß  aus  10  Zigaretten  lö  14  mg  Nikotin  ab- 
sorbiert werden  können.  Das  nebenbei  entstehende  P^^idin  kommt 
wohl  mehr  fiir  die  lokalen  Wirkungen  in  Betracht;  andere  Sub- 
stanzen sind  ungiftigp  Eine  gute  Zusammenstellung  der  verschie- 
rlenen  Beobachtnngen  über  Kaffee-  und  Teewirkung  auf  Grund  einer 
ausgedehnten  Rundfrage  bei  den  Aerzten  und  Vertretern  der  Wissen- 
sehaft  liegt  von  Böttger  vor.     Er  kommt  auch  zum  Schlüsse,  daß 


P  h  a  rmako  tb  ei  ap  ie , 


9a 


das  Koffein,  namentlich  bei  Genuß  von  Kaffee,  eine  TJnterernährung 
begünstige  und  daher  Nervösen^  Kindern,  Blntarmen  u.  s.  w.  zu  ver-    Tiieohroml 
bieten  sei.   Koffein  und  Theobromin  regen  die  Biurese  an;  nacli 

oewi  geschieht  dies  infolge  Gefäßerweiterung  in  der  Niere;  sind 
^die  Gefälle  zu  stark  verändert,  so  nütaen  die  Mittel  nichts  mehrj 
man  kann  also  aus  dem  Erfolg  oder  Mißerfolg  dieses  Mittels  his  zu 
einem  gewiasen  Grad  diagnostische  ßchlüase  ziehen;  bei  Glomerulo- 
Nephritis  sind  die  Kesultate  schlechter  als  bei  parenchymatöser.  Man 
iollte  sich   daher   nicht  mehr   scheuen,   diese  ernährungsfördernden 

il  auch  hei  Nephritis  anzuwenden*  Von  demselben  Standpunkt  ^ittüsiymt 
aus  wendet  Dmitrenko  das  Nitroglyzerin  bei  Arteriosklerose 
mit  üedemen  und  Albuminurie  an.  Auch  wo  Biurstin  nichts  ge> 
leistet,  stieg  unter  den  Nitritbehandlungen  die  Harnmenge  bedeutend 
an,  \%-ahrscheinUch  weil  Nitroglyzerin  noch  energischer  diktiert  als 
Theobromin.  Es  wurden  von  einer  l'j'oigen  Losung  3  — 4mal  täglich 
2  Tropfen  gegeben^  was  schon  eine  ziemlich  kräftige  Dosis  ist ;  die  Herz- 
arheit  wird  durch  die  Herabsetzung  der  peripherischen  Widerstände 
oft  gebessert.  Als  zuverlässiges  Diuretikum  empfiehlt  L.  Cohn  das  Tbi^wphorij 
Theophorin^  eine  Verbindung  von  Ameisensäure  und  Theobromin. 
Es  wurden  2 mal  täglich  0,5  g  gegeben.  Wo  diese  Dosis  nichts  nützte 
hat  eine  Steigerung  meist  keinen  Zweck ;  das  Mittel  wird  meist  gut  er- 

-ageii;  bei  einem  Fall  mit  hartnäckigem  Erbrechen  leisteten  10  Tropfen 

llior  r'fnigen  Kokainlösung  10  Minuten  vor  dem  Mittel  gute  Dienste. 

lei  chronischer  Nephritis  scheint  das  Mittel  die  Nieren  mitunter  zu 
reizen.  Ein  Vorteil  sind  die  geringeren  Dosen  als  bei  Diuretin. 
Genauere  Angaben  über  die  Indikation  zur  Darreichung  des 
Phyaostigmins  in  der  Chirurgie  teilt  K.  Vogel  mit.  An  Tier-  Phyaüstigta 
versuchen  hatte  er  festgestellt,  daß  durch  Physostigmininjektionen 
nach  Laparotomien  die  sonst  regehnäÜig  auftretenden  Verwachsungen 
des  Peritoneums  verhindert  werden  können  und  daß  dieser  günstige 
Einfluli  der  Anregung  der  Peristaltik  zuzuschreiben  sei.  Infolge* 
dessen  wurden  bei  einigen  Laparotomien  mit  schwereren  Darm  Ver- 
wachsungen nach  der  beendeten  Operation  sofort  Physostigmin- 
injektionen gemach tj  und  zwar  gleich  1  mg.  Trat  dann  nach  einigen 
Stunden  kein  Stuhl  auf,  so  wurde  ein  Gly^erinklistier  verabfolgt,  das 
dann  stets  die  gewünschte  Wirkung  ausloste.  Weiter  wurde  dann 
das  Mittel  versncht»  hei  Fällen  von  schwerer  stumpfer  Kontusion 
des  Abdomens,  die  gewöhnlich  mit  hartnäckigem  und  sehr  quälen- 
dem Meteorismns  verbunden  waren,  welch  letzteres  Symptom  die 
Patientin  oft  mehr  plagt  als  die  Verletzung  selber.  Alle  anderen 
MaBnahmen,  diesen  Meteor ismus  zu  baseitigen^  sind  meist  vergebÜcbi 


'io»tigmin.  namentlich  kann  eB  wegen  starker  Brechneigung  auch  niclit  per  os  ge- 
reicht werden;  Einlaufe  sind  nnmögücb.  Nach  1  lag  Physostignaniun 
salic^dieum  kann  man  mitunter  ein  Aufbäumen  des  Darmes  beobachten, 
wobei  BB,  wahrgcheinlich  am  Colon  descendens,  zu  klappanartigem 
Verschluß  kommt,  so  daJi  dann  auch  hier  durch  ein  kleines  Glyzerin* 
kliatier  die  endgültige  Erleichterung  herbeigeführt  werden  muß.  Da- 
gegen erscheint  das  Mittel  kontraindiziert ,  wo  eine  weiter  oban 
sitzeude  Stenose,  dynamischer  Ilena,  anEunehraen  ist,  denn  die  Be- 
schwerden werden  dadurch  nur  vermehrt.  Im  Anschluß  an  diese  Be^ 
obachtungen  rät  Vogel  vor  den  Operationen  den  Darm  nnr  ron 
alten  Kotmassen  zu  befreien,  dagegen  nicht  eine  starke  Purgieruiig 
vorzunehmen,  weil  nach  einer  solchen  eine  Erschlaffung  einsetzt,  die 
schwerer  auf  Phyaostigmin  reagiert  und  deshalb  dann  die  ünt- 
stehung  von  Verwachsungen  durch  Darmträgheit  begünstiget.  Diese 
Angaben  Vogels  werden  bestätigt  durch  v,  Hippel,  der  sofort 
nach  der  Operation  1  mg  Physostigmin  einspritzt^  und  wenn  die 
PeriBtaltik  anfängt  und  die  Winde  nicht  von  selbst  sich  entleeren 
können,  eiu  Darmrohr  einschiebt. 

Zu  ähnlichem  Zweck,  nur  bei  ganz  anderer  Indikationstellung» 

iTopin.  wird  das  A tropin  schon  lange  empfohlen  und  angewendet.  Bei  einem 
Ileusanfall  an  sich  selber,  der  erfolglos  operiert  war,  hat  Schulz 
das  Mittel  günstig  wirken  sehen  und  seither  diesen  Einfluß  syste- 
matisch geprüft  an  35  eigenen  Fällen.  Die  Dosis  soll  ca,  2  mg 
betragen^  zur  Schonung  des  Gehirns  wird  empfohlen,  eine  Morphium- 
injektion  von  0,012  g  vorauszuschicken.  Wurden  nach  dieser  ersten 
Einspritzung  keine  besou deren  Vergiftungserscheinungen  beobachtet, 
so  wurde  nach  4 — 10  Stunden  die  Dosis  wiederholt,  eventuell  noch 
ein  drittes  Mal,  aber  nur  1  mg  eingespritzt.  Die  Wirkung  des  Atxo- 
pins  scheint  verschieden  schnell  einzutreten,  je  nach  der  Form  des 
betreffenden  Ileus^  bei  spastischem  im  Durchschnitt  nach  21  Stunden, 
bei  paralytischem  nach  24^  bei  mechanischem  nach  27  Stunden.  Cha- 
rakteristisch scheint  zu  sein,  daß  beim  dynamischen  Ileus  die  Stuhl- 
entleerung meist  rasch  auf  die  ersten  Winde  folgt ,  während  beim 
mechanischen  oft  ein  Intervall  von  vielen  Stunden  besteht  und  erst 
die  zweite  Injektion  den  Stuhlabgang  bedingt.  Sehr  schwer  ist  ee 
zu  sagen,  von  welchem  Zeitpunkt  an  man  die  Ätropinbehandlung 
aufgeben  und  den  Patient  operien  soll.  Unbedingt  hat  dies  zu  ge* 
schehen,  wenn  der  Puls  frequenter  und  schlechter  wird,  ist  dagegen 
der  Patient  schon  seit  mehreren  Tagen  erki^ankt,  der  günstige  Ope- 
rationstermin  verpaßt,  so  soK  unbedingt  eine  Injektion  versucht 
werden ,    durch    die  dem    Patienten    die    Leiden   gelindert   und  die 


Pharmakotherapie.  95 

Chancen  einer  Operation  nicht  verschlechtert  werden.  Der  Patient 
spürt  ein  Nachlassen  der  allgemeinen  Muskelkontraktion,  ein  wohl- 
tuendes Wärmegefuhl ,  die  Zyanose  schwindet,  die  Atmung  wird 
freier,  und  der  Puls  sinkt  merkwürdigerweise  meist  um  einige 
Schläge;  Aufstoßen  und  Erbrechen  bleiben  meist  gänzlich  weg. 
Nach  5—6  Stunden  kehren  dann  die  Beschwerden  wieder,  um  auf 
eine  erneute  Injektion  wiederum  zu  verschwinden,  worauf  dann  ge- 
wöhnlich auch  ein  beruhigender  Schlaf  eintritt  (teilweise  wohl  Mor- 
phinwirkung). Die  unangenehmsten  Symptome  für  den  Patienten 
sind  die  Mydriasis  und  die  Trockenheit  im  Halse;  Vergifbungs- 
erscheinungen  scheinen  weniger  von  der  Höhe  der  Dosis  als  von 
der  Idiosynkrasie  des  Patienten  abzuhängen.  Mit  dieser  Behand- 
lung ist  aber  die  Sache  nicht  erledigt,  weil  häufig  die  Spasmen 
u.  s.  w.  am  Darm  Ernährungsstörungen  setzen,  die  dann  zur  Peri- 
tonitis führen;  Patient  muß  also  chirurgisch  weiter  überwacht  wer- 
den. Es  ist  nun  gewiß  denkbar,  daß  in  manchen  Fällen  sogar  eine 
Kombination  der  beiden  Antagonisten  Physostigmin  und  Atropin 
sehr  gute  Dienste  leisten  wird;  je  nach  der  Genese  des  Ileus  wird 
man  mehr  dem  einen,  krampf lösenden  oder  dem  anderen,  muskel* 
kontrahierenden  die  Hauptwirkung  einräumen  müssen. 

Die  Organotherapie  hat  schon  mancherlei  kuriose  Früchte  Orgax 
gezeitigt.  Rationell  kann  sie  nur  da  erscheinen,  wo  es  sich  mit  ^^^'^^ 
Sicherheit  um  Organe  mit  innerer  Sekretion  handelt,  also  sozu- 
sagen um  bipolare  Sekretionszellen  mit  Tätigkeit  nach  außen  und 
innen.  Erkrankt  oder  fehlt  ein  derartiges  Organ,  so  ist  die  Mög- 
lichkeit vorhanden,  durch  seine  oder  seines  Sekretes  Verabreichung 
den  Ausfall  auszugleichen,  der  sonst  den  Gesamtorganismus  in 
Mitleidenschaft  ziehen  kann.  Schon  seit  einiger  Zeit  ist  nament- 
lich aus  Frankreich  von  Versuchen  berichtet  worden,  chronische 
Nierenleiden  durch  Verabreichung  von  Schweinsnieren  oder  Nien 
deren  Extrakt  zu  heilen.  Man  hat  diesen  Bestrebungen  stets  skep-  ^^^^ 
tisch  gegenüber  gestanden,  weil  man  die  Niere  nicht  als  eines  der 
in  Betracht  kommenden  Organe  ansah.  Nun  liegen  aus  der  Klinik 
Maixner  in  Prag  derartige  Versuche  von  E.  Formanek  und 
R.  Eiselt  vor.  Die  Nieren  frisch  geschlachteter  Schweine  werden 
aseptisch  zerhackt,  dann  mit  Natr.  chlorat.  Natr.  bicarb.  ana  B,0/1(XX) 
Übergossen  und  12  Stunden  in  der  Kälte  stehen  gelassen.  Hiervon 
werden  dann  250  g  dem  Kranken  pro  die  gegeben.  Es  wurden 
5  Fälle  von  chronischer  Nephritis  genau  untersucht;  fast  in  allen 
Fällen  schwanden  bald  die  subjektiven  Beschwerden,  Kopfschmerz 
und  Mattigkeit;   regelmäßig  wurde   der   Blutdruck   erniedrigt;   die 


m 


Cloettii. 


[  Kiereii- 
extviikt 


Uriaiii6iig€  stieg  meist  etwas  an ;  überall  verringerte  sicli  die  Total- 
ausscheiduDg  des  Albumena.  Bei  einem  Fall  mit  Betinitig  Brigbtica 
wurde  auch  subjektiv  das  Sehen  viel  gebessert  und  ebenso  der 
ophthaliuologische  Befund.  Bei  einem  Stoffwechselvereuch  ergab 
sicL  unter  Zufuhr  des  Extraktes  eine  bessere  Ausnutzung  der  Nah- 
rung, einhergehend  mit  Gewichtsansatz.  Bei  mit  Herzleiden  kom- 
plizierten FäUen  versagte  die  Wirkung  des  Extraktes.  Die  schlech- 
ten Erfolge  anderer  Autoren  schieben  die  Verfasser  auf  die  Ein- 
Bpritzung  des  Extraktes,  der  eich  leicht  zersetzt  und  deshalb  nur 
per  OS  gereicht  werden  soll.  Akute  Nephritis  wurde  nicht  he- 
handelt. 

Eine  Hauptrolle  in  der  Pharmakotherapie  spielt  immer  noch 
die  Bekämpfung  der  Tuberkulose,  und  wird  es  so  lange,  bis  einmal 
ein  wirkliches  Spezifikum  gefunden  ist.  Unter  den  jetzt  vorhan- 
denen Tuberkulinen  scheint  das  Marmorekserum  wieder  mehr 
an  Interesse  zu  gewinnen.  8  c  h  e  n  k  e  r  war  io  der  Lage,  eingehende 
Untersuchungen  damit  an  89  Patienten  zu  machen.  Diese  ent- 
stammten meist  unbemittelten  Kreisen  und  verteilten  sich  aufs  2.  und 
namentlich  3.  Stadium.  Das  Serum  wurde  fast  nur  noch  rektal  ver- 
abreicht in  Dosen  von  5—10  ccm,  weil  die  subkutane  Injektion 
meist  unangenehme  Erscheinungen  machte  und  auch  zur  Ueber- 
emphndlichkeit  führte;  am  reaktionslosesten  verliefen  noch  die  In- 
jektionen am  Oberarm.  Die  Patienten  worden  natürlich  auch  gleich* 
zeitig  im  Spital  so  viel  als  möglich  der  Freiluftkur  ausgesetzt.  Sehr 
gut  wurde  das  Serum  von  Kindern  vertragen,  sie  erhielten  omal  per 
Woche  je  5  ccm,  Erwachsene  SmaL  Regelmäliig  worde  naeh 
2—$  Einlaufen  ein  Ansteigen  des  Pulses  von  7ü— 80  auf  110— 13C» 
beobachtet;  meist  verblieb  er  während  der  Kur  auf  dieser  Höhe* 
Hämoptoe  wurde  nicht  beobachtet;  Temperatur  wird  nicht  ge- 
steigert, im  Gegenteil  nach  und  nach  tritt  Entfieberung  ein.  Die 
Besserung  zeigt  sich  durch  Verflüssigung  des  Sputums  an,  die 
Kasselgeräusche  werden  anfänglich  zahlreicher  und  feuchter,  nehmen 
dann  ab,  und  es  tritt  unbestimmtes  Atmen  auf;  völlige  Hestitutio 
ad  integrum  wurde  nie  beobachtet.  Besonders  auffallend  war  die 
Besserung  in  einem  hoffiiungslosen  Fall  von  peritonealer  Tuberku- 
lose. Die  Endresultate  waren:  ganz  geheilt  8^  teilweise  arbeits- 
f&hig  11^  wenig  gebessert  4,  nicht  gebessert  5  ^  gestorben  1;  die 
anderen  Patienten  befinden  sich  noch,  alle  gebessert^  in  Behandlung. 
Harnblasen-  und  Nierentuberkulose,  sowie  solche  der  Knochen  zeigten 
auch  günstige  Beeinflussung.  Das  Serum  muli  Jedenfalls  lange  Zeit 
angewendet    werden;    die  Mißerfolge    rühren  wohl    von    zu  kurner 


Pharmakoiherapie.  97 

Dauer  her;  hier  betrug  sie  im  Durchschnitt  69  Tage.  Es  besteht 
somit  eine  unverkennbar  günstige  Wirkung;  leider  ist  der  Preis 
des  Serums  noch  hoch.  Auch  Wahlberg  ist  mit  den  Erfolgen 
der  rektalen  Serumapplikation  (5 — 10  com  ca.  21  Tage  lang)  wohl 
zufrieden.  Am  günstigsten  waren  die  Erfolge  bei  Skrofulöse  und 
Drüsentuberkulose. 

Daß  Kollargolinjektionen  bei  sehr  verschiedenartigen  Koiiargol. 
akuten  Erkrankungen  recht  gute  Dienste  leisten  können,  ist  auch 
hier  schon  mehrfach  erwähnt  worden.  In  einer  Untersuchung  über 
das  Verhalten  der  Leukozyten  nach  solchen  Injektionen  hat 
B.  Dunger  versucht,  einen  neuen  Einblick  in  die  Ursache  der 
beilsamen  Wirkung  zu  erhalten.  Es  wurden  im  ganzen  16  Fälle 
untersucht,  6  Gelenkrheumatismus,  4  Pneumonien,  3  Sepsis,  1  Typhus, 
1  Tuberkulose,  1  Meningitis.  Begelmäßig  wurde  als  erste  Erschei- 
nung eine  starke  Verminderung  der  Leukozyten  beobachtet,  die 
etwa  in  15  Minuten  deutlich  war,  erhebliche  Grade  erreichte, 
schwankend  zwischen  20 — 59  ^/o  des  Anfangswertes.  Auf  diese 
Senkung  folgt  dann  eine  Steigerung,  die  bedeutend  die  Leukopenie 
überkompensiert.  Der  höchste  beobachtete  Wert  war  83000,  bei 
einem  Ausgangswert  von  12000.  Die  Steigerung  hielt  meist  einige 
Stunden  an,  war  nach  24  Stunden  erloschen.  Bei  wiederholten  In- 
jektionen innerhalb  2 — 4  Tagen  sind  dieselben  Erscheinungen,  nur 
etwas  weniger  ausgesprochen,  vorhanden  und  scheinen  mit  der 
Häufigkeit  der  Wiederholung  mehr  und  mehr  abzunehmen;  nach 
einer  Pause  von  8  Tagen  ist  dagegen  die  Reaktion  wieder  normal. 
Unter  den  einzelnen  Leukozyten  sind  an  diesen  Veränderungen  in 
erster  Linie  die  polymorphkernigen,  neutrophilen  beteiligt,  wäh- 
rend die  Steigerung  bei  den  Lymphozyten  fast  ganz  vermißt  wird 
und  ebenso  auch  bei  den  großen  Mononukleären.  Diese  Erschei- 
nungen sind  wohl  so  zu  deuten,  daß  unter  der  Injektion  es  zu- 
nächst zu  einem  Untergang  von  Leukozyten  kommt;  dafür  spricht, 
daß  erst  diejenigen  mit  3 — 5  Eernea,  also  ältere  Formen,  während 
der  Leukopenie  abnehmen  und  daß  dann  während  der  Steigerung 
sich  sehr  viel  einkernige  einstellen,  was  für  eine  erhebliche  Anzahl 
von  Jugendformen,  d.  h.  also  für  eine  Neubildung  spricht;  da  auch 
gelegentlich  kernhaltige  rote  Blutkörperchen  nach  der  Injektion 
beobachtet  wurden,  so  spricht  dies  alles  dafür,  daß  zunächst  ein 
Untergang  weniger  widerstandsfähigen  Materials  und  dann  durch 
Beizung  des  Knochenmarks  eine  Hyperleukozytose  zu  stände  komme; 
die  Ursache  dieser  letzteren  braucht  nicht  eine  direkte  Wirkung 
des  Silbers  auf  das  Knochenmark  zu  sein,  sondern  kann  nach 
Jahrbach  der  praktischen  Medizin.    1908.  7 


Cloetta. 


EoUatgol,  Weigerta ehern  Gesetz  einfach  durch  Ueherkompensation  dee  durcli 
den  Untergang  erregten  Gewebes  erklärt  werden,  In  dieser  Eich- 
tuBg  hätten  die  Kollargolinjektionen  auch  eine  prognostische  Be- 
deutung^ indem  bei  funktionsunfähigem  Knochenmark  naturlich  die 
Ueherkompensation  ausbleibt^  wie  man  auch  bei  erkranktem  Knochen* 
mftrk  die  sonst  regelmäßig  auftretende  Hyperglobulie  im  Hochgebirg 
vermißt.  Die  therapeutische  Bedeutung  einer  derartigen  Leukozj^se 
kann  beruhen  in  einer  vermehrten  Phagozytose;  femer  ist  zu  er- 
wähnen ^  daß  Leukozyten  mit  Silberhornchen  angetroffen  werden ^  so 
daß  also  auf  diese  Welse  ein  Transport  des  Medikaments  in  Gelenke 
und  seröse  Höhlen  stattfinden,  kann.  Wichtiger  erscheint  aber  die 
Möglichkeit  einer  Vermehrung  der  Immunkörperbildung ,  die  sich 
aueb  im  Knochenmark  abspielt  und  hei  dieser  Erregung  des  Marks 
mitprohtiert.  Unter  den  klinischen  Erscheinungen  nach  der  Injek- 
tion imponiert  am  meisten  die  Temperatursteigerung,  oft  von  Bchüttel- 
frost  begleitet,  die  bis  auf  41^  steigen  kann;  nach  1 — 3  Stunden  ist 
das  Fieber  verschwunden.  Für  die  Genese  dieses  Fiebers  kämen 
Fermentwirkungen  in  Betracht,  denn  nach  Müller  und  Joch- 
mann  wird  aus  absterbenden  Leukozyten  ein  proteolytisches  Fer- 
ment  frei.  Die  Menge  der  zu  Grunde  gegangenen  Lenkozyten 
dürfte  schon  genügen,  um  eine  fiebereiregende  Fsrmentmenge  zu 
bilden,  und  damit  würde  sich  dann  auch  erklären^  warum  bei  wieder* 
holten  Injektionen  die  Fiebersteigerung  geringer  wird,  weil  eine 
Immunisierung  gegen  das  Ferment  eintritt.  Im  ganzen  scheint  der 
Fieheranstieg  eine  günstige  Bedeutung  zu  haben;  so  konnte  Bon- 
naire  beobachten,  daß  bei  40  Puerperal  kranken  in  70 '/o  der  ge* 
heilten  Fälle  Schüttelfrost  auftrat,  gegen  30  "^lo  der  Ungtinstigen. 
Die  Schmerzen j  die  nach  den  Injektionen  auftraten,  lassen  sich 
nicht  einheitlich  erklären;  sie  sind  in  den  erkrankten  Gebieten 
manohmal  ziemlich  stark.  Bei  dieser  Fermentüberschwemmung  des 
Körpers  ist  noch  in  Betracht  zu  ziehen,  daß  auf  diese  Weise  re- 
sorbierende Wirkungen  ausgelöst  werden  können,  und  tatsächlich 
wnrden  auch  nach  Injektionen  mehrfach  rasche  Lösungen  von  pneu- 
monischen Infiltraten  beobachtet.  Mit  dieser  Leukozyten  Wirkung 
ist  natürlich  die  Gesaratwirkung  nicht  erschöpft;  es  kommt  sicher 
auch  die  kataly  tisch- che  mische  Wirkung  mit  in  Betracht;  die  direkt 
desinfizierende  dürfte  gering  sein.  Den  Einfluß  auf  den  Stoffwechsel 
haben  Ascoli  und  Izar  untersucht;  elektrisch  hergestelltes  ^  mit 
Spuren  von  Gelatine  stabilisiertes  kolloidales  Silber  ergab  bei  sub- 
kutaner, intravenöser  nnd  rektaler  Anwendung  stets  eine  erbebliche 
Veränderung   am   Stoffwechsel,   indem    bedeutend   mehr   Harnsäure 


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Pharmakotherapie, 


99 


vmd  Harnstoff  ausgeschiedeii  werden,  ohne  eino  Vermehrung  der 
Phosphorsäure;  der  Stoffwechael  wird  alao  in  eigenartiger  Weise 
beeinflußt.  Erhitzen  der  Lösungen  hebt  die  Wirkung  auf;  nicht 
etablltsierte  Losungen  smd  unwirksam  i  bei  einem  Teil  der  Fälle 
wurde  Temperatur  Steigerung  beobachtet;  Bte  erscheint  unabhängig 
von  der  Veränderung  des  Stoffwechsels. 

Daß  auch  von  alten  erprobten  Präparaten  ab  und  zu  wieder 
neue  Anwendungsformen  und  Gebiete  aufgedeckt  werden ,  ist  nicht 
zu  verwundern.  Die  Grundwirküugen  eines  Mittels  bleiben  natür- 
lich dieselben,  aber  es  ändern  unsere  Ansichten  über  die  Pathologie 
mid  dementsprechend  richtet  sich  dann  auch  die  Aufmerksamkeit 
auf  Substanzen^  die  den  neuen  pathologischen  Gesichtspunkten  ent* 
sprechend  spezifische  Wirkungen  ausüben  können.  So  wird  nun 
ia&  Ichthyol  von  Schar  ff  als  ein  vorzi'igliches  Mittel  zur  Be* 
handlang  der  Urticaria  eymptomatica  der  Kinder  auf  Grund  einer 
ITjährigeti  Erfahrung  empföhlen.  8  c  h  ar  f f  sieht  in  dieser  Urticaria 
mehr  ein  Oedein  als  ein  entzündliches  Erythem  ]  die  Ursache  ist  ge- 
geben durch  Reize,  die  das  Nervensystem  treffen  (Dentition)  oder 
durch  Antotoxine,  die  im  Darm  entstehen*  Da  nun  das  Ichthyol 
eine  spezitische  peripherische  Gefäß  Wirkung  besitzt,  so  ist  es  geeignet, 
diesen  Schwellungszuständen  und  dem  dadurch  bedingten  Juckreis 
entgegenzuwirken.  Man  reibt  die  Kinder  mit  einer  5 — 10"j#igen 
wäßrigen  IchthyoUöBung  2mal  tiiglich  ab  und  pudert  darüber  mit 
Kartoffelmehl.  Soll  auf  längere  Zeit  hinaus  (Reisen)  B,uhe  verschalPt 
werden,  so  gibt  man  besser  eine  Kühlsalbe  mit  10 '^/o  Ichthyol. 
Es  gelingt  bei  dieser  Behandlung  nicht  nur,  den  einzelnen  Anfall 
96hr  häufig  zu  beseitigen,  sondern  mit  der  Zeit  auch  eine  bleibende 
Benihignng  der  Hautvasoinotoren  herbeizuführen.  Die  innere  Dar- 
reichung ist  namentlich  indiziert  bei  intestinalem  Ursprung ;  es  kann 
ohne  Schaden  längere  Zeit  genommen  werden.  Von  einer  lO^/oigen 
wälSrigen  Lösung  verträgt  auch  der  Säugling  3  "<  10  Tropfen  täg- 
Uch,  wobei  das  Kind  i.  G,  dem  Geschmack  nicht  so  widerstrebt, 
wie  der  Erwachsene.  Eine  weitere  Indikation  für  reines  Ichthyol 
sieht  Philipp  in  der  Epididv^nitis  gonorrhoica,  und  zwar  im 
Stadium  nach  der  akuten  Entsiündung^  wo  ein  chronischer,  durch 
Bindegewebsbildung  ausgezeichneter  Prozeß  einsetzt  mit  Neigung 
zum  Wiederaufflackem.  Die  gesamte  Hautpartie  big  zum  Leisten- 
kanal wird  mh  Ichthyol  eingepinselt  und  mit  Watte  und  Suapenscrium 
bedeckt.  Es  entsteht  so  ein  fester  Kompressivverband ,  wodurch 
der  Hoden  ruhig  gestellt  wird  und  die  Beflorptivwirkung  des  Ich- 
ihyols  nicht  durch  mechanische  Reizungen  des  Nebenhodens  wieder 


IcktbyoL 


100 


Cloetta, 


Colons  tDk 


verbmdert  wird^   der  Austrieb  wird    alle  4—5  Tage  mit  warmem 
Wasser  entfernt. 

Ein  besonderes  In tereeee  hat  der  Gynäkologe  am  Mutterkorn. 
Im  letzten  Bericht  wurden  die  beiden  Präparate  Klavin  nnd 
Sekakornin  besprochen,  üeber  das  erster e  liegt  leider  keine 
neue  Beobachtung  vor.  Das  Sekakornin  wurde  von  G.  Schubert 
an  der  Breslauer  Klinik  in  über  500  FÄllen  geprüft.  Besonders 
interessant  sind  Manometerversuche ,  die  der  Yerfasaer  bei  einem 
Abort  vermittels  des  Metreuryi^tere  an&telten  konnte  und  so  Äu&chluß 
über  die  Dynamik  des  Mittels  erhielt.  Die  Wehenkraft  wurde  nioht 
wesentlich  gesteigert,  dagegen  die  Erschlaffung  in  der  Wehen pauae 
etwas  behindert,  so  daß  das  Manometer  auf  höherem  Drttck  ver- 
blieb. Es  wird  also  dadurch  der  Zustand  erzielt,  den  man  z.  B. 
post  partum  wünscht  und  dementsprechend  ist  das  Mittel  kontra- 
indiziert in  der  Eröffnungs-  und  Äustreibungsperiode.  Auch  bei 
Abort  und  Blutungen  in  der  Schwangerschaft  könnte  es  gute  Dienste 
leisten.  Merkel  ist  ebenfalls  in  der  Geburtshilfe  mit  dem  Beka- 
komin  sehr  zufrieden;  er  verwendet  es  auch  ausschlieiilich  post 
partum  in  der  Dose  von  1  com  ^  4  g  Seeale  comutum ,  am  besten 
intramuskulär,  da  die  subkutane  Injektion  bisweilen  Schmerzen  ver- 
ursacht; die  Wirkung  tritt  nach  &— 10  Minuten  ein,  und  man  mxdl 
daher  sicher  sein,  daß  innerhalb  dieser  Zeit  die  Plazenta  den  Uterus 
verlassen  kann.  In  der  Gynäkologie  hat  er  mit  Erfolg  ein  intra- 
murales  Myom  nach  der  Serosa  abgedrängt,  einige  Male  auch  bei 
schlaffem  Uterus  mit  starken  menstruellen  Blutungen  Erfolge  ge- 
sehen. Im  allgemeinen  muß  man  mit  Sekalepräparaten  für  chroni- 
schen Gebrauch  sehr  vorsichtig  sein.  —  Das  inoperable  Uteruskarzinom 
verbleibt  notgedrungen  der  lokalen  Therapie,  die  ebenfalls  medika- 
mentös sein  kann,  wozu  nach  Gellhorn  sich  am  besten  das 
Aaseton  eignet.  Dieses  hat  die  Fähigkeit,  den  Geweben  rasch 
Wasser  zu  entziehen  und  sie  dadurch  zum  Schrumpfen  zu  bringen. 
Blutungen,  AuBflufl  und  Geruch  sind  die  drei  Hauptsjmptome ,  die 
beträchtlich  gebessert  oder  ganz  vertrieben  werden  können  durch 
folgende  Technik :  In  die  ausgeschabte  und  getrocknete  Wundhöhle 
werden  mit  Röhren  Spekulum  1 — 2  Elllöffel  Azeton  eingegossen  und  in 
Beckenhocblagerung  30  Minuten  belassen,  dann  die  Wundhöhle  mit 
Gaze  tamponiert^  die  am  folgenden  Tag  wieder  entfernt  wird.  Zur 
Nachbehandlung  wird  wöchentlich  2mal  für  30  Minuten  der  Krater 
mit  Aaeton  gefüllt  und  dieses  wieder  auslaufen  gelassen.  Die  Ee- 
sultate  sind  eher  noch  besser  als  bei  kontinuierlicher  Ausschabung 
und  Chlorzinkbehandlung;   dieses   letztere   ist  übrigens  durchaus 


1 


i 


( 


Pbannakother  apie , 


101 


kein  harmloBes  MitteL  M.  Hofmaier  teilt  amen  tödlieli  ver- 
laufenen Fall  mit^  bei  dem  nach  Einlaafeti  einiger  Kubikzentimeter 
einer  50  "/o  igen  Cblorzinklösung  in  di«  Vagina  ohne  jede  YerletÄung 
nach  22  Stunden  der  Tod  unter  hefligem  Erbrechen  und  Kollaps 
eintrat  und  die  Sektion  eine  diffuae  Peritonitis  ergab.  Wie  Experi- 
mente ergab  en^  ist  die  Verbindung  TOn  Chlordnk  mit  Eiweiß  kor  per  n 
©in  äu Herst  heftiges  Gift.  Bei  der  Unberechenbarkeit  der  Tiefen* 
Wirkung  und  der  Resorption  muß  daher  die  Behandlung  mit  konzen- 
trierten OhlorzinklÖBungen  als  etwas  Gefährliches  hin  gestellt  werden 
und  könnte  das  barmlosere  Azeton  hier  vielleicht  Stelle  vertreten, 
Ton  der  Fermentbehandlung  des  Karzinoms  darf  man  eich  nicht  zu 
viel  versprechen.  Das  Trypsin  ist  nach  v.  Leyden  und  Bergell  Trjv^in, 
wohl  im  stände,  das  Karzinomgewebe  zu  verdauen;  aber  von  einer 
öpezifißchen  Wirkung  des  intern  verabreichten  Trjpsins  von  der 
Blutbahn  aus  kann  man  noch  nicht  reden ;  direkte  Injektionen  in 
den  Tumor  haben  natürlich  bessere  Wirkung;  doch  wird  die  Peri- 
pherie davon  niobt  beeinüuiU,  wie  namentlich  Bainbridge  durch 
anatomischen  Befund  konstatieren  konnte  bei  Patienten,  die  mit 
dem  Mittel  behandelt  worden  waren.  Bas  Hineinwuehern  der  Krebs* 
Zellen  in  die  gesunde  Muskulatur  der  Umgebung  war  keineswegs 
aufgehoben,  und  die  enthusiastischen  Berichte  einiger  amerikanischen 
Autoren  sind  zum  mindesten  als  sehr  verfrüht  zu  bezeichnen. 

Immer  noch  uoklar  ist  die  resorbierende  Wirkung  des  Thio-  TbiosinamiÄ 
ainamins  resp.  Fibrolysins  auf  das  Narbengewebe.  Wolf  be- 
richtet aus  der  B.iedelschen  Klinik  über  gute  Erfolge  bei  Keloiden, 
namentlich  bei  gleichzeitiger  Massage;  auch  Dupuytrensche  Kon- 
trakturen können  gebessert  werden  ;  man  soll  sich  stets  vergewissem, 
daß  keine  latenten  Entzündungsherde  im  Körper  sich  finden ^  und 
deshalb  erscheint  der  Gebrauch  gegen  Lnpusoarben  nicht  unbedenk- 
lich, (Wenn  alle  tuberkulösen  Karben  eine  Kontraindikation  bilden 
sollten»  so  wäre  wohl  ein  großer  Prozenteatz  der  Menschen  von 
vornherein  anazuschließen,)  Wolf  verwirft  die  Injektion  von  Eibro- 
lysiB  2ur  Heilung  von  inneren  Narben,  Das  ist  eine  chirargiache 
Geringschätzung  p  unverdient  gegenüber  den  glänzenden  Erfolgen 
des  Thiosinamins  z.B.  bei  Oesophagusstrikturen,  Michaelis  be- 
richtet ans  der  Abteilung  Tillmanns  über  eine  solche^  die  nach 
FremdkörperdecubituB  entstanden^  unpassierbar  geworden  und  im 
Spekulum  sich  wie  eine  Portio  virginalis  präsentierte.  Nach  der 
aechsten  Ti^jektion  von  je  2,3  ccra  Fibrolysin  ging  Sonde  IX  glatt  FtUroly 
durch,  und  nach  der  siebten  fiel  Sonde  X  durch  die  Stenoee;  das 
Kind  konnte  wieder  jede  Nahrung  aufnehmen.  Bei  2  Fällen  schwerer 


102 


Cloetta. 


fl'ibröiysin.  chroniacher  Perigaetritis  leistete  das  Mittel  ebenfalls  sehr  gute 
Dienste,  wie  Michael  a^s  der  Ewaldgchen  Abteilang  berichtet 
Ein  Bergmann  war  wegen  unheilbarem  Ulcua  operiert  worden,  wo- 
bei 80  ausgedehnte  Verwachsungen  vorlagen,  daß  die  Operation  fast 
unmöglich  war.  Die  Beschwerden  wurden  dann  auch  nicht  ge- 
hoben; eine  sorgfältige  Ulcuskur  brachte  nur  einige  Mooate  Besse- 
rung, dann  wieder  erneute  und  vermehrte  Beschwerden;  es  wur- 
den nun  in  die  Bauchmusknlatur  um  den  Nabel  herum  Injektionen 
gemacht,  und  es  gelang  so  den  Patienten  yolUg  beschwerdefrei  zu 
machen  und  eine  bedeutende  Gewichtszunahme  zu  erzielen,  so 
daß  er  seinen  Bernf,  den  er  seit  Jahren  aufgegeben,  wieder  auf- 
nehmen konnte.  Auch  eine  26jährige  Näherin  hatte  mehrere  Ge- 
Bcbwürkuren  sowie  eine  Gastroenterostomie  erfolglos  durchgemacht: 
die  peritoniti sehen  Adhäsionen  verursachten  durch  Zerrung  stets 
heftigste  Seb merzen;  die  Injektionen  führten  ebenfalls  zu  einer 
großen  Besserung ;  ein  palpabler  Tumor  in  Nabelgegend  verschwand 
in  ihrem  Verlauf.  Es  wurden  18  Injektionen  zu  je  1  j  com  ge- 
macht. Das  Wesentliche  bei  diesen  beiden  Fällen  ist,  daß  durch 
die  vorausgehenden  Operationen  die  bestehenden  Narbenstränge  nach> 
gewiesen  worden  sind,  was  ebenfalls  zutrifft  bei  dem  Fall  von  E  m- 
m 6 rieh,  bei  welchem  es  aich  um  eine  traumatiache  Peritonitis 
durch  Kuhhornstoß  handelte,  und  wo  nach  der  Operation  die  De- 
filkation  wegen  der  Narbenstränge  sehr  schmerzhaft  blieb.  Auch 
hier  wurde  nach  Injektion  von  3<J  Ampullen  eine  völlige  Heilung 
erzielt.  Ueber  sehr  bemerkenswerte  Resultate  mit  Fibroljsin  bei 
Urethralstrikturen  berichtet  E.  Frank.  Es  handelte  sich  meist  um 
alte  harte  Narben;  der  Urin  konnte  nur  noch  tropfenweise  entleert 
werden,  die  Blase  stand  hoch,  der  Urin  war  meist  etwas  zersetzt 
Es  war  den  anfänglich  täglich  intravenöse  Injektionen  von  2  ccm 
Fibrolysin  gemacht^  die  gar  keine  besonderen  Störungen  außer  der 
bekannten  Geschmackaempändung  hervorriefen.  In  der  Mehrzahl 
der  Fälle  gaben  die  Patienten  an,  weniger  Schmerzen  zu  fühlen; 
oft  konnte  nach  der  dritten  Injektion  Urin  im  dünnen  Strahl  ent- 
leert werden,  und  durch  die  nun  einsetzende  Sondenhehandlung  ge- 
lang die  Dilatation  regelmäßig  bis  zu  einem  befriedigenden  Grad, 
äJkäiia.  z.  B.  26  Ch,  Unter  dem  Namen  Eekalin  empfiehlt  G.  Klemperer 
eine  Alamlniumglyzerinpaste  als  Heilmittel  bei  Ulcus  ventriculi. 
Das  äußerst  fein  verteilte,  metallische  Aluminium  ühersieht  in  ziem- 
lieh solider  Weise  die  ganze  Schleimhaut  und  schützt  so  das  Ulcns.  I 
Nach  frischer  Blutung  erwiesen  sich  10  g  Es  kaiin  als  ein  sehr 
gutes  Styptikum^   welche  Gab«    die    nächsten  4   Tage    wiederholt! 


nerapia. 


wurde.  Der  Stuhl  wurde  unter  dem  Mittel  daoernd  blutfrei;  auch 
die  okkulten  Blutungen  blieben  aus^  ao  daß  die  Annahme  einer 
raschen  Heilang  unter  dem  Alumiuiumschorf  berechtigt  erBcbeint 
Bickel  hatte  dem  Eökalia  vorgeworfen,  daß  es  unter  Waaserstoff- 
entwicklung  die  HCl* Sekretion  anrege  und  dadurcb  die  Ulcuskur 
ungünstig  beeinflusse;  diesen  Einwurf  weist  Mai  durch  Unter- 
suchungen dea  Mageninhaltes  von  Personen,  die  Eskalin  und  Bis- 
mutum  Bubnitricum  erhalten  hatten ,  aurück ;  es  liefi  sich  weder  bei 
normaler  noch  bei  gestörter  Magenfunktion  irgend  ein  ungünstiger 
Einfluß  dea  Eskalins  nachweisen.  Es  bleibt  noch  abzuwarten ,  ob 
eine  Resorption  auf  die  Dauer  auageBchloasen  werden  kann,  was 
wahrscheinlich  ist  bei  der  Abneigung  des  DarmB,  Metalle^  mit  Aus- 
nähme  von  Eisen,  zu  resorbieren* 

Auch  in  der  Darmtherapie  ist  ein  Fortschritt  zu  verzeichnen 
{jurch  Einführung  des  Tannothymol.  Hilde b ran d  zeigt  in  Tnuaötiijrmoi 
genauen  Versuchen ,  daß  durch  Kombination  von  FormaÜn ,  Gerb- 
säure und  Phenol  kör  pern  Substanzen  erbalten  werden,  die  im  Magen 
unlöslich  j  im  Darm  gespalten  werden  und  dabei  die  Tannin wirkung 
einerseits,  die  desinüzierende  andererseits  zur  Geltung  kommen 
l&B&en.  Von  zahlreichen  Kombinationen  erwies  sich  die  mit  Thymol 
am  besten,  weil  sie  die  geringste  Reizwirkung  hat  0.  Baum- 
g  Arten  hat  mit  diesem  Präparat  Vei-auche  auageführt  und  sich  zu- 
nächst einmal  von  der  Unschädlichkeit  des  Mittels  überzeugt  und 
dann  therapeutiach  versucht  bei  solchen  Patienten,  die  bis 
in  erfolglos  mit  anderen  Tanninpräparaten  behandelt  worden 
Sogar  bei  einer  schweren  Darmtuberkdose  gelang  es^  durch 
titglich  2— 3  g  Tannothymol  in  einigen  Tagen  den  Stuhl  in  völlig 
normale  -Form  zu  bringen.  Es  scheint  tatsächlich  sich  hier  Um 
eine  sehr  glückliche  Kombination  von  Ädstringierung  mit  Desinfi- 
zierung zu  handeln.  Von  Stumpf  ist  im  vorigen  Jahr  auf  die 
vorzüglichen  Eigenschaften  des  Bolus  <  weißer  Ton)  hingewiesen  RolST 
worden,  die  ihn  zu  einem  vortrefflichen  antibakterieUen  Mittel 
für  Verbandzwecke  und  innere  Magen darmtherapie  stempeln.  Man 
bat  mit  Unrecht  diesem  Lehmdoktor  redivivus  anftlnglich  wenig 
Vertrauen  bezeigt-  Von  öömer  liegt  eine  völlige  Bestätigung  der 
vortrefflichen  Eigenschaften  des  Bolus  für  die  Behandlung  von 
Magendarmkatarrben  vor.  Man  verordnet  Erwachsenen  &0~100  g 
Bolus  in  ^i*  Liter  Wasser  aufgeschwemmt,  Kindern  10— 30  g,  die 
Mischung  ist  geruch-  und  geschmacklos  und  läßt  sich  sehr  leicht 
^nken«  Die  Erfolge  waren  am  besten  bei  akuten  Katarrhen;  hier 
gtnf^gte  oft  eine  einmalige   Anwendung    zur  dauernden  Heilung; 


nächst 
mm  ^^ 


104 


Bolus.  auch  bei  Tuberkulose  und  selbst  Amyloid  ließ  eich  eine  weseiitlicha 
Besserung  erzielen.  Wahrscheinlich  hüllen  die  unendlich  feinen 
BoiuskÖmer  die  Fäulnis-  und  anderen  Bakterien  mechanisch  eio 
und  verhindern  so  ihre  Weiterentwicklung*  Es  tritt  darnach  weder 
Verstopfung  noch  Meteorismus  auf  wie  nach  Opium  ^  auch  der  Ap- 
petit wird  in  keiner  Weise  gestört;  womöglich  soll  das  Mittel  nüch- 
tern ohne  weitere  Zusätze  wie  Milchzucker  gehraucht  werden ;  selbst 
langdauemde  Darreichang  hat  keine  Nebenerscheinungen.  —  Die  Ge- 

ittmamtUeK  beimmlttel  spielen  beim  Asthma  eine  sehr  wichtige  Rolle,  am  ¥er- 
breitetsten  ist  das  Tuckersche  Mittel;  Einhorn  hat  es  einer 
Analyse  unterzogen  und  festgestellt,  dali  es  oiienbar  die  Alkaloide 
als  Nitrite  enthält  nnd  daß  man  mit  folgender  Mischung  ^  die 
ca.  7mal  hilliger  ist,  ebenso  gute  Kesnltate  erhält:  Kokainnitrit 
1,028,  Atropinnitrit  0,581,  Glyzerin  32,16,  Wasser  66,23  (Apotheke 
Xurstrahe  34,  Berlin  C. ,  zu  beziehen).  Brugsch  gibt  ebenfalls 
eine  Zusammenstellung  der  gebräuchlichen  Mittel^  die  internen  be- 
stehen meist  aus  Jodkali  und  Lobelia;  die  Häuchermittel  aus  Sal* 
peter  und  Solan eenblatter  und  die  Zerstaubungsmittel  aus  Alkaloiden 
wie  Kokain,  Atropin  mit  Menthol  u.  s.  w.  Es  ist  dringend  zu 
wünschen,  daß  der  Arzt  sich  mit  diesen  Dingen  etwas  vertraut 
mache,  weil  man  so  den  Qeheimmitteln  am  ehesten  begegnet, 
indem  ein  gleich  wirksames,  aber  viel  hilligeres  Ersatzmittel  ver- 
ordnet wird. 

Wenn  auch  das  Bestreben  des  Therapeuten  auf  positive  Leistungen 
gehen  muß,  so  sind  die  negativen ^  d.  h.  Schädigungen  durch  Medika- 
mente, nicht  weniger  wissenswert.  In  dieser  Hinsicht  verdienen  grolie 
Beachtung  die  Mitteilungen  über  Vergiftungen  mit  Bismut  um  sub- 
nitricum.  Hoff  mann  hatte  einem  3  Wochen  alten  Kbd,  das  auf 
Pylorusstenose  verdächtig  war,  3 — 4  Magißterlum  Bismuti  verabreicht 
zur  Köntgenuntersuchung*  12  Stunden  später  Zyanose  und  Kollaps 
mit  Exitus,  Böhme  hat  hei  ei  Dem  ähnlichen  Fall  eines  l\a  jährigen 
Kindes  eine  Röntgenuntersuchaug  des  Magens  mit  einigen  Gramm 
Bismut  vorgenommen,  was  gut  ertragen  wurde.  2  Tage  später  noch 
eine  Untersuchung  des  Dickdai-ms  mit  Bismuteingietiung.  Etwa 
3^1  Stunden  später  plötzliches  Aufschreien,  Dyspnoe,  Blauwerden 
und  trotz  aller  Malinabmen  in  30  Minuten  Exitus.  Die  Sektion  er- 
gab ausgesprochene  Methkmoglohinbildungj  keine  sonstigen  Verän- 
denmgen;  im  Blut,  Urin,  Perikardflüasigkeit  ließ  sich  aber  Nitrit  nach- 
weisen; es  liegt  daher  der  Verdacht  nahe,  daß  es  sich  um  eine 
Kitrit Vergiftung  handelt.  Die  Versucha  zeigten,  dafi  speziell  der 
Darminhalt  des  Kindes  erhebliche  Mengen  Nitrit  aus  Bismutum  eub- 


I 
I 

( 


I 
I 


Pharmakotherapie.  105 

nitricmn  za  bilden  vermag,  was  wohl  mit  speziellen  Bakterienverhält- 
nissen zusammenhängt;  beim  Erwachsenen  scheint  diese  Bildung 
seltener  vor  sich  zu  geben.  Immerhin  sind  auch  solche  Fälle  be- 
obachtet, nur  nicht  als  Nitrit-,  sondern  als  Metallvergiftung  gedeutet 
worden  (Pancoast  und  Davis).  In  den  Organen  des  Kindes 
wurde  kein  Bismut  aufgefunden;  die  Metallvergiftung  macht  auch 
bekanntlich  andere  Erscheinungen  und  wird  fast  nur  bei  Anwen- 
dung auf  Wunden  beobachtet.  Hier  ist  es  also  das  abgespaltene 
Nitrat,  das  reduziert  wird.  Es  erscheint  daher  dringend  geboten, 
Kindern  fiir  therapeutische  Zwecke  nur  geringe  Mengen  Bismutum 
sabnitricum  zu  verabreichen ;  zu  größeren  für  radiologische  Zwecke 
sollte  Wismuthydroxyd  verwendet  werden.  Ebenfalls  auf 
Methämoglobinbildung  beruht  eine  Vergiftung  durch  Zitrophen,  Zitropl 
über  die  Goldschmidt  berichtet ;  eine  Dame  hatte  4  Pulver  Zitrophen 
Ä  1  g  innerhalb  kurzer  Zeit  gegen  Zahnperiostitis  genommen,  wor- 
auf sieb  bald  ein  kollapsartiger  Zustand  mit  starker  Zyanose  ein- 
stellte, der  nach  24  Stunden  in  Heilung  überging.  Bei  dem  Fall, 
den  Hey  de  beobachtete,  handelte  es  sich  um  einen  kräftigen  jungen 
Mann,  der  wegen  Tonsillarabszeß  3  Pulver  ä,  1  g  erhielt.  Schon 
nach  der  zweiten  Dosis  traten  Herzschwäche,  Arhythmie,  hochgradige 
Zyanose  ein,  von  welchen  Symptomen  sich  der  Patient  erst  im  Ver- 
lauf von  8  Tagen  erholte.  Da  im  Organismus  sehr  leicht  die  Zi- 
tronensäure abgespalten  wird,  so  ist  Gelegenheit  zur  Entstehung 
von  Anilin  gegeben.  Zitrophen  rangiert  an  Gefährlichkeit  wohl 
direkt  neben  Antifebrin,  ist  daher  nur  in  kleinen  Dosen  zu  gebrauchen. 
Eine  Vergiftung  mi  t  C  h  i  n  i  n  beschreibt  Seeligsohn;  die  anämische  ^  ^^n> 
Patientin  hatte  6  g  innerhalb  3  Tagen  genommen,  worauf  Er-  ^^^^ 
blindung  und  Taubheit  eintrat;  letztere  ging  bald,  erstere  nach 
2  Monaten  wieder  zurück. 

Literatur. 

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Schmidt,  Münch.  med.  Wocheneehr.  Nr.  23.  —  Gönner,  Münch.  med. 
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M,  Hedinger,  Münch.  med.  Wochenschr*  Nr.  iL  —  J.  Hejde,  Münch. 
med.  Wochenschr.  Nr.  33.  —  H,  Hildebrand,  Münch.  med*  Wochenschr. 
Nr.  25.  ^-  T.  Hippel,  Zentralbl.  f.  Chirurg.  Nr.  46.  —  Hocheisen.  Münch, 
med.  Wochenschr.  Nr.  IL  ^  Hofftnann,  Münch.  med.  Wochenschr*  Nr.  19 
(1906).  —  M.  Hofmeier,  Münch.  med*  Wochenachr*  Nr.  48.  --  E.  Hohach, 
Münch.  med.  Wocheiichr*  Nr.  25.  —  Kabatschnik,  Ther.  Monatsh.  Nr,  12. 

—  Käst,  Berl*  klin*  Wochen  sehr.  Nr*  19*  ^  Klemperer,  Thcr*  d.  Gegen- 
wart  Nr.  5.  ^  Kottmann*  Korreep.-Bl*  f.  ScbweiÄ.  Aersste  Nr.  10.  — 
Krenter*  Münch.  med.  Wücben^chr.  Nr.  9*  —  Krieger  u.  v.  d.  Velden^ 
Deutsche  med.  Wo  che  nachr.  Nr.  6.  —  Krön  ig  u.  Gauß,  Münt.:h.  med. 
Wochenschr.  Nr.  40  u.  4L  —  Kül bs ,  Deutsch.  Ärch.  f.  klin.  Med.  Bd.  LXXXIV* 

—  Lehmann,  Hjg,  Rundachnn  Bd.  XVII,  Sept.  —  Lejden  u.  Berge  11, 
ZeitBchr*  f  kljn.  Med.  Bd.  LXL  H.  3  u.  4*  —  0.  Locwi,  Wien.  klin.  Wochen^ 
ftchrift  Nr.  L  —  Mai,  Ther.  d.  Gegenwart  Nr.  IL  —  F.  Merkel,  Münch. 
med,  Wochenschr.  Nr.  27.  —  C.  Michael,  Berl.  klin.  Wochenachr. 
Nr.  50.  —  Michaelia,  Med.  Klinik  Nr.  10.  —  Mohrmann,  Ther. 
Monatsh.  Nr.  1  u.  8.  —  Müller  ii,  Joch  mann,  Münch*  med,  Wochen- 
achrifl  Nr.  25  u-  31,  1906.  —  Mulztr,  Müticb.  med.  Wochenschr.  Nr.  9*  — 
0,  Neu  mann,  Ther*  Monat«h.  Nr.  4.  —  N.  Nigoul,  Gaz.  de«  Höpi- 
taux  Nr,  19  u.  20.  —  Paterson,  Semaine  med.,  Sept.  18.  —  C.  Philipp. 
Münch.  med.  Wochenschr.  Nr*  41,  —  0,  Roith,  Münch*  med*  Wochen- 
ichrifl  Nr,  19.  —  Ä*  Rose,  Ther.  MonaUh*  Nr,  6.  —  Röttger,  GenutJ- 
mittel  —  Genuögifte.  Berlin.  —  F.  M*  Bowland.  Brit.  med*  joum., 
Nov.  (1906).  —  Eunck,  Münch,  med.  Wochenschr.  Nr.  15.  —  P*  Scharff, 
Ther.  Monatsh,,  Okt.    ^    Schenk  er,   Münch.   med.   Wochenschr.  Nr*  43, 

—  Schdnbein,  Wien,  med,  Presse  Nr»  39*  -^  Schubert,  Münch. 
med,  Wochenachr.  Nr.  26,  —  C-  Schul a,  Mitteilg.  a*  d*  Grenzgeb.  d. 
Med,  n.  Chir.  Bd,  XVII,  H,  5*  —  W,  Seeligiohn,   Berl   klin.  Wochen- 


Pharmakotherapie.  107 

«chrift  Nr.  9.  —  H.  Starck,  Deutsche  med.  Wochenschr.  Nr.  12.  — 
W.  Steffen,  Arch.  f.  Gynäkol.  Bd.  LXXXI,  H.  2.  —  Stumpf,  Stubers 
Verlag,  Würzburg,  1906.  —  Teichmann,  Ther.  d.  Gegenwart 
Nr.  5.  —  Topp,  Ther.  Monatsh.  Nr.  3  u.  5.  —  Urban,  Münch.  med. 
Wochenschr.  Nr.  8.  —  K.  Vogel,  Mitteilg.  a.  d.  Grenzgeb.  d.  Med.  u. 
Chir.  Bd.  XVII,  H.  5.  —  L.  Waelsch,  Münch.  med.  Wochenschr.  Nr.  19. 
—  P.  Wolf,  Arch.  f.  klin.  Chir.  Bd.  LXXXII,  H.  4.  —  Wohlberg,  Berl. 
klin.  Wochenschr.  Nr.  46. 


6.  Orthopädie,  Kinesiotherapiep 


Von  weiland  Geb.  Medizbialrat  Prof.  Br.  A»  HolTii,   Direktor  der  ortho- 

pädisclaeii   üniversitätspoliklinik   in   Berlin,   ujid   Dr.    Paul   GlaesBiier^ 

Aaaietent  der  Poliklinik, 

Eit  B  Attbildojis&ii- 

bUclier  AllgGöieinö    Ortbopädie.      Mit   der   stets   lunehmemlen   Verbreitungr 

unseres  Spezialfach  es  und  seiner  stets  wachsenden  Bedeutung  vergTÖfieit 
dcii  alljährlich  auch  die  Zahl  der  neu  erscheinenden  Arbeiten*  Auch  d^ 
Jahr  1907  hat  uns  wieder  eine  Reihe  von  hervorragenden  Werken  be- 
schert» unter  denen  an  erster  Stelle  dai  Ton  Jcachimstlial  heraus* 
gegebene  Handbuch  der  orthopädischen  Chirurgie  genannt  werden  maß. 
Wfta  die  bereits  im  vergangenen  Jahre  erschienenen  ersten  Lieferungen 
versprochen  haben*  das  haben  die  nachfolgenden  reichlich  erfüllt.  Die 
Vereinigung  grundlegender  Arbeiten  der  hervorragendsten  Vertreter  dieses 
Faches  über  die  einzelnen  Kapitel  der  orthopädischen  Chirurgie  bieten 
schon  allein  Gewähr  für  den  großen  und  dauernden  Wert  dieses  Werkes. 
Eine  gute  und  übersichtlidie  Zii?ammenstelliing  der  orthopädischen  Technik, 
eine  eingehende  ScbilderuQg  der  orthopädischen  Operationen  neben  ent- 
sprechender Würdigung  der  Mechanotherapie  auf  Grund  eigener  Erfahrungen 
bringt  uns  das  Buch  von  Redard.  unter  den  weiteren  größeren  Arbeiten 
verdient  auch  die  von  Wahl  übersetzte  orthopädische  Chirurgie  von  B  e  r  g  e  r 
und  Bandet  erwähnt  zu  werden,  die  sich  ausschließlich  mit  orthopädischer 
Technik  befaßt.  Von  dem  für  uns  so  wertvollen  Handbuch  der  praktischen  Chi- 
rurgie von  V.  Bergmann  und  v.  Bruns,  dessen  Neuauflage  sich  würdig  ihren 
Vorgängerinnen  anreiht  und  alle  Errungenschaften  der  letzten  Zeit  berück- 
sichtigt, ist  wieder  der  5*  Band  für  uns  von  ganz  besonderem  Interesse.  Alfr 
einen  sehr  wertvollen  Beitrag  zur  orthopädischen  Literatur  möchten  wir 
noch  eine  neue  Lieferung  der  Deutschen  Chirurgie,  das  von  Petersen  und 
Gocbt  erschienene  Werk  ^Amputationen  und  Eiartikulationen,  Künstliche 
Glieder*  bezeichnen.  Üeber  die  Kinematik  der  Gelenke  brachte  uns  Fischer 
ein  sehr  lesenswertes  Buch.  Auf  dem  Gebiete  der  medibo-mechanischen  Heil- 
methoden, Massage  und  Gymnastik,  sind  ^gleichfalls  eine  größere  Reihe  von 
Arbeiten  erschienen,  zum  Teil  Neuauf  logen  alt  bekannter  und  gut  einge- 
führter Werke,  5tum  Teil  neue  Methoden.  Von  dem  bekannten  Handbuch  der 
Massage  und  Heilgymnastik  von  B  u  m  ist  eine  Neuauflage  erschienen,  di^ 
Hoffaache  Technik  der  Massage  ist  gleichfalls  neu  aufgelegt  worden. 

Auf  Grund  theorefcisclier  Erwägungaii  hat  Klapp  von  Esch- 
baum  in  Bonn  einen  Apparat  konstruieren  laaeen,  der  einen  bo 
kräftigen  Luftstrom  liefern  katrn,   wie  er  ttberhaupt  nur  ©rträglicli 


1 


ist*  Di©  Luft  kann  kalt  oder  warm  zur  Änwendang  kommen.  Wenn  Maaai 
man  den  kontinuierlichen  Luftstrom  in  gclmellem  Wechsel  unter- 
bricht^ so  trifft  einö  schnell  aufeinanderfolgende  Reihe  von  Luft- 
Btößen  die  Körperoberfläche  und  erzeugt  ein  Gefühl^  ähnlich  dem 
bei  der  Vibration smasaage  entstehenden.  Da  diese  Massage  nach 
Klapp  ohne  fühlbare  Beibung  vor  sich  geht,  empfiehlt  er  sie  vor- 
züglich für  schmerzhaft©  Leiden,  bei  frtachen  Frakturen,  bei  maze- 
rierter Haut  und  in  der  Umgehung  von  Wunden.  In  einer  für  die 
Praatis  nach  Art  eines  Kompendiums  geschriebeneu  Abhandlung 
schildert  Colombo  seine  eigene  Technik  der  Massage.  Er  teilt  die 
verschiedenen  Handgriffe,  die  er  genau  beschreibt,  in  sieben  Gruppen 
«in  und  gibt  eingehende  Anleitungen  und  Regebi  für  die  Ausfuh- 
rung seiner  Technik.  Die  Massage  unter  Wasser  empfiehlt 
B  e  n  d  e  r  s  k  i  besonders  für  die  Banchmaseage  und  die  bei 
schmerzhaften  Erkrankungen.  Er  geht  von  der  Annahme  aus^  daß 
unter  Wasser  der  Druck  im  Innern  der  Gewebe  herabgesetzt  wird 
und    dadurch    die    Schmerzen    vermindert    weixien,      Fem  er    macht 

lenderski  anfmerkeam  auf  gewisse  streichelnde  Masaageproze- 
aureUi   die  sich  besonders  für  alle  unter  Schmerzen  einhergehenden 

Erkrankungen  eignen  ^  bei  denen  von  der  Massage  ein  Erfolg  zu  er- 

rarten  ist  Der  Kombination  von  MaBsage  und  Elektrizität  dient 
ein  von  Arndt  konstruierter  Elektromassagehandschuh ,  der  sich 
üttch  uns  sehr  gut  bewährt  hat,  Anch  neue  Massageapparate  sind 
ingegeben  werden,  so  von  Johannsan  zwei  komplizierte  Maschin en, 

rnlehe  alle  bisherigen  dieser  Art  weit  übertreffen  sollen,  lieber  die 
Verwendung  der  Yibrationsmassage  in  der  Gynäkologie  macht 
Witthauer  neuere  Angaben.  Herz  gibt  in  kurzer  und  Übersicht* 
lieber  Darstellung  alles  für  den  praktischen  Arzt  Wissenswerte  über 
die  Physiologie  und  die  Indikationen  der  Heilgymnastik,  während  GyranaiUii 
Hoffa  neuerdings  auf  die  Bedeutung  hinweist  ^  welche  Uebung^ 
Gymnastik,  Massage  für  die  Behandlung  von  Knochen-  und  Gelenk- 
erkrankungen —  er  erläutert  dies  an  einzelnen  Beispielen  —  besitzen, 
Die  Gymnastik  in  der  Schule  unter  besonderer  Berücksichtigung  der 
L  Atemgymnastik,  unter  Hinweis  auf  die  Bedeutung  der  Spiele  im  Freien 

ad  der  allgemeinen  Körperpflege  bespricht  L  e  w  a  n  d  o  w  s  k  i.  Auch 

iie  allgemeine  Gymnastik  hat  eine  entsprechende  Wüi'digung  erfahren 

^ durch  die  guten  und  interessanten  Bücher:  Das  K an o- Jiu-Jitsu  und 

Japftnische  Gymnastik  für  Knaben  und  Mädchen  von  H.  I.  Hancock 

ad  Katsukama  Higashi,  sowie  durch  eine  eingehende  Be- 
iprechungf    welche    ein    Vortrag    von   I.   P,  Müller  über    „Mein 

System"  in  der  Gesellschaft  der  Aerzte  in  Zürich  gefunden  hat. 


Iloffa  und  Glaeesner. 


pcrümie 
Ale 


Uttleacbe 
fruukheii. 

perationeD. 


Hier  möchten  wir  auch  über  weitere  günstige  Resultate  be* 
richteüj  welche  die  Hjperämtebehandlung  in  der  allgemeinen 
Praitis  und  speziell  bei  der  Behandlung  von  akuten  und  chronischen 
Knochen*  und  Gelenkerkrankungen  erdelt  hat,  Ueber  solche  gün- 
stigen Erfahrungen  berichtet  Szalai,  Femer  macht  Kühne  Mit- 
teilung über  gute  Erfolge  mit  der  Bier-Klappschen  Stauung  durch 
Sangwirknng  nnd  betont  besonders  das  Schonende  und  Schmerdose 
des  Verfahrens  nnd  den  schnell  und  sicher  eintretenden  Erfolg. 
Ueber  recht  zufriedenateliende  Resultate  bei  Anwendung  lang  dauern- 
der Heißluftbehandiung  bei  Arthritikern  berichtet  Chlumsky*  Sehr 
günstige  Beeinflussung,  Linderung  der  Schmerzen  und  Heilung  ohne 
Funktionsstörung  der  Gelenke  hat  Arapsoff  bei  der  Behandlung 
gonorrhoischer  Gelenkleiden  mittels  Stauungshjperämie  nach  Bier 
gesehen ,  Die  prophylaktische  Biernc he  Stauung  emptiehlt  Schmidt 
bei  infizierten  ^  bezw,  infektionsverdächtigen  Wunden  nach  kompli- 
zierten Frakturen  T  nach  Sehnen-  und  Nervennaht  bei  verunreinigten 
Wunden,  Schließlich  betont  Deere f  die  Zweckmäßigkeit  der  Korn- 
bination  von  Dampfmassage  und  Geißln ftbehandlung 
auf  Grund  sehr  günstiger  Erfahrungen  bei  der  Behandlung  akuter 
und  chronischer  rheumatischer  Gelenkaffektionen,  sowie  bei  gonor- 
rhoischer Arthritis.  Uebergehend  zu  den  einzelnen  größeren  Kapiteln 
der  allgemeinen  Orthopädie  möchten  wir  isunächat  auf  einige  Arbeiten 
über  die  Littlesche  Krankheit  hinweisen,  so  auf  eine  hauptsäch- 
lich referierende  Arbeit  von  Echerer,  dann  auf  einen  Aufsatz  von 
Fr ö lieh  über  die  orthopädische  Behandhmg  gewiaser  Formen  der 
Littleschen  Krankheit.  Neurath  macht  darauf  aufmerksam^  daß 
bei  der  zerebralen  Hemiplegie  des  Kindesalters  meist  eine  Neigung 
des  Kopfes  nach  der  gelähmten  Seite  besteht.  Er  fiahrt  diese  Neigung 
größtenteils  auf  eine  Koutrakturstellung  der  tiefen  Hals-  nnd  Nacken- 
muskeln zurück. 

Was  nun  die  orthopädischen  Operationen  anlangt,  so  ist  zu- 
nächst Bade  in  einer  Arbeit,  betitelt  „Zur  Osteotomie-  und 
Osteoklasie  fr  age'Vj  dafür  eingetreten,  daß  die  Verkrümmungen 
der  Extremitäten,  die  in  der  Mitte  oder  in  der  Nähe  der  Mitte 
liegen j  durch  maschinelle  Osteoklasie,  diejenigen,  die  mehr  in  der 
Nähe  der  Gelenke  liegen,  durch  blutige  Osteotomie  ausgeglichen 
werden  Bollen.  Auch  mit  den  durch  Wachstums störun ge n ,  Ver- 
krümmungen oder  Verletzungen  zu  stände  gekommenen  Verkürzungen 
einer  Extremität  hat  man  sich  in  den  letzten  Jahren  aktiv  thera- 
peutisch  mehr  befaßt.  So  empfiehlt  Deutschländer  dieEeinesche 
Operation  zum  Auegleich  von  Verkürzungen,    Zur  Befestigung  der 


ttente  verwendet  er  das  Lambotte  sehe  Verfahren  mittels  Alu- 
minima scMenen  und  Schraaben*  Auf  Gmüd  eines  sehr  guten  Resul-  Knocli^n' 
iates  Dach  XontiDuitätsresektion  aus  dem  gesunden  Oberschenkel  °P^''^^^o^^"- 
Eum  Ausgleich  der  Verkiireungder  anderen  Seite  empfiehlt  Glaessner 
dieses  Verfahren  für  ähnliche  Fälle.  Auch  die  orthopädischen  öe- 
lenkresektionen  sind  wiederholt  im  letzten  Jahre  ausgeführt  woi-den» 
8u  macht  Schanz  Mitteilung  von  einem  sehr  guten  Resultat  bei 
einer  knöchernen  Ankylose  des  Humerouluargelenka,  bei  dem  er  die 
ort  ho  päd;  gehe  Resektion  mit  nachfolgender  Interposition  eines  Fett- 
lappens aus  dem  Unterhautzellgewebe  ausgeführt  hat  und  bei  der 
es  schließlich  zu  einem  vollkommen  beweglichen  und  funktions* 
tüchtigen  Gelenk  gekommen  ist.  Interessant  ist  die  Untersuchung, 
welche  Weglowski  bei  der  Sektion  eines  Falles  ausführen  konnte, 
bei  dem  er  wegen  einer  Ankylose  dee  Ellbogengelenkes  die  ortho- 
pädische Resektion  mit  Interposition  von  Knorpelplatten  zwischen 
die  Galenkenden  vorgenommen  hat.  Er  fand,  daß  die  Knorpel  platten 
vollkommen  angewachsen  waren  und  sich  auch  auf  die  benachbarten 
Partien  des  Knochens  ausgebreitet  hatten,  schon  zu  einer  Zeit  relativ 
früh  nach  der  Operation  (5  Wochen),  Als  Kachbehandlung  nach 
mobilisierenden  Operationen  empliehit  Slomann  schon  frühzeitig 
beginneßde,  v-oraichtige  mediko-mechanische  Behandlung,  protra- 
hierte Heißluftbäder  und  später  ausi^iebigR  Massage  mit  passiven 
und  Widerstandabewegungen,  schließlich  Uebungen  an  Krücken- 
b er g sehen  Pendelapparaten*  Hier  ist  auch  eine  recht  interessante 
Arbeit  von  Sommer  zu  erwähnen,  welcher  auf  Grund  röntgolo- 
gischer  Studien  über  die  Kallusbildung  empfiehlt^  daß  sich  die  The- 
rapie, speziell  bei  den  Frakturen,  nicht  so  sehr  mit  der  Kalluabildung 
beachäftigen  soll,  sondern  mit  der  Hintanhaltung  sekundärer  Folge- 
^nstäiide  der  Frakturen.  Nach  genauer  Adaptation  der  Fragmente 
scheint  Sommer  hierzu  die  frühzeitige  Farad isation  niii> 
HüTe  von  Elektroden,  welche  in  den  starren  Verband  eingelegt  wer* 
den,  am  geeignetsten.  Auf  eine  hie  and  da  eintretende  Gefahr  bei 
unblutigen  Knochenoperationen  macht  neuerdings  v.  Aberle  auf 
Orund  einzelner  Erfahrungen  an  dem  Wiener  Orthopädischen  In- 
atitnt  aufmerksam.  Diese  Gefahr  besteht  in  der  Fettembolie- 
Aberle  ecLlägt  vor,  zur  Vermeidung  derselben  erstens  Kontrak- 
turen möglichst  vollkommen  zu  korrigieren  und  Nachoperationen  zu 
verhüten^  zweitens  möglichst  frühzeitig  zu  operieren,  bevor  eine 
Atrophie  des  Knochens  eintritt,  drittens  feste  Fixation  der  infrak^ 
turierten  Knochen,  viertens  Osteotomie  anstatt  Osteoklasie  als  den 
schonenderen  Eingriff  auszuführen.   Mit  der  gleichen  Frage  hat  sich 


112 


fa  nnd 


^laeiflner. 


Küochen- 
peiatiooeiL« 


Sehnen- 
perali(>iien. 


auch  Bein  er  befaßt.  Er  liat  zum  Zwecke  der  Vermeidung  dieser 
Gefalir  durcli  das  kurze  Endstück  der  Saphena  von  einem  großen 
Nebenzweig  derselben  eine  Kanüle  bis  an  die  Vena  femoralis  Bor- 
ges cboben.  Aus  dieser  Kanüle  entleerte  sich  dann  mit  den  ersten 
Blütwellen  nach  dem  Eingriff  aiich  das  von  seinem  Mtitterboden  ge- 
lockerte Fett.  Eichhorn  vertritt  die  Ansicht,  daß  für  die  Ent- 
stehung einer  Fettembolie  die  Erschütterung  des  gauzen  Knochen- 
sjstems  von  großer  Bedeutung  ist,  ja  gelegentlich  ihre  alleinige 
Ursache  darstellen  kann»  Die  groÖe  Zahl  der  in  den  letzten  Jahren 
ausgeführten  Sehnenoperationen  hat  natürlich  auch  große  Er- 
fahrungen für  den  einzelnen  gebracht  und  vielfach  auch  den  Wunsch 
nach  VerbeBserungen  der  Technik  wachgerufen.  Von  den  letzteren 
möchten  wir  zmiächst  eineri  Vorschlag  von  Gocht  anführen, 
der  zur  Vermeidung  der  Peroneus  Verletzung  bei  der  subku- 
tanen Darchschneidung  des  M.  biceps  in  der  Kniekehle  den 
genannten  Muskel  bei  gebeugtem  Knie  durch  einen  starken 
faradischen  Strom  zur  Kontraktion  veranlaßt;  auf  diese  Weise 
gelingt  es  dann  leicht,  den  Muskel  ohne  Nervenverletznng 
subkutan     zu     durch - 

Fig.  11. 


mm 


a 


a 


wm 


zu 
schneiden.  Eine  neue 
Methode  der  Sehn  e n- 
verlängerung  emp- 
fiehlt Schnitze,  die 
sich  am  besten  aus  bei- 
stehender kleiner  Zeich- 
nung (Fig.  11)  ergibt. 
Auch  die  Frage  derEin- 
heiiung  der  Sublimat- 
seide hat  durch  Fre}^ 
eine  Bearbeitung  gefun- 
den, Freyk  onn  te  nach- 
weisen^  daß  die  einfach 
gekochte  Seide  ohne  Se- 
kretbildung einheilt,  in- 
dem sie  sich  mit  einer  dünnen  Bindegewebskapsel  überzieht  Um  die  Se- 
kretion bei  der  Subli  matsei  de  zu  vermeiden,  empfiehlt  Lange,  die  in  Subli- 
mat  ausgekochte  Seide  zu  trocknen  und  sie  mit  Paraffin  zu  durchtränken. 
Selbst  mehrere  Meter  ganz  dicker  Seide  konnten  auf  diese  Weise  sffur 
Einheilung  gebracht  werden.  Die  Entstehung  der  Sehnennekroae 
nach  Naht  hat  Silver  experimentell  studiert  Er  ist*zu  dem  Sehlaß 
gekommen,  daß  die  zu  aberpfianzeude  Sehne  so  wenig  wie  möglich  von 


mm 

(Aus  ZentralbL  f,  ohir,  U-  mech.  Orthop    Bd  1^  19&7.) 


Orthopädie,  Kineaiotherapie. 


113 


dem  umgebenden  Oewebe  getrennt  werden  soU  und  die  Sehnensclieide 
möglichst  zu  erhalten  Ist.  Ueber  die  einzelnen  Methoden  der 
Sehnen  Operationen  sind  auch  wieder  zahlreiche  Mitteilungen  ge- 
macht worden.  Solche  Mitteilungen  liegeu  vor  ans  der  v.  Eiseisberg- 
sehen  Klinik,  durch  FriBch  über  günstige  Erfalirungen  mit  Hilfe  der 
Lan gesehen  Raffnaht,  dann  von  Watkins  über  die  besonders  gute 
Verwendbarkeit  der  periostalen  Sehnen plastik  nach  Lange.  Die  Frage 
Sehnen p las tik  oder  Arthrodese  hat  besonders  aof  dem  letzten  Ortho- 
pädenkongreß und  dem  letzten  franzöaischen  Chirurgenkongreß  leb- 
hafte Erörterung  gefunden»  Yulpius  hat  den  Vorschlag  gemacht,  zur 
Verbesserung  der  ArtbrodeBe  die  Sehnen  der  drei  vorderen  Fuß- 
muskeln  an  einen  breiten  Faszienstreifen  an  der  Criat^  tibiae  bei  Mittel- 
stellung des  Fußes,  eventuell  nach  Verkürzung  der  Sehnen  festzunähen. 
Die  von  ihm  mit  dieser  Methode  erzielten  Resultate,  die  er  nach 
1  %  Jahren  nachgeprüft  hat,  sind  sehr  gut.  Lex  er  empfiehlt  zur  Ver- 
steifung der  paralytischen  Gelenke  von  kleinen  Hautschnitten  aus 
Knochenbolzen  in  die  Knochen  einzuschlagen.  Die  Resultate  dieses 
Verfahrens  waren  befriedigend.  Zur  Beseitigung  der  durch  die  Läh- 
mung des  (ilutaeus  mediua  und  minimus  bedingten  schweren  Gang- 
49tÖrangen  hat  Lange  mit  gutem  Erfolge  den  M.  vastus  extemus  an 
seinem  oberen  Ansatz  losgetrennt  und  mittels  durchgeflochtener 
Seidenatränge  an  der  Crista  ilei  festgenäht,  Ueber  die  Endresul* 
täte  der  Sehnenoperationen  hat  Hoffa  auf  dem  letzten  Cr- 
thopädenkongreß  ausführlich  berichtet.  Seine  Forderungen  gipfelten 
1.  iu  der  vollkommenen  Beseitigung  der  Deformität  vor  der  Opera- 
tion ^  2.  in  der  Aufstellung  einfacher  guter  Operationspläne,  3.  in  der 
exakten  Technik  (die  überpflanzten  Sehnen  müssen  die  richtige 
Spannung  haben,  die  Langesche  periostale  Sehnenplastik  ist  in 
vielen  Fällen  vorzuziehen)  und  4,  in  einer  langdauemden,  zweckent- 
sprechenden Nachbehandlung,  Auch  Bade  hat  Indikationen  zur 
Sehnenoperation  bei  spinalen  und  cerebralen  Lähmungen 
Aufgestellt,  Er  hebt  hervor^  daß  vor  dem  6.  Lebensjahr  keine  Plastik 
vorgenommen  werden  sollte  und  daß  man  nie  traneplantieren  sollte, 
um  nur  die  Stellung  zu  verbessern.  Dazu  wären  andere  und  leichtere 
Operationen  vorhanden.  Ueber  eingehende  Erfahrungen  auf  Grand 
sehr  zahlreicher  Operationsresultate  berichtet  auch  Karch,  Er 
fordert  weitgehendste  Indikationen  für  die  Sehnen  plastik  en  bei 
schlaffen  Lähmungen  und  möglichst  einfache  Operations  plane.  Bei 
Littlescher  Krankheit  genügt  meist  —  und  das  wurde  auch  wieder^ 
holt  bei  der  Diskussion  auf  dem  Ortho padenkongreß  betont  —  die 
einfache  Tenotomie  der  spastisch  kontrakturierten  Muskeln,  Schani 
Jahrbnob  der  praktiscben  M^dUia.    i&QS.  g 


114 


Hoifa  und  Glaeisrteir. 


S«litt©a-      %etont  nochmals  seine  Delimtion  der  SehnentransplantattOEen  —  es 
lanapUntÄ-    |g^  g^  gelälimter  funktioo »wichtiger  Muskel  durch  eiaen  un gelähmten 
füuktionBuu  wich  tigeren  zu  ersetzen  — -  und  weist  auf  seine  günstigen 
Erfolge  bei  der  Quadrizepsplastik  hin.   Schließlich  darf  hier  die  ein* 

das    Thema    „Moskel-    und    Nerven- 


Nerven- 


Fig.   I: 


gehende  Besprechung  über 
Verpflanzung  zur  Heilung  von 
Lähmungen^,  das  auf  dem 
französischen  Chirnrgenkon- 
greß  2ur  Diskuasion  stand, 
nicht  außer  acht  gelassen 
werden*  Ohne  auf  die  Äua- 
führungen  der  einzelnen  Re- 
ferenten näher  eingehen  zu 
können^  sei  hier  nur  hervor- 
gehoben, daß  der  Methode 
in  Frankreich  im  aUgemeinen 
nicht  darseibe  Wert  beige- 
messen KU  werden  scheint  wie 
in  Deutschland.  Die  auf  dem 
Kongresse  anwesenden  deut- 
schen Chirurgen,  vor  allem 
Hoffa,  Lange  und  Vui- 
piua,  berichteten  nicht  nur 
über  ilire  Erfolge  auf  diesem 
Oebiet,  sondern  auch  über  die 
Art,  Mißerfolge  zu  vermeiden* 
Damit  kommen  wir  auch 
gleich  auf  das  Gebiet  der 
Nervenoperationen.  Sehr 
interessante  Untersuchungen 
von  Kilvington  haben  ge- 
zeigt,  daß  die  Möglichkeit 
besteht ,  bei  Euckenmarks- 
Verletzungen  die  Lähmungen 
der  Blase  und  des  Mastdarms 
durch  Nervenanastomose  zu 

beseitigen*      Stirling    berichtet    von    einem    sehr    guten    Erfolg 
der    Implantation     eines    Stückes     des     Nervus    ischiadicus     vom 
Hunde  in  einen  7 — 8  cm   betragenden  Defekt  des  Medianus   beim  ■ 
Menschen.      lieber   20   Fälle    von    Nervennaht    und    Nervenlösung 
macht   v*   Auffenberg   aus   der   v,   Eiselsbergschen    Klinik    Mit- 


{Aus  2eitschr.  f.  orthop.  Chir.  Bd.  XVI ri,  H  1 13. 1, 
Sh  195,  Fig   la  } 


Orthopädie«  Kinei^iotberaiple. 


115 


taiiang.  lo  der  größeren  2ahl  der  Fälle  werden  bei  möglichst 
fruhiseitigeT  Operation,  Umscheidung  der  Nahtstelle  mit  Gelatine- 
oder Gefäiiröhrchen  und  bei  energisclier,  langa  fortgesetzter  Nach- 
behandlung mittels  Massage  und  Elektrizität  gunstige  Erfolge  erzielt. 

Ueber  Indikationen  und  Tech- 
Fig*  13.  nik    der   Nerven  pfropf ung   im 

Gebiete  des  Nervus  facialia 
macht  Davidsohn  genauere 
Angaben  auf  Grund  von  Erfah- 
rungen der  Heidelberger  Klinik. 
Charles  Greene  Cumaton 
empfiehlt  die  eeitliche  Ein- 
l<jlunzutig  des  Fazialis  in  den 
gesunden  Hypoglossus  oder 
Akzessorius^  wenn  eine  längere 
elektrische  Behandlung  einen 
Erfolg  nicht  mehr  erhoffen  läßt* 
Ueber  gehend  zu  den  Ar- 
beiten über  die  Knocken© r-  Knochen^ 
krankungen  sei  zunächst  auf  ^''^^^^^^'^"^'f 
einige  Arbeiten  über  die  rachiti- 
schen Verkrümmungen  hinge- 
wiesen. Die  Frakturen  und  In- 
fraktionen  bei  rachitischen  Kin- 
dern, die  wegen  der  oft  ganz 
geringfügigen  Erscheinungen 
von  der  Umgebung  gar  nicht 
bemerkt  werden ,  begpricht 
F teils.  Er  betont,  daß  solche 
Verletzungen,  bei  denen  das 
Periost  intakt  ist,  selbst  auf 
dem  Röntgenbild  nur  bei  ge- 
nauester  Beobachtung  zu  er- 
kennen sind.  Die  Wichtigkeit 
von  Röntgenaufnahmen  bei 
rachitischen  Verkrümmungen 
betont  auch  Wa  llace  Blanchard,  weil  man  nach  seiner 
Meinung  dadurch  erst  in  die  Lage  versetzt  ist,  zu  beurteilen,  an 
welcher  Stelle  die  Osteoklasie,  die  er  immer  aar  Korrektur  be- 
stehender Deformitäten  anwendet  ^  vorgenommen  werden  muß, 
ßnUeke  berichtet  über  3  Fälle  von  Zwergwuchs  infolge  prämaturer 


(Aas  Sipitsclir    f.  otthrtp.  Clur.  Bd    XVUU 
H.  1  u.  '1,  S.  i»&,  t'lg.  ihi 


116 


Hoife  und  Glaessner* 


Knochen-  Synostose  nach  scbwerer  KÄchitis.  Auch  über  die  Spätrachitis 
ökUBgeo :  j-^gg^  Mitteilungen  vor^  ao  über  einen  Fall  von  Eath,  der  bei 
einem  20jährigen  Mädchen  durch  Phosphor  in  steigenden  Dosen^ 
reichlichen  Aufenthalt  in  frischer  Luft  und  gute  Emähmng  eine 
fast  vollkommene  Heilung  erzielt  hat  (Fig.  12  u,  lÖ).  Was  die  Zeit 
dee  operativen  Eingriffes  bei  rachitischen  Verkrüm- 
mungen anlangt,  so  hat  v.  Aberld  sich  dafür  ausgesprochen,  die 
Grenzen  der  Indikations Stellung  wieder  etwas  weiter  2u  ziehen.  Er 
empfiehlt  awar  ein  Abwarten  des  floriden  Stadiums  bis  zum  4,  Jahr, 
dann  aber  je  nach  dem  Verlauf  der  Erkrankung  ein  operatives  oder 
konservatives  Vorgehen.  Selbst  bei  vorgeschrittenen  Fällen  kann 
man  unter  günstigen  Verhältnissen  noch  abwarten.  Kehmeo  aber 
Hanptkrümmung  und  Gegenkrümmung  zu^  so  sollte  man  mit  dar 
Vornahme  der  subkutanen  Osteotomie  und  nachfolgender  Osteoklasie 
nicht  länger  zögern.  In  der  an  den  Vortrag  sich  anschließenden  Dla- 
kusaion  erklärt  sich  Spitzy  für  ein  ab wartendercs  Verhalten  unter 
genauer  Kontrolle  der  Verkrümmungen  durch  Konturzeiclinungen, 
während  Reiner  das  Abwarten  bis  zur  Konsolidation  des  Knie- 
gelenks empfiehlt  und  Schultze  den  Zeitpunkt  vor  dem  Entstehen 
des  kompensatorischen  Plattfußes  zur  Operation  für  geeignet  hält, 
Müller  weist  auch  auf  die  persönlichen  und  sozialen  Momente  für 
die  Indikationen  zum  Eingriff  hin.  Die  für  das  Aufgetrieben  sein 
oder  die  Verdickungen  charakteristischen  pathologischen  Knochen- 
pro zease  bespricht  Preitter  an  der  Hand  von  Röntgenbildern  der 
verschiedenen  Röhrenknochen  bei  einem  45jährigen  Patienten*  lieber 
Ostitis  fibrosa  liegen  ansföhrliche  Mitteilungen  %'^on  Pfeiffer 
vor,  welcher  den  Zusammenhang  der  Knochenzysten  mit  der  Ostitie 
fibrosa  schildert,  die  sich  als  eine  entzündliche  Proliferation  des 
Knochenmarkes  darstellt.  Der  ganze  Prozeß  mit  nachfolgender 
Cysten bildung  ist  ein  durchaus  chronischer  und  erstreckt  sich  über 
viele  Jahre.  Pfeiffer  empfiehltj  den  erkrankten  Herd  vollkommen 
zu  entfernen,  und  zwar  unter  möglichster  Vermeidung  von  ein- 
greifenden und  verstümmelnden  Operationen.  IJeher  dasselbe  Thema 
hat  Bockenheimer  Untersuchungen  angestellt.  Er  fand  als  Ur- 
sache einer  solitären  Zjste  eines  langen  Röhrenknochens  eine  chro- 
nische Entzündung  des  Knochens  mit  nachfolgender  Resorption, 
Auch  Gaugele  beschäftigt  sich  mit  der  gleichen  Präge,  Die 
Ostitis  fibrosa  localisata  befällt  nach  ihm  meist  jüngere  Individueßj 
die  generalisata  ältere  Leute.  Bie  medikamentöse  Therapie  erweist 
sich  dabei  meist  als  nutzlos,  und  am  meisten  Erfolg  zeigt  noch  dld 
orthopädische  Behandlung  mit  Gipsverbänden  und  Schienenhi 


Ostitis 
fibrosa, 


I 


Orthopädie,  Eines ioiberapie. 


117 


apparaten.  Nach  v.  Haberer  ist  die  Krankheit  eine  eigentümliche 
Form  der  Osteomalazie  mit  Umwandluiig  des  fibröaen  Markes  in 
Fasermark  tmd  BildiiDg  von  Tumoren,  Sie  ist  an  kein  bestimmtes 
Lebensalter  gebunden*  Die  zeitweilig  beobachteten  HiesenzeLlen- 
sarkome  müssen  wenigstens  zur  Zeit  als  echte  Riesenzellensarkome 
aufgefaßt  werden,  v.  Haberer  glaubt,  daß  weit  mehr  Knochen- 
zyaten ,  als  man  bisher  annimmt ,  dem  v.  Recklingbausenschen 
Kimnkheitsbilde  angehören.  Ueber  einen  Fall  von  Ostitis  fibrosa 
multiplex  mit  Spontan  fr  aktur  der  Schädelbasis  bei  einer  älteren 
Frau  berichtet  Ruhemann,  Auch  über  die  Pagetsche  Knochen-  FagetsAiie 
e  r  k  r  a  n  k  u  n  g  liegen  mehrere  Mitteilungen  vorj  so  von  Ä  p  e  r  t  über  ^'^*"^*i'^**i 
2  FÄÜe  dieser  Erkrankung,  ferner  von  Guarrero  über  die  ver- 
schiedenen Theorien  der  Entstehung  dieses  Leidens*  Letzterer 
kommt  zu  dem  Schluß  i  daß  die  Krankheit  nur  auf  eine  Ex^ 
tremit&t  beschrankt  bleiben  kann,  daß  die  Diagnose  durch  das 
Röntgenbild  erleichtert  wird  und  daß  bei  Begrenzung  des  Prozesses 
fiiif  die  Tibia  die  Amputation  der  Extremität  eine  ernstliche  Indi« 
kation  findet  und  möglicherweise  einer  Verallgemeinerung  des  Pro* 
nasses  vorbeugt»  Ueber  Ostitis  deformans  berichtet  ferner  Miliner 
im  Anschluß  an  einen  selbst  beobachteten  und  genau  beschriebenen 
Fall,  bei  dem  therapeutisch  Böntgenstrahlen  veraucht  werden  sollen* 
Auch  Waterbonse  bringt  Abbildungen  deformierter  Knochen  mit 
einer  Krankengeschichte  von  einem  Fall  von  Ostitis  deformans.  In 
einer  Arbeit  über  die  pathologische  Anatomie  der  spontanen  und 
experimentellen  Osteomalazie  kommt  Base  et  zu  dem  Resultat^  Osteom*] 
daß  es  sich  bei  den  an  Osteomalazie  erkrankten  Tieren  um  eine 
von  anderen  Formen  nicht  wesentlich  verschiedene,  mit  starker 
Knochenein Schmelzung  einhergehende  Osteomyelitis  handle^  die  bei 
jd^ndüchen  Individuen  mit  rachitisähnlichen  Veränderungen  ver- 
bunden sei.  Nach  vieljährigen  Untersucbungen  ist  es  Marpurga 
gelungen  T  pathologische  Bilder  der  Osteomalazie  und  Rachitis 
hervorzurufen*  Er  glaubt,  daß  die  beiden  Prozesse  unter  dem  Ge- 
sichtspunkt der  Aetiologie  und  Pathogenese  äquivalent  sind  und  der 
Einfluß  der  Entwicklungsperiode  des  Skeletts  eine  Rolle  spielt. 
Weitere  Mitteilungen  über  Osteomalazie  haben  dann  auch  Vezin 
und  Bosai  gemacht.  Letzterer  fand  auf  Grund  eingehender  experi* 
mentaller  Untersuchungen  und  auch  durch  therapeutische  Versuche, 
daß  bei  aknter  Osteomalazie  durch  Verabfolgung  von  Nebennieren 
die  Schmerzen  gelindert^  die  osteomalazische  Kachexie  zur  Beseiti* 
gung  gebracht  und  eine  VerknÖcherung  des  Beckens  erzielt  wurde. 
Ueber  luetische  Knochen  erkrank  un  gen  liegen  Arbeiten  von 


118 


Hoffa  und  Glaetaner« 


Mnskel- 


Laetisclie  Stadler  und  Tacherniewski  vor.  Fem  er  berichtet  ColviB 
'  lochen-  Ü^^r  ^{^  KüOclaeiiDeubüdmigen  und  die  Ausgänge  der  Osteomyelitis, 
InteresBant  iet  dann  noch  die  vorläufige  Mitteilung  von  Almerini 
über  die  Einwirkung  von  Gelatine  auf  die  Ktiochenbildüng.  Die 
Unterstichungen  giud  noch  nicht  abgeschloBBen^  so  daß  sich  heute 
üoch  kein  Urteil  darüber  iallen  läßt. 

Was   nun   die  Mugkelerkrankungen   anlangt,    so   hat    zu- 

jankungeu ; jiächst  die  Myatonia  congenita  (Oppenheim)  durch  Kosen- 
berg  eine  eingebende  Bearbeitung  erfahren*  Letzterer  hebt  beson- 
ders das  frühzeitige  Entstehen,  die  meist  andere  Verteilung,  das 
Fehleu  der  Entartungsreaktion ,  vor  allem  aber  den  Verlauf  des 
Leidens,  welches  heilbar  zu  sein  scheint,  als  wichtige  differential- 
diagnostische  Momente  gegenüber  der  Poliomyelitis  acuta  anterior, 
sowie  der  Dystrophia  musculorum  progressiva  hervor*  Ueber  die 
Muskel atrophie  bringt  Sudeck  eine  sehr  interessante  Arbeit. 
Er  weist  darauf  hin,  daß  die  reine  unkomplizierte  Inaktivität  nur  bei 
hysterischen  Läbmungen  zu  finden  ist,  bei  denen  man  aber  keine 
Atrophie  der  Muskeln  und  Knochen  beobachtet.  Eine  Umfangs- 
differenz  der  Muskeln  läßt  sich  auch  durch  monatelanges  Schonen 
eines  Extremitätenteiles  nicht  erzielen.  Die  Arbeit  lohnt  eingehen* 
deres  Studium.  In  einer  Reihe  von  Tierexperimenten  kannte  Bum 
feststellen  j  daß  die  arthri tische  Muskelatropbie  eine  Atrophie  des 
Muskels  infolge  von  Verminderung  seiner  Tätigkeit  darstellt,  wäh- 
rend bei  einer  Lähmung  eine  vollkommene  Atrophie  infolge  ab- 
iehämiscbe   soluter    Euhe    durch    Nerventod    eintritt     Die    ischämischen 

Muskei^  Muskellähmungen  und -kontrakturen  haben  durch  Hilde- 
brand  eine  sehr  gute  Bearbeitung  erfahren.  Im  Gegensatz  zu  der 
früher  geltenden  Anschauung  vertritt  Hilde  brand  den  Standpunkt, 
daß  neben  den  Muskeln  aucb  die  Nerven  in  verschiedener  Weise 
an  dem  Zustand  beteiligt,  sein  können.  Es  ist  durchaus  nicht  immer 
nötig,  daß  die  ischämiache  Muskellähmung  oder  -kontraktur  durch 
einen  ^u  fest  angelegten  zirkulären  Verband  zu  stände  konmat,  ja 
es  sind  sogar  Fälle  bekannt  geworden,  wo  der  betreffende  Extremi- 
tUtenteil  von  jedem  Verband  Ireigeblieben  war,  Ueber  die  Behand- 
lung der  ischämischen  Muskelkontrakturen  machen  Ho ffmann  und 
Kleinsehmidt  Mitteilung,  Eraterer  hat  durch  Verlängerung  d^ 
Muskeln  mittels  schrägen  Sehnenscbnitts  und  Wiederv^ereinigung 
durch  Naht  in  einem  Fall  einen  guten  Erfolg  erzielt  Interessant 
sind  auch  die  Untersuchungen  von  Rombol^  über  Funktions- 
stdrungen,  welche  im  Muskel  infolge  von  Kompression  anf« 
treten.   Auch  über  Muskel  Verletzungen,  speziell  Fälle  von  subkutaner 


ODtrakturan, 


Muskelzerreißung^  deren  Ursache  nur  selten  direkte  Gewalt 
war,  liegen  Berichte  vor  (Wolf).  Bei  einer  schweren  Quadrizeps- 
ruptur  hat  Karewski  durch  mechanische  Behandlung  mittels  eines 
eigens  angebrachten  HeftpflasterstreifenTerbandes  ein  vorzügliches 
funktionelles  Resultat  erzielt.  Die  nach  stärkeren  Traumen  auf* 
tretende  MuskelFCrknÖcherung^  die  Myositis  ossificans  trau- 
matica, wird  von  Barth  ausführlicli  besprochen.  Er  ist  der  An- 
sichtf  daß  MuskelverknÖcheiiingen  nach  Trauma  nur  dann  eintreten , 
wenn  Periost  und  Sehnenteile  durch  eine  starke  Kontraktion  des 
Muskels  abgerissen^  oder  durch  stumpfe  Gewalt  abgelöst  werden. 
Im  Gegensatz  dazu  steht  die  Auffassung  von  Röpke,  der  eine 
Mitbeteiltgung  des  Periostes  bei  der  Myositis  ossificans  nicht  fUr 
nötig  hält,  sondern  glaubt,  daß  das  bei  jeder  Quetschung  neu  ent- 
«itebende  Bindegewebe  sich  leicht  mit  Kalksalsen  imprägnieren 
könne  f  wenn  ihm  die  zu  gleicher  Zeit  durch  ein  Trauma  verorsachte 
r&reti  zieren  de  Ostitis  des  benachbarten  Knochens  das  Material  dazu 
liefert*  Eine  recht  interessante  und  lesenswerte  kleine  Arbeit  znr 
Diagnostik  einzelner  Extremitätenleid  an  hat  uns  Keinhard  Natvlg 
gebracht.  Er  bespricht  besonders  die  Prozesse  in  der  Gegend  der 
Gelenke,  die  vielfach  falsch  gedeuteten  Schleimbeutelentzündungen, 
fem  er  das  Auftreten  von  Krepitationen,  die  sogen.  Tennisschmerzen, 
das  Krepitieren  an  Faszien  und  Muskeln,  die  Sesamknochen  und 
schließlich  die  subkutane  Berstung  in  den  Weichteilen  der  Wade, 
Diese  Arbeit  führt  uns  gleich  zu  den  Veröffentlichungen  über 
die  Gelenke  und  ihre  Erkrankungen.  Das  durch  den  Wollen- 
der g  sehen  Apparat  vereinfachte  Verfahren  der  Einblasung  von 
Sauerstoff  in  die  Gelenke  hat  Wollenberg  zu  schönen  und  in- 
struktiven Untersuchungen  am  Kniegelenk  Veranlassung  gegeben. 
So  konnte  er  genaue  Merkmale  für  die  Differentialdiagnose  der  Poly- 
arthritis chronica  progressiva  gegenüber  der  Arthritis  deformans 
feststellen,  den  Nachweis  freier  Oolenkkörper  erleichtern  und  außer- 
dem durch  Vergleich  von  Röntgenbildern  (Fig.  14  u.  15)  sauerstoff- 
insuiflierter  Gelenke  und  solchen  Röntgen bildem,  die  von  Sagittal- 
und  Frontalschnitten  nach  Leiminjektion  in  die  Gelenkhöhle  oder 
nach  Formalinalkobolinjektion  in  die  Ärterla  femoralis  im  Zustand 
der  Ausdehnung  gehärteter  Kniegelenke  augefertigt  waren,  die  Lage 
der  eingeben  Weichteile  innerhalb  des  Gelenks  auch  auf  dem  Köntgen- 
bild  durch  Vei'gleicb  feststellen.  Auf  den  Wert  der  Sauerstoff- 
©inblasung  in  das  Kniegelenk  zu  rönt gendiagnostischen  Zwecken 
macht  auch  Albers-Schönberg  aufmerkaam.  K a i s i n  empfiehlt 
die  Methode  der  Sauerstoffeinblasung  zur  Anwendung  in   der  Kon- 


Ma.^kehttptur 


MyQflitid| 
osaifloans 
traamatica. 


(Gelenk* , 
«tkmnkuni 


tinuität  der  Glieder  zum  Zwecke  des  Aufsucliens  von  Fremdkörpern 
IwrrlMjisclie  mit  Hilfe  dea  RöntgenbüdeB,  Was  nun  die  chronischenGelenk- 
ent  zun  dun  gen  anlangt^  bo  baapreohen  Locke  und  Osgood  zu- 
nächst die  Einteilung  der  verschiedenen  nicht  tuberkulösen  Gelenk- 
entzündungen. Sie  unterscheiden  die  Arthritis  villosa  chronica,  die 
Arthritis  infectiosa  chronica,  die  Arthritis  chronica  atrophica  und 
die  Arthritis  chronica  hjpertrophica,  schließlich  die  chronische  Gicht» 
Im  Anschluß  daran  erörtern 
sie  die  bei  den  einzelnen 
AjSektionen  zu  treffenden 
Maßnahmen,  empfehlen  zur 
Beseitigung  von  Deformitäten 
und  Steifigkeit  energisches 
chirurgisches  Eingreifen,  ver- 
säumen aber  auch  nicht,  der 
Stützapparate  und  der  üb* 
liehen  den  lokalen  Kreislauf 
beeinB^ussenden  Methoden  zu 
gedenken.  Was  die  Behau d* 
limg  der  genannten  Gelenk- 
erkrankungen betrifft,  so  emp* 
iiehlt  Sajre  auch  bei  den 
nicht  tuberkulösen^  schmerz- 
haften Gelenkentzündungen 
chronischer  Art  absoltite 
BuMgstellungmit  Entlastung. 
Moser  berichtet  über  ein- 
zelne doch  recht  beträcht- 
liche Besserungen  von  Ge- 
lenksteifigkeiten  durch  die 
Behandlung  mit  Röntgen- 
bestrahlung* Den  günstigen 
Einfluß  der  Stauungebehand- 

lung  auf  gonorrhoische  Gelenkentzündung  schildert 
H  a  1 1  h  i  e  s  f  während  sich  die  Arbeiten  von  Nathan  und 
Witherspoon  mehr  mit  den  klinischen  Erscheinungen  der 
gonorrhoischen  Gelenkentzündung  befassen.  Nathan  empfiehlt 
im  Beginn  exakte  Fixation^  spiiter  Massage  und  Gymnastik. 
Ueber  die  Geienkleiden  auf  der  Basis  von  Geschleehtskra  nk- 
beiten,  die  gonorrhoischen ,  die  luetischen  und  die  tabischen 
Gelenkerkrankungen    bringt    Bosse    eine    gut©   zusammenfassen  da 


(AiiB  Zeitich/.  f.  onhop.  Chir.  Bd.  XIX,  H.  t  U  % 
S.  248,  Fig.  9.) 


Orthopädie,  Kinesiotherapie. 


121 


DarsteUung,  die  durch  einige  sehr  instruktive  Röntgenbilder  die 
verschiedenen  Formen  veranschaulicht.  Sehr  interessante  und  ein* 
gehende  Untersuchungen  über  die  charakteristischen,  pathologisch* 
anatomischen  Unterschiede  zwischen  Arthritis  deformans  und 
primärem  und  sekundärem  Gelenkrheumatismus  ver- 
danken wir  Wollenberg.  Ho f f  a  hat  dann  auf  Grund  eingehender 
klinischer  Studien  und  im  Zusammenhang  mit  den  Wollenberg- 

Fig.  15. 


Arthri 

defonn 

und 

chronia 

Gklen 

rhenmati 


SmüüimlJuit£. 
ßnsiifx  am  ' 


Sf/Ul^ 


Memse. 


(Ans  ZeiUchr.  f.  orthor.  Chir.  Bd.  XIX,  H.  i  u.  2,  S.  249,  Fiß.  4.) 


sehen  Untersuchungen  eine  scharfe  Charakteristik  der  Arthritis  de- 
formana,  der  Polyarthritis  chronica  progressiva  und  des  sekundären 
chronischen  Gelenkrheumatismus  gegeben.  Franke  bringt  eine 
recht  gute  und  übersichtliche  Zusammenstellung  über  die  Diagnose 
und  Behandlung  der  chronischen  Gelenkleiden.  Bezüglich  der  Be- 
handlung der  verschiedenen  Formen  der  Arthritis  deformans  und 
des  chronischen  Gelenkrheumatismus  berichtet  Winkler  über  die 
günstigen  Erfolge  der  Nenndorfer  Schlammbäder,  Rhein  über  sehr 


]     trnd 
iumfttlBmua, 


iberknioa«. 


gute  Resultate  nach  tägliclier  Applikation  eines  starken  galvani- 
schen Stroms  auf  die  Gelenke  (fortgeset^rter  Massage),  Treupel 
über  günstige  Einwirkung  des  Natrium  salicylicum  in  Fällen  von 
akuten  und  chronischen  rhenmatischeii  nnd  gonorrhoischen  Gelenk- 
erkrankungen, hingegen  von  viel  weniger  günstigen  Resultaten  bei 
Arthritis  defonnaiis  mit  Versteifungen  und  iihrösen  YerwachBungen 
der  Gelenkenden.  Nicht  unerwähnt  mögen  Mitteilungen  bleiben^ 
welche  Andrews  und  Hocke  über  die  Beziehungen  der  Eiweiß- 
faulnis  im  Barm  zur  Arthritis  deform  ans  machen.  Sie  fanden  bei 
Fällen  von  Arthritis  deformans  durch  eine  entsprechende  Diät 
wesentliche  Besserungen  in  Bezug  auf  Schmerzen  und  Beweglich- 
keit, gleichzeitig  aber  auch  das  Schwinden  des  fauligen  alkalischen 
Eiweißstuhls  und  der  positiven  Indikanreakfeion  im  Urin.  Was  nun 
die  Behandlung  der  tuberkulösen  Erkrankungen  der  Knochen 
und  Gelenke  anbetrifft^  so  Hegen  wieder  zahlreiche  Arbeiten  vor^ 
welche  der  konservativen  Behandlung  stark  das  Wort  reden.  So 
spricht  sich  DoUinger  entschieden  gegen  die  Frühresektion  tuber- 
kulöser Gelenke  aus  und  empfiehlt  die  konservative  Methode  als  die 
Regel,  die  Basektion  als  die  Ausnahme.  Fainter  warnt  ent- 
schieden vor  operativem  Vorgehen  gegenüber  der  jugendlichen 
Knochen-  und  Gelenktuberkulose  und  empfiehlt  konservative  Be- 
handlung. C  h  lum  sky  weist  auf  die  Notwendigkeit  einer  allgemeinen 
Behandlung  mit  guter  Ernährung,  Seifen schmierkur  und  Solbädern 
neben  der  Extension  in  Schienenhülsenapparaten  mit  beweglichen 
Scharnieren  und  Hemmung  durch  Gummizüge  hin.  Einen  nicht  ganz 
SD  konservativen  Standpunkt  vertritt  Härtens,  dem  wir  eine  aus- 
führliche  Besprechung  der  Behandlung  der  Knochen-  und  Gelenk- 
tuberkttlose  verdanken.  Unter  entsprechender  Berücksichtigung  der 
Ällgemeinbehandlung  und  vollkommener  Würdigung  der  konser* 
vativen  Therapie  hält  er  doch  für  gewisse  Fälle,  die  andere  noch 
konservativ  behandeln,  ein  operatives  Vorgehen  für  aii  gezeigt.  No6h 
etwas  weiter  geht  in  dieser  Beziehung  Steward,  welcher  wohl  för 
die  Xoxitis  vor  allem  die  konservative  Methode  empfiehlt^  hei 
Gonitis  jedoch  einen  frühzeitigen  chirurgischen  Eingriff,  namentlich 
die  Arthrektomie,  für  angezeigt  hält.  Ueher  die  Dauerbeilung 
operativ  behandelter  Tuberkulosen  berichtet  Wein  brenn  er,  Be* 
züglich  der  unterstützenden  Behandlungsmethoden  der  Knochen- 
und  Gelenktuberkulose  möchten  wir  hinweisen  auf  eine  recht  lesens- 
werte Arbeit  von  Deut  sc  blander  über  die  Hyperämiebehandlung 
der  genannten  Erkrankung,  bei  der  er  hei  gleichzeitiger  Anwendung 
von   klimatischer    Therapie  sehr   gute    Erfolge  erzielt  hat.    Ueber 


Orthopädie,  Kinesiotherapie. 


123 


einige  Fälle  von  Besserung  des  Zustand  es  durch  die  Beh.Endlung 
mit  Röntgenstrahlen  bei  Knochen-  und  Gelenktuberkuloae  berichtet 
Peckham.  —  Im  letzten  Jahre  wurde  auch  die  Bedeutung  des  Mar- 
morekschen  Antituberku  loses  er  ums  für  die  Behandlung 
der  chirurgischen  Tuberkulose  viel  erprobt  und  besprochen*  Während 
andere  keine  oder  nur  geringe  Erfolge  mit  der  Anwendung  des 
Serums  erzielt  haben ^  wurden  in  der  SoDuenhurgschen  Klinik 
und  den  Hof fa sehen  Anstalten  insofern  günstige  Erfahrungen  mit 
dem  Beram  gemacht ,  als  man  davon  den  Eindruck  gewonnen 
liat ,  daß  es  die  anderen  Behandlungsmethoden  wesentlich  unter- 
stützt und  eine  spezifische  heilende  Wirkung  entfaltet.  Aehnliche 
Mitteilungen  macht  auch  Eriherg. 

Von  technischen  Neuerungen  hat  uns  das  letzte  Jahr  wieder 
eine  gan£a  Anzahl^  zum  Teil  recht  zweckmäßiger ^  zum  Teil  jeden- 
faUa  des  Versuches  werter  Apparate,  Maschinen  und  Verbände  ge- 
br&oht*  So  beschreibt  Macbol  einfache  Vorrichtungen,  wel<?he  6s 
l^estattenf  mit  wenigen  Apparaten  allen  Indikationen  der  Mechano- 
therapie  gerecht  zu  werden,  Chlumsky  einen  Universalapparat  für 
mediko-mechanische  Behandlung,  Ohrjsospathea  einen  einfachen 
mediko- mechanischen  Stuhl  zur  Beugung  und  Streckung,  Abduktion 
und  Adduktion  des  Hiirtgalenks»  Gopitg  eine  Modifikation  des 
Wolms^  Codivilla  einen  Pendelapparat  zur  Nachbehandlung  des 
operierten  Schiefhalses,  Davis  einen  kleinen  portativen  Apparat  zur 
Mo^Uisierung  des  Elibogcngelenkes,  Lossen  einen  neuen  Daumen- 
bewegüngsapparat  Bezüglich  der  Hilfsmittel  zur  Anlegung  und 
Herstellung  der  Verbände  möchten  wir  hinweisen  auf  eine  von 
Langemack  empfohlene  Modifikation  der  Gocbt-Lossen- 
icben  Beckenstütze,  Fauntier oys  dem  Kehelschen  Hahmen  ahn- 
liclies  Gestell  zur  Lagerung  von  schwer  beweglichen  Kranken  und 
xör  Anfertigung  von  Eumpfgipsverbänden,  ebenso  auf  ein  Gestell 
TOn  V.  Modlineki.  Eine  einfache  Vorrichtung  zur  Erleichterung 
der  Anlegung  des  red  reasi  er  enden  Gipsverbandes  beim  Klumpfuß 
der  Kinder  bat  Hitter  angegeben;  auch  Burk  berichtet  über  einen 
FuShalter  für  solche  Verbände^  Kuhn  über  die  Improvisation  chirur- 
gifich-orthopädischer  Apparate,  Evler  beschreibt  einen  einfachen 
E^tensionaapparat  ans  Chromlederstreifen  mit  zwischengeicbalteten 
Metallstäben,  Gerson  eine  ausziehbare  Gips hoae.  Die  verschiedenen 
Anwendungsweisen  seines  Harsiklebeverbandes  bespricht  Heusn er. 
Hoffa  bat  mehrere  kleine  Neuerungen  in  Bezug  anf  orthopädische 
Apparate  angegeben,  so  einen  einfacheu  Apparat  zur  Behacdlung 
des  paralytischen  Spitzfußes,  eine  Verbesserung  an  den  Schienen- 


Marmoral 


Teobnfsoti« 
KeuerUDgea. 


124 


Hoffa  und  GUeeaner, 


cimiaclie  hülaenap paraten  zur  Bebandlung  des  Genu  %'algTim  und  Genii  varttm^ 
rcuernngeii.  ^^^  einfache  Addnktions-  und  AbduktionavorrichtUDg  für  Schienen- 
hiilsenapparate  heim  Hüftgelenk,  eine  Modifikation  der  Plattfußein- 
lagei)  bei  Knickfüßeti,  einen  einfachen  Apparat  zur  Behandlung  de» 
an  geboreneu  Klumpfußes.  Schanz  empfiehlt  eine  federnde  Hüft- 
kracke  för  Schenkelhalsbrüche*  Schließlich  wären  noch  der  Voll- 
ständigkeit wegen  zu  erwähnen  eine  Besprechung  von  Stern  über 
das  Erhärten  und  die  Widerstandsfähigkeit  des  Gipses,  und  dann 
ein  Winkelmesser  von  Landwehr  zur  Beatimmung  des  Grades  der 
Exkuraionsmöglichkeit  an  größeren  und  kleineren  GeleDken, 

An  dieser  Stelle  wollen  wir  auch  der  großen  Bewegung  ge- 
denken, welche  die  Krüppel  Fürsorge  iji  der  letzten  Zeit  hervor- 
gerufen hat.  Eine  Reihe  von  Arbeiten  haben  sich  mit  diesem  Thema 
befaßt,  das  auf  Hoffas  Anregung  auf  dem  kommenden  Orthopäden- 
kongreß  auch  zur  Diskussion  ateht  In  einem  Vortrag  weist  Lange 
darauf  hin,  welchen  großen  Einfluß  auch  der  praktische  Arzt  auf 
diQ  Linderung  des  Krüppelelenda  nehmen  kann,  und  gibt  sehr 
brauchbare  Anleitungen  iur  ihn  zu  prophylaktischem  Vorgehen. 
Gleich  ihm  beschäftigt  sich  Rosenfeld  mit  der  Erörterung 
der  Notwendigkeit  staatlicher  Krupp elfursorge.  Letrterer  stellt  die 
Forderung  auf,  daß  in  jeder  Anstalt  für  ausgiebige  orthopädiache 
Hilfe  gesorgt  werden  sollte,  daß  durch  entsprechei^den  Schulunter- 
richt die  Erziehung  der  Krüppelhaften  geleitet  und  die  Ausbildung 
eines  jeden  von  ihnen  entsprechend  seiner  Art  zu  einem  spezieUen 
Gewerbe  durchgeführt  werden  sollte*  Bade  tritt  für  das  Zusammen- 
wirken von  Arzt  und  Schule  in  Krüppelheimen  ein. 


iieflLftia.  Bpedelle  Orthopädie,     Die  operative  Behandlung  des  musku- 

lären Schiefhalsea  hat  neuerdings  eine  ziemlich  lebhafte  Dis- 
kussion hervorgerufen,  v,  Aberle  tritt  für  die  subkutane  Tenotomie 
des  Kopfnickers  ein  mit  nachfolgendem  Eedresaement  der  Hals- 
wirbelsäule, Er  betont  die  hei  diesem  Verfahren  besonders  günstigen 
Verhältnisse  für  eine  ausgiebige  Redression  der  Hals  Wirbelsäule  und 
den  besseren  kosmetisphen  Effekt,  der  durch  das  Fehlen  der  Narbe 
und  das  Erhaltenbleiben  der  Halakonfiguration  bedingt  ist,  Ger  des 
ist  für  weit  aktiveres  Vorgehen,  indem  er  nicht  nur  die  offene 
Durchschneidung  des  Kopfnickers,  sondern  wegen  der  Beteiligung 
der  übrigan  Halsmuskeln  auch  die  Durchs chneidnng  dar  unter  dem 
Kopfnicker  liegenden  Halsfaszie  und  des  Scalen us  anticus  empßehlt. 
Frühzeitige  aktive  und  passive  Bewegungen  ohne  stützende  und 
redresaierende  Verbände  bilden  die  Kachbehandlung.     Gegen  diesen 


Orthop Idie,  ElneBiothetapie. 


125 


Yorscblag  wendet  sich  Döring,  welcher  angibt,  daß  man  in  fast 
allen  Fällen  nur  mit  der  DurchtrennuDg  des  Kopfnickers  und  ein- 
zelner sich  eventuell  anspannender  Cncularisfasern  auEkommt.  Nach 
den  Erfahrungen  der  Ho ffa sehen  Klinik  hebt  B Ocker  hervor^  daß 
ea  für  fast  alle  Fälle  dee  muskulären  Schief halses  genügt,  die  par- 
tielle Reaektion  des  Kopfnickers  nach  v.  Miknlicz  auszuführen. 
Nur  in  2  Fällen  von  über  ICX)  Schief  halsen  wurde  eine  Mitbeteiligung 
der  Scaleni  beobachtet.  In  diesen  Fällen  wurde  auch  die  Tenotomie 
der  Scaleni  vorgenommen.  Eine  Krawatte  zur  Nachbehandlung 
nach  Operationen  gegen  Caput  obatipum  hat  KölUker  angegeben, 
während  Wunsch  einen  Apparat  konstruiert  hat,  welcher  die  beim 
Schief  hals  beobachteten  Abweichungen  von  der  normalen  Haltung 
des  Kopfea  in  Bezug  auf  die  Schultern  beseitigen  aoll.  Eine  recht 
mteresaante  Studie  2iur  Geschichte  des  Torticollis  spasmodicus  bringt 
SteyerthaL  Auch  hier  wird  der  spastiache  Schief  hals  als  eine 
psychogene  Erkrankung  hingestellt.  Im  Anschluß  an  einige  selbst 
beobachtete  Fälle  bespricht  dann  Hans  Curschmann  den  Zu- 
sammenhang zwischen  spastischem  Schief  hals  und  Lfabyriutherkran- 
ktmgen.  Ueber  angeborene  Thoraxdeformitäten  liegen  nur 
wenige  Mitteilungen  vor,  von  denen  die  Arbeit  von  Bjstrow  über 
die  angeborene  Tri  cht  er  brüst  genannt  sei.  Verfasser  hält  diese  Triohterbniii 
Deformität  für  eine  intrauterine  BelaBtungadeformität  und  bespricht  ■ 

die  verschiedenen  Theorien  der  Entstehung  dieses  Zustandes,    Sehr  ■ 

interessante  Arbeiten  sind  im  letzten  Jahre  über  die  Wirbel-  Wirbelaialea 
Säulen  Verkrümmungen  und  Wirbel  säulenerk  rankungen  verkrQm- 
veröfifentlicht  worden.  In  einer  sehr  sorgfaltigen  Untersuchung  von 
Skeletten  von  Fischen,  Reptilien  und  Säugetieren  versucht  Lovett 
das  Anftreten,  die  Bildung  und  die  Entwicklung  der  dorsalen  Wirbel- 
sAulenkrümmuDg  festzustellen«  Auf  die  schonen  Untersuchungen 
hier  näher  einzugehen,  ist  nicht  möglich.  Grundlegende  Arbeiten 
auf  dem  Gebiete  der  Wirbelsäulen  Verkrümmungen  verdanken  wir 
Bdbm,  der  an  zahlreichen  deformen  Wirbelskelett eu  Untersuchungen 
angestellt  hat.  Aus  diesen  Untersuchungen  ist  hervorgegangen,  daß 
Varietäten  der  Wirbelsäule  in  Bessug  auf  Zahl  und  Bildung  der 
Wirbel  und  Rippen  im  stände  sind,  Anlaß  zur  Ausbildung  von  Bück- 
gratöverkrümmungen  zu  geben.  Er  stellt  den  Satz  auf,  daß  den 
Varietäten  der  menschlichen  Wirbelsäule  ein  allgemeines  Phänomen 
mu  Grunde  liegt,  das  er  das  Phänomen  der  numerischen  Variation 
nennt.  Die  Verschiebung  der  Segmeute  kann  in  verschiedener 
Richtung  erfolgen,  in  kranieller  und  kaudaler  Eichtung,  symmetrisch 
und  asymmetrisch.  An  Eöntgenbildem  lebender  SkoHosen  hat  Böhm 


mungeti. 


SkollD» 


126 


Hofia  und  GlaeBsiier, 


'  SkoHose.  eeine  Anschauungen  bestätigt  gefunden.  Im  Anschluß  an  diese  Ar- 
beit ging  Böhm  daran ,  die  Beziehungen  klarzustellen ,  welch© 
zwischen  der  numerischen  Variation  der  Wirbelaäale  und  der  Lage 
und  Ausbildung  des  Promontoriums  bestehen-  Er  fand  ©in  regel- 
rechtes  Abhängigkeitsverhältnis  zwischen  den  beiden  und  kam  zu 
dem  Schluß,  daß  Skoliose  und  flacher  Bücken  Erscheinungsformen 
eines  und  desselben  Entwickiungafehlers  darstellen.  In  seinem  Buch 
über  Skoliose  und  runden  Kücken  bringt  Lovett  in  übersichtlicher 
Weise  alles  Wissenswerte  über  diese  Deformitäten.  Zahb'eicbe 
eigene  Untersuchungen  des  Autors  haben  bei  der  Abfassung  diesem 
Buches  Verwendung  gefunden.  Im  Anschluß  an  die  Arbeit  von 
Böhm  sind  nun  vielfach  Untersuchungen  über  die  angeborene  Sko- 
liose angestellt  worden.  So  weist  Gottstein  auf  Grand  eines  selbst 
beobachteten  Falles  darauf  hin^  daß  die  angeborene  Skoliose  fraglos 
viel  häufiger  vorkommt,  als  man  bisher  angenommen  hat»  und  daß 
angeborene  Halsrippen,  mehr  aber  noch  Wirbehniflbildungen  dabei 
eine  besondere  Rolle  spielen.  Einen  weiteren  Fall  von  Zervikodorsal- 
Skoliose^  bei  dem  das  Höntgenbild  eine  SpaltbUdang  im  ersten  Brust- 
wirbelkörper mit  gleichzeitigem  Mangel  einer  Rippe  ergab,  teilt 
Breyfuß  mit.  Auch  Gramer  beschreibt  mehrere  Fälle  angeborener 
Skoliose,  Das  Röntgenbild  bat  vielfach  Wirbel-  und  Rippenanoma- 
lien hei  den  Skoliosen  ergeben^  und  deshalb  weist  Patrick  Hag- 
iund  auf  die  Notwendigkeit  solcher  Röntgenuntersuchungen  bei 
Skoliosen  hin.  Ueber  einen  Fall  von  angeborenem  Mangel  eines 
Rückenwirbels  mit  nachfolgender  Kyphose  berichtet  auch  Ghiulftr 
mila.  Auf  die  Beziehungen  der  angeborenen  Zervikodorsalskoliose 
zur  Halsrippe  macht  Krause  in  einem  recht  bemerkenswerten  Aufsat« 
aufmerksam.  Die  Studien  der  Mechanik  der  Skoliose  haben  Erweite- 
rungen gefunden  durch  die  Arbeiten  von  Feiß,  durch  die  Aus- 
führungen von  Lorenz  über  die  Konkavtorsi on,  durch  die  Experimente 
von  Scbultheß  über  die  gleiche  Frage.  Schanz  weist  dann  auf 
eine  unbestimmte  Form  von  Schmerzhaftigkeit  an  der  Wii-belsaule 
hiuj  die  er  als  Ueberlastungsbeschwerden  bej;eichnefc|  analog  den 
Plattfußbeschwerden*  In  seinem  Vortrag  „Eii^kgratsverkrümmungen 
eine  Krankheitserecheinung**  fordert  Schultheß  die  praktischen 
Aerate  auf^  im  Kampfe  gegen  die  Skoliose  mitzuwirken  und  die 
muskelschwachen  Kinder  vor  den  Schädigungen  der  Schule  und  un- 
nötig langem  Sitten  zu  bewahren*  Vielfache  Untersuchungen  an 
Schulkindern j  so  von  Chlumsky  u.  a.^  haben  gezeigt,  daß  die  An* 
fitnge  der  Skoliosen  vor  die  Zeit  des  Schulbesuchs  fallen  und  daß 
die  Skoliose  sich  unabhängig  vön  der  Schule  entwickelt »  daß  eine 


OrthopRdiei  Kitieaiotherapie. 


127 


Ziusahme  der  Skoliosen  in  der  Schule  sich  kongtatieren  läßt,  ohne 
daß  man  aber  die  Sehule  als  die  alleinige  Ursache  für  die  Skoliose 
hinstellen  kann  (Grenberg).  Wertvolle  statiäti  sc  he  Angaben  macht 
Härtel  in  seiner  Arbeit  ^Die  Skoliose  eine  Yolkskrankheit"*  Er 
ili^ndf  daß  mehr  als  ein  Viertel  aller  Schulkinder  an  Wirbelsäulen- 
verkrüjnmung  leiden  und  daß  die  Häutigkeit  der  Skoliose  während 
d^r  Schulzeit  um  das  Ih'eifache  zunimmt.  Er  spricht  Bich  ftir  die 
Anebildung  orthopädischer  Turnlehrer  und  Turnlehrerinnen  aus,  will 
aber  die  Erteilung  des  orthopädiachen  Turnunterrichtes  nur  unter 
die  AEfsicht  des  Arztes  gestellt  wissen.  Diese  Frage  des  ortho- 
pädischen Schulturnens  ist  in  den  letzten  Jahren  wiederholt  auf- 
geworfen worden.  —  Blencke  hat  durch  Umfragen  bei  hervorragen^ 
den  Orthopäden  erfahreUi  daß  die  Ansichten  über  die  Zweckmäßigkeit 
der  Skoliosenbehandlung  in  der  Schule  sehr  geteilt  sind,  und 
er  glaubt,  daß  unter  faohmänmscher  Leitung  eingerichtete  und  ärztlich 
beaufsichtigte  Kurse  jener  Schulkinder ^  die  vom  Arzt  selbst  aus- 
gesucht  werden,  in  öffentlichen  orthopädischen  Instituten  oder 
Krankenhäusern  am  zweckmäßigsten  wären.  Auch  Schultheß 
weist  auf  die  Notwendigkeit  der  Untersuchung  der  in  die  Schule 
eintretenden  Kinder  auf  Rückgrat sverkrümmung  ^  der  Behandlung 
der  leichten  Skoliosen  in  einer  orthopädischen  Poliklinik  ^  eventuell 
als  Schulpoliklinik  gedacht,  der  schweren  in  einer  geschlossenen 
orthopädischen  Anstalt  hin  und  empfiehlt  die  Schaffung  von  Spezial- 
klassen  für  die  von  Rückgratsverkrümmiing  befallenen  Kinder. 
Äehnliche  Ansichten  vertritt  Wohrizek*  Was  nun  die  einzelnen 
Behandlungsmethoden  der  Wirbelsäulenverkrümmung 
anbetrifft»  so  empfiehlt  Schanz  für  schwere  jugendliche  Skoliosen 
die  Vereinigung  von  Redrcssement  und  Bekämpfung  des  defor- 
mierenden (akoliosierenden)  Prozesses.  Seine  Kesultate  (nach  Gips- 
korsett für  3  Monate»  später  Korsett  und  Gipsbett  mit  entsprechender 
Kräftigung  der  Wirbelsäule)  sind  sehr  gut,  doch  fordert  die  Be* 
haudlung  von  dem  Patienten  manches  Zeit-  und  Geldopfer*  Zur 
Behandlung  des  runden  Rückens  und  der  hohen  Schulter  hat  Ger- 
Bon  eine  Pelotte  konstruiert,  die  unter  der  Kleidung  zu  tragen  ist 
and  dui^h  Umschnurung  der  Schultergelenke  tornisterartig  auf  dem 
Rücken  befestigt  wird.  An  dieser  Stelle  möchten  wir  gleich  der 
anderen  Apparate  und  Korsette  gedenken,  welche  ftir  die  Skoliosen- 
behandlung im  letzten  Jahr  noch  empfahlen  worden  sind.  Baa 
Gipabett  hat  neuerliche  Empfehlung  gefunden  durch  Milo  und  Kuh, 
dann  hat  Schlee  günstige  Resultate  von  seinem  Redressionskoi-sett 
mitgeteilt,   Evler  zum  Ersatz  des  Hüftkorsetts  einen  Geradehalter 


Skaliose: 
Soholtameii 


dar  Wirbil 
verkrtiinman 


128 


Ho 0a  und  Glaeaaner. 


Behandlung  auB  ChrouLlöder  mit  veröt  all  baren  Hohlschienen  empfohlen,  Hermann 
Ifler  Wirbel-    ^^^  aktives  Xorsett   ohne  Armstützen   mit  Drtick   auf  den  Rücken- 

rkrümmuüg.  Buckel  (durch  einen  trockenen  Gummiachwamin)  angegeben,  Zülzer 
ein  Ortho  pädisehes  Stuhl  band,  eine  Vorrichtung  zum  G^eradesitzen 
der  Kinder,  konstruiert.  Hocke  hat  die  Atembewegungen  des 
Thorax  als  ständig  gegen  den  Kippen  hucke  1  wirkende  Kraft  ver- 
wendet, indem  er  im  Gipskorsett  Pelottendruck  gegen  den  vorderen 
nnd   hinteren  Kückenhuckel    wirken   läßt,   während    die   vertieften 


4 


tÄus  ZeiHchr   t  orthoi«.  Chit.  Bd.  Xvni,  H.  l  u   t,  B.  :i9,  Fjg,  331 

Stellen  des  Bruötkorhes  im  Gipskorsett  vorn  und  hinten  freigelegt, 
sich  bei  der  Atmung  frei  entfalten  können.  Eine  sehr  lesenswerte 
Arbeit  über  die  Behandlung  der  habituellen  Skoliose  durch  aktive 
und  passive  Ueberkorrektur  verdanken  wir  Lange,  Er  emp- 
fiehlt der  muskulären  Aetiologie  der  habituellen  Skoliose  wieder 
etwas  mehr  Aufmerksamkeit  zu  schenken.  Er  verwendet  einseitige 
aktive,  bezw.  Widerstandsübungen  (aktive  Ueberkorrektur)  und  Ke- 
dressement  in  Lagerungsapparaten  (pasßive  Ueberkorrektur)  (Fig,  16), 


Orthopädie,  Kinesioiberapie. 


HedresBierende  Verbände  benutzt  er  nicht,  hingegen  ein  einfaches 
Korsettj  falls  der  Schulbesuch  nicht  eingestellt  werden  kann.  Seine 
Erfolge  schildert  er  so,  daß  leckere  Skoliosen  durch  eine  2— Gmonat- 
liche  Behandlung  Aussicht  auf  völlige  Wiederherstellung  haben, 
versteifte  Bkoliosen  sich  entweder  abflachen  oder  durch  küDStUche 
Erzeugung  von  Gegenkrümmungen  verdeckt  werden,  wodurch  im  nie  r- 
|U|  ein  kosmetischer  Effekt  erzielt  wird*  Das  ,  Kriech  verfahren" 
Ironnte  nur  hei  Totalskoliose  von  wichtigem  Einfluß  sein,  sind  Cregen- 
krümmungeo  vorhanden,  so  ist  vom  Kriechen  eine  sichere  Ver- 
schlechterung zu  erwarten.  Klapp  selbst  hat  aber  das  sogen, 
„  Kriech  verfahren"  in  seinem  Buche  „Die  funktionelie  Behandlung 
der  Skoliose^  ausführliche  Mitteilungen  gemacht.  Er  verwendet 
neben  dem  Kriechen  auch  andere  Uebungen  und  langdauernde  Heiß- 
luftapplikationen  am  Kücken.  Die  Massage  wird  als  zeitraubend 
und  unnötig  unterlassen,  das  Gipsbett  findet  Verwendung,  das  Stütz- 
korsett  ist  verboten-  Ueber  hysterische  Skoliose  liegen  zwei 
Arbeiten  vor,  die  eine  von  Strauß,  welcher  die  hysterische  Sko- 
liose einteilt  1,  in  die  Pseudoischias  scoliotica,  2.  die  hysterische 
Hüfthaltung^  3*  die  Skoliose,  verbunden  mit  Torsi on  und  kompen- 
satorischer Verkrümmung,  4.  die  hysterische  Skoliose  im  engeren 
Sinns,  und  dann  eine'  Arbeit  von  Böhm*  Zur  genauen  Unter* 
öucbung  und  graphischen  Darstellung  der  TJntersuchungsresiiltate 
bei  verschiedenen  Haltungen  der  Wirbelsäule  emptiehlt  Ludloff 
d&8  von  ihm  modifizierte  Schultheßsche  Nivelliertrapez,  Von  den 
chronischen  Erkrankungen  der  Wirbelsäule,  die  zur 
Wirbelsäulen  Versteifung  führen^  fand  die  Spondylosis  rhizo- 
melica  eine  Besprechung  durch  Gioffi,  ferner  die  chronische 
ankylosierende  Wir  he  Isäulen  versteif  ung  eine  eingehende 
Schilderung  durch  E*  Frank el  und  ElUot.  Letzterer  gibt  eine 
Klassifikation  der  unter  dem  Namen  der  Wirbelsäulen  Versteifung 
figurierenden  Erkrankungen.  Die  nach  Wirbelsäulenentzüodungen 
auftretendeti  Versteifungen  lassen  sich  nach  Bouchard  häuiig  auf 
durchgemachte  alte  Gonorrhöen  zurückführen,  Ueber  einen  Fall 
von  Spondylitis  typhosa  macht  dann  Peltesohn  Mitteilung* 
Eine  genaue  Beschreihung  zweier  Falle  von  Spondylolisthesis 
bringt  Napien  Die  seltene  Kombination  von  "Wirbelsäulen- 
v^ersteifung  mit  Karies  wird  von  Simon  besprochen.  Damit 
kommen  wir  zu  den  Arbeiten  über  die  tuberkulöse  Wirbel- 
EÄulenent zun  düng.  Auf  die  Vorwärtsneigung  des  Beckens  bei 
der  Spondylitis  macht  Comp  ton  Riely  aufmerksam.  Biese  Vor- 
wärtsneigung  erklärt  das  Entstehen  der  Lordose  der  Lendeowirhel- 
Jilnbiijch  der  |ir»lEtiBcli<ja  Üediiin*    I9ö8,  g 


Chronisch 
WirliolsEttU] 
verstölfunf 


Spondylitll 
ty[ilio9&. 
Spondylo- 

iisIlieaU. 

Si^OQdylltli 

tubercoloai 


pondylith 


%iekt  deü 
[,  Berratus 


Igelioreiiev 
(«fekt  dea 


liilterblatt- 
|»elistand. 


Säule  und  des  runden  Eückens.  Bh  Behandlung  dar  tCLberkulöäen 
Wirbelsäulen entzüuduDg  hat  in  dem  Buch  von  Calot  eme  sehr 
intereasanto  und  wertvolle  Darstellung  gefunden.  Calot  steht  auf 
einem  äi^ßerst  konservativen  Standpunkt  der  Knochen-  und  Gelenk- 
tuberkulöse  gegenüber  und  hält  diesen  Standpunkt  auch  bei  dar 
Spondylitisbehandlung  fest.  Von  der  forcierten  Eedression  des  Buckels 
ist  er  völlig  abgekommen.  Er  übt  jetzt  die  allmähliche  Redression 
in  dem  äußerst  sorgfaltig  angelegten^  bis  zum  Hinterhaupt  und  Kinn 
reichenden,  für  die  Atmung  und  Hautpflege  genügend  ausgeschnittenen 
Gipskorsett»  Die  Technik  dieses  Korsetts  erfordert  spezielle  Er- 
fahrung, die  ganze  Behandlung  viel  Sorgfalt  und  Zeit,  Auf  Einzel- 
heiten, auch  der  Nachbehandlung^  kann  hier  nicht  weiter  eingegangen 
werden.  Da  die  Erfolge,  über  die  Calot  berichtet,  sehr  gut  sind, 
so  ist  die  Methode,  die  theoretisch  sehr  einleuchtend  und  praktisch 
gewiß  schonend  ist,  jedenfalls  einer  genaueren  Nachprüfung  wert. 
Ueber  die  Redression  des  spondyli tischen  Buckels  durch  Gipsver- 
bände in  Hy perexten eion  und  Reklination  macht  dann  Redard  ge- 
nauere Mitteünngen,  während  Thorndike  einen  Apparat  be- 
schreibtj  der  es  ermöglicht,  durch  einige  Fenster  im  Gipskorsett  bei 
Spondylitisk ranken  die  Kurvenlinien  der  Dornfortsätze  zu  verfolgen 
und  sie  graphiach  zu  hxiereu. 

Von  den  Deformitäten  des  Schultergürtels  und  der  oberen 
Eictremität  wäre  zunächst  zu  erwähnen  der  angeborene  Defekt 
das  M.  s  errat  US  anticuö  major,  über  den  Bittorf  berichtet. 
Da  keine  anderen  Muskeldefekte  daneben  bestanden,  blieb  der  Mangel 
dieses  Muskels  symptomlos,  denn  die  anderen  Muskeln  kompensierten 
den  Ausfall  vollkommen.  Dann  liegt  die  Arbeit  %^on  Löning  vor 
über  einen  Fall  von  kongenitalem  Pektor alisdefekt.  Zur 
Behandlung  der  intra  partum  entstandenen  Humerugfrak* 
tnren  empfiehlt  Stuhl  die  HeftpÜasterstreifenextension.  Auch  über 
einen  Pall  von  angeborenen  Kontrakturen  an  allen  Ge- 
lenken der  oberen  Extremität  wurde  in  einer  Arbeit  von 
Ewald  berichtet*  Der  angeborene  Schulterblatthoohstand 
fand  Bearbeitung  durch  Grata  er,  Paria  el  und  Cohn.  Grätzer 
konnte  außer  Muskeldefekten  unverkennbare  Spaltbildungen  im  Be* 
reiche  der  Hals-  und  oberen  Brustwirbelsäule  und  einen  subkostalen 
Knochentumor  mittels  des  Röntgenbildes  nachweisen.  Farisel  be^ 
spricht  die  Aetiologie  dieser  Erkrankung  und  ist  der  Ansicht,  daß 
es  sich  um  eine  EntwicklungestÖrung  des  Nervensystems  handle, 
Cghn  bringt  eine  anatomische  8tudie  als  Grundlage  zur  Erklärung 
des  Schulterblatthochstandes.    Bezüglich  der  Deformitäten  und 


Orthopädie,  Kinesiotherapie. 


131 


Erkrankungen,  sowie  Verletzangen  des  SchultergeUnks 
wäre  hinzuweisen  zunächst  auf  eine  Arbeit  von  Stieda,  über  das 
Vorkommen  von  Schatten  im  Röntgen  bilde  von  Schultergelenken, 
welche  bei  der  Diagnose  der  Absprengung  bezw^  Abreiß ung  des 
Tuberctilmn  maju&  humeri  berücksichtigt,  werden  müssen  und  des 
öfteren  bei  Erkrankungen  der  Bursa  subteloidea,  bezw-  subacro- 
miaiis  gefunden  werden.  Auch  die  Pathologie  und  Therapie  der 
habituellen  Schnlt er gelenksver renkung  fand  eingehende 
Besprechung  in  mehreren  Arbeiten,  Werndorf  betont ,  daß 
bei  der  Operation  der  habituellen  Schult  er  gelenks  Verrenkung  be- 
rücksichtigt werden  müsse ,  ob  die  Kapsel  erweitert  und  erschlafft 
ist ,  und  dann ,  ob  die  am  Tuberculum  majus  ansetz enden  Muskeln 
abgenseen  sind.  Zur  Vermeidung  der  nach  Verletzungen  des  Schulter- 
geleoks  oder  seiner  Umgebung  so  leiclit  eintretenden  Versteifungen 
des  Gelenks  empfiehlt  Köllicker  nur  kurz  dauernde  Fixationen 
des  ArmeSf  möglichst  in  Abdaktionsstellung  und  frühzeitig  begin- 
nende^ vorsichtige  mediko-mechanische  Behandlung.  Bei  paraly ti- 
schen Luxationen  des  Schultergelenks  oder  Schlotter^ 
gelenken  der  Schulter  empfiehlt  Vulpius  zweckmäßiger  die  Arthro- 
dese auszuführen ,  weil  sie  weit  bessere  Resultate  liefert  als 
Hüskel-  und  Kapselplastiken.  Von  den  angeborenen  Stö- 
rungen im  Bereiche  des  Radioulnargelenkes,  ist  die 
angeborene  Verwachsung  von  Radius  und  Ulna  genauer  be- 
achrieben f  durch  eine  Arbeit  von  Falagi  und  eine  von  Rais. 
Dann  liegt  eine  Arbeit  vor  über  Cubitua  valgus  mit  sekundären 
Störungen  im  Gebiete  des  Ulnaris.  Ueber  den  sogen.  Tennis- 
ellbogeUf  der  als  ein  Entzündungszustand  im  Hnmeroradialgelenk 
aufgefaßt  wird,  bezw.  als  eine  chronische  Kapselentzündung  am 
volaren  Teil  des  Ligamentum  coUaterale  radiale,  berichtet  Preis  er 
und  empfiehlt  Massage,  Bäder  und  Umschläge  als  zweckmäßige  Be- 
handlung. Ueber  die  angeborene  Luxation  des  Radius 
macht  Bernard  Mitteilung.  Ueber  die  Dupuytren  sehe  Finger- 
kootraktur  berichtet  Jardini  in  einer  pathologisch-anatamiaohen 
Untersuchung.  Er  glaubt,  daß  die  Entstehung  dieser  Krankheit 
auf  eine  Alteration  der  grauen  Rücken marksubstanz  zurückgeführt 
werdan  müsse,  als  deren  häufigste  Ursache  die  Arteriosklerose  an- 
xosehen  ist.  Was  die  Behandlung  der  genannten  Krankheit  an- 
langt^ so  berichtet  Langemak  über  die  Erfolge  mit  Tbiosinamin* 
Injektionen  und  empfiehlt  die  Kombination  dieser  Behandlung  mit 
mechanisch-orthopädischen  Maßnahmen,  mit  heißen  Seifenbädern  und 
Heißlaftbädern.  Gegen  die  Wirkung  des  Thiosinaminals  Heilmittel 


Habitaelte' 
Schulter- 


Schalter 

geleuks- 

kouträktiireu. 

Verwaobaimg 
zwiaulinii 

Ulna 


rabltofl 
valgus, 
Tetinis- 
eUtiogfiu. 


1 


I 


Angebor«!!« 
Eadlui- 
luxatluiWj 


»m 


I)uiiu)^trfiDi 
Finger- 
koQtraktcir 


132 


Rof^  und  Glae^itier 


DefonnitHtRn  bei  röhrenförmigaii  Verengerungen  apricht  sich  Wolff  anö,   mdam 

des  Hand-     ^^  nachweiBt,  daß  ea  nur  lokal  durch  Quellunir  der  Gewebe  wirken 
lelenkM  und  i  i-      ^  i  tt        i        t^    ^^ 

Wer  Finger-    Könnte  und  so  die  Stenose  nur  vermehre*    Von  den  Deformitäten 

geienke.      (}es  H  a  D  d  g  ©  1  en  k  8  und  der  Fing  e  rge  lenke,  sowie  den  angeborenen 

Mißbildungen  im  Bereiche  dieses  Extrem icätenabschnittes  fanden  die 

Mädeln ngsche    Deformität    des    Handgelenks    eine    Be* 

»prechuDg  durch  Müller ,  die  doppelseitige  Klumphand  mit 

angeborenem  Kadiusdefekt  durch  Älamartini,  eine  angeborene,  mit 

doppela eiligem  Klumpfuß  kombinierte  Stellungsanoiualie  beider  Hände 

durch  Maudek  ^  das  doppelseitige  Fehlen  des  Radius  (aus- 

gesseichneter  Erfolg  nach  der  Operation  nach  Bardenheuer)  durch 

Muecatello,   angeborene    Fingerkontrakturen    durch 

Ewald,  die  angeborene  Bengekontraktur  des  kleinen  Fingers,  die 

Hjperphalangie    durch    Joachim sthal,     die    Brachydak- 

tylie  durch  Macboli  die  Polydaktylie  durch  Flörcken  und 

Bergmann    interessante   Besprechungen.     Ueber   einen    Fall    von 

Eadius  curvus  berichtet   dann   noch  Marie  Derscheid-Del- 

court.     Diese   Verkrümmung  ist   nach   einer  A  uto  mobil  fr  aktur  zn 

stände  gekommen.     Für  die  Behandlung  kommt  ein  Apparat  in  Be^ 

tracht,  der  auf  den  Krümmungsscheitel  des  Radius  drückt,  eventuell 

die  schiefe  Osteotomie.    Ueber  den  Ersatz  von  Fingern  durch 

Transplantation  von  Zehen  machen  Kraft  auf  Grund  zweier 

Fälle  der  v.  Eisebbergschen  Klinik  und  Krause  auf  Grund  eines 

eigenen   mit  gutem  Erfolg  operierten  Falles  Mitteilung.    Der  eine 

von  den   Kraftachen   Fallen   bot   ein  leidliches  Resultat^   bei  dem 

anderen  kam  es  zur  Gangrän  der  ersten  Phalanx.    Im  Anschluß  an 

seine  Mitteilungen   gibt  Kraft  Verhaltungsmaßregeln  für  ähnliche 

FäUe. 

Uebergehend  zu   den  Arbeiten   über  die  Deformitäten^  Er- 

krankungen  und  Verletzungen  im  Bereiche  des  Beckens 

und    der   unteren   Extremitäten    möchten   wir  auf  zwei  Ar- 

Tuberkulose   betten   über   die   Tuberkulose    des    Ileosakralge lenke   bei 
neoiaktal-;g_jij^ern   hinweisen.     Die   eine  Arbeit   von  Spitzy  und  Bainer 

■  schildert  als  Hauptsymptom  ein©  Störung  der  Lokomotion  und  ebenso 

Schmerzen  beim  Sitzen*  Das  TrendeleubiirgRche  Phänomen  ist  sehr 
deutlich  ausgeaprochen ;  die  Autoren  empfehlen  nicht  zu  eingreifende 
Therapie,  da  eine  solche  die  Prognose  verschlechtert.  Die  seltene 
Deformität  des  angebovenenvollkommenenDefektes  beider 
Beine  erfordert  in  Bezug  auf  die  Prothesen,  wie  Höft  mann  ge- 
zeigt hat^  besonders  sorgfältige  Behandlung.  Man  muß,  um  solche 
Patienten    wieder   auf  die    Beine   zu   bringen,    ssunädist  mit    einer 


1 


Orthopädie,  Kmetiotberapie* 


ilr 


Pefekt  1 

Ober-  ' 
pchenkdlS 


niedrigen  Protlieae  anfaGgen  und  aie  langsam  zu.  der  nötigen 
Höhe  erheben.  Dann  liegt  noch  eine  Arbeit  von  Blodgett  vor 
über  einea  Fall  von  angeborener  Hypertrophie  eines  Beines  Aogebm 
nach  Zangengebnrt,  kompliziert  durch  einen  Klumpfuß^  Die  Be^ 
weglichkeit  der  Extremität  war  vollkommen  normal.  Was  die 
Untersuchungsmethoden  für  das  Hüftgelenk  anlangt,  so 
Imt  daa  Rdntgenbild  auch  hier  wieder  Fortschritte  gebracht,  indem 
m  die  Kontrolle  der  Tastbefunde  wesentlich  verschärft  hat  und 
scheinbar  vollkommen  zuverläsgigö  Methoden  der  Untersuchung  er^ 
gilnisen  konnte.  So  machten  Kainer  und  Werndorf  auf  die  Be- 
deutung der  Tränen^gurlinie  am  Becken  aufmerksam^  aus  deren 
Äenderungen  eich  in  Bezug  auf  die  Vorgänge  im  Pfannengrunde, 
speziell  bei  der  Koxitis,  Schlüsse  ziehen  lassen  dürften.  3axl  hat 
das  Verhältnis  des  Trochanters  zur  Koser-Nölatonschen  Linie  genau 
studiert  und  ist  zu  dem  Schluß  gekommen,  daß  die  Messung  des 
Trochanteratandea  nur  dann  richtig  sein  könne^  wenn  der  Ober- 
achenkel senkrecht  zur  Roser-K^latonscheo  Linie  eingestellt  ist, 
ohne  Ab-  und  Ädduktion,  ohne  Innen-  und  Außenrotation,  Die 
beim  Kinde  auftretenden  Hautfalten  am  Oberschenkel  können  ge- 
legentlich auch  als  differential-diagnostische  Momente  in  Betracht 
gesogen  werden.  So  fand  Cohn,  daß  Äsj'^mmetrien  dieser  Ober- 
sehen kelfalten  gelegentlich  wohl  normalerweise  vorkommen  können, 
daß  diese  jedoch  bei  der  einseitigen  Hüftgelenksverrenknng  in  Form 
dea  Höherstehens  einer  Falte  auf  der  erkrankten  Seite  vielleicht 
konstant  sind.  Das  Kapitel  „angeborene  Hüft  Verrenkung" 
weiat  auch  dies  Jahr  eine  große  Reihe  zum  Teil  sehr  fleißiger,  an- 
regender und  interessanter  Arbeiten  auf.  Zunächst  möchten  wir 
eine  Mitteilung  von  G äugele  erwähnen,  welcher  die  Kombination 
von  angeborener  Hüftgelenks  Verrenkung  mit  Littlescher  Krankheit 
unter  10  Fällen  viermal  feststellen  konnte.  Auf  Grund  seiner  Unter- 
Buchnngen  glaubt  er  annehmen  zu  müssen,  daß  bei  Kindern  im 
frCibesten  Lebensalter  sehr  stark  auftretende  Spasmen  eine  Luxation 
der  Hüfte  zu  stände  bringen  kdnnen,  daß  die  Spasmen  bei  der  Ent- 
atehnng  der  angeborenen  Hüftgelenksverrenknng  ein  ätiologisches 
Moment  darstellen  und  daß  auch  für  die  Mehrzahl  der  gewöhn- 
lichen kongenitalen  Luxationen  eine  mechanische  Entstehung  in  Be- 
Iracbt  käme.  Interessante  Präparate  von  angeborenen  Hnftgelenks- 
verrenkungen  bescbreiben  Kern  er  {Becken  einer  60jährJgen  Pran, 
die  an  einer  doppelseitigen,  angeborenen  Hüftgelenks  Verrenkung  ge- 
litten hat)  und  Allison  (Präparat  eines  Kiuderbeckens  3  Monate 
nach    der  Reposition    einer   doppelseitigen  Hüftgelenksverfenknng). 


verrenktt 


134 


Hoflk  und  Okeesner* 


'eiikung. 


Größere  Arbeiten  über  die  itablutige  BehandluDg  der  kongenitalen 
Hüftgelenksluxation  verdanken  wir  Gourdon,  der  über  50— 55"|o 
anatomischer  HeUungen  bei  einseitiger,  BS— SS'^/o  bei  doppelseitiger 
Luxation  verfiigt.  In  */a  aller  Fälle  von  einseitiger  und  in  der 
Hälfte  der  FäUe  von  doppelseitiger  Hüftgelenksverrenkung  hat  er 
ein  funktionell  vollkommenes  Hesultat^  wenn  anch  nicht  immer  eine 
anatomische  Heiluog^  in  Aussicht  gestellt.  Im  einzelnen  auf  diese 
und  die  folgenden^  sehr  interessanten  uud  ausführlichen  Arbeiten 
einzugehen,  ist  leider  hier  nicht  möglich.  Die  Arbeit  von  Springer, 
der  in  Bezug  auf  die  Aetiologie  das  Vitium  primae  formationis  nicht 
anerkennen  will,  behauptet,  daß  das  funktionelle  Resultut  direkt 
der  Güte  des  anatomischen  folgt.  Auch  er  hält  die  Kacbbehand- 
lung  für  überflüssig  und  glaubt^  es  ist  vieUeicht  besser^  sie  gansf  zu 
unterlusseu.  Auf  Grund  reicher  eigener  Erfahrung  und  auf  Grund 
einer  außerordentlich  großen  Literaturkenntnis  bespricht  Bade  in 
einer  sehr  gründlich  angelegten  Arbeit  Wesen  und  Behandlungs- 
methoden der  angeborenen  Hüftgelenksverrenkung.  Für  den  prakti- 
schen Arzt  wie  für  den  Pachgenossen  von  gleich  großem  Interesse 
werden  einzelne  Fragen,  betreffend  die  verschiedenen  Arten  und  Modifi- 
kationen der  unblutigen  Reposition,  der  Dauer  der  Blxation  u.  s»  w- 
auBführUch  besprochen*  Für  die  sehr  frühzeitige  Reposition  tritt 
besonders  Bartow  ein,  der  auch  eine  Modifikation  für  den  Ver- 
band angibt  Er  verstärkt  den  Verband  durch  Stahleinlagen  und 
kann  dadurch  soviel  aus  ihm  herausschneiden ,  daß  eine  aus- 
giebige Reinhaltung  des  Körpers  möglich  bleibt.  Bülow-Hansen 
bringt  gleichfalls  einen  Beitrag  zur  Behandlung  der  angeborenen 
Hüftgelenksluxation  nach  der  Lorenzseben  Methode,  Die  Reposition 
in  Bauchlage  empfiehlt  Davis  als  recht  zweckmäßig.  Die  PrimÄi> 
Stellung  nach  der  Einrenkung  für  den  Gipsverband  ist  auch  viel 
zur  Sprache  gekomme q.  In  dem  Calotßchen  Buch,  das  von  Ewald 
übersetzt  worden  ist  und  das  eine  sehr  wertvolle  Bereicherung  der 
Literatur  über  die  angeborene  Hüftgelenksverrenkung  darstellt,  wird 
speziell  dieses  Kapitel  recht  eingehend  besprocbeii  und  eine  Stel- 
lung von  70^  Beugung  und  70**  Abduktion  ala  die  zweckmäßigste 
für  die  Fixation  empfohlen.  Müller  hat  sich  gleichfalls  mit  dieser 
Frage  befaßt  und  einpfiehlt,  dem  Oberschenkel  eine  Stellung  zu 
geben,  durch  welche  die  Achse  des  Femurbalses  und  diejenige  der 
Pfannentasche  einen  Winkel  bildeUs  der  45''  nicht  übersteigt.  Durch- 
schnittlich soll  er  16— SO'*  betragen.  Müller  glaubt,  auf  diese 
Weise  Heüresultate  von  100  "j'o  bei  der  angeborenen  Hüftgelenks  Ver- 
renkung erzielen  zu  können.     Für  die  Nachbehandlung  der  in  Kedfi 


Orthopädie,  Kin eaio th erapia 


ll35 


»tehenden  Deformität  verwendet  Vulpius  nach  definitiver  Abnahme 
des  Gipsverbandes  eine  aus  leichtem  Leder  gewalkte,  mit  leichten 
Schienen  verstärkte  Sehnürbülse,  welche  auch  bei  einseitiger  Luxa- 
tion beide  Beine  bis  zum  Unterschenkel  in  Abduktion  von  je  4&" 
und  das  Becken  umaclilieflt.  lieber  die  Ausbildung  einer  Coxa  vara 
nach  Reposition  von  angeborenen  Hüftverrenkungen  machen  Our- 
t  i  U  e  t  und  B  o  u  1  i  n  g  e  r  -  M  ü  1 1  e  r  Mitteilung,  Sie  führen  die  Schenkel- 
hals verbieguDg  auf  eine  Atrophie  und  die  verminderte  Reaiatenz  des 
luxierten  Oberschenkels  zurück.  Ein  Mittelding  zwischen  blutiger 
und  unblutiger  Reposition  der  angeborenen  Hüftgelenks  Verrenkung 
empfiehlt  Bradford,  der  die  Einrenkung  bei  freigelegter  Kapsel 
vornimmt,  Dia  Kapsel  wurde  nachher  gefaltet  nnd  fest  um  das 
Gelenk  verBäht.  Auch  die  Arbeiten  über  die  Goxa  vara  sind  im 
letzten  Jahre  recht  zahlreich  geworden.  Was  die  Aetiologie  der 
üo%^  vara  betrifft,  so  weist  Schmidt  darauf  hin,  daß  neben  der 
tratuna tischen  Epiphysenlosung  die  einfache  Kontusion  der  Knorpel- 
Alge,  mit  langsam  fortschreitender  Epiphysenlosung  zur  Coxa  vara- 
Bildung  fuhren  könne^  David  ist  der  Ansicht,  daß  angeborenB 
Hüft  Verrenkung  und  gleichzeitig  zu  beobachtende  Schenkelhatsver- 
biegung  (Goxa  vara  und  Goxa  valga)  auf  die  gleiche  mechanische 
Ursache  zurückgeführt  werden  müssen.  Ein©  difFerentialdiagnostische 
Studie  Kur  Goxa  vara  adolescentium  gibt  Freiberg  an  der  Hand 
zweier  selbst  beobachteter  Fälle,  welche  sich  bei  Röntgenunter- 
suchungen als  Osteoarthritis  deformans  coxae  erwiesen*  Für  solche 
Fäjle  empfiehlt  Freiberg  das  Tragen  einer  entlastenden  Schiene, 
warnt  aber  vor  operativen  Eingriffen.  Ueber  die  Beziehungen  der 
traumatischen  Epiphjsenlösuug  des  coxalen  Femurendes  zur  Goxa 
\*ara  adolescentium  machen  Arbeiten  von  Sargent  und  Kisch 
aufmerksam,  während  Schmidt  auf  die  Folgen  hinweist,  welche 
eine  Schädigung  der  Knorpelzellen  der  Epiphysenlinie  nach  Bich 
ziehen  kann,  speziell  in  Hinsicht  anf  die  Entstehung  der  langsam 
fortschreitenden  Verschiebung  des  Schenkelhalses  gegen  die  Schenkel 
küpfkappe  und  schleichend  zunehmenden  Epiphysenschwund  mit 
sekundärer  Goxitts  deformans,  Daß  es  sich  in  leichteren  Fälleiif 
wo  Veränderungen  des  übrigen  Skeletts  fehlen  können,  auch  einmal 
am  Chondro  dystrophische  Veränderungen  der  Epiphysenlinien  als 
die  Ursache  für  diö  Entstehung  einer  Coxa  vara  handeln  könne^ 
darauf  weiat  Bosse  an  der  Hand  seiner  Arbeit  über  die  Coxa 
vara  adnata  chondrodystrophica  hin.  Was  die  Operationen  bei  der 
Coxa  vara  anlangt,  so  betont  Galiasszi  Helbing  gegenüber  den 
Wert  des  CodiviUaschen  Verfahrens   und  verwirft  die  Osteotomia 


Coxa  va 


13G 


HoHa  and  GlaesBoer, 


ßubtrock^nterica.  Als  eine  sehr  geistvolle  und,  wie  wir  tins  übar* 
aeugen  konnten,  zweckmäßige  Operation^  müssen  wir  die  von  Bayer 
angegebene,  trepp enförmige  Osteotomie  des  Trocbanter  major  in 
frontaler  Ebene  bei  Coxa  vara  traumatica  bezeichnen*  Auch  über 
towvaig«.  die  Coxa  valga  ist  in  diesem  Jahr  etwas  mehr  gearbeitet  worden- 
Drehmann  führt  diese  Deformität  nach  seinen  entwicklungsgeschicht- 
lichen Untersuchungen  zurück  auf  das  Weiterbestehen  einer  physio-^ 
logischen  Steilstellung  des  Schenkelhalses,  die  eich  in  einem  frühen 
embryonalen  Stadium  vorfindet.  Gaüazzi  hebt  hervor,  daß  die 
Schwankungen  der  Winkelgröße  zwischen  Femurhals  und  Femur- 
Bcbafl  phjsio!ogi;^ch  größer  sind,  als  man  gemeiniglich  annimmt.  Er 
unterscheidet  neben  der  physiologischen  Coxa  valga  noch  eine  funk^ 
tionelle  Coxa  valga,  die  er  durch  Muskelatörungen  erklärt.  Die 
letztere  soll  gar  nicht  so  selten  sein.  Nach  Jung  gibt  es  kon- 
genitale und  erworbene  Fälle  von  Coxa  valga,  die  ersteren  ohii^ 
anderweitige  Deformitäten  oder  kombiniert  mit  Hüftgelenksluxation, 
die  letzteren  durch  statische  Ursachen  j  unvollständigen  Bruch, 
Ldaung  oder  Verschiebung  der  Epiphyse,  Bachitis,  Osteomalazie, 
Osteomyelitis,  schließlich  Exostosen  und  Tuberkulose  bedingt.  Thera- 
peutisch ist  das  Wichtigste  die  Erzwingung  der  Abduktion;  Re* 
dressement,  Apparate  oder  Operation  (aubtrochautäre  Osteotomie) 
kommen  dafür  in  Betracht* 
Qberkumscs  Wir   kommen    nun    zu   den  Entzündungen   im  Bereiche 

tiftgeienks-  ^^g  Hüftgelenks.  Die  bei  der  Hüftgelenksentzündung 
stets  auftretende  Adduktionskontraktur  wird  durch  Inaktivität  und 
Atrophie  der  Gesäfimuskulatur  der  kranken  Seite  von  Saxl  erklärt. 
Dadurch,  daß  während  des  Gehens  in  dem  Augenblick,  wo  dm 
kranke  Bein  Standbein  ist,  die  gegenseitige  Beckenhälfte  herab^llt, 
gelangt  das  kranke  Hüftgelenk  immer  von  neuem  in  Adduktion. 
In  gleicher  Weise  lassen  sich  tue  Beugekontrakturen  erklären.  Die 
Behandlung  dieses  Zustandes  geschieht  nach  den  übhchen  Methoden- 
Eins  größere  Zahl  von  Abhandlungen  beschäftigt  sich  mit  der 
Therapie  der  tuberkiüösen  Hüftgelenksentzündung.  Hoffa  stellt 
in  einer  solchen  drei  Forderungen  auf,  Immobilisation,  Entlastung 
und  Distraktion  der  Gelenke*  Diese  Bedingungen  gewähren  exakt 
und  richtig  angelegte  Gipsverbände  und  Appara.te  nach  Hessing 
und  Dollinger;  Von  vornherein  empfiehlt  Lorenz  zur  Behand- 
lung Fixation  des  Gelenks^  da  das  erstrebenswerte  Ziel  der  Aus^ 
heilung,  die  Ankylose,  auf  diese  Weise  am  schnellsten  erreicht 
werden  kann.  Extension  empfiehlt  er  nicht,  orthopädische  Maß- 
nahmen kommen  erst  dann  in  Betracht,    weim  der  Kranke  einige 


Eopidii,  Mrtesintberapie. 


Monat«  ohne  Apparat  öchmerzloö  zu  gehen  veniiag.  Auch  €l'oldth- 
w  a  i  t  spricht  sich  für  die  konaervadYe  Behandlang  der  Hyftj^elenks' 
tuberkulöse  aus^  im  wesentlichen  nach  den  gleichen  Grundsätzen 
wie  Lorenz.  Er  hält  eins  absolute  Fixation  im  Verband  nicht  f^ 
ao  wünschenswert  und  gestattet  die  BelastUTig,  so  lange,  als 
keine  Schmerzen  auftreten.  Bestehen  Muskelkrämpfe  und  Empfind- 
lichkeit des  Gelenks  weiter,  so  kann  durch  Anwendung  der  wohl- 
bekannten Apparate  für  eine  gründlichere  S  che  nun  g  und  Ruhestellung 
de©  Gelenks  gesorgt  werden.  Als  ein  weiterer  Anhänger  der  kon* 
servativen  Behandlung  der  Htiftgelenksentzundting  zeigt  sich  Tun- 
«ta  II- Taylor,  dessen  Anschauungen  bei  dem  großen  Material^  das 
ihm  zur  Verfügung  steht^  entschieden  Bedeutung  beizumessen  isti 
Auf  nicht  so  konservativem  Boden  steht  SindingLarBen.  Seine 
aahr  ausführlichen  und  sorgffiltigen  Mitteilungen  über  die  Behand^ 
lang  der  Hüftgeleukstuberkulose  im  Kindesalter,  auf  die  leider  hier 
nur  kurz  eingegangen  werden  kann,  gipfeln  in  der  Behauptung,  daß 
die  konservative  Behandlung  der  Koxitis  im  K.indesalter  in  der 
großen  Mehrzahl  der  Fälle  nur  eine  bedingte  Berechtigung  hat  und 
daJä  anstatt  durch  Entwicklung  immer  gewaltsamerer  Operations- 
mathoden  für  alte  Hüften  zu  zeigen^  wie  spät  noch  operiert  werden 
könne,  man  durch  eingehendes  pathologisch-anatomisches  Studium 
klarzustellen  suchen  müsse,  wie  früh  schon  operiert  werden  aoile* 
Auf  die  Gefahren  der  Hüftgelenksresektion  wegen  tuberkulöser 
Erkrankung  macht  0  g  i  l  o  y  aufmerksam  j  die  Sterblichkeit  ist 
hoch,  die  tuberkulöse  Meningitis  leicht  eine  Folgeerscheinung  des 
Eingriffs,  auch  besteht  bei  der  operativen  Behandlung  die  öe- 
&hr  einer  Verkürzung  des  Beine s^  die  später  sich  noch  steigert. 
Ueber  die  Bedeutung  der  doppelseitigen  Hüftgelenksent- 
xündung  im  Kind  es  alter  macht  Calv^  Mitteilung.  Er  weist 
darauf  hin^  daß  ca.  6^l&  der  Koxitiker  doppelseitig  erkranken  und 
daß  dann  die  Krankheit  gewöhnlich  besonders  schwer  verläuft.  Die 

■  Behandlung  weicht  von  der  üblichen  nicht  ab,  doch  ist  bei  eventuell 
^^■Igßtretener   doppelseitiger  Ankylose   woM  auf  operativem  Wege 

^Rf  einer  Seite  eine  Pseudarthroso  anzustreben.  In  gewissen 
Fäüen  von  Hüftgeienksentzündungen  tuberkulöser  Art  kann  man 
—  dai-auf  weist  Schermann  hin  —  bei  rechtzeitig  gestellter 
Diagnose  eines  umachriebetien  tuberkulösen  Herdes  im  Schenkel- 
kopf oder  Schenkelhals  durch  extrakapsuläre  Aushöhlung  gute  Be- 
«yltata  erzielen.  Die  günstigen  Erfahrungen,  welche  Porter  mit 
dem  Brisement  forc6  bei  alter  fibroser  Kontraktur  nach  Hüftgelenks- 

.   imtzfmdungen  gemacht  hat,  lassen  ihn  diese  im  Gagensatz  zur  Üsteo^ 


[38 


Hofik  und  Gtaeüner. 


ÄrthriÜ» 
defonnajis. 


Kniegelenk  ä- 
Hrreukungen. 


v^gum. 


tomie  empfehlen.  Dembrowski  beschreibt  einen  neuen  Apparat 
zur  Bebandlujog  der  Koxitis,  der  vor  dem  Hess  in  gapparat  Vorteile 
haben  soü.  Waa  die  deformierende  Entzündung  des  Hüft- 
gelenks, Arthritiö  deformans  bei  jugendlichen  Indi- 
viduen anlangt,  so  kommt  in  einer  recht  interessanten  Arbeit 
Borchardt  ku  dem  Schluß,  daß  die  Existenz  einer  bilateralen  idio- 
pathischen juvenilen  Osteoarthritis  deformans  des  Hüftgelenks  bis  jetzt 
noch  nicht  erwiesen  ist  und  daß  es  Formeu  von  Osteomyelitis  im  Hüft- 
gelenke gibt,  die  ähnliche  anatomische  Verhältnisse  schaffen  wie  die 
Arthritis  deformans*  Zur  Behandlung  des  Malum  coxae  senile 
empüeblt  Lorenz  die  Fixation  des  erkrankten  Gelenks  in  Hy per- 
ext engion  und  Abduktion»  Er  beziei ebnet  diese  Stellung  als  Inversion. 
Diese  Fixation  im  Oips verband  wird  2  Monate  durchgeführt  und 
später  eine  gleichgestellte  Hülse  getragen.  Entlastungsap  parate  ^ 
sowie  operative  Eingriffe  (subtrochantäre  Osteotomie)  werden  nur 
für  die  allerschwersten  Fälle  aufgespart.  Die  paralytischen 
Luxationen  des  Hüftgelenks  behandelt  Boecker  in  einer 
ausführlichen  Darstellung  an  der  Hand  von  4  Fällen  der  Hoffa- 
schen Klinik,  Von  den  sonstigen  Arbeiten,  welche  Krankheits- 
zustande des  Hüftgelenkes  und  seiner  Umgebung  bebandeln,  wäre 
eine  Mitteilung  von  Preise r  über  einen  Fall  von  doppelseitiger 
schnappender  Hüfte,  kombiniert  mit  willkürlicher  Subluxatioii 
beider  Schenkelköpfe  zu  erwähnen. 

Was  die  Arbeiten  betreffend  die  Deformitäten,  Verletzungen 
und  Erkrankungen  des  Kniegelenks  anlangt,  so  berichten  über 
angeborene  Kniegelenksverrenkungen  Strauß, 
Koofmann  und  Henschke,  Tridon  macht  Mitteilung  von 
4  Fällen  von  angeborenen  Kniegeleukskontrakturen, 
Für  die  Behandlung  des  kindlichen  X-Beins  sind  wieder 
mehrere  Schienen  und  Apparate  augegeben  worden»  So  ein  im 
Kniegelenk  beweglicher  Apparat  aus  Chromlederstreifen  und  Schienen 
mit  federnder  Extension  an  der  Außenseite  von  Evler,  ein  ein* 
facher  X-Beinkorrektionsapparat  fiir  Kinder  von  Zuelzer*  Wallace 
Blanchard  betont,  daß  die  Ursache  des  Genu  va!gum  immer  m 
einer  Krümmung  des  oberen  Tibiaendes  liege  und  spricht  der 
Schiefstellung  der  Femurepiphysen  nur  sekundäre  Bedeutung  zu* 
Zwischen  Lange  und  Schulze  ist  es  in  der  Frage  zur  Behand- 
lung des  kindlichen  X*Beina  ku  einer  Kontroverse  gekommen. 
Während  Lange  auf  dem  Standpunkt  steht ,  daß  die  allmählich© 
Korrektur  des  kindlichen  X*Beins  nur  durch  Hebung,  eventuell 
I^achtlagerungsapparate,  vollkommen  zu  erreichen  ist,  vertritt  S  chulze 


I 


Trtnopüdie,  Kineaiotherapie. 


139 


li,  da0  die  Korrektur  im  Gipsverband  das  schnellere 
Verfaiireii  wäre.  Lauge  erwidert  darauf,  daß  die 
im  CTipsrerljaßd  wohl  beseitigt  wäre,  daß  aber  damit 
iil6(nider  Erfolg  gegeben  sei,  aond^m  immer  noch  eine 
dlüjig  mit  Schienen  notwendig  ist.  Bei  rachitischen 
stehen  Knochen  empfiehlt  Lehr  Einbruch  des  inneren 
eim  auf  der  sclmrfen,  un gepolsterten  Kante  des  Volk* 
Bänkchens  eventuell  die  Wiederholung  dieser  Manipu- 
jkf^m  inneren  Kondylus  des  Oberschenkels  und  Fixation 
durch  einen  eng  anliegenden  Gipsverband.  Bei  älteren 
if  harten  Knochen  wird  zuerst  die  Osteotomie  von  außen 
ommen*  Immer  größeres  Interesse  ßnden  die  trau- 
iiöu  Kniegelenkserkranknngen,  Neumann  betont  in 
Jinöi-rtation  „Traumatische  KniegelenksergUsse  und  ihre  Be- 
1^;"  die  Notwendigkeit  einer  früh  einsetzenden  mediko-mecha- 
rherapie,  die  so  lange  fortzusetzen  ist,  bis  trotz  gi^oßer 
^^iiug  keine  Rückfölle  mehr  eintreten*  Ueber  subpatel- 
i  p  o  m  e  berichtet  dann  Winkel  mann  aus  der  Kieler  Klinik, 
führungen  befassen  sich  mit  der  Aetiologie,  Pathologie 
klinischen  Erscheinungen  dieser  Erkrankung;  sie  zeigen 
Öe  Ue  berein  Stimmung  dieses  Prozesses  mit  der  von  Hoffa 
benen  entzündlichen  Eyjjerplasie  des  subpatellaren  Fett- 
'8*  In  einer  seiner  gewohnt  meisterhaften  Arbeiten  bringt 
g  eine  Besprechung  der  Bandscheibenverletzung  des  Knie- 
BOwie  eigene  Beobachtungen  über  Fettgelenkkörper.  Einen 
EingrifiF  will  Verfasser  nur  für  die  veralteten  Fälle  von 
:ation  aufgespart  wissen ,  wo  immer  wieder  Stömngen, 
tnngserscheinungen  mit  Feststellung  des  Gelenks  und  Schwel- 
U  auftreten,  Aehnlichea  empfiehlt  Verfasser  auch  für  die  trau- 
Bhe  Fettgeschwulat  des  Knies.  Die  selteneren  Verletzungen 
ßem  des  Kniegelenks,  speziell  die  Kreuzbilnderabreißung,  so- 
Terletznngen  des  Ligamentum  mucosura  und  der  damit  zu- 
Inhängenden  Plicae  alares  bespricht  Koenig  jr.  Bezüglich 
terapie  weist  er  auf  die  Notwendigkeit  von  Fixation,  Punktion 
kühzeitiger  Masssgobehandlung  hin,  bei  schwereren  Störungen 
iell  Operation,  Für  die  operativen  Eingriffe  nach  solchen 
ingen  betont  Martina  die  Notwendigkeit  nur  kurz  dauern- 
:ation  und  möglichst  frühzeitig  beginnender  Nachbehandlung, 
eine  tunlichste  Kräftigung  der  Sti^ckmnskulatur  zu  sorgen 
|jPür  die  Behandlung  der  Versteifungen  des  Knie- 
n  k  8    ist    von    R  i  s  d  i  n  g  e  r    für    diejenigen ,    bei    denen 


Tr&iimtti^cii 
Knkgeknks 
erkraukangei 


i 


Subpatelli 
Lipome,^ 


140 


ioW%  und  Glaesaner, 


niegelankEi' 


[AMÖ  der 


iaierkoie. 


Genu 
mrvftttim. 


Nfekte  am 

Unter* 
icbeiikei. 


keine  knöcherne  Verwachs  an  g  der  Gelenke  eio  getreten  ist,  €in, 
wie  ea  scheint  ^  recht  zweckmäßiger  kleiner  Apparat  angegeben 
worden,  welcher  in  Verbindung  mit  einem  SchienenhülBenapparat 
fiur  Ängfüiimng  von  passiven  Bewegungen  durch  den  Patienten 
selbst  al»  sogen  ^  Sei bstbewegatigsap parat  dienen  soll.  Zur  ali« 
mählichen  Streckung,  hezw.  Beugung  von  Kniegelenkskontrakturen 
gibt  Spelliasy  einen  Schianenhülsenapparat  an.  Zur  Beseitigung 
von  hochgradigen  Verkrümmungen  des  Kniegelenks  {Ankylosen  mit 
einer  winkligen  Stellung  von  über  90^)  empfiehlt  Werndorfdie 
paraartikuläre  Osteotomie  der  Tibia  und  des  Oberschenkels  von 
vorne  her  statt  der  bogenförmigen  Osteotomie  nach  Helfe  rieh. 
Lauen  stein  macht  darauf  aufmerksam,  daß  es  zweckmäßig  ist, 
hei  starker  Beugestellung  im  Hüft-  und  Kmegelenk  nicht  in  einer 
Sitzung  beide  Gelenke  zu  strecken  wegen  der  Grefahr  einer  leicht 
eintretenden  Infraktion  an  der  unteren  Femurepiphyse  oder  einer 
Epiphysenlösung.  Interessant  ist  die  Mitteilung  von  Kudleck^  der 
nach  Exstirpation  der  Patella  wegen  zentralen  Hiesenzellen- 
Sarkoms  (die  die  Patella  umgreifenden  Sehnen  hü ndel  sind  völlig  ge- 
schont und  in  ihrer  Längsrichtung  miteinander  vereinigt  worden) 
ein  sehr  gutes  funktionelles  Kesnltat  in  Be^ug  auf  die  Beweglich^ 
keit  des  Kniegelenks  er^stslt  bat.  Ueber  den  Abriß  der  Tu*- 
berositas  tibiae  berichten  die  Arbeiten  von  Linkenheld,  welcher 
einen  Fall  von  doppelseitiger  Äbreißung  der  Tu  berositas  tihiae  be* 
obachtet  hat^  und  von  Jensen.  Ueber  die  günstige  Beeinflussung 
in  subjektivem  wie  in  objektivem  Sinne^  welche  S auerat ofiFein blasung 
ins  Kniegelenk  bei  bestehender  chronischer  Arthritis  und  Arthritis 
deformans  hervorgerufen  haben,  sowie  über  Linderung  der  Be- 
schwerden bei  einigen  Fällen  von  Synovial  tuberkulöse  macht  Ranen- 
bnsch  Mitteilung.  Zu  erwähnen  wäre  dann  noch  eine  Arbeit  von 
Rugh  über  einen  Fall  von  Bluterknie,  das  operiert  außer ordent^ 
lieh  starke  profuse  Blutungen  zieigte  und  hei  dem  die  Blutung  nach 
Verabfolgung  von  dreimal  täglich  5  g  Schilddrüsenextrakt  vollkommen 
stand  und  ea  zu  einer  Heilung  mit  gutem  Cxang  kam.  Schließlich 
müssen  wir  noch  der  Arbeiten  über  das  Genn  recurvatnm  ge* 
denken,  und  zwar  einer  Arbeit  von  Zwirn  über  die  Ursachen  der 
genannten  Deformität,  der  Arbeit  von  Bach  mann  über  die  Patho- 
genese des  Clenu  recurvatum  bei  KoKitis.  Ueber  die  kongenitalen 
Defekte  im  Bereiche  der  Unterschenkelknochen  be- 
richten Arbeiten  von  Halste  dt,  der  einen  totalen  kongenitalen 
Tibiadefekt  beschreibt,  bei  dem  durch  Operation  der  Fibulakopf  mit 
dem  Femurkondylen  gelenkig  verbunden,  dm'  begleitende  Elumpfiift 


I 


I 


I 
I 


I 


Orthopädie p  KineBiotherapie. 


141 


im 


korrigiert^  das  Fußgelenk  versteifb  wnrde.  Wittök  hat  in  einem 
Fall  VO0  partiellem  Tibiadefekt  mit  erheblicher  Verkürzung  des 
TJnterschenkek  die  Fibula  unter  Schonung  beider  Epiphysenlinien 
einerseits  und  dem  yorhandenen  Tiblarest  andererseits  Ib  die  Nigeha 
zwischen  Talus  und  Calcaneus  ei nge pflanzt,  lieber  'einen  Fall  von 
angeborenem  Fibuladefekt  mit  MetatArsuä  varus  acqui^itus  macht 
Blumenthal  Mitteilung.  Die  angeborene  Pseudarthrose  Angeborene 
der  Tibia  findet  Besprechung  durch  Putti  und  Codivilla,  ^X^Mi 
Letzterer  berichtet  über  eine  Methode  zur  Behandlung  dieser  De- 
formität Um  die  Periosttätigkeit  riogs  um  die  Pseudarthrose  an- 
zuregen, macht  er  PerioBtlappenüberpfianzungen  aus  dem  noru^alen 
Knochen.  Heber  die  angeborenen  Verkrümmungen 
und  die  Pseudarthroiäe  des  Unterschenkels  gibt  Gasne 
eine  eingehende  Darstellung.  Er  unterscheidet  1.  einfache  Verkrüm- 
mungen wie  nach  einer  schlecht  geheilten  Fraktur^  2.  eine  Pseud- 
arthrose,  die  im  Anschluß  an  ein  leichtes  Trauma  bei  vorher  be- 
steixender  Verkrümmung  za  stände  kam  und  S.  eine  Pseudarthrose, 
die  sich  schon  bei  der  Geburt  fand^  endlich  eine  Psendarthrosui  die 
erst  in  den  ersten  Lebensjahren  wegen  lokaler  Knochen  brüchigkeit 
infolge  eines  unbedeutenden  Traumas  sich  entwickelte.  Verfasser 
weist  darauf  hin,  daß  die  durch  Operation  erzielte  Vereinigung 
d©r  K.noclien  doch  höchstens  nur  fibrös  bleibt.  Von  den  F  u  ß- 
deformi täten  hat  im  letzteu  Jahr  der  Plattfuß  die  meisten  PlutlfUJ!.! 
Bearbeitungen  erfahren*  Hübscher  hat  durch  anatomische  Unter- 
.chungen  festgestellt,  daß  auch  der  Flexor  hallucis  longus  beim 
*lattfuß  stark  abgemagert  ist»  Für  die  Untersuchung  des  Platt- 
fußes, die  nur  allzuoft  sehr  oberflächlich  geschieht  und  die  Dia- 
gnose ,  macht  Ewald  darauf  aufmerksam ,  daß  man  immer ,  selbst 
dort,  wo  es  sich -wirklich  um  einen  Plattfuß  handelt,  auf  eine  Er- 
krankung der  Knochen  und  Gelenke  des  Fußes,  spoBiell  auf  die 
möglicherweise  vorhandene  Fußwurzeltuberkulose,  Rücksicht  zu 
nehmen  hat.  Als  besonders  pathognomonisch  für  den  Plattfuß  weist 
Koofmann  auf  eine  schmerzhafte  Stelle  hin,  die  im  M.  tibialis  anti- 
©US  nach  außen  von  dem  unteren  Drittel  der  Tibia  gelegen  ist.  Er 
geht  darin  so  weit,  daß  er  bei  Fehlen  dieses  Schmerzpunktes  einen 
Plattfuß  vollkommen  ausschließt.  Daß  auch  bei  beginnendem  Platt- 
fuß Besehwerden  eintreten  können,  welche  ziemlich  weit  von  dem 
Orte  der  Erkrankung  entfernt  sind,  betont  Frischbier,  und  fordert 
auf|  in  solchen  Fällen ^  wo  man  für  derartige  Schmerzen  keine 
weiteren  anatomischen  Anhaltspunkte  findet^  immer  auch  nach  einem 
Plattfuß    zu   fahnden,     Die    Tajsa.lgie   will   Frölich    von    dem 


142 


Hoffa  lind  CJlaeasner. 


PlattfiiB.  Plattfuii  als  solcliem  auseinandergehalten  wissen,  und  er  glaubt^  daß 
es  aicb  bei  ihr  wesentlich  um  einen  leichten  osteomyelitischen  Pro- 
zeß handelt,  der  durch  das  Redressement  und  die  RuhigateUiing  der 
Knochen  zur  Ausheilung  kommt*  Zahlreiche  kleinere  Mitteilungen 
und  Arbeiten  befassen  sich,  nun  mit  der  Herstellung  zweckmäßiger 
Einlagen  und  geeigneten  Schuhwerks  zur  Behandlung  des  Platt- 
fußes* Bo  hat  Brahmsen  eine  Flattfußeinlage  mit  einem  pneu- 
matischen Kissen  konstruiert,  8tarkowski  verbesserte  EinlageQ 
nach  Gipsbreiabdruck  empfohlen ,  Lengfei  Iner  in  zahlreichen 
im  übrigen  wenig  voneinander  differierenden  Arbeiten  eine  Stahl* 
bandfeder  fiir  Plattfußeinlagen,  Pattfulimetall-  und  ^elluloidmetall- 
einlagen,  Cook  zur  Herstellung  von  entsprechendem  Schuhwerk 
einen  Gipsabguß  des  Fußes  als  Leisten  empfohlen,  der  auch  in 
ähnlicher  Weise  von  Lengfellner  beschrieben  worden  ist,  Bar  dach 
die  Konstruktion  eines  Schuhes  zur  Prophylaxe  der  leichten  Formen 
von  Pes  valgus  angegeben  und  Berry  schließlich  die  Prinzipien 
der  Schubkonstruktion ,  die  in  der  Plattfuß  beb  an  dlung  von  größter 
Wichtigkeit  iatp  genau  besprochen.  Legg  schlägt  für  die  Behand- 
lung des  versteiften  Plattfußes  die  Exzision  des  Kahnbeins  bei 
gleichzeitiger  Durch  sehn  eidung  der  Peroneussehne ,  zuweilen  auch 
des  Tibialis  anticus^  und  des  Exten sor  digitorum  longus  vor.  Zur 
Behandlung  der  schweren  Plattfußformen  jenseits  der  Wachstums- 
grenze empfiehlt  Schulze  nach  Tenotomie  der  Achillessehne  kräf- 
tiges Redressement  des  Fußes,  ÄuBmodellieren  des  Gewölbes  und 
buckeiförmiges  Austreiben  des  Fußrückenfl.  Eine  blutige  Operation 
erscheint  erst  berechtigt,  wenn  das  Redressement  im  Stiche  läßt- 
Ueber  das  maschinelle  modellierende  Redressement  des  Plattfußes 
durch  eiuen  Plattfußosteok lasten,  der  sich  ihm  als  sehr  zweckmäßig 
erwiesen  hat,  berichtet  derselbe  Autor,  Hinsichtlich  der  Behand- 
lung des  paralytischen  Plattfußes  durch  Sehnentransplantation  weist 
Kilvington  daraufhin,  daß  bei  Lähmung  eines  oder  beider  Tibia- 
les  das  Resultat  der  Sehnentransplantation  sehr  gut  ist,  daß  hin- 
gegen bei  Lähmungen,  welche  mehrere  Muskeln  befallen,  die  Arthro- 
dese vor  der  Sehnentran&plantation  den  Vorzug  verdient.  Kopits 
bespricht  die  verschiedenen  Methoden  der  Klumpfußbehan dlung 
und  weist  darauf  hin,  daß  bei  streng  individualisierter  Anwendung 
und    sorgfältiger    gewissenhafter    Pflege    die    Resultate    gut    sbd. 

teliftjicUüiig  Schulze  gibt  für  die  Behandlung  des  Klumpfuiies  folgende  Regel: 
Wachsweich  mobiiisieren ,  den  Sinus  tarsi  ausmodellieren ,  im  Gips- 
verhand überkorrigieren.  Auch  die  schwersten  Klumpfüße  will 
Mario  Hotta  unblutig  behandelt  wissen.     Nur  in  Ausnahmefällen, 


anmpfüfl. 


das 


Orthop&diei  Kineeiotherapie. 


wenn  es  unmöglich  sein  sollte ^  einen  angeborenen  Klumpfuß  dritten 
Grades  zm  radressiören,  will  er  die  Phelpsscbe  Operation  anwenden, 
mit  der  die  Korrektion  jeglichen  Grades  der  Deformität  gelingt. 
Kopits  beschreibt  ein  neues  Justrument  zur  ADlegung  des  Gips- 
verbandes beim  Klumpfuß,  das  eine  Verbesserung  dor  Sprengel* 
Nebeschen  Vorrichtuugen  darstellt.  Ueber  die  blutige  Behandlung 
des  Klumpfußes  berichtet  Bade.  Er  macht  Mitteilung  von  einer 
neuen  Opera tionsmethode.  Nach  Spaltung  der  Haut  an  der  promi- 
nentesten  Stelle    und    Entblößung    des   Knochens    von    sämtlichen 


Fig,  17. 


Fig,  18, 


t>ch 


l  m 


Tendopikatio 


tKf.di 


s 


m 


(Atipi  ZeitÄchr*  f  ortäop.  Chir.  Bd.  XVllI,  H.  I  «.  2.  S.  127,  Figf.  1  ti.  f  J 


Weichteilen  werden  die  Fuß wurzelkno eben  mit  einem  stumpfen, 
Btabformigen  Instniment  in  die  richtige  Lage  hineingedrücktj  hieimuf 
wird  die  Wunde  geschlossen  und  ein  aseptischer  Verband  angelegt. 
Bezüglich  der  Behandlung  des  paralytischen  Klumpfußes  berichtet 
Koofmann  über  folgende  Methode:  Verlängerung  der  einen  Hälfte 
der  Achillessehne  nach  Bayer^  Abspaltung  dei*  anderen  Hälftei 
Teilung  derselben  in  zwei  Zipfel,  schiin  gen  förmige  Vemahung  der 
letzteren  um  die  verkürzten  Extensoren  (Flg.  17  u.  18)*  Zur  Beseiti- 
gung der  Spitzfußstellung  empfiehlt  Kyerson  die  Tenotomie  der 
beiden  Gastroknemiusinsertionen  am  Femur*    Der  Zweck  der  vor- 


Sp« 


Uo^a  und  Glaessner. 

geschlagenen  OperatioD,  die  am  Lebenden  noch  uicht  ausgeftiJirt 
worden  iät,  soll  lediglich  m  einem  besseren  kosmetischen  E^esultat  be^ 

:  HoMftofli  ötehen.  Äoßer  den  verschiedenen  bekannten  Formen  des  Hohlfaßes 
gibt  es  nach  Perreanx  eine  Form  von  Hohl fnß,  bei  dem  die  eineiig 
vorhandene  Abnormität  in  einer  Vermehrung  der  normalen  Fuß- 
hohl  uug  besteht.  Diese  Form  findet  sich  recht  hänfig  bei  Frauen. 
Die  Verkürzung  der  Piantarfaszie  tritt  erst  sekundär  ein.  Inter- 
essant ist  auch  die  Mitteilung  von  Shands  über  einen  Fall  von 
Tenotomie  der  Achillessehne  bei  einem  72  Jahre  alten  Patienten,  bei 
dem  es  trotz  des  hohen  Alters  zu  einer  Wiedervereinigung  der  Sehnen- 
enden  kam.  Towsend  schildert  seine  reichen  Erfahrungen  über 
lÄrthi'odöÄO    die  Arthrodese  bei  paralytischen  Fußgelenken.   Erfuhrt 

il  Schiott  BT*  j^Q  Arthrodese  dann  aus,  wenn  kein  Muskelmaterial  mehr  vorhanden 
istj  das  sich  zur  Sehnentransplantation  eignet.  Was  schließlich  die 
Deformitäten  im  Bereiche  des  Fußes  betrifft^  so  macht 
Bradford  Mitteilung  von  mehreren  Fällen  von  spornartiger  Ex- 
ostose an  der  Plantarseite  des  Calcaneus*  Die  Fraktur  des  Epi- 
physenkernes  des  Calcaneus  an  der  Haf^telle  der  Achillessehne 
wird  von  Hageluad  beschrieben,  Chalier  bespricht  dann  noch 
die  Retraktion  der  Plantaraponeurose  und  ihre  verschiedenen  Ur- 
sacheu.  Für  die  Behandlung  empfiehlt  er  die  Ejcstirpation  von  vei^ 
härteten  und  schmerzhaften  Knoten,  eventuell  bei  starker  Retraktion 
die  Tenotomie  der  Plantarfaszie  mit  nachfolgendem  Redressement. 
Zur  BeseHigung  der  Schmerzen  bei  Hallux  valgus  fand  Wilson  die 
sagittale  lineare  Osteotomie  des  vorspringenden  inneren  Höckers  des 
Metatarsuskopfes  und  die  Abmeißelung  der  höckerigen  Exostosen  fiir 
sehr  zweckentsprechend.  Rath  schlägt  bei  der  operativen  Behand^ 
lung  des  Hallnx  valgus  vor^  den  Exten sor  hallucia  longus  und  Flexor 
hallucis  longus  an  den  Ansatzatellen  zu  durchtrennen,  Gelenkkapsel 
und  Sesambeine  zu  exstirpieren,  die  Exostose  abzumeifieln.  Die  Ge- 
lenkflächen werden  unter  Schonung  des  Knorpelüberzuges  modelliert, 
die  Flexo rensehne  seitlich  am  Periost  der  ersten  Phalanx,  die  Ex- 
tentoreosehne  etwas  mehr  dorsalwärts  angenäht.  Ewald  hat 
flmer'  mehrere  Falle  von  Hammerstellung  der  großen  £5ehe  zusammen- 
gestellt, für  deren  Ursache  mannigfache  Momente  in  Betracht 
kommen.  Eine  Bandage  für  Hammerzehen  ist  von  Mittermaier 
angegeben  worden^ 

Literatur« 


HaUuÄ 
valgus. 


V*  Aberle,  Ueber  Fettem bolie  nach  orthopädiichen  Operationen.  Ortho- 
plldenkongreß,  —  Derselbe,  Zur  operativen  Behandlung  des  muskulStren * 


OrtliopS-die*  Kinesiotherapie» 


lU 


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Jftlirbußli  d«r  i^raktisoJien  Hedkln.    l\m.  10 


146 


Hofia  nnd  Gltteiaiier, 


I 


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Orthopädie,  KineBiotherapie- 


147 


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148 


'SofhL  und  Glaesstier. 


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Chjr.  Bd.  XVJl.  ^  Echerer,  üeber  die  Littlesche  Krankheit  und  ihre 
Behandlung.  Di&s,  München  1906.  —  Eichhorn,  Ein  Beitrag  zur  Lehr€ 
von  der  Fcttembolie.  Diss.  Leipzig.  —  G.  R.  Elliot,  Rigid  spine  etc. 
Ämer.  joum.  of  orthop.  iurg,  Bd,  lifj  Nr.  4.  —  Evler,  Chromlederstreifeii 
mit  Schienen  als  einfacher  Streckverband.  Med.  Klinik  Nr.  IL  —  De^ 
selbe,  Ein  im  Kniegelenk  beweglicher  Genu  valgum-Äpparat  aua  Chrom- 
lederstreifen  und  Schienen  mit  federnder  Extension  an  der  Außenseite. 
Zeitschr.  f.  orthop.  Chir.  Bd.  XIX,  H,  l  u.  2.  —  Derselbe.  Ersatz  des 
Stützkorsetts  durch  einen  Geradehalter  aus  Chromleder  und  verstellbaren 
federnden  Hohlacbienen.  Med.  Klinik  S.  643.  —  Ewald,  Plattfuß  und 
Fußwurzeltuberkuloüe.  Münch,  med.  Wochensclir.  Nr.  47,  —  Deraelbe, 
üaber  Hai  lux  malleus  und  verwandte  anormale  Stellungen  der  Großzehe, 
Zeitschr.  f,  orthop.  Chlr.  Bd,  XVII.  —  Derseibet  üeber  angeborene  Kon- 
tralrturen  der  oberen  Extremitäten  bei  Erwachsenen.  Ibid.  Bd.  XVI IL 
H.  S  u,  4.  —  Derselbe,  üeber  angeborene  Fingerkontrakturen.  Ärch.  f. 
Orthop..  Mcchaaoth.  n.  Unfall  chir.  Bd.  V,  H.  4.  —  Fauntleroy^  The  new 
bed  frame  etc.  New  York.  Med.  Joum.  2*  März.  —  Feisa,  Mechaniei 
of  lateral  curvature.  Araer.  journ.  of  orthop-  eurg,  S.  323._ —  0.  Fischer, 
Kinematik  organischer  Gelenke,  ^  Fleiß,  Spontancons  fractures  with 
RicketsT  Eeport  of  a  Caie,  The  amer.  journ.  of  orthop*  surg.  Bd.  11 L  — I 
Flörcken,  Extremitätenmißbildungen.  Phya.  med.  Gea.  in  WürzburgJ 
6,  Juni.  —  F.  Franke,  Diagnose  und  Behandlung  der  chronischen  Ge- 
lenke rkrankungen.  Deutecbe  med.  WochenHchr.  Nr.  29—32.  —  E-  Fraenkei,] 
Ueber  chronische  ankylosierende  Wirbelversteifung,  Fortschr.  a.  d.  Gek] 
d,  Röntgenifcrahlen  Bd.  XI,  H.  S*  —  Freiberg,  Coxa  vara  adolescentium  | 
und  oiteoarthritis  dcformans  coxae.  The  am  er.  journ.  of  orthop,  surg» 
Bd,  III.  —  Frey,  Sublimataeide  bei  Sehnenpluatiken.  Zeitschr.  f.  ortbop. 
Chir.  Bd.  XVI,  H.  3  u,  4.  —  Friberg,  A  preliminary  statemeot  regarding 
the  treatment  of  Joint  tuberculoiis  witli  Marmoreks  Serura.  Ämer.  joufo. 
of  orthop.  sorg.  Juli.  —  Friachhier,  Pea  planua  from  the  view-point  of 
neurology.  Med.  reeord  Nr.  2,  -—  v*  Frisch,  Zur  Technik  der  Behnen- 
nilhte.  Wien,  klin,  Wochenscbr.  Nr.  7,  —  Frölich,  Traitement  Ortho- 
päd iqne  de  certaines  form  es  de  la  malad  ie  de  Little.  Revue  d^orthop* 
Nr,  4.  —  Derselbe,  Contribution  a  la  pathogenie  de  la  taraalgie  des 
adolescenta,  Revue  d*orthop.  Bd.  VIIL  —  Galeazzi,  Sulla  coxa  va-lga. 
Soeietä  Milanese  di  Medicina  e  Biologia.  Sitzg.  30,  Nov.  1906,  Zentralbl. 
C  Orthop.  S,  123,  —  Derselbe,  Ueber  die  operative  Behandlung  der  Coxa 


OrtbopHdie,  KineaiotMrl^ier 


T&r^>  Zeitsebr,  f.  orthop*  Chir.  Bd.  XVni,  H*  3  u.  4.  —  E.  Gaane,  Con- 
tures  et  pseudarthroses  con  genital  es  de  la.  jambe.  Rev.  d'orthop.  Nr,  B  u^  4.  — * 
Gaugele,  Zur  Frage  der  Kuocbenzyaten  und  der  Ostitis  fibrosa  y.  EeckHug- 
bausens.  v.  Langenbecks  Arcb.  Bd.  LXXXIII,  H.  4,  —  Derselbe,  Ueber 
die  Kombination  der  angeborenen  HüftgelenksTerrenkung  mit  der  Little- 
»eben  Krankbeit.  Zeitscbr  f,  ortbop.  Chir,  Bd.  XVIL  —  Gerdea,  Zur 
operativen  Bebandlung  des  muskalaren  Scbiefhahes.  Eentralbl,  f«  Cbir, 
Nr.  6,  —  Gerson,  Zur  Bebandlung  des  runden  Rückens  und  der  hohen 
Schulter.  Zeitschr,  f.  orthop.  Chir-  Bd.  XIX,  H.  1  u.  2.  —  Derselbe,  Eine 
Äuaziehbave  Gipshose.  Zeit^ebr.  f.  argtl.  Fortbildung  Nr.  17,  —  Getell- 
laft  der  Aerzte  in  Zürich,  19.  Sept.  Korreap.-Bb  f.  Schweizer  Äerzte  1906, 
2i.  J*  P.  Möller,  Demonstration  der  Uebungsreihe  ^Mein  System*.  — 
P.  61a essner.  Die  KontinuitätsreMektion  der  langen  Röhrenknochen  zum 
Anagleich  von  Verkürzungen*  Zeitjichr.  f,  orthop.  Cbir.  Bd.  XIX,  H.  1  n*  2* 

—  Gocbt,  Die  Tenotomie  der  Kniebeugeaehnen  bei  elektrischer  Reiaung 
der  Muskeln.  Jbid.  Bd.  XVIL  —  Goldtbwait,  The  treatment  of  taber- 
culoai!«  of  the  bip  Joint.  Boston,  med,  et  surg,  joum.  14.  Febr,  ^  Gor- 
doiip  Farther  contribution  to  the  studj  of  spondyloae  rhizomelique.  New 
York  med-  joum*  8,  tl29.  —  J.  F*  Gottstein,  üeber  angeborene  Skoliose. 
Zeitscbr,  i\  orthop,  Cbir.  Bd.  XYIU,  H,  3  u.  i.  —  Graetzer,  Zur  Aetiologie 
des  angeborenen  Schulterblatthochstandes.  Mitteil.  a.  d,  GreniEgeb.  d. 
Med.  u.  Chir.,  IL  Suppl.-Bd.  —  Grönberg,  Üeber  das  Vorkommen 
Ton  Haltungsfehlern  und  Deformitäteii  bei  Schulkindern.  Zeitscbr.f.  orthop. 
Chm  Bd.  XVUL  H.  1  u,  2.  —  Guarrero,  Suir  oateite  di  Paget.  Arcb,  di 
ortap.  Bd,  XXIV,  H.  3,  —  Gu lecke,  Zwergwuchs  infolge  prämaturer 
Sjmoitose.  v.  Langenbecks  Arch.  Bd,  LXXVIH,  H.  3.  —  y.  Haber  er, 
Knochens  Jäten  und  Oatitis  fibrosa  v.  ReckliugbauHen.  Arcb.  f.  klin.  Chir* 
Bd,  LXXXll,  H,  3.  —  Haglund,  Fraktur  des  Epipliy senke rns  des  Cal- 
caneiia.  Ib^d,  —  Derselbe,  Zur  kongenitalen  Bkolioee.  ZentrsilbL  f.  chir. 
u.  mecb.  Orthop.  Bd,  I,  H.  12.  —  Hancock  u,  Katsukuma  Higashi, 
Da»  Eano  Jiu-Jitsu.  Stuttgart  ~  H^audeck,  Ueber  angeborene  Klumphand 
ohne  Defektbildung.  Wien.  med.  Wochenscbr,  Nr.  L  —  Hilrtel,  Die 
SkoUase.  eine  Voikakrankbeit.    Internat.  Areh.  f  Scbulhyg,  Bd.  HI,  H.  4, 

—  Heer  mann,  Ein  neues  aktives  Korsett  Deufcaebe  med.  Wocbennehr. 
Nr.  8.  —  Henachke,  üeber  einen  Fall  von  angeborener  doppelseitiger 
Kniegelenksluxation  nach  vorn.  Diss.  Leipzig  1906.  —  Herz,  Heilem» 
naatik.  Stuttgart  —  Heusner,  üeber  verschiedene  Anwendungaweisen  det 
Har7.k1ebever bandet,  Zeitsehr.  f.  orthop.  Cbir.  Bd.  XVIL  —  Hildebrand, 
Die  Lehre  ?on  den  ischämischen  Muskel lähmungen  und  Kontrakturen. 
Samml.  klin.  Vortr.,  N.  F.,  Nr.  437.  —  Hoffa,  Die  Behandlung  der  tuber- 
kulösen Kolitis,  Deutsche  med.  Wocbeniübr.  10  u.  11.  —  Derselbe,  Zur 
ortbopädischen  Technik.  ZentmlbL  f.  chir.  u.  mech.  Orthop.  Bd,  I,  H.  1.  — 
Derselbe,  Ueber  die  Endresultate  derSebnenplastiken.  Orthopädenkongreß, 

—  Derselbe,  Ueber  das  Marmorek-Scrum  in  der  Therapie  der  chirurgiachen 
Taberlnilose.     BerL  klin,   Wochenaohr.  Nr.  44.    —    Derselbe,  üebang. 


150 


Hofia  und  Gla»Bner. 


I 


^ 


Gymnaitik  und  Massage  bei  der  Behandlung  von  Enochen*  und  Gelenk' 
erkmnkungen.  Zeit^jclir.  f,  ärztL  Fortbildung.  —  Derselbe,  Zur  Lehre 
vom  chronischen  Gelenkrheumatismui  und  der  Arthritis  deformans.  Deutflcbe 
med,  Wochenachr.  Nr,  14.  —  Derselbe,  Ueber  die  Endresultate  der 
Sehnenplastikeu,  Ärch.  f.  Min.  Chir,  Bd.  LXXXK  —  Derselbe»  Technik 
der  Massagej  5.  Aufl.  Stuttgart,  —  Hoff  mann*  Operative  Behandlung 
einer  iaehfi,tnisehen  Kontraktur  am  Vorderarm  nach  Fraktur  im  unteren 
Drittel  des  Oberarma.  Zeitechr,  f.  orthop.  Chir.  Bd.  XIX,  H-  1  u.  2*  — 
Hoke,  The  treatment  of  the  Bone  deformitj  of  the  Thorax  and  S|>ii!e 
in  Scoliosis  by  plaater  Jacketa,  Utill^ing  the  Expansion  of  the  lungs  aa  i 
Corrective  Force.  New  Tork  med.  journ.  2,  Mai.  —  v.  Holst*  Djsbaeia 
angiosklerotica*  Petersb.  med.  Wochenschr.  Nr.  13.  —  Hflftmann»  Pro- 
tiieae  hei  vollständigem  Defekt  beider  Beine.  Ortbopüdenkongreß.  — 
Hübscberj  Die  Atrophie  des  Flexor  hallueis  longus  beim  Plattfuß. 
Zeitschr.  f.  orthop*  Cbir.  Bd.  XVII.  —  Jardinit  Morbo  di  Dupuytren  e 
arteriosderosi  midollare*  H  morgagni  Bd.  I,  Nr.  4.  —  Jazuta^  Zur 
Anatomie  der  Kontrakturen.  WratBch.  Gaz,  Nr.  29.  —  J.  Jensen,  Frac- 
tura  tuberositatis  tibiae.  v.  Langenbecks  Arch,  Bd.  LXXXUI.  H.  L  ^ 
Joachimsthal,  Weitere  Mitteilungen  über  Hjperpbalangie.  Zeitschr.  f. 
ortbop.  Chir.  Bd.  XVIL  —  Derselbe,  Handbuch  der  ortbop-  Chirurgie* 
Jena*  —  J.  C.  Johansen,  To  Massageappa rater,  Hoapitalatidende  Bd.  XV, 
Nr,  28.  —  Kaisin,  Emploi  du  ga.z  oxygene  pour  la  Radiographie  des 
Ärticülatigii,  Joum.  Beige  de  Radiologie  Nr.  3.  —  Karch,  L'eber  die  Er- 
fahrungen bei  300 Sehnenplftstiken.  OrtböpHdenkongreß*  —  Karewaki,  Zur 
Frage  der  Behandlung  von  Rupturen  des  Quadrieeps  femoris.  Deutsche  med. 
Wochenschr.  Nr.  28.  —Kerner,  lieber  die  Form  des  Beckens  bei  Luxiitio  coxae 
congenita  bilateralis.  Zeitachr,  i\  orlbop.  Cbir.  Bd.  XVIL  —  Kilvington* 
The  treatment  of  paralytic  talipes  valgui  by  tendon  trau5plant4ition.  British 
med.  jonrii.  19.  Jan.  ~  Der&elbe,  Experimentelle  Nerve ncbirurgie.  Ibid* 
Nr*  2417.  —  Klapp,  Funktionelle  Behandlung  der  Skoliose.  Jena.  — 
Derselbe,  üeber  Luftma^sage.  Münch.  med.  WochenBchr,  Nr.  h  — 
Kleinacbmidt,  Zur  Behandlung  ischtlmischer  Muskelkontrakturen,  vu- 
gleich  ein  Beitrag  «ur  Pseudarüirosenbildung.  Deutsche  med.  Wochenacbr, 
Nr*  17*  —  S*  Kofmann,  Ein  Fall  von  angeborener  Kniegelen kfiluxation 
mit  Fehlen  der  Patella,  Operative  Herttellung  der  Kniescheibe.  Arch,  f. 
mechanoth.  Orthop.  u.  ünfallchir*  Bd,  VI.  ^-  Derselbe,  Eine  einfache 
Methode  der  Fes  variis  paralyticus  -  Operation.  Zeitschr*  f.  ortbop,  Chir. 
Bd.  XVül.  H.  1  u.  2.  —  Derselbe,  Pathologie  und  Therapie  des  Platt* 
fußes.  Praktit»che«kij  Wratsch  Nr,  20— 23.  —  J.  Kopits,  Behandlung 
de«  kongenitalen  Klumpfußes.  Orovai  Hetilap  Nr.  37  u.  38.  —  Dertelbe,  ■ 
Ein  neues  Instrument  zur  Anlegung  des  Gipsverbandes  beim  KlumpfuB. 
Zeitschr.  f,  ortbop.  Chir.  Bd.  XVIU,  H.  1  u.  2.  —  Derselbe,  Modifizierter 
Wolm,  Arch*  l\  Orthop.  Bd.  V,  H-  4.  —  Kölliker,  Krawatte  zur  Nach- 
behandlung nach  Operationen  wegen  Caput  obstipum.  Kongr.  d.  Deu trieben 
Gei.  f.  ortbop,  Chir.  —  Der s&l be,  Zur  Therapie  der  Yersteifungen  im  Schulter-  I 


Orthopädie,  Kineaiotberapie* 


151 


Sen&e,  Zentralbl.  f  chir.  u.  mecli.  Orthop.  BiT.  I,  H.  5,  —  König,  üeb€r 
gxiverletzung  des  Kniegelenki.  Med,  Klinik  Nr.  L  —  Franz  Könige 
^Berangement  im  KBiegelenke  mit  beionderer  Berücksichtigung'  der 
sverletzung.  Deutsche  Zeitechr.  f.  Chir.  Bd.  LXXXVIH.  ^  Kraft, 
Ueber  Ersatz  von  Fingern  durch  Zehentransplantation.  Wien,  klin.  Wochen- 
«ehrift  190tS>  Nr*  48.  —  Kraus e>  Die  angeborene  Zerviko- Dorsalskoliose  und 
ihi'e  Beziehungen  zur  HaUrippe,  Fortschr,  auf  d.  Gehiete  d.  H^ntgens^trahlen 
Bd>  X,  H.  6.  —  F,  Krause»  Ereat?.  des  Daumens  au^  der  großen  Zehe. 
BerU  klin*  Wochenschn  1906,  Nr.  48.  —  Kudleck,  Beitrag  zur  Pathologie 
und  Physiologie  der  Patella*  Deutsche  Zeitachr.  f.  Chir,  Bd,LXXXVIlI,  H,  1—3. 
—  Kuh,  Ueber  Gipsbetten  in  der  Skolioöentherapie,  Prager  med,  Wochen- 
schrift Nr,  16,  —  Kuhn,  Improvisation  chirurgischer  Apparate.  Ortho- 
päden kongrefl.  —  Kühne ^  Anwendung  der  Bier-Klappaehen  Saugappurate 
zu  orthopädischen  Zwecken.  Jdonatiachr,  1  Unfallheilk,  Nr.  4.  —  Land- 
wehr, Winkelmesser  für  die  tägliche  Praxis  des  Orthopäden  und  Gut- 
acbtera,  Arch*  orthop.  Mechanoth,  u*  Ünfallchir,  Bd,  II,  H,  1,  5  u.  7.  — 
Lange,  Was  kann  der  praktische  Arzt  zur' Linderung  des  Krüppelelends 
tun?  Münch,  med.  Wochenscbr,  Nr,  14  u  15.  —  Derselbe,  Verbesserung 
der  künstlichen  Sehnen.  Zeitschr.  f,  orthop.  Chir*  Bd*  XVIL  —  Derselbe, 
Der  plaatische  Ersatz  des  Glutaeus  medius  und  minimus.  Ibid.  —  Der- 
falbe,  Zur  operativen  Behandlung  des  Genu  valgum.  Bd.  I,  H>  9;  ZentralbL 
f.  chir,  u,  mech.  Orthopädie,  —  Derselbe,  Die  Behandlung  der  habi- 
tuflZeii  Skoliose  durch  aktive  und  passive  Ueberkorrektur.  Stuttgart.  — 
Derselbe,  Die  Behandlung  des  kindlichen  Gen\i  valgum.  ZentralbL  f» 
elür.  u.  mech.  Orthopädie  Bd,  I,  H,  3,  —  Lnngemak*  Eur  Thiosinamin* 
beh4ndlung  der  Dnpuy trenschen  Faszienkontraktur,  Münch.  med.  Wochen- 
athrift  Nr,  28*  —  Derselbe,  Zur  Frage  der  Beckenstütze.  ZeitiChn  f. 
orthop,  Uhir,  IJd,  XVllU  H.  1—2.  —  Lauenatein,  Zur  Behandlung  der 
•pitiwinkligen  Stellung  des  Kniegelenks  in  Fällen  von  Beugekontrattur 
des  Hüftgelenks  durch  schwere  Koxitis.  ZentralbL  f.  Chir,  1906,  Nr.  40.  — 
Leggp  Behandlung  des  versteiften  Plattfußes*  Boston,  med,  and  surg. 
joamp  6*  Juni.  —  Leng  fellner,  Kin  'wisaenschaftlich  orthopüdischer 
Schuhleisten,  ZentralbL  f.  Chir.  S.  1018,  —  DerEelbe,  Plattfuß^  MetalL 
tmd  Zelluloidmetalleinlagen,  Münch,  med.  Wochenechr-  Nr.  9.  —  Der* 
uelbe,  Stahlbandfeder  für  PlattfuMnlagen.  Müneh.  med*  Wochenschr, 
Nr.  2L  —  H.  Lehr,  üeber  eine  neue  Methode  zur  unblutigen  Beseitigung 
des  Genu  valgum  im  Kindesalter,  Zeitachr.  f.  orthop.  Chir.  Bd,  XVlIl, 
Hp  3  u*  4.  —  Lewandowaki^  Ueber  Gymnastik  in  der  Schule  unter 
be»onderer  Berücksichtigung  der  Atemgymnastik.  BerL  klin.  Wochenschr. 
ö-  ti74,  —  Lexer,  Terstaifung  paralytischer  Gelenke  mittels  Knochen- 
holzen. Ref.  in  Deutsche  med.  Wochenschr,  Nr.  8*  —  Linkenheld, 
Doppelseitige  Abreißung  der  Tuberositaa  tibiae.  Med,  Gesellsch*  Gott  in  gen, 
10,  Jan. j  Deutsche  med,  Wochensi-hr*  Nr.  19.  —  Loening,  Ueber  einen 
Fall  von  einseitigem  kongenitalem  Pektor alisdefekt  bei  einseitiger  Amastie, 
MittdL  a,  d.   Grenzgebieten   d.   Med,   u.   Chir.  Bd.  SVIl,  H,  1  ü*  2.   — 


152 


Hoffft  und  Glaeasner, 


Lorenz,  The  simplest  meehauical  metliöd  of  tteating  coxitis  and  f 
lesulL  Amer.  journ,  of  ortliop.  eurg*  Bd.  IV,  Nr.  3.  —  Derselbe,  Ueber 
die  EankaTtoraion,  Kougr.  d.  Deiit«fhen  Ges.  f.  orthop.  Chir.  —  Derselbe, 
Zur  Behandlung  dea  Malum  senile  eoxae.    Wien,  med.  Woehenjiehr.  H.  2. 

—  Loasin,  Ein  neuer  Daümenbewegnng?ap parat.  Areh,  f.  Orthop*, 
Mechanoth,  u.  Unfallcbir.  Bd*  V,  H.  2  u.  3.  —  L  o  «^  e  1 1 ,  Lateral  carvature 
of  the  spine  and  round  Bhoulders.  Philadelphia.  —  Derfielbe,  Curve 
fieiologiche  dells-  spina  ximanft  loro  origine  e  eoiluppo,  Arch.  di  Ortopedia 
Bd.  XXllI,  H*  5 — 6.  —  Locke  u.  Osgooci.  Treatment  of  non  tuber- 
culouH  chronic  arthritia.  Journ.  of  the  Amer.  Medic.  Assoe.  H.  2*  —  Lud- 
loff,  Eine  Methode  exakter  Messung  und  Aufzeichnung  der  WirbeMule 
in  verschiedenen  Baitangen.   MitteiL  a.  d.  Grenzgeb.  d.  Chir.  u.  Med.  S,  SM. 

—  Luigi  Sieiliano,  Lage  der  Knieecheibe  im  Kniegelenk.  Fortechr.  d, 
Röntgenstrahlen  Bd.  XI,  H.  2.  —  Macbol,  Beiträge  zur  Kenntnis  der 
Brachydaktylie.    Mitteil.  a.   d.  Grenzgeb.  d.  Med.  u.  Chir.,  III.  Supp1.<Bd< 

—  Deraelbe,  Beiträge  zur  mediko- mechanischen  Iraprovisationitechnik 
und  Mitteilung  einer  einfachen  Vorrichtung  zur  Uebertiagung  vertikaler 
Pendelschwingung  in  Horizontalbt^wegung.  Zeit.echr.  f.  orthop*  Chir.  Bd.  XVIlI, 
H»  3  u.  4.  —  Marpiirgo,  Studio  exjjeriraentale  suir  osteomalacia  e  suDa 
rachitide.  Arch.  per  le  Sc.  mediche,  Febr.  ^  Martens,  Die  Behandlung 
der  Gelenktuberkulose,  Die  Therapie  d.  Gegenw.  Nov.  —  MatthieE^ 
Zur  Behandlung  der  Aiihritiä  gonorrhoica.  Diss«  Kiel.  —  Mariina,  Ueber 
die  Dauererfolge  der  operativen  Behandlung  der  Meniscusluxationen  im 
Kniegelenke.  —  Milner,  Ostiti«  defonnans,  Sitzungsb.  d.  med.  Geaellsch. 
tu  Leipzig;  Münch.  med*  Wochenachr.  Nr.  37.  --  Milo,  Longitudinale  oder 
transversale  Kraft  ein  Wirkung  bei  der  Behandlung  der  Rückgratverkrümmung 
und  eine  Modifikation  des  Gipsbetts.    Nederl.  Tijdschr.  voor  Geneeak.  Nr.  12. 

—  Mittermai  er,  Die  Ha»nmer5£eben  und  ibrit^  Behandlung.  Münch.  med. 
Wochenachr.  Nr.  3.  —  P.  J.  v.  Modlinsfcj,  Zar  Frage  des  Gipsgeb rauchen 
in  der  Orthopädie.  Zeit^chr,  f.  orthop-  Chir.  Bd.  XVIU»  H.  l  u.  2.  — 
H  0  B  e  r .  Weitere  Erfahrungen  über  Röntgenbestrahlung  versteifter  Gelenke, 
Mitteil.  a.  d,  Grenzgeb.  d.  Med.  u.  Chir.  S*  695.  —  Mario  Motta.  In 
difesa  de  metodo  di  Phelps  nella  cura  del  piede  equino  varo  congenito. 
Communic.  al  IlL  Congr.  della  hoc.  oitop.  ital.  —  Muellerj  Eine  neue 
Primaratellung  bei  der  unblutigen  Behandlung  der  angeborenen  Hüftgelenke- 
lüsiüon.  Journ-  of  the  amer.  med.  Asaoc.  26.  Jan,  —  Müller  (Rostock) ^ 
Madelungsche  Difformität.  79*  Vers.  d.  Naturf.  u.  Aersete.  Dreaden.  — 
MuBcatello,  Per  la  cura  operativa  nella  niancanza  congenita  del  radio. 
Arcb.  di  ortop.  Bd.  XXIII,  H.  5.  u.  6.  —  Halsted  Mjers,  The  Amer. 
journ.  of  ortbop.  surg.  Bd.  III.  —  Ch.  D.  Napier,  Report  of  two  case« 
of  spondjiolystheais.  Ibid.  —  Nathan,  Gonorrhoel  Joint  diseaae  and  iti 
treatment.  New  York  Med,  journ.  16.  Mäns.  —  Neumann,  Die  traumati- 
Bchen  Kniegel enksergüs&e  und  ihre  Behandlung.  Diaa.  Leipzig.  —  Neu- 
rath,  Ueber  eine  pathologische  Kopfhaltung  bei  der  infantilen  Hemiplegie. 
Wien.  med.  Prease  Nr.  16.  —  Ogilo^,  The  results  of  excision  of  the  htp 


I 


Orthopa^die,  Klnegiotherapie, 


153 


in  ttiberculofjs  of  the  Joint  New  York  Med,  journ»  —  Painter*  Operative 
treatiuent  of  bone  tubereulosis.    The  Ainer.  journ,  of  orthop.  surg.  Bd.  IIL 

—  Palftgi,   Sulla  sinoatosi   radio-ulnare  &uperiore*    Arck  di  ortop,  Nr.  4. 

—  Partselr  De  la  aurelevation  congenitale  de  romoplate,  Ann.  de  la 
»oc.  beige  de  Chir.  Jan,  —  Peckham,  Tfaeray  as  an  auiiliary  treatuient 
m  boue  tuberculosis.  The  Am  er.  joura.  of  orthop.  surg.  Bd.  11 L  —  Der- 
teJbe,  The  Ireatment  of  lateral  curvature  of  the  apine;  resalU.  Ibid.  S,  340. 

—  PeUesohn,  Üeber  SpondjÜtis  tjpbasa.  Zeitschr,  f.  orthop.  Chir. 
Bd.  XIX,  H.  1  11.  2.  —  Derselbe,  LVber  Cubitus  valgus  mit  sekundären 
Störiuigen  im  Gebiete  des  Ulnaria.  Ibid*  Bd,  XVJL  —  Perreaux,  Der 
easentielle  Holilfuß.  Dt^a.  Paria.  ^-  H.  Petersen  u.  H.  Gocbt,  Amputa- 
tionen und  Exartikuliitioaen,  Künstliche  Glieder.  Deutache  Chir.T  Lfg.  29a. 
Stuttgart.  —  Q,  Pfeifferi  üeber  Ostitis  tibrosa  und  die  Gene«e  und 
Therapie  der  Knoehenajsten.  Beitr.  a.  klin.  Chir.  Bd.  LIIJ,  H,  2.  —  Porter, 
The  treatment  of  hip  diseaae.   Surgery,  Gjnaecol*  and  Obstetries,   2.  Febr. 

—  G.  Preis  er,  Ein  Fall  von  doppelseitiger  ^schnappender  Hüfte*  ^  kom- 
biniert mit  willkürHcher  Subluxation  beider  Schenkel  köpfe.  Zeitschr,  f. 
orthop.  Chir,  Bd.  XVIII,  H,  1  u.  2.  —  Derselbe.  Der  Tennisellbogen. 
Zentr&lbl.  t  Chir.  Nr.  S.  —  Preitter^  Zur  diiferenti eilen  Diagnose  der 
Kno  eben  Verdickungen.  Wien.  klin.  Woehenschr.  Nr.  6.  —  Putti^  Sulla 
pseudartroKi  congenita  della  tibia.  Soc.  med.-chir.  di  Bologna.  24.  Jan.  — 
Hais,  La  aynostoae  congeuitale  radio  cubitale.  Revue  d'ortop-  Sept.  ^- 
C.  Rath»  Ein  Beitrag  zur  operativen  Behandlung  des  Hallux  valgus» 
2eit«^hr,  f.  orthop.  Chi^r,  Bd,  XVIH,  H.  3  u.  4.  —  Deraelbe,  Ein  Fall 
von  Sptttrachltig.  Ibid.  H.  1  u.  2.  —  Eauenbusch,  Therspeutiaohe  Sauer- 
itoä einblas ung  in  daa  Kniegelenk,  Berl.  klin.  Wochenschr,  Nr,  13.  — 
Bedard,  De  la  correction  des  difformitys  pottiqiiea,  Redreasement  forc4. 
Ifyperextensioo.  Ann.  de  chir,  et  d'orthop,  Bd.  XX,  H.  3.  —  Derselbe, 
Pf^eis  de  technique  orthop^dique,  Paria.  —  Reiner,  Experimentelles  zur 
Fettem bolie*  79.  Vers,  deutacher  Nftturf*  n,  Aerzte.  Dresden.  —  Derselbe 
u,  Werndorff,  Zur  Radiologie  des  Azetabulums*  Ibid.  —  Reinhard t< 
Natvij^.  Zur  Diagnostik  einzelner  Eitremi  täten  leiden.  Zentral  bL  f.  chir. 
13.  mech,  Orthop,  Bd.  T,  H,  1.  —  Rhein,  The  treatment  of  Arthritis  de- 
formans.  The  therap.  ßiiz.  15.  Mrira.  —  Kiedinger.  Zur  Behandlung  der 
Ankjloaen  und  Kontrakturen  des  Kniegelenks.  Zentral bl,  f*  chir,  u.  mech. 
Orthop.  Bd.  1,  H,  12.  —  Ritter,  Kine  einfache  Vorrichtung  lur  Erleichte- 
rung der  Anlegunjf  de«  redressierenden  Gipaverbandes  bei  Kindern.  Arch. 
r  Orthop.,  Meclmnoth*  u.  Unfallchir.  Bd,  V,  H,  4.  —  RomboUl,  Sulla 
fnnztone  del  muscoli  sottoposti  a  eompresaione.  Arch.  di  ortop.  Bd.  XXIV, 
3*  Mir»,  —  Eoienberg,  lieber  Myotoraia  congenita  (Oppenheim).  Deutsche 
Zeitscbr.  f.  Ner\'enheilk.  Bd,  XXXI.  —  Roaenfeld.  Krüppelfürsorge  und 
Krüppelauatalten  nach  ihrem  heutigen  Stande,  Arch.  f.  Orthop,,  Mechanoth. 
Ä,  ünfalichir.  Bd.  V.  H.  2  u.  3.  —  Röpke,  Zur  Kenntnis  der  Myositis 
<Mtlficans  triiumiiüca.  Arch.  f.  klin,  Chir.  Bd,  LXXXÜ,  H.  1,  —  Rugh. 
Ittport  of  a  case  of  haemophilic  knee  Joint  Operation ;  recovery  under  ibe 


154 


Hofta  nm\  GlaeBsner, 


nse  öf  thyr€oid  extract.  Ann.  of  surg.  Mai.  —  J,  Rubewiatin^  Oatitii 
£broaa  multiplex  mit  Spontanfraktur  der  Seh^delbamB.  Med.  Klinik  8.  1043. 
—  E.  W.  Ryeraon,  Calf  defonnity  in  club-foot  caaes.  Ämer.  jotim.  of 
orthop.  flurg.  Bd,  111,  Nr,  4-  —  Sargent  u.  Kisch*  Separation  of  the 
acetabular  epiphjsis  of  the  femur-  its  relation  to  adolescent  C03ta  vara.  Lancet, 
6,  Juli.  —  Älfr*  Saxl,  Die  BeugeabduktionÄkontraktur  bei  Koxiti«.  Wien, 
klin.  Wocbenschn  Nr,  SL  —  Derselbe,  Das  Verbältni^  des  Trochantets  mr 
Boser-NelatonEsclien  Linie-  Zeitschr,  f*  ortbop,  Cbir.  Bd*  XVII.  —  Sayre, 
The  raechanical  treatment  of  non  tubercular  Joint  inflammation,  The  amer* 
journ,  of  oilbop.  enrg.  Bd.  111.  —  Schanse.  Zur  Behandlung  von  Gelenk- 
verateifuBgen.  79»  Naturf.  u.  Aerztever«.  zu  Dreiden.  Sept^  —  Derselbe, 
Zu  den  Sehnen  Operationen  bei  Lähmungen.  Ibid.  —  Derselbe  ^  Eine  un- 
beatimmte  Form  von  SchmerÄbaftigkeit  an  der  Wirbeleäule.  Kongr,  d. 
Deutschen  Get*  f*  orthop,  Chir,  —  Derselbe,  üeber  die  Korrektions- 
f^igkeit  schwerer  jugendlicher  Skoliosen.  79.  Vera,  Deutscher  Naturf.  u. 
Aerzte  in  Dresden.  Sept.  —  Derselbe,  Zur  Behandlung  der  Schenkel- 
halsbriiche,  v,  Langenbecks  Arch.  Bd.  LXXXlIi,  H,  L  —  Schlee.  Re- 
dressionskorsett  zur  Nachbehandlung  von  SkoHoien.  Kongr.  d.  Deutschen 
Gefl,  f.  orthop.  Chir.  —  Georg  Schmidt,  Die  Kontuaion  der  Knorpel- 
fuge des  Schenkelkopfea  und  ihre  Folge Kustilnde  (Coxa  vara ,  Coxitia  de- 
formans).  Mitteil,  a,  d.  Grenzgeb,  d.  Med,  u.  Chir.  Mai,  —  Derselbe, 
Prophylaktische  Biersche  Stauung  in  der  Unfallheilkunde.  MooaUachr.  f, 
Ußfallheilk.  Nr*  4*  —  Schnitze  (Duiaburg)t  Zur  Behandlung  des  Klump- 
fußes. Arch,  f.  Orthop.,  Mechanoth.  u,  Unfallchir.  B.  VI,  H.  L  —  Der- 
selbe, Das  maschinelle  modellierende  Eedreasement  des  Plattfußes  durch 
einen  Plattfußosteoklasten.  Ibid.  —  Derselbe,  Zur  Behandlung  der 
schweren  Plattfuß  formen  Jen  seit«  der  Wachst  um  sgrenze,  Zeit  sehr,  t  orthop. 
Chir.  Bd,  XIX,  H.  1  u.  2.  —  Derselbe,  Die  Verlängerung  der  Sehnen* 
ZentralfaL  f.  chir*  u.  mech*  Orthop.  Bd.  1»  H,  6.  —  W,  Schul thess. 
Eückgratsverkrümmungen  eine  K ran kheit^e räch  ein ung.  Korresp.-BL  f, 
Schweizer  Aerstte  Nr.  2.  —  Derselbe  (Zürich),  Was  kann  von  seiten  der 
Schule  zur  Bekämpfung  der  Riickgratsverkrümniun^en  getan  werdend 
ZentralbL  f.  chir.  u.  mech.  Orthop.  ßd,  1,  H.  10.  —  Derselbe,  Kommt 
unter  normalen  Verhältnissen  eine  Konkavtorsion  der  Wirbelsäule  vor? 
Kongr,  d,  Deutschen  Gea.  d.  orth.  CMr.  —  Shanda,  Achillotomj  and 
fasciotomy  in  a  patient  seventy-toov  years  old,  The  Amer.  journ*  of  orthop, 
Bd.  TU.  —  Sh ermann,  Reports  of  focal  operationa  in  hip-joint  tuber- 
culosis.  California  ßtate  journ.  of  Med.  März,  —  C.  M.  F.  Sinding- 
Larien*  Beitrag  zum  Stitdium  der  Behandlung  der  Hüftgelenkstuberkuloee 
im  Kindesalter.  Nord,  med*  Ärkiv  Bd.  XXXVIU,  Abt  1,  Chir.  Nr.  17  u* 
Bd,  XX*Xl,  Abt.  L  Nr.  1  u.  4  (Deutich)*  —  Simon,  lieber  Caries  verte- 
bralis  acuta  mit  Kompressionsmyelitia  im  "N^erlaufe  der  chronisch  anky!o* 
gierenden  Entzündung  der  Wirbekäule*  Deutsche  Zeitach r.  f  Nervenbeilk, 
Bd.  XX XU.  —  Sinding^Laraen,  Beitrag  zum  Studium  der  Behandlung 
der  Hüftgelenkstubarkuloae  im  Kindeaalter*    Nord,  med*  Arkiv  Bd.  1905, 


I 


'  t^rtiiopädie^  KiDez^iothefEpie, 


I^ 


l0Ot?*  **  David  Silver,  An  experimental  atu%  of  the  influence  of  necrosis 
produced  by  euturea  in  fcendon  suture  and  irannplantation,  The  Amer, 
jaum.  of  ortbop,  eurg.  Bd.  IV.  —  Spitzyu.  Reiner,  Die  SakroknxitiÄ 
dm  Kin  des  alters.  Zeitschn  f,  orthop.  Chir,  Bd.  XVIL  —  Slomann»  Ueber 
die  Nachbehandlung  nach  mobilisierenden  Operatiotien-  Arch.  f  Orthop., 
Mechajioth.  u,  Unfsfillchin  Bd,  V,  H.  4,  —  E*  Sommer,  Eine  neue  Art 
der  phjflikalisehen  Nachbehandlung  von  Verletzungen.  Leipzig.  —  Sonli^, 
Luxation  pathalogique  de  la  hanche  consecutive  ä  la  dt^paritioii  da  la 
tdte  fem  orale.  Re%-ue  d'orthop.  4.  —  SpelÜBij,  The  fcreatment  of 
Imee  ankjloais.  The  Amer.  journ,  of  ortop.  sorg,  Bd*  llf.  —  Springer, 
Beiträge  zur  unblutigen  Operation  der  angeborenen  Huftgelenksverrenkang. 
Arch,  f,  Ortbop..  Mechanoth.  u.  Unfallchir,  Bd.  V,  H.  1.  ^  Stadler 
(Leipzig),  Ueber  Knochenerkrankungen  hei  Lues  heredifaria  tarda.  Fortachr, 
a,  d.  Öeb.  d.  Röntgenstr.  Bd.  XI,  H.  2.  —  Starkowski.  Plattfußtherapie 
unter  Barücksichtigung  verbesserter  Eialagea.  Diss.  Leipzig  1906.  —  S  t  e  r  n, 
PlaÄter-of-Paris ,  the  effeeta  of  varions  auhatances  upon  it»  rate  of  setting 
and  the  subaequent  atrength  on  darabilitj  of  tbe  cast.  Amer.  journ.  of 
orthop*  surg.  8.  352.  —  Steward,  Clinical  reniarks  on  the  treatment  of 
«argieal  tuberculosii.  Briti&h  med.  journ,  S.  854.  —  Stieda,  Zur  Patho- 
logie der  Schleimheutel  des  Schul tergelenke.  79.  Vers.  d.  Naturf.  u.  Aerate 
11X  Dresden.  Sept.  --  Steyerthal,  Zur  Geschichte  des  Tortieollia  apae- 
modicui.  Arch.  f.  Psych.  Bd.  XLl.  —  Stirling.  Pnmary  suture  of  the 
mediane  nerve,  Bubsequejitä  trnusplanttition  of  sciatic  nerve  of  dog.  Inter* 
Colon ial.  med.  journ.  of  Australasia.  Mai.  ^  Stuhl,  Zur  Behandlung  der 
intra  partum  entstandenen  Humerusfrakturen,  Deutsche  med.  Wochenach  r. 
Nr,  3.  —  Strauß,  Zur  Kenntnis  der  multiplen  kongeuitalen  Gelenk- 
deformitäten. ZeitÄchr.  i\  orthop.  Chir.  Bd.  XVI,  H.  ,?  u.  4.  —  Strauß, 
Die  hysterische  Skoliose.  MJtteil,  a.  d.  Gi*en/geb*  d.  Med.  u,  Chir.  Bd.  XVII, 
H*  5.  —  Sndeok,  Ueber  die  Muskelatrophie  (Reflex the orie)  und  l n aktiv itäts- 
thaoriet  Deutsche  med.  Wochenachr.  Nr.  23.  —  J.  Szalai,  Hyperämie- 
behandlung  in  der  allgemeinen  Praxis.  Orovai  Hetüap.  Nr-  14—17.  — 
A.  Thorndike  (Boston),  The  amer,  journ.  of  ortbop.  surg.  Bd.  111.  — 
Towiend,  Treatment  of  paralytic  club  foofc  by  arthrodeats.  The  amer* 
joüm.  of  orthop.  surg,  Bd.  ill.  —  Tridon,  La  fleiion  cong^nitale  du 
genu.  Eefue  d  orthop.  Bd.  VIU,  Nr.  1.  —  G.  Treupel,  Ueber  die  medika- 
mentöse und  lokale  Behandlung  der  akuten  und  chronischen  rheumatiachea 
und  gonorrhoischen  Gelenkerkrankungen.  MUnch.  med.  Wochenachr.  Nr.  39i 
—  Tscherniawski,  Ueber  einen  Fall  von  Osteochondritis  und  Dactylitis 
Joetica  bereditiiria.  Zeitachr.  f.  orthop.  Chir.  Bd:  XVI,  H.  S— 4.  —  Tnnatall- 
Paylor,  Limitations  of  era&ions  in  coxalgia.  Amer.  journ.  of  orthop.  aurg. 
Bd.  111.  —  Veain.  Sech a  neue  Fälle  von  Oiteomalazie.  Dm.  Göttingen.  — 
O.  Vulpius,  FasÄiodese.  Zentralbl.  f.  chir.  n*  mech.  Orthop,  Bd.  f,  H.  3.  =- 
Derskelbe,  Arthrodeae  des  Schultergelenka.  Kongr*  d*  deutachen  Gea*  f. 
<>rthop.  t'hir.  —  Derselbe,  Zur  Nachbehandlung  der  angeborenen  Hüft- 
luxation.    Zentralb!,  f.   chir.   u.   mech.   Orthop.  Bd.  I,  H.  8*  —  Water- 


156 


Hofk  und  Giae^snef^ 


house,  Ofiteitia  de  form  an  ß*  Lancet  Nr,  4366,  —  Watkins,  InfaDtil© 
Paraijsis.  Amer.  jo«rn,  of  örthop.  aurg,  S.  368.  —  Weinbreuner,  Ueber 
Dauerheilung  operativ  behandelter  chirurgiflcher  Tuberkuloien»  Diss,  Tü- 
bingen 1906,  —  We^lowski,  Die  Behandlung  der  Gelenkankjrloeen  ver- 
tniitek  UeberpflanzuDg-  von  Knorpelplatten,  Zentralbl.  f.  Chir.  Nr,  17,  ^ 
We  mdorf  f.  Die  blutige  Behandlnng  habitueller  ScbnitergelenkslujEationen* 
KoBgr*  d,  deutBcken  Ges,  f*  orthop,  Chir,  —  Deraelbej  üeber  die  blutige 
Behandlung  hoehgradiger  Kniegelenksverkrümmungen,  Zeitsehr.  f,  orthop. 
Chir.  Bd.  XVII,  —  Wintelmann.  Üeber  aubpatellare  Lipome.  Inaug,- 
Dim,  Kiel  1906.  —  Wink  1er,  üeber  den  deformierenden  chronischen 
Gelenkrheumatiimus  (Arthtitia  deform  ans)  und  die  Neundorf  er  Kur,  Zeit* 
achrift  f,  phja.  u.  diMet.  Ther.  Bd.  X,  S,  709.  —  Wilson,  An  Analjsia 
of  52  Oasea  of  hallujc  valgua  in  177  patients  with  a  report  npon  an  Opera* 
Uon  for  ita  relief.  The  Araer.  journ,  of.  orthop.  surg.  Bd.  III.  —  Witthauer, 
Weitere  Mitteilungen  über  Vibration  am  ansage,  Therap,  Monatsh.  Febn  — 
Witherspoon,  Gonorrhoel  arthritia.  Journn  of  the  amer,  med,  assoc, 
Febr.  ^  Wittek,  Die  operative  Behandlung  des  partiellen  Tibiadefektea. 
Zeitschr.  f.  orthop,  Chir.  Bd.  XV IL  —  Wohrizek,  Schulen  für  Skolio* 
tische.  Ebenda  Bd,  XVIII,  H,  3  u,  i.  —  Wolf,  Daa  Thioeimimin  ale  Heil- 
mitteL  Arch.  f.  klin,  Chir,  Bd.  LXXXIL  —  Derselbe»  Zur  Kenntnis  der 
subkutanen  Muskel rupturen  und  ihrer  operativen  Behandlung.  Beitr,  z. 
klin.  Chir.  Bd.  LV,  H.  2.  —  G.  A,  Wollenberg,  Fatho logisch -anatomiache 
Beitrüge  zur  Lehre  des  chronischen  Gelenk rheumatismue  und  der  Arthritis 
deformans,  Deutache  med.  Wocbenschr,  Nr,  14,  —-  Derselbe,  Darstellung 
der  Gelenkweichteile  im  Röntgenbild  nach  Saiieratoffeinblasuag,  Arch*  f* 
phys.  Med.  u.  med.  Technik  Bd.  II,  H,  3  u.  4,  —  Derselbe,  Die  normale 
Anatomie  des  Kniegelenks  im  Röntgenbilde  nach  Aufblasung  der  Qeleak- 
kapt^el.  Zeitechr,  f.  orthop.  Chir,  Bd.  XIX,  H.  1  Ut  2,  —  Wunsch,  Ein 
Apparat  gegen  Schiethals,  Deutsche  med.  Wochenschr.  Nr,  27.  —  Young, 
CoJta  valga  or  Collum  valgum.  Amer.  joum»  of  orthop.  surg,  Bd.  IV,  — 
R,  Zuelaer,  Dai  Orthopäd isehe  Stuhlband.  Deuteche  med.  Wocbenschr, 
Nr,  26,  —  Derselbe,  Ein  einfacher  X-Beinkorrektionaapparat  für  Kinder, 
Zeitechr,  f.  orthop.  Chir,  Bd,  XLX ,  H,  1  u,  2.  —  Zwirn,  Daa  GeiMi  re- 
curvatum  acquisitum.  Dias.  Leipzig  1906.  —  Vom  franssöaiachen  Chirurgen- 
kongreß.    Zentralbl.  f.  Chir.  u.  mech.  Orthop,  Bd,  VU,  H,  IL 


Allgemeine  a.  Einen  guten  Ueborblick  über  die  wesentlichen  Fort- 
schritte der  Diagnostik  der  Nervenkrankheiten  gibt  Weber, 
Er  weist  zunächst  darauf  hin,  welche  Wandlungen  die  ätiologischen 
Forschungen,  z.  B.  über  die  traumatischen  Erkrankungen^  experimentelle 
Untersuchungen  und  theoretische  Auseinandersetzungen^  Edingers 
Auf  brau  chgtheorie  u.  a.  auf  die  Diagnostik  der  Nervenkrankheiten  ge- 
nommen haben.  Eine  strenge  Unterscheidung  zwischen  organischen 
and  funktionellen  Erkrankungen  lälU  sich  nicht  festhalten ^  zwischen 
beiden  stehen  Affektionen,  die  auf  Stoffwechselanomalien  und  Er- 
krankungen des  GefäHsj^stems  beruLen.  Die  organischen  Krank- 
heiten charakterisieren  sich  im  allgemeinen  durch  wirklichen  Ausfall  der 
Funktion,  durch  ihre  Konstanz  und  geringe  Variabilität,  durch  ihren 
herdförmigen  Charakter  und  durch  ihre  Irreparabilitiit ,  wenn  auch 
nicht  alle  diese  Kennzeichen  in  jedem  einzelnen  Falle  sieh  finden  müssen* 
W^enngleich  sich  gegen  den  Begriif  des  Neurons  mit  Recht  vielfache 
Einwände  erbeben  lassen,  so  ist  an  ihm  für  klinische  Zwecke  doch 
fefitsuhalten.  Weber  führt  dann  ira  einzelnen  bezüglich  der  Sjm- 
ptomatik,  der  lokalen  Diagnostik  und  der  einzelnen  Erankheitsspezies 
die  wesentlichen  Fortschritte  auf  B  u  is  e  a  r  d  bespricht  zunächst  im 
allgemeinen  die  Veränderungen ^  die  infektiöse  und  toxische 
Agentien  in  den  NervenKellen,  den  Nervenfasern  nnd  den  Muskeln 
bedingen.  Als  Beispiele  solclier  Erkrankungen  erfährt  eine  genaue 
Besprechung  die  akute  Poliomyelitis,  für  deren  infektiöse  Natur  die 
klinische  Er^^ch ein ungs weise  und  die  anatomischen  Veränderungen 
sprechen;  unter  den  infektiösen  Erkrankungen  zählt  er  weiter  auf 
die   akute   aszendierende   Myelitis ,    die    Landrysche    Lähmung,   als 


Infuktlüae 
EilifiLHUungf 


^8 


Redlich. 


lehnen- 


Paradigma  der  toxischen  die  akute  Polyneuritiß.  Pick  gcldägt  zur 
leichteren  YeretäDdigiang  vor,  die  Intensität  des  Patellarsebnen- 
reflexea  durch  bestimmte  Ausdrücke  zu  fixieren;  er  empfiehlt 
folgende  Skala:  schwach  normal^  normal^  lebhaft  normal,  schwach, 
sehr  achwach,  außerordentlich  schwach,  fehlend,  gesteigert,  hoch- 
gradig gesteigert,  au li erordentlich  gesteigert.  Auf  Grund  eines  Falles 
sucht  Kölpin  zu  beweisen,  daß  die  allgemeine  Annahme f  daß  das 
Fehlen  der  Sehnenphänomene  auf  AfiTektionen  de«  Nerven- 
systems hinweisen  müsse,  nicht  richtig  sei,  daß  vielmehr  in  verein- 
zelten, außerordentlich  seltenen  Fällen  die  Sehnenphänomene,  speziell 
der  Patellarsehnenreflex  auch  bei  nervenges  im  den  Personen  fehlen 
kilnnen.  Nach  seinen  TJntersachungen  kommt  Steinert  zu  dem 
Schluß,  daß  die  Stimmgabel  je  nach  der  Art  ihrer  Terwendung  so- 
wohl die  Tastnerveu  der  Haut,  als  die  Drucknerven  der  tiefen 
Ibrations-  Weichteile  derartig  zu  erregen  vermag,  daß  eine  Vibration s- 
flnduBp.  ßjjipfijidmig  entsteht.  Praktisch  empfehlenswert  ist  die  Stimm- 
gabel nur  für  die  Untersuchung  der  tiefen  Sensibilität.  Sie  ist  das 
feinste  Eeagens  auf  Störnngen  des  Drucksinns  und  auch  besonders 
zu.  quantitativen  Untersuchungen  auf  dem  Gebiete  dieser  Sensibiütäts- 
qualitat  geeignet. 


pt^iie.  Gehirn.  D  ej  er  in  e  bespricht  einen  Symptomenkomplex  als  charak* 

teriatisch  für  Läaionen  des  Sehhügels,  Syndrome  thalamique. 
Er  setzt  sich  zusammen  aus  leicht eu  he mipare tischen  Erscheinungen 
ohne  Reflexsteigerung  und  ohne  Kontraktur  (Intaktheit  der  Pyrami- 
den bahn).  Wichtig  sind  vor  allem  eine  Hemianasthesie  von  zere- 
bralem l'ypuö,  d.  h.  Störungen  der  taktilen  und  vor  allem  der  tiefen 
Sensibilität,  der  Stereo gnose,  heftige  halbseitige  Schmerzen  und  Ataxie, 
da55U  kommen  meist  noch  choreiform-athetotische  Bewegungen.  Wäh* 
rend  die  Lähmungserscheinungen  nur  leichter  Art  sind  und  meist 
rasch  verschwinden,  sind  die  sensiblen  Störungen  persistent  Es 
rührt  dies  daher,  daß  der  Thalamus  opticus  der  wichtigste  Knoten* 
punkt  für  die  sensiblen  Bahnen  ist  und  hier  wichtige  Umschal- 
tungen auf  ihrem  Wege  ^ur  Hirnrinde  stattfinden.  Die  alte  Lehre 
vom  Carrefour  sensitif  in  der  inneren  Kapsel  ist  falsch.  Benedikt 
zeigt,  dali  in  seltenen  Fällen  die  Sensibilitätsstörungen  bei 
cerebralen  Läsionen  nicht  den  gewöhnlichen  Typus  aufweisen, 
sondern  einen  metameren,  an  spinale  Läsionen  erinnernden,  d*  h. 
streifenfbrmige  Bezirke  herabgesetzter  Sensibilität,  abwechselnd  mit 
relativ  gut  empändlichen  Partien*  Wir  wissen  heute,  daß  in  sel- 
tenen Fällen  bei  Himherden  Blasen  Störungen  auftreten  können. 


Kranklieiteii  dea  Nervenayatenis, 


150 


Minkowski  beschäftigt  sich  ao  der  Hand  loehrerer  Kranken- 
geschichten eingehend  mit  ihren  Formen  und  den  Bedingungen  ihres 
Zustandekommens,  Im  Großhirn  bestehen  Zentren  für  die  Blasen- 
entleeruug;  da  sie  sich  beiderseitig  ünden  ^  sind  in  der  Kegel  bei 
einseitiger  Lasioe  nur  leichte  und  vorübergeheDde  Blasen  Störungen 
au  erwarten.  Meist  ist  der  Harndrang  vermehrt  bei  erschwerter 
Möglichkeit  der  Entleerung;  in  den  ersten  Tagen  nach  dem  apQplek^ 
tischen  Insiilt  kann  auch  Betention  bestehen.  Seltener  kommt  es  m 
späteren  Stadien  zu  plötzlicher  unwillkü-rlicher  Entleerung.  Es  ergibt 
ich  auch  ein  gewisser  Unterschied,  je  nachdem  die  PjramIdenfaBe' 
ttmg  oder  die  subkortikalen  Zentren  lädiert  sind.  Ä  m  b  1  ar  d  bespricht 
die  Kombination  einer  Hysterie  mit  einer  organischen  link  sei  tigeu 
Hemiplegie  infolge  Embolie  bei  einem  Herzfehler.  Der  Kranke  war 
amcb  durch  längere  Zeit  aphasisch,  was  sich  dadurch  erklärt,  daß 
er  Linkshänder  war.  Einen  intereseanteu  Fall  von  Aphasie  beschreibt 
Lewandowski;  dieser  Fall  hatte  mi  t  W  e  r  n  i  c  k  e  s  trän  s  kortikaler^ 
sensorischer  Aphasie  gemeinsam  die  Erhaltung  des  Hiirvermögens 
bei  aufgehobenem  Wortverständnis^  das  Vermögen  der  Spontansprache 
und  des  Nachsprechens,  erhaltenes  Lesevermögen  bei  fehlendem  Ver- 
ständnis des  Gelesenen.  Lewandowski  benutzt  den  Fall  zu  inter- 
Msanten  Erürterungen  der  Lehre  von  der  Aphasie,  von  denen  ins- 
bdftomdere  die  Warnung  vor  der  Ueberschätzung  anatomischer  Be- 
funde in  der  Aphasielehre  hervorgehoben  sei.  Als  Apraxie  des 
Lidschi asses  faßt  er  es  auf,  wenn  bei  erhaltener  Beweglichkeit 
des  Sphincter  oculi  und  erhaltenem  BUnzelreßex  der  Kranke 
nicht  im  stände  ist,  die  Augen  willkürlich  zu  schlielien  oder  den 
Blinzelreüex  willkürlich  zu  hemmen.  Derselbe  Autor  bespricht  auch 
einan  Fall,  wo  sich  nach  einem  leichten  apoplektischen  Insult  recht- 
seiti^e  Hemianopsie ,  leichte  aphasische  Störungen,  Störungen  des 
Lesens  bei  erhaltenem  *Sch reib  vermögen  und  vor  allem  eine  eigen- 
tümliche  Btürnng  der  Farben  benennung  entwickelt  hatte.  Der  Kranke 
konnte  Farben  nicht  bezeichnen,  noch  von  Gegenständen  angeben, 
welche  Farbe  sie  haben,  während  doch  der  Farbensinn  selbst,  wie 
Prüfungen  mit  Wollproben  n,  &.  w.  ergaben,  intakt  war.  Es  hatte 
also  bloil  eine  Abspaltung  des  Farbensinns  von  den  Vorstellungen  und 
den  BegiifFen  der  Form  und  der  Gegenstände  stattgefunden.  Eine 
außgezeiohnefce  Uebersicht  der  bei  Hirnsinusth romhose  yor- 
kommenden  AugenstÖrimgen  gibt  Uhthoff  in  seinem  auf  der  Dres- 
dener Naturforscherveraammlung  Torgetragenen  Referate.  Hier  sei 
nur  auf  einige  Punkte  hingewiesen*  Er  unterscheidet  marantische, 
autochthone    und  infektiöse  Thrombosen.     Erstere  sitzen  meist  in 


ApbAJiiq 


100 


Redlich, 


lirnailUis- 


lin^ttimorea. 


dfia  impaareE  Blutleitem,  tendierea  zur  OrganiBation  ^  bedingen  oft 
Hirüerweichung  f  gehen  ohne  Meningitis  einher ,  während  bei  den 
infektiöaen  meist  das  Gegenteil  vorherrscht.  Auch  in  Bezug  auf  die 
AugenBjniptome  finden  sich  GegenBätze.  Bei  den  marantischen 
Thrombosen  sind  Augensymptome  seltener,  vör  allem  sind  eigent- 
liche Sehatörungen  und  pathologische  Veränderungen  des  Augen- 
hintergrundes selten,  häufig  sind  Störungen  der  Augenmuskeln^  wäh^ 
rend  Exophthalmus  recht  aelten  ist.  Bei  der  infektiösen  Ömußthromboae 
Enden  sich  pathologische  Veränderungen  des  Augenhintergrundes  in 
20  %  der  Fällei  besonders  häufig  sind  Augenmuskelstörungen,  ebenso 
Exophthalmus,  Bei  der  otitiachen  8inusthrombose  sind  Verände- 
rungen des  Augenhintergrundes  besonders  häufig ,  dagegen  sind 
Augen muskeUtörun gen  und  Exophthalmus  ivieder  seltener. 

Zur  Orientierung  über  den  Stand  unserer  Kenntnisse  der  Dia- 
gnostik und  Therapie  der  Hirngeschwülstej  wie  der  Ge- 
schwülste des  Zentralnervensystems  überhaupt  sei  die  zweite  Auf- 
lage des  bekannten  Werkes  von  Br  uns  empfohlen ,  während  für  die 
Hirngeschwükte  selbst  Oppenheim  und  B e  e ¥0 r  eine  gute  Ueber- 
flicht  geben.  Nonne  weist  auf  die  Fälle  von  Tumoren  der  Hirn- 
häute hin,  die^  falls  sie  richtig  erkannt  werden,  für  die  operative 
Entfernung  günstige  Chancen  liefern.  Differentialdiagnostisch  fiir 
d&n  Hirntumor  kommt  auch  Pachymeningitis  in  Betracht,  Ein- 
gehend beschäftigt  sich  Nonne  mit  dem  von  ihm  als  ,, Pseudotumor*^ 
bezeichneten  Symptomenbilde,  d,  h.  Fällen,  wo  sich  das  volle  BUd  dei 
Hirntumors,  Kopfschmerzen,  LahmungserBcheinungen  der  Extremi- 
täten,  der  Rimnerven,  Veränderungen  des  Optikus  findet,  die  Fälle 
aber  in  Heilung  übergehen,  oder,  wenn  sie  ssur  Obduktion  kommen, 
der  Befund  negativ  ist.  Eine  sehr  eingehende  Studie  widmet 
Zappert  dem  Hirntuberkel  des  Kindesalters,  den  He  noch  wegen 
seiner  eigentümlichen  Symptomatologie  von  den  übrigen  Hirntumoren 
gesondert  haben  wollte.  Eine  größere  Statistik  zeigte  Zappert,  daß 
ein  relativ  großer  Prozentsatz  der  Fälle  tatsächlich  symptomenloB 
verläuft,  was  damit  zusammenhängt,  daH  oft  früh,  zu  Zeiten,  wo  der  ■ 
Tuberkel  noch  eine  geringe  Größe  hat,  bereits  durch  eine  kom- ■ 
plizierende  Meningitis  tnberculosa  der  Exitus  bedingt  wird,  so  daß 
sich  das  Symptomenbild  vollständig  mit  dem  der  Meningitis  er*  I 
schöpfen  kann.  In  manchen  Fällen  bestehen  unbestimmte ,  einer  ■ 
Dia^ose  nicht  zugänglich©  Erscheinungen,  wahrend  bisweilen  bei 
grofSen,  in  bestimmten  Gegenden  sitzenden  Tuberkeln  das  Symptomen- 
bild ganz  typisch  sein  kann,  Maas  berichtet  über  einen  Fall,  inj 
dem  er  die  Diagnose  auf  multiple  Tumorenbildung  im  Zen» 


Krankheiten  des  Nerv'eiuijittams, 


1*31 


tralü er ven System  atelLte-  Unter  den  BymptomeE  Heien  hervorgehoben : 
Schwäche  des  rechten  Beines ^  dann  des  linken,  Atrophie  ijind  Sen- 
aibüitätstörungen  an  der  linken  oberen  Extremität,  schwere  Blaseü- 
Störungen,  HirndmckerschainungeUi  epileptiBche  Anfälle.  Äne  dem 
rechten  Keilbeinflügel  wurde  ein  Eundzellensarkom  entfernt.  AnffäUig 
war  ein  starker  Wechsel  in  den  Erscheinungen^  was  Maas  mit  einem 
wechselnden  Füllungzustande  der  Gefölie  der  Tumoren  erldärt.  Einen 
Fall  von  diffuser  Sarkombildung  in  den  Meningen  be^ 
spright  Stursberg,  der  insofern  seUen  ist,  als  es  sich  nicht,  wie  ge- 
wdlnüich^  um  ein  primäres  Sarkom  der  Meningen  ^  sondern  um  einen 
metastatischen  Tumor  handelte.  Die  bei  solchen  Fällen  bisweilen  be- 
obachteten meningitischen  Erscheinungen  fehlten,  dagegen  bestanden 
polyneuritische  Symptome.  Dali  auch  Gliome  eine  diffuse  Aus- 
breitung in  den  Meningen  gewinnen  können,  zeigt  Spillar  an  einem 
Falle.  Bychowsky  beobachtete  einen  Fall,  einen  62 jährigen  Mann 
betreffend,  wo  seit  t3  Jahren  linkseitige  Jacksonanfätle  bestanden, 
die  häufig  von  leichter  linkseitiger  Hemiplegie  begleitet  waren.  Es 
wurde  ein  Tumor  in  der  Gegend  der  motorischen  Rindenzentren 
diagnostiziert;  bei  der  Operation  fand  sich  ein  nußgroßer  Tumor 
der  Dura  mater  über  dar  rechten  Zentralwindung.  Nach  der 
Operation  Heilung  bis  auf  geringe  linkseitige  Parese,  keine  Anfalle 
mehr.  Für  die  Diagnose  des  extrazerebralen  Sitzes  hält  Bychowsky 
das  Fehlen  des  Babinskiscben  und  Oppenheimschen  Phänomens 
für  wichtig.  Mager  beobachtete  in  '2  Fällen  von  Tumoren  der 
motorisch  eil  Region  neben  anderen  Erscbeinungen  auch  vaso- 
motorische Symptome  der  betroffenen  Gliedmaßen;  in  dem  einen 
EaUe  bestand  eine  während  der  Krampfanfälle  auftretende  Herab- 
setisung  der  Temperatur  und  Schweißausbruch  der  gelähmten  Extremi- 
täten ^  im  anderen  Falle  eine  Herabsetzung  der  Temperatur  und 
bläuliche  Verfärbung  der  Haut  des  paretischen  Beines,  Mager  faßt 
diese  Beobachtungen  als  Störungen  eines  in  der  motorischen  Region 
gelegenen  Vasomotoren  Zentrums  auf.  Ueber2  der  seltenen  Fälle,  wo 
spontan  Liquor  durch  die  Nase  abfloli,  berichtet  Bregmann.  Im 
ersten  Falle  handelt  es  sich  wahrscheinlich  um  einen  Tumor  der 
Hj'pophyse,  auch  im  zweiten  Falle  ist  ein  Tumor  dieser  Gegend 
plausibel.  Hier  brachte  der  Abiluß  von  Liquor  eine  Besserung 
der  zerebralen  Erscheinungen,  was  im  ersten  Falle  fehlte,  um 
diese  Zeit  trat  sogar  eine  Verschlimmerung  der  Symptome  auf. 
War  der  Abfluß  duixh  die  Käse  reichlich,  dann  war  es  nicht 
möglich f  durch  die  Lumbalpunktion  Liquor  zn  entleeren*  Breg- 
mann erörtert  dann  die  Bedingungen,  unter  denen  ein  solcher 
JalirbuGh  der  pr»ktiachen  Medizin,    nt^'i.  H 


RcOHcL. 


Liquorabflui^  durch  die  Naae  stattfindet.  Eine  gute  Uebersicht 
LiTii»TjsEeß,  unserer  KeDütnisse  vom  Hirnabssseß  gibt  Levy.  Er  unter- 
scheidet metastatische  Abszesse}  otogen e,  rhinogene,  träum atisohe 
und  idiopathische  Abszesse;  für  jede  dieser  Formen,  resp.  ihrer 
häufigsten  Lokalisationen  ^  werden  die  wichtigsten  Symptome  cha- 
rakterisiert. Einen  durch  Operation  geheilten  Fall  von  Xlein* 
hirnabszeß  beßchreibt  Eawling,  der  noch  über  4  weitere  Fälle 
von  Kleinhimabszeß  ^  sowie  über  interessante  Symptome  bei  der  - 
Operation  berichtet.  Einen  otogenen  Hirnabszeß  im  linken  Schläfe-  I 
läppen,  bei  dem  Kopfschmerz,  perkutorische  Empfindlichkeit  der 
linken  Schläfe,  Otitis  media,  Keuroretinitis  und  aphasische  Störungen  - 
bestanden  ^  ließ  B  c  h  a  f f e  r  operieren.  Danach  trat  Heilang  ein ;  I 
5  Monate  später  stellten  sich  epileptische  Anfalle  ein^  die  viellaicbt 
auf  neuerliche  Abszedierung  hinweisen.  Ein  unter  Umständen  wich- 
tiges  Hilfsmittel  zur  Diagnose  der  Hirntumoren  und  anderer  zere-  1 
ipmiktion.  braler  Erkrankungen  haben  wir  durch  die  Hirnpunktion  kennen 
gelemtj  über  die  E.  Neißer  in  Dresden  referierte.  Bei  HirntumoreD 
läßt  sich  dadurch,  wie  insbesondere  auch  Pfeifer  zeigte,  der  Sit£ 
des  Tumors  genauer  lokalisieren,  u.  a.  auch  eine  histologische  Dia- 
gnose stellen,  während  bei  Blutungen  ^  Zysten  und  auch  beim  Hydro- 
zephalus  der  Himpunktion  auch  therapeutische  Erfolge  zukommen* 
Oppenheim  und  Krause^  die  den  Nutzen  der  Hirnpunktion  gleich- 
falls anerkennen,  wollen  sie  nur  als  Vorbereitung  für  die  Trepana- 
tion gelten  lassen.  Nachdem  Spielmeyer  bereits  im  vorigen  Jahre 
über  an  Tabes  erinnernde  Bückenmarksveränderungen  bei  Tieren, 
die  mit  Trypanosomen  der  Schlafkrankheit  infiziert  worden 
waren^  berichtet  hatte,  weist  er  neuerdings  auf  die  Äehnlichkeit  des 
Symptomenbildes  der  Schlafkrankheit  mit  dem  der  Paralyse  hin.  Ge- 
meinsam sind  Störungen  der  Sehnenreflexe ,  Paresen  und  Spasmen, 
epileptische  Anfiiile  und  Sprachstörungen,  der  Paralyse  fehlt  das  Fieber 
unddieSchlafauchl  Auch  in  dem  anatomischen  Befunde  (beim  Menschen 
nnd  Affen)  ergaben  sich  weitgehende  Aehnlichkeiten,  speziell  diffuse 
Infiltration  der  Meningen  und  der  Rinde  mit  Plasmazellen,  des- 
gleichen um  die  Gefäße.  Er  weist  weiters  auf  eine  gewisse  Verwandt- 
schaft der  Erreger  der  Syphilis  mit  denen  der  Schlafkrankheit  nnd 
der  Beschälkrankheit  hin.  Auch  M  o  1 1  betont  die  Äehnlichkeit  der 
bei  Trypanosomen  Infektionen  eintretenden  Veränderungen  des  Zen- 
tralnervensystems mit   den  Erkrankungen  bei  Tabes  und  Paralysa 

Bückenmark.  Der  Altmeister  der  Tabesforschung,  Erb,  liefert  in 
seiner  Arbeit  wichtige  Beitrage  zur  Erage  der  Frühdiagnose  der 


Sohl&f- 
I  liraukbett. 


beiten  des  NervenByatetoi. 


T  ab  @  s.  Am  wichtigBten  kt  die  r&Eektorische  PupUI  anstarre  mit  und  ohne 
Mioais ;  bezüglieh  ersterar  sind  die  Meinungen  geteilt^  ob  63  sich  dabei 
sehoii  nm  beginnende  Tabes  oder  einfach  um  Syphilie  handle.  Erb 
berichtet  über  6  Fälle,  bei  denen  sich  allmählich  weitere  tabische  Sym- 
ptome hinzu^eselltenj  5  anderey  wo  die  Pupillenstarre  isoliert  geblieben 
ist.  Von  Früh  Symptomen  erwähnt  Erb  eine  Kältehyperästhesie  am 
Bumpfe,  das  Fehlen  einzelner  SehnenrefleÄe  (die  Prüfung  auf  den  A,S.R, 
ist  sehr  wichtig) ,  Differenzen  in  der  Intensität  der  Beflexe  beider 
Seiten.  Besonders  wichtig  hat  sich  die  Untersuchung  der  Lumbal* 
punktionsfiüssigkeit  erwiesen.  Von  Bedeutung  ist  die  Lympho- 
zytose (Pleozytose)  T  die  nach  Fischer  auf  meningeale  Verände- 
rungen des  unteren  Hiickenmarksendes  hinweise.  Freilich  kann  die 
Untersuchung  des  Liquor  unter  seltenen  Umatänden  auch  irrefiihren. 
Ob  sich  die  Lymphozytose  stets  auch  bei  wirklichen  syphilitisch en 
Erkrankungen  des  2) entralu er ven Systeme  findet,  ist  noch  nicht  fest- 
gestellt. Endlich  weist  Erb  auf  die  neueren  serologischen  Arbeiten 
bezüglich  des  Vorhandenseins  von  syphilitischen  Antikörpern  in  der 
Lumbalpunktionsflüssigkeit  bei  Syphilitischen^  Tabikern  und  Para- 
lytikern hin.  Diese  Untersuchungen  ^  zu  denen  auch  der  Nachweis 
von  Präzipitinen  gehört,  sind  darum  besonders  wichtig,  weil  sie  bei 
der  Schwierigkeit  des  anamnestischen  Nachweises  vorausgegangener 
Syphilis  zeige Uj  dal^  die  betreffenden  Individuen  einmal  syphilitisch 
infiziert  gewesen  seien.  Durch  diese  neuen  Untersuchungen  habe  sein 
seit  Beginn  festgehaltener  Standpunkt  ^  daU  die  Tabes  und  Fara- 
lysis  mit  vorausgegangener  Syphilis  zusammenhängen^  eine  glänzende 
Bestätigung  erfahren.  Im  Anschlüsse  daran  sei  auch  auf  die  Ar- 
beit von  Nonna  und  Apeit  hingewiesen,  die  durch  eine  besondere 
Methode  (fraktionierte  EiweißatisfaUung)  die  reichliche  Anwesenheit 
van  Globulinen  in  der  LumbalpunktionsHüssigkeit  bei  Tabikern, 
Paralytikern  und  Syphilitikern  nachweisen  konnten.  Schuster 
fand,  daJi  bei  der  Tabes  und  Paralyse  in  etwa  SO^/n  der  Fälle 
die  Syphilis  unbehandelt  geblieben  war.  Er  konnte  aber 
andererseits  zaigen^  daß  in  den  Fällen,  die  sorgfältig  behandelt 
wurden  f  der  Zeitraum  zwischen  Syphilis  und  Tabes  nicht  geringer 
ist,  als  bei  den  nicht  behandelten.  Es  ergibt  sich  daraus,  daß 
durch  eine  Therapie  der  Syphilis  durchaus  nicht  immer  die  Tabes 
SU  vermeiden  ist.  Knapp  konnte  in  2  Fällen  von  Tabes  das 
Auftreten  zentraler  Skotome  beobachten;  in  dem  einen  PaUe 
handelte  es  sich  um  Komplikation  mit  einer  durch  Tabakintoxi- 
kation bedingten  einseitigen  retrobulbären  Neuritis,  während  er  im 
zweiten  Falle  das   zentrale  Skotom  mit   der  Tabes   selbst  in  Be- 


164 


Redlich. 


Ta,be3,  aiokuDg  bringen  will.  Tobias  und  K  i  n  d  1  e  r  bespreGlieo  die  p  b  y  B  l- 
kaliflcbe  Therapie  der  Tabes  im  weiteren  Umfange.  Von 
den  üblicbeii  Metboden  empfehlen  sie  besondere  Massage,  teils  gegen  die 
Parästhesien  und  Scbmerzen,  teils  jgegen  die  Anaatbesie;  Gymnastik 
ist  nur  vorsichtig  zn  gebrauchenj  jede  Ueberanstrengung  sorgfältig 
zn  Termeiden.  Die  unblutige  Dehnimg  hilft  manchmal  gegen  die 
Schmeräsen,  Von  besonderer  Wichtigkeit  sind  die  Frenkelsche 
Uebüngstherapie  \ind  die  verschiedenen  hydrotherapeutischen  Ver- 
ftedrelebsche  fahren.  Müller  hat  B  Fälle  Yon  Fried reiehsc her  Ataxie  he- 
Itr&nlüieit.  schrieben ;  in  einem  der  Fälle  fanden  sieb  fleck enförmige  Anästhesien, 
wie  man  sie  sonst  bei  der  Tabes  dorsalis  sieht«  Auch  im  2.  und 
3v  Falle  bestanden  Sensibilitätsstörungen.  Zwei  von  den  Fällen  ge^ 
langten  zur  Obduktion;  in  einem  derselben  fand  sich  eine  ab- 
norme Kleinheit  des  Eückenmarks,  außerdem  eine  Meningitis  mit 
einer  frischen  Enzephalomyelitis ,  die  der  typischen  Erkrankung 
der  Medulla  spinalis  koordiniert  war.  Eingehend  beschäftigt  sich 
Müller  anch  mit  den  bei  der  Friedreichschen  Krankheit  nicht  so 
seltenen  Herzfehlem.  Aus  den  Beobachtungen  von  Griffith,  der 
6  Fiille  von  Friedreich  scher  Atiucie  beschreibt,  sei  insbesondere  auf 
die  Beschreibung  und  Abbildung  der  eigentümlichen  FuBverin- 
derungen,  sowie  der  Skoliose  hingewiesen.  In  anatomischer  Hin- 
sicht sind  die  UntersuchungeB  von  De  j  er  ine  und  Andre*  Thomas 
darum  besonders  wert^Uj  weil  die  neueren  FibriUenfärbungs- 
methoden  zur  Anwendung  kamen.  Danach  ergab  sich,  daß  nicht 
nur  die  Hinteretränge,  sondem  auch  im  Gegensatze  zur  allgemeinen 
Anschauung  auch  die  hinteren  Würz  ein  in  den  Ach  senzy  lindem 
eine  Einbuße  erlitten  haben.  Auch  die  peripherischen  Nerven 
zeigten  deutliche  Degenerationserscheinnngen.  Zur  Frage  der  ana- 
tomischen Grundlage  des  von  Erb  zuerst  aufgestellten  Krankheits- 
bildes der  syphilitischen  Spina Iparalyse^  das  durch  spa- 
^  stische  Erscheinungen  der  Extremitäten,  leichte  SensibiUtätsstörungen, 
Blasenstörungen  charakterisiert  ist,  bringt  Nonne  zwei  neue 
Befunde.  Im  L  Falle  fand  sich  eine  primäre  Degeneration  im 
PjTamidenseitenstrang,  daneben  eine  Leptomeningitis  posterior  im 
Hals-  und  Brust  mark,  sowie  eine  Endarteriitis  der  Rückenmarks- 
wurzeln.  Aehnlich  war  der  Befund  im  2.  Falle.  3  klinisch  be- 
obachtete Fälle  beschreibt  Wim m er ,  davon  ist  einer  zur  Obduktion 
gekommen.  Das  Krankheitsbild  war  das  typische  und  insofern  in- 
teressant, als  bereits  ein  Jahr  nach  der  Infektion  die  Erscheinungen 
sich  einstellten.  Bei  der  anatomischen  Untersuchung  fand  sich  im 
unteren  Dorsalmark   ein  herdförmiger  Prozeß  mit  Verdickung  der 


Krankheiten  des  Nervensystems. 


165 


Pia,  nach  aufwärts  Degeneration  dea  Hinterstranges ^  der  Klein- 
kim  Seiten  strangbahn  und  des  Gowersaclien  Bündels,  unterhalb  De- 
generation der  Pyramiden bahfi ,  die  übrigens  auch  oberhalb  des 
Herdes  zu  sehen  war.  Bei  letzterem  Befund  bandelt  es  sich  zweifel- 
los um  eine  systematische  Degeneration.  Eine  höchst  dankenswerte 
Bereicherung  unserer  Kenntnis  der  Poliomyelitis  verdanken  wir  der  Polio« 
ausrührlichen  Arbeit  von  Wiokmann  |  der  eine  besonders  intensive 
Epidemie  in  Schweden  zu  beobachten  Gelegenheit  hatte.  Er  schlägt 
mit  Kücksicht  auf  die  groften  Verdienste^  die  sich  Me  din  um  die  Er- 
forschung der  Krankheit  erworben  hat,  vor^  sie  als  Heine-Medinsche 
Krankheit  zu  bezeichnen.  Er  teilt  je  nach  den  vorherrschenden 
Symptomen  das  Krankheitsbild  in  verschiedene  Formen  ein ;  am  ge- 
läufigsten ist  die  bekannte  spinale  poliomyelitische  Form,  daneben 
gibt  es  eine  solche^  die  unter  dem  Bilde  der  Landryschen  Lähmung 
(auf-  oder  absteigend)  rasch  zum  Exitus  fährt.  Durch  Mitbeteüi- 
gung  der  Medulla  oblongata,  resp.  ihrer  Nerven  ergibt  sich  eine 
medullär- pontine  Form ;  auch  das  Großhirn  kann  beteiligt  sein.  Sel- 
tenere Formen  sind  die  ataktisohe  und  die  meningitische;  bei  letzterer 
sind  die  auch  sonst  immer  vorhandenen  meningealen  Veränderungen 
besonders  stark  ausgeprägt*  Von  allergrößter  Wichtigkeit  sind 
die  abortiven  Fälle,  hei  denen  bloli  die  AUgemeinerscheinungen 
der  Infektion  ohne  nervöse  Symptome  vorhanden  sind  und  die  rasch 
in  Heilung  übergeben.  Diese  Fälle  sind  darum  interessant^  weil  sie 
einerseits  die  Prognose  der  Krankheit  bessern,  andererseits  als 
Träger  der  Ansteckung,  ebenso  wie  Gesunde  dienen  können;  denn 
nach  Wick  manne  Untersuchmigen  ist  die  Poliomyelitis  eine  kon- 
tagiöse  Erkrankung ,  wiewohl  der  pathogen e  Bacillus  nicht  nach* 
ge^anesen  ist.  Die  Inkubationszeit  beträgt  in  der  Regel  1—4  Tage, 
Harbitz  und  Scheel  nehmen  zur  Basis  ihrer  Arbeit  die  große 
Epidemie  in  Norwegen  19Q3  — 1906.  In  anatomischer  Beziehung 
kommen  sie  zu  ähnlichen  Resultaten  wie  Wiokmann,  sie 
halten  einen  Zusammenhang  der  Poliomyelitis  mit  der  Polyneuritis 
ftlr  zweifelhaft,  ebenso  mit  der  Zerebrospinalmeningitii.  Bakterien 
konnten  sie  niclit  auffinden.  Einen  Fall,  der  unter  dem  Bilde 
der  Landr  jschen  Lähmung  verlief  und  letal  endigte^  beschreibt 
Mann;  auch  hier  fand  sich  eine  akute  Myelitis  der  Vorderhömer 
nach  dem  Typus  der  Poliomyelitis;  Bakterien  wurden  nicht  ge- 
funden, Oppenheim  beschreibt  als  sakrale  Form  der  multiplen 
Sklerose  Fälle,  wo  akut  Blasenstörung  und  Schwäche  der  Beine 
auftraten,  dazu  kamen  Schmerzen,  Incontinentia  alvi,  Sensibilitäts- 
stör nngen   um  den   After,  Babinskisehes  Phänomen,     Einen  inter- 


166 


aries  der 
FirbelBliale, 


esBanten  Fall  yqd  multipler  8kl6roB6f  der  geeignet  iB%  die  weitgahen- 
den  Hemissionen  bei  dieser  Krankheit  zu  illustrieranf  beschreibt 
Maas.  Auf  eine  schwere,  akut  einsetzende  Periode  von  Lähmungeni 
Blasenstöriiugaii  u.  B.  w. ,  die  durch  längere  Zeit  anhietten,  folgte 
eine  13  Jahre  anhaltende  Hemiasion,  in  der  die  Erscheinungen  auf 
ein  Minimum  sich  beschränkten,  Rindfleisch  beobachtete  einen 
jDgamyeiie.  FaU  von  Sy  ring  omyelie  mit  typischem  Symptomen  bilde,  bei  dem 
sich  aber  außerdem  myotonischc  S^Tnptome  fanden,  die  Rindfleisch 
als  Kombination  einer  Syringomyelie  mit  echter  Thomsenscher 
Krankheit  auffaßt ,  in  der  Weise,  daß  eine  kongenital  vorhandene 
myotonische  Anlage  dnrch  die  Syringomyelie  manifest  gemacht 
wnrde.  Auf  die  Schwierigkeiten  der  Diagnose  der  tuberkulösen 
Karies  der  Wirbelsäule  und  der  Abgrenzung  derselben  gegen- 
über der  Tuberkulose  des  Rückenmarks^  der  einfachen  tuberkulösen 
Myelitis  und  der  Syphilis  des  Rückenmarks  in  jenen  Fällen,  wo 
deutliche  vertebrale  Erscheinungen  fehlen,  macht  Alquier  auf- 
merksam. Ein  Fall  z.  B.  ist  insofern  interessant  i  als  er  eine  Kom- 
bination einer  syphilitischen  Affektion  des  Rückenmarks  mit  tuber- 
knldeer  Karies  zeigt ;  erstere  ging  auf  eine  antiluetische  Kur  s^urück. 
Zwei  andere  Fälle  zeigten  die  Kombination  einer  tuberkulösen  Karies 
mit  einer  beginnenden  Tabes  (klinisch:  reflektorische  Papillenstarre, 
Fehlen  der  Sehnenreflexe).  Ein  anatomisch  belegter  Fall  demon- 
striert das  Vorhandensein  einer  anscheinend  banalen  Myelitis  bei 
einem  tuberkulösen  Individuum ;  daneben  bestand  reflektorische 
Fupillenstarre.  In  zweifelhaften  Fällen  wird  man,  wenn  der  Ver- 
dacht auf  Tuberkulose  vorliegt,  durch  Immobilisierung  eine  Besse- 
rung zu  erzielen  versuchen.  Wir  möchten  auch  die  Röntgenunter- 
Buchung  der  Wirbelsäule  in  solchen  Fällen  dringend  empfehlen. 
Schlesinger  beschreibt  einen  Fall,  der  dartut,  daß  nachDengue- 
fieher,  gleichwie  nach  anderen  Infektionskrankheiten,  eine  akut 
entstehende  Karies  sich  entwickeln  kann,  die  schwere  vertebrale 
und  spinale  Erscheinungen  und  eine  Destruktion  der  Wirbelsäule 
(im  Röntgenbilde  kenntlich)  bedingen,  bei  Ruhelage  und  ent- 
sprechender sonstiger  Behandlung  aber  wieder  ausheilen  kann.  Bei 
einem  Falle  von  chronisch- ankylosierender  Wirbelsäulen  Versteifung 
aoe  der  Beobachtung  von  Simon  entwickelte  sich  im  Anschlüsse 
an  eine  septische  Infektion  eine  akute  Karies  der  Wirbel- 
säule, die  ZUT  Myelitis  führte  (Lähmung  der  Beine  ^  Sensibilitats- 
storungen,  Druck empfindl ich keit  der  Wirbelsäule)  und  relativ  rasch 
letal  endigte.  Auf  der  Tagung  der  deutschen  Nervenärzte  in  Dresden 
erstattete  Br uns  ein  Referat  über  die  chirurgisohe  Behandlung  der 


RückenmarkeliautgeöchwUlBte^  denn  nur  diese  sind  einer  Tumoreji 
Operation  zugänglich.  Die  Erfolge  - —  gewählt  wurde  stets  die  ein-  '^^^J^!?^^** 
zeitige  Operation  —  Bind  bcBßer  als  die  bei  Hirntumoren,  was  damit 
znsammenhängt,  daß  es  sieh  meist  um  gutartigej  einer  Exätirpation 
leicht  zugängliche  Tumoren  handelt.  Manche  Autoren  haben  bis 
50 ^/ö  Heilung!  Brnns  gibt  aber  auch  eine  ansgezöiclmete  Darstel- 
lung der  allgemeinen  nnd  lokalen  Diagnostik  der  Tumoren,  die  not- 
wendige Vorausaetzung  für  einen  operativen  Eingriff.  Hier  sei 
hervorgehoben,  daß  auch  er  auf  die  Schwierigkeiten  der  Unterschei- 
dung zwischen  extra-  und  intrameduliären  Tumoren  hinweist  und 
rät,  in  zweifeliiaften  Fällen  eine  Explorativoperatioo  vorzunehmen. 
Dali  dieser  Standpunkt  berechtigt  ist,  zeigt  z.  B,  ein  Fall  von 
Sture  borg,  in  dem  Schmerzen,  das  typische  Symptom  dee  extra- 
medullären Tumors,  gänzlich  fehlten  und  nur  die Erschetnnngeo 
der  Querschnittannterbrechung  bestanden.  Die  Operation  ergab  ein 
Psammom  der  Dura  und  bewirkte  voUatändige  Heilung,  Eine 
lesenswerte  Darstellung  der  Diagnose  der  EUckenmarkstumoren 
liefert  auch  Hatten,  der  4  EäUe  beschreibt,  von  denen  2  durch 
Oj»eration,  einer  durch  eine  antt syphilitische  Kur  geheilt  wurden. 
Einen  durch  Operation  geheilten  Eall  f Psammom)  der  Dura  mater 
besclireibt  Esser;  in  einem  zweiten  Falle  wurde  ein  pigmenthaltiger 
Tumor  (Chrom atophorom)  der  weichen  Häute  zwar  durch  Ope- 
ration entfernt,  der  Kranke  starb  aber  später  an  einer  eitrigen 
Basilarmeningitis,  während  ein  von  Oppenheim  und  Borchardt 
operierter  Fall  trotz  der  großen  Längsausdehnung  des  Tumors  ge- 
heilt wurde.  Weniger  günstig  steht  es  um  die  Heilungschancen  bei 
Tumoren  der  Oauda  equina,  wie  Oassirer  in  seinem  Vor-  TuMoren  d^ 
trage  in  Dresden  zeigte.  Die  Mißerfolge  sind  hier^  abgesehen  von  der  ^^^^^  ^1' 
Schwierigkeit  der  DilferentJaldia^noBe  zwischen  Tumoren  der  Cauda 
equina  und  jenen  der  untersten  Eückenniarksabschnitte,  insbesondere 
durch  die  Bösartigkeit  der  hier  sitzenden  Geschwülste  und  Ihre  Größe 
bedingt.  Nichtsdestoweniger  soll  in  entsprechenden  Fällen  eine  ope- 
rative Behandlung  angestrebt  werden,  desgleichen  bei  Karies  in  den 
ontörsten  Rucken  mar  ks  abschnitten,  wahrend  man  bei  traumatischen 
Erkrankungen  mit  der  Operation  zunächst  zuwarten  kann.  Wichtige 
Beiträge  zur  Diagnose  der  traumatischen  Erkrankung  des 
untersten  Rückenmarksabschnittes  bringt  Zimmer,  dem 
6  traumatische  Fälle  zur  Verfügung  standen ^  und  Padoa,  der  £ür 
die  Erkrankungen  der  Oauda  equina  einen  neuen  NameUf  Hippuro- 
patLie^  vorschlägt. 


tegeueiratioi}. 


Feripberisclie  Nerven,  HalUbtirton  gibt  in  einer  mit  zahlreicben 
Abbildungen  versebenen  Abhandlung  emen  Ueberblick  unserer  heutigen 
Kenntnisse  bezüglich  der  Degeneration  und  Regeneration  peri- 
p  h  e  r  ie  c  herNerven  nach  Durchschnei  dang.  Hier  sei  nur  auf  den  auch 
für  die  Frage  der  ehirurgiachen  Behandlung  von  Nervendurchscbnei- 
dungen  wichtigen  Funkt  hingewiesen  ^  dai^  nach  seiner  Ansicht  die 
Begeneration  steta  von  den  Nervenfasern  des  zentralen  Anteilen 
ausgeht  f  dali  also  eine  autochthone  Hegen  er  ation  im  peripherischen 
Anteile  nicht  etatttindet.  Schönborn  beschreibt  einen  Fall  von  Poly- 
neuritis  cerebralis  menieriformis,  eine  akut  im  Unken 
Faziali^  und  AbduzenSf  sowie  in  beiden  Akustici  anfgetreteno  Er> 
krankungj  wobei  vom  letzteren  Nerven  sowohl  der  kochleare  (Schwer* 
hörigkeit) ,  wie  der  vestibuläre  (Schwindel ,  Unsicherheit)  Anteil  er- 
grifPen  wareu.  Letztere  Eracheinnngen  bildeten  eich  rascher  zu- 
rück ;  die  Symptome  waren  links  starker  aasgesprochen,  wie  rechts. 
Unklar  blieb  die  Aetiologie  des  Falles,  E.  Fuchs  stellte  die  Fälle 
von  basaler  und  peripherischer  Okulomotoriuslähmnng 
zusammen,  in  denen  bloß  die  äußeren  Augenmuskeln  gelähmt  waren, 
die  inneren  freiblteben^  und  fügt  diesen  Beobachtungen  5  eigene  hinzu. 
Es  ergibt  sich  demnach,  dall  die  frühere  Lehre,  daß  bei  rein  ex- 
ternen Lähmnngen  stets  eine  zentrale  Affektion  vorliege,  nicht  richtig 
ist,  daß  dies  vielmehr  auch  bei  peripherischer  Lähmung,  und  zwar 
bei  Traumen,  EutKündungen ,  Druckatrophie  u.  s.  w.  vorkommt. 
Häuüger  findet  sich  diese  Aaswahl  bei  einseitigeir  ala  bei  doppel- 
seitiger Läaion.  Fuchs  sieht  die  Ursache  dieses  relativen  Verachont- 
bleibens  der  inneren  Muskeln  in  der  geringeren  Vulnerabilität  der 
för  sie  bestimmten  Nervenfasern.  Einen  Fall  von  ophthalmo- 
plegischer Migräne  (rezidivierende  Okulomotorinslähmung)  beob- 
achtete P 1  a  V  e  c  bei  einem  20jährigen  Mädchen ,  das  seit  Kind- 
heit an  Migräne  leidet  und  bei  dem  seit  Jugend  auf  eine  reddi- 
vierende  Lähmung  des  linken  Okulomotorius  besteht.  Diese  wurde 
schließlich  dauernd,  nur  die  Ptosis  zeigte  wechselnde  Beaaerung  und 
Verschlimmerung  mit  den  Kopfschmerzanfällen.  Bisher  über  *200 
solcher  Anfälle.  Plavec  nimmt  in  diesem  Falle  wirkliche  Migräne 
als  Basis  des  Leidens  an ,  und  ala  deren  Ursache  eine  periodische 
Schwellung  der  Hypophyse.  Einen  Fall  von  angeborener  Okulo- 
motoriuslähmung beobachtete  Neurath  bei  einem  4  Jahre 
alten  Kinde  und  berichtet  weiter  über  den  anatomischen  Befund  in 
einem  Falle  von  angeborenem  Funktioneausfall  des  Fazialis,  in  dem 
der  Nervenapparat  sich  als  normal  erwies,  so  daß  ein  konganitaler 
Muskeldefekt   als   Ursache   angenommen   werden   muti.     A.  Fucba 


Knmfefeeiteii  des  NerrcösystemB, 


169 


Fttsia 


gibfc  efue  Uebereicht  unserer  Kenntnisse  voa  der  paripherischen 
Fazialislähmung,  der  eine  reiche  Literatur  Übersicht  und  ein 
eigenes  Material  von  593  Fällen  zu  Grunde  liegt,  darmiter  sind 
11  Fälle  kongenitaler  Lähmung.  Die  meisten  Fälle  kamen  im  Sep- 
tember zur  Beobachtung.  Nur  vereinzelte  Fälle  sind  kombiniert  mit 
Läbmungen  anderer  Himnerren.  Bezüglich  der  Innervation  des 
weichen  Gaumens  steht  Fuchs  auf  dem  Standpunkt,  daß  nach 
klinischen  und  physiologiscben  Untersuchungen  der  Fazialis  mit 
dessen  Innervation  nichts  zu  tun  habe.  Eine  Störung  der  Tränen* 
Sekretion  wurde  nicht  beobachtet  ^  4m al  eine  solche  der  Speichel- 
absonderung^ Schmerzen  und  leichte  Sensibilitätsstorungen  wurden 
öfters  beobachtet.  Endlich  gibt  Fuchs  eine  Uebersicht  über  die  bisher 
ausgeführten  Fälle  von  Nervenverpflanzung  und  meint,  dall  die  Erfolge 
nicht  besonders  glänzend  seien.  In  einem  alten  Falle  von  Fa^ialis- 
läbm^^g  ^^B  der  Beobachtung  von  L  a  c  h  m  o  n  d  bestanden  nebst  Kon- 
traktur und  klonischen  Zuckungen  in  der  Gesichtsmuskulatur  auch 
solche  in  der  gleichseitigen  Muskulatur  des  weichen  Gaumens.  Er 
sieht  in  dem  Falle  einen  Hinweis  für  die  Anteilnahme  des  Fazialis  an  der 
Innervation  des  weichen  Gaumens^  wenigstens  in  manchen  Fällen, 
Eine  peripherische  Hypoglossuslähmung  mit  Atrophie  der  Zunge^ 
bedingt  durch  eine  Neuritis  des  Nerven  infolge  von  Drusenschwel- 
langen  am  Halse^  sah  Baum  garten  bei  einem  5jährigen  Mädchen, 
Eine  traumatische  Serratuslähmung,  dieSambar  beobach* 
tele,  betrifft  ein  lljähriges  Mädchen,  das  beim  Turnen  auf  das  linke 
Schulterblatt  ReL  Da  11  Monate  nach  der  Verletzung  noch  keine 
Heilung  eingetreten  war,  wurde  der  kostosternale  Teil  des  M.  pectoralis 
major  vom  Oberarme  abgelöst  und  am  unteren  Skapularwinkel  an- 
genäht. Nach  12  Tagen  war  bereits  eine  Wiederherstellung  der 
Ftinktion  in  nahezu  vollem  Umfange  erzielt  worden.  Die  Operation 
scheint  auch  bei  anderen  Fällen  von  Serrat uslähmung,  und  zwar  nicht 
nur  solchen  traumatischer  Genese  angezeigt.  Auch  War  ring  ton  und 
Jones,  die  mehrere  Fälle  von  Lähmungen  am  Plexus  hraebialis 
beschreiben,  desgleichen  Raymond  empfehlen  für  unheilbare  FäUe 
unter  Umständen  ein  operatives  Vorgehen.  Die  in  Betracht  kommenden 
Methoden  erörtert  Spitzy  zusammenfassend.  Man  habe  bis  zu  70"/* 
Heilungen  erzielt  Mit  Hecht  weist  Müller  darauf  hin^  daß  unsere 
Kenntnisse  von  dem  Verhalten  des  Sympathicua  unter  patho-  BympMbisol 
logischen  Verhältniasen  recht  bescheidene  sind,  was  zum  Teil  mit  der  Nervensy^t 
mangelhaften  Entwicklung  der  Anatomie  und  Physiologie  dieses 
nervösen  Abschnittes  zusammenhängt.  Müller  zeigt  an  der  Hand 
einzelner   Beispiele   die  Abhängigkeit   des  sympathischen   Systems^ 


HypogbBi^ 


Ihhmuttg., 


170 


Hedltdi. 


es  jeep.  der  von  ihm  gekigteteE  Punktionen  vom  zentralen  Nerven- 
system ^  speziell  dem  Gehirn.  Dies  gilt  z.  B.  von  der  Fuaktion  de© 
Jfagen-  und  Darmkanals^  ebanso  können  die  Niere  und  die  Blase 
in  ihrem  Verhalten  durch  peychiBche  Momente  wesentlich  beeinflußt 
werden.  Auch  die  GaUensekretion »  die  Menses  können  auf  diesem 
Wege  Störungen  erfahren,  ebenso  die  Sekretion  anderer  Driiseni  der 
Seh  weiß- j  Speichel-,  Tränendrüsen,  desgleichen  die  Vasomotoren  der 
Haut,  das  Herz;  am  evidentesten  ist  dies  vielleicht  beim  Vorgänge 
der  Erektion.  Müller  weist  weiters  darauf  hin ,  in  welch  hohem 
Malie  die  Triebe ^  Hunger,  Durst  u*  a.  w.  vom  körperlichen  und 
geistigen  Wohlbe^den   abbätigeo.     Fe  ritz  betont  die  Häufigkeit 

|jry»igi»n  von  Myalgien,  die  oft  mit  Neuralgien  verwechselt  werden.  Bei 
ersteren  sind  die  Muskeln  auf  Druck  empEndlichf  die  Haut 
daiiiber  hyperalgetisch ;  daneben  bestehen  oft  Farästhesien.  Am 
häu&gsten  Enden  sich  solche  J^algien  an  exponierten  Stellen «  be- 
sonders am  Uebergange  des  Muskels  in  die  Sehne.  Zur  Behandlung 
empfiehlt  Fe  ritz  Kochaalzinjektioneu  (0,2:100p  mit  einem  Zuaats 
von  0,5  Novokain),  die  mehrfach  wiederholt  werden  müssen,    Audi 

Hüalgleii,  für  die  Neuralgien  steht  bekanntlich  neuerdings  die  Injektions- 
behandlung im  Vordergrunde  des  Interesses.  Sie  hat  auf  dem  Kon* 
gresae  für  innere  Medizin  eine  eingehende  Erörterung  durch  Schnitze 
und  ScLldBser  erfahren.  Schnitze  gibt  eine  Uebersicht  unserer 
Kenntnisse  und  Anschauungen  über  das  Wesen  der  Neuralgien,  die 
ohne  scharfe  Grenze  in  die  durch  Neuritis  und  Ferineuritis  ausge- 
lösten neuralgischen  Schmerzen  übergehen*  Er  bespricht  die  bei  der 
Behandlung  der  Neiu-algien  verwendeten  Methoden,  unter  anderen 
die  Injektionsbebandlnng ,  welch  letztere  durch  Schlösser  und 
Lange  eine  genauere  Erörterung  erfuhr.  Schlösser  empfiehlt  die 
Injektion  von  80"/öigem  Alkohol,  die  ihm  insbesondere  bei  der  Trige- 
minusneuralgie  gute  Dienste  leistete,  nur  maß  die  Injektion  mög- 
lichst hoch  gegen  das  Ganglion,  andererseits  peripheriewärts  ausgeführt 
werden*  Während  Schlosser  auch  gemischte  Nerven  so  behandelt^ 
macht  Fischer  auf  die  Gefahren  dieser  Methode  bei  motorischen  oder 
gemischten  Nerven  aufmerksam^  da  schwere  Lähmung  zurückbleiben 
kann.  Lange  empfiehlt  die  Injektion  größerer  Mengen  von  physio- 
logischer Kochsalzlösung  unter  hohem  Druck  in  die  Scheide  des 
Nerven  (perineurale  Injektion)^  insbesondere  bei  Ischias,  wo  große 
Quantitäten,  80— 100  g,  zur  Verwendung  gelangen.  Er  glaubt,  daß  die 
erzielten  guten  Erfolge  durch  eine  mechanische  Dehnung  des  Nerven 
bedingt  sind.  Weitere  Berichte  über  günstige  Erfolge  dieser  Injek- 
tionsbehandlung bringen  Gereon  und  B  u m  m ,  während  Wr i g h t  in 


Krankheiten  des  Nerven 


171 


einem  hartnäckigen  Falle  von  Trigemmuaneuralgie  durch  Injektionen 
von  OstnitimBäctre  in  das  Ganglion  Gasseri  Heittmg  erzielte*  Auf 
Grund  zweier  FäEe  beschäftigt  sich  Völsoh  eingehend  mit  der  sogen* 
osteomalazischen  Lähmung.  Der Sy mptomenkomples,  Schmer- 
«en,  watschelnder  Oangi  Peoasschwächei  Adduktorenkrampf,  findet 
sich  bei  der  Osteomalazie  nicht  selten  als  Frühsymptom  vor  Ent- 
wicklung der  übrigen  Symptome.  Jedoch  handelt  es  sich  nicht  um 
wirkliche  Lähmung,  sondern  um  Folgezustände  der  Zerrung  am  er- 
krajikten  Knochen.  Bei  schwerer  Osteomalazie  ünden  sich  bisweilen 
auch  schwere  Veränderungen  der  Muskulatur,  über  deren  Genese  ein 
Bicheres  Urteil  heute  noch  nicht  möglich  ist.  Üeber  die  nach  Ge- 
lenks- und  Knochenaffektionen  auftretenden  Muskelatrophien  äußert 
sich  Sudek  dahisi^  daB  dafür  zunächst  die  Refle^^theorie,  d.  h.  die 
Annahme  einer  reüektorisch  ausgelösten  Atrophie  der  Muskulatur, 
anzunehmen  ist,  und  zwar  deswegen,  weil  die  Atrophie  oft  sehr 
rasch  einsetzt,  die  Funktions Verminderung  hochgradiger  ist^  als 
die  Atrophie j  sie  kann  auch  da  vorhanden  sein,  wo  eigentlich 
keine  Inaktivität  besteht.  Auch  im  Knochen  selbst  kann  sich  übri^ 
gens  unter  diesen  Umständen  eine  ähnliche  Atrophie  wie  im  Muskel 
finden,  ebenso  an  der  Haut.  Wird  durch  Immobilisierung  eines  Ge- 
lenkes eine  wirkliche  Inaktivität  bedingt  ^  dann  kommt  es  wohl 
auch  zur  Atrophie,  aber  einer  relativ  geringfügigen,  die  hesser  als 
Immobilisationsatrophie  zu  bezeichnen  ist.  Bei  reiner  Inaktivitat, 
z.  B.  bei  hysterischen  Zuständen ,  fehlt  wirkliche  Atrophie.  Einen 
Fall  von  sogen.  Myatonia  congenita  bei  einem  lOj ährigen  Mäd- 
chen beschreibt  Coombs.  Auffällig  ist  hier  die  große  Gelenk  Schlaffheit, 
vor  allem  aber,  das  relativ  hohe  Alter  der  Patientin;  denn  in  anderen 
Fällen  bandelte  es  sich  in  der  Regel  um  junge  Kinder  bis  höchstens 
zu  2  Jahren,  so  daß  wohl  noch  einiger  Zweifel  übrig  bleiben  durfte, 
Eia  typischer  Fall  dieser  von  Oppenheim  beschriebenen  fehler- 
haften Entwicklung  des  Huskelsystems  wurde  von  Leclerc  bei 
einem  4jährigen  Kinde  mitgeteilt.  Ergriffen  waren  die  oberen  und 
unteren  Extremitäten  und  die  Thorax mnskulatur.  Die  Reflexe  fehlten, 
die  Muskeln  waren  schlaff,  Sensibilität  und  Sphinkteren  intakt. 
Die  wahre  Katur  der  Krankheit  ist  noch  unklar. 


uiropbJa 


UjmcSSu 


Neurosen.  Als  tardive  Epilepsie  bezeichnen  Marchand  und 
K  oü  e  t  mit  der  Mehrzahl  der  Autoren  jene  Fälle,  die  nach  dem  30.  Jahre, 
als  senile  Form  jene,  die  nach  dem  6t).  Jahre  in  Erscheinung  treten. 
TJfiher  die  Pathogenese  dieser  Fälle  sind  die  Meinungen  noch  sehr 
geteilt;  im  großen  ganzen  dürften  hereditäre,  kar die- vaskuläre  Verände- 


EpüepeU 


Eedlich. 


[BpUepale.  Hingen^  ArteTioaklerOBer  Alkoliol»  Gehirn veränderungeE  u.  s>  w.  eine 
Rolle  spielen.  Marchand  und  N  o  u  e  t  konnten  in  solchen  Fällen^  gleich- 
wie bei  der  jugendlichen  Epilepsie  stets  histologiache  Veränderungen 
der  Hirnrinde  finden,  und  zwar  cbjronische  Meningitis  und  super- 
fizielle  Gehirn sklerosen*  Die  Autoren  weisen  weiter  auf  die  FäUe  von 
Epilepsie  hin ,  die  sich  bei  langjährigen  Geisteskranken  entwickeln. 
Ein  Symptom atologischer  Unterschied  zwischen  der  jugendlichen  und 
tardiven  Epilepsie  existiert  nicht.  Bins wanger  hält,  obwohl  auch 
er  histologische  Veränderangen  ftir  die  sogen,  genuine  Epilepsie 
voraussetzt  j  doch  an  der  Unterscheidung  zwischen  dieser  und  der 
symptomatiichen  Epilepsie  fest.  Er  gibt  tTeilicli  zu,  daß  auch  bei  der 
sogen,  genuinen  Epilepsie  Herderscheinungen,  sei  es  in  den  Anfallen, 
sei  es  danach  sich  geltend  machen  können.  Für  das  Ursprunga- 
gebiet  des  Kram pfanf alles  beweisen  aber  diese  Erscheinungen  nichts, 
auch  lassen  sich  daraus  keine  Hinweise  für  eine  operative  Behand- 
lung ableiten.  Veit  bespricht  an  der  Hand  eines  großen  Materialfl 
die  diagnostische  Wichtigkeit  der  bekannten  kutanen  Hämorrha^en 
nach  Anfällen.  Kr  macht  auch  darauf  aufm  er  ksam,  daß  bei  Epileptikern 
unabhängig  von  Kr  am  pf auf  allen »  purpuraähnliche  Blutungen  in  der 
Haut  auftreten  können  ^  und  2war  hauptsächlich  an  den  unteren  Ex- 
tremitäten und  den  Unterarmen.  Diese  Blutergtisse  sind  stets  größer 
als  die  nach  Anfällen  auftretenden  Petechien;  Öfters  waren  auch 
dabei  Gelenk  seh  merzen  vorhanden.  Ob  es  sich  um  Peliosis  rheu- 
matica  handelt,  erscheint  zweifelhaft,  Krause  hat  über  die  ehir* 
urgische  Behandlung  der  Epilepsie  in  Dresden  vorgetragen 
und  über  günstige  Resultate  berichtet.  Zunächst  fordern  zur  chir- 
urgischen Behandlung  auf  die  Fälle  von  traumatischer  Epilepsie  m 
Form  von  Jackson- Anfällen  imd  die  Reflexepilepaie ,  weiter  die 
Fälle  von  Jacksonscher  Epilepsie  im  Anschlüsse  an  cerebrale 
Kinderlähmung.  Bei  letzterer  finden  sich  manchmal  Zysten,  por- 
enaephalischö  Defekte  u.  ä.;  Krause  hat  in  solchen  Fällen  darch  die 
Operation  bereits  mehrfach,  jetzt  über  Jahre  anhaltende  Heilung  er- 
zielt. Auch  da  wo  sich  bei  Jackson  seh  er  Epilepsie  keine  palpahlen 
Veränderungen  finden,  hat  Krause  Erfolge  erzielt,  und  zwar  durch 
Exzision  des  primär  krarapfenden  motorischen  Zentrums,  das  nach 
seiner  Meinung  stets  auf  die  vordere  Zentralwindung  beschränkt  ist» 
Kellner  ist  ein  entschiedener  Anhänger  der  Opium-Bromkur 
der  Epilepsie  in  Kombination  mit  Bädern.  Seine  Erfolge  sind 
angeblich  sehr  gut,  27^5%  sollen  geheilt ^  16  "io  sehr  wesentlich, 
weitere  29  "ja  etwas  gebessert  sein.  Günstig  sind  die  Erfolge  nur 
bei  jugendlichem  Alter.     Viel   zurückhaltender  äußert  sich  Seige; 


er  hat  bloß  in  4  '*i'o  Heilung,  in  62  "^jn  Erfolglosigkeit  der  Behandlung 
ges^en.  Hr  findet  auch  keinen  Unterschied  besügÜch  des  Erfolges 
nach  dem  Alter  der  Kranken  und  der  Dauer  der  Krankheit.  Psy- 
chische Anfälle  eind  ungünstig^  In  Anstaltsbehandlung  bedingt  die 
Kur  keine  Gefahren.  Kervenreize,  die  mit  einem  ausgesprochenen 
Gefühlston  behaftete  Empfinduögen  anslöaen,  füliren  zu  gewissen  mo* 
toriflchen  EneaktioDenf  welche  man  nach  Goldecheider,  da  sie 
seelisch  vermittelte  Reflexe  darstellen,  als  psychoreflektorische  Er- 
scheinungen bezeichnen  kann.  An  dieae  Reflexbewegungen  können 
sich  weiter  noch  Triebbewegungen  ansehiieüen.  Auch  das  Yor- 
steUnngsleben  hat  hierauf  einen  EinfluJi.  Goldscheider  führt  nun 
aus,  welchen  Einflnli  diese  Anschauungen  auf  das  Verständnis  und  die 
Auffassung  Tieler  psychisch  bedingter  pathc  legis  eher  Erscheinungen 
bei  Nervösen  nehmen  können  und  welch  mächtigen  EfiTekt  die 
Psychotherapie  bei  solchen  nervösen  Erscheinungen  erzielen  kann, 
Btadelmann  gibt  einen  kur:&en  Ueberbliek  der  Symptomato- 
logie der  kindlichen  Nervosität,  die  sowohl  auf  animalischem, 
wie  vegetativem  Gebiete  liegt.  Alle  Symptome  sind  Zeichen  der  Er- 
müdung, ihre  Ursache  ist  oft  in  der  8chule  zu  suchen.  Zur  Ver- 
meidung dieser  Schädltchkeiten  ist;  das  Zusammenwirken  des  Schul- 
arztes mit  dem  Pädagogen  notwendig.  Ffir  die  Frage  des  Zustande- 
kommens rein  nervöser  Erscheinungen»  zum  Teil  auch  organischer 
^ j^ionen ,  im  Sinne  von  Edingers  bekannter  Aufbrauchtheorie 
PPld  Untersuchungen  an  körperlich  schwer  ermüdeten  Menschen  von 
"Wichtigkeit  Zu  dem  Zwecke  hat  Oeconomakis  an  den  Mara* 
thonläuf^im  Untersuchungen  angestellt.  Zunächst  ließen  sieb  deut- 
liche Veränderungen  der  Sehnenreflexe  bei  manchen  derselben  nach- 
weisen, Steigerung  der  Reflexe,  andererseits  HerabsetBung  derselben, 
selbst  Fehlen  bei  einzelnen.  Es  handelt  sich  demnach  um  eine  durch 
die  Ueberarbeitung  bedingte  vSchädigung  des  Reflexbogens.  In  der 
Begel  gleicht  sich  dieser  Zustand  Ijald  aus,  bei  einem  Läufer  war 
aber  noch  nach  1  ^|»  Monaten  die  Norm  nicht  wieder  hergestellt,  hier 
mag  Alkohol  eine  Holle  gespielt  haben.  Für  die  Behandlung  der 
Neurasthenie  gibt  Erb  aus  seiner  reichen  Erfahrung  wichtige  Rat- 
schläge. Er  falit  die  Neurasthenie  in  Uebereinstimmung  mit  den 
metaten  neueren  Autoren  als  eine  pathologische  Steigerung  und 
Fixierung  der  Ermüdung  auf  Daraus  ergeben  sich  schon  Einweise 
für  die  Prophylaxe  der  Krankheit ,  auch  in  der  Behandlung  spielen 
Euhe  und  Schonung  des  Nervensystems  eine  Hauptrolle,  daneben 
Stärkung  des  Nervensystems  und  Hebung  des  Allgemeinbefindens. 
'a  der  Diät  warnt  er  vor  allen  Extremen,  u.  a.  auch  der  streng  vege- 


174 


Redlich. 


fenrasthenie  tariBchea  Diät.  Von  phy&ikaUschen  Methoden  stellt  er  Luftkuren  m 
1  1*  ,.u.  erste  Linie ^  dann  eine  vernünftig©  Hydrotherapie,  die  Elektrizität.  Erb 
legt  atich  ein  gewichtiges  Wort  für  die  medikamentöse  Behandlang 
ein,  für  Tonika,  Sedativa  u.  a.  Niemals  darf  die  psychische  BehandlaDg 
des  Kranken  vernacblässigt  werden.  Ueber  die  sogen.  Beschäftigung«* 
therapie  äniiert  er  sich  skeptisch^  während  Laehr  auf  0 rund  seiner 
viel  jährigen  Erfahrungen  sie  in  entsprechenden  FäUen  auf  das 
beste  empfiehlt.  Er  gibt  genaue  Hinweise  für  die  Dürcbfühmng 
dieser  Behandlungsart ,  neben  der  alle  anderen  erprobten  Methoden 
ihr  Recht  behalten,  sowie  über  die  Art  der  Kranken,  für  die  sie  sich 
eignet.  Auf  die  Wichtigkeit  von  Nasenveranderungen  für  die  Ent- 
opfaciiraer/.  stehung  von  Kopfschmerz  und  nenrasthenischen  Beschwerden 
weist  Hartmann  hin.  In  erster  Linie  erinnert  er  daran,  daß  be- 
hinderte Naaenatmnng,  die  durch  verschiedene  umstände  bedingt 
sein  kann,  Kopfschmerzen  und  neur asthenische  Beschwerden  hervor* 
ruft,  die  wieder  verschwinden,  wenn  die  Fassage  durch  die  Nase 
frei  wird.  Kopfschmerz  kann  anch  auf  dem  Wege  der  Lxadiation^ 
auf  reflektorischem  Wege  von  der  Naee  aus  ausgelöst  werden;  Ab- 
schlul]  der  Stirnhöhle  von  der  Nasenhöhle  kann  Kopfschmers  und 
neuralgische  Zustände  auslosen,  mit  einem  Worte,  Hartmann  emp- 
fiehlt in  allen  Fällen  von  Kopfschmerz  nnd  Neurasthenie,  in  welchen 
keine  bestimmten  anderen  Uraachen  vorliegen,  die  Nase  untersncben 
zn  lassen.  Gowers  gibt  eine  ausführhche  Schilderung  der  Sym- 
ptome der  Migräne,  2um  Teil  nach  Erfahrtingen  an  eich  selbst, 
befaJH  sich  auch  eingehend  mit  den  Beziehnngen  zwischen  Epilepsie 
und  Migräne.  Eine  wirkliche  Verwandtschaft  beider  gibt  er  nicht  zu ; 
wenn  im  Migräneanfall  ein  epileptischer  Anfall  ausgelöst  wird,  ist 
der  Schmerz  das  Bindeglied,  Für  die  Behandlung  der  Migräne  emp- 
fiehlt er  Nitroglyzerin  in  Verbindung  mit  Btrychnin,  duxxh  längere 
Zeit  gegeben.  In  einer  Artikelserie  beschäftigt  sich  Chvoetek  mit 
Tetiujie  gewissen  Fragen  aus  der  Pathologie  der  Tetanie.  Bekanntlich 
findet  sich  das  Fazialisphäooraen  auch  außerhalb  der  Tetanie. 
Chvostek  versucht  aber  darzutun,  daß  auch  hier  das  Fazialis- 
phänomen  in  gewisser  Beziehung  zxir  Tetanie  steht,  d.  h,  mit  den 
Epithölkörperchen  zusammenhängt.  Mager  wiederum  fand  das 
Fazialisphänomen  bei  Enter optosen  ungemein  hänfig  und  führt  es 
auf  Antointoxikationen  zurück^  die  mit  der  gestörten  Darmfunktion 
zusammenhängen.  Vielfach  wird  die  elektrische  Ueb ererregbar keit 
der  Nerven  an  diagnostischer  Bedeutung  über  die  mechanische  Ueber- 
erregbarkeit  gestellt.  Chvostek  gibt  zwar  zu,  daß  erstere  im  akuten 
Stadium  wohl  stete  vorhanden  ist^  wenngleich  extreme  Orade  selten 


Krankheiten  dea  Nervensysiems. 


sind.  Intervallär  kann  sie  aber  fehlen,  ihr  Nachweis  ist  überhaupt 
nicht  leicht.  Oefters  sah  Chvostek  bei  der  Tetanie  bei  der  faradiachen 
Reizung  ein  starkes  Mimmern  der  Muskeln.  Er  ist  mit  anderen  Autoren 
der  Meinung,  daß  alle  Formen  der  Tetanie  pathogenetisch  sjusammen- 
gehören.  Die  bekannten  ätiologischen  Momente  stellen  bloß  ein  aus- 
losendes Moment  dar^  die  Grundlage  büdet  eine  durch  die  Erkran- 
kung der  Epithel  körperchen  bedingte  eigen  tümlicbe  Reaktionsfähigkeit 
des  Organismus,  Eine  Stütze  für  seine  Ansicht  gewann  Ohvostek 
daduixh,  da  IS  er  bei  latenter  Tetanie  nach  TuberkuUninjektionen  oder 
nach  Angina  TetanieanfäUe  auftreten  sah.  Um  die  Wirksamkeit  von 
Epithelkörperchenpräparaten  bei  der  Tetanie  zu  prüfen ,  versuchte 
Pineles  an  mehreren  Fällen  chronischer  Tetanie  (2  Fälle  post- 
operativer, 1  Fall  idiopathischer  chronischer  Tetanie)  die  interne 
Verabreichung  von  Tabletten  von  Epithelkörper  eben  der  Pferde  durch 
längere  Zeit.  Ein  Erfolg  blieb  aus,  es  stellten  sich  sogar  während 
der  Behandlangszeit  bei  der  einen  Kranken  epileptische  Anfälle  ein. 
Auch  die  objektive  Untersuchung  ergab  keine  Aendernng  zum  Bea~ 
seren.  Zu  versuchen  wäre  unseres  Erachtens  noch  die  subkutane 
oder  intravenöse  Verabreichung  der  Epithelkörperchen.  Westphal 
beschreibt  2  Fälle  mit  tetanieartigen  Krämpfen  in  den  Extremitäten, 
einer  davon  Hysterie  betreffend,  aber  ohne  sonstige  Erscheinungen 
der  Tetanie,  bei  denen  während  der  Anfälle  die  Fu(^ pulse  verschwan- 
den^ also  ein  Symptom,  das  wir  sonst  beim  intermittierenden  Hinken 
sehen.  Nach  seinen  anatomischen  Untersuchungen  kommt  Bor- 
gher i  n  i  zum  Schluß,  daß  bei  der  Myasthenie  plasmoide  Verände-  Mya^thiSi 
rangen  der  Muskelfasern  vorliegen,  die  die  Krankheit  in  die  Reihe 
der  Dystrophien  zu  stellen  gestatten,  was  sich  schon  in  der  relativ 
häutigen  Kombination  beider  Prozesse  dokumentiert.  Ein  der  my- 
asthenischen Reaktion  ähnliches  Verhalten  bei  faradischer  Beizung  JälU 
sich  auch  bei  der  galvanischen  Heizung. konstatieren,  Siteen  gibt  eine 
Darstellong  der  anatomischen  Befunde  in  einem  eigenen  Falle  von 
Myasthenie,  sowie  eine  Uebersicht  der  in  der  Literatur  beschriebenen 
Fälle*  Am  häufigsten  wurde  das  lymphatische  System  verändert  gefun- 
den, jedoch  sind  die  bisherigen  Untersuchungen  vielfach  unvollständig. 
Orxechowski  gibt  den  genauen  au  atomisch -histologischen  Befund 
emes  Falles  von  Chorea,  der  an  septischer  Endokarditis  und  An-  ckorc», 
gina  zu  Grunde  gegangen  war.  Im  Gehirn  fanden  sich  zahlreiche 
embolische  Herde,  die  aber  schon  wegen  ihrer  Frische  mit  dem  Pro- 
zesse der  Chorea  m  keinen  Zusammenhang  gebracht  werden  können. 
Auch  in  den  sonst  publizierten  anatomischen  Befunden  bei  Chorea 
läßt  sieb  das  Vorhandensein  eines  septiecben  Prozesses  meist  nach- 


170 


Redlich. 


Cborea. 


ITortikoUlfi. 


Schreib- 


weis6D,  BO  daß  die  publizierten  hiBtologiäcben  Teränderaiigen  des  Gehinis 
mit  dem  septiseheu  Prozesse  und  iii€ht  mit  der  Chorea  zusammen- 
häugen  dürften.  Es  ergeben  sich  daraus  weitere  HiBweiae  für  die 
infektiöse  Grundlage  der  Chorea^  andererseits  die  Anfforderung  gegen 
schwere  Fälle  therapeutisch  so  vorzugehen,  wie  bei  septischen  Pro- 
zessen. Für  die  Behandlung  d«r  Chorea  empüehlt  Winter  Chloretoo, 
das  er  in  mehreren  Fällen  wirksam  gefunden  hat  Cursohmann 
hält  die  hysterische  Auffassung  des  Tortikollis  für  unzoreicbend. 
Er  beechreibt  einen  Fall,  den  er  anf  eine  Labyrintherkrankung 
zurückführt  und  wo  durch  ChiniDbehandlung  Heilung  erzielt  wurde. 
Er  bat  noch  2  weitere  äbnlicbe  Fälle  beobacbtet  und  meint,  dai^ 
diese  Genese  gewiß  häufiger  sein  dürfte,  während  Fr  an  kl*  Hoch* 
wart  diesen  Zusammenhang  ablehnt  oder  mindestens  für  sehr  selten 
hält.  BrOthmano  wieder  sab  bei  Fremdkörpern  im  Ohre  Hals* 
muakelkrämpfe,  die  nach  Entfernung  des  Fremdkörpers  verschwan- 
den. Wilson  empfiehlt  für  die  BehandluDg  der  spastischen  Neurosen, 
unter  anderem  auch  des  Torl-ikollis,  eine  Art  Gymnastik  mit  rhyth- 
misch en  Bewegungen  der  beim  Krämpfe  beteiligten  Muskulatur. 
Eine  eingehende  Darstellung  der  verschiedenen  Formen  des  Schreib- 
krampfes gibt  Yaschide^  eine  ähnliche  Erkrankung  stellt  der 
Telegraphistenkrampf  dar.  Er  gibt  die  Krankengeschichten  von 
8  eigenen  Fällen  und  weist  darauf  hin,  dali  die  Pathogenese  der 
Krankheit  noch  recht  unklar  ist*  daÖ  sicherlich  auch  psychiflcbe 
Momente  dabei  eine  Bolle  spielen,  indem  manche  der  Kranken  ge- 
wisse  Symptome  der  Phobien  darbieten;  schließlich  gibt  er  eine 
Uebersicht  der  veiBUcbten  Therapie  und  der  verscbtedenen  emp- 
fohlenen Bchreibapparate* 


Literatur« 

Allgemeinea. 

Beinhaidti  Die  biaherigea  Methoden  der  Elektrotherapie  und  ihre 
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Krankheiteu  des  NerveusTstemt. 


177 


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178 


Redliüb. 


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Bückenmark, 


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KranMieiteii  des  Neirensystema. 


179 


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180 


Redlicli. 


Gatimiiia.  Monat-ssclir.  f.  Psych.  —  Lange,  Die  Behandlung  der  Isehiaj 
nnd  anderer  Neuralgien  durch  Injektionen  unter  hohem  Druck.  Leipzig,  — 
Ledere,  Ün  nouTeau  cas  d*Atonie  muaculaire  congdnitale.   Gaz,  des  höp. 

—  Neurath,  Zur  Frage  der  angeborenen  Fun ktiona defekte  im  Gebiete  der 
motoriachen  Himnerven,  Mtinclu  med*  WoehenBchr,  —  M  ü  1 1  e  r>  Elinjscht 
Beitrage  zur  Physiologie  des  sympafchiBchen  Nervensystema,  Deutsches  Arch. 
f.  kün.  Med.  —  Panaini,  Sulla  Malattia  di  Thomaea  {Myotonia  congenita). 
Neapel.  —  Peritz,  Neuralgie,  Myalgie.  Berl.  klin.  Wöchenachr,  —  Plavec, 
Beiträge  zur  Erklärung  der  ophtkalmopleg.  Migräne.  Deutsche  Zeitschn 
f.  Nervenheilk.  —  Raymond,  Sur  quelques  affections  des  nerfs  peri- 
ph^riques*  Gaz*  des  böp*  —  Samt  er,  Ueber  traumatische  EnUtehung 
und  operative  Behandlung  der  Serratuslähmnng.  Deutsche  med.  Wochenschr, 

—  Schmidt,  Üeber  einen  Full  von  progreasiv^er  Muskelatrophie  und  über 
rhachitiBche  Pseudoparaplegie.  Berl.  klin.  WochenÄchr.  —  Schönburn, 
Ueber  Polyneuritis  cerebralis*  Müncb*  med*  Woehenschr*  —  Schultze, 
Die  Behandlung  der  Neuralgien*  Neurol*  Zentralbl.  —  Spitzy,  Die  An- 
wendung der  Lehre  von  der  Degeneration  nnd  Heilung  durchschnittener 
Nerven  in  der  Chirurg.  Praxis.  Wiener  Min.  Wochensehr,  —  Sudek,  Ueber 
die  Muakelatrophie.  Deutsche  med*  Wochenachr.  —  Yölsclier,  Ueber 
Osteomalazie  und  die  sogen,  osteomalazische  L'äbniung*  Monatsschr*  f.  Psych. 

—  Webbt  Treatment  of  caBes  of  chronic  sciatica*  Lance t*  —  Wrigbt, 
Note  on  treatment  of  trigeminal  Neuralgia  by  injection  of  oamie  acid  lote 
tbe  GftBserian  Ganglion*  Laneet  —  Derselbe,  Beti-Beri,   Brit*  med.  journ. 

ITeuroseu. 

Binswanger,  Ueber  Herd  ersehe  in  an  gen  bei  der  genuinen  Epilepsie. 
Monatsschr*  f.  Psych.  —  Borgherini*  Ueber  Myasthenia  gi-avis.  Neurol* 
Zentralbl*  —  Bretsehneider,  Blutbefund  bei  Nervösen.  Mönch,  med. 
Wöchenschr.  —  Chalupecky,  Die  Augensymptome  bei  der  traumatischen 
Neurose.  Wiener  klin.  Kundachau*  —  Curschmann,  Ueber  hysterische 
Schweiße*  Münch.  med*  Wochenachr.  —  Derselbe,  Ueber  Labyrinth- 
erkrankungen als  Ursache  dei  TortikolliSi  Deutsche  Zeitschr,  f.  Nerven- 
heilk.  —  Chvoatek*  Beitrag  zur  Lehre  von  der  Tetanie.  Wiener  klin* 
Wochenachr.  —  Erb,  Die  Behandlung  der  Neurasthenie.   Ther,  d.  Gegen w. 

—  Frömmer,  Neurasth enie .  Leip z ig.  —  G Ö t ä e ,  üebe r  Nerrenkmuke  un ä 
Nervenhetlstätten,  Halle,  —  Golds  eh  ei  der,  Ueber  psychoreflektorische 
Krankheitssjmptome,  Deutsche  med*  Wochenachr.  —  GoweiSt  Faint^  and 
fainting,  Laneet.  —  Derselbe,  Migraine,  Brii  med.  joum.  —  Grünwald, 
Znt  Frage  des  Bromgehaltea  im  Epileptikergehirn*  Arb*  aus  dem  Wiener 
neuroL  Inst.  —  Hart  mann,  Ueber  nasalen  Kopfschmerz  und  na^^ale  Neur- 
asthenie* Deutsche  med.  W^ochentchr.  ^  Haupt,  Zur  Klinik  der  idiopa- 
thischen Athetoae.  Deutsche  Zeit^chr.  f*  Nervenheilk.  —  Hirschkron,  Be- 
handlung der  Nervenachwäche  nach  den  neuesten  Erfahrungen*  Leipzig*  — 
Ingeirans*  La  myasth^nie  bulbo-apinale.  L*echo  m^d.  —  Kellner,  Die 
Erfolge  der  Opium-Bromkut  bei  der  Epilepsie*    Münch.  med*  Wochenachr, 


Krankheiten  des  Nerrensyateme. 


—  Kohnstainm^  Ueb er  Behandlung  Tön  Menstmationsetörungen.  Tber.  d. 
Oegenw,  —  Kollaritä,  Bemerkungen  über  Torticollis  hysL  Deutsche 
ZeitBchr*  f,  Nervenheilk.  —  Krause,  Die  chirurgische  Therapie  der  Gehim- 
krankheiten  mit  Aus&chluß  der  Geschwülste*  Ref*  Neurcfl.  Zentralbl  — 
Krön,  Nervenkrankbeiten  in  ihren  Beziehungen  zu  Zahn-  und  Mundleiden. 
Berlin,  —  Lühr,  Heichäftigung&therapie  für  Nervenkranke,  Wien.  klin. 
Wochenachr*  —  Laudenheimer,  Neuere  Arbeiten  Über  die  Opium-Brom- 
behandlung  der  Epilepsie.  Ther.  d.  Gegenw.  —  Marchand  et  NouSt, 
De  r^pilepsie  tardive.  Gaa,  des  höp.  —  Mager,  Ueber  das  Faaialis- 
jihanomen  bei  Enteroptose.  Wiener  klin.  Wocbenschr.  *—  Minor,  Ueber 
das  Quinquaudscbe  Phänomen.  Berl.  klin*  Wuchenachr.  —  Muthmann^ 
Zur  Psychologie  und  Therapie  neurotischer  Symptome.  Halle.  —  Oecono- 
makiH,  Die  Sehnenrefleie  angestrengter  Körperteile.  NeuroL  Zentral5]L  — 
Orzechoweki»  Zur  pathologischen  Anatomie  der  Chorea.  Arb.  aus  dem 
neuroL  Inet.  Wien.  —  P  i  c  k  ^  Ueber  akustiicke  und  optische  motorieche 
Folgeerscheinungen  von  Krampf  an  fallen.  Deutsche  med.  Wochenschr,  — 
Fineles,  Zur  Behandlung  der  Tetanie  mit  Epithelkörperchen.  Arb,  aus 
dem  Wiener  neurol  Inet.  —  Sarvanat,  La  maladie  de  Raynaud.  Gaz. 
deshöp.  —  Savill,  Clinical  lecturea  on  Neuraathenia,  London.  —  Schum- 
kow,  Krieganeurosen.  Russ.  med.  Rundschau*  —  Seige,  Erfolge  der 
Flecbsigacben  Opium- Brom kur.  Monatsschr.  f.  Psych.  —  Sitsen,  MyELstbenia 
gravis  pseudo  paralyt*  Berl,  klin»  Wochenechr.  —  Stadel  mann,  Die  kind- 
liche Nervosität.  Med.  Klinik.  —  Vaschide,  La  crampe  des  dacrivains* 
Gm.  des  büp.  —  Veit,  Kutane  Hamorrhagien  bei  Epileptikern*  MonatÄschn 
L  Psych,  —  Westphal,  Ueber  hyaterische  P&eudotetanie.  Berl.  klin^ 
Wochenscbr.  —  Wilson,  Rhytmieal  eiercises  in  the  treatment  of  spasmodic 
neuroses.  Brit.  med,  joura-  —  Winter,  Chlorefcone  and  its  uiei  especially 
in  Chorea.    Lancet 


b)  Psychiatrie* 

Von  Geh,   Med.-Eat  Prot  Dr.   A.  CrAmcr  und  Prof,   Dr, 

in  Göttingen, 


L,  W,  IVetier 


|11gi$melue&  i  Auch   cta^  v^rgaug^ne  Jahr  hat  una  wieder   eine  Anzahl  yon  L  6  h  r^ 

ehrbücher,  büchern  gebracht,  die  mch  bemühen»  das  Gesamtgebiefe  der  klmischen 
Psychiatrie  dem  Praktiker  TerstÄndlich  au  machen.  Wenn  trotz  der  grofieti 
^aht  guter  LehrhUcber  und  Kompendien  noch  ein  Bedürfnis  nach  solcheD 
l^uraen,  zusam  tuen  faxenden  Handbüchern  da  ist,  so  beweist  das,  daß  man 
allmählich  anfängt,  sich  eingeheisder  mit  der  Paychiatde  zu  befassen,  und 
daß  auch  der  praktische  Arzt  das  Bedürfnis  fühttj  sich  einige  Kenntni^e 
dieiea  Faches  anzueignen.  Von  den  Neuerscheinungen  ist  das  von  Bins* 
w a n g e r  und  Siemerling  im  Verein  mit  vier  anderen  Klinikern  heraus^ 
gegebene  Lehrbuch  die  2.  Äufl*  dea  1905  zuerst  erschienenen  Werkes;  die 
Orundsüge  sind  dieselben  geblieben.  Wohltuend  macht  sich  in  dies^ia 
Buch,  wie  in  dem  Leitfaden  von  Reichardt  das  Bestreben  geltend,  Am 
Trennende  der  einis einen  Schulen  möglichst  in  den  Hintergrund  za  schieben 
und  dem  Lernenden  dm  vorzufübrenj  was  gemeinsataer  sicherer  Besitz  der 
klinischen  Psychiatrie  ist.  Das  ist  es  aber,  was  der  Praktiker  wissen  muß, 
und  es  genügt  für  ihn,  um  einen  psychintrischen  Krankheitafall  zu  dia- 
gnostisieren  und  die  Behandlung  festzustellen.  In  dem  Binswangerscheii 
Lehrbuch  interesaiert  hier  der  von  Binawanger  lelbat  bearbeitete  allge- 
meine Teil»  der,  ohne  zu  sehr  ins  Detail  zu  gehen ,  dem  Praktiker  da« 
Nljtigste  über  die  normalen  psychologischen  Vorgänge  und  ihre  Abänderung 
bei  krankhaften  SeelenKUst&ndeii  sagt;  eine  derartige  Einführung  ist  flär 
den,  der  sich  mit  küniscber  Pgyclnatrie  befasBen  will,  unerläßlich.  Neu 
ist  in  dem  Buch  auch  ein  Abschnitt  über  forensische  Psychiatrie.  Dm 
Leitfaden  Reichardt»  bringt  in  didaktisch  sehr  geeigneter  Form  die 
Haupttatsachen  der  klinischen  Psychiatrie  zum  Vortrag,  ohne  wesentlich 
neue  Gesichtspunkte  aufzustellen.  Die  ^Grundaüge*  der  Psychiatrie  von 
Eschle  sind  die  Arbeit  eines  gereiften  Mannes,  der  ^ieh  namentlich  über 
die  Aetiolögie  der  Psychosen  eigene  Anschauungen  gebildet  hat;  sein« 
Darstellung  hat  nur  den  Sprach Bchat^  der  psychiatrischen  KunstausdrÜdte 
wieder  um  einige  vermehrt,  was  im  Interesse  eines  allgemeinen  Verstand* 
nisaes  zu  bedauern  ist.  Der  Aufgabe,  die  Fragen  der  praktischen  Psych- 
iatrie dem  Verstiindnis  des  großen  Publikums  näher  zu  bringen,  dienen 
auch  die  Bücher  von  MGnkemSller.  Schäfer  und  eine  populäre  Da^ 


P^chJatrie. 


183 


«teilimg  von  Ilberg,  Der  erste  zeigte  wie  in  der  Literatur  und  in  der 
darstellenden  Kunst,  in  allen  Seiten  unseres  öffentlichen  Lebens  ausgespro* 
ebene  Geisteskrankheiten  oder  psychotische  Züge  eine  Rolle  spielen;  wie 
anderseits  selbst  in  der  Irrenanstalt  bei  aller  Tragik  gelegentlich  der  Humor 
nicht  fehlt.  Schilf  er  geht  mehr  auf  aktuelle  praktische  Fragen  ein;  er 
will  in  einer  anspruchalDsen  populär- didaktischen  Form  dem  Laienpublikum 
Taleacben  der  forensischen  Psychiatrie  yerstSndlich  macHen,  namentlich 
die  Frage  des  intellektuellen  und  moralischen  Schwachsinns^  der  Zurecb- 
nungsfähigkeit  n,  dergl.  Auch  die  Publikation  von  Finkh  will  mit  einer 
Schilderung  des  heutigen  Irrenwefieas  die  immer  noch  im  Publikum  be- 
stehend en  Vorurteile  gegen  die  modernen  psychiair lachen  Anstalten  be- 
kämpfen und  aufklärend  wirken ;  sehr  geeignete  für  diesen  Zweck  sind  die 
dieser  Arbeit  beigegebenen  Abbildungen;  die  Schilderungea  Finkbs  sind 
namentlich  brauchbar  für  Kollegen,  die  Vortragsweise  in  einem  Kreise  ge- 
bildeter Laien  in  diesem  Sinne  tätig  sein  wollen.  Auch  Tuczek  ^eigt 
in  seiner  Hektoratsrede ,  wie  unsere  ganise  losiale  Organisation,  unsere 
Kulturhöhe  abhängig  ist  von  der  Gehirnfunktion,  von  möglichst  vervoll* 
kommneter  Entwicklung  dieses  Organs ,  und  wie  scheinbar  unbedeutende 
Störungen,  der  Wegfall  von  Hemmungen  ynd  andere  Vorgänge,  die  noch 
nicht  als  Psychose  imponieren,  die  Gesittung  eines  ganzen  sozialen  Kreises, 
«ein  Kulturniveau  bedenklich  beeinflussen  können. 

Während  die  klinische  Psychiatric  sich  wissenschaftUch  und  praktisch  in  Btandi 
den  letzten  Jahrzehnten  emineiit  weiter  entwickelt  hat,  zahllose  neue  Anstalten  oreaiilsatloi 
entstanden  sind,  haben  sich  die  äußeren  VerbäUnisse  der  Irrenärzte  im 
ganzen  wenig  geändert  Sie  haben  immer  noch  vielfach  unter  dem  Vorurteil 
£U  leiden,  daß  sie^  weltabgeschieden,  nur  auf  die  Einsperrung  geistig  Gesunder 
bedacht  seien;  dazu  ist  die  Tätigkeit  an  der  Anstalt  durch  ihre  Monotonie, 
die  ständige,  durch  die  neuere  Gesetzgebung  vermehrte  Verantwortung  auf- 
reibend und  verhältnismäßig  gering  bezahlt ;  die  Stellen,  welche  die  Grün- 
düng  einer  Familie  gestatten,  eind  wenig  zahlreich  und  die  Avancements- 
verfaättnisse  sind  schlechter  geworden,  seitdem  die  Gründung  der  großen 
Riesenanstalten  die  Zahl  der  Direktoren  vermindert  hat.  Alte  diese  und 
iiCM!li  andere  Momente  haben  den  Zugang  sjur  piychiatri«chen  Karriere  ver- 
ringert, HO  du  15  heute  schon  die  mit  allen  Hilfsmitteln  der  Technik  aus- 
gestatteten  luachtvoUen  neuen  Anstalten  an  chronischem  Aerztemangel 
leiden.  Nachdem  schon  in  den  letzten  Jahren  von  verschiedenen  Seiten 
(AU,  Hoppe,  Verein  der  bayrischen  Psychiater)  mit  Nachdruck  darauf 
hingewiesen  wurde,  hat  auch  der  deutsche  Verein  für  Psychiatrie  sich  nach 
einem  Referat  von  Siemens  mit  dieser  Frage  befaßt,  eine  Anzahl  von 
positiven  Vorachiagea  formuliert  und  den  zuständigen  Verwaltungsstellen 
unterbreitet.  Kine  Anzahl  dieser  Forderungen  (bessere  Gehälter,  Vermeh- 
rung der  definitiven  Stellungeu,  Gelegenheit  zur  Fortbildung  der  Anstalta- 
ftrste)  ist  von  einzelnen  Verwaltungen  (Sacbaen,  Hannover,  Westfalen) 
btireiti  realiaiert,  anderen  sollen  weiter  ausgearbeitete  und  neue  Vorschtllge 
,  gemacbt  werden. 


BfSmSr  und  Weber, 


ungemeine  Daß  die  Ergebnißie  neuerer  exakter  ÜEtersachangen  uns  immer 

[Aetloioffie  mehr  vor  ©iDer  einseitigen  Ueberschätzung  einzelner  ätiologischer 
Momente  warnen,  wurde  schon  im  vorigen  Jalireabericht  erwähnt 
Auch  in  diesem  Jahr  weisen  alle  Autoren,  die  sich  mit  ätiologischen 
Fragen  beschäftigen ,  darauf  hin,  daß  selten  eine  Ursache  aUain  für 
das  Zustandekommen  einer  Psychose  anj^^unebmen  iat,  dali  demgemäß 
auch  ätiotogisühe  Krankheitsbezeichnnngen  nicht  als  spezi£soh  klinische 
Krankheitsbilder  aufzufassen  sind,  deren  Entstehnug,  Symptome 
und  Verlauf  ausschließlich  durch  diese  namengebende  Ursache  ein* 
deutig  bestimmt  werden  iz.  B.  für  die  Puerperal  psycho  een  Siemer^ 
ling,  für  die  nach  HerEerkrankungen  auftretenden  Geistesstörungefl 
Fran(,^aia  und  Darcanne).  Aber  das  Kausalitätsbedärfnifl  nicht 
nur  der  Laien  in  Fragen  psychiatrischer  Erkrankungen  bleibt  trotz- 
dem bestehen,  und  die  kritische  Peststellung  der  Wurzeln  der  gei- 
stigen Störung  gibt  uns  so  viel  Fingerzeige  für  die  Prophylaxe,  daß 
wir  auf  ätiologische  Forschungen  nicht  verzichten  können.  Eine 
Zusammenstellung  der  heutigen  Anschauungen  über  die  Ursachen 
der  Geisteskrankheiten  gibt  das  Buch  von  E.  Meyer,  auf 
dessen  Einzelheiten  wir  unten  noch  eurückkommeu.  E.  Meyer  berührt 
hier  auch  die  Frage  der  Zunahme  der  Geistesstörungen.  Die 
Tatsache,  daß  die  Zahl  der  in  Anstalten  internierten  Geisteskranken 
zugenommen  hat,  spricht  ja  zunächst  nur  für  eine  vermehrte  Für- 
sorge; aus  zum  Teil  nicht  veröffentlichten  Mitteilungen  über  schot- 
tische Verhältnisse  glaubt  Meyer  sogar  den  Schluß  ziehen  zu 
können,  daß  wenigstens  in  einigen  zivilisierten  Landern  jetzt  ein 
Stillstand  in  der  Zunahme  der  Psychosen  eingetreten  ist.  Wenn  in 
Deutschland  dieses  Stadium  noch  nicht  erreicht  ist,  so  liegt  das  nach 
seiner  Auffassung  daran ,  daß  wir  uns  hier  in  einer  noch  nicht  ab- 
geschlossenen Uebergangszeit  der  kulturellen  Verhältnisse  befinden, 
die  der  Entwicklung  von  Psychosen  besonders  günstig  ist.  Daraas 
läßt  sich  aber  noch  nicht  der  Schluß  ziehen ,  daß  unsere  Kultur 
selbst,  die  durch  sie  bedingten  erhöhten  Ansprüche  an  die  Gehirn- 
funktion, die  Ursache  einer  psychischen  Degeneration  sind,  welche 
notwendig  zu  einem  Untergang  dieses  Kultur niveaus  fuhren  muß. 
Zu  ähnlichen  beruhigenden  Schlüssen  kommt  Sa  vage  in  einer 
auf  englischem  Material  beruhenden  Arbeit:  Eine  gewisse  Zunahme 
der  Psychosen,  namentlich  der  Paralysen  und  der  Infektionspeychoseu, 
ist  vorhanden.  Er  sieht  aber  in  der  ätiologischen,  namentlich  auf 
die  Feststellung  der  bakteriologischen  Schädlichkeiten  gerichteten 
Forschung  Hilfsmittel  erwachsen,  welche  in  Zukunft  eine  Bekämpfung 
dieser  Erkrankungen  gestatten;   ebenso   wird  die  weitgehende  Fiir- 


ZamBLhme 

■  0«itteq- 
UtOitiiigeii, 


rebiatne. 


las 


ürsacUen ; 
Heredit&ro 
BeUstang 


und  Änstaltsversorgang  der  geistig  Defekten  und  Kranken 
weiteren  Wachstum  der  Psyckosen  vorbeugen.  Wenn  unter 
den  Kranklieitsursaclien  das  Interesse  für  die  endogene  Anlage 
in  den  Vordergrund  gerückt  ist  (vergL  den  vorigen  Bericht),  so 
haben  doch  die  nach  dem  altgewohnten  Schema  vorgenommenen 
statistischen  Untersöchungen ,  z.  B.  die  von  Tigge  staue  neuester  und  FamUiei 
Zeit,  uns  trotz  des  riesigen  Zahlenmaterials  weitere  Aufschlüsse  nicht  ^^^^  ^^^* 
gaben  können.  Mehr  Erfolg  versprach  die  Indiyidual Statistik,  die 
sich  namentlich  an  der  Hand  der  von  Lorenz  schon  vor  Jahren 
gegebenen  Fingerzeige  zur  Aufgabe  macht i  gut  bekannte  Familien- 
Stammbäume  zu  analysieren.  Ein  Beispiel  dieser  Forschungs- 
metbode  liefert  Stroh  may  er  in  der  Analyse  einiger  Fürsten - 
geschlechter^  die  als  praktisches  Resultat  ergibt,  daß  schwere  erbliche 
Belastung  und  Inzucht  nicht  absolut  deletär  für  die  Nachkommenschaft 
zu  sein  brauchen^  sondern  dies  nur  dann  werden,  wenn  gleichi^innige 
Erbschaftsmomente  zusammentreffen*  Sommer  zeigt  in  der  Geschichte 
einer  bürgerlichen  Familie ,  die  sich  weit  zurück  verfolgen  lälJt  ^  die 
Technik  dieser  Forschungametbode  und  die  Schlüsse,  die  daraus  fär 
die  Erklärung  der  psychologischen  Eigenschaften  der  letzten  Glieder 
gezogen  werden  können;  seine  Untersuchungen  sind  zugleich  ein 
Appell  zur  Pflege  dieser  Forschungsweiae  in  den  Kreisen  bürger- 
licher Familiee.  Auch  die  auf  Grund  dieser  neuen  Forechungs* 
methotien  bei  einem  Individuum  festgestellte  erbliche  Belastung  darf 
nicht  ohne  weiteres  identifiziert  werden  mit  „degenerafciver"  oder 
^endogener"  Veranlagung.  Wie  neuerdings  auch  Gramer  wieder 
betont,  bedarf  es  dazu  noch  des  Nachweises  wirklicher  degenera- 
tiver Züge  auf  körperlichem  und  namentlich  auf  psychischem  Ge- 
biet: Gramer  hat  diese  übersichtlich  zusammengestellt.  Mit  der 
Bewertung  der  endogenen  Anlage  für  die  Entwicklung  und  den 
Ausgang  der  Psychosen  kommt  auch  viel  mehr  als  früher  die  In- 
dividnalität  der  Persönhchkeit  zum  Ausdruck;  nur  sie  erklärt  uns 
die  Mannigfaltigkeit  der  klinischen  Krankheitsbilder.  Bei  den  „in- 
neren** Ursachen  der  Geistesstörungen  ist  ein  Moment  zu  erwähnen» 
das  nicht  direkt  als  Schädlichkeit  bezeichnet  werden  kann,  da  es 
sich  um  einen  normalen  Entwicklungs Vorgang  handelt.  Der  Zu- 
sammenhang der  Pubertät  und  der  unmitttelbar  vor  ihr  liegenden  Pubertät! 
Jahre  nicht  nur  mit  geistigen  Erkrankungen,  sondern  auch  mit  psy- 
cbischea  Minderwertigkeiten  hat  namentlich  seit  dem  Bestehen  des 
preußischen  Fiirsorgeerziehungsgesetzes  besonders  die  Anfinerksam* 
keit  in  Anspruch  genommen  (Cramer,  Neilier,  Weygandt).  Da 
handelt  sich  namentlich  um  die  Frage,   ob  unter  den  Flirsorgezög- 


Cmraer  und  Weber, 


Exogen» 

{Kraukheita- 

uräftchen : 


lingen  Hich  welche^ befinden,  bei  deoea.  das  insoziale  Verhalten  mcht 
niii'  die  Folge  ungenügender  Erziehung^  sondern  das  erste  Zeiülian 
einer  sonst  noch  latenten  Geisteaatörung  ist.  Gramer  nameDÜich 
bat  gezeigt,  daß  sehr  häufig  die  ersten  Anfange  einer  derartlgeiit 
noch  zur  Imbezillität  zu  rechnenden  Geistesstörung  in  die  Zeit 
vor  der  Pubertät  fallen  und  ihre  positiven  Symptome  erst  später 
zü  Tage  treten.  Wenn  auch  die  Bedeutung  des  Traumas  fiir  das 
Zustandekommen  vou  Psychosen  in  den  letzten  Jahren  allgemais 
dahin  präzisiert  wurde ^  daß  es  im  besten  Fall  nur  eine,  meist  nor 
eine  vermittelnde  oder  auslösende  Krankheitsursache  darstellt,  so 
gibt  es  doch  Fälle,  in  denen  die  Geistesstörung  auaachließMch 
durch  ein  Tranma  schwererar  Art,  namentlich  durch  eine  Gehirn- 
erschütterung bedingt  wird.  Solche  Fälle  werden  von  Sommer  imd 
van  Weber  mitgeteilt  Ersterer  weist  darauf  hin,  daß  es  sich  meist 
um  ausgedehnte  und  verschieden  lokalisierte  Gewebsschädigungen 
handelt  und  daher  kein  einheitlicher  klinischer  Befnnd  zu  erwarten 
ist ;  letzterer  hat  an  einem  zur  Sektion  gekommenen  Fall^  der  makro- 
skopisch keinen  Befund  aufwies,  gezeigt,  daß  die  mikroskopische 
Untersuchung  einen  solchen  in  Gestalt  ausgedehnter,  frischer,  auf  die 
Commotio  hinweisender  Gefäß  Veränderungen  ergab.  Konnte  die  Ge- 
samtwirkung des  Traumas  auf  die  Psyche  bisher  nur  in  den  Unfall- 
erkrankuugen  studiert  werden,  so  hat  der  letzte  große  Krieg,  der 
liguDgeti,  ruasiflch -japanische  Feldzug,  Gelegenheit  geboten,  die  Massen- 
Wirkung  solcher  äußerer  Eingriffe,  bei  denen  ja  natürlich  auch  eine 
^oße  Anzahl  psychischer  Momente  mitspialeui  festzustellen.  Solche 
Beobachtungen  liegen  vor  auf  russischer  Seite  von  Äwtokratow,  aiif 
japanischer  von  Äraky  und  ferner  von  Honigmann,  der  zahl* 
reiche  russische  Offiziere  in  einem  Genesungsheim  gesehen  hat.  Von 
allen  wird  ein  spezilisches  KrankheitsbOd,  die  neur aathenische  Krtegs- 
psychoee  oder  Kriegsneurose  geschildert,  das  günstiger  als  die  üe- 
fallneurose  verläuft;  daneben  wirkt  der  Krieg  mit  seinen  mächtigen 
Begleiterscheinungen  stärker  als  auslösendes  Moment  für  Psychosen 
anderer  Genese,  namentlich  Paralysen,  alkoholische  Psychosen,  Epi- 
lepsien. Auch  die  Älkoholpsjchosen  verlieren  immer  mehr  von  ihrer 
Spezifizität  So  hat  Warner  ein  deliriuraartiges ,  in  HeUung  aus- 
gehendes Krankheitsbild  nach  akuter  Bleivergiftung  beobachtet 
Daß  neben  dem  Alkohol  beim  echten  Delirium  tremens  auch 
noch  andere  Faktoren  wirksam  sein  müssen,  hat  Bonhöffer 
schon  früher  angenommen.  Kauf f mann  vermutet  auf  Grund  von 
Stoffwechseluntersuchungen  ä  daß  es  sich  um  transitorische  Schädi- 
gungen der  MeduUa  oblongata  und  der  hier  befindlichen  vegetativen 


rttgs- 


Bki, 


Psychiatrie. 


m 


Paralvse. 


Zentrea  handle.  Ein  lateressant^a  Licht  auf  dk  Bedeutung  der  ge-  AikoboL 
sohädigteü  Nierenfunktion  für  dai  Zustandekommen  akuter  alkoho- 
liacber  Psychosen  wirft  eine  Beobachtung  von  Antheaume  und 
MigBot,  die  hei  einem  seit  2  Jahren  abstinenten  chronischen  Alko- 
holiker ein  delirartiges  Krankheitsbild  auftreten  sahen,  als  in- 
foige eines  Kantharidenpflasters  eine  akute  Nephritis  mit  Verminde- 
rung der  Urinausscheid uug  auftrat.  Das  früher  durch  Alkohol 
geschädigte  Gehirn  reagiert  auch  noch  nach  langer  Zeit  auf  jede 
Vermehrung  der  toxischen  Substanzen  im  Blut  mit  deliriumartigen 
Störungen.  —  Die  im  vorigen  Jahr  berichteten  Untersuchungen  von 
Wassermann  und  Flaut  über  den  Nach  weis  von  syphilitischen  ä^phiü!»  um^ 
Antikörpern  in  der  SpinaJfiussigkeit  von  Paralytikern  sind  von 
beiden  Autoren  weiter  verfolgt  und  ausgehaut  und  von  anderen 
nachgeprüft  worden  (Morgenroth  und  Sterte,  Marie  and  Leva- 
diti  u.  a.).  Alle  Arbeiten  haben  eine  Bestätigung  der  ersten  He- 
Bultatö  ergeben :  In  fast  KX)  ^(o  von  Paralyse  reagierte  die  Spinal- 
flüssigkeit poiitiv,  unabhängig  davon ,  ob  die  Lues  zugegeben  war 
oder  nicht  f  ob  eine  antiluetische  Behandlung  stattgefunden  hatte 
oder  nicht;  auch  der  Abstand  zwischen  Paralyse  und  Infektion 
schwankte  zwischen  6  und  20  Jahren.  Bei  frischer  Lues  ist  die 
Keaktion  seltener  positiv^  bei  tertiärer  häufiger;  vielleicht  rekrutieren 
aich  die  späteren  Paralytiker  aus  den  Fällen^  die  im  tertiären  la- 
tenten Stadium  noch  Antistoffe  produzieren.  Mit  diesen  Unter- 
suchungen ist  eine  sehr  starke  Stütze  für  den  m etasyphilitischen 
Ursprung  der  Paralyse  gegeben,  der  auch  dui-ch  histologische  Unter- 
suchungen von  Ris  wiederum  wahrscheinlich  gemacht  wird;  daß 
daneben  noch  andere  Momente,  z.  B.  endogene  Veranlagung  mit- 
wirken können^  ist  ja  bekannt.  Ein  neues  Glied  in  der  Kette  zwi- 
schen Syphilis  und  Paralyse  bringt  Spielmeyer,  der  namentlich 
histopathologisch  eine  große  Aehnlichkeit  der  Befunde  bei  Paralyse 
und  Schlafkrankheit  schildert  und  darauf  hinweist,  daß  auch  andere 
Trypanosomen  krankheften  der  Syphilis  und  Metasyphilis  verwandt 
sind  und  dali  nach  Beobachtungen  Schau dinns  Uebergangsfonnen 
IS  wischen  Trypanosomen  und  Spirochäten  bestehen.  Auch  Ziemann 
besUtigt  aus  eigener  langjähriger  Erfahrung  die  Aehnlichkeit  des 
histologischen  Befundes  der  Schlafkrankheit  mit  dem  der  Paralyse. 
Er  hat  aber  weiter  in  sehr  vielen  tropischen  Ländern  trotz  unge- 
meiner Ausbreitung  der  Syphih»  nur  selten  Paralyse  gesehen  und 
schließt  daraus,  daß  neben  der  Syphilis  eben  noch  andere  Momente^ 
insbesondere  die  starke  Inanspruchuahme  des  Gehirns  durch  die 
Kultur   zur  Hervorbringnng  der  Paralyse  nötig  sind.     Das  nicht  so 


188 


Cramer  iiBd  Weber. 


Andere 

ImltterielJe 

^iAcbtn  der 

Par&lytte^ 


rkranktitigen, 


^  Psyobifielie 
Falttoren. 


in  Anspmeli  genommene  Gehirn  des  Negers  reagiere  de&kälb  bloß 
ftuf  die  akutere  TrypaBO&omenmfektion  ^  nicht  anf  die  jBetasypbili- 
tischen  Sohädlichkeiteti.  Neben  den  ForscbuEgen,  die  eich  auf  eine 
syphilitische  oder  m et asyphiü tische  Äetiologie  der  Paralyse  be- 
deheo,  werden  namentlich  ¥on  englischer  Seite  ^Robertson!  immer 
wieder  Beobacbtungeti  publizierte  die  das  regelmäßige  Varkommen 
eines  Mikraorganismus  anderer  Art  im  Blut  der  Paralytiker 
wahrscheinlich  machen  sollen.  Unsere  Aoffassung  geht  dahin,  4hl\ 
wohl  Komplikationen  der  Paralyse  durch  fremde  Mikroorganismen 
hervorgemfen  werden  können;  wir  können  aber  nicht  in  dem  ^Ba- 
cillus paralyticans  longus  und  brevis^^  den  ätiologischen  Hanptfaktor 
der  Paralyse  erblicken. 

Die  übrigen  ätiologischen  Forschungen  lassen  immer  mehr  er- 
kennen, daß  kein  auch  noch  so  wohiumscbriebener  und  gutbekannter 
Erkrankungsprozeß  des  Nervensystems  im  stände  ist,  in  jedem 
Fall  gleichartige,  für  die  Grand krankheit  charakteristische  psychische 
Störungen  hervorzurufen.  Das  sehen  wir  neuerdings  wieder  bei  den 
tJntersuchungen  Baeckes  über  die  psychischen  Störungen  der 
multiplen  Sklerose;  schon  die  verschiedenartige  LokalisatloQ 
der  Krankheitsherde  muß  hier  zu  ganz  verschiadenen  klinischen 
Bildern  führen.  Ebenso  hat  Kleist  für  die  Psychosen  der 
Chorea  gezeigt,  daß  hier  sehr  mannigfaltige  Elementarsjfmptome 
vorkommen  können,  die  sich  in  der  verschiedenBten  Weise  mit- 
einander kombinieren  und  sehr  mannigfaltige  Zustandsbüder  erzengen 
können.  Die  postoperativen  Psychosen  werden  in  den  meisten 
Fällen  als  Shockwirkting  bei  psychopathischen  Individnen  anfgefaJit. 
Urbach  beobachtete  in  5  Fällen  nach  Operation  am  Gallengang- 
System  klinisch  gleichartig  verlaufende  Krankheitsbilder  vom  Cba* 
rakter  der  Erschöpfungepsychosen.  Da  es  sich  in  den  meisten 
Fällen  um  Ableitung  der  sezernierten  Galle  nach  außen  durch  Drai- 
nage handelt,  glaubt  urbach^  daß  vielleicht  die  Qalle  selbst  Btoffe 
enthalt,  die  für  den  Aufbau  des  Nervensystems  wichtig  sind.  Daß 
auch  nach  neueien  Anschauungen  psychische  Schädigungen  für 
das  Zustandekommen  von  Psychosen  nicht  gleichgültig  sind,  zeigen 
schon  die  obenerwähnten  Arbeiten  über  Kriegsneuropsychosen, 
Manchmal  lälU  sich  auch  die  Rolle  dsB  psychischen  Faktors  allem 
noch  klarer  heraustellen  als  bei  den  gewöhnlichen  Unfallpeychoseßi 
wie  in  dem  Fall  von  Tinte  mann.  Bei  diesem^  wie  in  ähnlichen  ■ 
Fällen ^  zeigt  sich  aber,  daß  nur  auf  endogen  veranlagtem  Boden 
psychische  Vorgänge  zu  einer  schweren,  wirklichen  Psychose  führen 
können.    Nur  in  diesem  eingeschränkten  Sinne  können  wir   auch 


I 


PaycHiäMeT 


mixen  EioäüB  des  sexuellen  Traumas,  das  in  der  hier  gemeinten 
Perm  meist  psychischer  Xatur  ist,  auf  das  Zustandekommen  von 
Geistesstörungen  anerkennen;  also  insoweit,  daß  es  auf  anderweitig 
vorbereiteten  Böden  auslösend  und  Richtung  bestimmend  wirken 
kann.  Wir  können  aber  nicht  zugeben,  daß  diese  sexuellen  Jugend- 
traumata  und  der  psychische  Mechanismus  der  Verdrängung  dieses 
affektbetonten  Vorstellungakomplexes  die  wirkliche  Ursache  ausge» 
s pro ch euer  psychischer  Störungen  sei,  wie  dies  Freud  in  seinen 
bekannten  Arbeiten  schon  frülier  für  die  Hysterie  und  in  diesem 
Jahre  Jung  für  die  Dementia  praecox,  0*  Groß  auch  für  einzelne 
aJTekti^e  Psychosen  und  Zwangözustände  darzutua  versuchen.  Wie 
bereits  im  vorigen  Jahr^  hat  Aschaffenburg  auch  dieses  Jahr  bei 
verschiedenen  Gelegenheiten  gegen  diese  Auffassung  Stellung  ge- 
nommen» ebenso  Weygandt  in  einer  eingehenden  Kritik  der 
JuDgschen  Arbeit,  und  von  g^-^näko logischer  Seite  hat  Sutter  die 
Bedeutung  der  Sexualsphüre  für  die  Hysterie  und  andere  Neurosen 
kritisch  und  maßvoll  erörtert.  Eine  weitere  Verbreitung  der  Freud- 
Jang  sehen  Auffassung  von  dem  Einäuß  der  Sexualsphäre  auf  Psy- 
chosen muß  namentlich  bei  vielen  mit  psychologischen  Forschungs- 
methoden  wenig  vertrauten  Aerzten  und  Laien  zu  falschen,  für  die 
Praxis  verhängnisvollen  Schlußfolgerungen  führen.  Daß  namentlich 
iji  den  Arbeiten  von  Jung  und  0.  Groß  neue,  auli erordentlich  inter- 
essanie  Analysen  des  Gedankengangs  psychotischer  Individuen  nieder- 
gelegt sind,  soll  daneben  nicht  bestritten  werden. 

Zur  direkten  mikroskopischen  Probeuntersuchung  des  er-  DingnoS 
krankten  Zentralnervensystems  sind  in  den  letzten  Jahren  ""**^^^^p**'^ 
zwm  Methoden  ausgearbeitet^  die  sich  auch  für  die  Diagnostik  der 
Psychosen  mehr  und  mehr  eignen,  tlie  Lumbalpunktion  und  die 
Hirnpunktion.  Ueber  die  erste  berichtet  in  diesem  Jahr  Fank- 
hauser,  die  Mheren  Ergebnisse  bestätigend.  Er  macht  aber  auf 
die  Schwierigkeiten  einer  exakten  Druckbestimmung  und  einer 
zahlenmä[iigen  Feststellung  der  Lymphozytenvermehriing  anfmerk- 
sam;  auch  die  von  Nissl  u.  a.  angegebenen  Zähluiethoden  sind 
nicht  absolut  einwandfrei.  Doch  bleiben  die  früheren  Kesultate 
bej5tehen,  daß  Paralyse  eine  ausgesprocliene  Vermehrung  des  Lympho- 
zytengehaites  bedingt ^  Lues  weniger  sieher.  Auch  I^onns  und 
Apelt  bestätigen  den  Befund  der  Lympbozytenvermehrung  bei 
Paralyse  und  fügen  als  weiteres  diiferential diagnostisches  Zeichen 
gegenüber  verschiedenen  Luesformen,  namentlich  auch  der  Syphilis- 
neurasthenie,  eine  exakt  ausgearbeitete  Methode  der  Eiweißbestim- 
mung  hinzu,  indem  sie  in  verschiedenen  Phasen  das  in  der  Spinal- 


Lumbal" 
[luuktion,  ] 


Eframer  und  Weber. 


j  Lumbil* 


Hirn- 
Punktion, 


flüssigkeit  enthaUeoe  Eiweiß    auBfallen.     Paralyse    imd   Tertiärlnes 
dea  Zentralnervensyatems  ßind  fast  durctwög  durch  Eiweiß  Vermeh- 
rung über  OjD  pro  Mille  ausgezeichnet,  während  diese  bei  Syphilis 
mit   späteren   neurasthenischen   Beschwerden   fehlt.     Damit   ist  för 
diese    so    häufig    vorkommeßde    Form    ein    wertvolles    differential- 
diagnoatisches   Hilfsmittel  gewonnen.     Neben   dem   manometrischen 
Druck,  dem  Zellen-   und  Eiweißgebalt  der  Spinalfiüssigkeit   ist  fiir 
die  Diagnose,  besonders  der  Paralyse,  wie  schon  oben  iS,  187)  er* 
wähnt,   auch   ihr   biologisches  Verhalten  ^   ihr   Gehalt   an   loetischen 
Antikörpern  wichtig  geworden  (Wassermann).    Die  von  Neißer 
zuerst  angegebene  Änbohrung  des  Schädels  durch  die  intakte 
Kopfschwarte   mit   dem   elektrischen  Bohrer  behufs  Entnahme  von 
Punktionsflüasigkeit    ist    ein    ebenso    einfacher  und    ungefährlicher 
Eingriff,   wie   die   Lumbalpunktion.     Pfeifer  hat  ausführlich  über 
ihre    Verwendung    zur    Diagnose    von    Himherderkranknngeii    be- 
richtet.    Es    gelingt   damit,    pathologiscbe   Prozesse   im    Subdural- 
raum    oder    ziemlich    genau    festzustellenden    Tiefen    des    Gehirns 
selbst   an    topographisch   lokalisierten   Stellen  nachzuweisen.     Atich 
diese  Methode  wird  uns^   wenn  noch  mehr  Erfahrungen   gesammelt 
sind,  zum  Nachweis  organischer  Psychosen  wertvolle  Dienste  leisten* 
—  Die  immer  wieder   mit    verfeinerten  Methoden  vorgenommene 
Nachprüftmg   des  Verhaltens  der  Pupillen  bei  Geisteskranken 
hat   zwar   die  Grundzüge   dieser  diagnostischen   Fragen  intakt   ge- 
lassen, aber  vielerlei  neue  Details  gebracht,  die  die  praktische  Ver- 
wertung  der    Pupülarsymptome    komplizieren.     Feststehend    ist   — 
und  Bach  und  B  u  m  e  k  e  betonen  dies  in  Beferaten  auch  in  diesem 
Jahr  wieder  mit   besonderem  T^acbdruck  — ,   daß   das  ^Bobertaon- 
sehe  Zeichen**,   die  reine  Lichtafarre  oder  reflektorische  Starre   der 
Pupillen,  wenn  aie  sicher  vorhanden  ist,   nur  für  Tabes  oder  Para- 
lyse spricht.   NurPilcz  hat  daneben  bei  Neurasthenie  transitorisch 
Lichtstarre  beobachtet  und  diese  Leute  auch  nach  Jahren  nicht  an 
Paralyse  erkranken  sehen.   Wichtig  ist  aber,  daß  die  heute  empfoh- 
lenen Untersuchungsmethoden  im  Dunkelzimmer  mit  starken  künat- 
liehen  Beleuchtungsquellen  vielfach  noch  Lichtreaktion  bei  Pnpillefl 
ergeben,  die  im  gewöhnlichen  Tageslicht  starr  sind;  es  liegt  bef 
diesen  Methoden  die  Gefahr  vor,  daß  man  die  fiir  die  Frühdiagnose 
der  Paralyse  so  wichtigen  Anfangsstadien  der  Pupillenträgheit  übei^ 
sieht     Für  die  Praxis  empfiehlt  sich   aus  diesem  Grund  doch   die 
Untersuchung   bei   Tageslicht,   die  besonders   hei   erregten  Geistes- 
kranken auch  rascher  vorzunehmen  ist;  der  Untersucher  lernt  dabeii 
seine  Ergebnisse  untereinander  zu  vergleichen  und  ihre  Bedeutung 


P^cbiatrie, 


191 


abzuschätzen.  Bach  macht  Boch  darauf  anfmerksaiUf  daß  die  reine 
LichtataiTö  und  die  „absolute  Starre"  (Lähmung  des  Liebt-  uud 
Äkkomodationsreßexes)  gar  nichta  miteinander  zu  tun  haben;  die 
absolute  Starre  ist  nicht  ein  weiter  fortgeachrittenea  Stadium  der 
isolierten  Liohtatarre;  sie  ist  deshalb  auch  nicht  so  charakteristisch 
für  Paralyse  wie  die  reine  Lichtstarre,  sondern  findet  sich  auch 
bei  anderen  Erkrankungen  ^  insbesondere  bei  der  Himlues  und  Ar- 
teriosklerose; auch  die  transitoriacbe  PiipiUenstarre,  die  häutig  im 
epileptiachen ,  sicher  aber  auch  gelegentlich  im  hysterischen  Anfall 
vorkommt,  ist  eine  absolute.  Weiter  wird  als  wichtiges  Kenn- 
Speichen  der  Faral3'se  auf  dte  Entrundung  der  Pupille  hingewiesen* 
Die  neuereu  Unters achungen  mit  der  Pupillen lupe  haben  zwei  wei- 
teren Phänomenen  eine  gewisse  diagnostische  Bedeutung  gegeben, 
dem  Fehleu  der  normalen  Pupillenunrahe  und  des  normalen  Psych o- 
refl6s:es  der  Pupille  bei  Dementia  praecox.  Trotz  der  gegenteiligen 
Besultate  von  Wassermeyer  hält  Bumcke  auf  Grund  neuerer 
Bdobachtungen  seine  Ansicht  aufrecht,  daß  bei  Dementia  praecox 
is  etwa  60%  das  normale  Spielen  des  Irisrandes  (Pupillenanruhe) 
und  die  Erweiterung  der  Pupille  auf  psychische  E-eijie  fehle;  das 
Symptom  könne  ÄWar  nicht  zur  Frühdiagnose,  wohl  aber  zur  Diffe- 
reatialdiagnose  wirklicher  katatonischer  Stuporzustände  gegenüber 
simulierten  Verwendung  tinden.  Die  Notwendigkeit  der  Anwendung 
eines  umständlichen  Instrumentariums  macht  diese  Unters uehungs- 
metbode  vorläufig  noch  fiir  die  Praxis  ungeeignet  Ein  häufiges 
Wechseln  in  der  Form  der  Pupille,  verbunden  mit  schwankender 
Intensität  der  Lichtreaktion  im  katatonischen  Stupor  beobachtete 
A.  Westphal  und  bemerkt,  daß  ähnliche  Störungen  der  Irisinner- 
vation  auch  bei  Hysterischen  außerhalb  der  AnfiUle  vorkommen 
können.  Das  zuerst  als  charakteristisch  für  chronischen  Alkohohsmus 
beschriebene  Qu  in  (^uaudsche  Phänomen  (die  Wahrnehmung  eines 
kurzen  stoßweisen  Krepitierens  zwischen  den  Phalangen,  wenn  die 
gespreizten  Finger  auf  die  Hand  des  Uutersuchers  gestützt  werden) 
ist  nach  sehr  sorgfältigen  Untersuchungen  von  Minor  ein  Zeichen 
verschiedener  hypotonischer  Zustände  und  kommt  bei  Tabes  und 
Hysterie  häufiger  als  bei  Alkoholismus  vor. 

Die  Grundlagen  unserer  Anschauungen  von  der  topographischen 
Lokalisation  einzelner  psychischer  Fähigkeiten  im  Gehirn  sind  die 
aphasischen  Störungen;  sie  haben  deshalb,  abgesehen  von  ihrer 
praktischen  Bedeutung^  immer  ein  theoretisohes  Interesse,  Die  neueren 
Fordchungen  auf  diesem  Gebiet  weisen  immer  mehr  darauf  hin,  daß  die 
eioEelnen  aphasischen  Störungen  nicht  durch  spezielle,  scharf  abge- 


PupiUea* 
atöruDg«!!  be' 

praecost  aud 
Hyäterie. 


Apbiisiet].] 


Cramer  und  Weber 


'Aplt»aiei].  grenzte  Herd erkrai^kuii gen  bedingt  werden,  sonderiL  daß  der  ganze 
SprachappEtrat  ein  großer  ^  besonders  ausgebildeter  Komplex  Ton 
Zentren  und  Bahnen  ist  und  anüerdem  einen  weaentliclien  Bestandteil 
des  ÄBBoziatio  na  Organs  überhaupt  bildet.  Die  einzelnen  klinischen  Bilder 
der  Sprachatörungen  sind  daher  mehr  durch  Intensität  und  Ana* 
dehnung  krankhafter  Frozeaaef  als  durch  eine  bestimmte  Lokaiiaa- 
tion  bedingt,  und  je  inteneiver  und  länger  weöentliohe  Teile  des 
Sprachapparatea  geschädigt  sind,  desto  mehr  "wird  auller  den  ein- 
zelnen Bprachfunktionen  auch  die  Fähigkeit  zum  intakten  Denken^ 
der  Intellekt  geschädigt.  Das  ist  im  weaentlichen  auch  die  neue 
Lehre  Maries,  wie  sie  Yon  Schlub  referiert  wird.  Der  Weg^ 
der  uns  für  die  Kenntnis  und  Analyse  der  höheren  Biodenfunk- 
tion  bei  aphasi sehen  Störungen  gewiesen  worden^  ist  in  den  letzten 
Jahren,  namentlich  durch  die  Arbeiten  von  Liepmann  und  Pick^ 
Äpra^ea.  mit  groliem  Erfolg  für  die  Apraxien  weiter  auagebaut  worden; 
kasuistische  Beiträge  haben  in  diesem  Jahr  dasu  Lewaudowsky 
und  Margnli^a  geliefert.  Diese  Störungen  des  Handelns  kommen 
zu  Stande  durch  Verlust  der  Be^egungs  Vorstellungen  im  ein  seinen 
oder  der  Z  iel  vor  stell  un  g ,  welche  vor  Auaführung  einer  komplizier* 
teren  Bewegung  gewissermaßen  ala  Generalidee  im  Gehirn  gebildet 
werden  muß;  sicher  stehen  die  Apraxien  mit  Erkrankungen  des 
Parietallappens  in  Verbindung  und  sind  also  bis  2u  einem  gewissen 
Grad  Herdsymptome.  Aber  ander era ei ts  sind  sie  in  vielen  Fällen 
das  Besultat  einer  komplizierten  Störung  der  assoziativen  Leistung  ■ 
und  werden  deshalb  auch  bei  Allgemein erkrankungen  des  Gehirns  ■ 
beobachtet  im  Zusammenhang  mit  allgemeinen  Störungen  der  Auf< 
merkeamkeit,  des  Gedächtnisses  etc.  Daß  auch  gan^  unabhängig 
von  Herderkrankungen  automatische  oder  reflektorische  Bewegungen 
durch  bewuIU  psychische  Vorgänge  beeinflußt  und  gestört  werden 
können,  zeigen  einige  interessante  Beobachtungen  von  Ä,  Pick* 
Wir  wissen  bereits  von  einer  ganzen  Anzahl  psychischer  Vorgänge, 

[Körptilicbe    daß   und  welche    körperlichen   Begleiterscheinungen    mit 
^^4^*^        ihnen  verknüpft  sind.    H.  Berg  er  hat  in  einer  Eeihe  wertvoller 

^aycbiBcber  Arbeiten  gezeigt,  daß  solche  körperliche  Aeußernngen,  inabesondere 
Zuitinde.  Veränderungen  des  Blutdrucks  und  der  Hirn  Zirkulation,  zur  objek- 
tiven Darstellung,  zur  Beobachtung  und  Messung  der  Intensität  und 
Dauer  dieser  psychischen  Prozesse  verwandt  werden  können.  Als 
ein  gelegentlich  auftretendes,  unheilvolles  Symptom  einer  langsam 
fortschreitenden  j  diffusen  organischen  Erkrankung  des  Nervenajatema 
achildern  Marchand  und  Olivier  die  subnormale  Temperatur 
Geisteskranken,  besonders  bei  Paralytikern, 


1 


i 


Pejcliiatrie, 


193 


Für  die  Uaterauchung  der  verachiedenen  Schwachsinns- 
2  u  st  an  de  genügt  bb  mcht^  sich  ganz  aUgamein  eineii  Begriif  von  der 
Urteilafähigkeifc  des  Krauken  zu  machen.  Auf  die  Wichtigkeit  der  Fest* 
Stellung  des  gesamten  geietigen  Inventars  eines  MeuBchen  hat  Bchon 
vor  Jahren  Rieger  aufmerksam  gemacht  und  dafür  ein  Unter- 
suchungsschema  angegehen.  Aus  der  Berliner  psychiatrischen  Klinik 
hat  jet^t  Henneher g  kurze  brauchbare  Methoden  veröffentlicht,  um 
den  Besitz  an  Vorstellungen,  die  Fähigkeit  davon  zu  assoziativen  Ver- 
knüpfungen und  zu  Urteilshildungen  Gebrauch  zu  machen,  objektiv 
festzulegen.  Gramer  hat  ähnliche  Methoden  zur  Feststellung  des 
geistigen  Inventars  der  Fürsorge  Zöglinge  angewandt,  Weygandt 
hat  gauK  aUgemeia  ein  Programm  zur  Anwendung  experimentell- 
psychologischer Untersnchungsmethoden  bei  schwachsinnigen  Kin* 
dem  aufgestellt.  Dazu  gehört  auch  das  ABSOziationsexperi- 
ment|  das  schon  länger  in  der  experimenteUen  Psychologie  ver- 
wandt wurde,  hauptsächhch  um  die  zeitliche  Verändening,  die 
Beschleunigung  oder  Verlangsamung  des  Vorstellungsablaufes  zn 
kontrollieren.  Jung  hat  jetzt  versucht^  damit  auch  einen  Einbhck 
in  den  Denkinhalt  des  Untersuchten  zu  gewinnen,  namentlich  Vor- 
fitellungs komplexe  zu  erschlielien ,  die  dem  Untersuchten  selbst  aus 
dem  BewuBtsein  gekommen  sind  oder  die  er  absichtlich  verbergen 
wilL  Diese  Versuche  gehen  von  der  Beobachtung  aus,  daß  der 
Durchschnittsmensch  auf  eine  Eeihe  von  vorgesprochenen  Worten 
gewöhnlich  mit  ziemlich  bestimmten,  seinem  Vorstellungskreis  an- 
gemessenen Assoziationen  reagiert;  auffallende  Abweichungen  von 
diesem  Heaktionstypus ,  namentlich  die  häufige  Wiederkehr  von 
Associationen,  die  auf  einen  bestimmten  Vorstellungskreis  hinweisen, 
deuten  an,  daß  hei  dem  Untersuchten  dieser  Voretellungs komplex 
eine  sehr  wichtige  Rolle  spielt,  daß  er  auch  gegen  seinen  Willen 
seinen  Gedankenahlauf  beeinflußt.  Die  praktischen  fichlußfolge- 
rangen,  die  Jung  und  mit  ihm  Bolte  für  die  Diagnostik  ans  diesen 
YeiBnchen  geigen  haben ^  scheinen  uns  allerdings  zu  weitgehend; 
816  berücksichtigen  zu  wenig  die  große  Bestimmbarkeit  der  Aaso- 
xiationen  durch  ganz  vorübergehende,  äußere  und  innere  Erlebnisse. 
Gegen  die  Verwertung  der  Jnngscheu  Assoziationsprüfung  bei  der 
Untersuchung  von  Angeschuldigten  erhebt  der  erfahrene  Kriminalist 
H.  Groß  Bedenken,  hauptsächlich  mit  der  Begründung,  daß  sich 
bei  jedem,  auch  dem  unschuldigsten  Menschen  gelegentlich  Vor- 
Btellungskomplexe  linden,  die  den  normalen  Aefloaiationsablauf  vor- 
übergehend  beeinflussen  können.     Bei  den  funktionellen  Psychosen, 

die  im  übrigen  zur  Ausheilung  gelangen,  bleiben  manchmal  Rest e^ 
JabrUdch  der  ffaktittchtn  Medizj»,    190B.  |g 


TnteUigiei 
prUfune 


Prüfungen. 


CrameT  tmd  Weber. 


Reiiditir* 


Früh- 
»ymptome. 


j;  Einzel- 
|gr»i|>löiaG. 


namentlich  Wahnideen,  aber  auch  motorische  Symptome  zurück,  die 
ychoo  Wernicke  als  solche  beschrieben.  Heilbronner  macht 
jetzt  wieder  auf  die  Bedeutung  dieser  Symptome  aufmerksam.  Er 
zaigtf  daß  solche  isolierte  Wahuideeo,  die  voq  einem  sonst  ausge* 
heilten  halluzinatorischen  Delirium  zarückbleiben ,  Anlaß  geben 
können  zur  ÄuBbilduug  von  Beziehuags Vorstellungen  und  za  einer 
paranoiaartigen  Erkrankung  ganz  anderer  Aetiologie  als  did  ur* 
sprüngliche.  Stoddart  versucht  eine  Erklärung  der  F  r  u  h- 
symptome  der  Geistesstörungen  aus  der  Individualentwick- 
lung; wie  hier  zuerst  die  einfachsten  motorischen  Aeußerungen  auf 
Keise  der  Außenwelt  eintreten,  im  Laufe  der  weiteren  Entwicklung 
aber  immer  kompliziertere,  dem  Willen  unterworfene  Handlungen 
sich  aasbitdeUf  so  verschwinden  bei  Beginn  einer  Geistesstdrnng 
zuerst  die  kompliziertesten,  auf  das  soziale  und  ethische  Handeln 
des  Menschen  gerichteten  Bestrebungen ,  und  an  ihre  Stelle  treten 
niedere  automatische  oder  Inst inkthandlun gen.  Er  führt  das  speziell 
für  die  Paralyse  aus;  eiue  allgemeine  Gültigkeit  können  wir  dieaejr 
Anschauung  jedoch  nicht  zuerkennen.  Eine  außerordentlich  viel- 
seitige Bearbeitung  hat  im  Berichtsjahr  die  Symptomatologie 
der  Hysterie  gefunden.  Sie  zeigen  von  neuem  die  Mannigfaltig- 
keit der  Symptome  bei  der  Hysterie  und  führen  namentlich  einzelne 
auf,  die  geeignet  sind,  die  Differentialdiagnose  gegen  organische 
Neurosen  su  erläutern.  Jakowenko  und  Mendicini  Bono  schil- 
dern eingehend  gewisse  körperliche  Störungen  rein  hysterischen 
Ursprungs:  Fieber,  Oedeme,  Hämoptoe,  tropbische  Störungen,  Pu- 
pilienstarre :  für  das  letztere  Symptom  bringt  auch  A*  Westphal 
wieder  sichere  Beobachtungen.  Bleib  treu  beschreibt  eine  lang- 
dauernde  Kontraktur  der  Mundmuskulatur,  die  den  Eindruck  einer 
Schwellung  und  rüeselartigen  Verdickung  der  Lippen  machte,  sieb 
aber  nach  dem  Erfolg  einer  Suggsstivbehandlnng  als  hysterisch  er- 
wies* Raviart  und  Dubar  schildern  motorische  und  senaorische 
Aphasien ,  die  in  Einzelsymptomen  nacheinander  hei  einem  Hyste- 
rischen auftraten  und  ganz  das  Bild  organischer  Himherderkran- 
kungen  boten.  Diese,  wie  die  Beobachtung  einer  reinen  subkorti- 
kalen sensorischen  Aphasie  einer  Hysterischen  durch  Knapp  zeigen^ 
daß  sämtliche  aphasischen  Symptome,  ohne  daß  ihnen  eine  orga- 
nische Erkrankung  zu  Grunde  liegt,  bei  Hysterischen  vorkommen 
können.  Dupr«j  und  Camus  beschreiben  Sensationen  unbestimm- 
ten Charakters^  die  nicht  dnrch  Neuralgien  bedingt,  aber  sehr 
quälend  sein  können  und  unter  Umständen  zu  ängstlichen  und 
hypoehondrischen   Vorstellungen   führen   können.     Ebenso    wie   bei 


ie  hat  die  neuere  Beobachtiuig  auch  bei  der  genuinen 
Epilepsie  zahlreiche  scheinbare  Herdsympteme  nachgewiesen, 
namentlich  in  Gestalt  isolierter  Reizerscheinungen  während  der 
Aura  oder  während  dea  Anfalles.  Binswanger  echildert  diese 
in  einer  kurzen  Zusammenfassung  und  betont  noch  einmal  scharf, 
dali  solche  Herdsymptome  nur  dann  für  eine  organische  Grundlage 
der  Epilepsie  zu  verwenden  eindj  wenn  sie  bei  jedem  Anfall  in  ge- 
setzmäßiger Weise  auftreten  ^  wenn  sie  eher  erscheinen,  als  die  alU 
gemeine  Bewußtseinsveränderung,  wenn  sie  ziemlich  rege! mä füg 
auch  von  Paresen  desselben  motorischen  Gebietes  gefolgt  sind,  und 
wenn  auch  in  der  anfallsfreien  Zeit  Innervation sstörungeu  in  dem- 
selben Gebiet  sich  nachweisen  lassen.  Auch  unter  diesen  Voraua- 
aetzungen  sollen  die  Herdsyraptome  in  Begleitung  der  echten  ge- 
nuinen  Epilepaie  nicht  zu  einem  operativen  Eingriff  ermutigen^  da 
die  übrigen  Symptome  eben  doch  eine  allgemeine  Geh  im  Veränderung 
voraussetze n,  die  durch  die  Operation  nicht  mehr  behoben  werden 
kann.  Daü  die  pori omanischen  Zustände,  die  bei  der  Epilepaie  auf- 
treten^  kein  einheitliches  Krankheitsbild  darstellen,  zeigt  Raecke; 
sie  stellen  zum  Teil  Handlungen  im  DämmerzustÄnd,  zum  Teil  den 
Ausfluß  einer  epileptischen  Verstimmung  ohne  Bewußtseinstrübung 
dar.  Bis  zu  einem  gewissen  Grad  können  sie  aber  von  den  porio- 
maniechen  Zuständen  der  Hysterie  abgetrennt  werden. 

In  einem  Aufsatz  über  Simulation  bemerkt  Xöppen  von 
neuem,  daß  Uebertreibung  einsselner  Krankheitsäußerungen  und 
selbst  völlige  Simulation  solcher  durchaus  ein  Kennzeichen  vieler 
psychopathischer  Zustande  ist  und  daß  der  Nachweis  der  Simula- 
tion einiger  Symptome  deshalb  noch  nicht  berechtigt,  das  Vorhan- 
densein einer  psychischen  Krankheit  überhaupt  auszuschließen.  Den 
Hysterischen  und  Entarteten  ^  die  er  hier  anführt^  könnte  man  auch 
noch  das  Jugendirresein  zufügen ,  bei  dem  unter  Umstanden  Nei* 
gung  zu  plumper  Uebertreibung  und  Simulation  gar  nicht  selten  ist. 

Die  Systematik  ist  von  jeher  ein  Schmerzenskind  der  klini- 
schen Psychiatrie  gewesen ,  und  noch  vor  kurzem  war  es  ao^  daß 
fast  jede  „Schule"  ihr  eigenes  System  und  eigene  Krankheit a- 
beseichnungen  hatte.  Hier  ist  insofern  eine  Besserung  geacha£Fen, 
ala  allmählich  das  Verständnis  der  auf  verschiedenen  Gebieten  und 
mit  verschiedenen  Methoden  arbeitenden  Kliniker  für  einander 
größer  wird.  Die  klinischen  Arbeiten  des  letzten  Jahres  weisen 
allenthalben  ein  Entgegenkommen  der  verschiedenen  Anschauungs* 
wetflen  auf.  Darüber  ist  man  sich  überall  einig,  und  das  betont 
aooh  Ziehen  neuerdinga  wieder,   daß  die  Krankheitohezetchnung, 


Herd- 
gyraptome. 


Simulaila 


Abgreuzup 

uud 

Orup|iieriuiB 

einzelner 

bilder. 


ibgronzung    die  ,, Etikette",  die  man  einem  KraEkheitebild  gibt^  von  der  gemg- 

tind         gten    Bedeutung    ist    gegenüber    der    erschöpfenden    Festetellong 

elu^elner     *^U6r  Teilers cheinun gen  der  Erkrankung»    Der  diesen  Fragen  femer- 

KniokheitS'  stehende,  nicht  psjcbiatriech  geschulte  Ar^t  wird  über  die  Mannig- 
bilder.  faltigkeit  der  psychiatrischen  Nomenklatur  und  ihren  Fluß  lächeln; 
er  übersieht  dabei  aber,  daß  die  Grundlagö  der  klinischen  Psych- 
iatrie, eine  vollkommene  Hirnpathologie^  noch  nicht  besteht  und  daß, 
selbst  wenn  diese  vorhanden  ist,  die  Individualität  der  geistigen 
Anlage  eine  viel  bedentsamere  Koile  spielt,  als  die  individuelle  An- 
lüge etwa  auf  dem  Gebiet  der  Lungen-  oder  Hers^erkrankungen. 
Zwei  Bestreb un gen  kommen  in  der  klinischen  Psychiatrie  immer 
wieder  zum -Ausdruck:  einmal  der  Wunsch^  diejenigen  Krankheiten 
«uaamoienzugruppieren ,  die  in  Bezug  auf  Yerlauf  und  Ausgang 
möglichst  gleichartig  sind,  weil  ja  der  praktische  Gesichtspunkt 
der  Prognose  eminent  wichtig  ist.  Diese  E.ichtung  wird  natur- 
gemäß immer  in  ganz  besonderem  Maße  die  Aetiölogie  der  Er- 
krankung, die  Aufeinanderfolge  der  einseinen  Phasen  und  ihre 
Häufigkeit  berücksichtigen.  Die  andere  Bichtung  hat  den  Wunsch, 
eine  möglichst  eingehende  Analyse  des  psychischen  Zustand sbildes 
anzustellen^  um  Elementarsymptome  zu  ermitteln^  ihr  Auftreten  und 
ihre  Gruppierung  in  anderen  Ztistandshildern  festzustellen  nnd  sie 
womöglich  auf  bestimmte  Störungen  der  Himfunktion  zurücksn* 
führen^  auch  das  gesetzmätJige  Auftreten  der  Elementar  Symptome 
wird  Fingerzeige  für  die  Prognose  geben,  Pas  Bestreben,  diesen 
beiden  Eichtungen  gerecht  zu  werden  ^  finden  wir  z.  B.  in  dem 
schon  eingangs  erwähnten  Lehrbuch  der  Psychiatrie  von  Bins- 
wanger  und  Biemerling.  Hier  hat  Roche  das  am  meisten 
strittige  Gebiet  der  mit  frühzeitiger  Verblödung  einhergehenden 
Psychosen,  die  sogen.  Dementia  praecox,  bearbeitet  und  ver* 
sucht,  sie  in  den  Eahinen  der  anderen  Systematik  aufzunehmen; 
das  Gemeinsame  der  verschiedenartigen  Bilder^  die  unter  diesem 
Namen  zusammengefaßt  werden,  sieht  er  darin  ^  dati  die  Krankheit 
sich  in  der  Pnbertat  oder  doch  in  der  ersten  Lebenshälfte  ent- 
wickelt und  daß  sie  in  eine  geistige  Schwäche,  allerdings  verschie- 
denen Grades,  ausgeht  Ein  Gedanke  Gramers  über  die  ge- 
meinsame Grundlage  der  in  der  Pubertät  beginnenden  Psychosen, 
wird  von  R  i  z  o  r  weiter  ansgefuhrt :  aUe  diese  Psychosen  sind 
Erkrankungen  eines  zwar  nicht  mehr  kindlichen  Gehirns ,  aber 
eines  solchen,  das  noch  nicht  die  Reife,  Vielseitigkeit  und  Ver- 
tiefung der  Eindrücke  besitzt,  wie  das  des  Erwachsenen.  Deshalb 
tragen  alle  diese  Psychosen  einen  Zug  des  Unfertigen,  Exzentrischen^ 


P^chmtrie. 


107 


EmBeitigen  und  Monotonen  an  sich,   denselben  Zng^   der  auch  den 
Geisteezastand   und   das  Verhalten   des  gesunden  Menschen   in   der 
Pabertüt  anszeichnet.    Je  nach  der  Intensität  des  um  diese  Zeit 
einwirkenden   Krankheitsprozesses   kommt   es   dann  zu   einem  ein* 
fachen  Stillstand  der  Entwicklung,  so  daß  die  Psyche  auf  dem  Zu- 
stand  der  Pubertät   verharrt  oder  zu  Attacken ,   welche   eine  noch 
weitergehende  Schädigung  oder  nur  eine  Verlangsam ung  der  gei- 
stigen Entwicklung  zur  Folge   haben   können.     Thomsen    hat   die 
Momente   zusammengestellt  ^   die   es    gestatten  ^   namentlich   bei   Er- 
krankungen im  jugendlichen  Alter,    diese  echten,  meist  zu  einem 
ungltnstigen    Ausgang    führenden    Hebephrenien    von    den    reinen 
Affektpsychoseo ,  die  unter  dem  Bild   der  Melancholie  oder  Manie 
wenigstens    im   einmaligen   Anfall   günstig   verlaufen,  abzugrenzen. 
Diese    praktisch    wichtige  Abgrenzung    der   Jugendirreseinsformen 
gegen   die  rein   affektiven  Psychosen   wird   man   festhalten  müssen , 
auch  wenn  die  Unter briugung  und  Klassifikation  der  letzteren  immer 
wieder   durch   neuere   Foi'schungen   verändert   wird.     Durch   einige 
Arbeiten  des  letzten  Jahres,  namentlich  von  Westphal,  Kölpin, 
Hubnerj  Dreyfus^  ist  allerdings  ein  gewisser  Abschluß  in  dieser 
Frage   erreicht,   tmd    man    kann    zusammenfassend   folgendes    dazu 
sagen:  Schon  seit  längerer  Zeit  ist  man  gewohnt,  das  Sjmptomen- 
bild  der  ^^Manie"    nicht   als   eigene  Erkrankung  aufzufassen,   son-    MelauüMii 
dem   als   eine   Phase  ^    die    zu   einem   läogeren ,    über    eine   größere     ""''  ^^^^^^ 
Lebensepoche  verlaufenden  Prozeß   gehört,  der  sich,  unterbrochen 
durch    Zeiten    völliger   Gesundheit,    bald    in    depressiven,    bald    in 
manischen  Attacken  äuliert.  Diesen  Prozeß  bezeichnet  man  je  nach 
der    Verlaufaform    als    periodische    oder    zirkuläre   Psychose   oder 
lEraepelin)   als    manisch-depressives    Irresein.     Kraepelin   hat 
seit  Jahren  schon   za  dieser  Gruppe    auch    die    allermeisten  Fälle 
von  Melancholie  hinzugerechnet,    weil  auch  hier  häufig  Rückrälle 
vorkommen;   ausgenommen  hat  er   nur   die  Melancholie   des  Rück- 
bildungsalters, die  er  als  selbständige  Krankheit  auffaßt.     In  einer 
in  diesem  Jahre   erschienenen  Arbeit  hat  Dreyfue  auch  fUr  dies© 
Fälle   Züge   nachgewiesen,   die    sie    unter    den  Sammelbegriff  des 
manisch-depressiven  Irreseins  fassen,  und  Kraepelin  hat  sich  dieser 
Auffassung  angeschlossen,   die  auch  von  der  Bonner  Klinik  {^üb- 
ner)  vertreten  wird.    Mit  der  Bildung  einer  so  großen  Krankheita* 
gruppe,   die  so    verschiedenartig    aussehende  und   verlaufende   Zu- 
standsbilder    enthält,    ist    allerdings    der   Zweck,  den   Kraepelin 
ursprünglich  damit   verfolgte,   die  in   ihrer  Prognose  gleichartigen 
Bilder  zusammenzufassen^   zum  Teil  illusorisch  geworden.    Für  die 


ietaiicholie 


Axnentia. 


piltpiie, 


I  Hysterie. 


Melancholie  z.  B.  liegen  die  Verhältnisse  in  der  Praxis  jetzt  wie 
früher^  denn  der  Name  tut  nichts  zur  Sache.  Ein  mit  Verstimmung, 
Angst,  Hemmung  des  VoratellungsablaufeB  emhergehendes  Krank- 
heitsbild  können  wir  Melancholie  oder  manisch- depressives  Irreeein 
nennen  und  wissen  dabei,  da0  das  gegewärtigen  Ztistandsbild  in  den 
meisten  Fällen  zur  Heilung  kommt,  daß  aber  solche  Personen  im 
späteren  Leben  wieder  —  entweder  an  einer  depressiven  oder 
manißchen  Psychose  —  erkranken  können.  Auch  Ziehen  vertritt  in 
seiner  neuesten  Publikation  diesen  Standpunkt  und  gebraucht  für 
die  genannte  Erkrankung  den  alten  und  geläufigen  Ausdruck  Me< 
lancholie.  Äncb  die  im  Klimakterium  auftretenden  Psychosen  sind, 
wie  Berg  er  an  einem  größeren  Material  festgestellt  hat,  der  Mehr- 
zahl nach  solche  Melancholien,  die  allerdings  meist  einen  ungünstigen 
Verlauf  nehmen,  unter  den  akuten,  funktionellen  Psychosen,  die 
man  von  den  beiden  erwähnten  abtrennen  kann,  ist  besonders  die 
A m e n t i a  hervorzuheben,  für  die  Btransky  wieder  in  einer  Publi- 
kation eintritt;  sie  zeichnet  sich  durch  eine  exogene,  auslösende 
Ursache,  das  Vorwiegen  intellektueller  Störungen,  Hallnzinationen 
oder  Inkohärenz  und  den  meist  günstigen  Ausgang  ans.  Die  Grup- 
pierung  der  Epilepsie  ist  in  diesem  Jahr  in  einem  Beferat  auf 
der  Versamirlung  der  deatschen  Irrenärzte  von  Alzheimer  und 
Vogt  behandelt  worden.  Das  Ergebnis  dieses  Referats  und  der 
daran  anflchließ enden  Diskoasion  ist,  daß  wir  immer  noch  eine  ^oße 
Gruppe  von  epileptischen  Erkrankungen  als  genuine  Epilepsie  un- 
bekannter Genese  bezeichnen  müssen;  auch  die  hier  gefundenen 
anatomischen  Veränderungen  geben  keinen  Schlüssel  für  die  Enl> 
ßtehung  der  Krankheit.  Ihnen  gegenüber  stehen  erworbene  Epi- 
lepsien, die  durch  Vergiftungen  (Blei,  Alkohol),  Syphilis,  Arterio- 
sklerose oder  flirnherderkrankungen  entstanden  sind.  Die  Aufgabe 
der  klinischen  und  anatomischen  Forschung  ist  es,  das  Gebiet  der 
genuinen  Epilepsie  mehr  und  mehr  einzudämmen  und  die  ätiologischen 
Faktoren  des  einzelnen  Falles  zu  ermitteln.  Ein  solcher  ätiologi- 
scher Faktor  wird  in  einer  Untersuchnng  von  Bratz  zur  Abgren- 
zung einer  Gruppe  der  echten  Epilepsie  verwandt.  Hier  handelt  es 
sich  um  endogen  veranlagte,  namentlich  mit  vasomotorischen,  Der- 
vösen  Störungen  behaftete  Individuen,  bei  denen  echte  epileptische 
Anfälle  nur  nach  affektiver  Erregung,  unter  dem  Einfluß  von  Angst, 
Aerger  oder  Furcht  auftreten ,  während  sie  in  der  Huhe  des  An- 
ötaltslebens  verschwinden*  Äehnlich  wie  die  Epilepsie  ist  anch 
zweifellos  die  Hysterie  ein  Sammelbegriff  für  ganz  verschieden- 
artige Krankheitszustände ,   die    aber  die  neuere   Erkenntnis  mehr 


pBjcliiatrle. 


199 


I  und  mehr  als  rem  psychisch  bedingt  auffaßt*  Bas  *geht  auch  au8 
'  der  neuesten  Bearbeitung  dieser  Krankheit  durch  Gramer  hervor, 
f  und  das  zeigt  auch  die  Zusammenstellung,  die  Baecke  von  den 
bjsterischea  Psychosen  gegeben  hat.  Die  hysterischen  Oeistesstö* 
rungen,  so  mannigiultig  sie  sind,  wurzeln  doch  alle  in  der  elemen- 
taren hysterischeo  Veränderung  des  YorstelluiDgslebeDs ;  sie  sind 
*  nicht  als  zufällige  Komplikationen  der  Hysterie  aufzufassen.  Aehn- 
liche  Elemente  linden  sich  auch  bei  den  psychischen  Epidemien, 
namentlich  der  Schulkinder,  die  Dix  in  diesem  Jahr  zusammen- 
fassend Bebildert,  Daneben  zeigt  H eil p ach  in  einem  geistreich 
geschriebenen  Essay,  wieviel  psych opathis che  Bestandteile  ganz  all- 
gemein  die  geistigen  Epidemien  enthalten.  Unter  dem  Einfluß  der 
Lehren  Magnans  hat  man  eine  Zeitlang  den  Einfluß  der  Ent* 
artung  auf  die  Bildung  spezifischer  Psychosen  überschätzt  und 
eine  zu  grode  Anzahl  verschiedenartiger  geistiger  Störungen  einfach 
als  Entartungsirresein  bezeichnet;  man  hat  später  gesehen,  daü  sehr 
viele  dieser  Fälle  Dichts  anderes  sind  als  Episoden  einer  in  ein- 
zelnen Attacken  verlaufenden,  selbständigen  geistigen  Erkrankung, 
oameutlich  der  Dementia  praecox  und  des  maniscb*depressive]i 
Irreseins,  die  vielleicht  nur  durch  die  degenerative  Grundlage  eine 
besondere  Färbung  erhielten.  Daß  trotzdem  noch  eine  Anzahl  von 
Fällen  übrig  bleiben,  die  sich  nicht  unter  die  obigen  Gruppen,  auch 
nicht  unter  die  Hysterie  unterbringen  lassen,  sondern  bei  denen 
der  degenerative  Charakter  die  Grundlage  und  die  Bichtuiig  einer 
vorübergehend  oder  dauernd  auftretenden  Psychose  ist,  zeigt  Bon- 
höffer.  Er  stellt  hier  3  Grupiien  von  Kranken  auf:  solche,  bei 
denen  die  degenerative  Labilität  der  psychischen  Anlage  gelegent- 
lich so  weite  Ausschläge  macht,  daß  paranoische  Episoden  zu 
etande  kommen,  solche^  bei  denen  von  Jugend  auf  schon  eine  stark 
verschrobene  Anlage  besteht,  die  schließlich  zu  einer  ausgesproche- 
nen Paranoia,  häufig  unter  dem  Bild  des  Querulantenwahns  flihrt; 
endlich  Fälle,  bei  denen  das  charakteristische  Degenerationssymptom 
die  Labilität  des  Persönlichkeitsbewußtseine  ist  und  gelegentlieh  zu 
einer  eigenartigen  Wahnentwicklung,  auch  zu  eigenartigen  Bewußt^ 
teinstörungen ,  wie  man  sie  sonst  nur  bei  Hysterie  findet,  führen 
kann.  Auch  Gramer  hat  das  degenerative  Moment^  das  er  als 
endogene  Veranlagung  bezeichnet,  zur  Abgrenzung  einer  Gruppe 
der  ,, endogenen  Kervosität^^  verwandt,  deren  Fälle  gemeinschaftliche 
Züge  auf  psychischem  und  nervösena  Gebiet  und  namentlich  auch 
in  Bezug  auf  Heilung  und  Eückfälle  die  gleiche  ungünstige  Prognose 
haben.    Namentlich  in  diesem  letzteren  Punkt  unterscheidet  sieh  die 


Entartung 
uitd  -iieuroi 


200 


Gramer  und  Weber, 


r&ychischer 


endogene  Nervosität  C  r  a  m  e  r  a  wesentlich  von  der  echten  Nenr- 
asthenie,  die  ohne  diese  degenerative  Anlage  durch  schwere  Bcbl" 
digungen  des  Nervensystema  entsteht.  Das  Liebling^buch  der 
Laienweltj  die  Psychopathie  sexualis  Krafft-EbingSi 
hat  itn  vergangenen  Jahr,  eine  Neubearbeitung  gefunden;  ange- 
sichbs  de^  vielen  Unheils  ^  das  dieses  Buch  bei  normalen  und 
psychopathischen  Individuen  schon  angerichtet  hat^  können  wir 
diese  Tatsache  nicht  besonders  freudig  begrüßen^  zumal  es  sich  bei 
der  Neubearbeitung  mehr  um  eine  Vermehrung  interessanter  nnd 
pikanter  Kasuistik  als  um  wirklich  neue  wissenschaftliche  Gesichte- 
punkte  handelt.  Das  gilt  übrigens  in  derselben  Weise  für  die  Mehr- 
zahl der  literarischen  Produktionen  auf  dem  Gebiet  der  ,,  Sexual- 
wissenschaft'^;  die  möglichst  breite  Erörterung  der  psychischen 
Vorgänge  bei  Geschlechtshaodlungen  ist  durchaus  nicht  immer 
Wissenschaft,  auch  dann  nicht,  wenn  die  interessantesten  Stellen 
lateinisch  abgefaßt  sind.  Aus  dem  großen  Gebiet  des  angeborenen 
Schwachsinns  werden  durch  sorgfttltige  ätiologische  und  klinische 
Forschungen  immer  neue  und  verschiedenartige  Gruppen  als  selb- 
ständige Krankheitsbilder  ausgeschieden  ^  so  namentlich  die  mongo- 
loide  Idiotie  (Bourneville,  H,  Vogt),  die  sich  durch  ihren  äußeren 
Hahitus,  yielleicht  auch  durch  eine  besondere  Aetiologie  und  Verlauf 
auszeichnet.  Vogt  liat  auch  gezeigt,  daß  bei  einzelnen  dieser 
Gruppen  ein  charakteristischer  pathologisch*  an  atomisch  er  Befand^ 
namentlich  in  Gestalt  von  Nervenaellenerkrankungen  zu  gewinnen 
ist  Als  psychischen  Infantilismus  hat  Gaspero  nach  dem 
Vorgang  von  Lasögue,  Anton  u,  a.  eine  Entwicklungshemmung 
beschrieben,  welche  zu  einem  Bestehenbleiben  des  körperlichen  und 
psychischen  kindlichen  Habitus  in  einem  Lebensalter  führt,  welches 
die  Kindheit  bereits  überschritten  hat;  die  Entwicklungshemmung 
steht  teilweise  in  Zusammenhang  mit  Schilddrüsenstörungen  (Myx- 
infantilismus )  und  kommt  zum  anderen  Teil  durch  verschiedenartige 
endogene  und  exogene  Schädigungen  zu  stände  (dysti^ophischer  In- 
fantiiiömuBl.  Je  seltener  neuerdings  das  klassische  Bild  der  Para- 
lyse wird,  um  so  häufiger  sehen  wir  diese  Erkrankung  atypisch^ 
namentlich  protrahiert  verlaufen  und  Mitteilungen  über  Paralysen 
von  abnorm  langer  Daner^  besonders  weitgehender  Remission  mehren 
sich.  Daher  ist  diese  Frage  in  einem  Referat  auf  der  Versammlung 
bayrischer  Psychiater  von  Gaupp  und  Alzheimer  wieder  geprüft 
worden.  Die  Referenten  fiüden  an  einem  großen  Material  aus  sämtlichen 
bayrischen  Anstalten,  daß  die  Fälle,  in  denen  eine  Paralyse  wirklich 
mi  einem  völligen,  bis  zum  Tod  aus  anderer  Ursache  dauernden  Still- 


Psych  iattie. 


201 


stand  gelangt,  außerordeDtlich  eelten  sind;  man  kann  deshalb  noch 
nicht  von  eiöem  sicheren  Vorkommen  einer  stationären  Paralyse 
reden.  Dagegen  hat  die  Untersuchung  ergeben^  daß  auch  unter  den 
Paralysen,  die  nnter  ganx  gewöhnlichem  khnischem  Bild  beginnen, 
Pälle  von  anßerordentlicb  langer,  oft  von  retrahierter  Verlauf sdauer 
sind  und  daß  ea  außerdem  noch  sehr  viel  atypische  Paralyseformen 
gibt.  Offenbar  gibt  es  hier  auch  Uebergangsformen  —  eine  Beob- 
achtung von  Stransky  spricht  dafür  —  zu  dem  Bild  diffuser  Ar- 
teriosklerose^ und  wir  werden  weitere  Zlämng  dieser  klinisch  außer- 
ordentlich interessanten  Fälle  nur  durch  sorgfältige  pathologisch* 
anatomische  Untersuchungen  erwarten  können.  Daß  solche  abnorme 
Verlaufsformen  auch  bei  anderen  Psychosen  vorkommen  können,  lehrt 
eine  Beobachtung  von  Schäfer;  hier  handelt  es  sich  um  einen  Arzt, 
der  an  schwerer  Form  der  Dementia  praecox  erkrankt,  Ib  Jahre 
scheinbar  völlig  verblödet  ist,  dann  gesund  wird,  seine  Praxis  wieder 
aufnimmt  und  heiratet.  Leider  haben  wir  gerade  bei  dieser  Er- 
krank nng  noch  kein  Zeichen,  das  uns  schon  frühzeitig  einen  solchen 
Verlauf  vermuten  läßt;  aber  diese  Pälle  zeigen,  wie  vorsichtig  man 
mit  der  Diagnose  „Verblödung'*  sein  muß.  Ein  gute  Zusammen- 
stellung prognostischer  Gesichtspunkte  gibt  eine  englische  Arbeit  von 
ürquhart,  ohne  wesentlich  Neues  zu  bringen. 

Auf  dem  Gebiet  der  Behandlung  der  Psychosen  eröffnet 
vielleicht  die  bakteriologische  und  Serumforschung  und  die  biologisch- 
chemische Analyse  für  die  Zukunft  doch  neue  Wege^  wenn  wir  auch 
den  Optimismus  englischer  Autoren  (z*  B.  Shaw)  noch  nicht  teilen 
können.  Aber  wir  haben  ja  bereits  auf  einem  verwandten  Gebiet 
vorBügliche  Erfolge  mit  der  Thyreoideabeh  and  lang  bei  allen  Pormen 
des  Kretinismus,  über  die  Wagner  von  Jauregg  auch  in  diesem 
Jahr  wieder  einen  günstigen  Bericht  liefert.  Vielleicht  geben  auch 
die  Peststellungen  über  die  Beziehungen  der  Paralyse  zu  Trypano- 
somenerkrankungen  in  Zukunft  Mittel  an  die  Hand;  das  bei  letz- 
teren so  brauchbare  Atoxyl  scheint  allerdings  nach  dem  Bericht 
Spielmeyers  wenig  erfolgreich  zu  sein.  Unter  den  arzneilichen 
Behandlungsmitteln  steht  im  Vordergrund  wieder  eine  reicUUche 
Literatur  über  Narkotika  und  Schlafmittel;  die  meisten  Mit- 
teilungen sind  aber  über  das  Stadium  der  ersten  Versuche  mit  den 
neugeschaffenen  Präparaten  noch  nicht  hinausgekommen;  ein  Prä- 
parat, das  sich  zu  halten  scheint  und  gute  Erfolge  ohne  besondere  schäd- 
liche Nebenwirkungen  hat,  ist  das  Verona!  (Diäthylbarbitursäure), 
das  von  Schepelmann  auch  bei  der  Behandlung  der  Seekrank- 
heit empfohlen  wird.    Eine  übersichtliche  Darstellung  aller  neueren 


Dementi»! 
praecox. 


Behandlunii 
der  Paychoaen : 


Narkotika  tindl 
ScMafmitt 


202 


Gramer  nnü  Weber. 


ilTbottka  und 
JmitteL 


Omtetik, 


Petiändlatig 
den 

brphiuiamus. 


Eptlepsfe- 
l)eli(LiidIiiiig, 


Narkotika  gibt  Fuchs.  Von  einigea  ÄutoreE  wird  bei  dar  Behand- 
lung nervöser  and  psychischer  Erschöpfungszustände  Bomyval  sehr 
warm  empfohlen  (Branchiai,  Dammann);  eine  mehr  als  sym- 
ptomatische Wirkung  haben  wir  bei  seinem  Gebrauch  nicht  wahr- 
nehmen können.  Mehr  Erfolg  für  die  Besserung  des  GrundJeideDs 
scheinen  hei  zahlreichen  konstitutionellen  Fsychopatbieo  diätetiscbi 
Maßregeln  zu  bringen,  namentlich  an  der  Hand  sorgfältig  kontrd- 
lierter  Stoffwechselversuche.  Hier  sei  auf  die  Erfolge,  die  Alt  bei 
den  Basedowpsychosen  erzielt  hat,  hingewiesen,  femer  auf  die  Bes- 
sern d  gen  von  hartnäckigen  endogenen  Nervositäten  bei  einer  &or|* 
f alt  ig  ausgewählten  diätetischen  Behandlung ,  die  Gramer  in 
seinem  Buch  über  Nervosität  vorschreibt.  Auch  die  manm^altigen 
und  variablen  psychischen  Bilder  hei  der  Arteriosklerose  der  Hirn* 
gefäEie  sind  noch  in  ziemHch  vorgeschrittenen  Stadien  durch  eint 
Regelung  der  Diät  gut  zu  beeinflussen  (Gramer)»  —  Ueber  Behand- 
lung  des  Delirium  tremens  Hegen  drei  Publikationen  vor 
(Ganser,  Eichelberg,  Aufrecht).  Das  Fazit  daraus  ist,  daß  äber< 
einstimmend  bei  unkompliziertem  Delirium  tremens  sofort  der  Alkabol 
entzogen  wird  mit  gutem  Erfolg,  den  wir  bestätigen  können.  Bei 
Komplikationen  mit  chirurgischen  Erkrankungen  oder  Pneumonie 
werden  Alkoholika  empfohlen;  Ganser  und  Eichelherg  legen  neben- 
bei großes  Gewicht  auf  Herzmittel ,  Koffein ,  Strophantus,  Digitalis 
und  empfehlen  möglichst  fortgesetzte  Bettruhe  und  Wachsaalaufent* 
halt,  während  sie  vor  hydrotherapeutischen  Maßregeln  warnen.  Die 
Behandlung  Auf  rechts  weicht  nur  insofern  von  der  geschilderten 
ab,  als  er  von  vornherein  ziemlich  große  Dosen  Chloralhydrat  aar 
Beruhigung  gibt.  Auch  uns  scheint  ebenso,  wie  den  beiden  oben- 
genannten Autoren,  eine  konsequente  Darreichung  von  Karkotixiä 
nicht  erforderlich  zu  sein.  Immerhin  können  hier  Unterschiede  im 
Krankenmaterial  vorliegen.  Sehr  mit  Recht  wird  eine  ansgiebiLrc 
Diurese  durch  Verabreichung  großer  Mengen  eines  leicht  angfc= 
Bäuerten  Erfrisch ungagetränk es  geraten.  —  Eür  die  B  e  h  a  n  d* 
lung  des  chronischen  Morphinismus  bewährt  sich 
nach  unseren  Erfahrungen  ^  genau  wie  beim  Delirium  tremens, 
ebenso  die  sofortige  Abstinenz^  natürlich  eine  ausreichende  Be- 
wachung vorausgesetzt.  Wir  halten  deshalb  die  von  Stragman 
empfohlene  Behandlung  mit  A tropin  und  Strychnin  für  überflüBsig.  *- 
Auch  in  der  Epileptikerbehandlung  gewinnen  die  diätetiscbon 
Grundsätze  immer  mehr  Bedeutung  j  namentlich  bei  Fällen  jugend- 
licher Epilepsie,  die  man  jetzt  wohl  allenthalben  nach  einer  sorg* 
ialtigen  Stoffwecbselbeobachtting  in  dieser  Weise  behandelt.     Da- 


neben  sind  ar^neiüche  BehandlungBinittel  nicht  völlig  zu  entraten, 
imd  unter  ihnen  behalten  die  altbewährten  Bromsalze  immer  noch 
die  erste  Stelle ;  B  e  n  n  i  o  n  rät  sehr  zur  Verwendung  von  Strontium- 
bromidf  das  die  Anfälle  sehr  gut  beeinflutH  und  wenig  unangenehme 
Nebenwirkungen  habe.  Eine  gute  Ueberaicht  über  die  Gesamtheit 
der  Epilepsiebehandlung  gibt  Bökel  mann. 

Gegenüber  der  Diätetik  und  der  medikamentösen  Behandlung 
muß  bei  den  eigentücheu  Psychosen  die  Psychotherapie  sich  auf 
das  Fernhalten  schädlicher  Heize  beschränken.  Und  auch  auf  dem 
Gebiet  der  Neurosen,  der  Hysterie,  der  Psychopathien  können  wir 
dem  Standpunkt  einzelner  Publikationen  nicht  zustimmen,  die  von 
einer  rein  psych  lachen  Therapie  durchschlagende  Erfolge  erwarten. 
Namentlich  können  uns  auch  die  neueren  Veröffentlichungen  nicht 
für  die  Freudsche  Methode  der  Besprechung  unterbewußter  sexueller 
Xomplexe  begeistern;  es  muß  nochmals  auf  die  Warnungen  A  schaff  en- 
burgs,  Weygandts  u.  a.  vor  diesem  Verfahren  hingewiesen  wer- 
den, (Jramer  glaubt  auch  der  Hypnose  in  den  allermeisten  Fällen 
6titrat6u  zu  können^  während  er  von  der  Wach  Suggestion  ausgiebigen 
Gebrauch  macht.  Eine  gute^  kritische  Darstellung  der  Hypnose  und 
ihrer  Bedeutung  als  Heilfaktor  gibt  Foreh  Auch  in  der  Arbeit 
von  Savill  wird  eine  maßvolle  Anwendung  der  psychotherapeuti- 
schen Methoden  bei  der  Hysterie  empfohlen  und  darunter  als  wich* 
tigstes  die  EntfernuDg  aus  der  gewohnten  Umgebung  und  die  Fern- 
haltung äulierer  Reize,  das  isolement  psychique  der  Franzosen.  Auch 
Crummond empfiehlt  diese  psychische  Isolierung  der  Neurastheniker 
kombiniert  mit  einer  Erziehungsbehandlung  ^  der  gegenüber  alle 
körperlichen  Heilmittel  nur  Teilfaktoren  sind.  Für  die  Behandlung 
geistesechwacher  Kinder  werden  in  dem  Aufsatz  eines  Lehrers 
(Landmann)  wertvolle  Gesichtspunkte  aDgegeben ,  die  vor  allem 
ftifiea  in  einem  Eindringen  in  die  Individualität  des  Kindes.  Ob 
daEU  aber,  wie  Verfasser  meinte  der  komplizierte,  wenn  auch  wissen* 
ßchaftljch  scheinende  Weg  über  eine  Analyse  und  Einteilung  der 
IdeenasBoziationen  erforderlich  ist^  erscheint  uns  zweifelhaft  Die 
Gesetze  der  IdeenaBsoziation  sind  doch  noch  sehr  wenig  feststehend, 
da  wir  den  Einfiull  von  ZufiiUigkeiteo  noch  zu  wenig  kennen;  den 
ganj^n  pädagogiächen  Plan  auf  sie  zuzuschneiden,  könnte  zu  einer 
sehr  äußerlichen  und  schematischen  Handhab uug  der  Heilbehandlung 
fUiuren.  Die  Pädagogik  hat  so  viele  gute  Gesichtspunkte  und  Me- 
thoden, daß  sie  nicht  dea  psychologischen  Mäntelchens  bedarf ,  um 
mit  Erfolg  zu  arbeiten. 

DieBehandlung  der  Schwachsinnigen,  geistig  Minder- 


wertige* 
Fürsos-ge- 
erxieliung* 


Behwach-  wertigen  und  derFürBorgepfteglinge  sjatematiBch  za  regeln, 
•lirtijgo  und  ^fd  jetzt  überhaupt  von  den  vergoliiedensten  Seiten  angestrebt, 
der  deutsche  Verein  für  Psychiatrie  bat  im  vorigen  Jahr  dazu  wied<er 
Stellung  genommeUt  undWeygandt  hat  den  heutigen  Stand  dieser 
Frage  in  einem  umfaaBendeu  Keferat  bearbeitet.  Seine  Hauptforde- 
rung ist  die  VerataatlichuDg  und  VerärztJichuug  der  Anstalten. 
Seine  Gründe  siud  zwingend  genug,  um  zn  erweisen,  daß  ©in  irren- 
är2:tlicher  Einfluli  auf  die  Behandlung  der  Idioten  nötig  ist.  Man 
darf  sich  aber  anderere  ei  ts  die  vielen  finanziellen  und  administrativen 
Schwierigkeiten  nicht  verhehlen,  die  der  generellen  Regelimg  dieser 
Frage  in  der  angedeuteten  Welse  entgegenstehen.  Auf  die  Schaf* 
fung  eigener  Kinderirrenaustalten,  wie  sie  Herrmann  wünschtj  ist 
vorläufig  noch  nicht  zu  rechnen,  ebenso  wie  uns  vorläofig  noch  die 
von  Raimann  u.  a.  geforderten  Anstalten  für  geistig  Minderwertige 
fehlen.  Man  wird  der  privaten  und  genoasenschaftlichen  Fürsorge  bis 
auf  weiteres  noch  nicht  ent raten  können  und  kann  auch  der  Geist- 
lichkeit beider  Konfessionen  eine  durch  lange  Uebung  erworbene 
Befähigung  za  dieser  Aufgabe  nicht  absprechen.  Daß  es  auch  ohne 
schroffe  Mittel  gelingt,  in  einzelnen  Verwaltun  gagebieten  irren  ärzt- 
lichen Einfluß  auf  die  in  geistlichen  Händen  befindliche  Fürsorge 
für  Schwachsinnige,  Epileptiker  und  geistig  Minderwertige  ms  ge- 
winnen,  beweist  der  Bericht  Cramers  über  seine  Unters ucHnn gen 
an  Fürsorge  Zöglingen  der  Provinz  Hannover,  Die  Untersuchungen 
sind  unter  verständnisvoller  Mitarbeit  der  geistlichen  Leiter  der  Er- 
ziehungsanstalten angestellt;  die  von  Cramer  formulierten  Vor- 
schläge haben  die  Zustimmung  dieser  Leiter  und  inzwischen  bereite 
einen  praktischen  Erfolg  darin  gefunden,  daß  an  der  Göttinger  Klinik 
ein  psychiatrischer  Informationskurs  der  Beteiligten  stattgefunden 
hat  und  daß  durch  die  Göttinger  Klinik  fortgesetzt  eine  psychis- 
trieehe  Beobachtung  und  Begutachtung  aller  irgendwie  abnorm  er- 
scheinenden Fürsorgezöglinge  ausgeübt  wird.  Uns  scheint  bei  ent- 
sprechendem Vorgehen  und  bei  sachgemäßer  Unterstützung  äunh 
die  in  Betracht  kommenden  Behörden  ein  ähnliches  gedeihliches  Zu- 
sammenwirken der  beiden  Paktoren  auch  in  anderen  Verwaltunga- 
bezirken  Deutschlands  nicht  unmöglich.  Der  Bericht  Cramers 
gibt  auch  Gesichtspunkte  für  die  Behandlung  der  geistig  Mind^- 
wertigen  nach  Abschluß  der  Fürsorgeerziehung,  namenthch  auch  Vor- 
schläge für  die  Einstellung  zum  Militärdienst,  die  sich  im  wesent- 
Hchen  mit  den  Ausführungen  decken,  die  Stier  an  anderer  Stelle 
gemacht  hat.  Auch  hier  wird  eine  möglichst  eingehende  Informa- 
tion der  Aushebungöbehörden  über   den  Geisteszustand  solcher  In- 


4 

I 


Pajchiakie.  205 

dlvidnen  empfolilen,  mn  das  Heer  möglichst  vor  der  Aufoabme  labiler, 
SU  HntgleiauDgen  geneigter  Elemente  zu  schützen.  In  ähnlLcbem 
Sinne  wie  Oramer  äußert  sich  aucb  Neiße r  zur  Beurteilung 
und  Behandlung  der  zablreicb&üi  wirklieb  patbologiscben  Ebmentd 
unter  den  geistig  Minderwertigen.  —  Alle  diese  Fragen  sind  noch 

im   Fluii  ^   und   aie  lassen   auch   die   Entwicklung   der    modernen      AiisjtaUi 

Irrenanstalt  nicht  unberührt.  Sie  gestaltet  sich  immer  mehr  zu  oi^saniaaUo«, 
einem  großen  vielseitigen  Institut  auS|  das  weder  im  Aeußeren 
noch  in  seinen  losassen  irgend  eine  Aebnliohkeit  mit  dem  girren« 
haus"^  dteii  Stiles  aufweist.  Das  beweist  z,  B,  die  neueste 
Schöpfung  auf  diesem  Gebiet,  die  niederösterreichLsche  Landes- 
anstalt  für  Geistes-  und  Nervenkranke  ^  die  kürzlich  eröffnet 
und  unter  die  Leitung  von  H,  Schloß  gestellt  wurde.  Sie  erfüllt 
in  idealer  Weise  die  Aufgabe ,  eine  Stätte  der  Behandlung  und 
Pflege  für  alle  die  zu  werden,  die  an  irgend  einer  Störung  der 
tuftnnigfaltigen  Funktionen  des  Zentralnervensystems  leiden^  und 
sie  gibt  die  Richtung  an^  die  wohl  in  Zukunft  die  soziale  Fürsorge 
für  alle  Kategorien  dieser  Art  einzuschlagen  bat.  Die  freieste  Ver- 
pfleg unga  form  der  Geisteskranken  ist  die  Familienpflege.  Haupt- FamiUenpftci* 
sächlich  den  Bemühungen  Alts  gelang  es,  diese  Yerpflegungsform 
in  Deutschland  heimisch  zu  machen,  und  in  einem  Bericht  auf  dem 
Mailänder  Kongreß  konnte  er  mit  Genugtuung  bervorbeben,  daß  die 
Zahl  der  in  Familien  pflege  untergebrachten  Geisteskranken  in  Deutsch- 
land im  Zeitraum  von  20  Jahren  von  &0  auf  2400  gestiegen  ist,  ein 
Fortschritt,  der  neben  dem  Wohlbefinden  der  Kranken  vor  allem 
auch  der  fijjanziellen  Leistung  der  fürsorgepflicbtigen  Behörden  zu 
gute  kommt;  denn  die  Familienpflege  ist  die  billigste  Verpflegungs- 
form der  Geisteskranken. 

Auf  dem   Gebiet  der   reinen   Anstaltsbebandlung   sind   neue    sozial- 
hygienische  AufgaheTi   erwacb^en   durch    dre  Featetellung  der   ^Typhus-  Ty[»liii«tfign 
t  r  ä  g  e  r' ,  also  derjenigen  lad  i vidueti,  d  ie,  olme  selbtt  an  den  kliniscbeu  Ersfchei*      bi  Irtm- 
aungen  des  Typhus  äu  leiden.  Bazillen  iiu9.Hcbeiden*   Die  Ana talts aufnähme      *n«**lt«»- 
gibt  bau 6g- Gelegenheit  zu  ihrer  Entdeckung.  Ihre  Unterbringung,  Behandhing 
und  EntluÄyung,  to wie  die  Möglichkeit  einer  Heilung  durch  Operation  der 
Ottllenblase  echildem  in  mehreren  Publikationen  Dehler  und  Grimme. 

An  dieier  Stelle  »ei  auch  auf  die  neue  Aufluge  des  bekannten 
Lör brachen  Werkes,  die  Zusammenstellung  der  deutschen  p«jchiatri- 
^dien  Anstalten ,  hingewiesen  j  in  ihrer  YolMIlndtgkeit  gibt  sie  ein  Bild 
von  der  groflen  und  allgemeinen  Ausdehnung  der  Fürsorge  für  GeiBtes' 
kranke*  Nervöse  und  geistig  Minder«  ertige  und  wird  namentlich  auch  dem 
Praktiker  willkommen  sein,  der  sich  über  Verbal tniase,  Größe»  Organieation 
und  Leitung  einer  öfFentKchen  oder  privaten  Anstalt  unterrichten  will. 


^nwuer  tmd 


Literatur, 


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in  Deutschland  ieit  1902.  Mit  1  Karte  und  1  graphischen  Tabelle,   Halle  a.  S. 

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Unters,  üb.  d*  Bornyval  als  Sedativum  u*  Eypnotikum  bei  Gei«teskrauken 
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Bd.  XVin.  —  Derselbe,  Die  Behandlung  der  arterioÄklen  Atrophie  des 


I 

( 
1 


Psychiatrie. 


207 


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Dehler,  Bebandlung  von  Typhusbazillentrageni.  Müncli*  med.  Wocben- 
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Weilacher  Krankheit,  entstanden  durch  Autoinfektion  von  den  Gallenwegen 
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Oeisteskrankheiten.  Au»  Natur  und  Geisteawelt  Bd,  CLL  Leipzig,  — 
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Wochenachr.  Nr*  24.  —  v*  K rafft -E hing,  Psychopathia  serualls.  Mit  be- 


208 


Cramer  und  Weber. 


äonderer  BerückBichtigung  der  Icont raren  Sejcualempfindung.  13,  vermehrte 
Aafl*  Herausgegeben  von  Ä.  Fuchs  (Wien).  SStuttgart  —  Hans  La  ehr. 
Die  Anstalten  für  payebisch  Kranke  in  Deutschland,  Deutach'Oe«t«r reich,  der 
Schweiz  und  den  baltiichen  LUi^dern.  Berlin.  —  H.  Landmann,  üeber 
die  Möglichkeit  der  Beeinfluseung  abnormer  IdeenasBO^iation  durch  Et* 
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Lan|j;enealza.  —  M.  Lewandowaky,  Ueber  Apraxie  des  Lid^cblu®« 
Berl.  klin.  Wochenachr.  Nr.  2^).  —  Jakovenko,  Ueber  hysterisches  Fieber 
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wort  und  Humor.  Halle  a,  S.  —  Morgenroth  u.  Stertz»  Syphilitisch« 
Antikörper  im  Liquor  cerebrospinalis  Ton  Paralytikern.  Virchows  Ärch. 
Bd.  CLXXXVill.  —  Clemens  Neifler,  Paychiatrieche  G es ithtap unkte  in 
der  Beu Heilung  und  Behandlung  der  Fürsorgezöglinge,  Halle  a.  S,  — 
Nonne  u.  Apelt,  Fraktionierte  KiweißausfäUting  in  der  SpinaLfl&asigkdt 
und  ihre  Verwertung  zur  Differeotialdiagnose  etc.  Arch.  f.  Psych,  Bd.  XLIU, 
H,  2,  —  A.  Pick,  Ueber  Störungen  motorischer  Funktionen  durch  die  auf 
sie  gerichtete  Aufmerksamkeit,  Wien,  kl  in.  Rundnch.  Nr.  L  —  Pfeifer, 
Zur  Diagnose  der  Hirntumoren  durch  Hirüjmnktion*  Jabrb,  t  Psych. 
Bd.  XXVIIL  —  PilcE,  Prognostische  Bedeutung  dea  Argyll-Robertsonachen 
Phänomens,  Monatsächr.  f.  Psych.  ~-  Plaut,  Zur  Syphilisdiagnose  bei 
Dementia  paralytica  und  Lues  cerebri.  Monatescbr.  f.  Paych,  u.  Neur.  Bd.XSIl 
u.  Münch,  med,  Wochenscbr.  S.  1468.  —  Raecke,  Psjychische  Störungen 
bei  multipler  Sklerose.  Arch.  f.  Psych.  Bd.  XLl ,  H.  2.  —  Derselbe» 
HyÄteriscbes  Irresein.  BerL  klin.  Wochenschr.  Nr,  10*  —  Derselbe,  üeber 
epileptische  Wände rzuslände.  Arch.  f.  Psych.  Bd.  XLllI,  H.  1.  —  Eai- 
mann,  Behandlung  und  Unterbringung  der  geistig  Minderwertigen,  Jahrb. 
f,  Psych.  Bd-  XXVIIL  —  G.  Raviart  et  L.  Dubar,  Mutlmne  ete.  cheäi  «n 
hyst^rique.  Arch*  de  neurol.  1906,  Nr.  ISl  u.  L'tkho  med.  du  nord  Nr.  15.  — 
M.  Reichardt»  Leitfaden  zur  paychiatriachen  Klinik.  Mit  74  Abbildungen, 
Jena.  —  F.  Ris,  Progressive  Paralyse  und  Syphilis.  Korreapondenzbl.  f. 
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Bd.  XLIIL  —  Robertson,  Presence  of  a  hacillus  in  the  hlood  of  persons 
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der  Seekrankheit.  Ther.  Monatah.  —  H.  Schloß.  Die  niederösterr^iehiiieheD 


Psychiatrie.  209 

Landes-Heil-  u.  Pflegeanstalten  f.  Geistes-  u.  Nervenkranke  ,am  Steinhof* 
in  Wien.  Wien.  klin.  Rundsch.  Nr.  40.  —  H.  0.  Schlub,  Die  Lokalisation 
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Ueber  den  Wert  genealogischer  Betrachtungsweise  in  der  psychiatrischen 
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Derselbe,  Gehirn  und  Gesittung.  Rektoratsrede.  Marburg.  —  ürbach. 
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tische Psychose  mit  Sektionsbefund.  Aerztl.  Sachverständigenztg.  —  Der- 
selbe, Ist  der  geborene  Verbrecher  ein  anthropologischer  Typus?  Med.- 
naturwissensch.  Arch.  Bd.  I,  H.  2.  —  Derselbe,  Fortschritte  in 
der  Diagnostik  der  Nervenkrankheiten.  Deutsche  med.  Wochenschr.  — 
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pbänomen  sowie  Bemerkungen  über  die  Pupillenstarre  bei  Hysterie.  Deutsche 
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affekt im  manisch-depressiven  Irresein.  Zentralbl.  f.  Nervenheilk.  S.  246.  — 
Jahrtmch  der  praktischen  Medizin.    1908.  14 


c)  Krankheiten  der  Bronchien,  Langen,  Plenra  nnd  des 
Mediastinnms. 

Von  Prof.  Br.  H.  Hochhaus,  Oberarzt  an  den  städtischen  Krankenanstalten 

in  Köln. 
Mit  5  Abbildungen. 

Allgemeines.    Das  Bestreben,    durch   Bestimmung   der  ein-  und  aus- 
geatmeten Luft  ein  Bild  der  Funktionstüchtigkeit  der  Lunge  zu  erhalten,  ist 
schon  alt;  Hutchinson  und  besonders  Waidenburg  haben  mit  Hilfe  des 
Spirometers  an  vielen  Gesunden  und  Kranken  die  sogen.  Vitalkapazität  Vitalkapi 
der   Lunge,   d.h.  diejenige   Menge   Luft,   welche   nach   möglichst  tiefer  "°^ 

Inspiration  ausgeatmet  werden  kann,  bestimmt;  die  Methode  hat  sich  indes  ,  ^  ' 
als  wenig  zuverlässig,  als  zu  schwankend  erwiesen,  um  daraus  für  die  respira- 
torischen Fähigkeiten  der  Lunge  bindende  Schlüsse  zu  ziehen.  Bohr  wies 
in  einer  eingehenden  Arbeit  darauf  hin,  daß  es  zu  diesem  Zwecke  nicht 
genügt,  bloß  die  Vitalkapazität,  sondern  daneben  auch  die  von  ihm  sogen. 
Mitte  Hage  der  Lunge,  wobei  sie  ruhig  ein-  und  ausatmet,  zu  be- 
stimmen. Das  Volumen  der  in  der  Mittellage  befindlichen  Lunge  nennt  er 
Mittelkapazität,  die  nach  ihm  die  Summe  der  Residual- und  Reserve- 
luft ist.  Bestimmungen  der  Vitalkapazität,  der  Residualluft  und  der  Mittel- 
lage, bei  ein  und  demselben  Individuum  unter  den  verschiedensten  Be- 
dingungen vorgenommen,  lassen  nach  Bohr  am  ehesten  einen  Einblick 
erwarten  in  die  eigentliche  respiratorische  Arbeit  der  Lunge  und  werden 
deshalb-  auch  am  ersten  ein  Urteil  über  die  Funktionstüchtigkeit  erkrankter 
Lungen  gestatten.  Nach  eigener  Technik  wurde  nun  zuerst  bei  einer  Anzahl 
Gesunder  die  Vital kapazität,  die  Residualluft  und  die  Mittellage  bestimmt 
und  festgestellt,  daß  sie  natürlich  bei  den  einzelnen  Individuen,  aber  auch 
bei  derselben  Person  unter  verschiedenen  Bedingungen  erheblich  schwanken ; 
doch  läßt  sich  bei  demselben  Individuum,  wenn  es  stets  unter  denselben 
Bedingungen  untersucht  wird,  eine  typische,  habituelle  Mittellage  heraus- 
finden; aus  der  beigefügten  Tabelle  der  einzelnen  Werte  läßt  sich  durch 
Vergleich  der  verschiedenen  Bestimmungen  finden,  welches  Individuum  in 
Bezug  auf  die  Lunge  am  funktionstüchtigsten  ist.  Wechsel  der  Körper- 
stellung ändert  Vitalkapazität  und  Mittellage;  beim  Liegen  wird  erstere 
kleiner  und  die  zweite  niedriger.  Die  Veränderung  der  Vitalkapazität  ist 
bedingt  durch  die  mechanischen  Veränderungen,  die  der  Mittellage  wahr- 


und 
iUlteilAse 


de» 


Ikftrllerenilc? 
6§ptratbr» 


:       tiod 
prwoTbeneu 

defekten. 


icheinlich  durch  Sinken  dea  Stoffwechsels.  Bei  Muskelarbeit  uimmt  die 
Mittelkapa^ität  zu,  die  Vitalkapa^ität  bleibt  unreründert;  wird  die  A^rbeit 
aogeetrengt ,  dann  nimmt  sie  stets  ab.  Atuaet  di«  Versuebaperson  fiauer- 
BtoSkrme  Laft,  so  nimmt  die  Mittelkapazität  nur  wenig  zu,  und  die  Vit&l* 
kapazität  bleibt  uDvenindeitj  wenn  die  Sanerätoffaufnabme  noch  %ü* 
reichend  iet;  im  anderen  Falle  wird  jetzt  auch  die  Vitalkapazität  alt eriert; 
sie  wird  erheblich  geringer.  Das  funktionelle  Resultat  für  die  Lunge  ist  also 
diesen,  daB  jeder  Faktor,  der  die  an  die  refipiratarisehen 
Funktionen  der  Lunge  gestellten  Forderungen  i^n  hinläng- 
lichem Maße  vergrößert,  auch  die  Mit telkapa^i tat  vermehrt 

Von  Bedeutung  sind  dann  noch  einige  Bemerkungen  des  Verfassen 
Über  das  Emphyaera;  bei  seinen  Versuchen  fand  er»  daß  bei  angestrengter 
Arbeit  die  Vjtalkapassität  verkleinert  wird,  und  zwar  deshalb,  weil  dk  Ex- 
spiration nicht  in  vollem  Umfange  stattfinden  kannr  sie  wird  durch  einen 
zweckmäßigen  Reflex  gehemmt,  damit  die  Verkleinerung  der  Lunge  und 
besonders  der  Lungenkapillaren  nicht  zu  groß  werde;  dem  Herzen  würde 
dann  eine  zu  große  Arbeit  auferlegt;  durch  diese  Yerbinderung  entsteht  eia 
Emphysem,  das  in  diesem  Falle  aber  bald  schwindet.  Auf  diese  Hemmung 
der  Exspiration  und  die  damit  Yerhundene  Vermehrung  der  R^siduallnft 
führt  Bohr  nicht  bloß  das  akute,  sondern  auch  das  chronische  Emphysem 
zurück;  er  nimmt  an <  daß  bei  chronischen  Erkrankungen  der  Lunge 
(chronischer  Bronchi tif,  Schwund  derSepten  und  Gefäße)  die  übrig  bleibende 
Lunge  mit  mehr  Oberfläche  atmen  müsse,  damit  die  noch  erbaUenen  Ge* 
fä£e  im  Stande  seien,  genügend  Blut  durch  die  Lunge  durchzulassen;  der 
EiastisitÄtaverminderung  mißt  er  jedenfalls  wenig  Bedeu tutig  bei. 

Als  vikariierendes  Emphysem  wird  in  der  Eegel  das  Ein- 
ta-eten  einet  Lunge  für  die  fehlende  andere  bezeichnet.  Die  Benennung 
ist,  wie  Geigel  hervorhebt,  falsch.  Wenn  eine  Lunge  erkrankt  ist,  so 
kann  die  andere  durch  größere  Ausdehnung  und  größere  Aufnahme  von 
Luft  wohl  die  Tätigkeit  der  anderen  ersetzen-  indes  muß  dieser  Zustand 
als  vikariierende  Respiration,  nicht  KmphysDm,  bezeichnet  werden»  denn 
um  ein  solches  handelt  es  sich  sicher  nicht.  Geigel  vermutet,  daß  in 
einem  solchen  Falle  auch  die  Menge  Blutes,  welche  durch  die  gesunde 
Lunge  stri>mt,  größer  ist,  als  in  der  Norm  und  daß  ho  mit  der  größeren 
Menge  Respirationaluft  auch  eine  größere  Blutmaaie  in  Berührung  tritt* 

In  welch  hohem  Maße  mni*  Lunge  die  andere  vertreten  kann,  zeigt 
an  mehreren  instruktiven  Beispielen  Bäumler;  bei  semen  FatientinnaD 
war  die  eine  Lunge  offenbar  durch  angeborene  oder  kurz  nach  der  Geburt 
erworbene  Zustände  sehr  stark  verkümmert  j  verkleinert  und  kam  für  die 
Eeapiration  fast  gar  nicht  in  Betracht;  trotzdem  hatten  sie  bii  xu 
ihrer  Erkrankung  wie  Gesunde  arbeiten  können;  die  gesunde  Lunge  war 
eben  vikariierend  eingetreten;  —  besonders  merkwürdig  in  diesen  Fallta 
war  nun ,  daß  sich  auch  äußerlich  gar  keine  Deformität  des  Brustkorbes 
zeigte;  die  gesunde  Lunge  hatte  sich  eben  dermaßen  ausgedehnt,  daß  die 
Symmetrie  des  sonst  wohlgebildeten  Thorax  vollkommen  gewahrt  wurde, 


ein  Zeichen»  in  wie  hohem  Grade  beiondere  angeborene  Defekte  ausge- 
glichen, werden  können.  Selling  hat  unter  der  Leitung  van  Fr«  Müller 
mit  den  neuesten  Hilfsmitteln  Untersuchungen  über  den  Perkuisionsscballi 
speziell  über  die  vonScoda  angegebenen  Schal! qua li taten  angeatellt» 
Höbe  und  Tiefe  de^  Schallei  wifd  allgemein  anerkannt:  Selling  bat  mit 
Hufe  gewaltig  gro&er  Resonatoren  nun  untersucht,  welche  Töne  im  Per- 
kuesionssehaU  enthalten  sind;  die  untere  Grenze  über  der  Lunge  der  Er- 
wachaenen  fand  er  bei  A,  bei  Emphysematikern  bei  F;  die  obere  Grenze 
bildet  bei  jedem  Perkussionsschall  der  Eigenton  des  PleBsimetera,  die  untere 
Grenze  wird  bei  der  Respiration  noch  tiefer^  und  es  beteiligen  sich  dann 
die  EigentOne  der  Lunge  am  GesamtscbalL  Wichtig  für  die  Dingnostik  iat, 
daß  DifiTerenEen  im  Luftgehnlt  beider  Liingenseiten  sich  am  ehesten  durch 
doj  Fehlen  der  tiefen  Töne  auf  der  kranken  Seite  verraten;  ist  aua  einer 
Spitze  der  Schall  höher ♦  so  hört  man  dort  den  Eigenton  des  Plessimeters 
beeaer*  Umstritten  ist  die  Scodascbe  Unterscheidung  hell  und  dum pf^ 
wofür  Selling  mit  Müller  lieber  laut  und  l e i e e  einftihren  raöchte.  Bei 
gleich  starker  Perkusßion  ist  der  Schall  Über  einer  normalen  Lungenpartie 
lauter  wie  Über  einer  gedämpften,  weil  im  ersteren  Falle  die  Schwingungs- 
amplitude  dea  Gewebes  größer  ist.  Macht  man  die  Sc  hall  Schwingungen 
mittelst  Apparate  sichtbar  (EdelmannBches  Saitengahanometer  oder 
Phonograph),  so  zeigen  sich  diese  Yerhliltnisae  dem  Äuge  deutlich  iichtban 
Die  Bezeichnung  voll  und  leer  ist  auch  nach  den  V^ersuchen  Selliug.H 
gerechtfertigt,  da  er  fand,  daß  der  normale  Lungenschall  nach  kurzem 
Anachlag  fast  doppelt  ao  lange  antlauert,  ala  der  Schall  über  einer  gedämpf- 
ten Partie:  die  Bezeichnungen,  welche  Fr.  Müller  deshalb  substituieren 
möehte»  «ind:  für  voll  —  langdauerud  und  leer  —  kurzdauernd.  Der 
tympnni tische  und  der  nie h t ty mp an i tische  Schall  sind  dadurch  Tympnnlt! 
gekennzeichnet; .  daß  im  ersteren  Fall  ein  Ton  der  Schallbeherrscher  ist,  ^^'^^^^  ^^^*^ 
im  zweiten  nicht.  Die  alten  Seodaschen  Schal Iquali täten  sind  durch  diese  ^  u^  ' 
mit  den  inodernaten  Hilfsmitteln  ausgeführten  Untersuchungen  auf  einfaehe  schall, 
physikalische  Begriffe  zurückgeführt  Mit  der  Unterscheidung  des  tym- 
pani tischen  und  nicht  tj mp an i tischen  Schalls  beschäftigt  sich  in  einer 
anregenden  Studie  auch  Geigel,  Der  tympanitische  Sehall  ist  ein  Klang, 
der  Äwar  weit  entfernt  ist  von  dem,  was  wir  musikalisch  mit  dieser  Be- 
2eichnung  vereehen,  aber  doch  das  Charakteristische  hat,  daß  man  bei  ihm 
mit  Leichtigkeit  die  Höhe  bestimmen  kann.  Diese  Möglichkeit  ist  begründet 
auf  dem  deutlichen  Hervortreten  eines  Grundtones,  während  die  Über- 
tdne  in  ihrer  Deutlichkeit  entschieden  zurüektreten.  Bei  dem  nicht  tym* 
panitiachen  Schall  ist  das  Gegenteil  der  Fall:  neben  dem  Grundton  treten 
die  Obertöne  sehr  stark  hervor  *  so  daß  der  eretere  allmö-hlich  schwindet 
and  damit  die  Höhenbestimmung  unmöglich  wird.  Physikalisch  ist  diese 
Eigentümlichkeit  auf  der  Entstehung  diskontinuierlicher  Schwingungen 
basiert,  deren  Theorie  wir  hauptsächlich  HelraholtÄ  verdanken*  Diese 
diskontinuierlichen  Schwingungen  entstehen,  wenn  gespannte  Saiten  oder 
Membranen  durch  einen  gans  kurzen»  umschriebenen  Ajischlag  in  Schwingung 


214 


Hocliliaus, 


bor  und 


eUllklang^ 


versetzt  werden;  ea  bleibt  dann  die  Wirkung  de«  Stoßes  mebr  aof  die  ge- 
troffene SteUe  bescbränkt,  pflanzt  sieb  weniger  gut  fort  auf  die  Unigebung, 
und  das  gibt  die  VeranlaBHuog  zur  EnUiebung  der  diskoutinnierlicbeD 
SchwingUDgen;  der  Fall  ist  gegeben  bei  einer  Blase  mit  gespannten  Wan» 
düngen^  bei  der  Lunge;  ea  entsteben  hier  starke  Obertöne,  während  der 
Grund  ton  an  Stärke  sehr  verliert:  ganz  anders  liegt  der  Fall  bei  einer 
schlaffen  ßla^e,  beim  Mengeben  z.  ß.  beim  Magen  oder  Darm;  der  Schal! 
kann  sieb  liier  von  der  getroffenen  Stelle  leicbt  auf  die  ganze  Wand  nach 
allen  Seiten  ausdehnen,  und  dann  entetebt  neben  den  relativ  leisen  Obei^ 
tdnen  ein  macbtiger  Grundton,  dm  Charakter  ist  iktxm  des  tympanitiBcheii 
Sohalles.  Auf  diese  dUkontinuier liehen  SchwiDguugen  führt  Geige  1  ancb 
den  Metallklang  znrüek;  er  sagt:  ,Ueberall  da^  wo  an  scba11fl.htgen 
Körpern  das  elaatieche  Gleichgewicht  plötzlich  an  kleiner  Stelle  kurzdauernd 
geitört  wird,  entstehen  diskontinuierliche  Schwingungen  des  elastischeii 
Körperi*  Sehr  diiikontinuierliche  Wellenbewegung  möfl  die  vom  Grund- 
ton weit  abliegenden  hohen  Obertöne  gegenüber  ersteren  hervortreten  lassen 
und  so  den  Metallklang  erzeugen '^^  Prüfen  wir  diese  Bedingungen  einmal 
an  der  Hand  der  vorkommenden  metallischen  Klänge  am  K5rper,  so  finden 
wir  den  Metallklang  am  häufigsten  bei  der  Perkuseion  von  oberßächlieheii 
Hohlräumen  mit  gespannten  Wandungen,  der  Klang  tritt  am  besten  hervor 
bei  kürzerem  harten  Anschlag,  meist  durch  Stähchenplessimeterperkusaion, 
wodurch  diskontinuierliche  Schwingungen  am  ehesten  auftreten;  das  äuä- 
logon  zum  Metallklang  ist  bei  der  Auskultation  daä  amphorische  Atmen: 
auch  dieees  tritt,  wie  Selling  ausführt,  am  besten  hervor  bei  Kavernen  mit 
sehr  enger  Oefinung  und  etwas  längerem  zufübreudem  Bronchus  i  a^ucli  hier 
fiind  dann  die  Bedingungen  gegeben,  daß  durch  einen  stärkeren  Ins|)iratioDS> 
Strom  stehende,  diskontinuierliche  Wellen  entstehen;  dasselbe  zeigt  Selling 
auch  beim  fallenden  Tropfen,  so  daß  sieb  also  das  praktische  Vorkommen  gut 
tuit  der  Theorie  vereinen  läßt.  Das  Bestreben,  ein  Stethoskop  zu  finden, 
mittels  dessen  man  Töne  und  Gerüuiche  möglichst  ohne  Äenderung  ihrer 
Stärke  und  Charakters  auskultieren  kann,  hat  zur  Konstruktion  einer  Menge 
Instrumente  geführt  Daß  die  sogen,  Resonanzstethoskopej  PhonendoBkope 
keine  Verbessemng  gegenüber  den  alten  Stethoskopen  sind,  ist  bekannt; 
Gerhardt  hat  ein  solches  konstruiert  mit  einem  parabolisch  gestalteten 
Ansatztrichter;  alle  parallel  auffallenden  Strahlen  werden  dann  in  dem 
Brennpimkte  der  Parabel  vereinigt ;  für  manche  Fälle  scheint  diese  Neuerung 
recht  praktisch,  in  anderen  hat  sie  versagt,  da  die  Fälle ^  in  denen  die 
auffallenden  Strahlen  parallel  sind,  nicht  gerade  ao  häutig  eintreten.  Im 
allgemeinen  hält  Gerhardt  das  alte  Stethoskop  mit  einem  konit^b  zulaufen- 
den Trichter  mit  geradlinigen  Seiten  wänden  noch  für  die  beste  und  fast 
durchweg  ansreicbende  Konstruktion. 

onöh<>3kopie.  Krankbeiton  der  Trachea  und  Bronchien,  Die  Killiansche 
Tracheo-Bronchoekopie  erfreut  sich  einer  steta  wachseüden  Acwen- 
dang;  zur  Diagnose  und  Extrahierung  von  Fremdkörpern^  zur  Diagnose 


Btethoftkar 


Krankheiten  der  Bronchien.  Liangenj  Pleura  und  des  MediaBtinurae.     215 


r 

und  Behandlung  von  Tumoren  leistet  sie^  nach  der  zahlreich  vor- 
liegenden Kaauistik  zu  schließen  j  Außerordentlichei  i  xrnter  den  zahl- 
reichen Publikationeo  erwähnen  wir  die  kasuiBtischen  Mitteilungen  von 
M  a  n  n  ^  der  in  2  Fällen  von  Ozaena  mit  Erkrankung  des  Kehlkopfes 
in  der  Trachea  das  Vorhandeusein  von  ganz  festen  osteom artigen 
Tamoren  feststellen  konnte;  in  anderen  Fällen  gelang  ihm  durch 
dieselbe  Methode  der  NachweiB  tiefsitsender  Stenosen  und  einea 
Tomdrs  in  einem  Kauptbronchus ;  Erkrankungen,  die  man  auf  anderem 
Wege  wohl  kaum  hätte  feststellen  konneu.  Nach  diesen  und  ähn- 
lichen Mitteilungen,  deren  die  Literatur  viele  enthält^  scheint  diese 
Untersuchungsmethode  doch  eine  größere  Verbreitung  zu  verdienen ^ 
als  sie  bis  jetzt  hat.  8ehr  große  Schwierigkeiten  macht  bis  jetzt 
noch  die  Diagnose  derBrouchialdrüsenentzündungen.  Piery 
und  Jacques  glauben,  daß  es  möglich  sei,  diese  in  den  meisten 
Fällen  durch  die  Radiographie  z\x  stellen;  sie  unterscheiden  nach 
Ihren  anatomischen  Untersuchungen  die  Lungendrüsen  (am  Hiluä) 
und  die  Mediastinal-  oder  TraLhealdrüaen:  letztere  sind  am  besten 
bei  schräger  Durchleuchtung,  erstere  von  vorn  nach  hinten  zu  sehen^ 
rechts  sind  sie  am  zahlreieheten ,  und  das  Bild  soll  sehr  ver- 
schieden sein,  je  nachdem  es  sich  um  frischere  oder  ältere  Entzün- 
dungen handelt.  Die  Perforation  anthrako tisch  erweichter 
Lymphdrüsen  in  den  Bronchialbaum  ist  im  allgemeinen 
selten,  über  die  Möglichkeit  der  Diagnose  noch  wenig  bekannt. 
Ad,  Schmidt,  der  diese  Erkrankung  in  Dresden  auffallend  häufig 
beobachtet  hat,  beschreibt  in  einer  interessanten  Studie  die  Sym- 
ptomatologie dieser  Erkrankung  und  versucht  daraus  die  Grundsätze 
für  die  Diagnose  abzuleiten.  Änthrako tische  Lympbdrüaen  sind  meist 
bindegewebig  verhärtet;  wie  es  kommt,  daß  sie  erweichen,  ist 
noch  strittig ;  Richter,  ein  Schüler  8  c  h  m  o  r  1  ö ,  schreibt  dies  dem 
Einwandern  virulenter  Keime  zu,  Ribbert  glaubt,  daß  der  Tuberkel- 
bacillus  die  Verkäsung  und  Erweichung  hervorrufe^  Öternberg 
eieht  Zersetz ungs Vorgänge  und  Traktionsdivertikel  als  das  ursäch- 
liche Moment  für  die  Erweichungder  nahegelegenen  Drüsen  an.  Durch- 
brechen können  diese  in  die  verschiedensten  Organe,  in  den  Oeso- 
phagus, in  die  Gefähe,  in  die  Pleura  und  in  den  Bronchial  bäum. 
Mit  der  Diagnose  des  letzteren  Ereignisses  befaßt  sich  Schmidt 
besonders.  Die  Momente,  welche  dabei  in  Frage  kommen,  sind: 
L  Der  Durch bruch  findet  sich  meist  nwc  bei  älteren  Personen;  mit 
Ausnahme  einer  Patientin  waren  sie  alle  über  50  Jahre.  2.  Die 
entstehenden  Pro^sesse  in  der  Lunge  sind  bald  Aspirationspneumonien^ 
bald  einfache,  bald  fbtide  Bronchitiden,  die  häufig  ganz  umschrieben 


Brono 
auUüQdUlll 


Perforation 

anthrakotbß 

t?rweiclit*?r 

Bi'oiicUial' 

drUnen  in  di 


Perforation 
k]ithr«kotii$cb 
erweichter 
Bront-bial- 
irUsen  in  tjje 


I  bronchiale 
au  gen  Od  etil. 


BrOiiclii>- 


sind ;  als  Komplikation  ist  Tuberkulose  nicht  selten.  B.  IJmscliriebeiie 
Schinerzhaftigkeit  reap.  Klopfern pfindlichkeit  unterhalb  dea  SternußiS^, 
in  dar  Bifurkation.  4.  Auswurf^  in  dem  charaktaristiscbe.  schwarze 
Pigmentmaasen^  zuweilen  von  atiffalJendei*  GrÖße^  sind.  Therapeuttsdi 
empfiehlt  sich,  wenn  ein  Traktionadivertikel  vermutet  wird,  Sonden- 
behandlung^  Sondenemährung,  bei  einseitiger  putrider  Erweichung  ein 
Versnch  mit  künstlichem  Pneumothorax.  Die  Prognose  ist  im  all- 
gemeinen recht  ernst.  Einen  Fall  von  fibrindeer  Bronchitis  bei 
einer  Tuberkulösen  beschreibt  Gottstein;  der  Verlauf  war  der  ge- 
wöhnliche^ die  Gerinnsel  bestanden  nach  der  chemischen  und  mikro* 
skopischen  Untersuchung  meist  aus  Fibrin ,  außerdem  ans  zahJreichan 
Zellen,  meist  Lymphozyten;  in  den  Gerinnseln  ließen  sich  zahlreiehe 
Tuberkelbazillen  nachweisen,  so  daß  Got tatein  wohl  mit  Beeilt 
annimmt,  daß  in  aainem  Fall  dem  TuberkelbaciUus  eine  gewisse 
üTBichliche  Bedeutung  auch  für  diese  Erkrankung  beizumessen  sei 
Einen  Eedl  von  Bronchialsteinen  hat  Berner  beobachtet  bei 
einer  43jährigen  Frau,  die  seit  5  Jahren  hustet;  14  Tage  ante 
mortem  warf  sie  200  com  Blut  ans,  moribund  kam  sie  ins  Kranken- 
haus ;  es  fand  sich  rechterseits  eine  gangränöse  Kaverne,  rechtsseitiger 
Pyopneumothorax;  in  dem  rechten  Bronchus  fand  sich  ein  großer 
Stein,  um  den  herum  die  Schleimhaut  exukeriert  war;  in  den 
kleineren  Aesten  fanden  sich  noch  zwei  Steine.  Die  ßroncholithen 
sind  hier  wohl  als  die  primäre  Erkrankung  aufaiufassen.  Gleicli- 
zeitiges  A^uftreten  von  Asthma  bronchiale  und  Langen  ödem 
sah  V,  Hoeaslin  in  einem  Falle.  Ein  32jähnges  Fräulein  bekam 
während  eines  typischen,  heftigen  Anfalls  ein  Sputum,  das  deut- 
lich rötlichen  Schaum  hatte;  außerdem  waren  über  der  Lunge  zahl- 
reiche feine  und  mittelgroße  blasige  Rasselgeräusche  zu  hören;  das 
Herz  war  leicht  dilatiert^  und  an  den  Fußknöcheln  zeigten  sich  geringe 
Oedeme.  Kein  Zweifel,  daß  hier  zu  dem  AsthmBanfall  ein  Lungen- 
ddem  hinzugetreten  war ;  höchst  wahrscheinlich  durch  hinzugetretene 
Schwäche  des  linken  Ventrikels;  später  trat  bei  der  Patientin  noch 
eine  leichte  Pneumonie  auf.  In  einer  weitansgreifenden  Arbeit  dis- 
kutiert Groß  mann  auf  Grund  literarischer  und  eÄperimentellsf 
Studien  die  Lehre  vom  Bronchospasmus,  die  in  der  Theorie  des 
Asthmas  noch  immer  eine  große  Eolle  spielt.  Er  kommt  durch  seine 
eigenen  Experimente  zu  dem  Urteil,  daß  es  tatsächlich  eine  Kon- 
traktion der  Bronchial muskulatur  und  einen  dadurch  erzeugten  Spas- 
mus gibt;  er  iat  aber  lange  nicht  stark  genüge  um  dadurch  die 
starken  Atembeschwerden  beim  Asthmaanfall  zn  erklären;  dieie 
kdnnen  nach  seinen  Untersuchungen   nur  herrühren  von  unzweifel* 


lieUandlo 


ier  Bronchien,  Lungen^  Pleura  und  des  Mediastinums. 

haften  BtÖrungeii  des  LuDgenkreisIaufes ;  nur  von  dieseii  wird  auch 
bei  Asthma  die  Größe  und  Schwere  der  Atemnot  abhängen;  die 
Wirkung  dea  Broncboapaemu8  kann  nur  gering  sein.  Eine  Ueh er- 
sieht der  beim  Asthma  gebräuchlichen  Behandlung emethoden  Astlimi 
gibt  Fürbringer  in  einer  sehr  klaren  Darstellung;  ebenso  La- 
qaeur;  hervorheben  möchte  ich  aus  der  letzten  Darstellung  beson- 
dere die  Anwendung  der  Röntgenstrahlen,  die  aich  in  vielen  Fällen  als 
erfolgreich  erwiesen  (Immelraann)  und  von  den  mechanischen  Be- 
handl Ungarn eth öden  die  Anwendung  des  Boghean  sehen  Atmunga- 
Stuhles^  bei  dem  eine  rhythmische  Koni  pression  des  Thorax  zur  Unter- 
stütsmng  der  Exspiration  durch  Pelotten  geacbieht,  die  vermittels 
eines  Elektromotors  bewegt  werden.  Für  das  bekannte  T  uckers  che 
Asthmamittel  wird  von  Einhorn  eine  neue  Zusammenaetzung  an- 
gegeben f  die  sich  ihm  sehr  gut  bewährt  hat  und  die  auch  von 
Schäfer  recht  gelobt  wird.     Sie  enthält: 

Kokaiimitrit  . 1.028% 

Atropinnitrit  .  0,587% 

Glyzerin  ..  32.16   % 

Waeser  ,...,.  .     ,     .     .     .  66,23    % 

Durch  einen  guten  Oelzerstäuber  muß  sie  versprayt  werden. 

Krankheiten  der  Lunge  und  der  Pleura.  Während  die  Ansichten 
über  die  verschiedenen  Formen  des  Tuberkel bacillus  sich  in 
den  letzten  Jahren  dahin  geklärt  haben^  daß  allgemein  das  Bestehen 
zweier  Typen,  dea  T.  human us  und  bovinus,  angenommen  wird,  die 
aber  beide  für  den  üleuachen  intektics  sind^  ist  die  Frage  der  Art 
und  Weise  der  Infektion  bis  heute  noch  nicht  allseitig  geklärt.  Die  tuftsktion 
größere  Zahl  der  einschlägigen  Arbeiten^  die  von  uns  im  vorigen  wege  de 
Jahrgang  referiert  worden ^  sprach  sich  wohl  mehr  für  den  intestinalen 
Ursprung  der  Tuber kuloae  aua,  zum  Teil  wohl  beeinflußt  von  der 
gewichtigen  Stimme  Beb  rings.  Die  aerogene  Infektion  schien  mehr 
in  den  Hintergrund  aurückzutreten.  Die  Arbeiten  dea  verflossenen 
Jahres  legen  nun  wieder  mehr  Nachdruck  auf  diesen  letzteren  In- 
fekt ionam  od  ua ,  der  ja  bia  dahin  unbestritten  als  der  häufigste  galt. 
TendeloOf  der  durch  aeine  Studien  über  die  Lungen  krank  holten 
rühmlichst  bekannte  Anatom  j  erörtert  die  Frage  nach  der  Ursache 
der  Bevorzugung  gewisser  Lungen partien  durch  den  Tuherkeibacillus. 
Wie  ist  die  primäre  Ansiedlung  in  der  Spitze  oder,  wie  er  eich  aus- 
drückt, in  den  paravertebral- cranialen  Teilen  zu  erklären?  Jedenfalls 
nicht  durch  eine  Verbreitung  auf  dem  Blntwege,  die  wir  bei  der 
Miliartuberkulose  so   häufig  zu  sehen  Gelegenheit  haben ,   wo   fast 


Tuberkuloi 


218 


Hochhaus, 


InfektloD. 


I^erlauf  der 

Impf- 


ttüd 
uberkulofie. 


diirchweg  eine  ziemlich  gleichmäßige  Aussaat  der  Tuberkelknötclieii 
über  die  ganze  Lunge  erfolgt.    Die  EntfitehuDgBverhältuiBee  müssen 
ähnlich  liegen   wie   bei   der   Staubinhalation ,   wo  die    primäre  Ab* 
lagerimg  des  Staubes  ja   ganz   in   den  selb  an  Lungenpartian    erfolgt. 
BaB  Eindringen  dtirch  die  Loftwege  ist  ja  hier  unbestritten  ^   nach* 
dem  die  gegenteiligen  Ansichten  von  Vaansteubergh  und  Grjscit 
die  einen  intestinalen  Ursprung  auch  des  Staub  pigmenti  in  der  Lunge 
annehmen^  widerlegt  ist.    Nach  Tendeloo  ist  die  Ursache  für  dl© 
LokaUsatioD  des  8taubs  sowohl,   wie  des  Tuberkelbacüluä   darin  zu 
suchen,  dail  in  den  paravertebralen  cranialen  Lungenteileo  die  Energie 
des  BeapiratioDS^  und  Lymph  ström  es  die  geringste  ist.   Deshalb  findet 
der  Baciiltis  an  diesen  Orten  Zeit,  sich  anzusiedeln,  zu  wachsen  imd 
Longe  und  das  Lymphgefälisystem  zu  infizieren.  Nur  auf  dem  Atmung»* 
Wege  ist  nach  Tendeloo   die  eigenartige  Lokalisation  der  Tuber- 
knlose  zu  erklären  ]  weder  die  Infektion  von  der  Blutbahn,  noch  von 
den  benachbarten  Lymphdrüsen  des  Halses,  des  Schult  er  gürteis,  des 
Brustkastens  oder  gar  des  Abdomens   kann  fiir  die  große  Mehrzahl 
der  Fälle  in  Betracht  kommen.    Auch  die  Form  der  ersten  Lnngen* 
herde  deutet  nicht  selten  auf  eine  Infektion  auf  dem  Luftwege  hin; 
zuweilen  sieht  man  traubenformig  geordnete  Knötchen,  in  ganz  ähn- 
licher Anordnung  wie  bei  der  experimentellen  Inbalationstuberkulose; 
da  sich  nun  als  Ursache  eine   sonstige  Quelle   im  Organismus  nicht 
findet,  muß  man  hier  als  Ursache  auf  die  Einatmung  des  Tubarkel- 
hacillns  zurückgreifen*     Auf  experimentelleni  Wege  sucht  Beit^ke 
dieser  Frage  näher  zu  treten,   indem   er  untersucht,   ob   die  vm 
Weleminsky,  Bartsl  u.  a.  behauptete  enge  Verbindung  der  peri- 
pherischen Lymphdrüsen  mit  den  Bronchialdrüsen  und  indirekt  mit 
der  Lunge  zu  Recht  besteht    Diese  Autoren  haben,  wie  bekannt,  aus 
dieser  Annahme  gefolgert,  daß  der  Tuberkelbacillus  mit  Leicktigkdi 
beispielsweise    aus    den   Zervikal-    oder    Mesenterialdrüsen     in    die 
bronchialen  gelangen  und  von  dort  aus  die  Lunge  infizieren  könne; 
der  Annahme  einer   intestinalen  Entstehung   der  Luwgentuherkulose 
war  damit  eine  wichtige  Stütze   verliehen.     Die   zahlreichen    dahin- 
gehenden Versuche  Beitzkes  an  Meerschweinchen  führten  zu  einem 
entgegengesetzten  Resultat;   ein  Uebertritt   von   so   weit   entfernten 
Drüsen  zu  den  bronchialen  ist  danach  kaum  anzunehmen;  und  mit- 
hin sind  die  Schlußfolgerungen  Weleminakys  und  Bartels  min- 
destens  zweifelhaft     Daß    auf  dem   Luftwege    die   Ansiedliing    des 
Tuberkeibacillus  in  den  Lungen  viel  leichter  möglich  ist,    als  tei-, 
Spiels  weise  auf  dem  durch  Verfütterung,  zeigen  interessante  Versuche|| 
die  Findel  (BreBlau)  über  Inhalations-  und  FütterungstuberkalosÄl 


KrEnkheiten  der  Branclueii,  Luiigen^  Pleura  utid  dee  Mediastinums.    219 


bei  MeeracJiweinchen  angestellt  hat.  Es  genügte  bei  der  Inhalation 
die  winzige  Zahl  von  62  Bazillen,  um  eine  tödliche  Tuberkialose  her- 
vorzurufen,  während  dazu  bei  der  Verfütterang  eine  GOOOOOOnial 
so  groüe  Menge  erforderlich  iet;  diese  Tatsache  spricht  doch  sehr 
deutlich  fiir  das  häufigere  Vorkommen  der  aerogenen  Infektion-  Die 
quantitativen  V erhältn isse  derTröpfchenausatreuungvon  Seiten 
hustender  Phthisiker,  die  ja  nach  Flügge  eine  groiie  Rolle  spielt, 
hat  Zieach^  (Breslau)  untersucht  Nur  dO—AO^l«  aller  hastenden 
Kranken  verstreuten  Tröpfchen;  auf  Glasplatten,  die  in  40—80  cm 
Entfernung  ^'i  Stunde  lang  aufgestellt  waren,  fanden  sich  nur  in 
20%  über  400— 20CXXH3  T  üb  er  kel  Bazillen ;  in  80  "/n  waren  weniger 
^s  400  oder  gar  keine  nachzuweisen.  Bei  der  Annahme  nun,  daß 
mindestens  300-4CSO  Bazillen  notwendig  sind,  um  eine  Infektion 
beim  Menseben  hervorzurufen^  scheint  nacb  diesen  Resultaten  die 
Gefahr  bat  kurzdauerndem  Zusammensein  auch  mit  hustenden  Phthi- 
, «ikern  sehr  gering;  bei  längerem  Verweilen  in  der  Nähe  ist  sie 
matiirlich  erheblich  größer.  Neben  der  Luftinfektion  spielt  die  in** 
testinale  allerdings  doch  eine  größere  Rolle ,  als  man  früher  an- 
genommen, besonders  bei  Kindern;  Fibiger  und  Jensen  ver- 
öfFentlichen  die  genauen  SektionsprotokoUe  mehrerer  an  Tuberkulose 
verstorbener  Kinder,  bei  denen  unzweifelhaft  die  Infektion  vom  Darme 
ausging^  das  genauere  Studium  der  durch  Züchtung  gewonnenen 
Bazillen  ergab,  daß  es  sich  um  Rindertuberkelbazillen  bandelte,  woraus 
die  Autoren  wohl  mit  Hecht  den  Schluß  ziehen^  daß  der  Genuß  roher 
Milch  ala  Ursache  der  Erkrankung  aufzufassen  sei.  Die  Arbeit  ist 
auch  ein  Beitrag  zu  der  Frage ,  ob  der  Bacillus  bovinus  für  den 
Menschen  infektLös  sei ;  die  erhaltenen  Resultate  lassen  daran  keinen 
Zweifek  Auch  Edens,  der  ala  Schüler  Hellers  schon  mehrfach 
die  Frage  der  intestinalen  Infektion  bearbeitet,  zeigt  wieder  in  einer 
größeren  Zahl  von  Sektionsprotokollen ,  daß  besonders  bei  Kindern 
diese  Ansteckungsart  nicht  selten  ist;  fast  stets  wurden  zuerst  die 
Mesenterialdrüseo  infiziert;  die  Schleimhaut  bleibt  meist  intakt;  erst 
nachträglich  erfolgt  dann  von  den  Drüsen  aus  die  Erkrankung  der 
Jeimhaut;  ganz  denselben  Vorgang  beobachtete  er  auch  an  der 
Qge,  wo  meist  von  einer  Eroncliialdrüaentuberkuloee  aus  die 
sekundäre  Lungenerkrankung  erfolgt.  Zu  gan^  anderen  Resultaten 
m  Bezug  auf  die  Häufigkeit  der  Darmtuberkulose  bei  Kindern  kommt 
Hornberger  (Wien),  Nach  ihm  fand  sich  unter  335  tuberkulösen 
Kinderleichen  der  Wiener  Universitätskinderklinik  überhaupt  kein 
sicher  festa  teil  barer  Fall  von  primärer  Darmerkrankung;  ob  hier  eine 
lokale  Eigentümlichkeit  vorliegt  oder  die  angewandte  Sektionstechnik 


Ti'iJi>foben- 
itifektioü 


Primir«' 
[Titustuial-" 
tuberkulöse 
im  Kiniiifii- 


Wege  ( 
Intcaiiniil* 


220 


Biuflgkdi: 
der 

Intestinal- 
,  tabvrkiilo^e 
M  Kindern 


Weg©  des 
Tqberkel- 
bücillaä 


j  Bisvosition 
|j4er  Lungen- 


doch  den  eiBen  oder  anderen  Fall  hat  übersehen  Lassen ,  ist  nitiji* 
lieh  schwer  zu  sagen.  Aufrecht  verficht  in  einer  neueren  Arbeit 
wieder  seinen  bekannten  Standpunkt,  daß  dio  Lungentuberkulose  f&it 
nie  durch  Inhalation  erworben  wird,  sondern  daü  die  TonsiUen  die 
häufigsten  Eingangspforten  des  BbclHqs  sind,  der  von  dort  durch 
die  Hals-  und  Zervikal-  big  zu  den  Mediastinaldriisen  gelangt ^  tuu 
dann  auf  der  Blutbahn  die  Lungen  zu  IntidereQ;  er  stützt  sich 
dabei  besonders  auf  die  anatomischen  Untersuchungen  seines  Scbükrs 
Gor  de  1er,  der  bei  einer  groHen  Anzahl  von  Kranken  die  schritt- 
weise tuberkulöse  Erkrankung  von  den  Tonsillen  bis  zu  den  Broa- 
chialdrijsen  und  Lungen  nacb gewiesen  hat;  ferner  auf  eigene  Ejcperi- 
mento  an  Kaninchen,  denen  er  die  Tonsillen  mit  einem  Wattebausch 
einrieb,  der  in  tuberkulöse  Jtlassen  einer  Phthisikerlunge  eiögetaueht 
war;  auch  hier  fand  er  die  suksessive  Erkrankung  der  ganzen  Drüsen- 
stränge  bis  zu  den  Lnngen.  Von  seiten  gewichtiger  AnatoiQeD 
{Lübarsch)  ist  allerdings  diesen  Versuchen  jede  Beweiskraft  ab- 
gestritten worden;  auch  die  oben  erwähnten  Experimente  Beitzkes, 
sowie  eine  neuere  Arbeit  toh  Hart  sprechen  entschieden  dagegen. 
Letzterer  Autor  stellt  es  auf  Grund  zahhreicher  Experimente  ent- 
schieden iti  Abrede,  dalJ  eine  direkte  Verbindung  der  Halslymph- 
drüaen,  sowie  der  Mesenterialdri^sen  mit  den  Bronchialdriigen  m- 
stiert.  Findet  sich  an  der  Leiche  eine  gleichzeitige  Erkrankung  tter 
Tonsillen,  Hals-  und  Bronchi  aldrtisen,  so  ist  die  Infektion  nicht  »uf 
lympbogenem^  sondern  auf  hämatogenem  Wege  erfolgt.  Hart  hält 
bei  Erwachsenen  die  Tuberknlose  in  den  meisten  Fällen  sicher  iui 
eine  Inhalationskrankheit. 

Unter  den  Momenten,  welche  die  An  Siedlung  des  Tuberkel- 
bacillus  in  den  Lungenspitzen  besonders  begünstigeQi 
spielt  nach  den  neueren  Forschungen  die  von  Freund  jüngst  her- 
vorgehobene Enge  der  oberen  Thoraxapertur  zweifellos  eine  besonders 
wichtige  Rolle,  Hart  ist  in  einer  diesen  Gegenstand  behandelnden 
Monographie,  die  sich  auf  die  Verarbeitung  eines  großen,  einschlägigen 
Leichenmaterials  stützt,  zu  Resultaten  gekommen,  die  Freunds 
Ansichten  vollkommen  bestätigen:  „Durch  eine  erblich  Übertragbari, 
infantilistische  EntwickJungahemmung  der  ersten  Rippe  oder  ihrer 
Knorpel  kommt  es  zu  einer  Form  Veränderung  und  Stenose  der  ohercti 
Thoraxapertur,  welche  zur  Entstehung  einer  tuberkulösen  Spitzeii- 
phthise  bei  jugendlichen  Individaen  prädisponiert ;  sie  ermöglicht  Uüd 
begimstigt  nicht  nur  die  Anaiedlung  der  Tuberkelbazillen ,  sondero 
schädigt  auch  das  Gewebe  in  seiner  Widerstandsfähigkeit/'  Bei 
Erwachsenen  tritt  als  Folge  der  Thoraxstenose  nicht  selten  an  der 


Kninkheiteij  der  Brijnchien,  Lungen,  Pleura  umd  des  MediastinumB.    221 


Spitze  die  Scbmorlsche  Purche  auf.  Weaeutlich  anders  lauten 
die  Ansichten  Rotbschilde;  nach  seiner  Meinung  finden  sich  als 
Ausdruck  einer  mechanischen  DiBpoäition  beim  Phthisiker  ausge- 
sprochene Veränderungen  am  Bternalwinkel^  durch  eine  krank- 
hafte Veränderung  und  Verödung  des  Manubrium-Korpüsgelenkes  wird 
die  Erweiteriing  der  oberen  Thoraxgegend  und  damit  die  Ventilation 
der  Lungenspitzen  in  ganz  erheblicher  Weise  geatört^  eo  daß  eine 
Haftung  des  Bacillus  dadurch  sehr  erleichtert  wird;  der  von  Freund 
und  Hart  beobachteten  Veränderungen  der  ersten  Rippe  mißt  er 
keine  Bedeutung  bei.  Widersprochen  wird  ihm  außer  von  Hart 
auch  von  Hansemann  und  von  Lissauer,  welch  letalerer  auf 
Grund  eigener  Nachprüfungen  an  Leichen  gefunden  hat^  daß  die  von 
Rothschild  behauptete  Beweglichkeit  zwischen  Korpus  und  Manu* 
hrium  sterni  meist  nicht  existiert  und  daß  die  von  letzterem 
mit  seinem  Sternogoniometer  gemesiieuen  Exkursionen  dieser  Ver- 
biJidung  auf  Versuchs  fehlem  beruhen.  Ueber  die  Bedeutung 
der  18  chmor  Ischen)  subapikalen  Lungen  furche  bringt 
einen  interessanten  Beitrag  K  i  t  a  m  u  r  a ,  der  hei  einem  Kind 
an  der  linken  Lungenspitze  eine  5  cm  lange  und  5  mm  tiefe 
Furche  fand,  die  durch  eine  abnorm  verlaufende  Arterla  sub- 
d&via  hervorgerufen  war;  der  entsprechende  Bronchus  war  ateno- 
siert  und  die  angehörende  Lungenpartie  atelektatiach;  ea  fand  sich 
nun  eine  nur  auf  diesen  Abschnitt  beschränkte  Tuberkulose.  Das 
BeetrebeQ,  die  frühzeitige  Diagnostik  der  Lungentuberkulose  zu  er* 
leichtern,  hat  auch  im  Berichtsjahre  wieder  mehrere  bemerkenswerte 
Arbeiten  zu  Tage  gefördert.  Ooldscheider  hat  die  bisherige 
Tdehnik  der  Lungenspitzen perkuesion  einer  eingehenden 
Revision  unterworfen  und  gefunden,  daß  sie  wenig  überein- 
stimmend und  in  ihren  Resultaten  noch  recht  ungenau  ist^  das  gilt 
selbst  von  der  auch  im  vorhergehenden  Jahreabericht  genauer 
beschriebenen  Kronigschen  8pit;£enperkussion ;  die  gleichfalls  nicht 
genau  die  Grenzen  der  Lungenspitzen  auf  die  OberHäche  projiziert. 
Bei  seinen  Untersuchungen  geht  er  aus  von  einer  genauen  anatomi- 
schen Beschreibung  des  obersten  Lungenteils  in  der  Thoraxapertur. 
Der  Apex  der  Lunge  liegt  etwa  in  der  Höhe  des  Rippenhalses  der 
ersten  Rippe  und  kann  vermittels  Palpation  durch  den  Finger 
zwieehen  den  beiden  Partien  des  Muse,  sternocleidomastoideus  fest- 
gestellt werden;  von  hier  perkutiert  man  mit  ganz  leiser  Perkussion 
sowohl  den  inneren  wie  auch  den  äußeren  Lungenrand  ^  die  beide, 
beaonders  aber  der  erstere,  recht  genau  darzustellen  sind;  bei  dem 
lußeren   ist  die  Projektion  schon   etwas  weniger  sicher  j   die  Per- 


dea  Hirn 
winkele. 


Schmorlteii 


PtTkuaBioii 


^oldsi^hetder. 


kosBion  des  lithmus  seh  eint  Groldgcheider  iin  ganzen  wenig  ztiver* 
llssig,  weil  dadorch  tticht  bloß  meigt  die  SpitsEe,  sondern  auch  tiefer  ge- 
legen» Teile  nach  außen  projiziert  werden.  Die  Perkussion  dem  hinteren 
Teils  der  Spitze  auf  dem  Rücken  wird  bei  nach  vorn  und  eeitwärta  ge- 
strecktem Arm  gemacht,  so  daß  der  Interskapularraum  möglichst  breit 
wird.  Den  inneren  Rand  tiudet  er  in  gleicher  Ausdehnung,  wie  Erönig^ 


Kranklieiten  der  BroncliieTi,  Lungen,  Pleura  und  des  MedJaälinuma.     223 

die  SchaUveränderuögen  während  der  Bespiration;  fehlen  derartige 
*  iM^fereBzen  bei  der  Perkussion  an  den  Spitzen,  so  ist  das  ein  recht 
wicLtigdB  Zeichen  für  krankhafte  VeranderuDgen  iDnerhalb  derselben. 
Die  V erwendiiDg  des  Tuberkulins  zu  diagnoa tischen  Zwecken, 
die  bisher  nur  durch  subkutane  Injektion  geschah,  wird  jetzt  durch 
zwei  andere  Applikations weisen  versucht,  v.  Pirquet  ging  von 
der  Beobachtung  aus,  daÜ  ein  Körper,  der  mit  einem  Bazillengift 
infiziert  ist,  auf  eine  neuerliche  EinverleibuEg  dieses  Giftes  viel 
schneller  und  energischer  reagiert,   als   ein  gesunder.     Diese  Ver- 


Fitf,  *>0. 


lAui  Bevl.  Uli»!    WoeheiiBuhr.  itfüT,  Nr   ^l,  Flg.  18) 


ändertmg  der  Reaktionsfähigkeit  nennt  er  Allergie;  sie  findet 
sich  beiBpi  eis  weise  bei  der  Kuhpockenvaccination  ond  femer  bei  der 
Einspritzung  des  Diphtberieserums;  dasselbe  Verhalten  findet  man 
Aach  bei  Tuberkulösen,  denen  man  Tuberkulin  einverleibt;  statt  der 
subkutanen  lujektion  wendet  v*  Pirquet  die  kutane  Impfmig  an, 
gans£  ähnlich  wie  bei  der  Vaccination;  als  Impflyniphe  nimmt  er 
Kochsches  Alttuberkulin  mit  einem  Teil  5  ^'/oiger  Karboliöiung  und 


221 


Hodihaus. 


zwei  Teilen  phydiobglscher  Kochaalslösujig,  statt  der  Lanzette  benutzt 
er  einen  Bohrer ;  er  bringt  zwei  Tropfen  der  LöBiing  in  einiger  Ent* 
fernung  auf  die  Außenseite  des  Unterarmes ,  legt  zuerst  scwisrheo 
den  beiden  eine  K  on  troll  hob  rung  an  und  bohrt  dann  durch  die  beiden 
Tropfen  in  die  Haut  eine  kleine  Oeffnung;  nachdem  die  Lösung  einige 
31inaten  eingewirkt,  wird  sie  mit  Watte  entfernt,  die  Stellen  werden 
ohne  Verband  gelassen.  Nach  24,  höchstens  48  Stunden  tritt  bei 
Tuberkulösen  an  der  Impfstelle  eine  rote  Papel  anf^  die  in  ihren 
Dimensionen  zuweilen  schwankt  und  nach  einigen  Tagen  unter  Idcbtär 
Schuppung  abblaßt;  zuweilen  tritt  die  Beaktion  auch  gpater  auf ^  wie 
V.  Pirquet  meint,  meist  bei  ausgeheilten  Fällen.  Das  Verfahren 
hat  V.  Pirquet  an  300  kranken,  meist  tuberkulösen  Kindern  er- 
probt und  gefunden,  daß  die  Reaktion  fast  ausnahmslos  auftritt;  nör 
wenige  Fälle  versagten,  so  daß  wir  in  dem  neuen  Verfahren  eine 
ziemlich  sichere  Methode  zur  Erkennung  der  Tuberkulose  bei  Kindern 
haben;  bei  Erwachsenen  liegt  die  Bache  insofern  andere,  als  die 
Reaktion  auch  bei  solchen  auftritt^  bei  denen  keine  mantfeeto 
Tuberkulose  vorhanden,  sondern  nur  alte,  abgeheilte  Herde  vor* 
handen  sind;  als  Diagnoatikum  erscheint  sie  hier  weniger  brauchbar; 
daß  Gesunde  die  Reaktion  nicht  geben ^  hat  v.  Pir<iuet  an  *28  Per- 
sonen geprüft,  bei  denen  die  nachträgliehe  Obduktion  auch  keine 
Spur  von  Tuberkubae  gab.  Diese  neue  Methode  ist  natiirlich  viel- 
fach nachgeprüft  worden:  Moser  hat  120  Kinder  geimpft;  von 
17  Kindern,  die  keine  Reaktion  zeigten,  waren  3  mit  Tuberkulose 
behaftet,  aber  sehr  kachektiach.  11  Fälle  mit  Reaktion  erwiesen 
sieh  bei  der  Obduktion  als  tuberkulös.  Peer,  der  48  Kinder  impfte, 
fand  bei  samtlichen  Taberkulösen  eine  deutliche  Reaktion.  Etwas 
anders  lauten  die  Versuche  von  En^el  und  Bern  er,  die  auch 
Säuglinge  impften;  von  48  reagierten  H;  5  von  diesen  waren,  nach 
dem  klinischen  Befund  zu  urteilen,  sicher  nicht  tuberkulös;  bei  einem 
bestätigte  die  Obduktion  die  klinische  Diagnose,  bei  den  anderen  die 
pro batori sehe  Tuberkulinimpfung,  welche  ebenfalls  negativ  ausfiel; 
bei  Säuglingen  schemt  demnach  diese  Methode  wenig  zuverlässig: 
Jenseits  dea  Säuglmgsaltera  fanden  die  Autoren  bei  Kindern,  die 
tuberkulös  waren,  die  Reaktion  stets  positiv  ausfallen.  Bei  Er- 
wachsenen fand  Mainini  die  neue  Methode  bei  Tuberkulösen  und 
der  Tuberkulose  Verdächtigen  in  einem  aehr  großen  Prozentsat» 
Fälle  auftreten;  sie  stellte  sich  aber  auch  bei  fast  60 ^/^  derjeni| 
Kranken  ein,  die  sicher  nicht  an  manifester,  sondern  wahrscheiii 
nttr  noch  Spuren  ausgeheilter  Tuberkulose  zeigten.  Nach  die 
Resultaten^  die  mit  von  mir  angestellten  Versuchen  itbereinstinmieD» 


Kmnldieiteii  der  Bronchien.  Lungen,  Pleura  und  des  Mediastinnma.    225 


kann  man  mit  Sicherbeit  behaupten,  dali  die  neue  Eeaktion^  wie 
auch  üir  Erfinder  schon  gleich  betont,  für  ErwacbBena  kaum  einen 
diagnostiBchen  Wert  hat;  ob  ihr  ein  solcher  für  das  Kindeaalter 
2iikommtj  erscheint  wahrscheinlich  er,  mulJ  indes  durch  weitere  Nach- 
prüfiingen  noch  festgestellt  werden.  Ueble  Nachwirkungen  scheinen 
bia  jetzt  kaum  konstatieit  zu  sein. 

Statt  der  kutanen  Impfung  wenden  Wolff-Eiener  und  Cal- 
mette  die  Einträuflung  von  Tuberkulin  in  denKonjunk- 
tivalöack  zu  diagnostischen  Zwecken  an.  Als  Impilflüssigkeit 
nim^mt  man  entweder  eine  schwache  Alttuberkulinlösung  (1~— 2 — 4"/o) 
oder  nach  Calmette  ein  besonders  präpariertes  Taberkulin,  das 
von  dem  Glyzerin  befreit  ist.  Davon  wird  ein  Tropfen  in  den  Kon- 
jnnktivalaack  eingeträufelt;  die  positive  Heaktion  gibt  sich  in  der 
Hegel  nach  8 — 12  Stunden  durch  Rötung  und  Schwellung  der  Conjunc- 
tivft  verbunden  mit  Hitzegefiibl  und  Tränenträufeln  kund ;  nach  einigen 
Tagen  blaßt  sie  wieder  ab.  Die  bis  jetzt  angestellten  Versuche 
mit  dieser  Heaktion  (von  Köhler,  Mainini  u.  a.)  zeigten,  daß  sie 
bei  Taberkulösen  und  solchen,  die  der  Tuberkulose  verdächtig  sind^ 
ziemlich  sicher  auftritt;  dagegen,  besonders  wenn  sie  wiederholt  wird^ 
auch  bei  solchen^  deren  Tuberkulose  eicher  ausgeheilt  ist.  Die  Re- 
sultate Kliene  bergers  lauten  dagegen  etwas  anders;  er  fand  ein 
negatives  Resultat  bei  einem  großen  Prozentsatz  seiner  tuberkulösen 
Patienten»  und  zwar  nicht  nur  bei  den  seh  wer  erkrankten,  von  denen 
€a  ja  allgemein  bekannt,  sondern  auch  bei  den  leichterkrankten; 
von  seinen  der  Tuberkulose  suspekten  Fällen  reagierten  nur  ein 
Drittel.  Bei  denjenigen,  wo  eine  Tuberkulose  sicher  ausgeschlossen 
war,  reagierten  bei  der  ersten  Instillation  nur  wenige,  bei  der  zweiten 
dagegen  über  70  "/n;  den  Grund  dafür  sucht  Klieneberger  in 
«iner  durch  die  erste  Instillation  hervorgerufenen  Ueberemp Endlich- 
keit. Er  streitet  entschieden  dagegen,  der  aweiten  Instillation  irgend 
einen  diagnostischen  Wert  beizulegen ^  wie  dies  Eppenstein, 
Bohenk  und  Seiffert  tun.  Der  Wert  dieser  neuen  Methode 
scheint  ihm  jedenfalls  noch  sebr  problematisch.  Diese  beiden  neuen 
Methoden  haben  vor  der  alten  Tuberkulininjektien  sicher  den  großen 
Vorteil,  daß  sie  erheblich  leichter  anzustellen  sind  und  fast  stets 
ohne  jede  Allgemeinreaktion  verlaufen ;  ob  ihre  Zuverlässigkeit  aber 
die  gleiche  oder  gar  noch  großer  ist,  das  müßten  erst  weitere 
Kacbprüfungen  lehren;  jedenfalls  scheinen  sie  den  Wert  der  alten 
Tuberkdinreaktion f  die  jetzt  viel  geübt  wird^  nicht  zu  erreichen. 
Den  Wert  der  Durchleuchtung  auch  für  die  rrühdiagnose  der 
Spitzentuberkulose  zeigen  mehrere  Arbeiten;  nach  langjährigen  Er^ 


0[tlithalii 
reaktionJ 


820 


[leactittiitg . 


Hluflgkeit 
der 


fÄhrungen  in  der  Heidelberger  Klinik  findet  Arnsperger,  daß  l>ei 
fast  allen  beginnenden  Tuberkulosen  die  sogen.  Lungenspitzenfeider 
in  ihrer  Helligkeit  und  Grölie   deutliche  Veränderungen    aufwiesen^ 
die  bei  den  einzelnen  Ätmnngspb&seo  in  der  ^egel  noch  deutlicher 
hervortreten.   Das  eo  gen.  Willi  am  sehe  Symptom^  welches  nach  der 
Darstellung  englischer  Autoren  sehr  häufig  sein  soll,   fand   er  ntir 
fielten;    zu   ähnlichen   Resultaten   kamen   Pförringer  und   Banz: 
unter  26  inzipienten  Fällen  zeigten  sich  26mal  im  Röntgenbild  deut- 
liche Veränderungen.     Für   die   chronische  ^   weiter  fortgeschrittene 
Tuberkulose  ist  die  Durchleuchtung  insofern  wertvoll ,   als   sie  deo 
Prozeß  in  seinem  ganzen  Umfang  wesentlich  schärfer  zeigt^   als  wir 
es  mit  unseren  anderen  Methoden  zu  erkennen  vermögen ;  besonders 
zentrale  Herde  werden  ja  fast  nur  auf  ersterem  Wege  sicher  erkenn- 
bar.  Daß  die  Lnngendriisentuberkuloae  auf  diesem  Wege  am  siGher- 
sten  erkannt  wird,  bestätigen  auch  Pförringer  und  Banz.   Ancb 
Vier  hoff  hebt  die  große  diagnostische  Bedeutung   des  Verfahreni 
hervor.     Bedingung   für   ein   gutes  Gelingen   ist    selbst verständücli 
eine  tadellose  Technik ,  besonders  die  Anwendung  geeigneter  Blenden. 
Ueber    die   Häufigkeit   des   Vorkommens    der    Tuber- 
kulose hat   bekanntlich  zuerst  Naegeli   eine   auf  genaue   patho- 
logische Uotersuchungen  gestutzte  Arbeit  geliefert,   wonach  etwi 
97  "/o  aller  Obduzierten  Zeichen  tuberkulöser  Erkrankung  zeigen:  ^ 
stÄtigt   sind   diese  Zahlen  durch   eine  ganze  Anzahl  anderer  patho- 
logischer Anatomen    (Burckhardt,    Lubarsch,    Necker),  die, 
wenn  auch  nicht  ganz  so  hohe  Zahlen  ^   so  doch  fmnäbemde  Werte 
ianden.     Von  mancher   Seite    sind    gegen    die  in  diesen  Sektiona- 
ergebniflsen  zu  Tage  tretende  Häufigkeit  der  Tuberkulose  Bedenken 
erhoben   worden,   die   Naegeli   in   einem  Vortrag   auf  dem  Wies- 
badener Kongreß  zu  widerlegen  suchte.     Er  zeigte  1*  daß  seine  Be- 
funde keine  zu  großen  Zahlen  ergaben,   weil  sie  durch  die  anderir 
Nachuntereucher   fest   gestützt   werden,    2.    dail    die   von    ihm  ab 
Tuberkulose  geführten  Veränderungen  auch  wirklich  tuberkulös  waren ^ 
wie  es  die  mikroskopische  Untersuchung  bewies.    Besonders  die  Ein- 
wände Cornets,   daß   die  Zahlen  des   Leichenmaterials  nicht  anf 
die  Gesamtbevölkerung  zu  übertragen  seien  und  daß  die  gefundeneo 
Veränderungen  wohl  zum  Teil  von  avirulenten  Ba74llen  herrühren^ 
weist  er  meines  Erachtens  mit  guten  Gründen  zurück;  die  TatsachCi 
daß  so  ziemlich  jeder  Mensch  einmal  mit  der  Tuberkulose  gekämpft 
hat,  steht  nach  seiner  Meinung  unumstößlich  fest.    In  der  Diskussion 
hielt  Cornet  seine  Einwiinde  aufrecht  und  glaubt,   daß  bei  ihrer 
Beracksichtiguag    die    Zahlen    der    an    Tuberkulose    Erkrankten 


Ktftnkheiteii  der  Broncbien,  Lungen,  Pleura  wnd  des  Mediaatfcinuma.    233 


teriatlsclies  Bild  zu  geben,  daß  man  auch  diese  Erkrankung  früher 
diagnostizieren  kann.  Seufferheld  und  Gerhardt  bringen  dafür 
8wei  recht  belehrende  Beispiele.  Im  Falle  Seufferhelds  klagte 
der  Patient  über  Stechen  in  der  rechten  Brustaeite,  Atemnot,  Husten; 
öS  fand  sich  dort  eine  Dämpfung,  die  an  der  vierten  Bippe  begann 
üad  in  die  Leberdämpfung  überging,  letztere  endete  drei  Finger  breit 


(Au^  MUiicii.  i3ic<!,  Wochenschr.  1907,  Nr    )*>\  Kig    1  | 

Unter  dem  Rippenbogen.  Die  Dämpfung  fiel  nach  der  A^llargegend 
ab;  im  dritten  luterkostalraum  war  nach  außen  von  der  Mamilla 
eine  druckempÜndliche  Stelle;  beim  Liegen  begann  die  Dämp- 
fung im  latarkoBtalraum  höher;  darüber  hörte  man  schwaches 
Bronchialatmen;  hinten  waren  die  Verhältnisse  normal  Es  wurde 
am  ehesten  an  Pyopneümothorast  gedacht  und  eine  Durchleuchtung 


j 


Durch- 


iwleriglieit 
1  weis  es  der 

I 


IntraKelliilare 
L»geruiig  dei 


dal' 
ITalierkiiloae. 


Z  i  c  h  1  nicht  darstellen  lEIit ;  Ble  kann  dann  häuEg  durch  die  Gram* 
nnd  LoefTlar-Giemsaache  Färbung  mchtbar  gemacht  werden.  Die 
Lagerung  der  Tuberkelbazillen  innerhalb  der  Leakozjrten  spielt  bei 
der  Opsoninbestimmnng  (siehe  iinten)  eine  wichtige  KoUe,  die  such 
prognostisch  Tcrwendet  werden  kann.  Löwenstein  hat  nun  ge- 
funden, daß  man  auch  ohne  die  Methode  Wrigths,  die  ja  immer* 
hin  recht  kompliziert  und  schwierig  ist,  einfach  durch  Bestimmung 
der  intrazellularen  Lagerung  in  den  Leukozyten  des  Sputums 
gewisse  prognostische  Schlüsse  ziehen  kann-  Eine  derartige  Lage- 
rung der  Bazillen  fand  Löweostein  L  bei  ansgesprochea  chroni* 
sehen  Fällen,  2.  bei  frischen  mit  gunstiger  Prognose,  und  3.  dort, 
wo  eine  längere  spezifische  Behandlung  vorausgegangen  war,  Ana 
diesen  Beobachtungen,  besonders  aber  aus  der  letzteren,  schließt 
Löwenstein,  daß  diese  intrazellulare  Lagerung  mit  immunisatori* 
sehen  Vorgängen  im  Zusammenhang  stehe ;  dort,  wo  sich  solche  »Ij- 
spielen,  sei  es  durch  künstliche  Beeinflussung  oder  die  Heilkraft  der 
Natur j  linden  sich  die  Leukoz^i^en  mit  Bazillen  beladen.  Nach  der 
Meinung  Löwensteins  ist  das  Zeichen  günstig  und  bedeutet 
stets  eine  im  Organismus  obwaltende  HeÜungstendenz.  Die  Frage 
der  Mischinfektion  ist  von  Sorgo  wieder  einer  Bearbeitung 
unterzogen  worden.  Seine  Resultate,  die  sich  auf  Impfungen  tm 
dem  Sputum  j  aus  Pleuraexsudat  und  aus  Leicheoorganen  stüUen, 
lassen  sich  kurz  dahin  zusammenfassen,  daß  Misch  Infektionen  bei 
Tuberkulösen  im  allgemeinen  selten  vorkommen;  nur  die  Amy- 
loidentartung  scheint  ihm  meist  mit  einer  Mischinfektion  in  Zu- 
sammenbang  zu  stehen;  er  glaubt,  daß  durch  tuberkulöse  Darm- 
geschwüre Bakterien  und  Toxine  in  den  Organismus  einwandern  und 
so  den  Grund  zu  Amyloid ontartung  abgeben.  Eine  detaillierte 
Einteilung  der  klinischen  Formen  der  chronischen 
Lungentuberkulose  schlägt  Gabrllowitsch  vor.  Er  unter- 
scheidet primäre  und  sekundäre  Formen.  Die  ersteren  faabea 
günstige  Heilungatendenss ,  bleiben  lokalisiert  und  sind  gegen 
das  gesunde  Gewebe  scharf  abgegrenzt,  haben  häufiger  Hämoptoe^ 
selten  Fieber,  häufig  trockene  Pleuritis,  gutes  Ailgemeinbe finden; 
es  gehören  dahin  die  Tuberculosis  sicca,  catarrhalis»  fibrosa  und 
ulcerosa.  Die  sekundären  Formen  zeigen  ungünstige  Heilungs- 
tendenz, diffuse  Ausbreitung,  Hämoptoe  mit  Fieber  und  im- 
günstigem  Allgemeinbefinden ;  es  gehören  dazu  die  Broncho pneumonia 
metastatica  und  die  Pneumonia  ulcerosa.  Die  Einteilung  ist  etwas 
35U  minutiös,  zengt  aber  von  einer  sorgfältigen  Beobachtung  dei 
Krankheitsbildes. 


Krankheiten  det  Bronchien,  Lungen, 


Ueber  &en  Energie?  erb  rauch  bei  der  Tuber  knloae  bat  8tae> 
heiin  an  drei  Phthisikern  Vereuehe  angeatellt;  dieae  waren  fieberlos, 
um  80  den  Einfluß  einer  erhöhten  Temperatur  aui£u  geh  ließen»  Kamen  abo 
Differenzen  ssum  Vurscheinr  bd  mußten  diese  mit  ziemlicher  Sicherheit  der 
Infektion  zugeschrieben  werden.  Die  genaue  Untersuchung  des  GaawechBeli 
gescfa&h  im  Jaqnetscben  Eespirationsapparate,  in  dem  die  Patienten  stunden- 
lang liegen  können;  der  Versuch  geachah  12  Stunden  nach  einer  reichlichen 
M^lzeit,  einmal  nach  Kohlehydrat,  asweimat  nach  Eiweißnahrung  verglichen 
mit  Selbstvers  neben  des  Verfassers.  Nach  Eohlehydratnahrutig  zeigten  Ge- 
sunder und  Fhthiaiker  keinen  unterschied,  dagegen  war  nach  der  Eiweiß* 
nahrung  die  Wärmeproduktion  pro  Kilo  Körpergewicht  entschieden  höher, 
wie  beim  Gesunden.  Dieses  Mehr  an  Energieverbrauch  muß  mit  größter 
Wahrscheinlichkeit  doch  auf  toxische  Wirkung  des  Tuberkelbazillus  be- 
logen werden. 

Im  Kampfe  gegen  die  Tuberkulose  mmmt  die  Prophylajte  wohl 
mit  Kecht  eine  hervorragende  Stelle  ein;  die  Lungen  fürsorge- 
st eilen,  welche  jetzt  fast  in  allen  Städten  begründet  werden,  machen 
es  sich  zur  Aufgabe,  die  Gefahren  zu  beseitigen ,  welche  Tuberkulose, 
die  au«  irgend  welchen  Gründen  nicht  in  Krankenhäusern  oder  Heil- 
stätten untergebracht  werden  können,  für  ihre  Umgebung  mit  sich 
bringen.  Die  Mali  regeln,  die  hier  ergrilfen  werden  müssen^  sind  sehr 
verschiedener  Art,  und  es  bedarf  der  aufopferndsten  Tätigkeit  der 
von  den  Füräorges teilen  angestellten  Personen,  um  einen  Erfolg  zu 
erzielen.  Einen  hübschen  Ueberblick  über  diese  Tätigkeit  gibt  eine 
Arbeit  von  Besohorner,  dem  Fürsorgearast  der  Stadt  Dresden. 
welche  über  Aufgaben  und  Organisation  dieser  neuen  Einrichtungen 
ganz  genau  informiert.  Bei  der  Behandlung  der  Tuberkulose 
spielen  neben  den  anerkannten  physikalischen  und  hygieniBch  diä- 
tetischen Heilmethoden  die  spezi fischen  doch  allmählich  wieder 
eine  gröliere  Rolle;  seitdem  man  allgemein  die  Behandlung  mit  gan^ 
kleinen,  minimalen  Dosen  durchführt  und  dabei  jede  Reaktion  ver- 
meidet, scheinen  die  Tuberkuline  nicht  bloß  bei  den  Heilstätten- 
ärzten,  sondern  auch  in  den  groiien  Krankenhäusern  und  in  der 
Privatprajds  mehr  Eingang  zu  linden.  Angewendet  wird  fast  durch- 
weg das  Alttuberkulin,  nur  wenige  nehmen  das  Neutuberkulin  oder 
irgend  ein  anderes  Präparat;  die  Dosierung  schwankt  meistens 
zwischen  Teilen  eines  Milligramms,  So  berichtet  Hammer  über 
50  Fälle,  die  er  in  der  Heidelberger  Poliklinik  behandelt  hatj  er 
begann  anfangs  mit  0,0001  g,  nachher  sogar  mit  0,0000(31  g  Tuberkulin 
und  stieg  allmählich  in  einzelnen  Fällen  bis  1,0.  Die  Behandlung 
dauerte  bis  zu  b^  .>  Monaten.  In  23  Fällen  verschwanden  die  physi- 
kalischen Erscheinungen  voUkonmien ;  besonders  gut  war  die  Wirkung 


Energie^ 
yerbrauoh 


Fürsorge* 
stellen. 


TuberkuUii* 
bebiudlu 


Hochhalte 


JTuljerkuliji- 
Kh  and  Jutig 


u 


aerum. 


prlghtsctie 
OpsDiiiiie 


auf  das  Fieber  und  die  Schweille;  auch  bei  den  achwersten  Fällen 
war  ein  Erfolg  nicht  zu  Terkennen;  auch  Mitulescu,  Weicker  und 
Lenhartz  empfehlen  dsLs  Tuberkulin,  letzterer  ganz  besonders  wann 
gegen  die  Urogenitaltuberkulose ,  selbst  in  vorgeschrittenen  Fällen 
sah  er  gute  Erfolge  von  dieser  Behandlung.  Mit  dem  neuen  Prä* 
parate  v,  Behrings,  der  Ttüase^  scheinen  bis  jetzt  ausgedehnter« 
Yersuche  noch  nicht  gemacht  zu  sein.  Dagegen  ist  ein  anderes 
Präparat,  welches  eine  mehr  passive  Immunisierung  des  Organismus 
bezwecktf  das  Marmor ekaerumf  mehrfach  in  Anwendung  gesogen 
worden ;  die  Erfolge  scheinen  nach  den  vorliegenden  Berichten  aller- 
dings nicht  besonders  hervorstechend  zu  sein^  kommen  jedenfalls 
denen  des  TuberkuIiDS  nicht  gleich.  Die  Applikation  geschieht  am 
besten  rektal  und  kann  wochenlang  eine  Dosis  von  5  ^10  ccm  ohne 
besondere  Nebenerscheinungen  angewandt  werden.  Stadel  mann 
tmd  Banfjf  ebenso  Elsaß  er,  sahen  von  diesem  Präparat  keine 
günstigen  Erfolge  bei  Lungentuberkulose;  besser  lauten  schon  die 
Berichte  von  H e j m a n n s  und  Daniels- den  Haag,  die  wenigstens 
bei  einzelnen  Patienten  gute  Besultate  ^u  sehen  glaubten;  ihr  Ma- 
terial war  übrigens  nicht  sehr  groß.  Bei  chirurgischer  Tuberkulose 
scheinen  die  Erfolge  nach  Mitteilung  einzelner  Autoren  etwas  besser 
zu  sein  (Hoffa).  Noch  spärlich,  aber  viel  verheißend  lauten  die 
Berichte  über  eine  neue^  von  A,  E.  Wright  in  London  inaugurierte 
Behandlung  der  Infektionskrankheiten^  spezieU  auch  der  Tuberkulose. 
Nach  diesem  Autor  finden  sich  in  dem  Serum  von  infektiösen  Kj-aoken 
Stoffe»  welche  die  Bakterien  für  die  Phagozyten  schmackhaft  macheiit 
die  Phagozytose  und  damit  auch  die  Vernichtung  der  Bazillen  be- 
günstigen. Diese  Stoffe  nannte  er  Opsonine.  Diese  letzteren  und 
damit  die  Phagozytose  wachsen,  wenn  man  den  Patienten  ein  Vaccine 
einimpft,  die  meist  aus  den  in  ihrem  Blute  befindlichen  Bakterien 
hergestellt  wird.  Bei  der  Tuberkulose  nimmt  Weiß  Tuberkulin; 
die  Opsoninebestimmüng  ist  nun  insofern  für  die  Behandlung  prakdsoh 
wichtig  j  als  nach  jeder  Einspritzung  von  Tuberkulin  zuerst  der 
Opsoningehalt  sinkt  und  dann  erst  steigt;  erst  beim  Steigen  des 
Opsoningehaltes  darf  man  injizieren;  nur  dann  wächst  der  letztere 
und  damit  die  dadurch  erzielte  Immunisierung  des  Organismus; 
spritzt  man  in  der  negativen  Phase  ein  ^  dann  wird  diese  noch 
größer  5  und  ein  Nutzen  für  den  Kranken  wird  nicht  erzielt.  Sind 
diese  Beobachtungen  Wr  i  ghts  richtig,  dann  wäre  damit  ein  wichtige» 
neues  Prin2ip  für  die  Behandlung  j^^ewonnen.  Die  Technik  der 
Opsoninbestimmung  ist  bis  jetzt  noch  recht  kompliziert  und  wird 
sich  in  dieser  Form  jedenfalls  nur  in  Kliniken  und  größeren  Kranken- 


Krankheiten  der  Bronchien,  Lungeti,  Pleura  und  des  Mediatiiname»     231 

häuaern  einb  ür gern.  Ko  mpe  teBte  Aer  zte  {S  t  r  u  b  e  1 1 ,  N  e  u  b  ü  r  g  e  r), 
die  die  Behandlung  Wrights  an  Ort  und  Stelle  gesehen,  sind 
von  sein  Erfolgen  überzeugt  Bine  nxid  Lißner  haben  auf  der 
Heidelberger  Klinik  Opsoninbestimmungen  bei  Lungentuberkulose 
auch  rtaeh  Tuberkulineinspritzungen  gemacht  und  im  großen  uud 
ganzen  die  Angaben  Wrights  bestätigt ;  die  Erfahrungen  sind 
aber  erst  gering,  weitere  Arbeiten  werden  den  Wert  der  neuen 
Methode  bestätigen  müssen*  Den  Wert  der  Hjperämiebehand- 
inng  mittels  seiner  Lungensangmaske  setzt  Kuhn  in 
einer  ausftihr liehen  Arbeit  auseinander.  Die  Vorteile  der  Methode 
bestehen  1.  in  einer  stärkeren  Durchblutung  der  gesamten  Lungen^ 
2*  in  einer  gewissen  Ruhigstellung  der  Atmungsorgane  ^  da  diese 
bei  ihrer  stärkeren  Hyperämisierung  an  gröBeren  Exkursionen  ge- 
hindert sind;  3-  werden  durch  die  erschwerte  Einatmung  die 
gesamten  Atemmuskeln  zu  einer  kräftigen  Bewegung  und  Hebung 
gezwungen  ( W^iderstandsgymnastik) ;  4,  wird  die  Tätigkeit  des 
Hertens  und  wird  die  Beschaffenheit  des  Blutes  in  der  günstig- 
sten Weise  beeinflußt*  Diesen  guten  Wirkungen  entsprechen  auch 
die  Resultate^  welche  Kuhn  von  seiner  Methode  gesehen  hat.  Ueble 
Nebenwirkungen^  besonders  Hämoptoe,  wurden  nie  beobachtet*  Ueber 
die  operative  Behandlung  der  Lungentuberkulose  durch  künst- 
lichen Pneumothorax  haben  wir  im  vorigen  Jahrgang  berichtet, 
A.  Schmidt  faßt  jetzt  in  einer  Arbeit  die  Resultate  seiner  und 
anderer  Autoren  kurz  zusammen.  Die  Zahl  der  Erfolge  ist  gering; 
Dur  bei  5  von  22  Fällen  (von  denen  Schmidt  13,  die  übrigen 
Brauer  und  Lexer  behandelten)  wurde  ein  Erfolg  erzielt;  zum  Teil 
wohl  deshalb»  weil  die  Auswahl  nicht  ganz  geeignet  war;  nur  Fälle 
einseitiger  Erkrankung  sind  geeignetj  die  Einführung  des  Gases 
muli  häufig  in  längeren  Intervallen  geschehen  ■  die  Kompression  muß 
eventuell  Jahre  lang  unterhalten  werden,  nur  dann  ist  auf  Erfolg  zu 
hoffen.  Basierend  auf  den  Freunds  eben  Prinzipien  der  Ursache  der 
Lungentuberkulose  hatKauech  bei  einer  Tuberkulose  eine  Resek- 
tion des  ersten  Rippen knorpela  gemacht*  Die  Operation  wurde 
gut  ertragen,  und  der  Patient  fand  sich  nachher  wohl  besser;  ein  de- 
finitives Urteil  konnte  bei  der  Kürze  der  Beobachtung  noch  nicht  ge- 
fällt werden.  Jedenfalls  ist  dadurch  (wie  durch  viele  später  zu  er- 
wähnende Operationen)  erwiesen^  daß  diese  technisch  sehr  gut  aus* 
i^hrbar  ist.  Bei  dem  Zusammentreffen  vou  Phthise  und  Dia- 
betes pflegt  man  in  der  Regel  von  einer  strengeren  Regulierung 
der  Diät  abxusehen  \  für  die  schweren  Tuberkulosefälle  mag  das  richtig 
M&m;  bei  leichteren  Erkrankungen  dagegen  erzielt  man,  wie  Thor- 


behatidlung^ 
dnrcb 


Operativö 
Bebandluiig 

durch 

kUiiBtIißlie 

Pneumo- 

tbor*x. 


d^B  «rstüii] 
Rililien- 
knor|>elB. 


Dljibeltiti 
Phtblie, 


I 


heiten  det  Broncbien,  Lungen,  Pletira  und  des  Mediastinums. 

fcemtisches  Bild  zu  geben,  daß  man  auch  dieae  Erkrankung  früher 
diagDoetlaieren  kann.  S e u f f e r h e  1  d  und  Gerhardt  bringen  dafür 
*w«i  recht  belehrende  Beispiele.  Im  Falle  Seufferhelds  klagte 
der  Patient  über  Stechen  in  der  rechten  Brustseitej  Atemnot,  Husten; 
es  fand  sich  dort  eine  Dämpfung,  die  an  der  vierten  Rippe  begann 
und  in  die  Leberdämpfung  überging,  letztere  endete  drei  Finger  breit 

Fig,  21. 


unter  dem  Eippenhogen,  Die  Dämpfung  fiel  nach  der  Axillargegend 
ab;  im  dritten  Interkostal  räum  war  nach  aulien  von  der  Mamilla 
eine  dmckemp6nd liehe  Stelle;  beim  Liegen  begann  die  Dämp- 
fnng  im  Interkostalraum  höher;  darüber  hörte  man  schwaches 
Bronchialatmen;  hinten  waren  die  Yerhältnisae  normal  Es  wurde 
[am  ehesten  an  Pyopneumothorax  gedacht  und  eine  Durchleuchtung 


DurQ 
leuchlj 


234 


Hochbaufi. 


*  Harch-  vorgenommen  j  dabei  zeigte  sich  im  fast  hellen  Lunge&felda  ein 
jeucbttine  10  cm  langer,  ein  bis  iswei  Qnerfinger  breiter  Schatten,  der  von 
auüen  gegen  das  Sternum  hinzog;  unterhalb  war  normales  Lungen- 
gewebe, das  Zwerchfell  bewegte  sich  gut.  Die  Diagnose,  interlobn- 
lärer  ErguH,  war  nmi  leicht  und  wurde  durch  den  weiteren  Verlauf 
bestätigt.   Ganz  ähnlich  wai^en  die  physikalischen  Ergebnisse  bei  dem 

Fig,  22- 


(Ana  MQnch.  med.  Woclienschr.  istiTj  Nr.  ä(ä,  Fig.  £) 

Ealla  Gerhardts,  der  auch  seinen  ErgaB  aaf  der  rechten  Seite  hatte: 
auch  hier  zeigte  die  Durch  Strahlung  deutlich  innerhalb  der  fast  hellen 
Lungenfelder  einen  keilförmigen  Schatten  von  der  Axillar gegend  hm 
zur  Mediane,  wodurch  gleich  zu  Anfang  der  Erkrankung  eine  sichere 
Diagnose  möglich  wurde  (siehe  die  beigefügten  Zeichnungen  L  Di^ 
Zeichen,  welche  auf  eine  Pleuritis  diaphragmaticaschlietlenla 
stellt  Sehrwald  in  einer  Arbeit  zusammen  und  vermehrt  sie  noch  um 


Krankheiten  der  Broncbien,  Lungen ,  Flenra  und  dea  Mediastinum b. 


ein  neues,  das  er  bei  einer  Pneumonie  beobachtet  hat  Diese  aind^ 
i.  Kurze,  abgensaene  und  beschleunigte  ReBpiratiouen ;  2.  starke 
Schmerzen  von  verschiedener  Lokalisation ,  bald  im  Bereich  einea 
größeren  Teüa  des  ZwerchfeUa,  bald  nur  an  einzelnen  Steilen;  der- 
artige schon  früher  beschriebene  Druckpunkte  sind  an  der  Schnitt- 


Pkaritia 

diapkrag- 

mattcA. 


236 


Hoctbaus. 


Pleuritis 
diaphrng- 


IChytothorax 


er  Fleuritiü 


rAutoaemin- 
therapie . 


oberen  Partien  des  M.  ractns  abdomiois  am  Ende  der  Respiration: 
4.  zuweilen  Reiben  unterhalb  des  unteren  Lungenendea,  Als  neu«8 
Zeichen  hat  Sahrwald  hei  einer  kruppösen  Pneumonie  beobachtet 
heftige  Hustenanfalle  gleich  nachdem  der  Patient  etwas  geschlncM  M 
hatte;  die  Speise  wurde  dadurch  wieder  in  den  Mund  getrieben; 
hervorgerufen  wird  diese  Erscheinung  oflrenhar  durch  eine  Reizung 
des  den  Oesophagus  passierenden  Bissens  auf  die  nahegelegene, 
entzündete  Pleura  des  Zwerchfells;  eine  gleichzeitige  Druckempfind* 
lichkeit  der  Magengegend  deutet  Sehrwald  als  bedingt  durch  eine 
Portleitung  der  Entzündung  von  der  Pleura  auf  das  Peritoneum. 

Eine  sehr  gute  Ueberaicht  über  das  Vorkommen  des  Chylo- 
thoraac  gibt  Lotheisen;  die  Ursache  dieser  insmerhin  noch  recht 
seltenen  Erkrankung  sind  entweder  Traumen,  die  eine  Verletzung 
des  Ductus  thoracicus  hervoiTufen,  oder  Tumoren,  die  ihn  kom- 
primieren, oder  auch  angeborene  Lymphangiektaaien ;  die  Literatur 
wird  ziemlich  erschöpfend  angeführt,  und  Lotheisen  selber  ver- 
mehrt die  Kasuistik  um  einen  seltenen  Pall^  wo  Lymphangiektasien 
zweifelsohne  die  Ursache  des  Chylothorax  waren. 

Die  Behandlung  der  Pleuritis  exsudativa  vpird  von 
A.  Fränkel  in  einem  klinischen  Vortrag  ausführlich  geschildert: 
besonders  die  Indikation  und  Technik  der  Panktion.  Eine  bisher  noch 
wenig  erprobte  neue  Behandlungsmethode :  die  Autos erumt her apia 
von  Gilbert,  hat  Jone  nachgeprüft  Sie  besteht  darin,  daß  bei  mög- 
lichst frischen  tuberkulösen  Pleuraexsudaten  1  cm  Serum  aspiriert,  und 
ohne  daß  die  Nadel  aus  der  Hautöffnung  herausgezogen  wird,  sub- 
kutan injiziert  wird,  Jone  hat  15  Falle  von  Pleuritis  exsudativa  meist 
tuberkolöser  Natur,  die  aber  nicht  alle  frisch  waren,  so  behandelt. 
Wenn  die  Resultate  auch  nicht  so  glänzend  wie  die  des  ersten 
Empfehlers  waren,  so  waren  sie  doch  so  gut,  daß  eine  Weiter- 
an  Wendung  nach  Jone  wohl  geboten  erscheint;  besonders  auffällig 
war  die  diuretische  Wirkung;  es  stieg  die  Urinmenge  in  einzelnen 
Fällen  von  700  auf  2200,  von  800  auf  2700  und  von  1500  auf  3800. 
Eine  Erklärung   dieser  Wirkung  wagt  Jone   noch  nicht  eu  geben. 

Unter  Kontusionspneumonien  versteht  Litten  die  Lungen- 
entsünduBgen ,  welche  sich  nach  Einwirkung  stumpfer  Gewalt  auf 
den  Thorax  nicht  selten  einstellen.  Die  erste  Beschreibung  davon 
gab  er  im  Jahre  1881;  jetzt  gibt  er  eine  erneute,  durch  Erfahrung 
wesentlich  erweiterte  Schilderung  der  durch  die  Unfallsgesetzgebnng 
besonders  wichtigen  Erkrankung.  Es  handelt  eich  stets  um  äußere 
Einwirkungen,  die  eine  mehr  oder  minder  starke  Kompression 
des   Lungengewebes    hervorrufen j    wichtig   dabei    ist,    daß    äußer« 


i 

I 
I 


mnklieiteit  der  Broücliien,  Lungen,  Pleura  und  des  Mediastmumt» 

leichen  an  der  Haut  trot^  schwerster  Schädigung  der  Lange  nicht 
rorhandan  zu  sein  brauchen;  ferner,  daß  die  Lokaliaation  der  Ent- 
bindung durchaus  flicht  dem  Orte  der  Eiiiwirkung  des  Traumas  zu 
jBitsprecheo  braucht ;  zuweilen  iiodet  sie  aich  sogar  an  der  entgegen- 
^setzten  Seite  j  ist  in  der  Lunge  ein  älterer  narbiger  Herd,  so  setzt 
an  diesem  Locus  minor is  resiBtentiae  die  neue  Erkrankung  gerne 
lin.  Die  Art  der  Einwirkung  kann  recht  verschieden  sein^  Fall, 
(toß,  Kompression  etc.;  dann  besonders  auch  das  Heben  und 
^agen  schwerer  Gegenstände;  instruktive  Beispiele  gerade  dieser 
etsteren  AetiologiSf  die  noch  allgemein  wenig  bekannt  ist,  werden 
mehrere  angeführt.  Außer  der  Aetiologie  kommen  dann  bei  der 
}iagnose  noch  in  Betracht  der  vorhergehende  Zustand  der  Lungen 
Uüd  die  Zeit  des  Inkubationsstadiums,  Demuth  hatte  die  Forde- 
rang  aufgestellt,  daß  bei  einer  entschädigungspflichtigen  Kontusion s- 
^leumonie  man  nachweisen  miaßte,  daß  die  Lunge  vorher  gesund 
gewesen  sei;  Litten  zeigt  an  einem  Beispiele,  daß  mancher  mit 
imer  chronischen  Lungenerkrankung  (Dronchiektasie)  vollkommen 
krbeitsfähig  sein  kann  und  dall  erst  die  hinzukommende  Pneumonie 
lie  Arbeitsunfähigkeit  herbeifuhrt;  dagegen  muB  natürlich  nach- 
gewiesen werden,  daß  vorher  keine  Pneumonie  da  warj  leicht  ist 
las  nicht  immer,  da  zuweilen  auch  Lente  mit  einer  solchen  Erkran- 
cung  noch  arbeiten.  Die  Zeit,  welche  nach  dem  Unfall  bis  zur 
üntstehung  der  Lungenentzünduog  verstreicht »  ist  verschieden; 
jitten  glaubtj  daß  gie  von  10  Standen  bis  zu  6  Tagen  schwanken 
Eann;  meist  entsteht  sie  am  2.  oder  3.  Tag.  Der  klinische  Verlauf 
it  in  der  Hegel  der  gewöhnliche^  häufig  ist  das  Sputum  etwas 
llutiger;  aber  sonst  lassen  sieh  durchgreifendere  Unterschiede  nicht 
bstetellen.  Die  Mortalität  schwankt  nach  den  einzelnen  Autoren 
Ewischen  7— 60  %  j  sicher  läßt  sich  eine  durchschnittliche  Züfer 
licht  angeben;  indes  scheint  sie  doch  höher  wie  bei  den  anderen 
Pneumonien  zu  sein.  Den  hohen  Wert  der  Durchleuchtung 
les  Thorax  für  die  Beurteilung  des  Verlaufs  und  der 
Ausgänge  der  Pneumonie  zeigt  an  einer  großen  Reihe  von 
Jnter suchungen  eine  Arbeit  von  Jürgens.  Daß  nach  dem  Ablauf 
ler  Entzündung  der  Schatten  im  Eöntgenbild  häufig  noch  persistiert^  VörUwf  und 
lann  Jürgens  bestätigen;  die  Ursache  kann  nach  seiner  Meinung  \^|^*^'^^*^*' 5*^ i 
dicht  bloß  ein  persistierendes  Infiltrat,  oder,  wie  Hie  dinge  r  meint, 
pine  Bronchitis  mit  Atelektase  oder  eine  trockene  Pleuritis  mit  ver- 
lüinderter  Atmung,  sondern  auch  eine  nach  der  Erkrankung  sich 
anstellende  Erschlaffung  des  Gewebes  mit  BlutüberfuUung  sein :  der 
Behauptung    Rieders    und    LichtheimSi    daß    jede    Pneumonie 


leucbtyag. 


Pneumoiüa. 


238 


Hocbhaue. 


erlauf  und  Kentral  beginne,  kann  Jürgens  nach  seinen  Beobachtungen  nicht 
^gange  der  beistimmen.  Die  Unterscheidung,  wie  sich  der  Ausgang  bei  einer 
verschleppten  Pneninonie  gestaltet,  ob  nur  eine  langsame  ResorptioE 
des  Infiltrats,  ob  eine  Bindegewebsentwieklung  einsetzt  oder  ein 
Absze!^  flieh  entwickelt,  läßt  eich  durch  Durchleuchtung  nicht  selten 
leichter  treffen.  Bei  verschleppter  Besorption  pflegt  der  Schatten 
in  der  Regel  in  toto  langsam  schwächer  zu  werden,  gan^  im  Gegen- 
satK  zu  dem  Bilde  bei  der  käsigen  Pneumonie,  wo  nur  an  einigen 
Punkten  Aufhellung  sich  zeigt.  Tritt  Karnifikation  ein,  so  ist 
dies  bei  partiellem  Eintritt  leicht  an  einem  intensiveren  Schatten 
gerade  an  dieser  Stelle  zu  erkennen;  ist  sie  universell,  so  wird 
der  Schatten  meist  ganz  intensiv,  aber  durch  die  Bindegewebs- 
entwicklung  in  toto  etwas  kleiner;  ganz  sicher  wird  die  Diagno^ 
natürlich  erst  mit  Zuhilfenahme  der  übrigen  klinischen  Sjonptome. 
Auftreten  eines  Abszesses  oder  von  Gangrän  verrät  sich  nicht  selten 
durch  umschriebene,  recht  dunkle  Stellen,  die  manchmal  noch  be- 
sondere  Eigentümlichkeiten  zeigen^  wie  Jürgens  an  seinen  Bei- 
spielen hervorhebt.  Die  Entwicklung  einer  Tuberkulose  nach  Pneu- 
monie kann  mit  Hilfe  der  Durchleuchtung  auch  häufig  früher  er- 
kannt werden  j  wenn  nach  Ablauf  der  Pneumonie  die  infiltrierte 
Partie  sich  anfangs  gleichmäßig  aufhellt,  dann  aber  an  einzelnen 
Stellen  umschriebene,  intensivere  dunklere  Partien  auftreten,  so  deutet 
das  auf  Prozesse,  die  nicht  selten  käsiger  Natur  sind;  oder,  wenn  _ 
ein  Infiltrat  sich  aufhellt  und  an  anderen  Stellen,  besonders  im  ■ 
Oberlappen,  hier  und  da  dunkle  Partien  auftreten,  so  sind  diese 
auch  dringend  verdächtig,  der  Ausdruck  käsig-pneumonißcher  Pro- 
zesse zu  sein;  natärltch  darf  man  diese  Diagnose  nur  dann  steUen,  ■ 
wenn  sie  durch  sonstige  klinische  Symptome  unterstützt  wird.  Eine 
Menge  instruktiver  Beispiele  erläutert  das  sehr  deutlich.  Das  Verhält- 
nis zwischen  Pneumonie  und  Tuberkulose,  dem  Jürgens  bei 
seinen  EüHen  häufiger  gemeinsam  begegnet  ist,  denkt  er  sich  derart, 
da(^  die  Pneumonie  das  auslösende  Moment  für  die  Ausbreitung  des 
Tuberkelbacillus  war,  der  sich  schon  vorher  in  den  Lungen  befand. 
Daß  Gicht  und  Pneumonie  nicht  selten  sich  in  eigentümlicher 
Weise  beeinfl^ussen,  war  schon  länger  bekannt ;  Ebstein  hat  davon 
mehrere  Beispiele  gesehen ;  so  beobachtete  er  Ealle,  wo  im  Anscblnl^ 
an  eine  Pneumonie  typische  Gichtanfälle  auftraten;  der  bei  dieser 
Erkrankung  auftretende  K.emzerfali  ist  offenbar  die  Ursache  dm 
Gichtanf alles;  —  wie  auch  Thymus  Darreichung  zuweilen  einen 
solchen  Anfall  produziert.  Auf  der  anderen  Seite  scheint  es  denn 
auch  nach  den  Beobachtungen  Gonterers  und  Grants,   daß   es 


Fd  Dämonie 

und 
Tuberkulose, 


I 

i 
( 

i 


I 


KrEnkbeiten  der  Bronchien t  Lungen^  Pleum  und  des  Mediastinums,    239 

Pneumonien  bei  der  Gicht  gibt^  die  durch  manche  EigentümHcbkeit 
WQT  der  gewöhnlichen  Pneumonie  ausgezeichnet  ßind ;  besonders  merk- 
«rürdig  ist;  daß  das  Fieber  in  solchen  Fällen  zuweilen  ganz  fehlt, 
iitze  beschreibt  aus  der  Prager  Klinik  eine  Anzahl  Fälle  von 
Pneumonie^  verschiedenartigster  Genesci  mit  Bemerkungen  über  die 
tetzt  modernen  Untersuchungamethoden  (Nachweia  des  Erregers  im 
iputnm,  Agglutination,  Blutkult iir). 

Bittorf  hatte  ickon  früher  nachgewiesen^  daß  der  Harn  einea  Pneu- Proteolyti^fbetJ 
monikers  zur  Zeit  der  Kriae  resp.  LÖBuiig  des  EiBudats  im  stände  iit^  Ferment  bei 
^brinflockeD  leiekt  zti  TerdauBn,  und  zwar  durch  ein  neu  auftretende:«« 
kyptisch  wirksam  es  Ferment,  das  offenbar  aus  den  Lungen,  wo  es  zu  jener 
leit  in  reichlicher  Menge  vorhanden  ist*  in  die  Blutbnhn  gerät  und  von 
lort  in  den  Urin  abgeischieden  wird.  Daa  Auftreten  in  der  Blut  bahn  läßt 
lieh  jetzt  genau  nachweisen  mit  Hilfe  der  Joch raann*Mü  11  ersehen  Methode, 
Sie  darin  besteht,  daß  Eiter  mit  weeheelnden  Mengen  auf  eine  Loeffler* 
l^laite  in  den  Brutschrank  gebracht  und  dann  nachgeaehen  wird,  wie  sich 
äie  für  gewöhnlich  eintretende  üellebildung  unter  dem  Kinßuß  des  ßlut- 
lenunzusatzeti  gestaltet.  Da^  Eesultat  der  nach  dieser  Methode  angestellten 
ij-stematischen  Untersuchung  war  nun,  daß  der  normale  Äntifermcntgebalt 
des  Blutes  durch  die  Re^orptmn  des  proteolytischen  Fermentes  in  der  e raten 
Seit  der  LöAung  erheblich  sank,  aber  nach  einigen  Tagen  stellte  sich  dann 
logar  eine  reaktive  Vermehrung  des  Antiferment«  ein.  Damit  ist  also  be* 
Irieaen,  daß  eine  Resorption  von  Fermenten  aus  der  infiltrierten  Lange  in 
Im  Blut  stattfindet  Bei  dem  typisclien  Sputum  der  Pneumonie  liegen  die 
Iferhftltniise  ao,  daß  ea  zu  Anfang  trotz  reichen  Leukozjtengehaltes  gar 
»eine  verdauende  Wirkung  auf  die  Loefflerplatte  ausübt,  offenbar  durch 
beigemengtes  Serum  mit  reichlichem  Antiferm  entgeh  alt,  erst  bei  Beginn 
der  Läsung  dringen  auch  in  das  kruppöse  Sputum  so  viel  Fermente  eiu, 
iaß  e9  reichlich  verdauende  Wirkung  ausübt. 

Ein  von  G.  Morelli  beschriebener  Fall  von  Lungenkrebs  Lüag6akrebi*,| 
0t  in  mebrfacber  Hinsicht  bemerkenswert.  Die  Erkrankung  begann 
bei  dem  28jährig6n  Manne  mit  Fieber,  Frösteln »  Husten  und  Ab- 
Snagern ;  nachher  traten  Stiche  in  der  rechten  Bruatseite  und  mehrere 
Wochen  Blnt  im  Sputum  aufj  die  physikalischen  Zeichen  einer 
Pneumonie  waren  über  den  unteren  Partien  der  rechten  Lunge. 
J>ie  Obduktion  des  nach  mehreren  Monaten  verstorbenen  Patienten 
ieigte  nun  im  rechten  Unterlappen  besonders  neben  den  Zeichen 
einer  Bronchopneumonie  kleine  weiße,  den  Gefäßen  entsprechende 
Punkte,  die  Tuberkeln  ähnlich  sahen.  Erst  die  mikroskopische 
fÜntersuchung  zeigte,  daß  es  sich  hier  um  krebsige  Wucherung  in 
<der  Ädventitia  der  Gefäße  handelte;  daß  die  Diagnose  eines  solchen 
afillrierenden  Karzinoms  sehr  schwierig  ist,  ist  klar,  besonders  bei 


dem  jugendlichen  Alter  j  vielleiclit  hätte  die  starke  Abmagerung  und 
die  Beimengung  des  Blutea  im  Sputum  an  Karzinom  denken  lassen 
können. 
i"Operative  Die  chirur gis ch e  Behandlun g  der  Lungenkrankheit en 

^eimndiuwg  jg^  jjj^  letzten  Berichtsjahre  in  mancher  Hinsicht  gefördert  worden; 
li,4jil£lie^<;ii,  kurz  erwähot  haben  wir  schon  das  Bestreben  von  Ad.  Schmidt  u.  a,, 
durch  künstlichen  Fneumothorax  die  Lungen  tuberkulöse  zu  heilen; 
dasselbe  Verfahren  wendet  er  auch  bei  Bronchiektasieo  und  bei 
Aspirationserkrankungen  aoj  besoDdera  bei  fötiden  Bronchitiden  und 
Pneumonien;  und  gerade  bei  den  letzteren  mit  größerem  Erfolg, 
während  er  bei  Bronchiektasien  wenig  Gutes  sah;  die  Technik  ist 
bekannt;  mittels  eines  Trokarts  bringt  er  in  den  Pleuraraum 
500 — 750  ccm  sterile  Luft  und  wiederholt  dieses  Verfahren,  wenB 
Dötig,  häufiger.  Bei  vorsichtigem  Verfahren  gelang  die  kleine  Ope- 
ration selbst  dort,  wo  schon  geringe  Pleuraadhäsionen  waren;  bei 
ausgedehnten  ist  es  natürlich  nicht  möglich,  Komplikationen  und 
üble  Nebenwirkungen  sind  selten;  die  Erfolge  sind  bis  jetzt  nur 
mäßig;  werden  aber  vielleicht  später^  bei  besserer  Auswahl  der  Fälle, 
auch  günstiger  werden,  Yiel versprechend  lauten  die  Berichte  über 
die  operative  Behandlung  des  LuTjgenemphysems ;  die  Berechtigung 
dazu  leitet  sich  her  aus  den  Lehren  Freunds,  die  bewiesen,  daß 
erworbene  Anomalien  der  Rippenknorpel  zur  Dislokation  und  Starre 
des  Thorax  und  zu  sekundärem  Emphysem  fuhren  können.  Freund 
hat  gefunden^  daß  bei  manchen  Leuten  auch  in  höherem  Alter  die 
Bippenknorpel  unelastisch,  rigide,  spröder  und  dicker  werden  durch 
eigentümliche  Entartungeprozease,  die  in  ihnen  vorgeben,  dadurch 
werden  Rippen  und  Thorax  gleichmäßig  nach  vom  gedrSJigt,  und  so* 
entsteht  der  starre ^  faßförmige  Thorax,  der  äu  einer  sekundären  De- 
geoeratlon  des  Zwerchfells  und  zu  Emphysem  führt;  werden  in  einem 
solchen  Falle  die  Eippenknorpel  durchschnitten,  so  federn  die  Bippen 
zurück y  und  die  Starre  und  Faßform  des  Thorax  wird  gehoben  und 
damit  auch  das  Emphysem.  Die  Operation  ist  beim  Menschen  jetzt 
zweimal    ausgeführt;    Passier  und   Seidel  berichten  über   einen 

3.  Fall,  dem  rechterseits  mehrere  Rippenknorpelstücke  von  der  1*  bii 

4.  Rippe  exzidiert  wurden;  der  Erfolg  war  sehr  gut.  Di©  vor- 
her bestehende  Atemnot  schwand  in  auffallendem  Maße.  Bollten 
weitere  Operationen  diese  Erfolge  bestätigen^  so  wäre  damit  sicheF 
für  die  Behandlung  des  Emphysems  ein  großer  Fortschritt  gemacht. 
Ueber  den  Versuch  Kauschs,  auf  Grund  der  Lehren  IFreunds 
durch  Durch  sehn  ei  düng  des  1.  Rippenknorpels  auch  die  Spitzen- 
tuherkulose  günstig  zu  beeinflussen,  haben  wir  schon  früher  berichtet. 


'Eankheiten  de^r  Bronchi  efn"Lüng       Pleör^unaae^Mediäifcmiittisr 


n 


Die    Zükuiift    wird    lehren    müssen,    ob    diese    Konsequenzen    der 
Freund  sehen  Lehre  zu  praktischen  Erfolgen  führen  wird. 

Literatar. 

Albreeht,  Einteilung  der  tuberkulöse ü  Prozesse  der  Lungen.  Münck 
med*  Wochenschr.  S,  1552.  —  Derselbe,  üeber  Lungenembolie.  Ebenda 
8.1608.  —  Arneperger,  Zur  Frühdiagnose  der  Lungentuberkulose.  Ebenda 
Kr.  2.  —  Bacbmann,  Ueber  Perkuasion,  Befunde  und  deren  Deutung  hei 
exsudativer  PleuritiB.  Ebenda  Nr.  22.  —  A.  BSiumler,  Ueber  den  Aua- 
leich  nach  Form  und  Leistungsrähigkeit  der  Körper  bei  angeborenen  und 
erworbenen  Lungen  defekten.  Zeiticbr.  f.  klin.  Med.  Bd»  LXIL  —  Bandler 
K reibisch,  Erfahrungen  über  kutane  Tuberkulininipfungen  bei  Er- 
Vachaenen.  Deutaehe  med.  Wochenaehr.  Nr.  40.  —  H*  Beit^ke»  Ueber  den 
Verlauf  der  Tuberkulose  beim  Meerschweinchen.  Berl.  kl  in.  Wochenächr. 
r,  2.  —  J.  Bern  er,  Ein  Fall  von  Bronchialsteinen.  Münch.  med.  Wochen- 
^brift  B,  1605m  —  Beschorner,  Die  Fürsorgestellen  für  Lungenkranke  im 
ampfe  gegen  die  Tuberkulose  ala  Volkakrankbeit.  Ebenda  Nr.  38*  — 
Bine  u.  Lißner,  Die  Technik  dei^  Opsonin beitimmung  und  ihre  Anwen- 
dung bei  Lungentuberkulose.  Ebenda  Nr.  51.  —  Bittorf»  Verteilung  der 
iroteolytischen  Leukozjtenfermente  etc.  im  Verlauf  der  kruppöaen  Pneu- 
lonie.  Deutiches  Arch.  f.  klin.  Med.  Bd.  XCI,  H.  1  u.  2*  —  A.  Bloch, 
lin  rascher  Nachweis  der  Tuherkelbazillen  im  Urin  durch  den  Tierversuch, 
terl.  klin.  Wochenschr.  Nr.  17,  —  Bohr  u.  Tendeloo*  Die  funktionelle 
Bedeutung  dm  Lungenvolums  in  normalen  und  pathologischen  Zuatänden. 
Vei-ein  deutscher  Naturforscher;  Münch.  med.  Wochen s^hr.  S.  2160.  — 
X  Brauer.  Ueber  Pneumotboraat.  Marburg  1906.  —  J.  Cohn,  Ophthalmo- 
leaktion  auf  Tuberkulose.  Berl.  klin,  Wochenachr,  Nr.  47.  —  Croiaaant, 
^ie  Erfolge  der  Lungenheilstätte.  Münch,  med.  Wochenschr.  Nr.  47.  — 
/Umtton,  Die  chirurgische  Behandlung  der  Br onchiekt asi en .  Dublin  Jo um . 
Df  Med,  ac.  Febr,  —  C.  David  söhn,  üeber  muskuläre  Lungent-irrhoee. 
lerL  klin-  Wochenschr,  Nr,  2.  —  Determann,  Beitrag  zur  Diagnose  des 
abphrenifichen  ÄbaKesses.  Deutsche  med.  Wochenschr,  Nr.  18,  —  Ebstein, 
Beziehungen  zwiachen  Pneumonie  und  Gicht.  Münch,  med*  Wochenachr. 
Sr.  S4,  —  Edens,  Ueber  primäre  und  aekundäre  Tuberkulose  dea  Menschen, 
rl.  klin.  Wochenschr.  Nr.  7.  —  Einhorn,  Ueber  ein  ÄathmainhalaUona- 
hdiieL  Münch.  med.  Wochenachr.  Nr.  27.  —  Engel,  üeber  die  Heilbar- 
keit der  Tuberkulose  und  über  die  therapeutiiche  Verwendbarkeit  des 
iHiberkulina  im  Kindeaalter.  Brauera  Beitrige  Bd.  VII,  Nr.  3.  —  Der- 
elbe  u.  Baur,  Pirquetsche  Tuber kul iure aktion,  Berl.  klin.  Wochenschr* 
Ir,  37,  —  Feer,  Pirquetsche  Tuberkulosediagnoae,  Münch.  med.  Wochen* 
ihfift  S.  1961*  -*  Fi  biger  u.  C.  O,  Jensen  ►  Ueber  die  Bedeutung  der 
"ektion  für  die  Entstehung  der  primären  Inteatinaltuberkuloae  im 
iesftlter.  Berl.  klin.  Wochenschr.  Nr*  4*  —  Fiedel,  Vergleichende 
nterauehungen  über  Inhalabions-  und  Fiitterungatuberkulose.  Zeitschr.  f. 
Jftlirtjuoh  der  piaktiarben  Medizin     isoa.  Jg 


242 


Hochhau«. 


Hyp.  u.  Infektion skrankh,  Bd.  LVII,  H.  1.  —  Frauke,  Ophthalmoreaktioti 
bei  Tuberkulose.  Den t€ che  med,  Wochenschr,  Nr,  48-  —  Freund,  Be- 
handlung^ der  tuberkulösen  Lungenspitzenphthise  und  des  alveolären  Em- 
physems durch  operative  MobiliaaUon  des  in  der  oberen  Apertur  steno- 
sierten  und  des  starrdilatierten  Thomx,  Münch.  med,  WocheuBchr,  Nr*  40, 
^  Gabrilowitsch,  Ueber  klinische  Formen  der  chronischen  Lunten- 
tuberkulöse.  Zeitacbr.  f.  Tuberkuloae  Bd.  IX,  H.  1  u.  2.  —  R.  Geigel. 
Der  Metaliklang.  Deutsches  Arch,  f.  klin.  Med.  Bd.  XC\  H.  g  u.  4  —  Der- 
selbe, Vikariierende  Respiration,  Münch.  med.  Wochenschr.  Nr.  3L  — 
Derselbe,  Der  tympanitische  und  nicht  tympanitische  SchalL  Deutsches 
Arch.  f.  klin.  Med.  Bd.  XC,  H.  5  u.  6.  —  Gethartz,  Znr  Frage  des  Steto- 
skops.  Ebenda-  —  Goldsch eider,  Die  Perkussion  der  Lungenspitze. 
BerL  Min.  Wochenschr.  Nr.  41.  —  M.  Groß  mann,  Die  Lehre  vom  Broncho* 
spasmua,  Zeitöchr,  f.  kl  in.  Med,  Bd.  LXll.  ~  F.  Hamburger,  Zur  Kenntnis^ 
der  Tuberkulose  and  Infektion  im  Kindesalter.  Wien,  kl  in.  Woche  nscbr. 
Nr. '36,  —  Hammer,  Die  Tube rkulinbeh and lung  der  Lungentuberkulose, 
Brauers  Beiträge  Bd.  Vll,  H,  2.  —  Hart,  Die  mechanische  Disposition  der 
Lungenspitze  mr  tuberkulösen  Phthise.  Stuttgart  1906.  —  Derselbe, 
Genese  der  tuberkulösen  Langenphthise,   Deutsche  roed,  Wochenschr,  Nr.  43. 

—  Hell  in  u.  WarschaUt  Der  doppelseitige  Pneumothorax  etc.  Grens- 
gebiete  Bd.  XVII.  H.  3  u.  4,  —  P.  Hey  mann  u.  A.  Meyer,  Zur  Aetio- 
logie  des  Kehl  köpf  Ödems.  Zeitschr.  f.  klin.  Med.  Bd.  LXU.  —  Hejmaitiii 
U.Daniels,  Behandlung  der  Tuberkulose  mit  Marmüreksernm.  BerL  klb. 
Wochenschr,  Nr.  49-  —  v,  Hößlin,  Asthma  bronchiale  und  Lungenödem. 
Münch,  med.  Wochenschr,  Nr.  44*  —  Hofbnner,  Zur  operativen  Behand* 
lung  gewisser  Lungenkrankheiten.  Zeitschr,  f.  Min.  Med.  Bd,  LXI^  H.  5 
u,  f>.  —  Derselbe,  Uraachen  der  Orthopnoe.  Ebenda.  —  Hope,  Zar 
Klinik  der  kruppösen  Pneumonie.    Zeitsckr.  f.  Heilkunde  Bd,  XXVIII,  H.  t, 

—  E.Hubs,  Therapeutische  Versuche  mit  stomachaler  und  Inhal atoriscber 
Darreichung  von  Alttuherkulin.  —  Joannövics  u.  Kap  sammer,  Vcr* 
wertbarkeit  neuer  Methoden  zur  Diagnose  der  Tuberkulose  im  Tierversuch. 
Berl,  klin.  Wochenschr,  Nr.  45.  —  Jürgens,  Klinische  Untersuchungen 
über  Pneumonie.  Zeitschr.  f.  klin.  Med.  Bd.  LXlll,  H,  5  u,  6-  —  Kitsr 
mura,  Subapikale  Lungenfurche  und  ihre  Beziehungen  zur  Genese  der 
tuberkulösen  Spitzenphthise.  Brauers  Beiträge  Bd.  VIII,  H,  3.  —  Krem- 
ker,  Ein  Fall  von  subkutanem  Emphysem  bei  Lungentuberkulose,  Münch. 
med.  Wochenschr,  Nr,  6.  —  E,  Kuhn,  Die  Vermehning  der  roten  und 
weißen  Blutkörperchen  etc,  durch  die  Lungensaugmaske.  Ebenda  Nr,  35.  — 
Derselbe,  Weitere  Erfahrungen  mit  der  Hyperümiebehaudlung  der  Lungen 
durch  Lungensaugmaske,  Ebenda  Nr.  16,  —  A.  La  quer,  Ueber  einige 
neuere  physikalische  Methoden  zur  Behandlung  chronischer  Lungenkrank* 
heiten^  Berl*  klin*  Wochenschr.  Nr.  19.  —  Karl  Leser,  Therapeutiflche 
Versuche  mit  künstlichem  Pneumothorax,  Brauers  Beiträge  Bd.  VUL  — 
V.  L  i  e  b  1  e  i  n ,  Die  Lungenatelektase  im  Röntgenbild,  Beitr.  z»  klin*  Chir. 
Bd.  LH,   H,  2.   —  Litten,   Ueber  Kontusionspneumonie.     Münch*  mtd. 


I 
I 


Krankheiten  der  Bronchien,  Lungen,  Pleura  und  des  Mediastinums.     243 

Wochenschr.  S.  444.  —  Löwenstein,  Die  intrazelluläre  Lagerung  der 
Tuberkelhazillen  im  Sputum.  Deutsche  med.  Wochenschr.  Nr.  43.  —  M  a  i- 
nini,  v.  Pirquets  Impfung.  Münch.  med.  Wochenschr.  S.  2164.  —  Mann, 
lieber  einige  Erkrankungen  der  Luftröhre  und  der  Bronchen.  Ebenda 
Nr.  23.  —  E.  Masing,  üeber  Bronchophonie  der  Flüsterstimme.  Brauers 
Beitr.  Bd.  VII,  Nr.  4.  —  Meißen,  Betrachtungen  über  Tuberkulin.  Zeit- 
schrift f.  Tuberkulose  Bd.  X,  H.  4  u.  5.  —  G.  Mönckeberg,  Genuine 
Arteriosklerose  der  Lungenarterie.  Deutsche  med.  Wochenschr.  Nr.  31.  — 
L.Mohr,  Zur  Pathologie  und  Therapie  des  alveolären  Lungenemphjsems. 
Berl.  klin.  Wochenschr.  Nr.  27.  —  G.  Morelli,  Ein  Fall  von  primärem 
Lungenkrebs.  Deutsche  med.  Wochenschr.  Nr.  20.  —  Much,  üeber  die 
granulöse  nach  Ziehl  nicht  färbbare  Form  des  Tuberkulosevirus.  Brauers 
Beiträge  Bd.  VIII,  H.  1.  —  Nelly,  Ein  seltener  primärer  Lungentumor. 
Zeitschr.  f.  Heilkunde  Bd.  XXVIII.  —  Nutebusch,  Beiträge  zur  syste- 
matischen Behandlung  der  Lungentuberkulose.  Brauers  Beiträge  Bd.  VIII, 
Nr.  3.  —  Päßler  u.  Seidel,  Beitrag  zur  Pathologie  und  Therapie  des 
alveolären  Lungenemphysems.  Münch.  med.  Wochenschr.  Nr.  30.  — Pför- 
ringer  u.  Bunz,  Die  röntgenologische  Diagnostik  der  Lungentuberkulose. 
Ebenda  Nr.  2.  —  v.  Pirquet,  Neue  Methode  der  Tuberkulosediagnose. 
Ebenda  S.  1014.  —  Derselbe,  Kutane  Tuberkulinreaktion.  Ebenda  S.  1999. 

—  Ploosv.  Amstel,  Phthisis  pulmonum  und  Abortus  provocatus.  Brauers 
Beiträge  Bd.  VII,  H.  2.  —  L.  Rabinowitsch,  Zur  Frage  latenter  Tu- 
berkelbazillen. Berl.  klin.  Wochenschr.  Nr.  2.  —  Rothschild,  Die  me- 
chanische Disposition  der  Lungenspitze  zur  tuberkulösen  Phthise.  Ebenda 
Nr.  27.  —  A.  Rutel,  Funktionelle  Ruhe  der  Lungen  und  Koordination 
der  Atembewegung  bei  Lungentuberkulose.  Zeitschr.  f.  Tuberkulose  Bd.  X, 
H.  306.  —  Schäfer,  Ueber  ein  Asthmainhalationsmittel  nach  Prof.  Dr. 
Einhorn.  Münch.  med.  Wochenschr.  Nr.  28.  —  Schenk  u.  Seifert,  Die 
diagnostische  Bedeutung  der  Ophthalmoreaktion  bei  Tuberkulose.  Ebenda 
Nr. 46.  —  Schenker,  Tuberkulosetherapie  durch Marmorekserum.  Ebenda 
Nr.  43.  —  A  d.  S  c  h  m  i  d  t ,  Ueber  die  Perforation  anthrakotisch  erweichter 
Bronchialdrüsen  in  den  Bronchialbaum  und  ihre  klinische  Diagnose.  Deut- 
sches Arch.  f.  klin.  Med.  Bd.  XC,  H.  1  u.  2.  —  Derselbe,  Erfahrungen 
mit  dem  künstlichen  Pneumothorax  bei  Tuberkulose,  Bronchiektasien  und 
Reepirationskrankheiten.  Münch.  med.  Wochenschr.  Nr.  49.  —  Schubert, 
Ophthalmoreaktion  bei  Tuberkulose.  Ebenda  S.  2504.  —  Schwärt z,  Abun- 
dante  Lungenblutung  bei  Mitralstenose  und  hochgradiger  Sklerose  der  Ar- 
teria pulmonalis.  Ebenda  Nr.  13.  —  H.  Seidel,  üeber  die  physiologi- 
schen Grundlagen  und  die  praktische  Brauchbarkeit  des  Ueberdruckverfahrens 
zur  Ausschaltung  der  Pneumothorazfolge.  Grenzgebiete  Bd.  XVII,  H.  5.  — 
O.  Seifert,  Ueber  die  Behandlung  des  akuten  Katarrhs  der  oberen  Luft- 
wege. Deutsche  med.  Wochenschr.  Nr.  20.  —  Th.  Selling,  Untersuchung 
des  Perknssionsschalles.    Deutsches  Arch.  f.  klin.  Med.  Bd.  XC,  H.  1.  u.  2. 

—  F.  Seufferheld,  Ueber  den  Unterschied  im  physikalischen  Verhalten 
beider  Lungenspitzen.     Brauers   Beiträge  Bd.  VII,   H.  1 ,   S.  628.  —  Der- 


Hocbbana. 


gelliej  Ein  Fall  von  Pleuritis  serosa  fnterlobaris.  Münch.  med.  Wocbeii- 
Schrift  Nr.  26.  —  J.  Surgo,  Ueber  die  Mischinfektion  bei  Lungentuber- 
tuloie.  Zeit^ehr.  f.  klio.  Med-  Bd.  LXI,  H,  S  u.  4,  —  Stieda,  Cbimr^ 
giacbe  Beb  an  dl  mi^  gewisser  Fälle  von  Lungen  emphjsem.  Müncli,  med. 
Wochengchr.  Nr.  40.  —  Straßner*  Entstehung  der  Lun gen tuberku lote. 
Ebenda  Nr.  36.  —  T  e  n  d  e  l  o  o ,  Aero-lympbogene  Lungentuberkulose*  Eben- 
da Nr.  3.  —  0.  Thorgpeken,  Zur  Therapie  der  diabetischen  Phthise, 
Ebenda  Nr.  7.  ^  Vierhnff,  Ueber  radiographische  Befunde  bei  Lungen^ 
spitzen  tuberkulöse.  Deutsche  med.  Wocbenachr.  Nr.  15.  —  Weigert»  Ein* 
fluß  der  Ernährung   auf  die  Tuberkulose.     BerL  klin.  Wochenach  r.  Nr.  88. 

—  Weinberg,  Die  familiäre  Belastung  der  Tuberkulösen  und  ihre  Be- 
ziehungen zur  Infektion  und  Vererbung.     Brauers  Beiträge  Bd.  VII,  H.  3. 

—  Wohlberg,  Ueber  Versuche  mit  Äntituberkuloaesernm  MannorelL 
Berl.  Min.  Wocbenschr.  Nr.  46.  —  Ziesche,  Ueber  die  quantitativen  Ver^ 
hältnis^e  der  Tröpfchenausstrenung  durch  hustende  Tuberkulöse,  Zettschr. 
f.  Hjg.  u.  Infekt.  Bd.  LVII,  H-  1.  —  Uerselbe,  Die  operative  Behand- 
lung der  Lungenkrankheiten.  Kongreß  für  Chirurgie.  Münch.  med,  Wochen- 
Bcbrift  S.  3854.  —  Chimrgiicbe  Behandlung  des  LungenemphyaemB,  Ebendt 
S.  216.   —   Behandlung  des  Pleuraempyem a.    Ebenda  S.  2162- 


roB  Prof.  Dr.  A.  Deiinlir^  VorsUnd  der  inneren  Abteilung  des  städtischen 

Krankenbauses  in  Pfors&heim. 

Mit  a  Abbüduiigen^ 

Die  in  dieBetn  Jahre  gemachten  Entdeckungen  über  dieAktioDütröme  Aktions- 
des  HenienB  (Jahrb.  1907)  gebieten  auf  diese  nilher  einzugehen*  Bei  jedem  ströme  oder 
biologischen  Geschebnia  findet  eine  elektrische  Potential differen zierung  statte  *qf*  ^^ 
und  Äwar  immer  so,  daß  der  aktive  Teil  gegen  den  ruhenden  sich  verhält  ^ji^jj^aiikungen, 
wie  Zink  zum  Kupfer,  der  biologisch  «einen  Zuatand  verilndernde  Teil  wird 
ako  negatiT,  der  ruhende  positiv  elektrisch  geladen.  Die  daraus  resul- 
tierenden ^Aktionsströme'^  ^ind  natürlich  bei  der  nur  geringen  Potential- 
differenz sehr  schwach  und  deshalb  nur  mit  äußerst  feinfühligen  Inatru* 
inenten  nachzuweisen,  zu  welchem  Zweck  sie^  nach  allen  Eichtungen  hin 
«ich  verbreitend,  beim  Tiere  wohl  direkt ♦  beim  Menschen  aber  tneiit  nur 
an  dem  Entstehungiort  möglichst  naheliegenden  *PolatelIen"  abgeleitet 
werden  können.  —  Bei  Einthovens  Saitengalvanometer  ist  nun,  Saiten^ 
umgekehrt  wie  bei  dem  gewöhnlichen  Galvanometer,  der  Stromträger  be-  K"lvinomet( 
weglich  gemacht,  und  awar  in  höchetem  Grade,  weil  in  der  Form  eines  nur 
2  ^  dicken  Platlndrahtea.  Um  einen  möglichst  großen  Ausschlag  zu  be- 
kommen, wurde  in  dem  ausschlaggebenden  Produkt  Stromstärke  mal  Magnet- 
feld —  da  der  erste  Faktor  in  den  sehr  schwachen  Aktionsströmen  gegeben 
—  der  zweite  möglichst  groß  zu  machen  gesucht  in  Form  eines  sehr  staTkeii 
Magneten  mit  ganz  nah«  aneinander  angebrachten  Polschuhen;  ako  kur£ 
ein  äuÖerst  leicht  beweglicher  Stromleiter  in  einem  äußerst  stark  beweg- 
lichen Magnetfeld.  Entsprechend  nun  dem  Verlaufe  der  Kontraktions  wellen 
am  tätigen  Herzen  zeigen  auch  die  zugehörigen  elektrischen  AktionastrOme 
(^  ,, negative  Stromschwankungen*)  einen  gesetzmüßigen  Ablauf«  Zu  dessen 
Feststellung  wurden  beim  Menschen  als  Polableitungsstellen  der  rechte  Arm 
oder  besser  noch  der  Oesophagus  (um  vom  Vorhof  abzuleiten)  und  der  linke 
Fuß  oder  besser  noch  das  Eektum  (um  von  der  Yentrikelspitze  abzuleiten) 
benÜUt  Aufgezeichnet  werden  die  sich  ergebenden  Kurven  durch  Photo- 
graphie des  durch  den  Projek-tionsapparat  aufs  &00  fache  vergrößerten 
Schattens  des  bewegUchen  Stromträgers.  Die  angestellten  Untersuobungea 
ergeben  nun  für  das  ^Elektrokardiogramm''  des  Menschen  ähnlich 
d%m  dea  Hundes  folgendes  Schema  j 


246 


Dennig, 


Elektro-  Durch  unmittelbare  Ableitung  und  Eteizung  am  vagusHtLUfitebendea. 

rdlogrramm.  freiliegenden  Hundeberseen  konnte  nun  feitgestellt  werden,  daö  die  Zacke  P 
dem  Vorböf,  die  Zacken  Q  R  S  und  T  aber  dem  Ventrikel  angehören  und 
daß  ein  Unterschied  zwischen  beiden  Vorböfen  in  der  Form  der  Kurve  nicht 


Fig.  24, 


E 


Q  H' 


O 

y     '9 

Bcliema  des  Elektrokardio^amms. 

A  nac)i  Einthoven,    ß  nach  Beolmchtuneen  von  F.  Kraus  n,  G.  Nicolai- 

{Am  BerL  klin.  WocheDsehr,  liOT,  Nr.  «5,  Fig.  3  ) 


^etekardlo- 


Dritter 
HöTzton» 


Ätrio- 

ientrikular- 

bündel 


besteht»  "wohl  aber  ein  Unterschied  zwischen  beiden  Ventrikeln  bei  Einzel- 
regio  tri  erung.  Durch  die  genannte  Methode  eröffnen  sich  den  klinischen 
Untersuchungen  neue  Perapektivem  So  sei  erwähnt,  daß  et  möglich  ist 
durch  telegraphische  Leitung  die  ÄusBchläge  weiter  zu  leiten  (in  Leiden  hat 
Hie  Einthoven  nach  dem  1,5km  entfernten  physiologisehen  Institut  ge- 
leit-et),  und  so  entsteht  daa  ,Telekardiogramm*.  Ferner  hat  W.  Ein* 
thoven  mittels  des  Instrumentes  das  Vorhandensein  von  neuen  Schwingungen 
kurz  nach  denen  des  zweiten  Herztonea  nachgewiesen,  die  als  dritter  Hera- 
ton  bezeichnet  werden  müssen.  Dieser  auch  von  Gibson  nachgewieaeae 
dritte  Ton,  der  200 mal  Hcbwäcber  ist  als  der  erste  und  zweite  Ton  und 
deihalb  mit  dem  Stethoskop  wohl  kaum  gehört  wird,  rührt  wahre cheinlich 
von  Schwingungen  der  Valvulae  serailonares  der  Aorta,  her.  Ferner  aber 
geben  bestimmte  pathologische  FUIle  höchst  charakteristtache  ElektrokardiD- 
gramme,  so  daß  umgekehrt  aus  ihrer  Form  auf  den  pEithologi scheu 
Befund  geschlossen  werden  kann.  Auf  diese  Aendeningen  und  Erklärungen 
hier  einzugehen,  würde  den  zur  Verfügung  stehenden  Raum  zu  sehr  über* 
achreiten.  Welche  diagnostischen  Perspektiven  im  Vereine  mit  unsere 
sonstigen  Untersuchungsmethoden  sich  auftun^  sei  nur  angedeutet  mit  dem 
Hinweis,  dafi  F,  Kraus  und  Nicolai  auf  Grund  ihres  elektrokardiographi' 
sehen  Befundes  und  sonstiger  Merkmale  sich  ge trauen ,  in  einem  beatimmteB 
Fall  eine  Hemisystole  anzunehmen.  —  Inibesondere  als  wertvoll  wird 
die  Methode  auch  zur  Unterscheidung  von  nervösen  und  organischen  Hen* 
beschwerden  sich  herausstellen.  —  P  a  n  k  u  I  hat  sich  mit  der  Frage  nach  der 
phy  siol  ogischen  Bed  eu  tung  desAtrioventrikularhÜndels  beim  K  an  ineben 
beschäftigt  t  gelingt  es,  wesentlich  den  muskulösen  Teil  des  Bündels  zu  um- 
schnüren,   so  wird  die  Koordination  der  Vorbofs-  und  Kamm  er  pulse  nicht 


Kranklieiten  der  Kreialaufsorgaae. 


»en,  wird  dagegen  daa  bennchbarte  Gewebe  mit  umschnürt,  so 
daB  Herz  unkoordini^rt.  PankuL  schlieät  daraus,  daß  nicht  der 
muakülöae  Kern  leitet i  eondern  daß  die  leitenden  Elemente,  böcbtt  wabr- 
seheinlich  ^nervös'*,  nahe  dem  Mu^kelbQndel  gelegen  aind.  Nach  £,  Reb- 
fiech  Liegt  die  Ursprungatelle  der  Ventrikelkontraktion  an  der 
Herzspitze,  der  Impuls  gebt  durch  das  HieBcbe  Bündel  zuerat  dortbiD, 
worauf  die  Xueammendebung  gegen  die  Basis  hin  erfolgt  Nach  0.  Frank 
haben  die  die  Erregbarkeit  bescbleunjgenden  und  verlangsamenden  Herz* 
nerven  verschiedene  Angriffspunkte  im  Her^eD. 

Für  die  Beittimmung  des  Blutdruckea,  Puledruckes  sind  wieder 
mehrere  Apparate  konstruiert  worden.  Es  seien  genannt  das  vielfach  emp- 
fohlene Tonometer  y.  Recklinghaueens;  6i  beiteht  aus  breiter  Mansch ette, 
Fahrradpumpe  mit  beionders  konstruiertem  Kopf  und  auf  Wasser  geeichtem 
Federmanometer;  graphische  Registriernng  ist  der  Methode  nicht  eig6n. 
Der  Apparat  Ton  Bing  hat  zwei  Armmanechetten ^  mittels  deren  es  er- 
möglicht werden  soll ,  die  von  Bing  gerügten  Mängel  der  sonatigen  Me- 
thoden (Ref.  1900}  zu  umgeben.  Ein  Apparat  von  Btillmark  ist  nach 
dem  Prin^iip  der  römiachen  Wage  konstruiert^  hei  welchem  kein  Gummi, 
pTon  dessen  jeweiligem  Elastizitätagrad  die  Resultate  beeinflußt  werden*, 
inr  Verwendung  kommt.  Ferner  das  3phygmoekop  von  Rbeinboldt, 
der  Turgograph  von  Münzer  und  der  Turgospbygmograph  von 
V.  Koziczewsk j  und  Strauß.  Die  letzteren  Appiirate  sind  nach  dem 
Prinzip  deä  Oebmkeschen  Turgograpben  konstruiert  ♦  die  Turgospbjgmo- 
graphie  besteht  in  der  grapbiBcben  Registrierung  der  Volumschwankung  der 
betreffenden  Eittremität  unter  dem  Einfluß  des  Puliee.  Sahl  ii  Sphygmo- 
bolometer  gestattet  vermittels  sinnreieber  Einrichtung,  die  lebendige 
Kraft  dtr  Pulswelle  zu  messen  und  damit  ein  Maß  für  die  Systole  des 
Herzens  zu  erhalten.  Der  Apparat  besteht  aus  einer  Manschette  in  Ver^ 
bin  düng  mit  dem  Sahiischen  Quecksilbermanometer  und  einer  Gebläse- 
vorrichtung*  In  dem  Steigrohr  des  Manometers  ist  ein  Schwimmer  ange- 
bracht, dessen  durch  die  Schwankungen  der  Hg-8aule  bedingte  Bewegungen 
direkt  auf  einer  am  Apparat  vertikal  angebrachten  berußten  Papierfläche 
graphiseh  dargestellt  werden  können*  Die  Handhabung  des  Instrumentes 
geschieht  durch  Registrierung  der  bei  den  einzelnen  DruckhÖhen  gefundenen 
^eekBilherexkursioneur  die  durch  die  am  Oberarm  angelegte  Manschette 
dem  Manometer  mitgeteilt  werden«  Der  Oberarm  ist  dabei  unterhalb  der 
Manschette  durch  eine  Eemarchbinde  eo  komprimiert^  daß  kein  Radialpuls 
mehr  gefühlt  wird;  dadurch  wird  die  Brachialarterie  in  einen  blinden  An- 
bang der  Aorta  verwandelt.  Die  Knergien  der  Pulaationen  dieses  Sackes 
werden  also  in  Form  der  Hg-Exkurdonen  gemessen,  welche  in  großer  An- 
£ahl  bei  verschiedenen  Druckhöhen  auf  dem  berußten  Papier  in  vt^schieden 
großen  meßbaren  Kurven  ihren  Ausdruck  finden.  Aus  der  Größe  des  Aus- 
schlages h  und  der  Druckböbe  H  leitet  Sahli  mittels  eingebender  Be- 
rechnungen eine  Formel  i  Arbeit  ^  h  .  (H  h  h)  ab,  die  die  vom  Puls  geleistete 
Arbeit  zahlenmäßig  auajtudrücken  gestaiitet.    Durch  die  MägHcbkeit  dieser 


Urj^prung 

stelle  der 

Veutrikel- 

koDtruktiäii. 

Bestimmutig 

des 

Blutilmok«»: 

Tonometer  von 

T*  Reckling- 

Imusßn^ 

Bings  Appari^tt 

Stillma.rka 
AppüTAl, 


Sphygmosk 

Tiirgo- 
sphygmogripl 


Spbygmo- 
bolometer., 


Blutdruck- 
lestinuuuugeu 

in  d&r 
,  eröffueteu 

M'terie  des 


Aus- 
Hetliode. 


[  AuHWurfs- 

meugen  des 

Herzen». 


FestatellüDg  gibt  die  Sphyg-raobolometrie  wichtige  Aufscblüsse  Über  die  Größe 
der  Systalö,  und  ob  aie  normal,  untemürmal  oder  übemormal  groß  itt. 
Nacli  den  wohl  unwiderleglichea  vergleichenden  Blutdruckbestimmungen 
0,  Müllers  imd  ßlauel«,  die  durch  Einbinden  einer  Kanüle  in  die 
Radialarterie  eines  abzusetzenden  Ärmea,  Verbindung  der  Kanüle  mit  Feder- 
und  Queckailbermanometer  und  Anwendung  verschieden  breiter  Mansabetfcen 
geschahen,  dürfte  die  Frage  nach  der  brauehbaraten  Mamchetfce  zu  Gunsten 
der  breiten  v.  Reckiinghauaens  entschieden  sein:  sie  gibt  für  den 
aystoÜÄchen  Druck  ein  fehlerhaftes  Plus  von  9—10  mm  Hg,  während  GIrt- 
ners  Tonometer  ein  solches  von  15 — 20  mm  und  die  schmale  Manschette 
gar  44—50  mm  Hg  mehr  zeigt.  Bei  der  Bestimmung  des  diaatoliachen 
Drnckä  werden  die  Fehler  auch  bei  ein  und  derselben  Methode  unver 
hältnismä.ßig  größer;  nach  Sahli  und  Bingels  Methode  ergab  die  mittel- 
große syatoliache  Druckdifferenz  gegenüber  den  absoluten  Zahlen  einen 
Fehler  von  7,4  "/a,  die  diastoHache  aber  gleichzeitig  zu  28  %i  so  daß  die 
Fehl  erb  reite  sich  nicht  entspricht  Zur  Messung  des  systolischen  und 
diastolischen  Druckes  empfehlen  B.  F  e  U  n  e  r  jr.  und  W.  E  1 1  i  n  g  e  r 
warm  die  von  Korotkow  und  Krylow  angegebene  auakultatoriache 
Methode*  Macht  nmn  mit  der  Riva-Rocciechen  Manschette  einen 
Deberdrucfc  und  läßt  das  Quecksilber  langsam  fallen,  so  hört  man  bei 
der  Auskultation  der  Kubitalis  bei  gewissem  Hg- Stand  zuerst  einen  Ton 
(dem  Maximaldruck  entsprechend),  bei  weiterem  Fallen  einen  Ton  ynd 
Geräusch r  bis  achließlioh  vollständige  Ruhe  eintritt,  der  Beginn  dieser 
entspricht  dem  diastolischen  Blutdruck.  Wie  die  Zahl  der  Apparate 
und  Methoden  für  die  Bestimmung  des  Blutdruckes  gestiegen  ist»  i» 
sind  auch  die  betreffenden  Untersuchungen  außerordentlich  gestiegen. 
Nach  V.  Reckiinghauaens  Theorie  ist  es  möglich,  durch  die  Blut- 
druckmessung wenigstens  eine  vergleichende  Anschauung  über  die  Gr5ße 
des  Sekundenvolumens  zu  gewinnen,  und  zwar  nach  der  Formel: 
Amplitude  (=  Pulsdruck  StraOburgera)  mal  Pulsfrequenz  =  Ampütuden- 

r  >.  j  li  Sekundenvoluraen  r*  ti    ^    i^r  i.  ^ 

frequenzprodaljt  -    Weitbarkdt  der  GelUBe   "     ^-  Hoepffner    hat  n». 

versucht,  an  gesunden  und  kranken  Menschen  die  Schwankungen  der  Ampit- 
tnde  und  des  Sekundenvolumens  zu  studieren ;  es  stellte  sich  heraus,  daß  beim 
Gefunden  die  Amplitude  zwischen  SO  und  70  (im  Durchschnitt  54,  Druck  in 
Centimeter  Wasserhöhe)  und  awar  beim  Einzelindividuum  ziemlieh  konstant 
liegt.  Mehr  Schwankungen  ist  die  Pulsfrequenz  bei  demselben  Individuum 
unterworfen^  und  dieses  bedingt  hauptsächlich  die  Schwankungen  des  Ampli- 
tudenfrequenzproduktes.  Bei  untersuchten  Kranken  mit  gesundem  Hersen 
(Typhus)  Bch wankte  die  Amplitude  nur  innerhalb  40  —  60  (aber  mehr  Frauen 
ak  Männer);  jedoch  stellte  sich  mit  Berücksichtigung  alkr  Umstände  kiiti 
grundlegender  Unterschied  für  das  AmpUtudenfrequenzprodukt  bei  Geaundeii 
und  Fiebernden  heraus.  A*  He  lies  Unterauehungen  an  Gesunden  ergaben, 
daß  das  Liegen  den  systolischen  wie  den  diastolischen  Druck  herabsetzt. 
und  zwar  letzteren  relativ  mehr,  daß  also  der  Pulsdruck  (Amplitude)  größer 


I 
I 
I 


I 


I 
I 


I 


Krankheiten  der  Kreislauf&orgaiii 


wird;  Nahraugaaafiiahme  und  Aufnahme  von  indifferenten  Flüssigkeiten 
reizen  beide  Drucke  stark  hinauf  bei  groöera  Amplituden rrequenzprodukt. 
Aufrechtitehen  erhöbt  den  systolischen  üruck  weniger  als  den  diastolischen. 
Der  Einfluß  körperlieher  Anatreng-nngen  wurde  von  A*  Heaie* 
H*  Stursberg,  Tiedemann  und  E.  Bruck^  von  letzterem  auch  beim 
Valaalvaschen  Versuch  geprüft  j  es  ergab  lich  ein  Steigen  beider  Drucke, 
Geringe  Vergrößerung  oder  gar  Verkleinerung  des  Amplitudenfrequenz- 
Produkten  bei  Anstrengungen  bedeutet  nach  Tiedemann  eine  Herzine uf- 
fizienz.  Durch  Tabakrauchen  hat  K,  Heese  in  der  Mehrzahl  der  Fälle 
eine  Krhöhung,  sehr  selten  eine  Abnahme  des  Blutdruckes  erhalten»  —  In 
OhnmachtaanfÜllen  konnte  Hornung,  wie  wohl  zn  erwarten  war^  eine  Ver- 
ringerung des  Blutdruckes  konj^tatieren.  Was  nun  weiter  die  Blutdruck- 
messung in  pathologischen  Zuständen  betrid't,  so  hat  Fr.  Külbs  in 
interessanten  Fällen  au@  dem  Gebiete  der  Ge  f  äßk  risenBluidrucksteigerungen 
gesehen,  die  durch  die  Behandlung  im  Bogheanschen  Atmungsstuhl  xudlck- 
^ngen*  Neurastheniker  zeigen  meist  schon  in  der  Euhe  einen  erhöhten 
Blutdruck  und  Pulsdruck,  mithin  auch  erhrihte«  Scblagvolumen  (Stursherg)* 
Ausgedehnte  Untersuchungen  hat  W/Janowsky  an  reichhaltigem  Material 
ungeatellt,  allerdings  mit  der  nur  5  cm  breiten  Manschette*  Nach  seinen 
Erfahrungen  las^^en  sich  für  patho logische  Zust-Hnde  bestimmte  Regeln  nicht 
aufstellen;  das  einzig  Konstante  war  die  Höhe  des  Pubdruckes  bei  der 
Aortenklappeninsuff izienz,  und  ferner  bei  Infektion!; kr ankheiten 
im  allgemeinen  ein  subnormaler  Blutdruck,  die  T  u  be  rk  u  1  os  e  wird  besonders 
hervorgehoben*  Nach  F.  Baue r  verursachen  Injektionen  von  Ältt übet* 
kulin  keine  wesentliche  Aenderung  des  Blutdruckes,  geringe  Senkungen  be- 
gleiten vielleicht  die  positive  Reaktion.  Nierenkranke  wiesen  bei  kochsalz- 
aiiner  Kost  ein  Sinken  des  Druckes  auf,  während  stä^rkere  Kocheahzufuhr  ein 
ijpieigen  bewirkten,  ja  in  2  Filllea  hat  C-  Löwen  st  ein  sogar  Lungenödem 
Ipesehen-  Letisteres  ist  nach  Löwensteiix  bedingt  durch  Steigen  des  Blut- 
drucks infolge  der  Gef üökontraktion  und  Insuffisiienz  des  linken  Heraens  oder 
dadurch,  daß  das  Koch  salz  direkt  auf  die  osmotiichen  VerhUltniase  der 
Lungengefdfle  einwirkt*  Auch  R*  Bayer  konnte  nach  Kochsalzeinnahmen 
bei  Arteriosklerotikeni  und  manchen  Formen  der  Myokiirditii  die  Blutdruck- 
Steigerung  bestätigen.  Schmerzreize  haben  nach  H.  Curschmann 
bei  Gesunden  und  Kranken  mit  normalem  Hautgefühl  meist  eine  blutdruck- 
atöigerndep  weit  seltener  eine  herabsetzende  Wirkung;  Personen  mit  anal- 
getischen Hautsteüen  reagieren  dagegen  nicht  mit  BlutdruckUnderung, 
Benttenniöller  und  Henner  kamen  vor  Curschmann  zu  etwas 
anderen  ReHuitaten,  indem  sie  bei  hysterisch  Anüathetischen  bei  stark 
mechanischen  Beizen  Druckerhebungen  fanden.  In  manchen  Fällen  allge- 
meiner  Neurose,  welche  mit  Neuralgie  der  ichmerzhaften  Druckpunkte 
einhergehen,  läßt  ^ich  durch  stlirkere  Beizung  eine  Veränderung  der  Herz* 
lätigkeit  und  der  Zirkulation  her^-^orrufen,  die  sich  im  weBentüchen  neben 
Beschleunigung  des  Pulses  und  Abnahme  der  Pulsgröfle  in  Aenderung  de« 
Blutdruckes  —  sowohl  Hebung  al^  Senkung  —  dokumentiert  (Rumpf).  — 


EinfluQ 
köiperlicher 

Au- 
ätrengmigen. 


deP 


EiiiHuU  de 

Tabab- 

TQUchBUa  auf 

den  Blutdraok, 

Blutdruck  In 

pathologiachet] 

Zufltlnden, 


fnjektlQnen 

von 
TuberkuÜH, 
-  hei 
Nieren- 
kranken mit 
kocbäalz- 
iiroier  und 
-ruictier  KCk 


-bei 
Sohraer«- 


reiiEDn. 


Near&s«ii, 


Krankheiten  der  Ereislaufsorgane. 


251 


J.  Bihl  sah  bei  einem  Patienten  mit  Herzunregelmäßigkeiten  Paroxysi 
Perioden  mit  rascher  regelmäßiger  Pulsfolge,  die,  wie  Kurven  zeigen,  ''^*®^y^*' 
durch  eine  Beihe  von  Extrasystolen  bedingt  waren.  Zwei  sehr  inter- 
essante Fälle  teilt  E.  Schmoll  mit,  von  denen  der  erste  durch 
Anhäufung  von  Extrasystolen  (Fehlen  der  Vorhofswellen  im  Venen- 
puls) erklärt  wird,  ebenso  wie  der  zweite,  der  sich  außerdem  noch 
durch  gekreuzte  Altemierung  von  Kammer  und  Vorhof  während  des 
tachykardischen  Anfalls  auszeichnet  in  der  Art,  daß  sowohl  am 
Vorhof  als  am  Ventrikel  alternierende  Höhe  der  Kontraktionskurve 
stattfindet  und  eine  hohe  Ventrikelspitze  einer  niederen  Vorhofs- 
spitze entspricht.  Atypische  tachykardische  Paroxysmen  beschreibt 
O.  Hornung.  Unter  D.  Gerhardts  Leitung  hat  J.  Theopold 
Untersuchungen  über  die  Arhythmia  perpetua  angestellt,  er  findet 
im  wesentlichen  1.  daß  die  Arhythmie  in  der  Hegel  mit  systolischem 
Venenpuls  kombiniert  ist,  2.  daß  dieser  systolische  Venenpuls  nicht 
immer  auf  Trikuspidalinsuffizienz  zu  beruhen  braucht,  sondern  auch 
auf  bloßen  primären  Vorhofsstillstand  zurückgeführt  werden  kann, 
daß  3.  Mischformen  von  1.  und  2.  vorkommen  und  4.  daß  Vorhofs- 
stillstand nicht  immer  mit  Dekompensation  verbunden  ist.  Th.  De- 
neke  stimmt  Hering  vollkommen  bei,  nur  die  Fälle  von  Dis- 
soziation von  dauernder  Aufhebung  der  Reizleitung  im  Atrioventri- 
kularbündel  als  Adams-Stokessche  Krankheit  zu  bezeichnen. 
Er  bespricht  in  anschaulicher  Weise  die  Ueberleitungsstörungen  und 
gibt  instruktive  Kurven,  wovon  eine  hier  folgt: 


Arhythi 
perpeti 


Adam 
Stokess 
Krankh« 


Fig.  25. 


Fall  von  Adams-Stokesscher  Krankheit.  Venenpuls,  Spitzenstoß  und  Radialpuls  gleich- 
zeitig aufgenommen.    Annähernd  drei  Vorhofswellen  auf  eine  Ventrikeisystole. 
(Aus  Th.  Deneke,  Die  Ueberleitungsstörungen  etc.,  Mitteilungen  aus  den  Hamburger 
Staatskrankenanstalten  Bd.  VII.) 


252 


Deimig, 


Auch  G.  Joachinif  Michael  und  BeutteomüUer  teilen 
bezügliche  Fäll©  mit.  Demgegenüber  glaubt  N.  Ortner  auf  Grund 
Ton   zwei  Beobachtungen   ein   neues  Krankheitsbild   von  Arhythmie 

■ftiiykardie  und  Bradykardie  mit  Ohnmachtsanfällen  aufstellen  tm  können,  das 
auf  Vagusläsion  zu  beziehen  wärej  bei  diesen  Fällen  schoben  sich 
zwischen  die  verlangsamten  Pulse  zeitweise  eine  Reihe  von  Extra- 
systolen ein,  die  auf  Atropiniüjektionen  verschwanden.  Es  ist  schade, 
daß  keine  Kurvenaufnahmen  die  Deutung  stützen.    Die  vielumstrit- 

misystolie.  tene  Frage  liber  das  Wesen  der  Hemisystolie»  die  in  den  letzte» 
Jahren  als  Bi geminie  erklärt  wurde,  erfährt  dnreh  die  neueste  Unter- 
suchungsmethode  mittels  der  Aktion sströme  (s.  o,)  durch  F.  Kraus 
und  G.  F.  Nicolai  wieder  eine  Beantwortung  im  Sinne  v,  Leydena. 
F.  Kraus  konnte  bei  einem  65jäbrigen  Manne  beobachten,  wie  auf 
zwei  Zusammenziehungen  der  Vorhöfe  und  der  linken  Kammer  nur 
eine  der  rechten  Kammer  kam. 

Auf  dem  Kongreß  für  innere  Medizin  kamen  wieder  die  ver- 
schiedenen Arten  der  Perkussion,  speziell  auch  bei  der  Bestim- 
mung des  Herzens  xur  Sprache  (Goldscheider,  Moritz,  Treupel, 
Ewald,  Piesch  u.  a.).  Während  die  einen  die  Schwell wartperkas- 
sion  rühmen,  ziehen  andere  mittelstarke  resp.  starke  Perkussion  oder 
die  Tasterperkussion  vor.  Referent  hat  schon  im  vorigen  Jahr  be- 
tont, daß  wohl  jede  Methode,  richtig  angewendet,  zum  Ziele  führM 
kann ;  ich  peraönlich  möchte  die  Finger- Fingerperkussion  nicht  missen, 
weil  durch  das  Geftihl  das  akustische  Ergebnis  doch  wesentlich  ver- 
deutlicht wird.  Treupel  empüehlt  für  klinische  Bezeichnung  die 
Maße  Mr  =^  größter  Abstand  des  rechten  Herzrandes  von  der  Mittel- 
linie, Ml  ^=  größter  Abstand  des  linken  Herzrandes  von  der  Mittel- 
linie und  L  ^  Länge  des  Kavavorhofwinkels  bis  zar  Herzspitze. 
Ferner  wünscht  noch  Treupel  eine  Vereinheitlichung  der  klinischen 
Bearbeitung,  daß  bei  Publikationen  angefügt  werde  die  Art  dir 
vorgenommenen  Perkussion  (SP  Seh  well  wertperkussion ,  MP  = 
mitteistarke »  TP  ^  Taste rperkussion),  wie  auch  R.  Geigel  ver- 
sucht, ein  genaueres  Mali  für  die  Stärke  des  Perkussionsschlages  zu 
gewinnen.  Sicherere  Herzgrenzen,  besonders  auch  der  nach  rechts 
gelegenen,  gewinnt  man  nach  A.  Stern  durch  Beckenhochlagerung, 
auch  sollen  dabei  manche  akustische  Phänomene  deutlicher  w^erden* 
Um  das  Herz  auf  seine  Beweglichkeit  zu  prüfen,  schlägt  Max 
Herz  vor,  bei  den  Patienten  erst  im  Stehen  in  seiner  bequemen 
lässigen  Körperhaltung  den  Spitzenstoli  und  die  linke  Herzgretise  fest- 
zustellen, dann  stramme  Haltung  einnehmen  zu  lassen  und  dieselbe 
Untersuchung  vorzunehmen;  unter  normalen  Verhältnissen   hetri^ 


Hers- 
ewegUchkeit 


I 

I 

I 


Krankheiten  der 


ein©  VerflchiebuBg  nach  rechts  1,5  cm,  bei  iDeweglichen  Herzen  geht 
sie  bis  zu  5  cm.  Herz  bezeichnet  das  Symptom  als  Strecksym- 
ptom. Zur  FeatleguQg  von  Perkuasionsbefundea  auf  Pauspapier  rät 
K.  Gralimann,  statt  der  unzuverlässigen  sonstigen  Orient! erungs- 
linietn  die  Hittellinie  zwischen  der  Incisura  jugularis  und  Proc. 
ensiformis  und  eine  durch  die  Mitte  dieses  Abs  tan  des  senkrecht  ge* 
legta  Querlinie,  auf  der  nach  beiden  Seiten  in  einer  Entfernung  von 
6—10  cm  „Kostalpunkte"  eingetragen  sind ,  zu  benützen.  Ben 
Einfluß  des  Ernährungszustandes  auf  die  Herzgroße  hat 
Schief f er  mittels  der  ortho diagraphischen  Methode  zu  ergründen 
versucht  und  kam  zu  dem  Resultate,  daß  die  Her^figur  beim  Hungern 
erheblich  kleiner  ist,  bei  einer  sich  anschließenden  Mast  wieder 
größer  wird.  Hit  der  Erklärung  des  ZuatandekommenB  dieser  Ver- 
änderung denkt  der  Verfasser  an  zwei  Möglichkeiten,  nämlich  an  die 
Ab*  resp.  Zunahme  der  Kerzmuskelmasse ,  oder  au  elneu  wechseln* 
den  Füllungazuötaud  des  Herzens^  der  durch  die  verminderte  oder  ver- 
mehrte Blutmenge  heim  Hunger  resp.  der  Maat  bedingt  sein  konnte, 
Dia  von  Eomberg,  Hasen feld  und  Hirsch  vertretene  Ansicht, 
daß  die  isolierte  Arteriosklerose  der  Brustaorta  des  Menschen 
eine  Hypertrophie  des  linken  Ventrikels  erzeugt,  wird  durch  experi- 
mentelle Untersuchungen  von  J.  Grober  bestätigt,  Schieffer 
konnte  mittels  der  orthodiagraphischen  Methode  bei  Radfahrern 
nachweisen,  daß  Radfahrer  in  viel  größerer  Zahl  und  in  viel  höherem 
Maße  Herzvergrößerungen  haben  als  andere  Personen,  die  ihnen 
nach  Älter  und  funktioneller  Leistungsfähigkeit  vergleichbar  sind. 
Er  warnt,  wie  auch  früher  schon  Bayer  (dieses  Jahrbuch  1906), 
Sbgend  vor  zu  intensivem  Radfabrsport  tJutersuchungen  über  den 
Hin  flußdesBiertriukenaund  Fechtens  bei  jungenStudenten  ergaben 
A.  B i  n g e  1  bei  vorher  Gesunden  nichts  Abweichendes  von  der  Norm. 
B  Kienböck,  Ä.  Selig  und  R,  Beck  machten  bei  Leuten,  die 
sich  während  des  Schwimmen s  außerordentlich  angestrengt  hatten, 
die  überraschende  Entdeckung,  daß  die  Herzsilhouette  sich  ver- 
kleinert hatte ;  dabei  fanden  sehr  ausgiebige  Herzkontraktionen  statt. 
Sie  glauben ,  dafi  die  akute  Herzdiminution  in  der  primären  Erwei- 
terung gewisser  Blutbahnen  sowohl  in  der  Körpermuskulatur  als  in 
der  LuDgo  eine  Erklärung  findet  K.  Graßmann  bespricht  in 
einem  Vortrag  die  Wirkung  des  Nikotins  auf  die  2irkulation8- 
Organe  und  hebt  mit  Recht  hervor,  dali  es  an  der  Zeit  sei,  die 
Aufmerksamkeit  mehr  auf  den  Nikotinmüibrauch  zu  lenken,  denn 
höchstwahrscheinlich  sind  die  Tabaksintoxikationssymptome  nicht 
nur  „nervöser'*  Natur. 


im  Hunger- 
•itibDd  und 

in  der  M&Bt<^i 


bei  i^olie 

Arteriü- 
sklcTOHe  der 
3ra»tftorta, 

-  bei 
Kaflf*brernt 


"  bei 


I 


RiertriDkerii 
utid  Fecbtör 


:  irad 


—  bei 


Ifyssthenia. 


FmstTane 

Herz* 
ntraktioti^ii 


Auf  die  Wichtigkeit  dar  Zwarchfellatmuog  ftir  die  Zirku- 
lation weist  £.  F.  Wenckebach  hin  und  zählt  zu  den  den  Tief- 
stand des  Zwerchfells  begünstigenden  Momenten  die  Enteroptose; 
sie  führt  somit  zur  Vermin  der  ung  der  Zwerchfellatmung  und  gibt 
dadurch  Gelegenheit  ^ur  Blütanhaixfung  im  Leibe  (splanchtiigcbe 
Stase).  Den  Zusammenhang  der  Tabes  dorsalis  mit  Erkran- 
kungen des  Hertens  und  der  G-efäße  bespricht  Ä.  Strümpell;  bei 
Kranken  mit  Insuffizienz  der  Aortenklappen,  Sklerose  der  Aorta 
und  Aortenaneurysma  findet  man  nicht  selten  die  Zeichen  einer 
gleichzeitigen  tabiscben  Erkrankung,  Diese  Kombination  beruht  auf 
dem  gemeinsamen  Ursprung  der  syphilitischen  Infektion,  Die  bei 
Scharlach  auftretenden  HerÄstörungen  teilt  Schick  in  drei  Gruppen 
ein:  1.  die  auf  der  Höhe  der  Erkrankung  vorkommenden  als  Teil- 
erscheinung  schwerer  Infektion,  2,  die  Funktionsstörungen  bei  Ne- 
phritis und  3,  die  (analog  der  Diphtherie)  postskarlatinösen  in  der 
Rekonvaleszenz  auftretenden.  Diese  letzteren^  sich  kennzeichnend 
durch  Arhythmie^  Bradykardie,  Dilatation  des  HerzODS,  systolische 
Geräusche,  Spaltung  der  zweiten  Töne  an  der  Spitze  etc.  sind  nach 
Lymphadenitis  und  Nephritis  die  drittbaufigste  Komplikation  des 
Scharlach;  in  der  Hälfte  der  Ealle  erfolgt  Heilung,  in  den  übrigen 
bleiben  einzelne  Symptome  der  Herzstörung  zurück.  Während 
H  o  m  b  e  r  g  Myokarditis  annimmt,  wird  sie  von  anderen  als  reizbare 
Herzschwäche  be zei c hu e t.  Schick  schlägt  d en  Nam en  Myasthenia 
cordis  vor.  ^  Als  charakteristisch  für  das  thyreotoxische  Kropf- 
herz  führt  W.  Gittermann  die  geringe  progressive  Tendenz  der 
Herzinsuffizienz,  das  Vorwiegen  subjektiver  Beschwerden  auch  in 
der  Euhe,  eine  verhältnismäßig  leidliche  Arbeitsfähigkeit  und  das 
Versagen  der  Digitalis  an.  Die  von  Quincke  und  H.  Hochhaus 
genannten  „frus tränen"  Herzkontraktionen  will  letzterer 
nicht  mit  den  bekannten  Extrasystolen  einfach  identifiziert  wissen 
und  hebt  für  diese  eigentümliche  Herzstörung  als  wichtigste  Merk- 
male hervor,  daß  trotz  einer  energischen  Herzkontraktion,  die  sicli 
durch  einen  kräftigen  Spitzenstoß  auszeichnet,  ein  entsprechender 
Puls  nicht  gefühlt  wird,  daß  man  dagegen  statt  dessen  häufig  einen 
Venenpuls  konstatiert  und  damit  gleichzeitig  über  der  Spitze  und 
Easis  nur  einen  stark  paukenden  systolischen  Ton  hört,  während 
der  zweite  Ton  fehlt.  Diese  frustrane  Kontraktion  findet  sich  bei 
schwersten  Herzfehlern  wie  bei  leichten  funktionellen  Herzstörungen; 
für  die  Entstehung  ist  eine  Heteropie  des  Heises  und  der  Beiz- 
leitung neben  einer  qualitativen  Veränderung  der  Zuckung  maß- 
gebend. —  In  Analogie  zu  Hucbards  Äortismus,  d*  i.  Vererb- 


I 


I 


I 


iichkeit   der   Erkrankung   des  Aortansyateiiis ,   stellt  G,  GitUi   den  MyokBrdismus 
Myokard  Ismus  und  Endokard  Ismus  auf  und  fuhrt  als  Beleg 
die  Herzerkraukimgen  in  Familien  an. 

M.  Haiti  er  gibt  an,  dali  ^ur  Unterscheidung  von  Trikuspidal- 
undMitralgeräuschen  der  Leber- Herzreflex  dienen  kann  r  verstärkt 
sich  das  Geräusch  bei  Druck  auf  die  Leber,  so  ist  sein  Ursprung 
der  Trikuspidalis,  wird  es  schwächer  oder  verschwindet  es  ganz,  so 
entspricht  es  der  Mitralis.  Nach  von  E.Magnus  angestellten  Ver- 
sucheu  über  relative  Klappeninsufßzienzea  sind  diese  kein  so  ge- 
wöhnliches Vorkommnis^  daß  sie  für  akzidentelle  Geräusche  verant- 
wortlich gemacht  werden  können.  H.  Geigel  stellt  die  Hypothese  EndokardiÄll 
eiiiea  endo  kardialen  Reibegeräusches  auf.  Dieses  den  Eindruck  des  ^^^**^e«r*°^*^** 
Kratzens,  Reibens,  kurz  des  absatzweise  entstehenden  Schalles 
machend  f  hört  man  manchmal  bei  frischer  Endokarditis  ^  ohne  daf^ 
©ine  Elappeniusnffizienz  vorliegt;  Geigel  bezieht  es  auf  Bauhig- 
kalten  ao  den  Klappen  segeln,  welche  aneinander  reiben. 

Aus  der  Strali burger  Klinik  teilt  G.  Schwartz  einen  Fall  von  Mitmi&ieiid 
abundanter  Lungenblutung  bei  Mitralstenose  uudhochgradiger  «i^J^«n8««*' 
Stenose  der  Pulmonalarterie  mit.  Die  Quelle  der  Blutung  war  das 
Kapillargebiet  und  ist  auf  liechnung  der  Stauuugsluuge  zu  setzen.  ^ 
Gegen  das  von  Goldsc heider  (Jahrb.  VJOl)  hervorgehobene  Merk- 
mal von  Pulsdikrotie  bei  der  Kombination  der  Aorten-  mit 
Mitralinsuffizienz   erhebt  W,  Janowski   gewichtige   Einwände, 


i 

töö-  amr 

1 


Aorten 
Mitral- 

indem  er  Dikrotie  nicht  nur  bei  gleichzeitigem  Bestehen  einer  Aorten-   yj^^  i>ikiotSe 
klappen-    und  Mitralinsuffizienz ,    sondern   auch   bei   reiner   Aorten-     tles  Puis( 
iDSuffizienz  während  eines  fieberhaften  Zustandes^  ferner  bei  Korn- 
pensationsnachlali  und  an  de  reu  Zuständen  gesehen  hat  —  In  einem 
Fall   von   Mitralinsuffizienz   und   Aorteninenffisieuz   konnte    pulflatlonai 
E.  Bautenberg   die  Pulsationen    beider  Yorhöfe    aufnehmen,    <ier  Vorhöfo 
und   zwar  die  des  rechten   von   einer  Stelle  der  rechten  Brustwand    ^^^  Mitml" 
anSf  die  des  linken  sowohl  vom  Oesophagus  als  vom  zweiteu  linken    mj^uM^Lie; 
Jnterkostalraum   aus.     P,   Huebscbmann   fand   unter  9  Fällen 
von  Amyloid   8mal    eine   Beteiligutig   des    Herzens  ^    das   Amy-      Amyloid 
loid   war    flecken  weise    aufgetreten.    —    Einen    seltenen    Fall    von 
Pextrokardie  beschreibt  Oarletti-  sie  war  bedingt  durch  eine  Dejiiroktu'dU. 
im    Fötalleben    eriblgte    zystische    Entartung    der    rechten    Lunge^ 
welche  zu  einem   Stillstand   in   der  Entwicklung  des   Organs    und 
icti  einer  Verlagerung  des  Herzens  in  toto  in  dem  rechten  Thorax- 
raum geführt  hatte,    die   betreuende  Person   starb   mit  17  Jahren 
an  Tuberkulose.     Einen   weiteren  intereäsanten  Fall   von  Dextro- 
Version   teilt  J.  Pal   bei    einem  im  49.  Lebensjahr  verstorbenen 


Deittro* 
veraiou. 


Krankheiten  der  Krejslaufiorgaiie. 


257 


abnahm.  Bei  Anwendung  von  Sanerstof fb ädern ^  und 
zwar  der  Sarason  sehen  Üzetbäder,  haben  C.  P,  F  ranze  und 
L»  Pöhlmann  fast  stets  eine  Herabsetzung  des  Blutdruaks  und  der 
Pakzahl  mit  subjektiver  Besserung  gesehen;  nur  bei  zwei  Ärtario- 
sklerotikern  mit  sehr  hohem  Blutdruck  traten  neben  weiterer  Er- 
hdbuüg  des  Blutdrucks  bedeutende  Besehwerden  von  Seiten  des 
Herzens  auf.  Die  Behandlung  mit  Kreuznacher  Solbädern  bat 
E.  Boehr  (cfr.  Ref.  1904)  fortgesetzt  und  gute  Ergebnisse  gehabt. 
Oränpner  und  Bauer  sprechen  sich  für  die  Anwendung  von 
Kohle  ES  äurebädern  auch  in  Fällen  mit  hohem  Blutdruck  aus, 
da  dieser  dauernd  herabgesetzt  und  die  Herzleistung  erhöht  würde* 
Die  Resultate  der  Beobachtungen  über  den  EinfluH  von  Kohlensäure- 
bädem  und  gymnastischen  Uebungen  bei  Herzkranken  waren  bei 
Tiedemann  und  L u n d  folgende :  G ünstiger  Einfluß  des  einzelnen 
Bades  auf  das  suhjektive  Befinden  fast  durchweg.  Wechselnde 
Wirkung  der  Badekur  auf  subjektives  Befinden  und  objektiven 
Befund.  Zunahme  des  AmplitudenfrequenzprodukteSf  hauptsächlich 
infolge  der  Zunahme  der  Amplitude.  In  Verbindung  mit  Digitalis 
war  von  den  Bädern  kein  sicherer  Erfolg  zu  sehen.  Die  ohne 
Apparate  ausgeführten  Uebungen  nach  schwedischer  Art 
ergaben  in  den  meisten  Fällen  subjektiv  und  objektiv  deutliche 
BeBsercmg. 

Einen  interesBanten  Fall  von  Stich  Verletzung  des  linken  Herzohr»,  die 
durch  Unter bindungf  der  Aurikula  zur  Heilung  gelangte,  teilt  H*  Meer 
wein  &UB  der  Baseler  Klinik  mit. 

Th.  S truppler  hat  bei  einem  an  allgemeiner  Müiartuberkuloee 
verstorbenen  Manne  zwei  große  Tumoren  vom  Sinus  pericardii 
auagehend  gefunden ;  es  handelte  sich  um  Lipome.  —  Bei  Fällen  von 
ad  bar  enter  Perikarditis,  die  eine  wesentliche  Beschränkung  der 
Funktionen  des  Diaphragmas  (s.  oben)  bedingen^  rät  K.  F,  Wencke* 
b&ch  dringend  zur  operativen  Loelöaung  der  Verwachsnngen ,  die 
allein   eine   intensive  Besserung  des  Zustandes   herbeifÜbren  könne. 

Die  Lehre  CohnheiniB,  daß  die  Koronarai  terien  den  End- 
arterien zuzurechnen  aiad,  ist  nach  den  schönen  Untersuchungen  von 
Fr,  Jamin,  C.  Hirach  und  W*  Spalte  holz  nicht  mehr  baltbar,  ja  der 
Koronarkreislauf  verfügt  sogar  über  ein  reichei  AnagtomoBennetz,  und  hei 
der  Unterbrechung  des  Blutetiomes  einer  Coronaria  treten  oft  keine  Fun k- 
tionsstörungen  ein.  Dadurch  wird  auch  verBtändlich,  daß  manche  Tielleieht 
für  ner?ös  gehaltene  Angina  pectoria  durch  Wiederhergtellung  de»  Kollaterft!- 
kreialauffi  zur  Heilung  gelangt,  0 1  f  r  i  e  d  Müller  hat  einen  sinnreichen 
Apparat  konetruiert,  der  es  ermöglicht,  die  mit  jedem  Palaechlag  aus  den 
J«.|jjbnch  der  praktischen  Medizin.    Ifa»,  17 


Solb&derl 


Kohlen  sllt 


Chkurgf^chAf 
Eitigriif 

P^rikftrd.l 


a«nia«:| 

KoroHMr^l 
:titt!rien 


258 


Demiig. 


an  dar 
Aorta 


Aft«rien  in   die  Venen  überfiiefiende   Blutmenge  zu  beatimmen  und 

auch  festzustellen,  ob  und  in  welcher  Weise  die  BlutfüUung  im  arteriellen^ 
venöaen  und  kapillareji  Teil  dea  peripher  »sc  ben  Kreiskufsrerajidertist.  Leider 
läßt  sich  diese  Methodik  der  Flethyatnograpkie  ikrer  Kompliziertheit  und 
ihres  hohen  Preises  wegen  vorläufig  in  praii  noch  nlcfat  anwenden*  Auf 
die  Fragestdltung:  Gibt  es  in  der  Peripherie  selbständige  Triebkräfte,  die 
die  Blutversorgung  der  Organe  unabhängig  von  der  Herztätigkeit  regeln 
(Hosen baeh*  Hasebroek,  v,  Grütaner),  oder  kann  man  eine  solche 
ilslaiif  in  Annahme  ablehnen,  findet  M.  Matthes  auf  Grund  von  Leichen-  und  Tier- 
ier  P^ripUerJ«  versuchen^  sowie  Beobachtungen  am  Menschen,  daß  unzweifelhaft  nur  nach 
Ein  Wicklung  eines  Armes  mit  einer  Esmarch  binde  der  Blutdruck  in  diesem  Ami 
—  wahrscheinlich  durch  peripherische  Saugkraft  —  erhöht  isL  —  J.  Sirafi- 
burger  stellte  Etastizitätsprüfungen  an  herausgescb&ittenen  Aorten 
an  und  fand,  daß  die  kubische  Dehnbarkeit  de«  Gefäßes  bei  wachsendem 
Druck  abnimmt  und  daß  dieses  auch  in  den  ersten  Anfangen  der  Arterio- 
sklerose der  Fall  ist.  Das  Verbültnis  von  Druckzunahme  zum  erreichten 
Maximaldruck  bleibt  bei  gleichem  Volumenzuwachs  gleicb ;  d*  lu  bei  gleich- 
bleibeodem  Schlagvolumen  bleibt  trotz  verschiedener  Höhe  des  Blatdmckes 
der  Blutdruckquotient  unverändert,  oder  der  ßlutdruckquotient  iat  da^ 
relative  Maß  für  das  Schlag volumen.  Aus  der  nebeneinander  bergebendeo 
grUßeren  Weite  und  geringeren  Elastizität  der  Aorta  im  Senium  sehließt 
Straßburger  auf  geringere  Möglichkeit  einer  Volumen  zunähme  und 
infolgedessen  die  bisher  nur  vennutete^  aber  nicht  durch  Tatsa^en  ge- 
stützte Verlangsamnug  des  Kreislaufs  im  Alter  und  die  achl echte  Blnt- 
yersorgung  des  Greisenkörpers. 

Seinen  Mitteilniigen  über  Aortensklerose  aus  dem  Jahre 
1904  (cfr.  Referat)  fügt  A.  Bittorf  weitere  Beobacbtuugen  über 
den  Blutdruck  und  die  Herzbypertropbie  hinzu-  In  27  Eällen 
findet  er  stets  einen  erhöhten  Blutdruck  und  Hypertrophie  des 
Herzens.  Er  hebt  hervor,  dafi  die  Dehnbarkeit  der  Arterien* 
wand  zunimmt  und  zugleich  die  Dehnnngsrückstände  größer  sind 
nnd  dali  diese  beiden  Arten  der  Aenderung  der  Eiastissität  mn  da» 
Herz  die  Forderung  einer  vermehrten  Arbeitsleistung  stellen;  denn 
wenn  in  ein  weniger  vollkommen  elastisches  Arterienrohr  die  Blatr 
menge  geworfen  wird,  so  wird  ein  großer  Teil  der  Her^kraft,  der 
sonst  der  Portbewegung  dient,  ungenützt  verpuffen,  autierdem  Mit 
das  elastische  Moment  für  die  Fortbewegung  des  Blutes  fort.  Die 
Blntdrucksteigerung  beruht  aber  nicht  n^ir  auf  verminderter  Herz- 
arbeit, sondern  auch  auf  einer  von  der  A orten wanderkrankung  ab- 
hängigen Veränderung  der  Gefall  nerven,  und  zwar  des  im  Auf  angs- 
teil der  Aorta  entspringenden  depressoriBchen  Ast  des  Vagus,  der 
zugleich  von  der  Spannung  der  Wand  seine  tonische  Erregung  er- 
hält;  es  bestehen  daher  bei  Aortensklerosen  für  Ihn  die  ungünstig- 


I 


Arteriö- 
ikleroMo 


I 


Krankheiten  der  Kreitlauftsoriz 


259 


Bten  funktionellen  und  anatomischen  Yorbältinsse ;  erkrankt  er^   so 
Bteif^  der  Blutdruck  und  neue  Mehrarbeit  für  das  Herz  ist  gegeben. 
Bittorf  zeigt  femer,   daß  niedrigere  Werte  dea  Blutdruckea,   die 
aber    fiir   den   Gesunden    über   der   Norm   liegen ,    für   den  Aorten- 
sklerotiker  abnorm  aind ;  so  traten  bei  einem  Druck  yon  162  resp>  155 
starke  subjektive  Beschwerden  auf,   welche  erst  bei  einem  Druck 
von  170  aich  besserten  und  bei  einem  aolchen  von  185  die  Wieder- 
aufnähme  der  Arbeit  ermöglicbten ;  andereeits  ruft  sehr  hoher  Druck 
von  245  mm  Hg  Dyspnoe  hervor^  die  bei  einem  Rückgang  auf  215 
bis  220  verschwindet.    Die  diffuse  Sklerose  derLungenarterie 
ohne  Lungenerkranknng  und  Mitralfehler  ist  selten.    J.  G.  Möncke* 
borg  beschreibt  2  solcher  FäUe  mit  den  von  Bomb  er  g  angegebenen 
klinischen    Erscheinungen.     Askanazy   gibt    eine    Uebersicht   der 
Anschauungen    über   das    Wesen    der    Arteriosklerose^    die    er    als 
pathologische  Potenzierung  der  normalen  Intimahyperplasie  und  als 
fast  konstantes  Attribut   eine  Stoffwech seistör ung  in  ihrem  Bereich 
definiert.      Als  ätiologisches  Hauptmoment    nimmt  er  mechanische 
Ueberanstrengung  der  Arterien  wand  an.     F.  Per  atz  bespricht  ein^ 
gehend  die  Symptomatologie  und  Therapie  der  abdominalen  Arterio- 
sklerose und  betont,  dat)  oft  erst  ex  juvantibus  die  WahrseheinlichkeitB- 
diagnoae  zur  sicheren  wird.  Die  Mitteilungen  über  intermittieren- 
des   Hinken    häufen    sich.      So    berichtet    Idelsohn-Kiga    über 
54   Fälle    mit   Berücksichtigung    der    ätiologischen   Bedeutung    der 
Rassedjsposition,  des  Tabakmißbrauches,  des  Plattfußes  und  der  Stoff- 
wechaelerk rankungen.    Interessante  Mitteilungen  über  Trauma  und 
Arterien  er  krankung  macht  M*  Bernhardt,   Fälle  von  Arterio- 
sklerose im  jugendlichen  Alter  teilen  A.  Bittorf  und  E.  Raoh 
mit.     Für  die  Diagnose  der  Hypoplasie   des   Arterienaystema 
führt  S.  V*  Rito6k  auf  Grund  seiner  Beobachtungen  (17  Fäüa  aus 
der  Klinik  in  Budapest)  und  derer  aus  der  Literatur  folgende  Haupt- 
raomente   an:    Jugendlicbes  Alter ,    hochgradige,  jeder   Behandlung 
trotzende  Anämie^   nachweisbare   mangelliafte  Entwicklung   anderer 
Organe,  schnelles  Ermüden  auch  bei  geringen  Anstrengungen^  sub- 
normale Temperaturen  oder  ungewöhnlich  geringe  Temper atursteige- 
rung  bei  fieberhaften  Krankheiten,   Kühle  der  Extremitäten ^   Herz- 
klopfen bis  zu  AnföUen  von  Stenokardie  bei  geringen  An  streu  gun  gen, 
Hypertrophie   des  linken  Ventrikels    ohne  sonstigen   Grund ,    dabei 
nicht  selten  kleiner  Eadialpuls ;  InsufHdens  des  Herzens  schon  nach 
geringer    einmaliger    oder    habitueller    physischer    Arbeit;    geringe 
Widerstandsfähigkeit  gegen  Krankheiten^  besonders  Infektionskrank- 
beitea.   Carducci  berichtet  über  18  Fälle  von  Venen sklerose,  die 


Bkli 
der  LH 


Inter- 
mittieteitc^ 
Hinken^ 

Arterien- 
erkirankuo« 

ArteriM 
rtkleraso  In 
JugondUcbp; 

des  Arti't 


Vpnep 


260 


Dennig. 


I 


am  häutigsten  bei  Arteriosklerose,  Tuberkiüos©  und  malignen  Tumoren 
vorkomrat.     Pathologisch -anatomisch   handelt   es  sich   nm  eine  Pro- 

Uferation   der  Intima   ohne  Tendenz   au  regressiven  Vera üderuii gen. 

Theifttiie  der  Bei  der  Behandlung  der  Arteriosklerose  legt  H.  Senator   ■ 
p  Arterio-      |j^  UebereinstimmuDg  mit  Huchard  und  Louig  Albert  Ambland 
P  ^     den  Haupt  wert  auf  eine  Kegelung  der  Ernährung ;  er  empfiehlt  die 

I    Diftt,        lakto- vegetabilische  Diät,  bei  welcher  die  Kohlehydrate  und 
L  Fette  die  Hauptbestandteile  bilden,  da  bei  stickatoffreicher  Nahrung 

L  die   reichlicher   auftretenden  Produkte    der  Darmfäuh:iia    durch    in* 

^^ft  testinale  Autointoxikation  der  Arteriosklerose  Vorschub  leisten ;  ferner 

^^B  würde  bei  solcher  mehr  vegetabiliacheu  Diät  die  Blatviskosität  herab- 

^^P  gesetzt.     Unterstützt   kann    die    Wirkung   werden    durch   Jod-   und 

Nitritpräparate.  Von  hydrotberapeutiachen  Maßnahmen  nennt  er 
Sauerstoff  bäder.  Der  Verabreichung  von  kalklösenden 
Mitteln,  wie  Trunceka  Serum  uud  Antisklerosint ableiten  ist 
Senator  nicht  abhold,  während  0.  Minkowski  diese  Mittel  als 
auf  irriger  Auffassung  beruhend  ablehnt.  Hasebroek  weiß  von 
der  vorsichtigen  Äpparategymnastik  Gutes  zu  berichten,  und 
Hydiiatisciie  W*  Winternitz  rät  neben  der  Diät  zu  hjd riatischen  Pro- 
Proz«duren,  zeduren  und  führt  als  schonendste  Anfangsbehandlung  die  echot- 
tische  Teilabreibung  an ;  diese  besteht  in  einer  Abreibung  mit  einem 
mit  Wasser  von  40°  C.  getränkten  Tuch  und  darauf  mit  einer  solchen 
von  7 — 10''  C.  Bei  lokalisierten  Arterioakleroaen ,  so  bei  inter- 
mittierendem Hinken  j  hat  Idelsohn  von  der  Anwendung  der 
Bierschen  Stauung  gute  Erfolge  gesehen,  während  W.  Höpke 
die  aktive  Hyperämie  rühmt.  Letzterer  beschreibt  einen  sehr 
bemerkenswerten  Pall  von  arterioaklerotiacher  Gangrän,  in  wdehem  ■ 
weder  ein  Puls  an  der  Art.  dorsaiis  pedis  noch  an  der  Tibialis 
l>oatica  gefühlt  wurde  und  bei  dem  durch  heiße  FuBbäder  erzielt 
wurde,  dafi  sowohl  Blutung  aus  der  Wunde  und  Wiederauftreten 
der  Pulse  konstatiert  werden  konnte. 


Ssiierstoff- 
KalklÖHend-- 

Gymnoatik, 


f  »rterieU« 


GeiM'  Ftit'A  Falk  hat  bei  mit  Adrenalin  vorbehandelten  Tieren  durch 

^eiünaej-uot-  die  I  n j  e  k  t  i  o  n  an  d  e  r  e  r  G  i  f  t  e  (Gummigutti,  Krotonöl)  eine  Summation  der 

.  nekrotiaierenden  Adrenalin wirkung  erzielt,  indem  in  abgekürzter  Zeit  eine 

von  Adrenftlin  enorm  vermehrte  Nekroäenbildung  stattfand,  ebenso  wirkte  vorübergehende 

tiöd  anderen  ßlutdrucksteigening :   durch   andere  Mittel   dagegen   wie   Bouilloukulturen 

Giften»  ^Qji   Staphylokokken  j   Pyozjaneusprotein ,    Terpentinöl  u.  a. ,    also  solchen 

■  Substanzen,    denen   eine   poflitiv   chemotaktische   Eigenschaft    innewohnt 

r  wurde  die  Adrenalinwirkung  gehemmt 

I  der  Äi 


I 


poutüuruptnr 
der  Aorta 


lieber  einen  Fall  von  Spontanruptur  der  Aorta  bei  einem 
an  Urämie  Leidenden  berichtet  Weyrauch,    Den  Durchbrach 


I 


eines  Aortenaneurysma  in  den  linken  Yorhof,  welcher 
melir  &\e  3  Monate  vor  dem  Tode  stattgefunden  hatte^  teilt  B.  Dahlen 
mit,  den  Durchbruch  in  die  Pulmonalarterie  konnte 
M*  Käppis  bei  einem  Kranken  der  Freiburger  Klinik  verfolgen, 
er  bespricht  die  Symptomatologie  und  die  Differentialdiagnose. 

Aneurysmen  der  Leb  er  arte  ri  6  glaubt  l\  Schupfer  nicht  iiuf 
t ra um a tische r  nnä  arterioikleroti&cher  ßaais  entstanden,  sondern  er  macht 
dafür  infekti^BC  Prozesse  verantwortlich.  Er  hält  dafür,  daß  die  Infektions^ 
keime  durch  die  Vasa  Taaorum  an  die  Arterienbuute  herantreten,  dabei 
kommt  es  zu  schneller  Entwicklung  und  rapidem  Bersten  des  Sackest 
Schupf  er  besipricht  ati  der  Hand  eines  interessanten  Falles  den  makro- 
und  mikroakopiäclien  Befund  in  den  Arterien  häuten. 

Ueber  2  Fälle  der  sehr  seltenen  Intimatuberkulose  größerer 
Arterien  bei  ausgedehnter  Tuberkulose  der  Lungen  macht  0*  Geißler 
Mitteilungen.  In  einer  sehr  lesenswerten  Arbeit  bespricht  K,  Hoch- 
singer  die  diagnostischen  Merkmale  der  Persistenz  des  Ductus 
arter losus  Botalli  und  der  Kombinationen  mit  anderen  ähnlichen 
fötalen  Erkrankungen.  0,  Wagner  beschreibt  2  Fälle  von  primärer 
Thrombenbildung  am  oifenen  Botall ischen  Gang  bei  Kindern  von 
2  resp.  7  Monaten.  Trendelenburg  hat  bei  Tieren  künstlich  in 
die  Pulmonalarterie  eingebrachte  Emboli  mittels  einer  von  ihm  kon- 
struierten Spritze  vom  Conus  arteriosus  des  rechten  Herzens  wieder 
z\x  entfernen  vermocht  und  schlägt  solches  Verfahren  bei  Pulmonal- 
embolie,  bei  der  oft  das  Leben  noch  mehrere  Stunden  anhält,  vor. 


Diirchbnto 

eines  Aortsil 

anettry^ma  hi 

ik'n  linkeu 

VorUof, 

-  in  Üio 

PnlmaiiaU 

atreri« 


CUiriiii'gisc 
Eingriff  bei 
EmliuliG  dg 

Alt, 
pulmonalii 


Uteratnr. 

Louis  Alb.  Ämhland,  Variations  des  Tenaions  vaeeulaires,  Gaz. 
des  höp.  Nr.  109-  —  A.  Äravantinofl,  Die  Perkuasion  in  der  Bestimmung 
der  HerKgrenKen.  Berlin-  —  M.Askanasy.  Ueber  Arterioaklerose.  Thera- 
peut Monatsh.  Sept,  —  C.  Bachern,  Alkohol  und  Warmblüterhera.  Zen* 
tralhl.  f.  innere  Med.  Nr.  B4.  —  L.  Bard,  Die  physikal lachen  Zeichen  tier 
Mitralstenose*  SammL  klin.  Vortr.  Nr,  455>  Leipzig.  —  J.Barr,  Blair^ 
Bell  u.  8*  R.  Douglas,  The  Lancet.  Febr.  —  F,  Bauer,  Ueber  das 
Verhalten  der  BIntd nicke  nach  Tuberkulininjektion.  Zeitschr.  f.  klin.  Med- 
Nr.  62.  —  Derselbe,  Bildet  übemormaler  Blutdruck  etc.?  Berl.  klin» 
Wochenichr.  Nr.  U*  —  R.  Bayer,  Ueber  den  Einfluß  des  Kocbsalxea  auf 
die  wrterioiklerotiache  Hypertonie.  Ärch-  f.  exper-  Fatk.  u,  Pharniakol. 
ßd  hV\h  —  M.  Bernhardt,  Trauma  und  Arterienerkrankung--  Deutsche 
J^eitffchn  f*  Nervenheilk.  Bd,  XXXII,  —  H.  Beuttenraüller,  Schmerz  und 
Blutdruck  Münch-  med.  Wochenschr.  Nr,  45.  —  H*  J.Bing,  Ein  Apparat 
zur  Messung  des  Blutdrucks.  Berl.  klin.  WochenÄchr.  Nr,  22.  —  A,  Bingel, 
Unteriuchungen  tlber  den  Einfluß  des  Biertrinkens  und  Fechtens  etc.    Münch. 


nnig. 


med.  Wochenachr.  Nr.  2.  —  Ä.  Bittorf»  Weitere  UnterBuehungen  über 
den  Blutdruck  etc.  Ebenda  Nr.  18*  —  Carducci,  Betracbtungea  über 
Yenenaklerose.  II  Policlinico.  Jan,  Ref.  ebenda  Nr,  6.  —  Carletti, 
Dextrokardie,  Gaz,  degli  osped.  1906-  Ref.  ebenda.  —  H.  Curec hm  an n^ 
Schmerz  und  Blutdruck.  Müneh.  med.  Wochenisehr.  Nr.  42.  —  E-  v.  Cyon, 
Die  Nerven  des  Herzene.  Deutsch  von  H.  L,  Heusner,  Berlin,  —  B.  Dahlen. 
lieber  einen  Fall  vod  Aortenaneurysma  etc.    Zeitscbr,  f.  Min.  Med,  Bd,  LXHI. 

—  Th.  Deneke^  Die  üeberleitTjngsstörungen  zwischen  Vorhof  und  Kam- 
mer, MitteiU  a,  d.  Hambnrg,  Staat&krankenanBt alten  Bd-  Vll,  —  W.  Ein- 
thoven, Die  Registrierung  menaclilicher  Herztöne  mittels  des  Saiten- 
gahanometers-  Ref.  Müncb.  med.  Wochenscbr,  Kr,  8,  —  Derselbe,  Daß 
Telekardiogramni,  Ref.  ebenda,  —  Derselbet  Wieainger  u.  Snyden, 
Ein  dritter  Herzton.  Ref.  ebenda  Nr,  47.  —  W,  Ettinger,  Aueknltato- 
rische  Methode  der  Blutdruckbeatimmung,    Wien,  med,  Wochenscbr.  Nr.  S3. 

—  Fritz  Falk,  Ueber  Adrenalinveränderungen  etc,  Wieabad.  Kongr,  f. 
innere  Med.  —  Br.  Fellner  jr.,  Neuerung  zur  Messung  des  sjitemati sehen 
nnd  diÄstoliflchen  Blutdrucks,  Ebenda.  —  Derselbe  u.  C.  Hüdingerr 
Beitrag  znr  Funktionspröfung  des  Herzens*    Berl.  klin,  Woclienschr.  Nr.  18, 

—  A.  Praenkel,  Die  raedikamentöi^e  Behandlung  der  akuten  Herzinsuffi- 
zienz. Ther.  d.  Gegenw.  —  Derselbe  u.  G.  Schwnrtz,  Ueber  int ravenose 
Strophantininjektionen  etc.     Arcb.  f.  eiper.  Patb.  u.  Pbarmakol.  Bd,  LVII, 

—  Arth.  FranZj  Fortgesetzte  Beobachtungen  des  Blutdruckes  etc,  KieL 
Disa.  —  P.  C.  Franze  ii.  L.  Pöhlmann,  Ueber  Sarasonsche  Ozetbäder, 
Berl,  klin.  Wochen&chr.  Nr,  20,  —  Derselbe,  Die  Behandlung  der  Heri- 
krankheiten  etc,  München.  —  Tb,  Fürst  u.  Soetbcer,  Experimentelle 
Untersudbungen  über  die  Beziehungen  etc,  Deutsches  Arch,  Bd.  XC.  — 
G.  G  a  1  n  j  Beitrag  zur  Lehre  der  Erblichkeit  der  Herzleiden  etc,  Berl* 
klin,  Wochenschr,  Nr.  15.  —  R.  Geigel,  Endokard itisches  Reibeger äuficb. 
MQnch.  med,  Wocbenaehr.  Nr.  15.  —  0-  Geißler,  Ueber  Arterientuber- 
kulose*  Virchows  Arch,  Bd,  CLXXXVI.  —  Alex.  Gibson,  The  signi- 
ficance  of  a  hitherto  undescribed  wave  etc,  The  Lancet,  Nov.  —  W.  Git- 
termannj  Struma  und  Herzkrankheiten,    Berl.  klin.  WocbeuBchr.  Nr.  46. 

—  E.  Graßmann,  Zur  Aufzeichnung  von  Herzumriasen.  Wien.  Iclül, 
Rundßch»  Nr,  H,  —  Derselbe,  Ueber  den  Einfluß  des  Nikotins  etc. 
MüGch.  med.  Wo  ehe  nach  r,  Nn  20.  —  Gräupner,  Funktionelle  Diagnostik 
des  hohen  Blutdrucks,  Berl.  klin,  Wochenschr.  Nr.  15.  —  J,  Grober. 
Maßenverhältnisse  des  Herzens  etc.  Kongr,  f.  innere  Med.  Wiesbaden.  — 
Derselbe,  Untersuchungen  zur  Arbeits  hypertrophie  d  es  HerÄens-  Deutsches 
Arch,  f, klin.  Med.  Bd.  XCl,  —  K,  Hase b ro ek,  Arteriosklerose  und  Gymnastik 
Deutsche  med,  Wochenachr,  Nr.  21.  —  Max  Hedin ger,  Neue  Mittei- 
lungen zur  intravenösen  Strophanthininjektion.  Münch.  med.  Wochenachr, 
Nr.  41,  —  M.  Heitier,  Zur  Klinik  des  Herzens,  Wien,  med,  Pre^e 
Nr,  36—37.  —  H.  E.  Hering,  Zur  Analyse  des  Venen  pul  sea.  Deutsche 
med>  Wochenschn  Nr.  46.  —  Max  Hera,  Zur  Prüfung  des  Herzena  auf 
ieine  Beweglichkeit.    Münch.  med.  Wochenichr.  Nr.  16.  —A,  Hesse,  BM- 


I 


I 


I 


Krankheiten  der  Kraislaufsorgane. 


26a 


druck  und  Püla druck  bei  Gesunden-  Wiesbad,  Kongr.  L  innere  Med*  — 
E.  Hesse^  Der  EinQuß  des  Eaucbens  auf  den  Kreielauf.  Deutsches  Ärcb. 
ßd.  LXXXrX  ^  K,  A.  Hesselhach  u,  H.  Jaeohäus,  Ueber  die  Behand- 
lung der  Angina  pectoris.  Berl.  klin.  Wochenschr.  Nr.  39.  —  Hirsch- 
Nauheim.  Ueber  Arteriettverkalkung.  3.  Aufl.  Münchiin.  —  H,  Hochhausn 
Ueber  t'rustrane  HerKkontraktionen.  Münch.  med*  Wocbeiifichr.  Nr*  9*  — 
K.  Hochsingerr  Zur  Diagnose  der  Peraistenz  des  Botallischen  Gangee. 
Wien.  Klinik  H.  12.  —  C,  Hoepffner,  Das  Sekuadenvoluiuen  etc.  Deut- 
sches Arcl^.  Bd*  XüL  —  J.  Hof  mann  u*  L*  Pohl  mann,  Die  Gymnastik 
der  Herz  leidenden*  München.  —  E,  Hoke  u,  J.  Mendel,  Ueber  die  Katzen- 
ateinsche  Methode  ete,  Berl.  klin.  Wochenächr.  Nr.  11.  —  A*  Homer, 
Ueber  Blutdruckiinteraiichung  mit  dem  Sphjgnomanometer  nach  Pal  Deutsche 
med.  Wochen  sehr.  Nr»  19.  —  0.  Hornung>  Bie  Verilnderungen  des  Pul  sei  und 
Blutdruckes  etc.  Wien,  klin.  Hundsch.  Nr.  32.  -—  Derselbe.  Ueber  atypische 
tachjkardische  Parojcyamen*  Deutsches  Arch.  f  klin.  Med.  Bd*  XCl.  — 
P*  Huebschmann.  Ueber  Hermmjloid.  Virch,  Arck  Bd.  CLXXXVII.  — 
Fr*  Ja  min,  2ur  Pathologie  der  Koronararterien.  Wieabad*  Kongr.  f.  innere 
Med.  —  Derselbe  u,  H.  Merkel,  Die  Koronararterien  des  menschlichen 
Herzens.  Jena.  ^ —  W.  Janoweki,  Oeber  die  Dtkrotie  bei  Aorteninsuffi- 
zienz.  Zeitachr.  f,  klin»  Med.  Bd.  LXL  -^  Derselbe,  Ueber  minimale 
Schwank ungtn  der  Dauer  der  einzelnen  Pulswellen.  Deutsches  Arcb.  f.  klin* 
Med.  Bd*  XCI.  *—  DerselbCj  Ueber  Blutdruck  etc*  Wien.  klin.  Wochenschr* 
Nr.  50.  —  Idelsohn.  Weitere  Beiträge  lur  Djibaaia  angiosclerotica, 
Deutsche  Zeitschr.  f.  Nervenheilk.  BiL  Xll,  —  G.  Joachim.  Ueber  die 
Hegifftriei-ung  der  Kontraktionen  dei?  linken  Vorbofs  bei  einem  Fall  von 
Adams- Stokessc her  Krankheit.  Berl*  klin.  Wochenschr.  Nr.  8.  —  Derselbe, 
Das  Verbalten  des  linken  Vürbofs  etc.  Zeitschr.  f*  klin.  Med.  Bd.  LXIY.  *- 
M.  KappiSp  Die  Perforatiott  eines  Aortenaneurysmas  in  die  Pulmonalarterie. 
Deutsche«  Arcb.  f*  klin. Med. Bd. XC.  ^  H.  Kienboek,  A.  Selig  u.  B.  Beck. 
Untersuchungen  an  Schwimmern,  Münch.  med.  Wochenschr.  Nr.  29  u.  30.  — 
E,  V.  Ko z icao  w ik i ^  Ueber  Turgospbygmographie  etc.  Berl  klij*.  Wochenschr* 
Nr.  13*  —  Fr.  Kraus  u.  G.  F.  Nicolai,  Ueber  das  E lektrokardi agram m 
nnter  normalen  und  pathologischen  Verhältnisaen.  Ebenda  Nr.  26,  — 
Kreta achmcr,  Wirkungsaiechanismua  des  Adrenalins.  YersammL  deut- 
scher Naturf.  u*  Aerzte.  Dresden*  —  Fr.  Külbs,  Beiträge  zur  Pathologie 
des  Blutdrucks.  Deutsches  Arcb,  Bd.  LXXXIX.  —  K*  v.  Leyden  u.  E.  Bas- 
senge,  Ueber  uugleichzeitige  Kontraktion  beider  HerzventrikeL  Zeitschr* 
f*  klin.  Med.  Bd*  LXIV.  —  C.  Löwen  stein,  Ueber  die  BeÄiehiingen  zwischen 
Kocbaahhaushalt  und  Blutdruck  etc*  Arch.  f.  eitper,  Path,  u.  Pharmakol. 
Bd.  LVIl*  —  E.  Magnus,  Yerauche  über  relative  KlappeninsaffiÄienzen. 
Wieabad.  Kongr.  f*  innere  Med*  —  M*  Matthea,  Einige  Beobachtungen 
zur  Lehre  vom  Kreislauf  in  der  Peripherie.  Deutsche«  Arch.  Bd.  LXXKIX, 
—  H*  Meerwein,  Beitrag  zur  Herzchirurgie,  Münch.  med*  Wochenschr. 
Nr.  36.  —  Michael  u.  Beuttenmüller,  Zur  Klinik  des  Adams-Stokeä- 
sehen  Symptomen  komplexes,    Berl.  klin.  Wochenschr.  Nr.  46.  —  0.  Min- 


aig. 


kowski,  Die  Diagnose  und  Tberapie  der  Arteriosklerose.  Ther,  Monmtsh. 
Sept.  —  Derselbe,  Zur  Deutung  von  Heraarlajthmieu  mittels  des  öso- 
phagealen  Kardiogrammap  Zeitschr,  f.  klin.  Med.  Bd.  LXII.  —  J*  G,  H5  ncke- 
berg,  üeber  genuine  Arienoskleroee  der  Lungenarterie*  Deutsche  med. 
Wocbenschr,  Nr.  3L  —  Otfr,  Müller,  Experimentelle  und  kritische  Bei- 
träge zur  modernen  Kreialaufsdiagnostik.    Wjesbad.  Kongr,  f,  innere  Med. 

—  Deraelbe  n.  K.  Blauel,  Zur  Kritik  des  Riva-Bocci  und  Gärtnerschen 
Sphjgmoraanometera.  Deutschee  Arcb.  f,  klin.  Med.  Bd.  LXXXIX*  — 
E.  Münz  er,  Apparat  zur  objektiven  Blutdruckmeßaung.  Münch.med.  Wochen- 
«cbriffcNr.  39*  —  H,  Neu  mann,  üeber  unreine  Herztöne  etc.  Ebenda  Nr.  8.  — 

E,  V,  Neusser,  Ausgewählte  Kapitel  der  klinischen  Symptomatologie  und 
Diagnose.  H.  3:  Dyspnoe  und  Zyanose.  Wien  u.  Leipzig.  —  N,  OrtneT,. 
Zur  Klinik  der  Herzarhythmie  etc-  Wiesbad,  Kongr,  f,  innere  Med.  -^  X  Pal, 
Angeborene  Dextrokardie  mit  Aortenstenose.   Wien.  med.  Preßse  Nr,  2L  — 

F.  Peruta,  Ueber  abdominale  Arteriosklerose  etc»  Münch.  med.  Wochen* 
.Schrift  Nr.  22—23.  —  E.  Rach^  lieber  einen  Fall  von  Arteriosklerose  bei 
einem  Hjährigen  Mädchen*  Jahrh.  f.  Ivinderbeilk.  Bd*  LXV.  —  K.  Rauten* 
bergr  Die  Eegittrierung  des  Vorhofi  von  der  Speiseröhre  aus.  Deutsches  AnxlL 
f,klin.Med.  Bd.  XCL  —  Derselbe,  Die  an  der  äußeren  Rückwand  sicbtbarea 
Pülsationen  der  Vorhöfe.  BerL  klin.  Wochensclir.  Nr.  46.  —  Derselbe, 
Die  Analyse  der  Extrasystole  etc.  Münch,  med.  Woclienschr.  Nr.  50,  — 
E*  Rehfiach,  Ueber  die  ürspnmgsstelle  der  Ventrikelkontraktion,  BerL 
klin.  Wochenachr,  Nn  34.  —  Reinboldt,  Ueber  ein  Sphygmoskop»  Ebenda 
Nr.  17.  —  J.  Rihl^  Ueber  atrioventrikuläre  Tachykardie.  Deutsche  med, 
Wochenschr.  Nr.  16.  —  Derselbe,  Ueber  den  Veuenpuls*  Wiesbad*  Kongr, 
f.  innere  Med,  —  v.  Ritodk,  Ueber  die  Byperplasie  des  Arten enHystems. 
Zeitechr.  f.  klin.  Med*  Bd.  LXL  —  W.  Röpke»  Aktive  Hyperamie  in  der 
Behandlung  arteriosklerotischer  Gangrän.    Münch.  med,  Wochenschr,  Nr*  14» 

—  Rumpf,  Die  Beeinflussung  der  Hetztätigkeit  und  des  Blutdrucks  etc. 
Ebenda  Nr.  4.  —  H,  Sabli,  Die  Spbygmobolometrie.  Deutsche  med. 
Wochenschr.  Nr.  16—17.  —  Schick,  Herzstöruugen  bei  Scharlach-  Yer- 
samml.  deutacher  Naturforsch,  u,  Aerzte.  Dresden,  —  Schieffer,  üeber 
den  Einfluß  des  Eraäbrungszustandea  auf  die  Herzgrofle*  Deutsches  Arcb.  (', 
kHn.  Med.  Bd.  XCIl.  —  Derselbe,  Ueber  Herzvergrößerung  infolge  Badfahren«. 
Ebenda  Bd*  LXXXIX.  —  E.  Schmoll,  Paroxysmale  Tachykardie.    Ebenda* 

—  Derselbe,  Ueber  motoriiche,  seuHOrisehe  und  viisomotorische  Sytn* 
ptome  etc.  MQncb.  med.  Wochenschr,  Nr.  4L  —  F,  Schupf  er,  Kasuistik 
der  infektiösen  Aneurysmen.  Gas.  degli  oaped.  Ref  Müncli.  med.  Wochen* 
flchrift  Nr.  6.  —  G.  Schwartz,  Ein  Fall  von  abundanter  Lungenblufcung 
bei  Mitralstenose  und  hochgradiger  Nekrose  der  Arteria  pulmonalle.  Müncb. 
med.  Wochenschr.  Nr.  13.  —  A.  Selig,  Der  Einfluß  schwerer  Muskelarbeit 
auf  Herz  und  Niere  etc.  Wien,  med,  Wochenschr.  Nr.  5.  —  H.  Senator« 
Ueber  die  Arteriosklerose  und  ihre  Behandlung.    Tb  er.  d.  Gegenw,    Mlrz. 

—  G.  Sittmann,  Erkrankungen  des  Herzens  und  der  Gefäße.  Stuttgart, 
— *  Spalte hola  u.  Hirsch,  KoronarkreisJauf  und  Herzmuskel.     Wiesbad^ 


I 

I 


Krankheiten  der  Kreislaufsorgane.  265 

Kongr.  f.  innere  Med.;  Deutsche  med.  Wochenschr.  Nr.  20.  —  E.  Stadler, 
Experimentelle  und  histologische  Beiträge  zur  Herzhypertrophie.  Deutsches 
Arch.  f.  klin.  Med.  Bd.  XCI.  —  H.  Starck,  üeber  intravenöse  Strophanthin- 
injektionen.  Deutsche  med.  Wochenschr.  Nr.  12.  —  A.Stern,  Die  Untersuchung 
des  Herzens  in  Beckenhochlagerung.  Münch.  med.  Wochenschr.  Nr.  18.  — 
H.  Still  mark,  Ein  neuer  Blutdruckmesser.  Berl.  klin.  Wochenschr.  Nr.  22. 
—  Jul.  Straßburger,  üeber  die  Elastizität  der  Aorta  bei  beginnender 
Arteriosklerose.  MUnch.  med.  Wochenschr.  Nr.  15.  —  Derselbe,  üeber 
den  Einfluß  der  Aortenelastizität  etc.  Deutsches  Arch.  Bd.  XCI.  —  H.  Strauß, 
Demonstration  von  turgotonographischen  Pulskurven.  Wiesbad.  Kongr.  f. 
innere  Med.  —  Th.  Struppler,  üeber  pendelnde  Lipome  des  Sinus  trans- 
versus  pericardi.  Münch.  med.  Wochenschr.  Nr.  10.  —  A.  Strümpell, 
üeber  die  Vereinigung  der  Tabes  dorsalis  mit  Erkrankungen  des  Herzens  etc. 
Deutsche  med.  Wochenschr.  Nr.  47.  —  H.  Stursberg,  üeber  das  Verhalten 
des  systematischen  und  diastolischen  Druckes  nach  Körperarbeit.  Deutsches 
Arch.  f. klin.  Med.  Bd.  XC.  —  Job.  Theopold,  Ein  Beitrag  zur  Lehre  von 
der  Arhythmia  perpetua.  Ebenda.  —  Tiedemann,  Versuche,  die  Funktion 
des  Herzens  nach  dem  Verfahren  von  v.  Recklinghausen  zu  prüfen.  Ebenda 
Bd.  XCI.  —  Derselbe  u.  Lund,  Klinische  Beobachtungen  über  den  Ein- 
fluß von  Kohlensäurebädem  etc.  Ebenda.  —  C.  Tigerstädt,  üeber  die 
Einwirkung  von  Digitalis  und  Strophanthin  etc.  Ref.  Münch.  med.  Wochen- 
schrift Nr.  36.  —  Trendelenburg,  Versammlung  deutscher  Naturforscher 
und  Aerzte.  Dresden.  —  Tuczkai,  Der  Puls  bei  Herzinsuffizienz.  Wien, 
klin.  Rundsch.  Nr.  84.  —  0.  Wagner,  Thrombenbildung  am  durchgängigen 
Ductus  arteriosus.  Deutsches  Arch.  f.  klin.  Med.  Bd.  LXXXIX.  — 
K.  F.  Wenckebach,  üeber  den  Einfluß  vom  Tiefstand  des  Zwerch- 
fells etc.  Neederl.  Tjidschr.  f.  Geneeskde.  Ref.  Münch.  med.  Wochenschr. 
Nr.  21.  —  Derselbe,  Remarks  of  some  points  etc.  Brit.  med.  Journ. 
Jan.  —  Weyrauch,  üeber  einen  Fall  von  Spontanruptur  der  Aorta. 
Deutsches  Arch.  f.  klin.  Med.  Bd.  XCI.  —  W.  Winternitz,  Ein  Beitrag 
zur  physikalisch-diätetischen  Behandlung  der  Arteriosklerose.  Zeitschr.  f. 
physik.  u.  diätet.  Ther.  Bd.  XI. 


Krankheiten  der  Verdauunporgane, 


267 


Ljmphdriiseii ,  mit  der  Rückwand  der  Trachea  oder  den  Bronchien 
verwachsoneE  entzüiadlicheii  Ursprungs  sind.  Meißen  bürg  und 
Pollard  beschreiben  Fälle  von  OesophagusdivertikeL  Dawson 
empfiehlt  zur  Feststellung  von  Oesophagusstrikturon  die  Höntgen- 
Untersuchung  nach  Sohluckou  einer  Wismutemulsion.  MichaelU, 
Kümmelli  Hagenbach-Burckhardt  erzielten  mit  der  Thio- 
sinamin-  resp.  FibrolygiDbahandlung  nach  vergeblichen  Sondierunge- 
verauchen  noch  gute  Resultate  bei  Strikturen.  H.  v.  Schrötter 
beschreibt  eine  seltene  Form  von  Oesophagusstriktur  auf  tuber- 
kulöser Basis,  wobei  der  Verlauf  der  Steno si er ung  bis  zur  narbigen 
Ausheilung  durch  längere  Zeit  beobachtet  werden  konnte.  Es  handelte 
sich  hier  um  isolierte  Tuberkulose  der  Speiseröhre  wahrscheinlich 
infolge  Infektion  der  Lymphgefäße  der  Submukosa  von  den  Bronchial- 
drüsen aus.  Ein  abnorm  groües  tuberkulöses  Geschwür,  das 
mehr  als  die  Hälfte  des  Oesophagus  einnahm,  teilt  Kumme  11  mit. 
Es  war  auf  dem  seltenen  Wege  durch  Infektion  von  baziUen- 
haltigem  Sputum  entstanden.  Frz.  Kohn  und  Ercklentx  be- 
gebreiben eine  Buptur  des  durch  eine  abgelaufenö  Rippenfellent- 
zündung mit  seiner  Umgebung  verwachsenen  Oesophagus,  die  ge* 
legentlich  einer  Magenausspülung  entstand.  Die  modern©  Ausführung 
der  Oesophagoskopie  und  ihre  praktisch  he  Bedeutung  bespricht  in 
einem  ausführlichen  Aufsatz  Glücks  mann. 


9tnkturJ 


TuberkntJS 
Stnktur  dea 


Tub?rkul0 
Gesuhwtt 


Euptur  I 


OesopLng 
skopie 


Magen.  Zum  Nachweis  von  freier  Salz»l.ure  empfiehlt  SUenama, 
das  Phlorogluzin  im  G  ü  n  z  b  u  r  g  sehen  Reagens  durch  PhloridEin  in  der  gleichen 
Menge  zu  ersetEen,  wodurch  die  Reaktion  genauer  und  leichter  erkennbar 
wird.  Da  nach  den  Versuchen  von  Jul.  Schütz  die  Pepsin  Verdauung  auch 
bei  Abwesenheit  von  freier  Salzsü-ure  vor  eich  geht,  erleidet  der  diagnostische 
Wert  der  Bestimmung  der  freien  iSal^&liure  sowie  der  dea  Sabsüuredefizita 
eine  große  Einbuße.  Nur  aus  dem  Verhalten  der  gesaraten  Hahaäure 
lassen  sich  unter  Umetilntlen  gute  Anhaltspunkte  für  die  digestive  und 
sekretorische  Funktion  des  Magens  gewinnen.  Schalij  nimmt  die  SaU* 
«äurebestimmung  so  vor.  daß  er  eine  mit  bßstimmter  Bai  zöüu  rem  enge  an* 
getäueiie  Fleisch  houillon  in  den  Magen  einführt  und  Proben  davon  in 
Inierralleii  wieder  auahoberi.  Am  der  Vermehrung  oder  Verminderung 
dea  Sahfisäuregehalts  dieser  ausgeheberten  Portionen  läßt  sich  der  des 
Mageninhalt-H  berechnen.  Eine  SalKsaureprobe  ohne  Benutzung  des  Magen- 
»ehlaucha  für  Fülle  von  Aneurysma  n.  dergU  empfiehlt  Schwarz  in  der 
Form,  daß  er  4  g  Wiamut  in  einer  *S  a h  1  i sehen  Kapsel  flchhicken  läßt  und 
Am  Röntgenschirm  nachsieht,  ob  sich  diese  der  Norm  entsprechend  in  4  hin 
1  Stunden  gelöst  hat  Die  gebräuchlichen  Methoden  der  Pepsi übest im< 
mung,  auch  die  Mettsche,  werden  durch  die  Rizinmethode  Jaeobys  und 
die  Edestinmetbode  Fnlds  überholt.    Die  erstere  beruht  darauf,  daß  eine 


Üater- 

Buehungl 

wetbotJen ; 

SaUstture- 

bi^HHmmunß 


bflstirrimii 


Pepsin- 

L 


tfilcb  saure- 
probef 

rerdauaugS' 
kproben, 


ferdauun^s- 


ti-übe  Rizinlösung  m  verdünul^sr  Salzsäure  durch  Pepsin  geklärt  wird. 
Kuld  Terwendet  eine  klare  l%oige  Edestinlösung  in  Salziätire  von  der 
Azidität  30  und  prüft  mit  Ammoniak  oder  Kochsak  aaf  das  Tor- 
haadensein  von  noch  ungelöst  gebliebenen  Edestin,  das  einen  King  oder 
eine  Trübung  verursacht*  Beide  Proben  smd  überaua  empfindlich  und  znif 
quantitativen  Pepsinbeitimmung  sehr  geeignet  Ihre  Verwendbarkeit  wird 
von  KlempereTt  So  1ms,  Reicher  und  Witte  bestätigt.  Thomas 
gib  t  ein  etieueMilchaäure  probe  ani  Der  möglich  sfc  kon  zentrierte  H  age  n- 
safb  färbt  sich  mit  30  7niger  Chrom  säur«  bei  Erwärmung  auf  dem  Wasser- 
bade rotbraun.  Prjm  hat  nachgewiesen,  daß  im  Mägen  eine  voll- 
kommene Durchmischung  des  Inbalts  nicht  stattfindet,  sondern  daß  sieh 
die  Speisen  schichtweise  verteilen.  Deshalb  sind  bei  der  Mathieu  sehen 
Restbeatiramong  ebenso  heim  Frobefrühstück  mit  der  Sahli  sehen  Suppe 
keine  verläßlichen  Resultate  zn  erwarten,  und  es  bleibt  demnach  das  Ewald- 
BoasBche  Probefrühstück  immer  noch  als  beste  klinische  üntersucfeunga- 
methöde  beätehen.  H>  Winternita  gibt  in  Fällen  von  Hypermotilität  de« 
Magens  mit  allzu  rascher  Entleerung  der  Inges ta  beim  Ewald* Boaaachen 
Probefrühstück  eine  entsprechend  größere  Menge  von  Brot  und  Flüssigkeit 
ohiae  Schaden  für  den  diagnostischen  Wert  der  Probe,  Die  Sebicbtung 
des  Mageninhalts  ist  nach  Koritschan  für  die  ÄziditätsbeatimmiiD^  bei 
den  Probemahkeiten  nicht  hinderlich.  Lewineki  hat  bei  einer  ver- 
gleichenden Untersuchung  der  Schmidt  sehen  Bindegewebsprobe  und  der 
Smhlischen  Desmoid probe  in  der  Hälfte  der  Ulle  wideraprecbende 
Resultate  erhalten,  was  darauf  zu  beziehen  iat,  daß  das  Rohkatgut  aueli 
im  Panfereassaft  löslich  ist.  Daher  ist  die  Sahlische  Desmoidprobe  in  der 
jetzigen  Gestalt  als  diagnostisches  Hilfsmittel  nicht  verwertbar  und  kann 
die  Schmidt  sehe  Probekoat  u  icht  ers  etaen .  D  e  mg  ege  n  übe  r  tri  tt  Hei  1- 
mann  für  die  praktische  Bedeutung  der  Desmoidreaktion  insbesondere  ak 
^zweckmäßige  Votprüfung  vor  der  Sondenuntersuchung  ein ;  jedoch  mit  der 
Einschränkung  auf  jene  Fälle^  in  welchen  ein  positiver  AusscMag  innerhalb 
3  Stunden  eintritt.  In  solcher  Einschränkung  findet  sich  bei  seineii  und 
den  aus  der  Literatur  bekannten  Fällen  Uebe reinst immung  mit  den  Ke- 
sul taten  anderer  Methoden.  Für  die  erst  nach  B  Stunden  positiven  Fülle 
ist  die  Desmoidprobe  nicht  verläßlieb.  Tottmann  empfiehlt  diese  Probe 
für  alle  Fälle,  in  welchen  die  Schmidtsche  Probekost  oder  die  Äushebe- 
rung  nicht  anwendbar  ist  und  betont^  daß  die  Probe  jedenfalls  bei  nega* 
tivem  Ausfall  diagnostisch  verwertbar  ist.  Robin  hat  mit  der  Desmoid- 
probe in  Über  IQO  Fällen  brauchbare  Resultate  erhalten  und  empüehlt 
behufs  Erlangung  vergleichbarer  Resultate  die  Probe  mit  einer  bestimtnten 
Mahlzeit,  die  aus  2  Eiern ^  2  Semmeln  und  1  Tasse  Tee  besteht,  zu  ver- 
binden. Einhorn  hat  seine  Methode  der  Funktionsprüfung  dea  Ver- 
dauungsapparata^  die  Perlenverdauungaprobe,  deren  Einfachheit 
eine  allgemeine  Anwendung  gestattet,  an  einer  Reihe  von  verschiedenen 
Krankheiten  durchgeprüft  und  t-eilt  die  dabei  gefundenen  Verdauungs- 
resultate mit.     Für   fast   sämtliche  Nährsubstanzen   fand  er  Verdanungs- 


I 


I 

I 


Krankbeiten  der  Verdftiiiiö gsorgane* 


269 


ttörung  in  lirka  der  Hälfte  der  Fülle  voa  Ächjlie,  bei  achwerer  Gastro* 
enteritiB,  bei  Delirium  tremens  nnd  Abdominaltjphns*  Eecht  häufig  fand 
sieb  Herabsetzung  der  SbürkeTerdauung,  dagegen  seltener  alleinige  Störimg 
der  EiweiÖverdanung,  Bei  der  Probe  für  die  Panlcreasfunktion  ^  wobei 
die  Nukleine,  die  der  Magen  intakt  iüßfc,  verdaut  werden*  verwendet  er 
statt  der  von  Schmidt  angegebenen  FLeischwÜrfel  mit  Vorteil  Thymui, 
deren  Saft  leichter  auf  Kerne  tu  untersuchen  ist  ala  die  Mnakelfaaem. 
Von  Strauß  und  L  e  v  a  wird  eine  neue  Form  der  K  o  1 1 1  i  t  a  t  a- 
prüfung  des  Magens  angegeben:  Ein  Frühstück  von  Tee  und  fett- 
haltigem Zwieback  von  gleichartiger  ZuBarnmenfletzung  wird  nach  einer 
Stunde  ausgeh  ebert»  der  Magen  reingewaschen  und  aui  den  Filter  rückst  Sin  den 
das  Fett  bestimmt.  Diese  Probe  ist  auch  zur  Sekretionaprüfung  verwendbar 
HauBmann  beipricht  in  ausführlicher  Schilderung  die  normalen  Taet- 
befunde  am  Magen  bei  verschiedenen  KrankheitsfUllen,  Der  normale  Pylorus 
konnte  in  diesen  Fällen  (und  zwar  nicht  nur  bei  schlaffen  und  mageren 
Bauchdeeken)  in  18  "/o,  die  normale  große  Karvatiir  in  25"/«  getastet  werden. 
Der  röntgenologischen  (sowohl  röntgenoskopischen  als  röntgeno- 
graphischen)  Untersuchung  des  Magens  und  Darms  f&Ut  eine  immer 
größere  diagnoü tische  Bedeutung  zu.  F.  M.  Groedel  hat  unter  Aus- 
gestaltung der  Wismatmethode  E  i  e  d  e  r s  und  H  o  1  z  k  n  e  e  h  ts  die  Morphologie 
und  Physiologie  des  Magens  atudiert^  Bibwarz  und  Kreuzfuchs  fanden 
die  Entleerungazeit  bei  Magen  von  normaler  Form  und  Lagerung  nach 
2V4--3  Stunden  und  machten  die  Beobachtung,  daß  der  Magen  nach  seiner 
Entleerung  noch  einige  Zeit  in  einem  Kontr&ktionszu stand,  der  ^Sehluß- 
ko n trak t io n  *  verblei bt.  Nach  J  o  l  a  e  s  e  ist  die  E n tl eer ungsz e i t  für  30g 
Wismut  in  Grieabrei  2—3»  für  ebensoviel  Wismut  neben  einem  vollstün- 
digen  Mittagsmahl  Ü  Stunden.  Holsjkaecht  berichtet  über  Fortschritte 
in  der  Diagnostik  der  Magen  tu  tnoren.  8ie  zeichnen  sich  im  Wismtitbrei 
als  Negative  ab  und  geben  je  nach  ihrer  Lage  im  Magen  verachiedene 
und  charakteristische  Bilder.  Als  Modifikation  des  Wismutbreis  verwendet 
Kaestle  eine  Mischimg  von  Bolu«  alba  und  Bismut.  subnitr. .  F^inhorn 
und  C  o  I  e  eine  Suspension  von  30  g  Wismut  in  Vs  Liter  Milch.  W.  Groß  hat 
eine  neue  Magen sonde  für  Bontgenz wecke  konstruiert*  W  i  e  a  n  e  r  und 
Ing.  Des  8  au  er  verdanken  wir  speziell  für  Magenuntereuchungen  eine 
Verbeisening  der  Dürcbleuchtungablende. 


Zwiebftck- 

Probefrüh 

stflck, 


I 


Taijtbsfimde. 


Röntgen^ 
diagnostlk 


1 


Kieff  er  erhielt  bei  vergleichenden  Magen  unter  Buchungen  mittels 
äußerer  Exploration  und  Radioskopie  durch  die  letztere  die  genaueren 
Aufflchlüaae  über  Lage  und  Form  des  Magens,  Die  Form  des 
gefüllten  Magens  ist  nach  Fr.  M.  Groedele  orthodi agraphischen 
Aufnahmen  von  der  Körperlage  abhängig-  Im  Stehen  tindet  sich 
die  ßiphon-j  im  Liegen  die  Sandalenform.  Als  Grundform  wird  von 
ihm  bei  beiden  Geschlechtern  und  in  allen  Lebensaltern  die  Siphon- 
form  angeseheuj  die  auch  für  die  funktionelle  Leistung  des  Magens 


Lage  de» 
Magens* 


Loreni. 


Form  und 
Lage  ÜGfi 
iXAgenä. 


1  Magen- 
magen, 


Mag  eil- 
Motilität. 

Sortieriuigs 
fermögen, 


von  Bedeutung  ist.  Unter  dem  fest  geschnürten  Korsett  treten  bei 
den  Frauen  Lage-  und  Gestalt  Veränderungen  des  Magens  auf,  welche 
den  bei  Hängebauch  vorkommenden  ähnlich  sind.  Simmonds  fand 
in  einer  systematischen  Untersuchung  photc graphischer  Aufnahmen 
an  Hunderten  von  Leichen ,  daß  es  weder  eine  normale  Magenform 
noch  eine  normale  Magen  läge  gibt.  Jeder  Magen  hat  als  normal  zu 
gelten,  wenn  Pylorus  und  kleine  Kurvatur  von  der  {normalen)  Leber 
bedeckt  sind,  Eöntgenbilder  von  Mägen  Lebender,  die  Xümmell 
aufnahm,  etitnmten  mit  den  erwähnten  Leichenbildern  überein  und 
ergaben  gleich  diesen,  daß  auch  der  pathologische  Magen  stets  daa 
Bestreben  hat,  eine  leicht  schräge  bis  fast  senkrechte  Stellung  derart 
anzunehmen,  daß  der  Pylorus  den  tiefsten,  der  kardiale  Teil  den 
höchsten  Punkt  bildet.  Jonas  fand  im  Röntgenbild  Unterschiede 
zwischen  den  verschiedenen  Formen  von  Magenschrampfung^ 
welche  eine  Differentialdiagnose  gestatten.  Schmitt  legt  zur  Dia- 
gnose des  Sanduhr  mag  ens  auf  mehrere  Symptome  besonderes 
Gewicht:  Äußer  dem  Wölfler  sehen  Symptom,  daß  bei  Waaser- 
eingieflung  ein  größerer  Teü  davon  zurückbleibt  und  nicht  mehr 
ausheberhar  ist,  findet  er,  daß  nach  Beinwaschung  des  Magens  plötz- 
lich wieder  alte  Speisereste  hervorkommen  und  daß  der  Schinerz, 
welcher  bei  Liegekur  und  flüssiger  Diät  aufgehört  hatte,  sofort  (nicht 
wie  beim  Ulcus  erst  nach  längerer  Zeit)  beim  Aufstehen  und  fester 
Kost  wieder  auftritt.  Weiterhin  hat  die  Köntgen-Wiamutunter- 
suchung  immer  brauchbare  Eresultate  ergehen,  wenn  man  sieb  nicht 
mit  einer  kurzen  Untersuchung  gleich  nach  der  Mahlzeit  begnügte, 
Jolassö  hat  bei  4maliger  Untersuchung  auf  Sanduhrmagen  mit  der 
Röntgen -Wismutmethode  Smal  die  richtige  Diagnose  gestellt;  einmal 
wurde  Sanduhrmagen  durch  spastische  Kontraktion  des  Magens  vor- 
getäuscht. Die  Schwierigkeit  der  Diagnose  bespricht  Troll a  unter 
Mitteilung  von  5  Fällen,  Flammer  und  Gar  diu  er  beschreiben 
angeborene  Formen  von  Sanduhrmagen.  Nach  London  hat  die 
Motilität  des  Magens  und  Darms  zwei  Aufgaben :  die 
möglichst  gleichmäßige  Verteilung  des  Inhalts  über  den  ganzen 
Darmtraktus  und  die  Sortierungstätigkeit,  welche  daria 
besteht,  die  ^ahrungsstoffe  aus  jenen  Bezirken  des  Darmtraktus, 
wo  sie  nicht  verdaut  werden,  möglichst  rasch  zu  entfernen.  So 
soll  bei  Genuß  von  Brot  die  Sortierung  in  Stärke  und  Eiweiß 
stattfinden,  wobei  das  letztere  im  Magen  zurückbleibt,  während  die 
erstere  rasch  ins  Duodenum  übergeht.  Gegen  dieses  Sortiemngs- 
ver mögen  wendet  sich  Scheunert,  dessen  Yersuche  nait  der  Me- 
thode der  abgebundenen  Darmteile  ergeben  haben,  daß  der  Ueber- 


tritt  sämtlicher  luhaltsbestaiid teile  des  Magens  gleictiiDäHig  isa  Duo- 
denuiD  erfolgt.  Das  raschere  Verschwinden  der  verdaulichen 
Bestandteile  bezieht  er  auf  ResorptioD  von  selten  des  Magens. 

S  i  e  k  hat  auf  experimetitellem  Wege  efuiert^  daß  die  Muikulatur  des 
Magen  funduB  beim  Ein  tritt  der  Speisen  in  den  Magen  reäektorisch  er* 
sdilafft,  was  als?  aktive  Diastole  des  Magens  aufgefaßt  wird.  R.  Kauf- 
mann beschreibt  ein  kompliziertes  EontraktionBphltnomen  am 
Hagen,  daa  zu  einer  Einneiibildiing  an  der  kleinen  Kurvatur  führtT 
wodurch  die  Flüaeigkeiten  direkt  ins  Antrum  pjloricum  gelangen  können ^ 
während  die  festen,  noch  unverdauten  Speisen  im  Fundus  liegen  bleiben* 

Während  beim  normalen  Menschen  der  Uebergang  der  Ingesta 
des  Magens  in  den  Darm  unmerklich  verläuft^  können  nach  Kehrer 
in  pathologischen  Falten  während  dieses  Austreibungsat  ad  iums 
Präkordialangst^  DepressionsgefUhlei  Schmerz  in  der  Herzgegend 
und  im  Schlafe  schwere  Träume  auftreten,  welche  Beschwerden  durch 
eine  entsprecheude  Diätetik  behoben  werden  können, 

Magnus  bat  auf  experimentellem  Wege  erwieseUi  daß  das  Morphium 
eine  langdauernde  Kontraktion  der  Magenwand  in  der  Gegend 
des  Sphinkter  antri  pylorici  hervorruft,  welche  den  Bpeiaebrei  langiaraer 
ins  Duodenum  paaaiereii  läßt.  Dadurch  erkUlrt  sich  die  stopfende  Wirkung 
dei  Morphiums.  Nach  den  eiperimentellen  Studien  von  Braun  und 
Seidel  kann  ukute  Magenerweiterung  im  Anfichlufl  nn  Lasionen 
des  Nerven apparats  auftreten.  Alle  chirurgischen  Formen  der  Magen- 
dilatation  lassen  sich  auf  diese  Weiße  am  leichtesteii  erklären-  Demnach 
dOrfte  die  akute  Mageninsuffizienz  in  der  Regel  rein  funktioneller,  nicht 
metihaniacher  Natur  stm.  Anderer  Meinung  ist  Conner,  der  iiuf  dem 
ßtaudpuukt  steht  ^  daß  zirka  die  Hälfte  der  Magener  Weiterungen  auf  duo- 
denale Obstruktion  (arterio-mesenterialer  Verschluß)  zurückzuführen  sei. 

Wiehern  beschreibt  2  Fälle  von  akuter,  durch  Toxin  Wirkung 
entstandener  Magenerweiterung  bei  Typhus  abdominalis.  Als 
wichtiges  Symptom  der  Magenerweiterung  faßt  v.  Bievert 
die  Verschiebung  der  rechten  Magen  grenze  nach  rechts  auf^  die  so- 
gar häutiger  2U  üaden  ist  als  die  Senkung  der  unteren.  Es  ist  daher 
die  Bestimmung  dieser  Grenze  von  groliem  Wert;  sie  findet  sich 
de  norme  G  cm  rechts  von  der  Mittellioie  des  Körpers  und  kann  bei 
Magener  Weiterung  bis  0  cm  und  darüber  hin  ausreichen.  Robin 
beoutst  liur  Diagnose  der  Stauung  des  Mageninhalts  Wismut^  das 
er  dem  Probeabendessen  zusetzt.  Findet  sich  bei  der  Ausheberung 
früh  Schwefelwismut,  so  or weist  dieses  das  Vorhandensein  von  H^S 
und  damit  ein  längeres  Zurückbleiben  der  Speisen  mit  Zersetzung 
im  Magen.  Jul.  Hofmann  bespricht  das  Pulsaussetzen  bei 
der  Hagenblähung,  das  in  dem  mitgeteilten  Falle  nach  Massage 


lJi&!^tole  lies 


I 


Ruinen- 

der  kleineu 
Kuivtttttr, 


Pr&kordiai 

angat  im 

Aus  treib  tingS' 

Stadium. 


MflgBß- 
kontraktion 

durch 
Morphiua  ~ 


erweiterung. 


Toxlschi 


Mogeu- 
«rweitfirung 
hej  Typhu«. 
DijigntJso  de« 

erweiterun 


Krankheiten  der  VerdauungBörgane. 


273 


Sekretion.  Gewürze  wirken  nach  Habinowitdch  an  nach  Faw- 
low  operiei*ten  Hunden  in  verschiedener  Art  sekretionsateigemd : 
am  meisten  Senf,  weniger  energisch  Zimt  und  Kelken;  die  tibrigen 
Oewürze  sind  in  ihrer  Wirkung  wechselnd.  Schiff  hat  bei  ähn- 
licher Versuchaanordnung  durch  Fremdkörper  (Wismut ,  Streusand) 
auf  mechaniBchem  Wege  erhebliche  Steigerung  der  Magensaft - 
Produktion  beobachtet.  Bickel  fand  eine  stark  magensaftan- 
regende Wirkung  des  Metallstaubs,  die  er  auf  den  Wasserstoff  in 
statu  nascendij  analog  der  Wirkung  der  eich  entwickelnden  Kohlen- 
säure beim  Marmorstaub^  bezieht.  lieber  die  Wirkung  der  Rektal- 
ernährung  auf  die  Magen  Sekretion  stehen  sieh  die  Befunde 
von  Umber  und  Michael  gegenüber.  Während  der  eratere  Se- 
kretsteigerung beobachtete^  konnte  der  letztere  eine  solche  weder 
bei  Magengesunden  noch  bei  Magenkranken  nachweisen.  S aller 
und  Farr  fanden  die  Verdauung  im  verdünnten  Magen- 
saft besser  als  im  unverdünnten,  was  auf  die  Wirkung 
hemmender  Substanzen  zu  beziehen  ist.  Sie  empfehlen  deshalb, 
durch  Wasaertrinken  1 — 2  Stunden  nach  der  Mahlzeit  die  Ver- 
dauung zu  bessern.  Enriquez  und  Ambard  beobachteten,  daß 
die  Magensekretion  bei  der  Nephritis  der  Nieren  funk  tion  parallel 
geht,  d.  h.  bei  Oligurie  ebenfalle  vermindert  ist.  Nephritiden  mit 
großer  Eiweißausscheidung  gehen  gewöhnlich  mit  Hypochlorhydrie, 
chronische  mit  geringer  Eiweißausscheidang  mit  Hyperchlorbydrie 
einher.  Die  Entziehung  der  Chloride  durch  kochaalzarme  Koet  übt 
einen  regeluden  Einfluß  auf  die  Magensekretion  aus*  Auch  Fron  in 
rät  auf  Grund  experimenteller  Versuche,  bei  Hyperazidität  koohsalz- 
arme,  bei  Hjpaziditat  kocbsalzr eiche  Kabrung  zu  geben.  Aus  dem 
P  a  w  1  o  w  sehen  Institut  hatKrschischkowöky  nachgewiesen*  daß 
die  Fnndusdrüsen  des  Magens  nicht  von  den  eingeführten  Nahrungs- 
mitteln (mit  Ausnahme  von  Alkohol),  sondern  vom  Pylorus  aus  er- 
regt werden.  Dadurch  wiirde  die  Btark  herabgesetzte  Magen funktion 
bei  Pylorustumoren  leicht  erklärbar  sein.  Yukawa  fand  bei  Ja- 
panern die  Saksäuremenge  im  physiologischen  Magensaft  geringer 
als  hei  Europäern^  was  er  aus  der  Verschiedenheit  der  Ernährung 
erklftrt>  Die  Rolle  der  Umwandlung  artfremder  Eiweiß- 
8 1 0 f f e  im  Magen  fäUt  nach  Kentzler  der  Salzsäure  in  einem 
ganz  bestimmten  Konzentrationsgrade  ^u.  An  deren  Stelle  vermag 
auch  l"/*ige  Milchsäure  diese  Umwandlung  herbeizuführen.  A.  Müller 
gibt  als  Optimura  für  die  Pepsin  Verdauung  jene  Salzsäure- 
menge an,  bei  welcher  das  Eiweiß  gerade  gesättigt  ist;  also  nooh 
etwas  unter  dem  Auftreten  der  freien  Salzsäure.     Bei  ungenügender 

Jahrbueh  der  prakriächen  ModlEiii,   190«.  Xß 


Wirlüin*^  der 

rektalen 
Ernnliru&g. 


Wirkung  der 
VL^rdüüunng 

auf  diö 
YcrdauuuR 


Verdäanng 

Resarptiou 
tm  Magern 


Ächyliii 


Hyperazidität   ist   man   von   der   reinen  Eiweiß  kost   wieder  zur   Thumpie  dei 
gemiachten  Kost  zurückgekehrt,  da  es  nicht  ßo  sehr  auf  die  Bindung  lJyP'^™^i^i| 
als  auf  die  geringere  Ausscheidung  der  Salzsäure  ankommt.    »Schloß 
hält  die  Behaudlung  der  Hyperaddität  mit  vegetabilischer  Kost  für 
das  entschieden  schon endere  Verfahren.     Nach  Zweig  kann  weder 
die  Ei  weiß  kost  noch  die  Kohlehydratkost  die  Aziditäts  werte  dauernd 
herabsetzen,  indem  der  Magen  die  einmal  bestehende  Aziditäts  große 
mit  großer  Zähigkeit  festhält.     Er   empfiehlt  flir  Abgemagerte  eine 
eiweilU*eiche ,   aber   fleischarme   Kost,   für  gutgenährte   Kranke   ein. 
lakto- vegetabilisches  Begime.     AUe  Anregungsmittel  für  die  Magen* 
Sekretion;   Kaffee,   Alkohol^   Bouillon,   Gewürze  sind  streng  zu  ver- 
meiden.    Eine  ausführliche,  zuaaramenf aasende  Schilderung  der  S  e- 
kretions Störungen    deB   Magens    bezüglich    deren   Pathologie 
und  Therapie  bat  A.  B i c k e  1  geliefert,     v.  Kusohew  bringt  zu  der  idiopathiacfi 
von  Einhorn  aufgestelltao,  im  allgemeinen  seltenen  Krankheitsform 
deridiopathischen,  einfachen  Mag  enachylie  neue  Beiträge.  Die 
Erkrankung  stellt  eine  Sekretionsneurose  dar,  die  ohne  anatomische 
Veränderung  der  Magenschleimhaut  einhergeht  und  heilungsfähig  ist* 
Ihr  hauptsächlichstes   Symptom   ist   Schmerz   und   Erbrechen   kurz 
nach   der    Nahrungsaufnahme    trotz    guter    Motilität    und   ständige 
Diarrbötm  bei  relativ  günstigem  Emährungäzustand  des  Krankeu. 
Im  Magensaft  ist  die  Abwesenheit  von  freier  Salzsäure  und  Pepsin 
charakteristisch,     doch     fehlt    das    Labferment    nicht    regelmäßig. 
Wasserthal   fand  in  einem  Falle  Ton  vollständiger  Magen achylie 
itändige   Diarrhöen    mit   Flagellaten    im   Stuhl,    aber   nicht   im 
Mageuinbalt.     0  e  s  t r  ei c h  und  Strauß  machen  bei  der  perniziösen 
Anämie    auf   Lymphozytenvermehrung    in    der   von   starkem  LymphoK^vta: 
DrfiEenachwtmd  befallenen  Magendarmschleimhaut  aufmerksam*    Mit    ^'^*'"^*^^^^°« 
dieser   Schleimhautveränderung    steht   auch    eine    Lymphozyteuver-   atTophiuche' 
m^hruüg    im     Blute     im     Zusammenhang,      P  e  w  s  n  e  r     hat    an       Migen* 
nach    P  a  w  1  o  w  operierten   Hunden    die    S  c  h  1  e  i  m  a  b  s  o  u  d  e-    .  ^^. 
rung    im    Magen    studiert    und    fand    diese    nur    als    Eolge      HcltMm^ 
lokalen   Reizes   (z.  B.   durch  Arg.   nitric*).     Eine  nervöse  Schleim-     sekretiou. 
Sekretion    ist   nicht  erwiesen.     Ferner   geht   die   Sohleimproduktion  ^ 

nicht  mit  der  Magensekretion  parallel     Jeder  reichliche  Gehalt  des  I 

Spei sebr eis  an  Magenschleim  ist  nach  E.  Schütz  als  pathologisch  P^iiliologiicl 
(gesteigerte  Magenschleimabsonderung  anzusehen.  Bie^e 
igt  die  Grundlage  für  die  Diagnose  Magenkatarrh.  Beim  chronischen 
Magenkatarrh  sind  andere  typische  Veränderungen  des  Speisebreis 
nicht  vorhanden  und  lassen  demnach  auch  nicht  auf  eine  tiefer 
greifende  Veränderung  des  Drusenapparats  schließen.     Als  schleim- 


biji  ÄchyUe 


aoUretioti. 


r 


geulcatftrrb. 


;0iW(tritis 


lösendes  Mittel  wird  das  warme  Karlsbader  Wasser  empfohleri. 
Chöinisse  beschreibt  das  Symptom  der  gesteigerten 
Sohleimsakretion  des  Magens  als  Gastromyxorrlioe-  Diese 
kann  intermittierend  oder  kontinuierlich  sein.  Die  erste  Form  führt 
zu  plötzlich  einsetzendem  heftigen  Erbrechen,  das  mehrere  Tage  an- 
hält, während  die  letztere  keine  ausgeprägten  Symptome  macht. 
Cheinisse  hält  die  rein  nervöse  Natur  dieaes  Leidens  nicht  für 
genügend  begründet  und  neigt  zur  Ansicht,  daß  ihr  eine  Erkrankung 
der  Mukosa  zu  Grunde  liegen  dürfte.  Beim  Magenkatarrh  gehen 
nach  BickeU  Unterauchnngen  zweierlei  Störungen  in  der  Magen- 
schleimhaut nebeneinander:  L  die  Schlei mbildung.  Diese  ist  als 
lokale  Heaktion  der  Magenwand  auf  einen  lokalen  Reiz  hin,  nicht 
als  Reflex  anzuaehen.  2.  Die  Ma^enaaftaekretion.  Hier  wird  im 
Gegensatz  zu  anderen  Erkrankungen  f  weil  es  sich  um  eine  Stö- 
rung der  sezernierenden  Drüsenz  eilen  handelt  ^  eine  Alteration 
in  der  :Zusammensetzung  des  Magensafts  beobachtet;  es  wird  ein 
minderwertiges  Sekret  geliefert.  Die  bekannte  Seltenheit  der  wirk- 
lichen chronischen  Gastritis  wird  von  Chase  auf  9  '^/^ 
aller  übrigen  gastrischen  Störungen  geschätzt.  Talma  fand  bei 
der  chronischen  Gastritis  durch  histologische  Untersuchung  mög- 
liehst frisch  konservieTt^r  Mageng chJeimhautstückchen  nicht  immer 
die  dem  K ran kheits bilde  entsprechenden  Veränderungen.  Er  unter- 
scheidet demnach  eine  Gastritis  aimplex  ohne  anatomische  Ent- 
zündungserscheinungen,  und  eine  Gastritis  inftammatoria  mit  solchen. 
In  einem  Falle  von  Gastritis  phlegmonosa  konnte  Klau- 
ber sowohl  aus  dem  Magen  Eiterzellen  und  epitheliale  Elemente 
auaspiüenj  als  auch  in  den  reissuppenartigen  Stühlen  Eiter  nach- 
weisen. Die  Erkrankung  wurde  durch  Magenausspülungen  geheilt. 
Ho  seh  unterscheidet  zwischen  Abszeß  und  diffuser  Erkrankung 
der  Magenwand,  Von  letzterer  beschreibt  er  eine  idiopathische 
Formj  die  sich  an  eine  chronische  alkoholische  Gastritis  angeschlossen 
hatte  und  innerhalb  4  Tagen  unter  Peritonitis  zum  Tode  führte. 
Direkte  Magen sjrmptome,  wie  AufstolJen,  Erbrechen ,  fehlten  voll- 
ständig, weshalb  die  Diagnose  in  vivo  nicht  gestellt  werden  konnte. 
Es  handelte  sich  vorwiegend  um  Erkrankung  der  Submukosa, 
V*  Jury  beschreibt  eine  einfache  entzündliche  Magen- 
ßchruropfung  als  Erkrankung  sui  generis.  Sie  besteht  in  einer 
chronischen  entzündlichen  Bindegewebshyperplasie  der  Submukosa 
und  Subserosa  und  geht  mit  strecken  weisem  Drüsenschwund  einher. 
Im  beobachteten  Falle  war  sie  auf  chronische  Stauung  zurückzu- 
filhren.    Cheinisse  trennt  die  gastrische  Arteriosklerose 


von  der  intestmälen.  Die  erstere  kann  als  selbständiges  Leiden 
auftreten  und  bildet  die  Grundlage  mannigfacher  gastralgischer  An- 
falle mit  Auf bläbung  des  ilagena.  Stärkere  Arteriosklerose  des 
Magens  kann  2u  Magenblutungen  führen.  Law  in  schildert  bei 
Arteriös  kl  er  ose  des  Magens  multiple  oberflächliche  Erosionen^ 
die  selbst  umfangreiche  Geschwüre  und  Blutungen  verursachen 
können*  Die  Magenerosionen  werden  von  Berger  in  2wei 
Gruppen  geteilt:  L  a)  infolge  von  ^jirkülationsstörimgenj  b)  infolge 
des  Einwirkens  bakterieller  oder  toxischer  Schädlichkeiten;  2.  als 
selbständiges  Xrankheitshild ,  a)  die  Ein  ho  mache  Krankheit 
b)  die  Exulce ratio  ventriculi  simplex  (Dieulafoy).  Von  der  letzteren 
Form  werden  2  Fälle  mitgeteilt^  einar  mit  Sektionsbefnnd,  White 
beschreibt  unter  dem  Namen  Gastrostaxis  eine  Blutung^  die  ohne 
anatomische  Erkrankung  der  Magenschleimhaut  einhergeht,  besonders 
bei  Frauen  auftritt  und  in  der  Kegel  spontan  ausheilt. 

Ein  nicht  geringer  Teil  der  Fülle  von  Ulcus  ventriculi  be- 
ruht auf  hereditärer  Basis*  Huber  fand  diese  in  15 ^/o  seiner  Fälle; 
nach  anderen  Statistiken  sind  bis  34  %y  bekannt  geworden»  Huber 
kennt  aus  der  Schweiz  direkte  ,fXJlcasfamilien'^  Solche  Befunde 
sprechen  dafür,  daß  das  Magengeschwür  in  einer  ererbten  Anlage 
211  InnervatioQsstörKingen  des  Magens  seine  Hauptursache  hat, 
woraufhin  verschiedene  Gel egenb ei ts Ursachen  die  EntwickluDg  des 
Ulcus  maniiestieren  können.  Nach  Kaufmann  steht  der  Mangel 
an  Magenschleim,  die  Amyxorrhoea  gastrioa,  wegen  des  Fehlens 
einer  schützenden  Decke  für  die  Schleimhaut  in  ätiologischer  Be- 
Ziehung  zur  Hyperaaidität  und  zum  Ulcus,  jedenfalls  zu  den  von 
diesen  verursachten  Beschwerden.  Kaufmann  fand  auch  tatsäeh* 
lieh  einen  Parallelismus  Äwischen  dem  Wiederemsetzen  der  Schleim- 
aekretion  und  der  Besserung;  der  erwähnten  Leiden.  Marchetti 
iali  bei  einseitiger  Vagusdur chschneidung  primäres  Aufceten  von 
Magengeschwüren  und  sekundär  erst  die  Entwicklung  von  Hyper- 
Äzidität,  Zur  Diagnose  des  Ulcus  ventriculi  ist  nat^h  Bubow 
der  Nachweis  von  Hyperazidität  allein  noch  nicht  maÖgebend,  da- 
gegen ist  Hypersekretion  charakteristisch.  Best  erklart  den  relativ 
Bchlechten  Verlauf  der  am  Pylorus  sitzenden  Magengeschwüre  durch 
den  Circulus  vitiosns,  den  sie  hervorrufen,  indem  ihre  Folgeerschei- 
nungen^  Pylorospaamus,  Hyperazidität  mit  Magensaftfluli  und  moto* 
riscbe  Insuftizieni^f  sich  gegenseitig  steigern.  Zur  Frühdiagnose 
der  Perforation  eines  Magengeschwürs,  die  wegen  der 
möglichst  frühzeitigen  Operation  von  eminenter  Wichtigkeit  ist,  hält 
Harnet   folgende    Symptome    für   maJSgebend :    Schmera    im    Epi- 


Arteria&klero 
de»  Mtvgea 


] 


bei  M|^^en- 
ftrterio- 

Magen- 
ftrosioneiJ. 


ülflnf 
ventriGUli: 
Aetblo^iet 


Dio^guase  uu 


278 


MAgen 


erl(»Tfttio».  gastrium  mit  plötzlichem  Beginn,  und  als  wichtigstes  Zeichen  B,igi> 
dität  der  Bauchmuskeln.  Erbrechen  fehlt  oft,  Blässe  und  Kollaps 
können  bald  wieder  schwinden,  die  Temperatur  ist  ohne  Bedeutung^ 
der  Pols  täuscht  häufig.  Brentano  fand  die  Perforation  unter 
66  Fallen  49 mal  an  der  Vorder-^  8m al  an  der  Hinterwand  und  vor- 

lerapie  de^  wiegend  in  der  Pylorosgegend.  Lenhartz  hat  eeine  im  Jahre  1902  an- 
gagsbene  Behaudlungsmetbode  bereits  in  185  Fällen  von  friEchen 
blutenden  Geschwüren  in  Anwendung  gebracht  und  damit  bessere  Er- 
folge erzielt  als  mit  der  alten  Zi e  m s  s e  n  -  L  e  üb e  kur.  Die  fortgesetzte 
Zufuhr  eiweißreicher  Kost  bindet  die  vorhandene  Salzsäure  und  nützt 
sie  aus,  dadurch  wird  den  gesunkenen  Kräften  ein  schneller  Ersatz 
geboten.  Gegen  die  Auadehnung  des  Magens  wird  mit  3— 4wöchent- 
licher  Bettruhe,  Eis  umschlagen  und  peinlicher  EinechräDkung  der 
Flüssigkeits zufuhr  vorgegangen.  Lenne  bestätigt  diese  günstigen 
Erfolge.  Schnütgen  emptiehlt  die  Senator  sehe  Bebandlungs- 
weise,  die  eine  vermittelnde  Stellung  zwischen  der  Leube^Ziems- 
sen-  und  der  Lenhartzmethode  einnimmt.  Er  fand  damit  unter 
50  Fällen  in  den  meisten  (94'^,«)  in  der  relativ  kurzen  2eit  von 
3  Wochen  Heilung,  A.  Mann  berichtet  über  gute  Erfolge  hei  Be- 
handlung von  Magen-  und  Darmblutungen  mit  flüssiger  Gelatine. 
G.  Klemperer  empfiehlt  zur  Stillung  von  Magenblutungen  und 
zur  Verschorfung  der  Geschwüre  als  ungiftigen  Ersatz  für  das  Wis- 
mut das  Escalin  ( Aluminium glyzerinpaste),  das  er  4  Tage  lang  zu 
je  10  g  im  nüchternen  Zustand  gibt.  Seine  Erfolge  waren  günstig, 
B  ick  eis  Einwand,  daß  das  Escalin  stark  magensaft  erregend  wirke, 
wird  von  Mai  widerlegt. 

Nach  Packe  ist  der  Magenkrebs  (und  zwar  starker  als  der 
Krebs  im  allgemeinen)  in  Zunahme  begriffen,  die  nicht  auf  verbesserte 
Diagnostik  zu  beziehen  ist.  Unter  50  Fällen  von  Magendarmkrebs 
der  beiden  ersten  Lehensdezennien,  die  in  der  Literatur  verzeichnet 
sind,  betrafen  nach  BernouUi  21  das  Eektum,  IB  den  Magen, 
Nur  H  davon  waren  auf  dem  Boden  eines  Ulcus  entstanden. 
Zur  Frühdiagnose  des  Mageukarzinoma  hält  v.  A 1  d  o  r  die 
Salomonsche  Probe  für  jene  Fälle  brauchbar,  in  welchen  der 
Tumor  als  geschwüriger  Magenkrebs,  nicht  aber  als  diffuse  Infil- 
tration beginnt,  Maragliano  versuchte  eine  Frühdiagnose  durch 
die  Präzipitinreaktion  anzubahnen.  Die  \^on  Ziegler  angegebenö 
Frühdiagnose  des  Magenkrebses  aus  Sohl  ei  mh  au  tpartik  eichen  hat 
Lewinski  nicht  bestätigen  können.  Stevens  weist  auf  die  Häufig- 
keit der  linkseitigen  Supraklavikulardrüsensch wellung  bei  Magen- 
karzinom  hin.     Hosch  fand   in  einem  Falle   rechtseitige    Drüsen- 


noffl: 

Vorkommen, 


Früh- 


fleliwellting.  Bei  der  Obduktion  zeigte  sich,  daß  der  Hauptast  des 
Dnctüs  thoracicus  rechts  mtindeto,  Joaeph  beschreibt  den  seltenen 
Befand  eines  metastatischen  Magen  karzinoms.  Babes  und 
Mironescu  sehen  daa  klioiscbe  Bild  der  Linitis  plastica,  der 
Magenzirrhose j  als  gelatinösen  Krebs  an*  Gormick  und  Welsh 
besprechen  die  primären  Sarkome  des  MagenB.  Hundzeüen- 
aarkomse  kommen  vorwiegend  am  Pylorusanteil^  Spindelzellensarkome 
am  Fundus  zur  Entwicklung.  Ueber  Magen  tuberkulöse  berichtet 
Barchasch  auf  Grund  zw  ei  er  Fälle:  einer  tuberkulö  sen  Narben  - 
Stenose  des  Pylorua  und  eines  Solitärtuberkels  des  Pylorua.  Er 
macht  namentlich  auf  die  tuberkulöse  Pylorusstenose  aufmerksam. 
Bomani  fugt  zu  den  drei  von  Fat  eil  a  beobachteten  Fälleii  von 
Pylorusstenose  bei  Tuberkulösen,  die  in  einer  fibrösen  Entzündung 
bestanden,  noch  Kwei  gleichartige  Erkrankungen  hinzu.  H.  Chiari 
beschreibt  ein  Trichobezoar  des  Magens  einer  viele  Jahre  hindurch 
psychopathisch  gewesenen  Patientin,  Brockbank  und  Miliar 
besprechen  das  Wiederkauen  beim  Menschen.  Eraterer  kennt  eine 
Familie,  in  der  diese  Anomalie  durch  fünf  Generationen  zn  verfolgen 
ist,  Adler  und  Tecklenbiirg  schildern  das  typische  Krankheits- 
büd  der  Aerophagie  und  empfehlen  dagegen  das  schon  von 
Bonveret  an  gegebene  Verfahren,  durch  eine  Mundscheibe  die  Zahn- 
reihen offen  zn  halten,  wodurch  der  Mechanismus  des  Luftachluekens 
unmöglich  wird. 


ä  tut  Ib  eher 

Luiiti)^ 
plastica«* 

Tuberkal^ä« 
Pyloi'us- 


i 


Triohobead 


WiedeTkauei 


Äeroßhag 


Darm*  Das  Duodenalgeschwür  ist  nach  R  o  b  s  o  n  hänfiger  als  bisher 
angenommen  wird.  Es  ist  bei  weitem  hartnäckiger  als  das  Magen- 
geschwür und  macht  häufiger  als  dieses  Blutung  und  Perforation. 
Der  diätetischen  Behandlung  ist  es  kaum  zugänglich,  Robson 
schlägt  Gastroenterostomie  aber  außer  der  Blutungszeit  vor.  Auch 
Moynihan  betont  die  Gefährlichkeit  des  Duodenalgeschwürs.  Er 
hat  in  den  letzten  7  Jahren  114  FäUe  operiert,  in  welchen  dai 
Ulcus  fast  immer  (lOTmal)  nahe  am  Pylorus  saß.  Schwierig  ist  zu- 
weilen die  Differential diagn ose  mit  Cliolelithiaaia,  Die  Operations- 
erfolge waren  günstig;  91  Heilungen,  Die  Perforation  erfordert  so- 
fortige Operation-  Gray  hat  von  6  Fällen  5  geheilt.  Zur  Diagnose 
der  Duodenal  Stenose  führt  Leo  folgende  Symptome  an:  Kein 
Erbrechen,  bei  Ausheberung  reichlicher,  subazider,  flüssiger  Magen- 
inhalt ohne  organische  Säuren.  Konstante  Grünfärbung  desselben 
durch  Beimengung  von  Galle  und  Pankreassaflfc. 

Bezüglich  der  Beeinflussung  der  Darmbeweii^ung  durch 
die  Galle  kommen  Asher   und  Schnepbaeh   zu   übereinstimmenden 


Duod 


Duodeni 
!»teiiQs|i 


280 


Loren». 


bedstaltik. 


ingma 


mkuter 


Resultaten.  Die  Galle  kt  auf  die  Dünnda-rm Peristaltik  obne  Einßaß,  wo- 
gegen Bie  auf  den  Dit^kdarm  erregend  einwirkt.  Injektion  ins  Rektum  ruft 
DefBJration  hervor. 

L.Kuttner  schildert  in  einer  aimfiilirlichen  Mitteilung  dai  klinische 
Bild  der  chronischen  Diarrhoe.  In  der  Einteilung  der  großen 
Zahl  von  Formen  chroniBcher  Diarrhoe  ist  nach  unserer  heutigen 
Kenntnis  noch  keiö  einheitlicher  Standpunkt  xu  gewinnen.  Knttner 
hespricht  dabei  des  Genaueren  den  Qang  der  klinischen  Unter- 
suchung, insbesondere  der  des  Stuhles,  von  der  richtigen  ÄHBicht 
geleitet,  da(i  nur  durch  genaue,  nach  allen  uns  bekannten  Hich- 
tnngen  hin  untersuchte  FäUe  Licht  in  die  noch  recht  unklare 
Krankheitsform  gebracht  werden  kann.  Das  Krankheitsbild  der  ab- 
dominellen Arteriosklerose j  Angina  abdominis,  teilt  Perutz  in 
drei  Formen,  die  allerdings  voneinander  nicht  scharf  abgrenzbar  sind : 
L  Schmerzanfälle  stenokardischen  Charakters,  2.  brennender  oder 
nur  als  Druck  empfundener  Schmers  (ai*terio8kl erotisches  Leibweh, 
Busch),  3,  schmerzhafte  Krämpfe  mit  Sistieren  der  Darmbewegung, 
Meteorismus  (Djspragia  intestinalis,  Ortner).  Die  Anfälle  werden 
zumeist  durch  einen  Krampf  der  kleinen  DarmgefälJe  unter  An- 
ateigen des  Blutdrucks  ausgelöst.  Zur  Behandlung  der 
schweren  infektiösen  Durchfälle  empfiehlt  Stumpf 
die  Bolustherapie  als  zuverlässiges  Heilverfahren,  das  den  Zweck 
hat,  die  Vermehrung  der  pathogenen  Bakterien  zu  hemmen.  Es 
werden  125  g  Boli  albae  ofhcin.  subtilissime  pulverisat.  in  ^u  Liter 
Wasser  aufgeschwemmt,  möglichst  auf  einmal  getrunken  und 
nach  3  Stunden  das  gleiche  Quantum  wiederholt.  Dabei  ist  jeg- 
liche Nahrungsaufnahme  durch  mindestens  18  Stunden  untersagt. 
Görner  hat  die  Bolustherapie  auch  auf  einfache  Barmkatarrhe  aus- 
gedehnt und  erzielte  bei  diesen  sowie  bei  Darm  tuberkulöse  und 
Darmamyloidose,  ferner  bei  verschiedenen  Formen  von  Meteorismud 
günstige  Erfolge.  Löbel  schildert  die  Beeinflussung  der  Darmflora 
durch  Yoghurt,  eine  Sauermilch,  welche  durch  eine,  wie  mitgeteilt 
wird,  Reinkultur  des  Bac.  lactis  aerogenes  erzeugt  wird.  Der 
Milchsäurebacillus  verdrängt  das  Bact.  coli  und  wirkt  durch  die 
Milchsäureproduktion  auf  Sekretion  und  Peristaltik  günstig  ein.  Da- 
bei wird  die  pathologische  Darm fäulnis  gehemmt.  Oombe  empßehlt 
diese  Sauermilch  bei  intestinaler  Autointoxikation  und  bei  Dünn- 
darmkatarrh,  nicht  aber  bei  der  Enteritis  membranacea.  G.  Bösen- 
feld  stellt  ÄUr  Therapie  der  chronischen  Diarrhoe  und  Obstipation 
die  diätetische  Behandlung  wieder  in  den  Vordergrund,  die  mit 
Unrecht  den  Medikamenten  gegenüber  zurückgedrängt  wurde.   Des- 


I 
I 


I 

I 

I 
I 


Diätetjiicbfl.' 
Behandlung 


Diagnose  deij 


glaielien  bespricht  Einhorn  die  diätetische  Behandlung  der 
chronischen  Diarrhoe.  Bei  der  chroniBchen  Darmstenose  und 
dem  Dünndarmkatarrh  ist  auf  reizlose,  rückstandarme  Kost  cu 
achten.  Bei  der  nervösen  Form  ist  das  Hauptgewicht  auf  die 
(willkiiriiche)  Unterdrückung  des  Stuhlganges  zu  legen.  Tobias 
h^t  bei  der  nervösen  Diarrhoe  von  der  Lokalbehandlung  keinen 
Erfolg  geseben  und  empfiehlt  hydrotherapentiache  Allgemeinbehand- 
lung.    Vor  Gymnastik  und  Massage  ist  zu  warnen. 

Zur  Frühdiagnose  des  Ileus  hebt  Ewald  ein  Symptom  her* 
vor,  das  schon  vor  den  bedrohlichen  All  gern  einerscheinun  gen  auf- 
tritt;  das  ist  die  bei  der  Ausheberung  zu  konstatierende  fUkulent 
riechende  Beschaffenheit  des  Mageoiahalts.  Einhorn  versuchte 
nach  vorhergegangenen  experimentellen  Studien  an  Fröschen  in  einem 
Falle  von  chronischer  Darmstenose,  mit  der  Wismut- Röntgenmethode 
per  OS  und  per  rectum  appliziert,  die  Diagnose  des  Sitzes  der  Ver- 
engerung KU  stellen.  Hauser  beschreibt  einen  extremen  Zwerch- 
fellhochstand  mit  Abknickung  der  Vena  eava  in  einem  Falle  von 
Heus  infolge  eines  ringförmigen  Dickdarmkarzinoms.  In  diesem 
Falle  war  der  Bauch  marmorhart*  Von  0.  Schulz  wurde  die 
0aäanalyse  ausgeführt»  der  Innendruck  betrug  274  mm  Quecksilber. 
Zimmermann  beschreibt  die  Obduktionsbefunde  dreier  Fälle,  in 
denen  sich  oberhalb  der  stenosierten  Darmstelle  Geschwüre  gebildet 
hatten.  Diese  konnten  entweder  durch  übermäüige  Dehnung  und 
Zirkulationsstörung  (Kochers  Hypothese)  oder  durch  Infektion 
durch  den  angestauten  Darminbalt  entstanden  sein.  Kuff  sah  in  BürmAt^n^ 
2  Fällen  von  extraabdomineOer  Sepsis  Darmbltihung  und  -lähmung 
mit  tödlichem  Ausgang.  Zur  Anregung  der  Peristaltik  empfiehlt 
Vogel  bei  hartnäckigem  Meteorismus  1mg  Physostigmin.  salicylic. 
subkutan  und  nach  1  Stunde  20  ccm  Glyzerin  als  Klysma,  Bei  un- 
genügender Wirkung  Wiederholung  nach  4— *J  Stunden. 

Ueber  Appendizitis  ist  eine  Reihe  wertvoller  Studien  gemacht 
worden.  Vor  allem  hat  man  in  der  Aetiologie  dieser  wichtigen  Erkran- 
kung weiter  zu  kommen  versucht,  obgleich  die  Ansichten  darin  noch 
Hebr  auseinander  gehen.  H.  Alb  recht  hat  in  angeborenen  Verwach- 
sungeUt  Knickungen  und  Eins chlieliuD gen  des  Wurmfortsatzes  in 
peritoneale  Taschen  eine  wichtige  Disposition  zur  Appendizitis  auf- 
gedeckt Touzfcf  tritt  für  die  Theorie  der  regressiven  Meta- 
morphose der  Appendix  einj  wogegen  nach  Flesch  die  Ursache 
der  Erkrankung  auf  funktionellem  Gebiet  zu  suchen  ist.  Er  erklärt 
ftuf  solche  Weise  die  Häufung  der  Erkrankung  in  einzelnen  Familien, 
Mitteilungen  dreier   Stammbäume.     Kretz   betrachtet  die  Appendi- 


Ap|tetidi£itli| 


ppendkiti«:  dtis    als    eine  hämatogen   bedingte    Lokalisation    einer    AUgemein- 
^ötioiogio,    ©rkrankuDg,    welcher  in   einer  Reihe  von  Fällen  Angina  tonsillaris 
vorangeht.   In  16  Fällen  tödlicher  phlegmonöser  AppendizitiB  fanden 
sich  frische  Tonsillaraoginen,  in  13  Fällen  snb akuter  Infektion  waren 
Residuen  früher  üb  erstanden  er  Angina  nachzuweisen*  Diese  letzteren, 
postanginöset]  f  Erkrankungen   zeigen    eine    auffallende  Gutartigkeit, 
Nach  Noll  ist  die  Appendizitis  durch  bakterielle  Infektion  zumeist 
vom  Barm,   seltener  vom  Blut  aus  hervorgerufen,   wobei   sich  die 
Mikroben   im   mittleren   und   distalen   Teil    des  Wurmfortsatzes  an- 
siedeln. Kotsteine  sind  kein  vor  bedingendes  Moment  der  Entzündung, 
Heim  beschreibt  Streptokokken  Infektionen  des  Wurmfortsatzes,  die 
zumeist  im  Frühjahr  und  Herbst  im  Gefolge  von  Angina  auftreten. 
Asch  off  fand   als  Erreger   der  Appendizitis    intrazelluläre,    gram- 
positive Diplokokken  und  nimmt  für  diese  die  enterogen e,  sowie  die 
hämatogene   Infektion   als   möglich  an.     Die   hämatogene   Infektion 
nach  Angina  hält  er  für  die  Ausnahme.     Der  bauptsächlichste  Er- 
reger der  Erkrankung   bleibt  jedoch   nach  Manuel  das   Bacterinm 
coli  commune  aUein  oder  mit  anderen  Mikroben.     Short  berichtet 
über  5  Fälle   von  Aktinomykose   der  Appendix.     Die  Mehrzahl  der 
Erkr^ikten  hatte  n^it  Getreide  zu  tun.    Die  Prognose  dieser  Fälle 
ist  schlecht.    Fink  sah  nach  Trauma  Stieldrehuog  des  Wurmfort- 
satzes   mit   Sekretstauung.     Nach   Winselmann   soll   skrophnlöse 
Erkrankung   und   tuberkulöse    Belastung    tn    der   Pathogenese    der 
Blinddarmkratikheit  eine  wichtige    Bolle  spielen.     N  a  a  b    bezieht 
die  weit  geringere   Zahl    der    Appendizitis  Ml  e    der   Orientalen   auf 
■"ifülidlftgaosc,   ihre    fleiecharme   Kost.     Zur    Frühdiagnose    der   Appendizitis 
schildert  Blumberg  ein  Schmerzphänomen :  heftiger  Schmerz  beim 
plötzlichen   Abheben   der   palpierenden   Hand.     Bei  frischen  Fällen 
ist  dieser  Schmerz  größer  als  beim  Druck,   was   als  diagnostisches 
Merkmal  fnv   den  peritonealen    Entzündungsproaeß    anzusehen   ist. 
Moskowicz  emptiehlt  zur  Frühdiagnose  aulJer  auf  die  Spannung  der 
Bauchdecken   auch   auf  das  Fehlen  der  Bauchreflexe  und  auf  even- 
tuelle Urin  beschwer  den  zu  achten.   Feder  man  n^  Kothe^  Sonnen- 
hur g  treten  für   die    Wichtigkeit   der  Leukozytenzähluug   für   die 
Prognose  der  Appendizitis  ein.     Die  Leukozyten  zahl  ist  immer  mit 
dem  Puls  und  der  Temperatur  in  Vergleich  zu  ziehen ;  gleichmäßiger, 
nicht  allzu  hoher  Anstieg  von  Puls,  Temperatur  und  Leukozyten  zahl 
charakterisiert   die   gutartige    Erkrankungsform,    wogegen   geringe 
oder  fehlende  Leukozytose  bei  schweren   klinischen  Symptomen  als 
Ausdruck  geringer  Widerstandskraft  des  Organismus  eine  schlechte 
Prognose    gibt      Plötzliche    Steigerung    der   Leukozyten  zahl    nach 


hinkheiten  der  VerdauuDgaoT 


;iger  Krankheitedauer  bedeutet  ein  Anwachsen  des  Abszesses 
fordert  die  Inzision.  Auch  differential diagnostisch  ist  der 
Leukozytenbefond  nach  Sonnenburg  von  Wert^  insbesondere  zur 
Unterscheidung  ¥on  Enteritiden.  Auf  die  leichte  Verwechslung 
des  Äppendizitisanfalles  mit  Enterocolitis  mucomemhranacea  weist 
Bonnet  hin,  da  bei  letzterer  nicht  immer  Schleimmembranen  aus- 
geschieden  werden*  Mc  Carty  gibt  folgende  pathologisch* ana- 
tomische Einteilung  der  WurmfortsatÄerkrankungen: 
1,  Appendicitis  catarrhalis  acuta,  2.  Appendicitis  purulenta  necrotica, 
3*  Periappendicitis  acuta,  4.  Obliteration.  Diese  Formen  zeigen 
jedoch  die  mannigfachsten  Uebergänge,  Die  Käuhgkeit  der  Oblitera- 
tion  des  Würmfortsatzes ,  die  ihren  Beginn  immer  am  Ende  der 
Appendix  nimmt,  bespricht  Toinita  Chutaro.  Haberer  hat  in 
7  Fällen  eine  Form  von  chronischer  AppendiÄitis  bei  älteren 
Leuten  beobachtet,  die  ohne  An^lle  auftritt  und  unter  dem  Bilde 
einer  primären  Obturationsstenose  mit  hochgradiger  Abniagerung 
emhergebt.  Die  typischen  Symptom©  der  Wurmfortsat zerkrankung 
fehlen  dabei.  Es  mußte  In  allen  diesen  Fällen  an  ein  malignes 
Neoplasma  gedacht  werden. 

V i g D a r b  fiowie  C a v a i  1 1  o n  und  Chabatiün  haben  die  retrozökalen 
Formen  der  Appendizitis  bearbeitet.  Ersterer  fand  diese  Form  unter 
56  Fällen  von  Appendis^itia  9maK 

Heeka  sah  elf  Oxyuren  im  Wurmfortsatz  als  zufälligen  Be- 
fund. Hipp  ins  und  Lewin son  beobachteten  jedoch  bei  einer 
Kolonie  von  Oxynren  in  der  Appendix  Schleimhautveränderungeni  die 
jedenfaila  das  Eindringen  von  Infektionserregern  begünstigen  konnten, 
L  e  d  i  a  r  d  fand  elf  facettierte  Gallensteine  im  WurmfortsatJE, 
Weisflo^  konnte  durch  Röntgen aiif nahmen  Appendixsteine  nach- 
weisen. Aide  ho  ff  beschreibt  als  Folgezustand  im  Änachluli  an 
die  Operation  eitriger  Äppendizitiden  einen  septischen  A H ge- 
rne in  zu  stand,  der  ohne  Peritonitis  unter  schwerem  Ikterus  Ver- 
la aft  und  entweder  rasch  heilen  oder  unter  Koma  zum  Tode  führen 
kann.  Riebe lot  macht  auf  das  Vürkommen  von  Psoitis  als  Folge- 
Äuatand  der  Appendizitis  aufmerksam.  Eine  größere  ausführliche 
Abhandlung  über  die  Appendizitis  hat  Sprengel  geliefert.  In  der 
Therapie  der  Appendizitis  haben  sich  im  Laufe  der  letzten 
Jahre  aus  der  großen  Masse  des  publizierten  Materials ,  wie  A  d. 
Schmidt  in  einer  zusammenfassenden  Besprechung  der  appendizi- 
tiscben  Streitfragen  erörtert,  drei  Kristallisationspunkte  gebildet:  Die 
Prüboperfttion  j  die  Intervalloperation  und  die  Frage  über  die  chro- 
öische  Appendizitis.     Beziiglich  der  Frühoperation  nimmt  Schmidt 


Fortii  der 
EutQÄoeii 


Steinev] 

Fulg«£U»tlLlid( 

der 
Ai'peödMtb, 

i 

AppeudixitU. 


der 


Prlmftres 
iFziiiüin  des 

mngen  des 

ZdknTni» 


Flexura. 


nur  bedingungaw^ifle  den  radikalen  Standpunkt  ein;  uämlich  nur 
bei  aüagesprocheneio ,  typischen  Anfall,  niclit  aber  för  die  leichten 
Fälle  (olme  typiachen  Anfall).  Für  solche  Formen,  die  in  der  Regel 
ala  Blinddarmreizung  geschildert  werden  i  kann  die  Forderung  der 
Frühoperation  nicht  aufrecht  erhalten  werden.  Ebenso  denkt  Alb u. 
Es  gibt  ja  eine  große  Zahl  yoü  akuten  BlLaddarmentKündangen, 
welche  sich  von  selbst  zurückbilden.  In  solchen  Fällen  ist  nach 
den  Erfahrungen  Albus  die  Gefahr  der  Krankheit  nicht  größer  al^ 
die  der  Operation.  Die  InterraUoperation  ist  nach  dem  zweiten 
Anfall  stets  in  Erwägung  xu  ziehen.  Unter  der  chronischen  Appen- 
dizitis werden  bisher  noch  eine  Reihe  von  verschiedenen  Krankheits- 
prczessen  zusammengefaßt.  Bei  schleichender  chronischer  Appendi* 
zitis  ist  nach  Albu  dann  die  Operation  anzuraten^  wenn  konstante 
Resistenz  und  Druckempündiichkeit  vorhanden  sind,  nicht  aber  bei 
bloß  subjektiven  Beschwerden.  Bei  der  internen  Therapie  ist 
gegenüber  Pfister^  der  auf  der  alten  internen  Behandlung&weise 
mit  Opium  und  Eisbeutel  beharrt ^  Opium  nach  Albu  auch  für  die 
leichtesten  Formen  zu  verwerfen  in  gleicher  Weise  wie  Abführ- 
mittel. Gleicher  Meinung  ist  Boas.  Ist  eine  Darmentleertmg  nötig, 
gibt  letzterer  vorsichtig  Oel  oder  Oel-Riainus-Bleibekli stiere.  Pel 
hält  die  Furcht  vor  dem  Opium  nicht  für  berechtigt  und  hält  zweck- 
mäßige Dosen  für  erlaubt.  Pf  ist  er  weist  bei  der  Behandlung  mit 
der  alten  internen  Methode  nach  einer  Statistik  von  über  200  Fällen 
der  Heidelberger  Klinik  46  ^>  Heilungen  nach.  Er  hat  auch  schwere 
Fälle  ohne  Operation  heilen  sehen.  In  den  letzten  2  Jahren  wurden 
von  70  Fällen  B*>  leichte,  25  mittelschwere  und  10  von  15  schweren 
intern  behandelt;  4  wurden  operativ  geheilt  und  1  starb. 

Zu  den  55  bekannten  Fällen  von  primärem  Karzinom  des 
WurmfortBatajes  fügen  Zaaijes  6,  Lecene  2  neue  Fälle  hinzu. 
DaB  Karzinom  scheint  im  Wurmfortsatz  jahrelang  latent  zu  bleiben. 

Simmonds  macht  auf  den  häufigen  Befund  von  Verlagerungen 
des  Zökums  aufmerkBam.  Sie  betragen  bei  Kindeni  fast  20  V<»  aller  Fälle. 
Am  hi,ufig6ten  eind  Dislokationen  nach  oben  bei  allzu  langem  Meeenterium, 
umgekehrt  ist  bei  abnorm  kurÄera  Mesenterium  das  2ökiim  mit  nach  rück- 
wärts gelagertem  Wurmfortaatz  fixiert.  M o lek  beich reibt  3  Flllle  von  üeber- 
dehnung  des  Zökums  infolge  karzinomatöser  Striktur  dm  Dickdarms.  Eoith 
weist  auf  die  Bedeutung  derFlexura  coli  sinistra  hin,  die  eine  physio- 
logische Trennung  des  oberen  und  unteren  Kolonabscbnittea  bewirkt»  wobei  ein 
Kbippenmechanismuä  an  der  spitzwinkeligen  Abkniekung  eine  Rolle  spielt. 

Madelung  erwähnt  vom  Karzinom  der  Fle^ura  coli 
sinißtra^   daß   es   bereits   ohne  besondere   Stenose  infolge   der  Ab- 


I 


I 


I 


I 


Krankheiten  der  Verdauuogsorgane. 


285 


kmckung  der  Flexur  zu  Ilews  fuhren  kann.  Einfache  Adhäsionen 
des  Kolon  können^  wie  Mavlard  in  2  Fällen  beobachtete,  zu 
Verstopfung  mit  koUkahnlicheu  Attacken  führen.  F  a  1 1  a  be- 
ohachtete  einen  Fall  von  Fidtnla  gastro^colica  mit  wahr- 
echeinlich  ventüartigem  Verschluß.  Es  bestand  keine  Lienterie, 
die  Fiillang  des  Kolons  vom  Magen  ans  wurde  niemals  beob^ 
achtet  j  doch  konnte  umgekehrt  der  Emtritt  von  Luft  und  Darm* 
Inhalt  in  den  Magen  koustatiert  werden.  Einen  ähnlichen  Fall, 
ebenfalls  ohne  Lienterie,  beschreiben  Port  und  ReiKOnstein. 
Hawkins  beschreibt  eine  idiopathische  Erweiterung  des 
Kolon^  die  er  wegen  des  Fehlena  eines  inneren  oder  äußeren 
Hindemisaes  als  kongenital  neuropathisch  auffaßt  Die  Erweiterung  ist 
SGumeist  zirkumskript  nnd  sitzt  dicht  am  XJ ebergang  ins  Rektum f  die 
Symptome  sind:  von  Jugend  her  Verstopfung  mit  Durchfällen  ab- 
wechselnd und  aufgetriebener  Bauch  bei  gutem  Allgemeinbefinden. 
Er  konnte  diese  Erkrankung  in  der  Regel  nur  vor  dem  10,  und 
nach  dem  40.  Lebensjahr  beobachten.  Typische  Fälle  von  Hirst^h- 
sprungscher  Erkrankung  hei  Erwachsenen  teilen  Schreiber 
und  V.  Schuckmann  mit.  Im  ersten  Fall  bestand  ein  Spasmus 
im  unteren  Teil  des  8  Romanum  bei  kongenitaler  Verlängerung  und 
Verlagerung  der  Flexur,  die  im  Röntgenbild  nachweisbar  war.  Die 
2  Fälle  V.  Schuckmanns  wurden  durch  die  Sektion  beetätigt. 
Nur  in  einem  ließ  sieb  eine  leichte  Verengerung  des  Dickdarms 
Qachweisen.  Ueber  die  Pathogenese  der  Colitis  mucomera- 
branosa  mt  noch  keine  Einigung  emelt  worden.  Während  sie 
Harriaon  al5  kombinierte  sekretorische  und  motorische  Neurose 
auffallt,  deren  Ursprunt]^  nicht  lokal,  sondern  in  einer  Allgemein- 
erkrankung des  Nervensystems  zu  suchen  ist,  sieht  sie  Tuttle  als 
allgemeinen  Kolonkatarrh  an,  King  als  primäre  Lokalerkrankung 
infolge  Reiz  Wirkung  der  Fäzes;  ebenso  ist  sie  nach  Mumm  er  y 
durch  chronisch  entzündliche  Veränderuugen  der  Darmschleimhaut 
bedingt.  Ihr  Hauptsitz  in  den  unteren  Partien  des  Kolon  weist 
auf  die  ReiÄwirkung  stagnierender  Kotmassen  hin.  Netter  bezieht 
die  Erkrankung  auf  verminderte  Gallen  Sekretion.  Liddel  und 
Wilson  beschreiben  die  bei  der  Colitis  mucosa  auftretenden  sekun- 
dären,  auf  AutoiDtoxikation  beruhenden  Symptome,  die  in  Muskel- 
schwäche,  Fettschwund,  Leber- und  Pankreasstörungen,  nach  Wilson 
auch  in  Herzbeschwerden  (Paipitationen »  Irregularität)  bestehen. 
Muszkat  beobachtete  bei  einer  30jährigen  ßchwäohUchen  Näherin 
eine  ohne  Koliken  in  Intervallen  ohne  bekannte  Ursache  auftretende 
Entleerung  schleimiger   Flüssigkeit   aus   dem   Darme.     Phillips 


AdhäsiotiQ 
des  KoIqÜ 


Fistnlft  I 


Idioputhbcbe 
Erweiterung 
de»  Kolon. 


Hiraob- 
äprungaeli 
K^anUbeil 


Colitis ; 

inuco- 
uiMiribruiLQ 


Kolitis. 
I  Sigmoidltis^ 


Veratopf  UDg 
durch  Flßsar- 
erkrankUDg. 


^rumpfang 

'esQtiteduTiijs 
dftr  Flesura 


Tuberkulose 
der  Fleator, 


beschreibt  eine  schwere  Form  von  akuter  ulzerativer  Xolitij 
die  unter  dem  Bilde  des  T3rphi3S  abdominalis  verlief,  aber 
Schmerzen  und  Leukozytose  einherging.  Lejars  schildert  eijie 
Sigmo-Perisigmoiditis  als  durchaus  nicht  seltene  Erkrankun J 
die  bei  akutem  oder  subakutem  Verlauf  zu  ileusähnlichen  Erschei- 
nung en  führen  kann.  Fälle  von  cb ronischer,  infiltrierender  Kolitis 
und  Sigmoiditis  teilt  Rosenheim  mit  Diese  waren  echw^er  von 
Karzinom  zu  unterscheiden.  Sie  zeigten  neben  Schmerz  und  Ter- 
stopfung  oder  Diarrhoe  Verdickung  und  Druck empfindliehkeit  der 
Kolonwand  selbst  deutliche  TnmorbQdüng.  Eine  ähnliche  Krank- 
heitaform  beschreibt  Moynihan.  Rosenberg  behandelt  die  chro- 
nische Sigmoiditia  und  Proktitis,  indem  er  nach  Reinigung  des 
Darms  die  entzündete  Schleimbaut  unter  Leitung  des  Rektoromano* 
skops  mit  Medikamenten  bepulvert ^  wozu  er  eine  Mischung  von 
Magnesia  und  Tannin  oder  Wismut  oder  Zincum  aozojodoL  benutzt. 
Bei  Ulzerationen  verwendet  er  nach  Waschung  mit  Wasserstoff- 
superoxyd Xeroform.  C  a  n  1 1  i  e  macht  auf  die  ringförmigen 
Verstärkungen  am  üebergang  der  Flextir  ins  Rektum 
sowie  ins  Kolon  aufmerksam ,  welche  regulierend  auf  den  Eintritt 
der  Kotmassen  ins  Rektum  wirken,  aber  auch  Ansammlung  von 
Kotmassen  und  Schleimbildung  verursachen  können.  Knsnet^ow 
beschreibt  bei  älteren  Männern  eine  Form  von  Schrumpfung 
des  Mesenteriums  der  Flexnra  sigmotdea^  die  gich  in  ge- 
ringen  Graden  durch  hartnäckige  Verstopfang,  in  höheren  durch 
vorübergehenden  Darmverschlull  mit  Koliken  äußert  und  selbst  zu 
Achsendrehung  der  Flexur  führen  kansa.  Kidd  beobachtete  3  Fälle 
von  subseröser,  hyperplastischer,  tuberkulöser  KolitiM 
mit  vorwiegendem  Sitz  iu  der  Flexura  sigmoidea.  Die  hyper* 
trophiöche  Tuberkulose  des  Kolons  führt  nach  Vaccari  in  der  Regel 
zu  Durchfällen,  seltener  zu  Stenosen.  Holland  beschreibt  einen 
tuberkulösen  Tumor  der  Fles:ura  sigmoidea,  der  das  Bild  eines 
inoperablen  Karzinoms  darbot.  Fletcher  und  Robinson  beob- 
achteten hei  einem  12 jährigen  Knaben  eine  kongenitale,  idio- 
pathische Dilatation  des  Rektums,  dessen  Umfang  GO  cm 
erreichte.  Bei  der  Proctitis  purulenta  und  ulcerosa  scheint 
nach  Rüge  die  Lues  eine  ätiologisch  wichtige  RoUe  zu  spielen. 
Die  Mastdarmblenorrhoe  liefert  nach  Brnnswic-le-Bihan  einen 
dem  Gonorrhoeeiter  ganz  unähnlichen^  braunen  Eiter  ohne  G^ono- 
kokken  mit  KoHbazillen  und  Mastdarmsaprophyteo.  Eine  Kompli* 
kation  dieser  Erkrankung  bildet  die  akute  Periproktitis  unter  dem 
Bilde   einer   ischior oktalen  Phlegmone.     Zur   Frühdia gnoae   dei 


Krankheiten  der  Verdauungsorgane, 


287 


BtktQn 
kafziuou 


im  Stuhl, 


Rektumkarzinome  betont  Boas  neben  den  Xoliken  die  Be- 
deutung minimaler  aber  häufiger  Stuhlentleerungen  von  fötidem 
Geruch  (sogen.  Spritzer)  und  anhaltenden  Kreuz-  und  Steißbein- 
schmerz. 

Cowie  hat  die  EnipEndlichkeit  der  üblichen  Blutproben  BintnaofiweS 
nach  Web  er- Boas  geprüft.  1  g  in  den  Magen  gelangtes  Blut 
gab  mit  den  Guajak proben,  nieht  aber  mit  den  Äloin proben 
deutliche  Blutreaktion  im  Stuhl.  Cowie  modifiziert  die  Probe 
dahin,  dali  er  statt  der  alkoholischen  Giiajaklösung  einige  Körnchen 
pulverisierten  Guajakharzes  mit  destilliertem  Wasser  verwendet, 
Schlesinger  und  Holst  führen  die  Benzidin probe  so  aus, 
daß  flie  zu  dem  Keagena  ( \i'!.>  ccm  frisch  bereitete  Benzidin-Eisessig- 
mlschung  und  2 — B  ccm  3%  ige  Wasser stoffsu  per oxydlösung)  einige 
Tropfen  einer  kurz  aufgekochten  wäßrigen  Aufschwemmung  des 
zu  untersuchenden  Stuhles  (ein  erbsengroßes  Stück  auf  ^  ^  Wasser 
im  Reagensglas)  hinzufügen  und  umschutteln.  Der  positive  Ausfall 
ergibt  blaue  oder  doch  grünliche  Färbung.  Einhorn  verwendet 
zur  Probe  Benzidinpapier  und  findet  diese  Methode  für  klinische 
Zwecke  ausreichend,  Grün  wald  empfiehlt  die  Z j a n k a  1  i u m f > r o b e 
uder  Hämochromogenreaktion  zum  Blutnachweis  mittels  des  Spektro- 
skops, Diese  Probe  ist  empfindlieher  ab  die  Weberechej  aber  nicht 
besser  als  die  Schumsche  Modifikation  der  letzteren. 

In  den  letzten  Jahren  haben  sich  die  Fälle  von  Anguillula 
intestinalis  in  Deutschland  gemehrt  Der  Parasit,  ursprünglich 
aus  den  Tropen  stammend ,  wurde  allmähHcb  bei  uns  ähnlich  dem  intaHtbalj 
Änkylostoma  eingeschleppt  und  heimisch;  doch  handelt  es  sich 
bisher  nur  um  sporadische  Fälle.  Bonus  beschreibt  solche  aus 
dem  rheinischen  Kohlenrevier,  Die  Parasiten  entwickeln  sich  ohne 
gööchlecbtliche  Zwischengeneration  zu  filariaförmigen  Larven^  was 
Bonus  für  eine  Akklimatisation  des  Parasiten  ansieht,  Bruns  hat 
3  Fälle  studiert.  Der  Parasit  lebt  auf  und  in  der  Darmschi  ei  mhaut^ 
die  jungen  Larven  gelangen  in  die  Fäzes,  sind  250  3G0  /i  lang  und 
entwickelt;  sich  dort  noch  weiter.  Die  Art  der  Infektion  blieb  bei 
diesen  Fällen  unbekannt  Ueber tragung  auf  Tiere  ist  ihm  nicht 
gelungen,  obgleich  Infektionen  des  Menschen  durch  den  Mund 
(Wilms)  und  durch  die  Haut  (Loos)  schon  von  früher  her  bekannt 
sind.  Ein  störender  Einfluri  des  Parasiten  auf  die  Darmachleimhaut 
ist  höchst  wahrscheinlich,  Trappe  sah  den  Parasiten  hei  chronischer 
Diarrhoe.  Symptomatische  Besserung  durch  Tannalbin  in  diesem 
Falle,  nachdem  Extractuui  filicis  roaris  erfolglos  war.  Labrazers 
beschreibt   eine   maligne   als  ^Kachexia  aquosa^^    bezeichnete    Form 


Dann- 
©ntOÄoeu  : 
Auguillala 


288 


LiOfenz. 


yioitoma,  der  Ankylostomiasiß  aus  Aegypten.  Zur  Therapie  der  Äukylo- 
stoma-duodenale-Krankheit  wird  von  Caatellvi  das  j^-Naphthol 
als  bestes  Mittel  empfohlen,  daa  nach  einem  salimschen  Abfüiir- 
mittel  in  zwei  Dosen  von  je  lg  gegeben  wird,  2  Stunden  nachher 
abermals  ein  Abfiihr  mittel  (8eiina  utid  Rhabarber  infus  mit  Glauber^ 
sah),   ^iiig  ebenso  Cont]  geben  dem  Tb^^mol  den  Vorzug,  letssterer 

EciiocepiiaiuK  gibt  es  in  Dosen  von  8 — 10  g.  —  Auch  der  Trichocephalns 
diflpar,  digpar  ist,  falls  er  in  größerer  Menge  vorkommt,  kein  harmloser 
Parasit.  K  a  h  a  n  e  »  auch  F  r  i  c  k  e  r  sahen  dadurch  verursacht© 
Diarrhöen  mit  tödlichem  Ausgang  durch  Anämie  bei  Kindern.  Nach 
Rippe  kommen  dabei  nervöse  Störungen,  solche  des  Darmkanals 
und  selbst  hartnäckige  Anämien  vor.  Zur  Therapie  verwendet  er 
Thymol,  2 — 4  g  in  Gommiarabikumlösung ,  daneben  Ben zinkh stiere 
(1  Theelöffel  auf  1  Liter  Wasser),  —  Caussade  und  Joltrain 
besohreiben  einen  in  Paris  entstandenen  ^  nicht  eingeschleppten 
«n»  Fall  von  ÄmÖbendysenterie  mit  Leberabszeß.  M.  Leabe 
fand  an  einem  durch  Operation  gewonnenen  Stück  Dickdarm  an 
Tuberkel  erinnernde  Knötchen,  in  deren  Innerem  sich  zahlreiche 
eierähnliche  glänzende  Körperchen  befanden,  die  als  Protozoen, 
wahrscheinlich    enzystierte   Amöben   angesehen  werden   muiiten,   — 

»lantldium  Robin  beobachtete  2  Fälle  von  Balantidiura-Ko litis,  die  er 
*^"^^-  mit  Einlaufen  von  Methylen blanlösung  (0,5  auf  2  Liter  Wasser) 
heilte. 

SchutK'  Peritoneum.    Ueber  die  Scbutzvorriehtungen  in  der  Bauch- 

prichtiiugeti.  böblehabenDanielaon.BuitoUiBerry  Mitteilungen  gemacht.  Diese 
haben  ihren  Grund  einmal  schon  im  an atom lachen  Bau  und  den  phyBio- 
logischen  Eigen&eliaften,  dann  aber  in  der  Bildung  von  Transsudaten  nnd 
AdbäftioneD,  beBondera  jedoch  in  der  Resorption  von  Bakterien.  Ueber  den 
isoi-ptioü.  Ablauf  der  Resorption  am  Peritoneum  hat  Peiser  experimentelle 
Studien  angestellt,  wobei  er  für  Bakterien  sowie  für  indifferente  Flüaöig* 
keiten  eine  akute  und  eine  chronische  Resorption  unterscheidet.  Die 
elinierz  im  Scbmcrzen  im  Baueh  gehen  nicht  von  den  Einge weiden t  iondem  toq 
&1odomeii.  ^^j  Bauchwand,  insbesondere  von  der  parietalen  Serosa  und  Subserosa  aus, 
die  von  Zerebrospinalnerven  veraorgt  werden.  Die  Empfindlichkeit  dea 
Peritoneum  parietale  nimmt  bei  steigender  Entzündung  xu.  Auch  der 
lleuischmerz  wird  von  Lennander  auf  solche  Art  durch  Druck  auf b  Peri- 
toneum parietale  erklärt ,  während  er  nach  WjlmB  durch  Zerrung  des 
Darmä  am  Me«enteriuni  hervorgerufen  wird.  Violet  beobachtete  nach 
verhältnisnillßig  leichtem  Tmuma  des  Unterleibs  lieftige  Leibschmerzen, 
die  durch  Adhäsionen  verursacht  waren.  Schilling  hat  sich  in  einer  aus- 
führlichen Studie  mit  den  Druckpunkten  des  Abdomen?  beacbäftigt 
und  bezeichnet  als  direkte  Druckpunkte  den  epigastriachen,  duodenalen, 


I 


I 


dorsalen  (rechts  und  links  vom  12,  Dorsalwiibel),  den  Burney sehen»  hypo- 
gaitriiichen,  ovarU^len  und  den  Solarpunkt. 

HojDiban  sowie  Kothe  empfehlen  zur  Behandlung  der 
diffaaeB,  fortachreitenden  Peritonitis  kontinuierliche 
Wasse reinl ii üfe ,  die  sich  glänzend  bewährt  haben.  Physiologische 
Kochaalzlösung ,  welcher  Kalodol  in  1  ^^'oiger  Lösung  und  Trauben- 
micker  in  &^üiger  Lösung  zugesetzt  wurde,  wird  langsam  in  den 
Darm  einlaufen  gelassen ,  so  daß  in  den  ersten  1^-2  Stunden  nur 
*  ^  Liter  einäiellt*  Pro  die  werden  in  der  Regel  3  Liter  ver* 
wendeti  obgleich  ein  Patient  Moynihans  selbst  9  Liter  gut  vertrug. 
Bircher  behandelt  die  chronische  Bauch felltub er kulose 
mit  RöntgeustrahSen.  A Ilaria  und  Rover e  rateUj  hierbei  nur  mit 
der  größten  Vorsicht  vorzugehen,  da  in  fortgeschrittenen  Fällen  mit 
Verkäsung  Verschlimmerung  eintreten  kann. 


liruokpunltt 


Therapie  d< 
iillgemeln^i 
Fentouiti« 


chronisch«! 
I  itberkulase 


Leber.  Fälle  von  kongenitalem  Ikterus  mit  den  typischen 
Symptomen  des  Fehlens  von  G  alienstau  ung  (brauner  Stuhl),  Urobilinurie 
und  Miktumor  wurden  von  Chauffard,  Widal  und  Philihert, 
Benjamin  und  Sluka  mitgeteilt.  In  allen  diesen  Fällen  wird 
der  Ikterus  durch  vermehrte  Gallen farbstoffbildung  unter  erhöhtem 
Zerfall  der  roten  Blutzellen  erklärt.  Chauffard  fand  an  den 
Erythrozyten  verminderte  Resistenz  Kochsalz  gegenüber  und 
Mikroglohuiie.  In  2  Fällen  Widal  und  Philiberts  war  das 
Blutserum  frei  von  hämolytischen  Eigenschaften,  so  daß  eine  Fragi- 
litat  der  roten  Bktzellen  angenommen  werden  maßte,  Jerinici 
fallt  den  gutartigen  Ikterus^  der  als  Frühaymptom  der 
Syphilis  auftritt  und  mit  Urobilinurie  ein  hergeht,  nicht  als  katar- 
rhalische, ßondern  als  hämatogene  Form  mit  gleichzeitiger  Verande* 
rung  der  Leberzellen  auf  Beim  sogen.  Ikterus  catarrhalis  fehlt 
hluäg  der  supponierte  Gaetroduodenaikatarrh.  Ebenso  in 
3  Fallen  Fischöls,  der  deshalb  diesen  Ikterus  als  durch  Cholan- 
gitis entstanden  ansieht.  Letztere  schien  in  seinen  Fällen  infolge  In- 
fektion durch  eine,  durch  vermehrten,  stark  saueren  Mageneaftzufluli 
veränderte  Bakterienfiora  des  Duodenums  bedingt  Queirolo  be- 
schreibt einen  epidemischen  Ikterus,  der  nicht  auf  Gastro- 
duodenalkatarrh,  sondern  auf  Erkrankung  der  oberen  Gallenwege  zu 
beziehen  war.  Eppinger  erklärt  einen  Fall  von  Ikterus  bei  Chole- 
isystitis  mit  Wahrscheinlichkeit  so,  daß  Gallenfarhstoff  bei  Fehlen 
jeglicher  Stau ungserschei nun  gen  durch  die  nachgewiesenermaßen 
veränderte  Gallenblasenwand  resorbiert  wurde.  Zwei  von  ihm  aus- 
geführte Tierversuche  vermögen  diese  Ansicht  zu  stützen.  Zur 
.t^irbuuU  der  pmküaivhen  HedJKm.    lOfB.  X9 


Kong^ittti 
Ikterit 


Ikterus 


Epldemjäük« 


290 


Lorenz. 


kole^ystitia- 
httlologie. 


bülezystitb 


lilleiisteiii- 

L 


bei 

berapje  der 


FeatsteUuiig  der  bakteriologischen  Äetiologie  der  öholezysti- 
tia  hat  Lauben  heimer  eine  Reihe  von  Gallenblasenetiipyemen 
unters  11  cht  und  in  der  Hälfte  der  Fälle  Reinkultur  von  Bacterium 
coli  commune y  in  der  anderen  Hälfte  io  annähernd  gleicher  Häufig* 
keit  Staphylokokken^  Streptokokken^  Kapaelbazillen^  Typhus bazillen 
und  Influenzabadilen  gefunden.  Blnmenthal  bespricht  die  Koli- 
befunde  bei  der  Oholezystitis ;  er  konnte  unter  14  Fällen  (nach 
Operationen)  lOmal  Bakterien  der  Koligruppen  züchten,  4  waren 
steril.  Unter  den  ersteren  fand  sich  4mal  typisches  Bacterium  coli, 
Imal  Paratyphua  und  4m al  Typhus.  Er  folgert  ans  diesen  Ergeb- 
nissen, daß  die  Bedeutung  der  TyphuebaziUen  gegenüber  der  der 
gewöhnlichen  KlolibaziUen  hoher  anzuschlagen  sei,  als  man  es  bisher 
gewohnt  war.  Lotze,  Seh ü Her,  Simon  beschreiben  Fälle  von 
Cholezystitis  typhosa.  In  den  Fällen  SchüUers  und  Simons 
handelte  es  sich  um  chronische  Bazillanträgerinnen ,  welche  bereits 
zu  Infektionen  VeranlaBsnng  gegeben  hatten.  W  r  i  g  h  t  teilt  3  Fälle 
von  phlegmonöser  Cholezystitis  mit  und  bespricht  die  schwie- 
rige Differentialdiagnose  zwischen  dieser  mit  akutem  Darm  Verschluß, 
akuter  Pankreatitis  und  Appendizitis.  —  Lichtwitz  versuchte  die 
Bildung  von  Niederschlägen  in  der  Galle  auf  experimen- 
tellem Wege  zu  erzielen.  Seine  Ergehnisse  führen  zur  Bestätigung 
der  Ansicht  Naunyns  von  der  entzündlichen  Genese  der  Gallen- 
steine. Nach  Bishop  wird  die  Gallen steinbildung  durch  Infektion 
der  GaUenbUse  mit  Koli-  oder  Typhushazillen  bedingt.  Kram  er 
sah  in  sterilen  Mischungen  von  Galle  und  Bouillon  nach  Einbringung 
von  Typhus-  und  Kolikulturen  Niederschläge  von  anorganischen 
Salaen,  Farbstoifen  und  Cholesterin  auftreten.  Der  Befund  von 
Bakterien  in  Gallensteinen  kann  diese  Ansicht  jedoch  nicht  stützen^ 
da  Bacmeister  sekundäres  Einwandern  von  Bakterien  in  fertige 
Gallensteine  experimentell  festgestellt  hat.  Gröndahl  beschreibt 
auf  Grund  von  5  Fällen  mit  histologischen  Befunden  das  Auftreten 
von  Pankreas-  und  Fettgewebsn  ekrosen  nach  Gallen- 
Steinanfällen.  Hochhaus  beobachtete  bei  einem  Ohole- 
lithiasisanfall  7tägige  Glykosnrie^  die  er  auf  Pankreas- 
erkrankung  bezieht.  Hecht  verteidigt  den  Wert  des  Kalomels  in 
der  Therapie  der  Cholelithiasis  gegenüber  Hosen  heim ,  der 
meist  Hilierfolge  hatte.  Dock  sah  beim  Anfall  gute  Erfolge  von 
heißen  Magenausspülungen. 

Axisa  stellt  für  die  Diagnose  des  Leberabszesses  auf 
Grand  von  32  Fällen  drei  Hanptaymptome  auf:  Das  Vorhandensein 
von  Hyperleukozytose ,  alimentäre   Lävulosurie  und  Steigerung  der 


i 


Ai?tlolOgie. 


Ammoniak-  mit  entsprechender  Verminderung  der  Harnstoffaue- 
flcheidnng  im  Harn,  Fälle  von  Leberabszeß  beschraiben  Venema 
und  Grünberg  in  der  Typiiusrekönvaleazenz  durch  Typhusbazillen 
bedingt,  Kaiewski  nacb  luÖuenza  neben  Empyem  der  Pleura. 
Klinische  Symptome  des  Leberabassesaes  fehlten  in  diesem  Falle. 
Es  sind  abermals  mehrere  Fälle  von  akuter  gelber  Leber*  Äknte  gellj^ 
atroph! 6  im  Gefolge  der  ChloroforOTnarkose  beobachtet  worden : ^®^^"***^P'^ 
so  von  Guleke,  Campbell-Horsfallj  Reggianini«  Im  letzten 
Falle  waren  schwere  Verdauungsstörungen  bei  Perityphlitis  voran- 
gdgangennf  wogegen  in  den  übrigen  keine  andere  Noxe  aufmidecken 
war.  Leberregeneration  und  Aden ombildung  beschreiben  bei  Leber 
der  akut-en  gelben  Leberatrophie  Schöppler  und  Luzaato,  Die  ^^'ß^*'^^**  *' 
Adenom bildung  sieht  Luzzato  als  verfehlten  Versuch  von  Regene- 
ration an,  will  sie  aber  von  der  kompensatorischen  Hyperplasie  ge- 
trennt wissen.  Alexander  beobachtete  die  Bildung  einer  zirkum*  LeberKirrhoü 
Skripten  Leberzirrhose  nach  Trauma  (Stoß  durch  eine  Wagen- 
deich sei)  j  die  wahrscheinlich  auf  dem  Boden  einer  subkapsulären 
Blutung  entstand.  Nach  Lubarsch  kommt  in  der  Aetiologie  der 
Leberzirrhose  dem  Alkohol  nicht  jene  wichtige  Rolle  zu,  die  ihm 
bisher  zugeschrieben  wird.  Im  Zusammenhang  mit  experimentellen 
Befunden  muÜ  angenommen  werden  ^  daß  die  gastrointestinale  In- 
toxikation das  schädlichste  Moment  ist  und  der  Alkohol  nur 
eine  prädisponierende  Bedeutung  besitzt.  D  u  c  k  w  o  r  t  h  ist  der 
gleichen  Ansicht,  daÜ  die  portale  Zirrhose,  dis  haupteächlich  auf 
Alk  ob  olmifi  brauch  beruht,  erst  mdirekt  dadurch  auf  dem  Wege 
einer  vorangehenden  Gastroenteritis  mit  Toiinentwickiung  her- 
vorgerufen wird.  Die  bei  beginnender  Leberzirrhose  beobachtete 
Bindegewebsentartung  und  Zelldegeneration  sind  nach  Rölile  nicht 
voneinander  abhängige  sondern  koordiniert;  sie  finden  die  gemein- 
lame  Ursache  in  einer  toxischen  Veränderung  der  Gefäßwände.  Bei 
lange  Zeit  fortgesetzter  Verfütterung  von  Fleischfäulnisprodukten 
in  Hunde  und  Kaninchen  bekam  d'Amato  schwere  Leberverände- 
rangen^  aber  keine  typische  Zirrhose,  weshalb  man  vorläufig  noch 
aicht  von  dyspeptischer,  experimenteller  Zirrhose  sprechen  darf. 
Debrigens  waren  auch  Veränderungen  anderer  Organe  aufgetreten. 
Elofistook  hält  auf  Grund  von  250  Leichenbefunden  den  Aszites 
und  MUztumor  bei  der  Zirrhose  nicht  allein  für  Stauungaerscheinungenj 
sondern  durch  direkte  Toxinwirkung  bedmgt.  Unter  30  Lebern  von 
Eklampsief allen  fand  Kon8tantinowitsch23mal schwere charak-  ubei-xirr] 
teristische  Verändemngen  in  der  Peripherie  der  Leberläppcben,  die^^'  Bkiarapi 
^al   auch  Eegenerationserscheinungen  erkennen  Hellen.     Bei  nicht 


lioren^. 


erKirrhosE 


Leber- 
llbeitcMlose. 


Lel>er- 


itlmmung. 


Akuta 
DkEe&titts. 


rlnprobe. 


letalen  Fällen  von  Eklampsie  können  diese  Veränderungen  zu  Leber- 
zirrhose filhreD.  Stoerk  hat  bei  120  Fällen  von  experimenteller 
Me ers eh w ein chen tuberkulöse  fast  ausnahmslos  Leberverände- 
rtingen  beobaehtet,  die  wegen  ihrer  weitgehenden  Uebere  in  Stimmung 
mit  der  menachlichen  Zirrhose  von  groHem  Interesse  sind*  Jagic 
beschreibt  eine  tuberkulöse  Leberzirrhose  bei  einem  Falle  von  Tuber- 
kulose der  serösen  Häute.  Fischer  sah  einen  Fall  von  groiV 
knotiger  Lebertuberkulose,  welche  die  Symptome  einer  gum* 
moaea  Bjphillsleber  machte  und  erst  durch  den  bisto logischen 
Befund  aufgeklärt  wurde*  Für  die  Diagnose  des  Leberecbino- 
eoccus  hält  Fatilli  auf  Grund  zweier  Beobachtungen  den  Befund 
von  lokalisierten  und  irradiierten  Schmerzen  für  wichtig,  wogegen  die 
Fluktuation  ein  unsicberes  8)Ttiptom  ist.  Philosophoff  besclireibt 
einen  FaU  von  Echinococcus  alveolaris   der  Leber  mit  Eosinophilie. 

Pankreas.  J*  Wohlgemutb  hat  an  einer  menBcblichen 
Fankreasfistel  Sekretionsstudien  angestellt  und  dabei  gefunden, 
daß  sich  die  Fermente  beim  Menschen  nicht  wie  beim  Tier  (Paw- 
low sehe  Versuche)  der  jedesmaligen  Nahrung  anpassen.  Es  findet 
sich  nur  Vermehrung  oder  Verminderung  des  gesamten  alle  drei  Fer^ 
mente  entlialtenden  Sekrets,  wobei  der  Fermentgehalt  zur  Sekret- 
meuge  im  umgekehrten  Verhältnis  steht.  Nach  Fettnahrung  fand 
sich  die  stärkste,  nach  Kohlehydratnabmng  die  schwächste  Kon- 
zentration. Bickel  bespricht  die  nervöse,  diätetische  und  medika- 
mentöse Beeinflussung  der  Pankreassekretion  und  macht  insbesondere 
auf  den  Salzsäuregehalt  des  Magensafts  aufmerksam»  der  zur  Pan- 
kreasftmktion  in  Wechselbeziehung  steht.  Auf  der  Beobachtung 
Boldireffs,  daü  bei  stark  fetthaltiger  Nahrung  Rückfluß  des  Fan- 
kreassaftes  in  den  Magen  stattflndet,  basierte  Vollhard  eine  Methode 
der  {quantitativen  Trypsinbestimmung.  Man  kann  mittels 
eines  0 elf r übst ücks  im  Mageninhalt  Pankreassekret  erhalten,  das,  nach 
Vj  Stunde  ausgehebert,  eine  wiillrige,  schleimige  Flüssigkeit  dar- 
stellt. —  Die  akute  Pankreatitis  ist  nach  Lafosse  häufiger  als  in 
der  Regel  angenommen  wird.  Sie  ist  durch  drei  Symptome  charakteri- 
siert: Plötzlicher  Beginn,  Schmerz  im  Plexus  coeliacus  und  lokale 
Tumorbüdung,  C  a  m  m  i  d  g  e  gibt  unter  Äufrechthaltung  seiner 
Angaben  über  den  diagnostischen  Wert  seiner  Urinprobe  die 
genaue  Vorschrift  ihrer  Ausführung.  Bei  Vorhandensein  von  Pan- 
kreatitis erhält  man  einen  hellgelben  flockigen  Niederschlag,  der 
aus  mikroskopischen  haarförmigen  Kristallen  besteht.  Agabekow 
und    Eichler    bestätigen    den     diagnostischen    Wert    der    Probe; 


I 


I 

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letzterer  auch  für  die  experimentelle  Pankreasent  zun  düng  beim 
Hunde,  Ueber  die  chronische  Pankreatitis  hat  Walko  eine 
zusammenfassetide  Studie  mit  Berücksichtigung  der  eiuBchlägigen 
Literatur  veröifentlicht.  Zu  den  wichtigsten  und  frühesten  Sym- 
ptomen gehört  der  epigastrische  Schmerz,  der  in  verschiedenen 
Formen  auftreten  kannj  dann  kommen  Verdaüungehesch werden, 
Störung  der  Fett-  und  Eiweiliverdaming ,  Glykosurie^  Ikterus  und 
Geschwulstbildung  im  Epigastrium.  Auf  Grund  von  16  Fttllen  wird 
die  Differentialdiagnose  besprochen.  Zur  Heilung  ist  die  interrje 
Behandlung  unzureichend;  in  einzelnen  Fällen  sieht  man  von  Pan- 
kreon einige  Wirkung*  Ebner  betont  die  Häufigkeit  der  auf 
Cholelithiasis  folgenden  Pankreatitis  und  rät  bei  Verdacht 
einer  solchen  den  rechtzeitigen  chirurgischen  Eingriff*  Gröndahl 
beschreibt  6  solcher  Fälle,  in  welchen  nach  Cbolelithiasis  Pankrea- 
titis auftrat,  die  durch  Fettgeweben ekrose  zn  letalem  Ausgang  führte. 
Robson  und  Cammidge  sahen  Pankreatitis  im  Anschluß  an  ein 
GaUenblasenkarzinom.  Phillips  bespricht  die  Differentialdia- 
gnose zwischen  chronischer  Pankreatitis  und  Pankreas^ 
krebs:  Akuter  Beginn,  Schmerz,  Fieber,  Glykosurie  sprechen  für 
Entzündung,  rasches  Fortschreiten,  Abmagerung,  Gallenstauung 
mit  Vergrößerung  der  Gallenblase  für  Krebs.  Bence  beschreibt 
einen  Fall  von  luetischer  chronischer  Pankreatitis  und  Hepatitis, 
der  klinisch  durch  Diabetes,  Abmagerung  und  Entleerung  von 
StTlblen,  die  Fleischfasern  und  flüssiges  Fett  enthielten,  charakteri- 
siert war.  Bei  der  Sektion  ergab  sich  vollständiges  Fehlen  der 
Langerhansschen  Inseln  j  wogegen  von  der  eigentlichen  Drüsen- 
snbstanz  noch  Spuren  vorhanden  waren.  Schmieden  teilt  einen 
Fall  von  Zirrhose  des  Pankreas  mit  und  empfiehlt  die  Sahli- 
sch© Glntoidprobe ,  die  sich  ihm  bei  der  Diagnose  bewährt  hat. 
Truhart  tand  unter  395  Fällen  von  Pankreasblutung  drei  Formen: 
PlötKliche  tödliche  Blutuugen  in  62  Fällen,  auch  plötzliche,  aber  ge- 
ringere mit  folgender  Eiterung  oder  Nekrose  in  2G5  Fällen,  zirknm- 
skripte,  interstitielle  Blutungen  in  68  Fällen,  Eine  traumatisch 
entstandene  Pankreaszyste  {durch  Ueherfahrenwerden  von  einem 
Wagen)  beobachtete  Lilienstein.  Operative  Heilung  Grund  teilt 
einen  Fall  von  Pankreaszyste  mit,  der  aui5er  Diabetes  keine  Stoffwechael- 
Btörnngen  machte*  Im  Zysteninhalt  wurde  von  Fermenten  nur  Diastase 
in  reichlicher  Menge  gefunden.  Scheunert  und  Berghok  be- 
üchreihen  die  verschiedenen  Formen  der  Pankreassteine,  die  sich 
in  organische  und  anorganische  trennen  lassen.  Für  die  Aetiologi© 
der  Pankreassteine  sind  Lues  und  Älkoholismus   von  Wichtigkeit* 


ChrdHueai 
PankreAtltii 


Pa]ikr«atitlf 
Cb(ik4it1iiaii! 


DlfTer^titii 


Pattkre»!. 
P>.nkreil 


Aah,  Ueber  Oesophagusatenoaen  und  ihre  Behandlung^*  Vortrag  m 
Miinchener  akademischen  Verein,  Deutsche  med.  Woebenschr.  S.  1479.  ^ 
Baumgarten,  Idiopathische  OesophaguBdilatation,  Ges.  f*  innere  Med. 
Wien,  17.  Januar.  —  Franz  Cohn,  Spontane  Oesophagusruptur.  Mitteil, 
a.  d,  Grenzgeb.  Bd,  XVIII.  H.  2.  --  Daweon,  FeBtateUimg  von  Oeaöphag^is 
Btriltturen  durch  Röntgenstrahlen,  Lancet  Nr.  4391.  —  H.W.  E,  Khleri. 
Ein  Fall  von  wahrscheinlich  kongenitaler  Hypertrophie  der  Oesophagia* 
muskulatur  bei  gleicb7.eitig  bestehender  kongenitaler  hypertrophi acher  Pj- 
loruBatenoae.  Virch.  Arch.  Bd.  CLXXXrX.  H. S»  —  Ercklentz,  Oe^ophagui- 
niptur.  Schi  es*  Ges.  f.  vaterL  Kultur.  Breälau,  2  L  Juni.  —  C.  A..  Ewald. 
Idiopathische  spindelförmige  Erweiterung  der  Speiseröhre.  Deutsche  med. 
Wochenach r.  Nr.  26.  —  Glas^  Üesophagoakopiiche  Diagnose  der  idiopathi- 
sehen  Spei seröhtener Weiterung.  Wien,  klin,  Wo€henschr.  Nr.  14.  --  G*  Gl  ü  ckv 
mann,  Die  Oesophagoakopie  nnd  ihre  praktissche  Bedeutung,  BerL  Kllmk 
Nr.  19.  —  E.  Hagenbach'Burckhardt,  Med,  Ges.  Basel,  6.  Juni.  — 
Meinen»  Ein  Beitrag  zur  Eenntnii  der  an  der  Bifarkation  gelegenen  Diver- 
tikel des  Oesophagus.  Frankf.  Zeitschn  f*  Path.  Bd.  I,  H.  1.  —  A.  Homer. 
Zur  Symptomatologie  der  Perforation  des  Oesophagus  in  die  Luftwege. 
Wien.  med.  Wochenschr,  Nr.  31.  —  Kelling,  Mitteilungen  xur  Oeiopbag«- 
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chaelis, Eine  durch  Fibrolyäin  geheilte  Oesopbagusstriktur.  Med,  Klinik 
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klin.  Wöchenacbr,  Nr,  S8. 


Magen. 

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Krankheiten  der  VerdauungaovgHne, 


295 


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Nr.  SS.  —  Derselbe,  Ueber  Gaatromyxorrlioc.  Ebenda  Nr.  23.  —  H.  Chiari, 
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Lorenz. 


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Derselbe,  Ueber  den  Bobäd liehen  Einfluß  des  Schnürens  auf  den  Magen. 
Med.  Klinik  Nr*  20.  —  W.  Groß,  Eine  neue  Magensonde  für  Röntgen- 
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Verdauungskr*  Bd*  XIII,  S*  394.  —  Son  He  11  mann- Torsten,  Ueber  SahHs 
Deamoidreaktion.  Kbenda  H*  4.  —  JuL  Hofmann»  Puleauasetzen  und 
Magenblahungen.  Wien,  klin,  Wochenachr.  Nr.  B4.  —  G.  Holz  knechte 
Derzeitiger  Stand  der  röntgenologischen  Diagnostik  der  Magen tumoren^ 
Kongr.  d,  deutseben  Rtmtgen-Ges*  L  ApriU  —  Derselbe  u.  S*  Jonai, 
Die  Ergebnisse  der  radiologischen  Untersuchung  palpabier  Magentumoren, 
vei'wendet  zur  Diagnose  nicht  palpabier.  Wien.  med>  Wocben«chr.  Kr*  5 
bis  8,  — ^  P,  H.  Hosch,  RecbUeitige  karainoniatöse,  «upraklavikulare  Lyitjpb- 
drtiaen  bei  Magenkarzinom.  MitteiL  a.  d.  Grenzgeb.  Bd.  XVII l,  H*  3.  — 
Derselbe,  Zur  Lehre  der  idiopathischen  Gastritis  phlegmonosa,  Eorresp.-Bl* 
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S.  Jonas,  Ueber  die  phjsiologiacbe  und  pathologische  Kleinheit  de«  Ma^ 
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Verdauungskr*  BiL  XllJ,  H.  6,  —  G*  .loseph,  Ein  Fall  von  metastatiechem 
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des  Magen  darmk  an  als  brauchbare  Mischung.  Forts  ehr*  d*  Röntgenatr. 
Bd.  Xr,  H.  4,  — E.  Kaufmann,  Ueber  Kontraktionspbanomene  ara  Magen, 
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Die  Rolle  der  Salzsäure  bei  der  Magen verdaimng.  Berl*  klin*  W^ochenschr. 
Nr,  83.  —  Kieffer»  Vergleichende  Studien  Über  Magen  Untersuchungen 
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de  Chir*  März.  —  0*  Klauber,  Zur  Diagnose  und  Therapie  der  Gastriti« 
phlegmonosa*  Zentralbl*  f.  innere  Med,  Nr,  9*  —  G.  Klemperer,  Eskalin 
(Aluminiumglyaerinpaste)  ein  Mittel  zur  Stillung  von  Magenblutungen  und 
zur  Verschorfung  von  Magengeschwüren.  Ther.  d*  Gegenw,  Nr*  5,  — ►Der- 
selbe, Ueber  Jacobya  Rizinmethode.  Bert.  med.  Ges.  *S.  Juli.  —  A.  Ko- 
ritsch  an,  Ueber  die  Bedeutung  der  Schichtung  des  Mageninhalts  t^r  den 
Wert  der  ÄÄiditätsbestimmung  nach  Probefrühstück.    Wien,  klin,  Wochen- 


i 


Krankheiten  der  Verdauungsorgane.  297 

Schrift  Nr.  52.  ~  R.  N.  Koschischkowsky,  Bedeutung  der  Regio  py- 
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Zur  Frage  über  die  mechanische  Arbeit  des  Magendarmtraktus.  Zeitschr. 
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Die  stopfende  Wirkung  des  Morphins.  Münch.  med.  Wochenschr.  Nr.  29.  — 
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am  Magendarmkanal  bei  perniziöser  Anämie.   Berl.  klin.  Wochenschr.  Nr.  41. 

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Physiol.  u.  Pathol.  d.  Stoffwechsels  Nr.  13.  —  0.  Prym,  Die  Bedeutung 
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Erkrankungen  des  Magens,  2.  Aufl.  Wien  u.  Leipzig  1908.  —  W.  Robin, 
Ueber  vorübergehende  Pylorusverengerung  und  über  vorübergehende  Stauung 
der  Ingesta  im  Magen  im  allgemeinen.  Arch.  f.  Verdauungskr.  Bd.  XIII, 
8.  480.  —  Derselbe,  Ueber  die  Sahlische  Desmoidmethode.  Medycyna 
Nr.  38,   89.    Ref.   Arch.   f.  Verdauungskr.   Bd.  XIV,   S.  86.  —  Roman i, 


[j0t%1}7< 


Pylorusstenose  bei  Tuberkulösen,  II  Morgagni»  Juni.  ^  A,  Rose,  Atoub 
gastriea.  Themp,  Monatah,,  JulL  —  V.  Rubow,  Beitr&(:fe  zur  Pathologie 
und  Therapie  des  Magen geBchwÜrs.  Ärch*  i\  Verdauungakr.  Bd.  XIH,  S,  &77. 
—  K*  Sachs,  Heilung  narbiger  Pylornsitenosen  durch  Thiosinamininjek- 
tionen*  Then  d.  Gegenw.  Jan.  — ^  J.  Sailer  ti.  C.  B.  Faß,  Natürliche 
und  künetliche  Hemmung  der  Pepsinverdauung.  Amer,  joum.  of  tned^  ■ 
scienc*  p.  113.  —  S.  Salaakin,  Ueber  EiweißreaorpÜon  im  Magen  dei  ■ 
Hundes,  ZeitBclir.  f.  phydol.  Chemie  Bd,  LI,  8.  167»  —  Sch&Hj,  Sah- 
aäurebestimtnung.  TijdBehr.  v^jor  Geneesk.  Nr*  17-  —  ÄpSeheunert,  Das 
nenerdings  wieder  behauptete  Sortierungs vermögen  des  Magens  im  Liebte 
vergleichender  Studien  über  die  raeehanische  und  resorbierende  Tätigkeit 
diese«  Organ;^  während  der  Verdauung.  Zeitachr.  f*  phjaiol,  Chemie  ßd,  LI. 
S,  519.  —  A.  Schiff,  Zur  Frage  der  mechanischen  Erregbarkeit  der 
Mageniaftsekretion,  Zeitschr.  f.  klin.  Med,  Bd.  LXl,  S*  220*  —  Schmi- 
1  i  n  8  ky  f  Vorteile  und  Nachteile  der  Korinthen  probe.  Arch,  f.  Verdauungskr. 
Bd.  XlII,  S.  247.  —  Derselbe,  Zur  Diagnose  und  Therapie  des  Bandubr- 
magens.  Ebenda  8.  254.  —  Schmitt  (MUncheii)^  Zur  Diagnose  des  Sand* 
uhrmiigens,  Deutsches  Arch,  f.  klin.  Med.  Bd.  LXXX!,  S.  487*  —  Schloß, 
Experimentelle  üotercmchungen  über  den  Einfluß  vegetabilischer  Nahrung 
auf  die  Dauer  und  Intensität  der  Magensaftsekretion.  Kongr.  f.  innere 
Med,  —  Derselbe,  Vegetabilische  oder  Fleischnabrung  bei  Hj'peraKtdität. 
Arch.  f,  Verdauungakr*  BtL  XlII,  S.  233.  —  Schnütgen,  Behandlung  dei 
Magengeichwürs  nach  Senator.  Ther,  d.  Gegenw,  Juni,  —  Emil  Schütz,  ■ 
üeher  patholügische  M  agen  sohle  im  abaonderung.  Wien-  klin.  Wochenschr,  " 
S.  248.  —  Derselbe,  Zur  Kenntnis  des  elastischen  Gewebes  des  Magens. 
Arch.  f.  Verdanungskr.  Bd,  XlJI,  S.  49.  —  J,  Schutz,  Ueber  Pepain- 
Verdauung  bei  Abwesenheit  freier  Sabsö-ure.  Wien,  klin,  Wochenschr, 
Nr-  44.  —  Schwarz,  Ueber  Salzsäure  proben  ohne  Magenachlauch.  Kon^- 
d.  deutschen  Röntgen-Ges.  L  ApriL  —  G.  Schwarz  u,  S.  Krenzfnche, 
Ueber  radiologische  MotiLitätsprüfung  des  Magens.  Die  Schlußkontraktion. 
Wien.  klin.  Wochenschr,  Nr,  15.  —  Sick|  Beiträge  ^ur  Mechanik  des 
Magens.  Naturforscher- Veraamnil.  —  v.  Sievert,  Zur  Frage  der  Beden* 
tung  der  Bestimmung  der  rechten  Magengrenze  bei  motorischer  InsufSaieni 
des  Magens.  Arch.  f,  Verdauungskr.  Bd.  XlII,  S.  340.  —  M.  Simmonds, 
Ueber  Form  und  Lage  des  Magens  unter  normalen  und  abnormen  Be- 
dingungen. Jena.  —  E.  Solma,  Ueber  eine  neue  Methode  der  quantita- 
iiven  Pepsinbestimmung  und  ihre  klinische  Verwendung.  Zeitscbr,  f.  klin. 
Med.  Bd.  LXIV,  H,  1,  2.  —  F.  A,  Steensma,  Nachweis  von  freier  Sali- 
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Brit.  med.  journ.  Febr,  —  H.  Strauö,  Ueber  digestiven  Magens aftöu 6, 
Deutsche  med.  Wochenschr.  Nr.  15.  —  Derselbe  u.  J.  Leva,  Ueber  eine 
neue  Form  der  MotilitütsprÜfung  des  Magens,  Ebenda  Nr.  29.  —  v.  Sury, 
Beiträge  zur  Kenntnis  der  totalen,  einfachen  entzündlichen  Magenechrump- 
fung  etc.  Arch.  f.  Verdauungskr,  Bd.  XlII.  H.  1.  —  Talma,  Gastritis. 
Tijdschr,  voor  Genee«k.  Nr.  15.  — Tecklenburg,  üeher  das  Wesen  der 


Ki'a.nlilieiten  der  YerdtuuBgBOrgane- 


Aeröpbagie  etc.  Aerzte- Verein.  Frankfurt »  18*  Febr.  —  Thomas,  Eine 
neue  Mitchsäüreprobe.  Zeitsahr.  f,  phyaiol  Chemie  Bd.  L»  H.  6.  —  L.  Toble  r, 
Üeber  die  Magenverdauung  der  Milch*  Naturw.  med,  VersaramL  Heidel- 
berg, 5.  Febr,  —  A*  ?.  Torday,  Ueber  die  Magenresorption.  ZeiUchr,  f* 
kliii.  Med*  Bd,  LXIV,  R  3,  4*  —  Tottmann,  Sahlische  Desmoidreaktion. 
8chmidts€hB  Frobekost  und  Analieherung.  Müncb*  med*  Wocbenachr>  S.  2597. 
—  A^TrolIa,  5  Fälle  von  Sanduhrmag-en.  Bibliothek  for  Lägar.  Juü. — 
F,  Umber,  Magen laftÄekretion  bei  Rektnlernahrung*  BerL  klin,  Woclien- 
g^rift  Nr.  48*  —  WasBertbal*  Ueber  die  Bedeutung  der  Flagellaten  im 
Ppibt  bei  Achjlia  gaatrica.  Arcb.  f.  Verdauungskr*  Bd.  XHL  S.  259.  — 
W.  H,  White.  Ga^trofttasis  oder  Hämorrhagie  des  Magen«.  Therap.  Mo- 
natsh.  Nr,  10.  —  H*  Wi  ehern,  Akute  Magen  er  Weiterung  bei  Typhus  ab- 
dominalii.  Mitteil.  a.  d.  Grenzgeb.  Bd.  XVI,  H*  4|  5.  —  B.  Wieener  u. 
Ing'.  Dessau  er,  Eine  Verbesserung  der  Durehleuchtungablende,  apeiiell 
für  Zwecke  der  Magen  Untersuchung.  MünirbH  med*  Wo  eben  sehr,  S*  1591*  — 
H*  W  intern  i  tz,  Prüfung  der  aekretonBchen  Funktion  des  Magetia  mittels 
ProbetVühölüt^k.  Ther,  d*  Gegenw.  H.  9.  —  J.  Witte,  Ueber  die  neue 
Methode  quantitativer  PepHinbeatirainung  Dach  Jacoby  und  Solma.  BerL 
feltn.  Wochenschr.  Nr.  42»  ^  Y  u  k  a  w  a ,  Ueber  die  Sahsäuremenge  im 
phyiiologieeheu  Magensaft  der  Japaner.  Arch.  f*  Verdau  lingskn  Od.  XlII^ 
H.  5-  —  W.  Zweig,  Die  alimenläre  Hyperaekretion.  Ebenda  S.  143*  — 
Derselbe,  Die  diätetische  Behandlung  der  ner^öien  Sopera^iditätp    Wien. 

K,  Pr«8je  Nr.  1* 


H.  AI  brecht,  üeber  angeborene  Dispositionen  zur  Appendizitis.  Geäi 
d.  Aeriite.  Wien.  —  A.  Albu,  Beiträge  zur  Pathologie  und  Therapie  der 
Blioddarmerkninkungen.  MitteJl.  a*  d.  Gren^geb.  Bd*  XVII,  H,  3,  4.  — 
(i.  AI  dehoff.  Appendizitis  und  Ikterus.  Deutsche  Zeitaehr.  f.  Chir. 
Bd.  LXXXVII,  H*  1— ü,  -  Aschoff,  Zur  Pathogenese  und  Aetiologie  der 
Appendizitis-  Verein  d-  Freiburger  Aerzte*  9*  März.  —  L.  Asher,  Kin^ 
äu0  der  Galle  auf  die  Darmbewegung.  Internat,  phjsiol  Kongr.  Heidel- 
berg, Aug.  ^-  M.  Blumberg,  Ueber  ein  diagnoatiHcbes  »Symptom  bei 
Apfiendizitis*  Münch,  med,  Wochenschr.  Nr*  2i.  —  J,  B  o  a  s ,  Beitrage  zur 
Kenutuiü  der  Rektumkarzinome  nebst  Bemerkungen  lur  Frühdiagnose.  Berlin 
190(>.  —  Der&elbe,  Zur  Frage  der  Opiunibehandlung  bei  Perityiihlitis. 
Then  d.  Gegenw.  Dez,  —  S.  R,  Bonnet,  Akute  und  chronische  Appen- 
dbitii.  Laneet,  25.  Mai,  —  Bonut,  Anguillula  intestinalis.  Münch.  med. 
Wochenachr.  Nr,  19.  —  E,  Bruna,  Einige  Bemerkungen  über  Anguillula 
(Strongylotdea)  intestinal  ia.  Ebenda*  —  B  r  u  n ;!  w  i  c  1  e  -  B  i  h  a  n ,  Ceber 
Maatdarmblennorrboe  und  ihre  Komplikationen*  Bull,  de  Tacad,  de  m^d. 
Nr.  18*  —  J.  Cantlje.  Anatomische  Studien  über  das  Rektum  und  die 
Ftexura  aigmoidea  in  ihrer  Beziehung  zu  den  Ursachen  und  der  Beband- 
Icmg  von  SchleimBlüblen  und  Darrakalarrhen.  Brit.  med*  joum.  9*  Nov. 
-^  A*  Catz,   Sigmoiditis   und   Perisigmoiditis*    Gaz.  des  höp.  Nr.  %  — 


Darm. 


»ren«. 


W,  C,  Mc  Cartj,  Beiträge  S£ur  normalen  und  patholo|?iBcben  Elistologie 
des  Wurmfortsatzes.  Virch.  Arch,  Bd  CLXXXV,  H.  S.  —  Castelvi  Cth 
d  inftf  Behandlung  der  AnkyloßtomiaaiB,  Bev,  de  Med,  y  Cir,  Pract.  21,  Sept. 
M,  Revue  de  in*5d.  Nr.  8,  fl,  —  Cauasade  u,  Joltrain,  Fall  von  Amö- 
bendysenterie  mit  LeberabsÄefl.  —  C  a  v  a  i  1 1  o  n  tu  C  h  a  b  a  n  o  n  ♦  Retroperi- 
toneale  Eiterung  appendikulären  Ursprungs.    Province  m^dp  Bd,  XX^  Nr»  11, 

—  Combe.  Behandlung  der  intestinalen  Autointoxikation.  R6vue  de 
therap.  Bd,  LXXIlf,  Nr*  19.  —  A.  Conti,  Die  Ankyloatomafrage.  Kongr. 
f.  Hyg.  Sept,  ^  D.  M.  Cowie,  Eine  vergleichende  Studie  über  okkulte 
Blutproben:  eine  neue  Modifikation  der  <iuajakreaktion.  Amer,  jourti.  of 
the  med,  »cienc,  März»  ^Dunn,  Colitis  mucosa,  Journ.  of  amer.  asaoe. 
Nr.  IL  —  M.  Einhorn*  Eine  neue  Blutprobe.  Deutsche  med.  Wochen- 
ach rift  Nr.  27*  —  Derielbe,  Di©  diatetisehe  Behandlung  der  chroniichen 
Diarrhoen.  Zeitschr.  f.  diiltet.  u,  physik,  Ther.  Bd.  X.  H.  9,  10,  —  Der^ 
selbe,  DiagDoee  und  medizinit^he  Behandlung  des  Ileus.  Berl,  klin. 
Wochenachr,  Nr.  43.  —  J.  Eliraoff,  Eine  neue  Methode  der  Harnunter- 
suchung t'iir  die  Diagnose  der  Hehninthiasis.  Wrat«ch  lÖOti^  Nr.  43.  Ref* 
Zentratbl  f.  Stoffwechsel  S,  227.  —  C.  A.  Ewald,  Ueber  ein  wenig  be- 
achtete?!  Frfthsymptom  des  Ileus*  Berl.  klin,  Wochenachr,  Nr.  44*  — ^  Der* 
selbej  Diagnose  und  Behandlung  der  Erkrankungen  des  Dickdarms,  Fort^ 
bild »-Vortrage  im  rue^.  In^tit.  18»  Mai  19G6,  —  Derselbe*  Zur  Myxo- 
neurosis  intestinalis  etc.  Ther.  d.  Gegen w.  Sept,  —  Fal  ta»  Fistula  gastro- 
colica.  Wien,  klin,  Wochenachr*  K  UBh  —  A,  Federmannt  Wert  der 
Leukozytenunterauehung  bei  der  Behandlung  der  akuten  Appendizitis  und 
Peritonitis,  Naturforscher- Verdamm!.  —  Fr.  Fink,  Ueber  ,4ppendiciti» 
traumatica»  Zentralbl,  f.  Chir.  Nr.  47.  —  M.  F 1  e  s  c  h ,  Zur  Pathologie  der 
Appendizitis.  Münch.  med.  Wochen  sehr,  Nr  5.  —  Fl  et  eher  u,  Eobin« 
aon,  Idiopathiache  Dilatation  dea  Rektum.  Brit.  med.  journ,  Nr.  2407,  — 
E.  Fr  ae n k e  1 .  öeber  einen  Fall  von  angeborener  DünndarmByphilia,  Munck 
med.  Wochenschr,  S.  1576.  —  M.  F  raenkel ,  Vergleichende  Untersuchungen 
Uber  den  Nachwm«  von  Blut  in  den  Fäzes  mittels  des  Spektroskop«  und 
der  motlifizierten  Weberschen  Probe.  Ebenda  S.  1688»  —  E,  Fr  ick  er. 
Ueber  2  Fälle  von  Darmeosinophilie,  Ebenda  Nr.  6,  —  G,  Glücksmann, 
Die  Spiegeluntersuchung  der  unteren  Darm  ab  schnitte  und  ihre  Ergebnisse- 
Naturforacher-Versamml,  —  J.  Görner,  Die  Stiimpf^che  Bolnatherapie, 
ihre  Verwendbarkeit  bei  Diarrhoen  und  Meteoriamua  verHchiedenen  Ur- 
aprungP,  Münch.  med,  Wochenschr,  Nr.  48.  —  B.  M.  W»  Gray»  6  FlUe 
von  Perforation  eines  Duodenalgeschwürs.    Scottieh  med.  a  aurg,  journ*    Jan* 

—  H.  F»  Grün  wald  ,  Zur  Frage  de&  Bluinach weises  in  den  Filzes*  Münch. 
med.  Wochenschr.  8.  2140.  —  R.  v,  Hab  er  er,  Äppendicitia  chronica  ad* 
haesiva.  Mitteil,  a.  d.  Grenzgeb.  Bd.  W\\\,  H,  2.  —  Haim,  Zur  Fra|?e 
der  bakterielJen  und  insbesondere  der  durch  Streptokokken  hervorgerufenen 
Appendizitis.  Arch.  t  klin,  Chir.  Bd.  LXXXII,  H.  2»  —  E.  H,  Harriean, 
Colitis  mucosa.  Lancet  Nr,  A%M ,  2L  Sept.  —  Hauser,  Ueber  extremen 
Hothstand  des  Zwei ch felis  bei  einem  Falle  von  Beua.    Aerttl.  Beja .-Verein. 


Krankheiten  der  Verdauimgsorgane.  301 

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des  Kolon.  Brit.  med.  journ.,  2.  März,  Nr.  2409.  —  H  e  e  k  e  s ,  Eingeweide- 
würmer im  Wurmfortsatz.  Ebenda,  16.  März.  —  A.  Hippius  u.  A.  Le- 
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Nr.  8.  —  F.  L.  Kidd,  Hyperplastische  tuberkulöse  Perikolitis.  Lancet, 
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Perisigmoiditis.  Semaine  m^d.  Nr.  52.  —  P.  L  e  c  ^  n  e ,  Ueber  das  primäre 
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H.  8.  —  J.  Liddell,  Colitis  muco-membranacea.  Lancet  18.  Mai, Nr.  4368. 
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d.  Gegenw.  Nr.  8.  —  Madelung,  Anatomisches  und  Klinisches  über  die 
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Zur  Bakteriologie  der  akuten  und  chronischen  Appendizitis.  Beitr.  z.  klin. 
Chir.  Bd.  LV,  H.  1.  —  E.  Maylard,  Ueber  einfache  Kolonadhäsionen  als 
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M&rz.  —  Moszkowicz,  Frühdiagnose  der  Perityphlitis.  Wien.  med. 
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med.  Wochenschr.  Nr.  22  u.  23.  —  M.  Pfister,  Beitrag  zur  internen 
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8.  Juni.  —  Port  u.  Reizenstein,  Ueber  Fistula  gastrocolica.    Mitteil.  a. 


302 


IiorenKi 


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de  med,,  15.  Mai.  —  Rippe,  Trichocepbalus  dispar.  Petersb*  med. 
Wochenschr,  Nr,  t.  ^-  Robin,  Zwei  neue  Fälle  von  BalantidiumkoHtie* 
Medyzyua  Nr.  3  u*  4.  Ref.  Boas  Arch.  IS,  S.  550.  —  M.  Robsön,  Oeber 
dag  Duodenalgeschwür,  Hunterian  Soc.  Lond,  Jan.  —  Roitbj  Zur  Be- 
dentung  der  Flexura  coli  ain.    Bruns  Beitr.  z.  klin.  Chir.  Bd.  LIY«  H.  2. 

—  E*  Rosenberg,  üeber  eine  neue  Behandlungsmethode  der  chroisiacheii 
Sigmoiditia  und  Proktitis.  Ardu  f.  Verdauung&kr,  Bd*  Xlll,  S.  174.  — 
Rosenfeld»  Behandlung  der  chioniscben  Diarrhoe  und  Obstipatioi- 
Schles,  Ges.  Breslau,  22,  Mrirz.  —  Th.  Rosenbeim,  Zur  Kenntnig  der 
infiltrierenden  Kolitis  und  Sigmoidltis.     Deutsehe  medt  WochenBchr,  Nr.  11. 

—  E.  Ruff,  Darmblähung  und  Darmlähmung  bef  Sepsis.  Wien.  klin. 
Wochenachr.  Nr-  4L  —  E.  Rage,  Zur  Pathologie  und  Therapie  der  Proc- 
titiä  purulenta  und  ulcerosa.  Arch.  f.  klin.  Cbir,  Bd.  LXXXIlIt  S.  34.  — 
Sabrazfia,  Maligne  Änkylostomin^ii^.  Arch,  de  med.  eiper,  etc,  S.  85.  — 
E,  Scbleiinger  u,  F.  Holat,  üeber  den  Wert  der  Benzidinprobe  etc, 
Mtincb.  med,  Wochenachr,  Nr.  10,  —  Ä.  Schmidt,  Appendizitische  Streit- 
fragen, Prag.  med.  Wochensebr.  Nr,  1.  —  Scbnepbach,  Einfluß  der 
Galle  auf  die  Bewegung  dea  Darms*  Zentral bL  f.  Phjaiol.  Nr.  12*  — 
Schreiber,  lieber  die  idiopathiBche  Dilatation  des  Kolon  etc,  Arch.  f* 
Verdauungskr.  Bd.  Xlff.  R  2,  —  v,  Scbuektnatiii,  Zwei  Fälle  von  Hii^sch- 
aprungscher  Krankheit  bei  Erwach aenen.   Deutsche  med.  Wochenachr.  Nr.  6. 

—  0,  Schulz,  Ueber  die  Zusammensetzung  der  Danngase  in  einem  FftUe 
von  Ileus.  Aersstl.  Bez.-Ver.  Krlangen,  17,  Juni.  —  0.  Schnmin,  Uebei 
den   Nachweis  von   Blut   in    den    Fäzes.    Münch.  med,  Wochen  söhn  Nr,  6, 

—  Ä,  Short,  Aktinomjkoae  der  Appendii.  Lancet,  14.  Sepi  —  Sim- 
monds,  Üeber  Lageanomalien  dea  Blinddarms.  AerzfcU  Ver.  Hamburg* 
5.  März,  "  E.  Sonnen  bürg,  Knteritia  und  Appendizitis.  Deutsche  med, 
Wochenachr.  Nr.  14.  —  Derselbe,  Weitere  Beobachtungen  über  die  Ver- 
wertbarkeit der  LeukozytenzU^blung  bei  der  akuten  Appendizitis.  Arch,  f. 
klin.  Chir,  Bd.  LXXXl,  Febr.  —  0.  Sprengel,  Appenduitis,  Deutsche  Chin 
Liefg.  46 d.  —  Stumpf,  Ueber  ein  zuf-erlässigea  Heilverfahren  bei  der 
asiatiächen  Cholera,  sowie  bei  schweren  infektiösen  DurchtUllen.  Würs- 
bnrg.  —  E.  Tobias,  Ueber  die  physikalische  Therapie  der  nervösen 
Diarrhoe.  Berl.  klin.  Wochenschr.  Nr,  15.  —  Toniita  Chutaro,  üeber 
die  Obl Iteration  des  Wurmfortsatzes.  Mitteil.  a.  d.  Grensfigeb.  Bd,  XVin, 
H,  3'  —  Touze,  Üeber  die  regresaive  Natur  des  Wurmfortaatzea.  Progr^ 
mM,  Nr.  29.  ^  M,  Trappe,  Ein  sporadischer  Fall  von  Äuguillula  in- 
testinalis bei  chronischer  Diarrhoe  in  Schlesien.  Deutsche  med,  Wochen- 
schrift Nr.  18.  ~  Tnttle,  Kolitis.  New  York  med.  journ.,  4,  Mai.  -- 
Ueke,  Trichomonaden  und  Megnatomen  im  menachlichen  Darm.  ZentralbL 
f.  Bafct.  Bd,  XLV,  H,  3,  —  Vaccari,  Hypertrophische  Tuberkulose  dea 
Kolon.  Riforma  med,  Nr.  5.  —  Tignard,  Retrozökale  Eiterungen  appendi- 
kulären  Ursprunga,  Province  med.  Bd.  XX.  Nr.  13  u.  14.  —  K.  VogeU 
Weitere  Erfahrungen   über    die   Wirkung    der  subkutanen   Injektion  wmk  \ 


Krankheiten  der  Verdauungsorgane.  303 

Physostigmin  zur  Anregung  der  Peristaltik.  Mitteil.  a.  d.  Grenzgeb.  Bd.  XVII» 
H.  5.  —  Watzold,  Zur  Histologie  der  Appendizitis  acuta.  Verein  Frei- 
burger  Aerzte,  22.  Febr.  —  Weisflog,  Zur  Diagnose  der  Appendicitis 
chronica  in  specie  calculosa.  Therap.  Monatsh.  Nr.  2.  —  H.  D.  Wilson, 
Colitis  mucosa.  Edinburgh  Juli.  —  Winselmann,  Erfahrungen  aus  der 
Praxis  über  Appendizitis.  Wien.  klin.  Rundschau  Nr.  24.  —  J.  H.  Zaaijer, 
üeber  ein  primäres  Karzinom  des  Wurmfortsatzes.  Bruns  Beitr.  z.  klin. 
Chir.  LIV,  H.  2.  —  W.  Zimmermann,  Zur  Kasuistik  der  Dehnungs- 
geschwüre oberhalb  stenosierter  Darm^Dartien.  Korrespondenzbl.  f.  Schweizer 
Aerzte  Nr.  8. 

Peritonenm. 

Allaria  u.  Rovere,  Röntgenstrahlen  bei  tuberkulöser  Peritonitis. 
Riforma  med.  Nr.  16.  —  Berrj,  Die  Behandlung  der  Peritonitis.  Lancet, 
7.  Sept.  —  E.  Bircher,  Die  chronische  Bauchfelltuberkulose.  Ihre  Be- 
handlung mit  Röntgenstrahlen.  Aarau.  —  Buxton,  Resorption  durch  das 
Peritoneum.  Brit.  med.  joum.  Nr.  2446.  —  Catineau,  Salzarme  Diät  bei 
Peritonitis  tuberculosa.  Joum.  de  Brux.  Nr.  27.  —  W.  D an i eisen,  üeber 
die  Schutzvorrichtungen  in  der  Bauchhöhle  mit  besonderer  Berücksichtigung 
der  Resorption.  Bruns  Beitr.  z.  klin.  Chir.  Bd.  LIV,  H.  2.  —  Kot  he,  Be- 
handlung der  diffusen  fortschreitenden  Peritonitis  mittels  permanenter 
rektaler  Kochsalzinfusionen.  Therap.  d.  Gegenw.  Nr.  10.  —  K.  G.  Len- 
nander,  Ueber  Schmerz  im  Bauch  mit  besonderer  Berücksichtigung  der 
«Ileua'schmerzen.  Arch.  f.  Verdauungskrankh.  Bd.  XIII,  H.  5.  — 
B.  G.  A.  Moynihan,  Die  kontinuierliche  Einverleibung  großer  Flüssigkeits- 
mengen per  rectum.  Lancet.  17.  Aug.  —  K.  Oppenheimer,  Ueber  die 
Anwendung  von  Sonnenbädern  bei  Peritonitis  tuberculosa.  Zeitschr.  f. 
physik.  u.  diät.  Ther.,  Jan.  —  A.  Peiser,  Zur  Kenntnis  der  peritonealen 
Resorption  und  ihrer  Bedeutung  bei  bakterieller  Peritonitis.  Beitr.  z.  klin. 
Chir.  Bd.  LI.  S.  681.  —  F.  Schilling,  Die  Druckempfindlichkeit  und  die 
Druckpunkte  des  Abdomens.  Zentralbl.  f.  innere  Med.  Nr.  31.  —  Vi  ölet, 
Schmerzhafte  peritonitische  Verwachsungen.  Gaz.  des  höp.  Nr.  45.  — 
Wilma,  Zur  Pathogenese  der  Kolikschmerzen.  Mitteil.  a.  d.  Grenzgeb. 
Bd.  XVI,  S.  609. 

Leber. 

A.  Alexander,  Zur  Kasuistik  der  traumatischen  Leberzirrhose. 
Deutsche  med.  Wochenschr.  Nr.  45.  —  L.  d*Amato,  Ueber  experimentelle 
vom  Magendarmkanal  aus  hervorgerufene  Veränderungen  der  Leber  etc. 
Virch.  Arch.  Bd.  CLXXXVII,  S.  435.  —  E.  Axisa,  Zur  Diagnose  der 
Leberabszesse.  Zentralbl.  f.  innere  Med.  Nr.  13.  —  Bacmeister,  Bakterio- 
logische Untersuchung  bei  Cholelithiasis.  Münch.  med.  Wochenschr.  Nr.  38. 
—  J.  B  e  n  c  e ,  Untersuchung  an  einem  Fall  von  Pankreatitis  und  Hepatitis 
interstitialis  chronica  luetica  etc.  Wien.  klin.  Wochenschr.  Nr.  24.  — 
£.   Benjamin  u.   E.   Sluka,  üeber  eine  chronische   mit  Ikterus  einher- 


304 


LoreEiE. 


gebende  Erkrnnknitg  des  Blutes,  BerF.  klin.  Wochenscbr.  Nr.  34,  —  Bishop^ 
Cholelithiaaia.  Bril.  med,  journ.    Nr.  2412,    —    Übauffard,   Pathogenese 
des  angeborenen  Ikterus  dea  Erwacbaenen,    Semaine  m^d,  Nr.  B.  —  Dock« 
interne  Bebandlung   der   Cbolelithiasis,    Jotim,  of  amer.  »bsoc.  Nr,  17*  — 
Duckwort bj   Portalzirrhose  der  Leber.     Lancet  Nr*  4354.  —  Ehrhardt, 
Beitrag   zur   pathologischen   Anatomie   und   Klinik  dea  Gallenstelnleideiu. 
Ärch.   f.  klin.   Chlr,  Bd.  LXXXUJ.  H.  4.    —    H.   Eppinger.   Ikterü»  hei 
Cbolexystitii.  Deutsche  med.  Wocbenschr.  Nr,  16.   ^  W.  Fi  seh  er  ♦  Groß* 
knotige  Tuberkuloae   der  Leber.     Yirch.   Arcb.  ßd,  CLXXXVIII,  H.  1.  — 
L.  Fiscblt   Zur   Pathologie   des  Ikterus  katarrhalis,    Arch.  f.  Terdauung«- 
krankh.  Bd.  Xlll,  S.  70.  —  N,  E.  Gröndahl,  Ueber  Pankreas-  und  Fett- 
gewebsnekrosen   nach   GallensLeinannUlen.    Norsk,   Mag,  f.  Lüg,  Nr  4,   — 
N.  Guleke,  Akute  gelbe  Leberatrophie  im  Gefolge  der  Chi oroformnar kose. 
Arch,  f.  kHn.  Chir.  Bd.  LXXXIII,  H,  2.   --   A.  Hecht,  Ueber  den  Wert, 
des  KalomeU  als  Heilmittel  der  Gallenateinkrankbeit.   Therap.  d.  Gegen w.» 
Juli.  —   Hochbau»,  Ueber  Cholelithiaais  und  Gljkosurie,     Deutsche  med, 
Woehenschr.  Kr.  4L     —    C,   HorafalK   Akute   gelbe  Leberatropbie  nach 
Operationen.    Lancet,  7.  Sept.    —    N.  Jagic,  Ueber  tuberkulöse  Leber« 
Zirrhose.     Wien.  klin.  Wochenechr,  Nr.  23.  —  D.  Jerinici,  Der  gutartige 
syphilitische  Ikterua.     Revista  stüntelor  med.,  Nov.  u,  De^.  1906.  —  F,  K&* 
rewski,  Leherabszeß  nach  Inüaenza.     Deutscbe  med,  Wochenacbr.  Nr.  10. 
—  K,  Ea»ai,  Leberangiome  mit  Ausgang  in  FibromUildung.  Mönch,  nied, 
Wocheaachr,  Nr.  40*  —  Klopetock»  Mibtumor,  Iktern«,  Ä&zites  bei  Leber- 
^irrboae,   Vircb.  Arch.  Bd.  CLXXXVIL  H.  L  —  W.  Konstaatinowitschi 
Beitrag   zur   Kenntnis    der    Lebervemndcrungen  bei   Eklampsie,     Zieglers 
Beitr,  Bd.  XL,   H.  3.    — '  S.   P,  Kramer,   Pathogenese   der  Gallensteine. 
Joum.  of  ex  per.  medi  Nr.  9.    —    Laubenheimer.   Aetiplogie   der  Cbole- 
zy.Hiti8.    Zeitscbr.  f.  Hyg.  Bd.  LVÜL  H.  L  —  L.  Licbtwitz,  Eiperimen- 
teile  Untersuchung    über  die  Bildung   von  Niederschlägen  in  der  Galle, 
Deutsches  Arch.  f.  ktin.  Med.  Bd-  SCIL  H.  1  u.  2.  —   Lotae,  Zwei  Mle 
von   Cholecjstifcii  typhosa.     Med.    Ges.  Leipzig,    20.  Nov.    —    Lubarsch» 
Ueber    Pathogenese    und    Aetiologie    der    Leberzirrhose.      Deutsche   med. 
Wochenöcbr.   S.  1029.    —    J.   Luzzato,   Akute   gelbe   Leberatrophie   mit 
Adenom,  Riv.  venet,  di  bc.  med.,  Mai,  —  Paulli»  Zwei  Fälle  von  operativ 
behandeltem   Leberechinococcua,     BibL   for  Lager,  Jan.    Ref,   Boas  Arch, 
Bd.  X!IL  S.  641.  "  P.  Philosophoff,  Echinococcus  alveolaris  der  Lebef. 
BuBsk.    Wratsch.  Nr,   m,     Ref,   Deutsche  med.   Wocbentchr,   Ö.    1611.    — 
Queirolo,    Epidemischer    Ikterus.     Rif.   med.    Nr,   34.    —    Reggianini, 
Schwerer  Ikterus  nach  Chloroform,    Ebenda  Kr,  27,    —    R.  Rösale,  Die 
Veränderungen  der  BIutkEipi Haren  der  Leber  und  ihre  Bedeutnng  för  die 
Histogenese   der   Leberzirrbose.     Yirch.   Arch.   Bd,   CLXXXVIII,  H,  S,   — 
Schöppler,    Ueber   Leberregeneration    und    Adenombildung    bei    akuter 
Atrophie.    Ebenda   Bd.   CLXXXV.    H.  S.    -    Scbüller,    Cholecyatifeii 
tjphom.    Gea.  L  innere  Med.  Wien,  24.  Okt.  —  G,  Simon,  Ueber  Chole^ 
<!yatitla  typhoaa  als  Uraache  chroniächer  Typhusbazillenausscbeidung.    Klin. 


Krankheiten  der  VetiiÄaTiiigsorgaiie, 


30& 


Jahrb.  Bd*  XVII*  S*  363*  —  0»  Stoerk^  üeber  experimentelle  Leberzirrhose 
auf  tuberkulöser  Grundlage.  Wien,  kl  in.  Wochenschr,  Nr.  28.  —  H.  Strauß, 
Ueb6r  erworbene  Formen  des  chronischen  aeholuri sehen  Ikterus  mit  Spleno- 
megalie, Berl.  klin*  Wochenschr.  Nr.  50.  —  F.  A.  Venema  u.  E.  Grün- 
berg,  Ein  Fall  von  LeberabszeBBen  mit  Tjphusbftzillen.  BerL  Hin.  Wochen- 
schrift. Nr.  12.  —  Widal  u.  Philibert,  Ueber  die  Brüchigkeit  der 
Erythrozyten  bei  beitimmten  Formen  von  kongenitalem  Ikterus«  Gaz.  des 
höp,  Nr.  107*  —  G,  A.  Wright,  Phlegmonöae  Cholezystitis,  Lancet,  22.  Sept 

Pankreaa. 

S*    Agabekow,    Cammidges    Reaktion    bei    Pankrease rkrankungen. 
Rusfik.  Wratscb,  Nr.  34  u.  35.    Kef.  Deutiche   med.  Wochenachr*  S.  1965. 

—  A.  Bickel,  Ueber  therapeutische  Beeinflussung  der  Fankreassekretion. 
Kongr.  f.  innere  Med.  Münch.  med.  WochenBchn  S.  1054.  ^  P.  J.  Gum- 
mi dge.  Die  Pankreasreaktion  dea  Urins.  Edinburgh  Febr*  —  A*  Ebner, 
Pankreatitis  nnd  CholelithiaBis.    Sammig.  klin.  Vortr, ,  N.  ¥.,  Nr,  452— 53 < 

—  J.  B  e  n  c  e .  Pankreatitis  und  Hepatitis  interstitialia  chronica  luetica  etc. 

,  Wien,  klin,  WocheoHchr*  Nr»  24.  —  Eich  1er,  Experimenteller  Beitrag  Eur 
Diagnose  der  Pankreaserkrankungen ,  die  Cammidgesche  Pankrea^reaktioa 
im  Urin,  Berl,  klin,  Wochenschr.  Nr.  25,  —  Gröndahl,  Pankreas  und 
Fettgewebsnekroüen  nach   Gallenstein  anfallen.    Norek  Mag.  f.  Lag.  Nr,  5. 

—  G.  Grund,  Pankreaszyste  und  Pankreaadiabetes.  Mitteil.  a.  d,  Grenzgeb. 
Bd,  XVII,  H.  3  u.  4.  —  Lafosse*  Diagnose  nnd  Therapie  der  akuten 
Pankreatitis.  Th^so  de  Paris.  —  Lilienstein,  Kaauiütiacher  Beitrag  zur 
Aetiologie  und  Symptomatologie  der  Pankreaszyste,  Münch.  med.  Wochen- 
tcbrift  S-  I§8*>*  —  S.  Phillips,  Ueber  Pankreaserkrankungen.  Lancet, 
16»  u.  23.  Febr.  —  Robson  u.  Cammidge,  Pankreatitis  infolge  von 
Earzinom   der   Gallen blafie.     Lancet   Nr,  4382.    —    Scheunert  u.  Berg- 

I   hoU^  Zur  Kenntni«  der  Pankreaskonkremente.    ZeiUchr.  f.  phjsiol,  Chem. 

I  Bd,  LUl,  H.  3  u.  4.    —    V.   Seh  mieden j    Ueber  Zirrhose   dea   Pankreas- 

I  Mönch,  med.  Wochenschr.  Nr,  47,  1906,  —  H,  Truhart,  Aetiologie  und 
Pathogenese  der  Pankreaahimorrhagien,  Wien,  med.  Wochenschr.  Nr,  43, 
IÖ06.  —  Volhard,  Untersuchung  des  Parikreassaftes  beim  Menschen  und 
eine  Methode  der  quantitativen  Tiypsinbestimmung.  Münch.  med,  Wochen- 
«cbrift  Nr.  9.  —  Walko,  Ueber  chronische  Pankreatitis.  Münch.  med, 
Wochenschr.  S.  1460-    —    J*  Wohlgem  uth ,   Ueber  das  Pankrea^aekret. 

!  Verein  f.  innere  Med,  Berlin.  7,  Jan.    Deutache   med.  Wochenschr.  S.  202, 


^tiD%«eb  d«r  praktia«h«ii  U^dixli]     190S. 


20 


GeaohJcbte 

der 
brologiächeii 

Unter- 

in  der 

Prastis. 


faatlioden: 


S^lerankranklieiteD.  In  der  ErölFniiDigfsrede  dea  im  ßericlimalire  zum 
ersten  Male  zasammen getretenen  Eongreei£&s  der  neu  gegründeten  Deatschen 
Qeaelleehaft  für  Urologie  gab  A.  \\  F r i i ch  einen  historischen  Rück- 
blick über  die  Entwicklung  der  urologi&chen  Diagnostik. 

Die  Frage,  ob  der  Praktiker  gezwungen  aein  aolU  alle  neueren 
UnterfluchungBraethoden  «u  bebe rricben  und  bei  jedem  Nierenkranken 
anzuwenden«  wird  von  L  e  n  n  e  erneut  aufgeworfen  und  vrerneint.  Er  iat  der 
Ansicht,  daß  der  Arzt  bei  Anwendung  der  allgemein  Üblichen  klijikehen 
Methoden  der  chemischen,  mikroskopiachen  und  bakteriologischen  Ünter- 
auchung  in  der  Lage  ij;t,  die  Erkrankungen  der  Niere  hinreichend  ku  er- 
kennen. Wir  können  diesen  Ausführungen  nur  zuBtimmen,  ohne  überleben 
zti  wollen,  was  ja  auch  der  folgende  Bericht  zeigen  wird,  daß  in  einer 
großen  Anzahl  von  F&Uen  eine  Kontrolle  durch  die  neueren  ünterauchunga- 
metboden  erwünscht  sein  wird.  Aber  ebenaowenig  wie  der  Praktiker  im 
allgemeinen  im  stände  ist,  ^ie  alle  zu  beherrschen,  ebenso  erwünscht  i^l 
eSt  wie  iiuch  Grube  und  v.  Noorden  betonen,  daß  er  jene  einfacheren 
ünter&ucbungemethoden  selbit  ausführt  und  nicht  diagnoatiachen  Instituten 
(Chemikern  und  Apothekern)  überlaßt, 

Ueber  den  Wert  der  funktionellen  ünterauchungamethoden 
und  BpeÄiell  über  den  Wert  und  die  Bedeutung  der  einzelnen  Methoden 
geben  die  Ansichten  nach  wie  vor  auseinander.  Auf  Grund  der  von 
Eümmell  gewonnenen  Erfahrungen  bezeichnet  Kotzenberg  ernetit  die 
Bestimmung  de»  Gefrierpunktes  dea  Blutes  als  die  zur  Zeit  beste 
Methode  der  funktionellen  Nierendiagnostik*  Er  beschreibt  noch  einmal 
ausführlich j  wie  sie  vorgenommen  werden  soll*  um  B'ehler  und  Trug* 
Schlüsse  zu  vermeiden*  Auch  Goldammer  betont  bei  Untersuchungen 
Über  die  Refraktrometrie  des  Blutserums,  welche  zu  einem  zuver- 
lässigen  Resultate  nicht  geführt  haben^  die  Ueberlegenheit  der  Kryoskopie  ■ 
über  die  anderen  Methoden.  Tn  gleicher  Weise  bestätigt  Kotzenberg  " 
die  Vorzüge  der  krjoskopischen  Untersuchung  de«  Harns  beider  Nieren. 
Darauf,  daß  Anweaenheit  von  Zucker  den  krjoskopischen  Koeffizienten  des 


i 


I 


Phlorldiiü" 
methodei 


Krankheiten  der  Harnürgane. 

Harna  herabBetzt,  mficht  A  t  k  i  n  s  aufmerkaüm.  EitiB  Modifikation  des  Beck* 
mannseben  Apparates  zur  BestimmuDg  dm  Gefrierpunktes  gibt  H.  Oitron 
An  (vgl,  Fig.  26),  Er  ereetxte  die  Kliltemiichung,  deren  Bereitung  oft 
Bcbwierigkeiten  machte  durch  Aether,  womit  eine  stete  Bereftachaft  de« 
Apparates^  Sauberkeit  der  Uandhabung,  genaue  Hegulierung  der  Tempe- 
ratur durch  Waaaerdrack  und  Schnelligkeit  der 
Bestimmung  verbunden  iafc.  --  Wahrend  nun 
K  o  t  z  e  n  b  e  r  g  die  Casper-Richtersche  P  h  1  o  r  i  d- 
isinmethode  für  uuzuTerläasig  hält ,  erklärt 
Kapeammer  in  seinem  Werke  über  Nlereu- 
diagnoatik  und  Nieren  Chirurgie  die  Bedeutung 
der  Krjoskopie  des  Blutes  und  des  Harne  für 
die  Praxis  ala  eine  sehr  geringe,  da  die  durch 
aie  gewonnenen  Zalilen  eigentlich  nicht  mehr 
sagen,  ak  das  spes'ifieclie  Gewicht  Er  itetlt 
die  Phloridzinmethode  in  die  erste  Eeihe 
der  funktionellen  ünteriucbuDgamethoden  und 
halt  sie  bei  Berücksichtigung  der  Zeit 
dea  Auftretens  der  Zuckerreaktion  für  die  femate 
Methode  (vgl.  auch  Pereachivkin  a.  a.)*  Neben 
ihr  sind  nach  ihm  noch  die  Methylenblau-  Methylenbliiu< 
und  Indigokarminprobe  von  besonderem  ^^^  Indigo 
Werte.  So  wird  sich  bei  schweren  Nierenschädi- 
gungen auch  stets  eine  üebereinatimmung  der 
drei  Methoden  «eigen.  Die  Ursache.  daÖ  aich  bei 
leichteren  Nierenachadigungen  Ditierenasen  stwi- 
achen  ihnen  zeigen^  sei  darin  zu  suchen,  daß  die 
Lokalisati on  der  Bildung  von  Phloridzinz ucker 
und  der  Ausscbeidungsatellen  von  Methylen- 
blau und  Indigokarmin  in  der  Niere  verachte- 
den  sei  und  je  nach  der  Lokalisation  des 
KrankheitaproÄeases  in  der  Niere  daher  die  eine 
oder  andere  Reaktion  scliwö-cher  oder  stärker 
zum  Ausdruck  kä.me.  Die  Völkerache  Indigo- 
kar  min  probe,  über  welche  der  Erfinder  der 
Methode  auch  wieder  seibat  berichtet,  wird  auch 
von  G  a  r  r  e  und  E  h  r  h  a  r  d  t  und  F,  S  u  t  e  r  besondera  geachÄtzt.  Sie  betonen 
m  Verbindung  mit  ihr  auch  erneut  den  Wert  dea  Lujasehen  Harn* 
ieparators  ala  Ersatz  für  den  Harnleiterkatheterismus,  für  dessen  Ge- 
bmueh  B,  S. Barringer  bestimmte  Indikationen  (Verdeckung  der  üreteren- 
mttnduogen^  raache  Sekretion  von  Eiter  oder  Blut  aus  dem  Ureter  u*  a.) 
und  Kontraindikationen  (geringe  Blasenkapatitlt,  Undurchgilngigkeit  der 
ürethTa»  Verzerrung  des  Blasenhalses  und  Blasengrunde»)  gibt  Auch  be- 
itr«ttgt  er  bei  richtiger  Technik  die  Möglichkeit  dea  Ueberfließens  dea  Unna 
der  einen  Seite  zu  der  anderen«  —  Wenn  nun  auch  der  Hauptwert  aller 


k  arm  in  probe» 


(An«**  H  ntron,  BeUrafr  zur 
*l  hr.  f,  ärztliche 


Luyit 
aoparfttopJ 


308 


FflrbnBger  und  Stettiner. 


Laysicber 


Gutirtige 
ibuminiuku 


dieser  fanktiotielleri  ünterstichungBrnetlioden  in  der  Feststellung  liegt,  in* 
wieweit  die  eine  Niere  noch  i^enügend  funktionaräliig  ijt,  um  die  Heraui!^* 
nähme  der  anderen  erkranlcten  scu  gestatteUp  wenn  sie  also  im  wetäeiitUchen 
der  Nierencbirurgie  au  gute  kommen,  so  ist  ihre  Verwertung  doch  auch  für 
andere  Gehiete  der  Nierenpathologie  ern^ünscht  und  angezeigt.  — 

V,  Nöorden  betont  mit  Recht,  daß  z\x  der  EntscheiduBg  der 
Frage,  ob  in  einem  bestimmten  Falle  eine  gutartige  Albuiain- 
urie  oder  eine  solche  auf  liieren erkr an kung  benihende  vorliege, 
Tinter  Um  ständen  die  funktionellen  Untei^uchungsmethodeu  (Me- 
thylenblau-, Phloridzin-,  Yerdünnungsprobe)  herangezogen  werden 
können.  Allerdings  wird  zu  beachten  aein,  daß  auch  bei  einer  be- 
ginnenden Schrumpfniere  keine  Störung  der  Nieren fiinktion  nach- 
zuweisen sein  wird.  Andererseits  wird  aber  bei  einem  positiven 
Ausfalle  jener  Proben  eine  harmlose  Albuminurie  auszuach ließen  sein- 
Im  übrigen  betont  v*  Noorden  in  seinem  auf  dem  Kongresse  der 
Deutachen  Gesellschaft  für  Urologie  in  dieser  Frage  erstatteten  Be- 
ferate  erneut,  daß  zwar  die  gutartigen  Albuminurien  meist  inter- 
mittierenden Charakter  haben,  daß  dieser  aber  auch  bei  schweren 
Nierenschädigungen  vorkommen  könne.  (Allerdings  geben  nach  Be- 
obachtungen Engels  Nephritiker  mit  dem  Typas  der  orthostati- 
schen Albuminurie  eine  bessere  Prognose,  als  andere.)  Von  größerer 
Bedeutung  zur  Beurteilung  der  Gutartigkeit  der  Albuminurie  ab 
die  zeitliche  Verteilung,  als  die  Quantität  und  Quahtät  des  aus- 
geschiedenen Albumens,  —  nach  Schmidt  ist  das  ausgeschiedene 
Eiweiß  bei  Nephritis  mehr  Wundsekret,  bei  den  nicht  entzündlichen 
Formen  mehr  Transsudat  oder  Filtrat  —  von  größerer  Bedeutung 
Auoli  als  Anwesenheit  oder  Abwesenheit  von  Zylindern  im  Sedi- 
mente ist  das  Verhalten  des  Gefäßsystems,  sowohl  des  Herzens, 
wie  der  Blutgefäße ^  des  Blutdrucks  und  der  Pula welle.  Zu  den 
gutartigen  Albuminurien  rechnet  v,  Noorden  die  orthostatische 
Albuminurie,  die  juvenile  Albuminurie,  gewisse  FäUe,  in  welchen 
nach  Ablauf  einer  zweifellosen  akuten  Nephritis  eine  dauernde 
Eiweißausscheidung  zurückgeblieben  ist,  ohne  daß  irgend  welche 
Zeichen  einer  progressiven  Nierenkrankheit  vorhanden  sind,  ge- 
wisse Formen  der  prätuberkulösen  Albuminurie,  Eiweißausschei- 
dungen bei  Stoffwecbselerkrankungen,  die  durch  entsprechende 
Diät  zum  Schwinden  gebracht  werden  können  und  Albumin- 
urien bei  Altersnephritiden ,  die  nicht  mit  den  Formen  schwerer 
Schrumpfniere  zu  verwechseln  sind.  Die  juvenile  Albuminurie 
unterscheidet  sich  von  der  orthostatischen  dadurch,  daß  bei 
der  ersteren  der  Typus  in  der  Eiweifiausscheidung  nicht  so  deut- 


Krankheiten  der  Hamorgaae« 


309 


lieh  ÄU  erkennen  ist  v,  Noorden  hält  es  ffär  wahi^cheinlich,  daß 
man  es  bei  ihr  mit  einer  besonderen  Stoffwechselanomalie,  einer  Ab- 
artung  derEiweißkörper  des  Blutes,  wofür  auch  das  reichliche  Sediment 
van  Oxalaten  im  Karn  spricht^  zu  tun  hat  (Diabetes  albuminosus). 
Die  bereits  im  vorigen  Jahrbuch  (S,  263)  erwähnte  erste  ana- 
tomische Erschließung  eines  Falles  von  orthotischer  Albumin-  Drtliotlsclie 
urie  durch  Heubner  ist,  seiner  hohen,  auch  praktiechen  Bedea-  -^^^^^^^^ 
tuDg  entsprechend,  von  nicht  weniger  als  14  Hednerti  in  mehreren 
Sitzungen  diskutiert  worden-  Während  Kraus  eine  konstitutionelle 
Minderwertigkeit  gleich  dem  Blutdruck  als  wesentliches  ursäch- 
liches Moment  für  die  Störung  ablehnt,  beharrt  Senator,  dereinen 
völlig  normalen  Nierenbefund  durch  Heubner  nicht  gelten  läßt, 
auf  leichten  nephritischen  Störungen  als  Grundiage  der  orthotischen 
EiweißaUBscbeidung  im  Verein  mit  ei^höhtem  venösen  und  herab- 
gesetztem  arteriellen  Blutdruck  beim  Stehen.  Aehnlich  A.Baginsky, 
ohne  stets  eine  Nierenkrankheit  vorauszusetzen.  Nach  Langstein^ 
der  im  Gegensatz  von  Schiffer  und  A.  Mejar  stets  einen  durch 
Essigsäure  in  den  Kölner  {allbaren  Eiweißk5rper  fand,  ist  die  An- 
nähme  einer  Beziehung  zu  Infektiooskrankheiten  mangelhaft  be- 
gründet. Die  auch  von  Casper  und  Ewald  wenigstens  für  einen 
Teil  der  Fälle  vertretene  Unabhängigkeit  der  orthotiscben  Eiweiß- 
ausscheidung  von  nephritischen  Veränderungen  begründet  Für- 
bringer  durch  den  Ausfall  eines  Experiments  an  einem  eigenen 
Falle:  Nach  Darreichung  von  Fleisch extrakten^  scharfen  Gewüraen, 
Spirituosen  und  kalten  Schwimmbädern  trat  eher  eine  Verminde- 
rung der  Albuminurie  auf.  Viele  Fälle  heilten,  was  auch  UUmann 
hervorhebt I  restlos;  dm  Risiko  für  Lebensversicherungsgeflell* 
Schäften  wäre  im  allgemeinen  nicht  schlecht,  Reste  einer  (Tlomerulo- 
nephritis  im  Bereich  der  von  Heubner  demonstrierten  Niere 
(V.  Hansemann)  lehnt  Orthab;  den  kleinen  Herd  deutet  2  ondek 
als  Folge  eines  Nierenrisses.  Forcierte  Muskelarbeit  (Turnen  etc.) 
hat  keine  Verschlimmerung  der  Störung  zur  Folge  (Schiffer), 
flir  welche  auch  kleine  Herzmaße  verantwortlich  gemacht  werden 
(Ray her).  Endlich  begründet  Heubner  noch  einmal  die  Abwesen- 
heit jeder  Spur  einer  nephritischen  Veränderung  in  seinem  Präparat, 
Den  Einßuß  der  aufrechten  Körperhaltung,  Nahrungsaufnahme, 
von  Herz-  und  Gefäßmitteln)  sowie  thermischen  Einwirkungen  prüften 
Porges  und  E.  Pfibram  an  zwei  weiblichen  Orthostatikem  und 
glauben  für  die  Eiweißausscheidung  in  erster  Linie  ein  Hindernis  im 
arteriellen  Gebiete  des  Nierenkreislaufs  an  sich,  etwa  einen  Krampf 
der  Nierenarterien,  verantwortlich  machen  2U  sollen, 


Fürbringer  und  Stettmer. 


VLhd 
Rindern  i  er  e. 


fituberkalösf! 


bttmlutiHeTi , 


atAJtlgen 
biminnTleii. 


fttnrb. 


Po  SU  er  weist  in  seinem  auf  dem  Urologen -Kongresse  erstatteten 
Korreferate  darauf  hin,  was  auch  B  r  a  d  f  o  r  d  betont,  dal]  ein  Teil  der 
Fälle  von  orthostatischer  Alburainurie  vielleicht  durch  Wanderniere 
bedingt  sei.  Es  fehlten  noch  Untersuchungen  über  das  einseitige 
Auftreten  dieser  Albuminurien  und  seinen  durch  Anwendung  der 
Harn  Separation  in  geeigneten  Fällen  nachzuholen.  Auch  auf  das 
toxische  Moment  richtet  er,  gleich  Serane,  die  Aufmerksamkeit. 
Ala  eine  toxische^  durch  die  Toxine  des  Tuberkelbazillua  hervor- 
gerufene, ist  auch  die  prä tuberkulöse  Albuminurie  aufzu- 
fassen, welche  nach  Langstein  einen  nicht  unerheblichen  Prozent- 
satz aller  orthotischen  Albuminurien  im  Kindesalter  ausmacht,  während 
Birk  ihre  Häußgkeit  in  Abrede  stellt.  Die  Albuminurie  nach 
starken  körperlichen  Anstrengungen,  für  welche  W.  Col- 
lier neue  Beispiele  bei  Athleten  bringt j  faßt  von  Noorden  nicht 
als  einen  Kran  kheits zustand,  sondern  als  eine  physiologische  Erschei- 
nung im  Sinne  von  Leube  auf.  Bezüglich  der  therapeutischen 
Maßnahmen  bei  allen  Formen  der  gutartigen  Albuminurie  sind 
sich  wohl  alle  Forscher  nunmehr  einig,  daß  an  Stelle  der  Schonungs- 
therapie die  Uebungstherapie  treten  soll  und  daß  ebenso  eine  Ver* 
Ordnung  strenger  diätetischer  Maßnahmen  falsch  ist^  und  zwar,  wie 
V.  Noorden  betont^  nicht  nur  bei  den  juvenilen,  sondern  auch  bei 
den  senilen  gutartigen  Albuminurien. 

Ebenso  wie  zur  differentialdiagnostischen  Scheidung  der  gut- 
artigen Albuminurien  von  Nephritis  das  Augenmerk  auf  das  Yei^ 
halten  des  Herzens  und  des  Gefäßap parates  zu  richten  ist,  so  stellt 
auch  K  a  s  u  m  o  t  o  die  gleiche  Forderung  einer  genauen  Untersuchung 
von  Herz,  Gefäßen,  Blutdruck,  Augenhintergi'und  für  die  Diagnose 
der  Aetiologie  der  Nierenblntungen,  indem  er  hervorhebt,  daß 
bei  Durchsicht  der  Literatur  über  renale  Hämophilie  jene  Organe 
nicht  genügend  berücksichtigt  erscheinen.  Ohne  die  Existenz  der 
angin  neurotischen  Hämaturie  leugnen  zu  wollen,  stellt  er  sich,  gleich 
Xret Schmer,  ihr  gegenüber  sehr  skeptisch.  Letzterer,  welcher 
äbrigeuö  als  möglichen  Ausgangspunkt  einer  Hämaturie  auf  den 
oberen  Teil  des  Ureters,  was  oft  nicht  genügend  beachtet  sei,  hin- 
weist, warnt  davor,  aus  kleinen  exzidierten  und  als  normal  befun- 
denen Nieren  Stückchen  auf  eine  Gesundheit  der  ganzen  Niere  an 
schließen.  Schon  geringe  pathologische  Veränderungen  im  Nieren* 
parenchym  können,  wie  er  ausführt,  wesentliche  Nierenblutungen 
zur  Folge  haben.  Der  gegenwärtige  Stand  der  Mikroskopie  ge- 
stattet noch  nicht,  in  jedem  Falle  aus  dem  Grade  der  Veränderung 
die  Blntungstendenz  einer  pathologischen  Niere  mit  Sicherheit  zu  er- 


Krankheiten  der  Hamorgäne, 

iließeu.  Dem  klinischeii  Bilde  der  Nierenblutuiig  entsprechen  in 
den  einzelnen  Fällen  durchaua  veracliiedeDe  anatomische  nnd  mikro- 
skopische Bilder  der  Nierenparenchym  Veränderung.  In  ähnlichem 
Sinne  spricht  sich  Kotzenberg  auf  Grund  von  12  Fällen  der  Küm- 
mell sehen  Abteilung  aus.  Er  meint,  daß  die  als  essentielle  Nieren- 
blxitungen  beschriebenen  Fälle  von  Massen blutungen  der  Nieren  ver- 
ursacht werden,  durch  ganz  beginnende,  nephritische  Prozesse^  die 
sieb  im  Bereich  des  Binde-^  speziell  im  Kapillar&3^Btem  abspielen 
mid  die  makroskopisch  so  gut  wie  mikroskopisch  nur  bei  allersorg^ 
faltigster  Untersuchung  von  Rindenstückchen  aus  den  verschiedenen 
Teilen  der  Niere  nachgewiesen  werden  können.  Aber  auch  die  Lite* 
ratur  des  Berichtsjahres  weist  wieder  einzelne  Fälle  auf,  für  die  sich 
in  der  blutenden  Niere  eine  materielle  Grundlage  nicht  gefunden  hat. 
8a  berichtet  Gas  per  über  4  Fälle,  von  denen  in  2  die  Ursache 
dar  Blntung  in  chronischem  doppelseitigem  dLäFusem  Morbus  Erightii 
%n  suchen  war,  der  bis  zum  Auftreten  der  Blutung  symptomlos  ver- 
laufen war.  In  den  beiden  anderen  Fällen  konnte  trotz  genauester 
Durchmusterung  der  herausgeschnittenen  Niere  keine  die  Blutung 
erklärende  Veränderung  gefunden  werden.  Und  über  eine  ähnliche 
Beobachtung^  die  er  auch  den  an gion eurotischen  Blutungen  zurechnen 
will,  berichtet  Stein thal,  während  in  einem  von  Loewenhardt 
mitgeteilten  Falle  wohl  doch  die  bestehende  Pyelopapillitis  und 
interstitielle  Nephritis  als  Ursache  der  Blutung  anzusehen  ist.  Er- 
wähnt mag  auch  hier  eine  Beobachtung  von  Wulff  werden,  welcher 
eine  Patientin  mit  rechts eiti ge r  abundanter  Nierenblutung  wahrend 
der  Gravidität  beobachtete.  Unter  Bettruhe  und  Eisapplikation 
d stierte  die  Blutung.  Der  Urin  zeigte  nach  der  Entbindung  keine 
pathologischen  Merkmale.  Im  allgemeinen  darf  aber  die  Therapie 
bei  starken  Hämaturien  sich  nicht  lange  exspektativ  verhalten. 
Wühl  kann  man  mit  Loewenhardt  für  kurze  Zeit  die  Anwendung 
von  Jodkaü  versuchen  ;  aber  meist  wird  ein  operativer  Eingriff  nicht 
knge  hinausgeschoben  werden  dürfen*  In  manchen  Fällen  bewährt 
iich  die  Dekapsulation  und  die  Nephrektomie,  welche  letztere  den 
Vorzug  gewährt,  daß  man  durch  sie  den  durch  eine  Hämaturie  stets 
hervorgerufenen  Verdacht  auf  Nierentumor  zerstreuen  oder  bestätigen 
kann,  als  ausreichend.  Andernfalls  muß  die  Nephrektomie  vor- 
^^enommen  werden.  In  einem  Falle,  in  welchem  im  Anschluß  an 
mn  Trauma  eine  linkseitige  Nierenblntnng  bereits  16  Monate  be- 
stand,  erzielte  Young  innerhalb  13  Tagen  mit  Einspritzungen  von 
verdünnter  AdrenalinJösung  in  das  Nierenbecken  durch  den  Ureteren- 
katheter  Erfolg. 


ll&matttri« 

wilbrend  dei- 

Oravidimi^ 

der      « 
HäniftturLeti. 


312 


Fürbrmger  und  Stettiner* 


Ugers. 


Im  Anschluß  an  diese  Fälle  von  Hümaturie  mag  auf  die  Beobach- 
tungen von  Doli  hingewiei^en  werden,  in  welchen  sich  die  Blutung  nicht 
mit  dem  Urin  nach  auBen  entleerte,  sondern  eine  Blutung  in  die  Fetlr 
kapael  der  Niere^  eine  Apoplexe  ie  des  Nierenlagerä  stattgefunden  hatte. 
Beide  von  Doli  beobachteten  Fälle  sind  letal  verlaufen,  Äetiologisch 
kommen  Arteriosklerose,  chrouiache  Nephritis,  Lues  und  AlkoholismuB  m 
Betracht.  Kolikartige^  in  kurzen  Intervallen  sich  wiederholende  Schmerzen 
in  der  Nieren gegend,  der  palpatorische  Nachweis  einer  rasch  anwaohaendeii 
Öeachwulat  in  der  Nierengegend,  Anämie,  riischer  Kräfteverfall  und  Pub- 
verflchlechterung  zeichnen  das  Krankheitsbild.  Therapeutisch  kommt  even- 
tuell ein  chirurgischer  Eingriff  in  Betracht. 


imoglabin- 
Uri« 


Zur  Frage  der  paro3Eys malen  Hämoglobiiiurie  Liegen 
u*  a*  Arbeiten  von  J.  Eason  und  Donath  und  Landsteiner  vor, 
Sie  beweiBön  den  Einfluli  der  Abkühlung  auf  daa  Auftreten  der 
Kämoglobinurie.  Im  Blute  ist  ein  Hämolysin  vorhanden^  das  die 
Blutauflösung  während  des  Anfalls  bewirkt.  Bei  der  Abkühlung 
dm  Blutes  wird  dann  ein  ina  Serum  des  Hämoglobinurikers  ent> 
haltener  toxischer  Körper  von  den  roten  Blutkörperchen  absorbiert»  und 
bei  dem  folgenden  Erwärmen  lösen  sich  die  roten  Blutkörperchen 
mit  Hilfe  eines  auch  im  normalen  Seiiim  vorhandenen  Agens  (Kom- 
plement) auf.  üntersiichuDgen  über  das  Verhalten  der  Niere  selbst 
bei  Hämoglobinausscheidung  liegen  von  Ernst  Schmidt  vor. 
Nach  seinen  mit  frischem  arteignen  Hämoglobin  gern  achten  Ver* 
suchen  macht  es  keine  Thrombose  und  bedingt  keine  weitere 
Hämolyse.  Auch  sind  die  durch  das  Hämoglobin  hervorgernfenen 
iphftturie.  Nierenschädigungen  sehr  gering.  Bei  der  Phosphaturie  stehen, 
wie  Ullmann  und  Orlowski  erneut  betonen,  die  nervösen 
Störungen  meist  im  Vordergrunde,  Ihre  Träger  sind  oder  werden  Neur* 
astheniker.  Nach  Ullmann  sind  vasomotorische  Reiz-  und  Läh- 
mnngssymptome  im  Gebiete  des  Vago-sympathicus,  ferner  Obstipation 
und  byperaaide  Magenxustände  die  hauptsächlichsten  Begleiterschei- 
nungen. Orlowski  hält  jede  urologiache  Behandlung  für  falsch. 
Eine  antineurastheniscbe  Kur  in  einem  Sanatorium  oder  Bade  werde 
schneller  zum  Ziele  bringen. 

Bei  Besprechung  der  Arbeiten  über  orthostatische  Albuminurid 
wiesen  wir  auf  die  Ansichten  B  r  a  dTo  r  d  s  und  P  o  a  n  e  r s  hin,  daß  es 
sich  in  einem  Teile  der  Fälle  um  einseitige  Albuminurien  handeln 
dürfte.  In  demselben  Referate  wirft  Posner  auch  erneut  die  Frage 
auf,  ob  es  eine  einseitige  hämatogen  e  Nephritis  gibt,  d.  h.  ob  der  echte 
Morbus  Brightii  einseitig  beginnt  Er  meint,  daß  wie  die  ebenfalls 
auf  hämatogenem  Wege  entstehende  Nieren  tuberkulöse  und  die  durch 


Gibt  «» 

niaitigen 

KorbDB 

[Briglstii? 


Eranklieiten  der  Hamorgane. 


313 


> 


XoUbazillen,  Staphylo-  und  Streptokokken  auagelösten  infektiösen 
Nepbritirlen  einseitig  beginnen,  ebenso  die  Möglichkeit  des  einseitigen 
Beginns  des  Morbus  Brightii^  begünstigt  vielleicht  dadurch,  daß  die 
eine  Niere  durch  Anomalien  der  Gefäße  oder  des  Ureters  oder  durch 
andere  Umstände  mehr  zur  Erkrankung  disponiert  seij  vorliege. 
Lange  dürfte  allerdings  die  Erkrankung  nicht  auf  die  eine  Niere 
beschränkt  bleiben.  Denn  durch  den  reno- renalen  Beflex  wird  als- 
bald auch  die  andere  Seite  in  Mitleidenschaft  gezogen.  Und  zwar 
bandelt  es  sich  dabei  nicht  um  eine  rein  sympatbisch-reflek torische 
Erkrankung,  wie  Blum  es  darstellt ^  sondern  durch  den  Ueber gang 
von  durch  Zerfall  von  Nierenzellen  freiwerdenden  Giftstoffen  (Nephro- 
lysinen)  in  die  Blutbahn  wird  zunächst  eine  Albuminurie  und  später 
eine  Nephritis  auch  der  anderen  Seite  hervorgerufeUi  Auch  Pous- 
80 n  hält  auf  Grund  von  Experimenten  am  Tiere,  von  klinischen 
Beobachtungen  Und  nicht  zuletzt  auf  Grund  von  operativen  Heil- 
erfolgen das  Vorkommen  des  einseitigen  Auftretens  sowohl  der 
akuten,  wie  der  chronischen  Nephritis  für  erwiesen.  Schmerzen  in 
der  kranken  Niere j  Druck emptindlicbkeit  im  Angulus  vesico-lumbalis 
und  Erhöhung  der  Temperatur  auf  der  kranken  Seite  können  An- 
halts]mnkte  geben,  während  der  Beweis  durch  Anwendung  des 
Harnsepa ratore,  dem  Pousson  bei  akuten  Nephritiden  den  Vorajug 
vor  dem  Ureterenkatheteriemus  gibt,  geliefert  wird*  Wenn  er  aber 
für  die  Entstehung  der  einseitigen  chronischen  Nephritiden  das  Be- 
stehen von  früheren  einseitig  lokalisierten  Beckenaffektionen  ^  die 
auf  den  Ureter  ausstrahlen  (einseitige  Infektion  des  utero-ovari eilen 
Apparates,  Felveoperitonitis,  Appendizitis,  Kolitis  etc.),  anschuldigt, 
io  handelt  es  sich  bei  diesen  Entzündungen  doch  nicht  mehr  nm 
dk  bämatogene  chronische  Nephritis,  so  daß  der  positive  Beweis 
ftr  das  Vorkommen  des  einseitigen  Morbus  Brightii  doch  noch  aus- 
steht Ton  anderen  Forschem,  wie  u.  a.  Casper^  Kümmell^ 
letzterem  auf  Grund  der  mittels  Er^^oskopie  bei  jenen  Fällen  beginnen-  AetioiöiJi»-«« 
der»  mit  Hämaturieen  ein  hergehender  Nephritis  gewonnenen  Resul-  N*>pt"ti*leB, 
taten,  welche  stets  auch  eine  Erkrankung  der  anderen  Seite  anzeigten, 
wird  denn  auch  das  Vorkommen  der  einseitigen  hämatogenen 
Nephritis  in  Abrede  gestellt.  Auch  die  Fälle  von  traumatischer  Trittitniiti» 
Nephritis  sprechen  gegen  jene  Annahme.  Hiezu  liegt  ein©  ex-  ^«phHtl^ 
perimenteUe  Arbeit  von  L.  Tornellini  vor.  Er  konnte  bei 
Kaninchen  keine  eigentliche  interstitielle  Nephritis  durch  Trauma 
imelen  und  meint^  daÖ  auch  beim  Menschen  das  Trauma  mehr  eine 
0elegenheitsursache  bilde,  Nephritis  durch  Abkühlung  er- 
hielte Siegel,    indem    er   auf  die   freigelegte  Niere   eines  Hundes 


Nephritis 

dar  eh 


Kephrttis, 


nephrltis. 


reptokokkefi- 
Infektioti. 


Typ ha 36 
Nepbritia. 


20—30  Minuten  Eiastückcheti  legte.  Er  konnte  such  durch  ITran 
bei  Hunden  akute  Nephritis  erzeugen  und  Ihren  Uebergang  zum 
Beginne  der  dritten  Kraokheitswoche  in  die  chroniache  parenchj* 
matose  Form  und  dann  in  Schrumpiiiiere  beobachten.  Experi- 
mentelle Studien  über  toxigche  Nephritis  stellten  Bchlayer 
und  Hedinger  an.  Nach  ihnen  existieren  zwei  in  ihrem  fujiktio* 
nellen  Verhalten  getrennte  Arten  von  akuter  toxischer  Nephritis. 
Eine  tubuläre  Form  nach  Chrom  und  Sublimat  setzt  ao  den  Tubulus- 
epithelien  ein,  zeigt  lange  Zeit  unveränderte  oder  sogar  vermehrte 
GeiUßtätigkeit  und  Wasserausscheidung  bei  schwerer  anatom^ischer 
Bestruktion ,  während  eine  Schädigung  der  Gefäße  sich  erst  sekimdir 
ündet.  Die  vaskuläre  Form  nach  Kantharidin  und  Arsen  setst  an 
deu  Gefäßen  ein  und  führt  rapide  zu  ihrer  völligen  Insuffizieng 
mit  Vernichtung  der  Wasseraus Scheidung  bei  auffallend  geringem 
anatomischem  Befund.  Gewissermaßen  eine  Uebergangsform  stellt 
die  Nephritis  nach  Diphtherietosin  dar,  die  in  ihren  Endstadien  je- 
doch vaskulären  Typ  zeigt.  Den  Zusammenhang  zwischen  Harn* 
ausscheidang  und  anatomischer  Glomeniluöscbädigung  prüfte  Taka- 
yasu an  60  kranken  Kanin  eben  nieren  (Vergiftung  mit  Xantharidin, 
Arsen ^  Diphtherietoxin,  Chrom,  Sublimat  und  Uran)*  Der  emzlgß 
konstante,  der  FunktionsBtörung  einigermaßen  parallel  gehende  ana- 
tomische Befund  war  bei  den  vaskulären  wie  tubulären  Nephri- 
tiden  eine  (bei  letzteren  nur  leichte)  Schwellung  der  Glomeruluskei'ne. 
Selbst  schwere  Funktionsstörungen  der  Nierengeiaße  kamen  zum 
Teil  überhaupt  nicht  zum  Ausdruck.  Nach  den  Erfahrungen  von 
Löhlein  sind  die  eigentlichen  entzündlichen  Erkrankungen  der 
Niere  am  häufigsten  Gl omerulonephri tiden,  für  deren  Entr 
stehung  in  überwiegendem  Maße  Streptokokkeninfektion  in 
Betracht  kommt.  Auch  die  Scharlachnephritia  gehört,  wie 
bekannt,  hierher.  Verhältnismäßig  selten  ist  daneben  die  andere 
Hauptfonn,  die  akute  interstitielle  Nephritis,  der  eino  selbständige 
Stellung  zukommt.  Die  chronische  parenchymatöse  Nephritis  ist 
fast  immer  eine  schwere,  nicht  abgeheilte  Glomeralonephritia  mit 
sekundärer  Parenchymdegeneration,  Bei  der  typhösen  Nephri- 
tis unterscheiden  Cognetto  und  Ad.  Zauran  die  leichten,  nur 
mikroskopisch  wahrnohmbaren  Veränderungen  von  den  schweren 
Formen  (große  rosenfarbene,  große  gestreifte  imd  große  hämorrha- 
gische Niere).  Wie  sie  auch  experimentell  nachweisen  konnten, 
sind  es  in  einer  Anzahl  der  Fälle  die  Typhusbakterien  selbst,  in 
anderen  ihre  Toxinej  welche  die  Nephritis  hervorrufen.  Neben  den. 
akuten    Infektionskrankheiten    sind     nach    Völcker 


I 


Kindesalter  auch  Bronchopnoumonie  und  Breclidurclifall 
€Üie  häufige  Ursache  der  Nephritis,  und  auch  ThompBon  hetont, 
daß  so  jaancher  Fall  von  chronischer  Nephritis  auf  eine  im  Kindes- 
alter im  Ans  chiuß  an  eine  septische  Infektion  entstandene  akute 
Nephritis  zurückzuführen  ist.  Daß  fem  er  durch  med  ik  amen  tÖse 
Giftwirkung  Nephritis  erzeugt  werden  kann,  ist  bekannt,  und  wir 
haben  in  den  vergangenen  Jahresberichten  eine  Anzahl  derartiger  Fälle» 
so  Nephritis  nach  GhrysarobinappHkation  (vor- Jahrg.  S*  268) 
registriert.  Max  Winkler  hält  derartige  Vorkommnisse  für  seltene 
AußEahmen.  Er  meint,  daß  die  Chrysarobinbehandlung,  wie  sie  bei 
Fßoriasia  üblich  ist,  im  allgemeinen  ohne  Gefahr  für  die  Nieren  durch- 
gefiihrt  werden  kann,  —  So  leicht  die  Diagnose  einer  in  ihren 
Symptomen  ausgeprägten  Nephritis  ist,  so  groß  kann  ihre  Schwierig- 
hmt  in  einer  großen  Anzahl  von  Füllen  werden  ^  njad  ist  darauf 
ja  bereits  bei  Besprechung  der  Albuminurie  und  Hämaturie  hin* 
gewiesen.  Auf  die  wiederholt  beobachtete  Tataache ,  daß  Eiweiß 
im  Urin  auch  bei  Nephritis  völlig  fehlen  kann,  macht  Aach  er- 
neut aufmerksam.  Er  betont  die  Wichtigkeit  der  mikroskopischen 
Untersuchung  zur  Stellung  der  Diagnose  mit  Hilfe  der  im  Sediment 
nachweisbaren  5Sy linder.  Beweisend  sind  nur  die  aus  Blutzellen 
and  degenerierten  Epithelien  Äusammengesetzten  Zylinder,  während 
hyaline  und  fein  granulierte  Zylinder,  deren  Entstehung  noch  wenig 
geklärt  ist,  allein  für  die  Diagnose  einer  Nephritis  nicht  verwertet 
werden  können.  Die  im  Harn  bei  Morbus  BrightÜ  oft  zahlreich 
vorkommenden  Leukozyten  sind,  wie  SchnÜtgen  ausführt, 
nicht  Eiterkörperchen,  sondern  Lymphozyten.  Man  kann  sie  durch 
Färbung  mit  E h rl i c h s  Triazidmischung,  Pappenheims  Pyronin- 
Methylengrünlösung  oder  M  ay -  Cl r  ü n  w a Id s  Methylenblau-Eosin  als 
solche  identiiiziereu  und  auf  diese  Weise  in  fraglichen  Fällen  die 
Differential diagn ose  zwischen  Nephritis  und  Pyehfcis  bezw.  Nieren- 
abssceß  stellen.  —  Zur  Frag©  der  Entstehung  der  Druck- 
steigernng  und  Veränderungen  im  &efößsystem  bei  chronischer 
Nephritis  liegen  auch  in  diesem  Berichtsjahre  wieder  eine  große  An- 
ji&hl  von  Arbeiten  vor.  Von  französischer  Seite  (Vaques,  Anbertin, 
Ambard  1904)  war  zuerst  die  Vermutung  ausgesprochen,  daß  bei 
den  cbronischen  Nephritiden  mit  Drucksteigerun  g  eine  erhöhte 
Tätigkeit  der  Kebeunieren  vorbanden  sei,  Wiesel  fand  nun  in 
2S  Fällen  von  chronischer  Nephritis  eine  Verbreiterung  des  Markes 
der  Nebenniere,  die  er  als  Hypertrophie  deutet.  Und  im  Verein 
mit  Hehur  gemachte  Untersuchungen  ergaben^  daß  das  Blutserum 
von  Kephritikern  die  Ehrmannsche  Adrenalinreaktion  zeigte, 


ituch  Eroncho- 

pniMtniODie, 

—  tmdi  Brffch 

darcbfallp 

—  nach 

lufektio: 


1 


riuysioroln«- 
LqipUkatioii. 


I 


Dmgnoie  der 
Kephriti» 


Fehlen  vöi 

Eiwoiü  im 

UdUf 


befund,  r 


L>rd|ihozyieö 
im  SediTfi^nt, 


Druck' 

bei 

ebronisch^jr 

N«|ihrUi9. 


J 


Adrt^tiaLlll 
]i><aktioii  Am 
BUNerutiiti. 


116 


Fftrbringer  und  Stettiner. 


Htttserams. 


ehte 
ütJtt  den 

(Irsacbe  der 

Herz- 
yperttopliie 


tpefimentelk 
Ddter- 

Über  die 
fcnt.<ttehiin^ 
l«s  Hydi'üijs, 


Behivndlang 

der 
Kepbriti»: 

Kachialz- 
tütziahnüg, 


auf  das  enukl eierte  Frodcbaoge  mjd riatisch  zu  wirken.  Aach  mittelB 
der  Eisenchloridreaktion  konnten  sie  Ädrenaiin  im  Serum  nach- 
weisen. Die  Frage  j  ob  nun  aber  wirklich  der  Adrenalin  geh  alt  des 
Blutes  die  Blutdrucksteigerung  verursache,  scheint  doch  noch  nicht 
völlig  geklärt.  Namentlich  Schlayer  bestreitet^  nicht  ohne  er- 
neute Keplik  von  Schur  und  Wiesel^  den  Zugammen  hang  zwischen 
beiden.  Eichler  konnte  im  Serum  von  Nephriti kern  zwar  auf  die 
Froschpupille  mydriatiach  wirkende  Substanzen  nachweisen,  blut- 
druckateigernde  Wirkungen  derselben  aber  nicht  erkennen.  Auch 
im  Harn  konnten  jene  von  J.  Pal  in  einem  großen  Prozentsatz  der 
untersuchten  Urine  von  Nephritikcm  gefunden  werden.  JedenfaUs  be- 
darf es  noch  weiterer  Feststellungen  zur  Klärung  dieser  interessantea 
Befunde.  In  einer  erhöhten  Viskosität  des  Blutplasmas, 
wie  er  sie  in  4  von  5  Fällen  feststellen  konnte,  sieht  Kottmaun 
eine  Erklärung  für  die  Herzhypertrophie.  Er  schließt  dies  aus  dar 
beim  Froschherzen  konstatierten  Abhängigkeit  der  Kontraktions- 
stfitrke  von  der  Viskosität  der  Spülöüssigkeit.  Doch  bedarf  es  auch 
hier  zur  Klärung  der  Verhältnisse  noch  weiterer  Versuchsreihen,  — 
Auch  zu  der  Frage  der  Entstehung  des  Hydrops  liegen  wieder 
eine  große  Anzahl  experimenteller  Arbeiten  vor  (Bence,  Heineke 
ußd  Meyerstßin,  Schlayer,  Hedinger  und  TukuyasÄ). 
Aus  ihnen  ergibt  sich  die  bekannte  Tatsache,  daß  die  Ursache  der 
Oedembildung  nicht  einheitlich  ist.  So  verursacht  bei  der  Uran- 
nephritis  wahrscheinlich  in  erster  Linie  eine  Gefäß  Schädigung  das 
Auftreten  des  Hydrops^  während  der  Kochsalzretention  eine  unter- 
geordnete Bedeutung  zukommt,  indem  er  zwar  nach  Kochsalzinjektion 
am  stärksten  ist,  aber  auch  nach  Injektion  von  Wasser  mit  sehr 
geringem  Kochsalagelialt